Sven Geitmann
Von der Studienarbeit zum eigenen Verlagsprogramm
| Es war die Veröffentlichung einer Studienarbeit
im Internet, die den Maschinenbaustudenten Sven Geitmann nach seinem
Diplom zum Buchautor und Verleger werden ließ. Mit der positiven Resonanz
reifte die Idee, einmal ein Buch über sein Thema „Wasserstoff
als Fahrzeugtechnik“ zu schreiben. Bis zum Buch und eigenem Hydrogeit
Verlag waren allerdings noch einige Impulse und Schritte nötig. |
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Schritt für Schritt zum Buch
Viel Literatur über "Wasserstoff" gab es nicht als
Sven Geitmann 1998 das Thema "Wasserstoff als Kraftstoff" anstelle
der üblichen "Motorenneuberechnung" für
seine Hausarbeit wählte. Den fertigen Text veröffentlichte er
auf seiner Homepage bei der TU Berlin. Neben steigenden Zugriffszahlen
erhielt er über das Gästebuch
eine positive Resonanz. "Viele wollten gerne mehr lesen über
die noch wenig bekannte und visionäre Antriebsmöglichkeit", erinnert
sich Geitmann. Im Rückblick stellt
man fest: Der Student hatte so sein publizistisches Thema gefunden,
und mit der privaten Homepage war die Grundlage für seine heutige
Informationsplattform Hydrogeit.de geschaffen, die mittlerweile über
80.000 Seitenzugriffe im Monat erzielt.
Damals aber war Sven Geitmanns
publizistischer Werdegang noch nicht abzusehen. Nach seinem Studium
arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Angestellter
bei der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) in Berlin.
Wie im Wissenschaftsbetrieb üblich,
erhielt er lediglich einen befristeten Vertrag für sein Projekt.
Der junge Maschinenbauingenieur konnte dieses vor Ablauf seines
Vertrags fertigstellen und beendete auch sogleich das Arbeitsverhältnis: "Ich
wollte nicht mehr im öffentlichen Dienst arbeiten." Zu
vorhersehbar schien ihm die Laufbahn dort und die restliche
Vertragszeit einfach abzusitzen, war nicht Geitmanns Sache. Er
machte eine Existenzgründung aus der
Arbeitslosigkeit heraus, wobei er noch nicht im Einzelnen wusste,
wo es hingehen sollte. Der erste Business-Plan sah noch ein Informationszentrum
und eine Internetplattform zum Thema Wasserstoff vor.
Wichtig
für seine endgültige Entscheidung, das Buch über
sein Thema zu schreiben, war die redaktionelle Tätigkeit für
den H2Report, einem Newsletter für die Messe H2-Expo, den er
neben seinem Job mit aufgebaut hatte: "Ich
habe gemerkt, dass mir das Schreiben Spaß macht, leicht fällt
und gut ankommt. Aus dieser Entwicklung heraus habe ich die Entscheidung
getroffen, das Buch zu schreiben." Sven Geitmann intensivierte
die Recherchen, sammelte Informationen und schrieb Kapitel für
Kapitel, ohne dass von Beginn an die endgültige Struktur
feststand. Mit dem fertigen Manuskript in der Hand wurde der
junge Buchautor mit den Problemen der Publikationsmöglichkeiten
konfrontiert. Die Fachverlage lehnten ab, da ihnen das Thema
zu speziell und exotisch erschien. Geitmann beschloss daher,
die Produktion selbst in die Hand zu nehmen.
