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Nachrichten aus Kultur und Literatur
Februar 2012
29.02. Börne-Preis für Schriftsteller und Essayisten Götz Aly
Frankfurt/Main (dpa) - Der Schriftsteller und Essayist Götz Aly wird mit dem Ludwig Börne-Preis 2012 geehrt. Der 64-Jährige habe in seinen Werken mit besonderer Unerschrockenheit auf die wirtschaftlichen und finanziellen Motive der deutschen Antisemiten aufmerksam gemacht, teilte der Preisrichter, «Zeit»-Feuilletonchef Jens Jessen, am Mittwoch in Frankfurt mit. Aly («Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass») erinnere mit seinem Kampf gegen nationale Legenden und Vorurteile an den Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837).
2011 hatte Joachim Gauck, derzeit Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, den mit 20 000 Euro verbundenen Preis erhalten. Dieser gilt laut Ludwig-Börne-Stiftung als der renommierteste Preis für Essays und Reportagen im deutschen Sprachraum.
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29.02. Schriftsteller lesen auf Buchmesse gegen Rechts
Leipzig (dpa) - Johano Strasser, Feridun Zaimoglu und weitere Schriftsteller positionieren sich auf der Leipziger Buchmesse (15.-18. März) gegen Rechts. «Worte gegen Rechts» heißt ein Projekt des Verbandes Deutscher Schriftsteller gegen Rassismus und Nationalsozialismus. Es startet auf der Frühjahrsschau der Bücher. An den drei Tagen wollen Autoren für jeweils etwa drei Stunden mit Lesungen gegen Rechtsextremismus Position beziehen, wie der Landesverband Sachsen am Dienstag mitteilte. Mit dabei seien auch Titus Müller, Regine Möbius und Adel Karasholi. «Worte gegen Rechts» werde mit Lesungen, Plakataktionen, und anderen Veranstaltungen im Laufe des Jahres 2012 fortgesetzt.
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29.02. Berlin Verlag soll in schwedische Hände kommen
München/Berlin (dpa) - Der schwedische Bonnier-Konzern, zu dem der Münchner Piper Verlag gehört, will den Berlin Verlag/Bloomsbury Berlin kaufen. Das teilte der Piper Verlag am Mittwoch in München mit. Das Kartellamt müsse dem Kauf noch zustimmen, betonte eine Piper-Sprecherin. Zwischen Bloomsbury und dem Piper Verlag soll es künftig eine «strategische Partnerschaft» geben. Der Sitz des Bloomsbury Verlages solle aber weiterhin Berlin sein.
Bloomsbury Berlin könne auch in Zukunft darauf bauen, erfolgreiche internationale Autoren auf den deutschen Markt zu bringen, hieß es in einer Piper-Mitteilung. Der Berlin Verlag werde sein literarisches Profil behalten und solle seine Marktposition im Rahmen der neuen Partnerschaft weiter ausbauen. Weitere Details zum Kauf wollte der Verlag zunächst nicht bekanntgeben.
«Durch diese neue strategische Partnerschaft mit einem der führenden literarischen Verlage Deutschlands wird Bloomsburys Zukunft in Deutschland langfristig gesichert», erklärte Bloomsbury-Gründer Nigel Newton. «Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Piper, die uns ermöglicht, unsere bedeutenden internationalen Autoren noch erfolgreicher in Deutschland zu verlegen.»
Hartmut Jedicke, der Chef von Bonnier Media Deutschland, dem deutschen Ableger des schwedischen Unternehmens, will künftig auf ein Zusammenspiel setzen aus «den hervorragenden internationalen Autoren von Bloomsbury, der starken Stellung von Piper im deutschen Markt und einer kreativen Mannschaft in Berlin».
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29.02. Kathrin Röggla tritt Posten als Mainzer Stadtschreiberin an
Mainz (dpa) - Die österreichische Autorin Kathrin Röggla wird an diesem Donnerstag (1.3.) neue Mainzer Stadtschreiberin. Die 40-Jährige tritt damit die Nachfolge von Ingo Schulze an. Sie ist nach Angaben des ZDF die 28. und bisher jüngste Preisträgerin. Der Mainzer Stadtschreiber Literaturpreis ist mit 12 500 Euro dotiert. Für ein Jahr bezieht Röggla die Stadtschreiberwohnung im Gutenberg-Museum. Sie wird außerdem eine Dokumentation mit dem ZDF produzieren.
Röggla habe ein ungewöhnlich vielseitiges und reiches Werk vorzuweisen, hieß es in der gemeinsamen Begründung der Jury. In ihren Romanen und Erzählungen beschäftigt sich die Autorin mit zeitgenössischen Themen wie etwa der Wirtschaftskrise und ihren Verursachern, dem Entführungsdrama der Natascha Kampusch oder den Terroranschlägen in New York. Ihr Theaterstück «worst case» wurde als bestes Stück 2010 am Wiener Burgtheater mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet.
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29.02. Der Meister ist still geworden - Gabriel García Márquez wird 85
Er ist der wohl größte lebende lateinamerikanische Autor. Sein Roman «Hundert Jahre Einsamkeit» machte ihn weltberühmt und brachte ihm den Literaturnobelpreis ein. In aller Stille feiert Gabriel García Márquez nun seinen 85. Geburtstag.
Berlin (dpa) - Manchmal können Bücher Kontinente bewegen:
Zumindest literarisch rückte Südamerika den Europäern ein Stück näher, als Gabriel García Márquez' Roman «Hundert Jahre Einsamkeit» erschien. Denn die Familiensaga aus dem mythischen Urwalddorf Macondo begeisterte auch diesseits des Atlantiks Millionen von Lesern und prägte das Lateinamerikabild von Generationen. Am nächsten Dienstag (6. März) wird der kolumbianische Schriftsteller 85 Jahre alt.
