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Das Autorenporträt

Regina Hupf
Im Internetzeitalter auf soziale Missstände hinweisen

Die 1971 an der deutsch-tschechischen Grenze geborene Autorin Regina Hupf schreibt überwiegend politische Sachtexte. Für ihre Themenrecherche nutzt die Niederbayerin Zeitungen und das Internet. Regelmäßig publiziert sie ihre Texte im Internet-Blog und hat einige in Buchform veröffentlicht. Das Schreiben ist für sie Gegengewicht zum Beruf, aber auch Ausdruck eines sozialen Interesses – und dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Foto: Autorin Regina Hupf

Bloggen hinterm Mond

Wenn sie um 16 Uhr von der Arbeit nach Hause kommt, setzt sich Regina Hupf an ihren Computer und schreibt Nachrichten in ihren Blog. Das elektronische Tagebuch auf der Internetseite Yahoo-360° hat sie im Sommer diesen Jahres für sich entdeckt – und das, obwohl in ihrem Bekanntenkreis sonst niemand Internet hat. Beinahe täglich postet sie Liedtexte, verweist per Link auf Nachrichten und verfasst kritische Kommentare. Ebenso findet der Besucher dort ihre persönlichen Lieblingslisten zu den Themen Musik, Interessen, Fernsehtipps und – natürlich – Lieblingsbücher.

Eine Überschrift aus dem Blog lautet: „Die Kritiker richtet man...die Rechten lässt man laufen.“ Die Headline lässt vermuten, dass hier ein politisch interessierter Mensch am Werke ist. Und richtig – die Autorin ist seit November 2005 Mitglied der PDS und schreibt überwiegend kritische Sachtexte und Gedichte. Das geschieht in Opposition zu ihrer Umgebung. „Ich stamme aus einer Gegend, die man als hinterm Mond zuhause einschätzt und wo man engagierte Leute zwar nicht gerade mit dem Elektronen-Mikroskop suchen muss, wo aber selbst die politisch Organisierten sich darin gefallen, ihre Umgegend als einen hoffnungslosen Fall abzuschreiben.“ Dagegen aufzubegehren, sagt Regina Hupf, war ihr Beweggrund zu schreiben, „den Leuten gern verdrängte Missstände ‚um die Ohren zu hauen’.“

Den Stoff für ihre Berichte holt sie sich wiederum aus dem Internet. Ihre internationalen Internetkontakte bei Yahoo nutzt sie dazu, Informationen zu gewinnen, „zu erfahren, was hier nicht in der Zeitung steht.“ Außerdem liest die Autorin mehrere deutsche Zeitungen. Daraus entstehen Beiträge wie folgender: „Dieses Wochenende und bis zum 15. September wäre es das Beste, nicht im Freistaat Bayern zu leben - wie bei jedem Feiertag, der irgendeiner religiösen-katholischen Grundlage entspringt... Sind es 20 Millionen, wie die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt, oder doch eher nahe bei den 150 Millionen EURO, die beim letztjährigen Weltjugendtag zu Köln verbrannt wurden... wie es der Bund für Geistesfreiheit taxiert? Der Einsatz von 5000 Polizisten allein kostet 50 Millionen EURO.“

Von Katzen, Schicksen und Patenkindern

Ihr Interesse an Politik und Sozialem findet seinen Platz in verschiedenen Büchern. Erste Zeilen veröffentlichte Regina Hupf 1988 in der Anthologie „Schickse und Machino“ im Verlag Junger Autoren, Bayreuth. Nach weiteren Textsammlungen („Gegenverkehr auf der Einbahnstraße“ 1996 und „Verdrängte Widersprüche“ 1997) erschien 2003 „Verdrängte Widersprüche – ein Lesebuch“ im Fouqué-Verlag. Darin finden sich vorwiegend politische Artikel und Gedichte, zum Beispiel zu einem Neonazi-Anschlag. Es gibt aber auch die lyrische Beschreibung einer Plastik, Ausdruck ihrer Freude an der Kultur. In den „Lieblingslisten“ im Internet nennt sie Musik als einen Interessenschwerpunkt, ihr Lieblingsfernsehsender ist ARTE.

Das erste selbst gekaufte Buch entstammt dem Genre Science-Fiction: George Orwells „1984“. Ein Roman, der gleichwohl auch ein politisches Buch ist, die negative Utopie eines totalitären Staates und eine Kritik am Kapitalismus. „Und wahrscheinlich, weil’s keiner kapierte, warum eine mit 13 Jahren ‚1984’ zu verstehen versucht, blieb ich beim Lesen… gerade von den Büchern, die mir altersmäßig und vom Schulbildungsstand her keiner zutrauen würde“, erläutert sie. Regina Hupf hat die Volksschule besucht und danach eine Ausbildung zur Kinderpflegerin absolviert.