Die Publikation
und erste Verlegertätigkeit
Seine Wahl fiel auf das Book-on-Demand-Verfahren
(BoD), weil es besonders günstig war, ihm allerdings
auch einiges an Arbeit abverlangte: Formatieren des Textes,
Cover gestalten und die fertige Druckdatei erstellen. Bald
nach der Veröffentlichung merkte Geitmann, dass auch
ein eigenes Marketing notwendig war, um den Verkauf seiner
Bücher anzukurbeln. Er verschickte Pressemeldungen,
stellte Kontakt zu Internetbuchhandlungen her und präsentierte
sein Buch auf Fachmessen. Alsbald bestellte er selbst größere
Mengen seines Buches - er musste als Autor nur Druckkosten
bezahlen - und übernahm den Eigenvertrieb: „So
hatte ich auch den größten Gewinn.“
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Sven Geitmanns Buch "Wasserstoff und Brennstoffzellen" in
einer Hamburger Buchhandlung. |
Dank seines Engagements wurde der Verkauf des Erstlings finanziell
ein Erfolg und übertraf die Erwartungen des Autors, dessen
Publikationswunsch ja inhaltlicher Natur war. Nun eröffnete
sich eine wirtschaftliche Perspektive. Geitmann gewann Einblicke
in die Funktionsweise des Buchmarktes. So stellte er fest, dass es
schwierig ist, mit der BoD-ISBN in die Barsortimente der Buchhändler
zu kommen. Zudem stiegen nach der Publikation Geitmanns Ansprüche
an die Gestaltung des Buches. Er wollte auch Leser erreichen,
die auf das Aussehen Wert legen. Um die gewünschten Verbesserungen
zu erzielen, vollzog Sven Geitmann den Schritt von BoD zum eigenen
Verlag.
Die notwendigen Fähigkeiten eignete sich Sven Geitmann
gewissermaßen im Selbststudium
an: mit Hilfe von Fachliteratur und durch die praktischen Erfahrungen
mit seinem ersten Buch. Dies erschien zwar nicht in seinem eigenen
Verlag, es war aber der verlegerischen Tatkraft des Buchautors
zu verdanken, dass das Buch erfolgreich
wurde. Eine große Hilfe war ihm auch die freiberufliche Tätigkeit:
Mit Buchhaltungs- und Steuerfragen, Büroorganisation und dergleichen
war Geitmann bereits bestens vertraut. Nach und nach folgten
neue Bücher, eine Multimedia-CD und das erste
Buch mit einem Fremdautor. "Nun war ich ein richtiger Verleger",
kommentiert Geitmann diesen Schritt. Infolge seiner Präsenz auf
Fachmessen und wachsender Bekanntheit bei Institutionen kam
Dr. Rühle auf den Verleger zu und bereicherte
das Verlagsprogramm mit einem Buch "Wasserstoff & Wirtschaft".
Vision
und Realismus als Verlagsgrundlage
Sven Geitmann hat es geschafft,
sein publizistisches Wirken um seine Vision herum zu gestalten.
Schon als Student wollte er mehr als nur leistungsfähigere oder
effizientere Maschinen bauen: "Ich wollte etwas Sinnvolles
machen". Sein Hausarbeitsthema über
den alternativen Kraftstoff Wasserstoff hat er mittlerweile ausgedehnt
auf erneuerbare und zukünftige Energietechniken. Für Geitmann
ist der Wandel in der Energiewirtschaft hin zu alternativen Energien
unabdingbar. Mit seinem publizistischen Wirken will er eine breite Öffentlichkeit über
dieses Thema informieren: "Ich möchte den
Menschen Ratgeber in die Hand geben, mit denen sie nach der Einsicht,
dass es
nützlich ist, auf alternative Energieformen zu setzen, dann auch
die Informationen für eine konkrete Anwendung bekommen."
| Der Verleger Sven Geitmann
(Mitte) auf einem parlamentarischen Abend in der Hamburgischen
Landesvertretung in Berlin - zusammen mit
Barbara Makowka (links), einer freien Mitarbeiterin für
Anzeigen, und dem Autopapst Andreas Keßler (rechts), der
das Vorwort zu Geitmanns neuem Buch „Wasserstoff-Autos“ schrieb. |
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Seine
Bücher sind in gewissem Sinne populärwissenschaftlich,
ohne den Anspruch aufzugeben, auch Fachwissenschaftlern neue
Informationen zu bieten. Die Resonanz auf sein Erstlingswerk,
es sei "leicht verständlich geschrieben" empfindet der
Autor Geitmann als Kompliment und hat es sich zur Maxime seines
Sachbuch-Schreibens gemacht. Neben dem Verlagsgeschäft ist Sven
Geitmann auch als Redakteur für das
energieportal24 tätig. Auf die Frage, wie er bei diesen vielfältigen
Tätigkeiten
zum Schreiben seiner Bücher komme, antwortet er, dass er relativ
anspruchslos sei, was die Umstände angehe. Er schreibe direkt
in den Laptop und könne auch
auf Zugfahrten oder wenn er in seinem Home Office zwei Stunden
Zeit habe, produktiv arbeiten.