Um den Meister des Magischen Realismus ist es still geworden. Er hat seit Jahren nichts mehr publiziert, und es geht ihm dem Vernehmen nach nicht gut. Seinen Geburtstag wird er in Mexiko, wo er lebt, wohl abgeschirmt von der Öffentlichkeit feiern. 30 Jahre ist es her, dass die Schwedische Akademie García Márquez den Literaturnobelpreis verlieh, und 45 Jahre sind seit dem Erscheinen von «Hundert Jahre Einsamkeit» vergangen. Noch viel länger liegt der Beginn von «Gabos» literarischer Laufbahn zurück.
Geboren wurde García Márquez am 6. März 1927 in Aracataca, in der feuchtheißen Karibikregion Kolumbiens, einem Ort, in dem nicht wenige Leser das Vorbild für das sagenhafte Macondo sehen. Nach seinen Schuljahren am Jesuitenkolleg im kühlen Bogotá begann er ein Jurastudium, das er aber nie abschloss. Stattdessen befasste er sich mit angelsächsischer Literatur und begann 1948 in der Hafenstadt Barranquilla als Journalist zu arbeiten. 1955 erschien sein erster Roman, «La hojarasca» (dt. 1975, «Der Laubsturm»).
Das Leben des García Márquez ist reich an Anekdoten, wie der, dass er in Barranquilla zeitweilig in einem Bordell wohnte, weil dort die Zimmer billig waren. Auch später war er notorisch klamm, denn als er 1967 «Hundert Jahre Einsamkeit» zu Ende geschrieben hatte und das Manuskript an seinen Verleger in Buenos Aires schicken wollte, reichte das Geld nicht einmal für das volle Porto. Er schickte es daher in zwei Teilen. Zum Glück kamen beide Teile an.
Denn mit diesem Werk schaffte der Kolumbianer den Durchbruch. Auf geniale Weise verknüpft er darin die Geschichte seines Heimatlandes mit den Mythen der Alten und der Neuen Welt. Historische und mythische Zeit mischen sich unaufhörlich, reale Ereignisse wechseln sich mit phantastischen Begebenheiten ab, wie zum Beispiel der Himmelfahrt der Dorfschönheit Remedios. Der Bürgerkrieg zwischen kolumbianischen Konservativen und Liberalen oder die Machenschaften der United Fruit Company kommen in dem Roman ebenso vor wie die biblischen Motive von Schöpfung, Exodus, Sintflut oder Apokalypse.
So wurde García Márquez zum vielleicht wichtigsten Vertreter des sogenannten «Booms» der lateinamerikanischen Literatur. Zusammen mit dem Peruaner Mario Vargas Llosa, dem Argentinier Julio Cortázar und dem Mexikaner Carlos Fuentes zeigte er einer staunenden Außenwelt, was Lateinamerika literarisch zu bieten hatte. «Es war ein kraftvolles Erzählen, wie man es in Europa damals nicht hatte. Da wurde aus dem Vollen geschöpft», sagt die deutsche Hispanistin Michi Strausfeld, die über García Márquez ihre Doktorarbeit schrieb.
Auf «Hundert Jahre Einsamkeit» folgte als nächster großer Roman «Der Herbst des Patriarchen (1975, dt. 1978). Es ist die Geschichte eines Diktators, in dessen Person sich die Charaktere realer lateinamerikanischer Tyrannen mit phantastischen Elementen mischen, eben typisch Magischer Realismus. Der General knechtet sein Volk 232 Jahre lang, bevor er endlich stirbt. Doch erst als die Geier schon den Maschendraht von den Fenstern reißen, trauen sich die Menschen in den Palast, um nachzuschauen, ob er wirklich tot ist.
Zu den bekanntesten Romanen des Nobelpreisträgers zählen außerdem «Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt» (1961, dt. 1976), «Chronik eines angekündigten Todes» (1981) und «Die Liebe in den Zeiten der Cholera» (1985, dt. 1987). Zuletzt erschien 2004 «Erinnerung an meine traurigen Huren», das den überhohen Erwartungen an einen neuen García-Márquez-Roman aber schon nicht mehr gerecht werden konnte.
Neben den Romanen blieb García Márquez auch seiner journalistischen Berufung treu. Dafür steht «Nachricht von einer Entführung» (1996), eine Reportage in Buchformat über die Entführung von zehn kolumbianischen Persönlichkeiten durch das Drogenkartell des Pablo Escobar. «Roman und Reportage sind Kinder einer selben Mutter», schreibt der Autor in seinen Memoiren.
«Vivir para contarla» - «Leben, um davon zu erzählen» heißt dieser Erinnerungsband, der 2002 erschien. Er war als erster von drei Bänden einer Autobiografie gedacht und behandelt die Jahre bis 1955. Damals hatte García Márquez schon eine Krebserkrankung hinter sich. Dass es den zweiten und dritten Band noch geben wird, ist kaum anzunehmen. Doch die von García Márquez 1994 in Cartagena in Kolumbien gegründete Journalistenschule dürfte ihren Schöpfer überdauern.
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28.02. Autorin Honigmann mit Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis geehrt
Alzey (dpa/lrs) - Die Autorin Barbara Honigmann hat am Sonntag in Alzey den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis erhalten. Der Preis wird alle drei Jahre von der Stadt sowie der Volksbank-Stiftung verliehen. Er ist mit 7500 Euro verbunden. Zu den früheren Preisträgern gehören Hanns-Josef Ortheil, Luise Rinser, Christa Wolf und Ulla Hahn.
Honigmann wurde 1949 in Ost-Berlin geboren. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften arbeitete sie nach Angaben des Hanser-Verlags als Dramaturgin und Regisseurin, seit 1976 als freischaffende Schriftstellerin und Malerin. 1984 reiste sie aus der DDR aus und siedelte nach Straßburg über.
