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Das Autorenporträt

Birgit-Christine Butte
Von Versprechen, Vertreibung und Vergangenheit

"Mutti, dein Leiden durch den furchtbaren Krieg wird nicht ad acta gelegt": Auf dem Totenbett verspricht Birgit-Christine Butte ihrer Mutter, ein Buch über deren Vertreibung aus Schlesien (1945) zu schreiben. 2005 erscheint "Das erfüllte Versprechen" in der Weimarer Schiller-Presse, Frankfurt. Es ist ein ergreifendes, sehr persönliches Werk, das sich gleichzeitig mit entscheidenden Fragen der Zeit auseinandersetzt. Demnächst legt die Autorin ihr nächstes Werk vor: "Aus dem Tagebuch einer Stiefmutter". Foto: Frau Birgit-Christine Butte

Birgit-Christine Butte wird 1945 in Marienberg/Erzgebirge geboren. Ihre Mutter, die sich seit Januar 45 auf der Flucht befindet, hat sich unterwegs ein Bein gebrochen. So kommt das Baby – im Unterschied zu vielen anderen – im Krankenhaus zur Welt. Anderthalb Jahre trägt die Mutter das Kind auf dem beschwerlichen Weg unter dem Mantel. Das Verhältnis der Autorin zur Mutter bleibt bis zu deren Tod im Jahr 2002 "unglaublich eng".

Zum Vater, den sie 1946 im Siegerland zum ersten Mal sieht, hat sie anfangs keinen Bezug. Nicht zuletzt dadurch gestaltet sich das Zusammenleben der Eltern nach Kriegsende zunächst schwierig. Auch die Strapazen der Flucht sind an der Mutter nicht spurlos vorübergegangen, sie kann keine weiteren Kinder bekommen. Christine – wie die Autorin im Buch genannt wird – weiß nichts davon und versucht immer wieder, "den Klapperstorch zu bestechen", damit er ihr Geschwister bringt.

Trotz der Schwierigkeiten verlebt Birgit Butte eine glückliche Kindheit. Als gute Schülerin und "mit großer Lust auf Zukunft" arbeitet sie nach dem Studium bereits mit Anfang 20 als Chefsekretärin eines Schweizer Industriellen. Sie lernt Fremdsprachen und nimmt an Weiterbildungsmaßnahmen teil, um anschließend zwölf Jahre als Assistentin der Geschäftsführung eines größeren Unternehmens tätig zu sein.

Erste Schreibversuche

In dieser Zeit kommt Birgit Butte erstmals mit dem Schreiben in Berührung. Mit Freuden übernimmt sie die Aufgabe einer Chefredakteurin für die Firmenzeitung, der sie den Untertitel "Zeitung mit Herz" verleiht. Darin berichtet sie auf sehr persönliche Weise von Geschehnissen im Unternehmen und erfreut damit Chef und Mitarbeiter.

Dann überschlagen sich die Ereignisse. Die Firmenleitung wechselt; der neue Vorgesetzte weiß die Arbeit der langjährigen Assistentin nicht zu schätzen. Die plötzliche Entlassung ist für Birgit Butte ein Schlag, den sie bis heute nicht verwunden hat. Wegen anhaltender Depressionen begibt sie sich in psychiatrische Behandlung. In dieser schweren Phase ihres Lebens fängt sie an, ernsthaft zu schreiben und macht sich Notizen zu allem, was ihr widerfährt. Sie beginnt ein Studium für literarisches Schreiben an der Frankfurter Cornelia Goethe Akademie, denn plötzlich sieht sie klar vor sich: "Ich möchte schreiben!"

Kurz darauf erleidet die geliebte Mutter einen Schlaganfall und kämpft mehrere Monate um ihr Leben. Auf dem Totenbett gibt die Tochter ihr das Versprechen, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Den Namen ihrer Mutter – Christina Klose – trägt sie fortan als Pseudonym. Das fertige Buch enthält schließlich mehr als eine Familiengeschichte. Es ist die Geschichte einer ganzen Generation von Vertriebenen und Flüchtlingen. So wagt die Autorin auch die Frage, wie es zu Hitlers Machtergreifung kommen konnte. Das Buch ist ein Erfolg und soll demnächst ins Englische übersetzt werden.