Den wirtschaftlichen Erfolg - er
hat mittlerweile eine vierköpfige
Familie zu ernähren - verdankt Sven Geitmann seinem Geschäftsinn
und seiner verlegerischen Initiative. Durch sein Betreiben sind
die Bücher des Hydrogeit Verlags mittlerweile
in die Barsortimente gelangt, was die Verkaufsmöglichkeiten erhöht.
Mit der Übernahme
und Neu-Auflage der Zeitschrift H2Tec, die jetzt HZwei heißt,
wagt er ein neues Verlagsprojekt. Das Erkennen von Möglichkeiten,
wie das beständige Arbeiten an
Verbesserungen und Weiterentwicklungen, schaffen die Bedingungen,
um sein Thema der alternativen Energien publizistisch realisieren
zu können. Auch für sein
Schreiben wollte sich der Maschinenbauingenieur weiterqualifizieren.
Er machte ein Fernstudium zum Fachjournalisten, das er gerade
abgeschlossen hat - Note:
hervorragend.
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Kurz gefragt:
1. Wie sieht Ihr Alltag als Verleger, Redakteur und Buchautor aus?
Jeder
Tag ist anders, langweiligen Alltag gibt es nicht. Meist entscheide
ich erst im Laufe des Tages, was heute ansteht. Vor der Fertigstellung
einer neuen Zeitschriftenausgabe recherchiere und schreibe ich viel.
Dann folgt die graphische Gestaltung und letztlich nach dem Druck der
Versand. Parallel dazu gibt es dann noch grad aktuelle Projekte: die
Neuauflage eines Buches oder einer CD, das Verfassen einer Studie oder
die Vorbereitungen für einen Vortrag. Quasi nebenbei muss ich für energieportal24.de
Meldungen schreiben, Anfragen beantworten und die Buchhaltung erledigen.
Genug zu tun ist immer, schließlich will ich zwischendurch auch noch
zu Messen, Kongressen und Presseveranstaltungen.
2. Welche Rolle spielen
erneuerbare Energien Ihrer Meinung nach in der Zukunft?
Erneuerbare
Energien gewinnen zunehmend an Bedeutung, das beweist die derzeitige
rege Diskussion in der Gesellschaft und in den Medien. Wir müssen weg
kommen von den fossilen Energieträgern und die Effizienz deutlich erhöhen,
damit wir in Zukunft alle Menschen nachhaltig mit Energie versorgen
können.
3. Wie kamen Sie auf den Verlagsnamen?
Hydrogeit ist die Kombination
von HYDROGEN (engl. für Wasserstoff)
und GEITMANN. Außerdem beinhaltet das Wort - zumindest vom Klang her
- den GUIDE (engl. für
Ratgeber). Ausgedacht habe ich mir diesen Namen bereits vor rund sieben
Jahren und er hat sich mittlerweile gut eingeprägt. Manchmal werde
ich schon als Herr Hydrogeit angesprochen.
4. Was macht für Sie einen
guten Text aus?
Ein guter Text ist für mich ein verständlich geschriebener
Text, der selbsterklärend
ist, bei dem das Lesen Spaß macht und bei dem alle offenen Fragen beantwortet
werden. Ich halte nichts von Fach-Chinesisch, wo der Leser sich durch
den Text quälen muss, er aber nachher kaum einen Wissensgewinn verzeichnen
kann und nur der Autor denkt, er hätte sich jetzt profiliert. Wenn
ich merke, dass ein Leser die Zeitschrift immer wieder gerne liest
oder auch das zweite oder dritte Buch kauft, dann bin ich zufrieden.
5.
Welchen Rat würden Sie Schreibanfängern mit
auf den Weg geben?
Am besten ist es, wenn man zunächst einfach mal
anfängt zu
schreiben, denn am wichtigsten ist der Spaß am Schreiben. Die notwendigen
Kenntnisse und Stilmittel kann man sich dann immer noch aneignen, wenn
man merkt, dass es einem gefällt. Sollte man dann jedoch feststellen,
dass das Schreiben nicht so leicht fällt, wenn man also öfter mal stundenlang
vor einem weiße Blatt beziehungsweise
Monitor sitzt, ist es ratsam, das Tätigkeitsgebiet lieber zu wechseln. |