Ihre Werke sind vielfach ausgezeichnet, unter anderem nahm sie 2011 den Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich entgegen. Ihr erstes Prosawerk unter dem Titel «Roman von einem Kinde» erschien 1986. Es folgten weitere Romane sowie Theaterstücke und Hörspiele. Im vergangenen Jahr erschien «Bilder von A.».
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28.02. Keine graue Theorie: Orhan Pamuks Liebeserklärung an den Roman
Orhan Pamuk ist ein gefeierter Autor von Romanen. Aber er schreibt nicht nur welche, er denkt auch darüber nach, was den Roman zum Roman macht und warum er als Literaturgattung so erfolgreich ist. Sein neues Buch erklärt genau das.
München (dpa) - Orhan Pamuk ist ein großer Erzähler. Der in Istanbul geborene Literaturnobelpreisträger hat eine Reihe erfolgreicher Romane geschrieben. Aber das ist nur die eine Seite des ausgesprochen produktiven Autors. Pamuk hat auch als Essayist einen Namen. Und er hat geradezu Spaß am Nachdenken über Literatur, am Reflektieren über den eigenen Schreibprozess. Da lag es für die Universität Harvard nahe, ihn zu einer Vortragsreihe einzuladen, bei der er genau diese Stärken einbringen sollte. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich in seinem neuem Buch «Der naive und der sentimentalische Romancier» nachlesen.
Literaturwissenschaftliche Texte sind oft schwere Kost. Das ist meist auch so, wenn bekannte Schriftsteller sich daran versuchen.
Denn wer spannende Romane schreibt, schreibt deshalb nicht spannend über Romane. Aber im Fall von Orhan Pamuk ist solche Skepsis unberechtigt. Sein Buch ist lesenswert und kein bisschen anstrengend, frei von sprachlichen Hochstaplereien und Theorieangeberei.
Pamuk, der am 7. Juni 60 Jahre alt wird, ist selbst leidenschaftlicher Leser, seit er als Jugendlicher in seinem Zimmer in Istanbul sitzend entdeckt hat, wie jeder neue Roman eine neue Welt ausbreitet. Diese Erfahrung habe ihm damals «ein atemberaubendes Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen gegeben. «Indem ich in meiner Jugend Romane ernst nahm, lernte ich das Leben ernst zu nehmen.» Und diese Leidenschaft hat ihn nie losgelassen.
Über die Jahre ist er zum fundierten Kenner der Romanliteratur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geworden. Ob Stendhal, Balzac, Joyce, Tolstoi oder Thomas Mann, vor allem die Klassiker der Romanliteratur zitiert er geradezu lustvoll. Sein Buch ist eine Liebeserklärung an den Roman. Pamuk erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen als Leser und seinen Einsichten als Autor.
Die Fragen, die er stellt, sind nicht neu, seine Antworten aber immer interessant.
Dass Leser oft davon ausgehen, hinter der Hauptfigur des Romans verstecke sich der Autor, hat Pamuk selbst mehrfach erlebt. Ist das deren Dummheit? Nein, sagt Pamuk, der Autor wolle gerade das Unmögliche: Seine Leser sollen einerseits verstehen, dass der Roman ein Produkt seiner Fantasie ist, aber die Handlung und die Hauptfigur andererseits für wirklich halten. Genau darin liegt für ihn die Macht des Romanciers: in der Fähigkeit, Fiktives so darzustellen, als habe er das alles tatsächlich selbst erlebt.
Und die Lust am Lesen besteht nach Pamuks Überzeugung darin, sich mit einem der Protagonisten zu identifizieren und dadurch «aus uns selbst auszubrechen, ein anderer Mensch zu werden und die Welt mit dessen Augen zu sehen». Das klingt überzeugend - und so geht es den meisten Lesern des Buches sicher an vielen Stellen.
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28.02. Mecklenburger Asyl des Deutschlandlied-Dichters wird wiederentdeckt
Hoffmann von Fallersleben, der in Preußen verfolgte Dichter des Deutschlandliedes, schlüpfte mehrere Jahre in der Nähe von Schwerin unter. Dort erinnert heute nichts an den berühmten Gast - noch nicht.
Buchholz/Holdorf (dpa/mv) - Die alte, längst stillgelegte Schule von Buchholz bei Schwerin ist marode, das Dorfmuseum darin seit Jahren geschlossen. Die Erinnerungsstücke der Einwohner verstauben.
«Kein Geld, kein engagierter Ehrenamtlicher», klagt Bürgermeister Carlo Folgmann. Dabei haben Buchholz mit seiner malerischen gotischen Backsteinkirche und das benachbarte Holdorf viel zu erzählen. Die Gegend könnte geschichts- und literaturinteressierte Touristen anziehen. Denn dort war sechs Jahre lang der Dichter des Deutschlandliedes, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), zu Hause.
Im Holdorfer Gutshaus der Familie Müller fand der 46-Jährige Zuflucht, nachdem er in Preußen als staatsgefährdend eingestuft worden war und 1843 sein Lehramt in Breslau verlor. Es war die Zeit des Vormärz und Hoffmann von Fallersleben unterstützte die Ziele der bürgerlichen Revolutionäre. Hoffmanns Gastgeber und dessen Gutsnachbar Samuel Schnelle in Buchholz gehörten zur kleinen bürgerlichen Opposition im damals mehrheitlich von Adligen besetzten mecklenburgischen Landtag, weiß der Präsident der Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft in Wolfsburg, Kurt Schuster.
Schnelle gab dem Dichter als «Hintersasse» seines Gutes den offiziellen Aufenthaltsstatus.