Vom Lesen zum Schreiben gelangte sie dann erstmals mit 16 Jahren. Sie verfasste einen Science-Fiction-Roman über die Auswanderung der Menschen und Hunde ins Weltall, nach welcher die Erde von Katzen regiert wird. Dieses jugendliche literarische Zeugnis hat sie leider später verbrannt. Heute dient das Schreiben für sie als „Ausgleich zur geisttötenden Arbeiterei im Hotel“. Da sie als Kinderpflegerin im Augenblick keine Stelle findet, verdient sie ihren Lebensunterhalt als Zimmermädchen. Geblieben ist ein großes soziales Interesse. Mit Patenschaften bei der Hilfsorganisation Plan unterstützt sie derzeit vier Kinder in Bangladesh, Zimbabwe, Vietnam und Kambodscha. Dennoch bezeichnet sie sich selbst nicht als sehr engagierte Person: „Ich tue, was mir möglich ist in Form von Patenschaften, Leserbriefen, Unterschriften.“

Künstlerin - Ministerpräsidentin

Sicher ist sich die Autorin: Wenn sie „allein für die Kunst“ leben könnte, würde sie sich viel stärker einsetzen. Im Augenblick macht das Autorendasein nur einen kleinen Teil ihres Lebens aus. Sie konnte Artikel in der Linkszeitung unterbringen und versucht es immer wieder in Literaturzeitschriften, manchmal auch mit Erfolg. Den aber erntet sie vor allem im Internet, wo immer wieder Besucher auf ihrer 360°-Seite landen und lobende Beiträge in ihrem Gästebuch hinterlassen. Dass sie einmal einen Bestseller schreiben wird, glaubt Regina Hupf nicht; dafür seien ihre Texte zu sachbezogen. Ihre Schreibintention erklärt sie so: „Wenn ich durch meine Texte auf Missstände verweisen und zu ihrem Verschwinden beitragen kann, dann nutze ich meinen Grips und meine Formulierungsgabe dazu.“

Von der Zukunft erhofft sich die Autorin momentan vor allem, dass sie wieder in ihrem alten Beruf arbeiten kann – und ihre zukünftigen Bücher erfolgreich veröffentlicht. Sie bleibt mit ihren Wünschen, ebenso wie mit ihren Texten, eben der Realität verbunden. Und wenn Regina Hupf doch einmal richtig träumt? Dann sieht sie sich als erste Ministerpräsidentin des Freistaates Bayern. „Als Frau, Unverheiratete, Exkommunizierte und nicht zuletzt PDSlerin wäre ich eine mehrfache Sensation“, fügt sie scherzend hinzu.

 

 
Kurz gefragt:

1. Wann haben Sie sich entschieden, Autorin zu werden?

Als Autorin sehe ich mich, seit 1996 mit „Gegenverkehr auf der Einbahnstraße“ das erste Buch mit meinen Gedichten auf den Markt kam... der den Band geflissentlich ignorierte, so dass ich den „Restbestand“ vom Verlag zurückkaufte, damit mein auf Papier gedrucktes Herzblut nicht verramscht und eingestampft wurde!

2. Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?

Da ich mir als Zimmermädchen meinen Lebensunterhalt verdiene, bleiben mir nur meine dienstfreien Tage zum ernsthaften Schreiben. Fällt mir zwischendrin was zu dem ein, was an Informationen auf mich einströmt... steht am Ende ein Leserbrief oder ein Gedicht auf dem Papier.

3. Wann haben Sie sich zum ersten Mal mit den Themen Ihrer Bücher auseinandergesetzt?

Die ersten Texte verfasste ich etwa Mitte der 1980er. Nachdem ich eine TRIUMPH-Schreibmaschine (aus DDR-Produktion) bekommen hatte, tippte ich auf Schulblockblätter einen Science-Fiction-Roman über eine von Katzen beherrschte Erde.

4. Was macht für Sie einen guten Text aus?

Einen guten Text habe ich dann verfasst, wenn ich mich noch nach längerer Zeit damit identifizieren kann. Kann ich nachvollziehen, warum ich das so und so geschrieben habe - dann ist der Text mir gelungen!

5. Welchen Rat würden Sie Schreibanfängern mit auf den Weg geben?

Probiert Euch aus! Probiert alles aus!
 

 

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