Bücher der Zukunft

Für die Zukunft hat Birgit-Christine Butte viele Ideen und Pläne. Nach der Veröffentlichung eines Gedichtbandes für Kinder, dessen Erlös sie den Albert-Schweitzer-Kinderdörfern spendet, schreibt sie bereits am nächsten Buch mit autobiographischem Inhalt. Im "Tagebuch einer Stiefmutter" will sie "Fröhliches und Trauriges" aus ihrem Zusammenleben mit dem Sohn ihres ehemaligen Lebensgefährten erzählen. Das Buch ist "im Kopf schon fertig". Ein weiteres, sehr ernstes Projekt befindet sich noch auf der Liste von Birgit-Christine Buttes ungeschriebenen Büchern. Sie will von den Erlebnissen zur Zeit ihrer größten Krise und dem "Aufgefangenwerden" in der Psychiatrie berichten. Es soll ein Buch werden, das Mut macht und in dem die Autorin rät: "Lasst euch nicht kaputt machen!"

Birgit-Christine Butte zeigt mit ihren Werken, dass es oft gerade die persönlichen Erlebnisse sind, die die Menschen zum Schreiben inspirieren. Was ihre Texte auszeichnet, ist, dass sie Menschen aufrichtig liebt und nie müde wird zu fragen, was sie bewegt.
 

 
Kurz gefragt:

1. Wann haben Sie sich entschieden, Autorin zu werden?

2000 endete meine berufliche Laufbahn aus zwei Gründen: Der neue Firmenchef verjüngte sein Personal, ich bekam eine unverhoffte Kündigung nach zwölf Jahren Mitarbeit als Geschäftsführungsassistentin und Chefredakteurin einer Firmenzeitung mit Herz. Danach erkrankte ich sehr schwer und erhielt Berufsunfähigkeitsrente.
Verzweifelt versuchte ich, meinem Leben neuen Sinn zu geben. Ich meldete mich zum Studium an der Cornelia-Goethe-Akademie an, das mir unverhofft viel Freude bereitete, mich in eine neue Welt führte und mir ungeahnte Fähigkeiten aufzeigte. Ich verfasste Kindergedichte und begann mit Freuden, literarische Gedichte und kleinere Geschichten zu schreiben.
Der Todeskampf meiner Mutter im Jahr 2002 ließ mich ihr ein Versprechen geben: Ihr Leben und Leiden während der entsetzlichen Vertreibung aus Schlesien sollte nicht ad acta gelegt werden. Ich versprach ihr, darüber ein Buch zu schreiben, das auf der Buchmesse 2005 in Frankfurt erschienen ist und dem noch viele Bücher folgen sollen.

2. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Unterschiedlich. Ich habe die geplanten Bücher oder Gedichte bereits als Konzept im Kopf, schreibe abends und nachts, redigiere die Gedanken und bin oft erstaunt, aber auch stolz, was bislang daraus geworden ist.

3. Welches Verhältnis haben Sie zu Ihren Helden?

Bisher immer nur ein ganz persönliches, oftmals das beste, verständnisvollste, ja oft das liebevollste.

4. Was macht für Sie einen guten Roman aus?

Spannung, Ideenreichtum, Klarheit, Glaubwürdigkeit.

5. Welchen Rat würden Sie Schreibanfängern mit auf den Weg geben?

Lösen Sie sich von dem Gedanken, ein großer Schriftsteller zu werden, Preise und Reichtum durch Buchverkauf erzwingen zu können. Hören Sie auf Ihr Inneres und schreiben Sie nur, wenn Sie Freude daran haben. Zwingen Sie sich nicht, wenn Gedanken und Ideen ausbleiben. Lassen Sie Ihr Konzept von klugen, ehrlichen Menschen kritisieren. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie schreiben – und bleiben Sie stets ihr strengster Kritiker.
Freuen Sie sich über Ihre Begabung und öffnen Sie Ihre Augen und Sinne für alles, was das Leben Ihnen bietet. Schreiben Sie Gedanken und Ideen immer auf, sie könnten Ihnen in einem Ihrer Werke gute Dienste leisten.
 

 

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