Ein politischer Liedermacher, ein Wolfgang Biermann des 19. Jahrhunderts sei der Dichter gewesen, sagt Schuster. «In Holdorf verfasste er zusammen mit Rudolf Müller die "20 Forderungen des mecklenburgischen Volkes", eine wichtige Grundlage für die Männer der Paulskirchenversammlung.» Die Versammlung in Frankfurt/Main legte 1849 die sogenannte Paulskirchenverfassung vor, die erste demokratisch beschlossene Verfassung für ganz Deutschland. Sie scheiterte allerdings am Widerstand des preußischen Königs und der deutschen Fürsten.
Das Müllersche Gutshaus wurde in der DDR abgerissen. Auch das Gutshaus der Familie Schnelle gibt es nicht mehr. Nichts erinnert Besucher an Hoffmann von Fallersleben, der in Holdorf am 21. Januar 1845 das noch heute viel gesungene Kinderlied «Tra-ri-ra, bald ist der Frühling da» schrieb. Andere Kinderlieder-Evergreens, wie «Ein Männlein steht im Walde» oder «Alle Vögel sind schon da», sind allerdings bereits in der Breslauer Zeit entstanden. Hoffmann von Fallersleben dichtete viel für die Kinder seiner Bekannten und Freunde.
Die Schweriner Gästeführerin Brigitte Bretzmann ärgert sich, dass das illustre Stück Geschichte vor den Toren der Landeshauptstadt stille schlummert. «Ich würde gerne Gruppen dorthin führen», sagt sie. Aber nachdem der Initiator des Buchholzer Dorfmuseums und auch sein Nachfolger gestorben waren, fand sich niemand, der es weiterführen wollte. Dort war wenigstens in Textform über das mecklenburgische Kapitel im Leben des Dichter informiert worden.
«Eine traurige Geschichte», sagt auch Bürgermeister Folgmann. Er strebt nun wenigstens eine Erinnerungstafel an. Einen 30 Tonnen schweren Findling hat er schon vor der Kirche aufstellen lassen.
Ein kleines Museum wäre natürlich noch viel schöner, meint er. Das findet auch der Pastor der Kirchgemeinde, Matthias Staak. «Wir beginnen dieses Jahr mit der Sanierung der Buchholzer Kirche», sagt er. «Und wir überlegen, eine Ausstellung zu Hoffmann von Fallersleben dort einzurichten.» Die Buchholzer könnten dabei Hilfe aus Wolfsburg bekommen. Im Ortsteil Fallersleben, wo der Dichter geboren wurde, gibt es das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum. Die stellvertretende Leiterin Gabriele Henkel kann sich vorstellen, die Mecklenburger bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.
Auch in Holdorf tut sich etwas. Noch in diesem Jahr soll im Ort eine Tafel für Wanderer aufgestellt werden, sagt Bürgermeister Ralf Toparkus. «Darauf wird Hoffmann von Fallersleben und sein Aufenthalt hier eine Rolle spielen», verspricht er.
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28.02. Wegen Präsidentenwahl: Gauck nicht bei Leipziger Buchmesse
Leipzig (dpa) - Bundespräsidentenwahl statt Bücherschau: Wegen seiner Kandidatur als neues Staatsoberhaupt kann Joachim Gauck nicht zur Leipziger Buchmesse kommen. Die Termine mit ihm seien abgesagt worden, sagte eine Messesprecherin am Dienstag. Der 72-Jährige wollte den Angaben zufolge ursprünglich am 18. März an drei Veranstaltungen teilnehmen. An diesem Tag kommt aber in Berlin die Bundesversammlung zusammen, um nach dem Rücktritt von Christian Wulff den neuen Bundespräsidenten zu wählen. Gauck wurde von den Unionsparteien und der FDP sowie von SPD und Grünen nominiert.
Unterdessen stürmen Gaucks Bücher die Charts. Laut media control schaffte es sein Werk «Freiheit. Ein Plädoyer» aus dem Stand an die Spitze der Sachbuch-Charts. Seine Autobiografie «Winter im Sommer - Frühling im Herbst: Erinnerungen» rangiert jetzt auf Rang drei.
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28.02. «Heute schließen wir einen Kreis»: Das Erbe Anne Franks kehrt heim
Seit Jahrhunderten lebte die Familie Frank in Frankfurt, dann kamen die Nazis und trieben sie ins Exil und in den Tod. Jetzt kehrt das Erbe von Anne Frank zurück. Bevor der Nachlass aus Basel nach Frankfurt umziehen kann, muss das Jüdische Museum erweitert werden.
Frankfurt/Main (dpa) - Das Tagebuch der Anne Frank bleibt in Amsterdam, aber viele Zeugnisse der Familie kehren heim an ihren Geburtsort Frankfurt. Objekte und Dokumente aus dem Nachlass werden in den nächsten Jahren Schritt für Schritt von Basel an den Main umziehen, gab der 86-jährige Cousin der berühmten Autorin am Dienstag bekannt. Beide wurden in Frankfurt geboren, Buddy Elias 1925, seine Cousine Anne Frank 1929.
Mindestens seit dem 16. Jahrhundert lebte die Familie Frank in Frankfurt. Anne Franks Vater Otto - sein Onkel - habe «hier eine glückliche Jugend verlebt», sagte Bernhard (genannt Buddy) Elias.
«Wie so viele andere Menschen hätte er sich kaum jemals vorstellen können, dass seine Heimatstadt dereinst nicht mehr für alle Bürgerinnen und Bürger Heimat sein könnte.» Als der Nazi-Terror begann, emigrierte Familie Elias nach Basel, Familie Frank versteckte sich in Holland. «Meine Familie hatte Glück in der neuen Schweizer Heimat, Ottos Familie überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen nicht.»
Als einziger Davongekommener gründete Annes Vater 1963 in Basel einen Fonds, der die Rechte an den Schriften seiner Tochter hält. Die Erlöse fließen zu hundert Prozent in «soziale und kulturelle Aufgaben im Sinne der Botschaft von Anne Frank». Elias ist Präsident dieses Fonds, ein kleiner grauhaariger Mann, ein bisschen schwerhörig, aber topfit. Als er jünger war, war er Schauspieler - und Clown.
«Wir tragen Verantwortung dafür, dass künftige Generationen, die Jugend von heute, in Freiheit und mit dem Wissen für eine gerechte Gesellschaft (...) voranschreiten. Nichts Anderes lehrt uns das Tagebuch der Anne Frank», sagte Elias. Jahrelang habe man nach einem geeigneten Standort gesucht, sich aber nun «mit guten Gründen» für Frankfurt entschieden, nicht zuletzt der familiären Wurzeln wegen.
«Mit dem heutigen Tag schließen wir einen Kreis.»
Die Stadt habe ihre Beziehung zu Anne Frank jahrzehntelang «nicht wirklich wahrgenommen», gibt Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) unumwunden zu. 1991 gab es eine erste Ausstellung, 1997 wurde die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in der Nähe ihres Elternhauses gegründet. Seit ihrem 80. Geburtstag gibt es dort auch ein Denkmal.
Dass der Fonds und die Familie Elias das Familienerbe nun als Dauerleihgaben nach Frankfurt geben, sei ein Vertrauensbeweis, «der in seiner Bedeutung überhaupt nicht zu überschätzen ist».
Es geht um mehrere hundert Gegenstände - Gemälde, Fotos, Möbel, Briefe, Erinnerungsstücke. Sie sollen im Jüdischen Museum aufbewahrt, ausgestellt und der Forschung zugänglich gemacht werden. Bis 2015 kann es dauern, bis Museumsbesucher sie zu sehen bekommen. Denn das Jüdische Museum platzt aus allen Nähten und muss erst erweitert werden, um Platz zu schaffen für das geplante «Familie Frank Zentrum».
Das erste Exponat der künftigen Dauerausstellung - ein Bild des Urururgroßvaters von Anne und Buddy - hat der 86-Jährige am Dienstag selbst mitgebracht. Es folgen: Möbel, Haushaltsgegenstände, Gemälde und Bücher, die die Familie ins Schweizer Exil retten konnte. Dazu Briefe, Fotos und Dokumente, darunter erschütternde Briefe von Annes Vater aus Auschwitz an die Verwandten in Basel.
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27.02. Holbein erhält Kasseler Preis für grotesken Humor
Kassel (dpa) - Der Schriftsteller Ulrich Holbein hat am Samstagabend den mit 10 000 Euro dotierten Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten. Das teilte die Stiftung Brückner-Kühner mit. Holbein sei eine höchst geistesgegenwärtige Inkarnation des Grotesk-Komischen in Literatur und Leben, begründete der Stiftungsrat die Entscheidung.
Bei der Zuerkennung der Auszeichnung hatte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) den 59-Jährigen als einen der originellsten deutschen Schriftsteller bezeichnet. Holbein hat zahlreiche Grotesken veröffentlicht und ist als Kolumnist für verschiedene Zeitungen tätig. Er verfasste Bücher wie «Das Schwein der Erkenntnis», «Januskopfweh» und «Narratorium - 255 Lebensbilder».
Der Kasseler Preis wird seit 1985 jährlich von der Stiftung Brückner-Kühner verliehen. Ausgezeichnet werden Künstler, deren Werk von Komik und Groteske geprägt ist. Erhalten haben den Preis unter anderem schon Loriot, Irmtraud Morgner und Gerhard Polt.
Im Kasseler Rathaus ist auch eine Ausstellung von Ulrich Holbein eröffnet worden. Sie zeige Fotocollagen unter dem Titel «Lieber eine falsche Weltsicht als gar keine Flügel! Seufzer, Statements und Appelle». Die Schau ist bis zum 23. März 2012 in der Rathaus-Galerie zu sehen.
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27.02. Sponsoren gesucht: Förderer wollen Remarque-Villa erhalten
Die Villa des Schriftstellers Erich Maria Remarque im Tessin soll verkauft werden. Es droht sogar der Abriss. Förderer in Osnabrück und in Los Angeles setzen sich für den Erhalt der Casa Monte Tabor am Lago Maggiore ein.
Osnabrück (dpa) - «Im Westen nichts Neues» gilt als einer der eindrucksvollsten Antikriegsromane. Seinen Autoren Erich Maria Remarque machte die 1929 veröffentlichte Geschichte von der Westfront des Ersten Weltkriegs nicht nur weltberühmt, sondern auch wohlhabend.
Schon 1931 kaufte der aus Osnabrück stammende Autor ein Haus: die Villa Casa Monte Tabor in Porto Ronco am Ufer des Lago Maggiore bei Ascona. Der Schriftsteller starb 1970. Seine Ehefrau, die US-Schauspielerin Paulette Goddard, lebte bis zu ihrem Tod 1990 dort. Die beiden hatten 1958 geheiratet.
Dreimal wechselte das malerische Anwesen seitdem den Besitzer.
Jetzt steht die Villa wieder zum Verkauf - und nun drohe der Abriss, sagt Tilman Westphalen. Der emeritierte Anglist der Uni Osnabrück ist Ehrenvorsitzender der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und Vorsitzender des Rettungskomitees für die Villa. Er setzt sich für den Kauf des historischen Remarque-Refugiums in Traumlage ein.
Hilfe erfahren die Niedersachsen inzwischen aus den USA. «Derzeit wird an einem Drehbuch über die Liebesbeziehung zwischen Remarque und Goddard gearbeitet», sagt der Leiter des Swiss-Center in Los Angeles, Michael Gaedeke-Santori. «Diese Idee schwirrt im Moment durch die Etagen Hollywoods», erzählt Gaedeke, der für das Projekt Lobbyarbeit betreibt.
Sollte die Villa gerettet werden, könnte sie eine Erinnerungsstätte an Remarque und Paulette Goddard werden, sind sich Westphalen und Gaedeke einig. Er sehe sogar die Möglichkeit, in dem Haus ein internationales Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung einzurichten, sagt Westphalen. Remarque sei ein «militanter Pazifist» gewesen. «Was bedeutet die Abwesenheit von Krieg im 21. Jahrhundert?», das sei eine Frage, die am Lago Maggiore künftig erforscht werden könne.
Die Idee, in Gedenken an Remarque in der Villa ein Literatur- und Kulturzentrum einzurichten, hatte auch bereits die Gemeinde Ronco.
Der kleine Ort sicherte sich von den Eigentümern, einem britisch-amerikanischen Ehepaar, für 200 000 Schweizer Franken das Vorkaufsrecht. Allerdings läuft es Ende Februar aus, ohne dass es bislang ein Konzept oder eine Finanzierung gebe, sagt Westphalen. Das Ehepaar sei jedoch bereit, den Vorverkaufsvertrag nochmals um ein Jahr zu verlängern.
Für diesen Fall sind sich Gaedeke und Westphalen sicher, am Ende das Geld für den Kauf auftreiben zu können. «Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass es bereits drei Offerten auf das Objekt gibt», betont Gaedeke. Dass darunter auch die «Harry-Potter»-Autorin Joanne K. Rowling sei, sei allerdings nur ein Gerücht.
Zwar zeigten sich inzwischen auch Politiker an dem Vorhaben interessiert. So habe sich Ex-Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Schweizer Amtskollegin über den Erhalt des Anwesens unterhalten, sagt Westphalen. Nur: Finanzielle Zusagen seitens der öffentlichen Hand gibt es bislang weder in Deutschland noch in der Schweiz.
«Aus Sicht der Bundesregierung handelt es sich um ein interessantes Projekt. Ob die Möglichkeit der Unterstützung besteht, kann erst auf einen entsprechenden Antrag hin geprüft werden», teilt eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin lediglich mit.
Ähnlich sei es in der Schweiz, sagt Gaedeke. «Es ist eine Zwickmühle. Einer wartet auf den anderen.» Entsprechend suchen sowohl er als auch das Osnabrücker Unterstützer-Komitee nach privaten Sponsoren.
Gaedeke setzt seine Hoffnungen auf sein Filmprojekt. «Es ist das, was Interesse bringt in Hollywood», sagt er. Die Zeit des Ersten Weltkriegs, die 1920er Jahre, die Frühzeit von Hollywood - die Geschichte von Erich Maria Remarque und Paulette Goddard bringe einen aktuellen Trend in der Traumfabrik auf den Punkt. So gehe der hochgelobte Film «The Artist» thematisch in dieselbe Richtung. «Wenn dieser Film einige Oscars mit nach Hause bringt, ist das für uns auch eine gute Sache», meint der Schweizer.
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27.02. Erinnerung an Vermächtnis von Karl May zum 170. Geburtstag
Hohenstein-Ernstthal (dpa) - Das sächsische Hohenstein-Ernstthal hat am Samstag an die Geburt des Schriftstellers Karl May (1842-1912) vor 170 Jahren erinnert. Mit einem Gedenkzeremoniell an einer vor 20 Jahren errichteten Büste wurden die Feierlichkeiten im Karl-May-Jahr offiziell eingeleitet. Zum 100. Todestag in knapp fünf Wochen wird es am Grab in Radebeul ebenfalls ein Gedenken geben. Im Ort nahe Dresden hatte May das letzte Drittel seines Lebens verbracht.
In seinem Geburtsort Hohenstein-Ernstthal wurde am Samstag zugleich eine neue Sonderausstellung unter dem Titel «Karl May lebt!» eröffnet. Sie ist bis zum 30. März, dem 100. Todestag, in der Karl-May-Begegnungsstätte zu sehen und flankiert die Dauerausstellung im benachbarten Karl-May-Haus. Dort war der spätere Bestseller-Autor 1842 in eher ärmlichen Verhältnissen geboren worden.
Als «Geburtstagsgeschenk» soll der Eintritt in die Ausstellungen für alle Kinder und Jugendlichen bis zum Jahresende frei sei, wie Oberbürgermeister Erich Homilius (parteilos) verkündete.
Am Vormittag wählte der nach dem Gewehr des Karl-May-Indianerhelden Winnetou benannte «Silberbüchse»-Förderverein des Museums die MDR-Moderatorin Griseldis Wenner zu seiner neuen Chefin. Wenner löst in diesem Ehrenamt Ex-«Tatort»-Kommissar Peter Sodann ab.
May gilt mit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern als der am meisten gelesene deutscher Autor. Vor allem seine Wild-West-Romane mit den Blutsbrüdern Old Shatterhand und Winnetou sind populär.
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27.02. Goethe-Haus zeigt Märchen-Bilder aus 200 Jahren
Frankfurt/Main (dpa) - 200 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen der Grimm'schen Märchen zeigt das Frankfurter Goethe-Haus Märchen-Illustrationen aus den letzten beiden Jahrhunderten. Die Ausstellung «Hänsel und Gretel im Bilderwald» läuft vom 24. April bis 15. Juli. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität entstanden.
Die von den Brüdern Grimm gesammelten Märchen zählen zu den bekanntesten Texten der deutschsprachigen Literatur. «Richtig populär geworden sind sie allerdings erst durch die Illustrationen, die den Drucken von früh an immer wieder beigegeben wurden», erklären die Ausstellungsmacher. «Durch die massenhafte Verbreitung illustrierter Märchenausgaben im 19. und 20. Jahrhundert brannten sich einige dieser Fantasie-Bilder so sehr in das kollektive Unbewusste ein, dass sie nahezu archetypische Geltungskraft erlangten.»
Die Ausstellung will einen Überblick geben über die Geschichte romantischer Märchenillustration. Dabei geht es nicht nur um die Märchen der Gebrüder Grimm, sondern auch die von anderen romantischen Autoren gesammelten, zum Beispiel von Clemens Brentano, E.T.A. Hoffmann, Novalis oder Ludwig Tieck. 2012 ist es 200 Jahre her, dass die Grimm'schen Kinder- und Hausmärchen erstmals veröffentlicht wurden.
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27.02. «Ich will ein Bauer werden» - Kleist im Museum
Frankfurt (Oder) (dpa/bb) - «Ich will ein Bauer werden» ist der Titel einer neuen Kleist-Ausstellung in Frankfurt (Oder). Mit Fotos, Zeichnungen, Handschriften und vertonten Briefen zeichnet von diesem Sonntag an das Kleist-Museum die Zeit des Dichters im schweizerischen Thun nach. Eröffnet wird die Schau bereits am Samstag (16.00).
Kleist (1777-1811) bereiste seit 1801 die Schweiz - und wollte mit seiner Verlobten Wilhelmine von Zenge das Landleben teilen. «Ich will im eigentlichsten Verstande ein Bauer werden», zitiert das Museum aus einem Brief Kleists an Wilhelmine.
In der Schweiz mit ihren damaligen politischen Unruhen lebte Kleist nur ein paar Monate, und ein Bauer wurde er auch nicht. Stattdessen vollendete er den Angaben zufolge dort seinen Erstling «Die Familie Schroffenstein».
Neben zahlreichen Texttafeln ist in der Ausstellung zum Beispiel auch die Nachbildung eines Briefes an Zeitgenossen wie den Dichter Christoph Martin Wieland zu sehen. Über Kopfhörer können Besucher einem Brief Kleists an seine Schwester Ulrike von 1802 lauschen - wie in einem Hörspiel.
Warum Kleist ausgerechnet nach Thun reiste, sei nicht abschließend geklärt, sagte am Freitag die Leiterin der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich, Annett Lütteken, bei der Vorbesichtigung der Ausstellung. Er habe wohl systematisch nach Leuten gesucht, die seine schriftstellerische Tätigkeit hätten voranbringen können.
In Frankfurt (Oder) als Geburtsort Kleists ist die Ausstellung bis zum 25. November zu sehen. Davor hatte sie bereits Station in Thun und Zürich während des Kleistjahres 2011 gemacht.
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24.03. Steinaeckers Roman über den Alltag einer Versicherungsangestellten
Das Leben von Versicherungsangestellten ist gar nicht so langweilig.
Thomas von Steinaecker jedenfalls macht daraus in seinem neuen Roman ein beängstigendes Zeitporträt.
Berlin (dpa) - Spätestens mit «Stromberg» hat die Figur des Versicherungsangestellten humoristischen Eingang in die Medien gefunden. In der Literatur jedoch fristet dieser wenig angesehene Berufsstand weiterhin ein kümmerliches Dasein. Nicht einmal Franz Kafka befand es für nötig, seinen Brotberuf in einem eigenen Werk zu würdigen, wenn auch eine ganze Menge seines grauen Arbeitsalltags in seine alptraumhaften Schilderungen mit eingeflossen ist. Nun hat sich Thomas von Steinaecker daran gewagt, einem so unspektakulären Wesen wie dem deutschen Versicherungsangestellten einen immerhin 400 Seiten starken Roman zu widmen.
Das Buch trägt zwar den eher altertümlich anmutenden Bandwurmtitel «Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen und anfing zu träumen», versteht sich aber explizit als Gegenwartsroman. Erst kürzlich bedauerte es Steinaecker in einem Zeitungsbeitrag, dass viele Autoren sich mit Themen aus der Vergangenheit lieber in einer «risikofreien Zone» bewegten.
Er dagegen traut sich etwas. Das zeigt schon das bisherige, sehr vielseitige Werk des 35-jährigen Schriftstellers aus Bayern. Sein Debütroman «Wallner beginnt zu fliegen» war ein Zeitroman um einen Landmaschinenvertrieb. In «Schutzgebiet» ging Steinaecker dagegen zurück in die deutsche Kolonialzeit. «Geister» wiederum war eine Mischung aus Roman und Comic.
Und nun also der Alltag einer Versicherungsvermittlerin. Sie heißt Renate Meißner, ist 42 Jahre alt und hat sich gerade von ihrem verheirateten Geliebten und Kollegen getrennt. Sie geht von Frankfurt nach München, um dort eine Führungsposition zu übernehmen. Verbissen stürzt sie sich in ihre neue Aufgabe. Tatsächlich scheint es ihr zu gelingen, einen dicken Fisch an Land zu ziehen: Eine russische Firma will einen Vergnügungspark bei München errichten, der natürlich versichert werden muss. Renate Meißner besucht die Chefin dieses Unternehmens in Samara. Da erfährt sie, dass ihr gekündigt wurde.
Im ersten Teil seines Buchs schildert Steinaecker sehr realistisch die Abläufe und Konkurrenzkämpfe in der Versicherung und das Privatleben der Vermittlerin - ein Leben zwischen Designerklamotten, Lebenserwartungsstatistiken, Antistress-Seminaren und Beruhigungsmitteln. Steinaecker lässt Statistiken, Zitate und Fotos mit einfließen, die den realistischen Charakter des Erzählten noch verstärken. Ein trostloser Materialismus schlägt dem Leser hier entgegen, eine Welt, in der die Kunden in verschiedene Schubladen wie «Performer», «Consumer» oder «Kritiker» gesteckt werden und ihre Lebenserwartung praktischerweise gleich mit evaluiert wird. Auch Liebes- und Freundschaftsbeziehungen werden taxiert und evaluiert.
Renate Meißner schneidet hier suboptimal ab. Ihre Beziehung zu ihrer Familie, ihre Freundschaft zu einer Frau, alles ist brüchig, steht unter ständigem Vorbehalt. In der modernen Welt gibt es keine Sicherheit.
Der zweite Teil des Buches, der in Russland spielt, nimmt fast surreale Züge an. Dass eine fast hundertjährige Greisin einen gigantischen futuristischen Vergnügungspark leitet, ist schon verrückt genug, dass die Versicherungsangestellte ihre angeblich verunglückte Großmutter in ihr zu erkennen glaubt, nur noch fantastisch. Und was soll man von den Erzählungen der alten Frau halten, dass ihr verstorbener Mann einst eine Art Hitler-Vergnügungspark plante? Alles «Budenzauber», alles Wahn? Nur eine fixe Idee von Renate Meißner?
Steinaecker selbst nennt sein nicht gerade leicht zu konsumierendes Buch einen «Paranoia-Roman». Kalt hält er uns den Spiegel vor. Totale Ökonomisierung, Vergnügungsterror, Psychosen und Ängste regieren unsere Welt. Die Versicherungsvertreterin ist nur ein Platzhalter. Sind wir nicht alle Renate Meißner? Dann doch vielleicht lieber zu «Stromberg» schalten.
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24.02. Leibniz-Preisträgerin Friederike Pannewick
Marburg (dpa/lhe) - Die Arabistin Friederike Pannewick hat mit ihren Forschungen den ersten Leibniz-Preis überhaupt für ihr Fach errungen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft würdigt die 45-Jährige als Wissenschaftlerin mit Weitblick: Sie habe es geschafft, wichtige Themen und Probleme im Mittleren sowie Nahen Osten «frühzeitig - und mitunter sogar vorzeitig - zu identifizieren». Zudem habe sie die interdisziplinäre Neuausrichtung ihres Fachs in Deutschland wesentlich vorangetrieben.
Pannewick wurde 2007 Professorin für Moderne arabische Literatur am «Centrum für Nah- und Mittelost-Studien» der Universität Marburg.
Neben der Literatur beschäftigt sie sich auch mit Theater und Ideengeschichte.
Sie studierte Orientalistik, Arabistik und Turkologie in Bamberg, Paris, Berlin und Damaskus. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema «Das Wagnis Tradition. Arabische Wege der Theatralität». Sie arbeitete als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Berlin, zudem forschte sie im Ausland, darunter im Libanon und in Norwegen. In ihren Veröffentlichungen beschäftigt sich Pannewick zum Beispiel mit dem Thema Märtyrertum und Literatur.
Am 27. Februar erhält Pannewick neben weiteren Wissenschaftlern den mit je 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis.
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24.02. Gauck bei öffentlicher Lesung in Fürth
Fürth (dpa/lby) - Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck tritt heute (Freitag/19.30) zum letzten Mal vor seiner Wahl zum neuen Staatsoberhaupt am 18. März bei einer öffentlichen Lesung auf. Der 72-Jährige will dabei im mittelfränkischen Fürth noch einmal sein Buch «Winter im Sommer - Frühling im Herbst» vorstellen. Der Auftritt ist bereits seit einem Jahr geplant, als noch unklar war, dass Gauck zum Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff berufen werden könnte. Seit Gaucks Nominierung habe die Nachfrage nach Karten für die Lesung in der Fürther Comödie stark zugenommen, berichteten die Veranstalter. Das Haus sei für den Abend ausverkauft.
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24.02. Potter-Autorin Rowling schreibt Buch für Erwachsene
London (dpa) - «Harry Potter»-Erfinderin Joanne K. Rowling schreibt einen neuen Roman - diesmal allerdings für Erwachsene. «Auch wenn ich das Schreiben genauso genossen habe, wird mein nächster Roman doch ganz anders als "Harry Potter" sein», sagte Rowling nach Angaben ihrer neuen Agentur Blair Partnership, die die Ankündigung am Donnerstag auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Eine Sprecherin bestätigte die Neuigkeit. Weitere Details zu dem Roman wollte sie aber zunächst nicht verraten.
Rowling hatte sich im vergangenen Sommer von ihrem langjährigen Agenten Christopher Little getrennt. Sie war mit der seit Ende der 1990er Jahre veröffentlichten, siebenteiligen Buchserie um den Zauberlehrling Harry Potter weltbekannt geworden. Der Erfolg von Potter ermögliche ihr, neue Gebiete zu erkunden, und darüber sei sie sehr froh, sagte Rowling.
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24.02. Gegen Zensur, für Provokation - US-Verleger Rosset ist tot
New York (dpa) - Der US-Verleger Barney Rosset, der sich gegen die staatliche Zensur während der 1950er und 1960er Jahre auflehnte und Beat-Poeten, Expressionisten und Surrealisten ein Forum bot, ist tot.
Der Gründer des Verlages Grove Press starb am Dienstag im Alter von
89 Jahren in Manhattan, berichteten die «New York Times» und die «Los Angeles Times» am Donnerstag unter Berufung auf Rossets Tochter Tansey.
Er verlegte die Werke provokativer Autoren wie Jack Kerouac, William Burroughs, Harold Pinter, Samuel Beckett, Eugene Ionesco und später auch Che Guevara und Malcolm X. 1959 veröffentlichte Rosset den Roman «Lady Chatterley's Lover», der wegen seines «ungehörigen und lüsternen Gedankenguts» damals in den USA verboten war. 1961 stemmte er sich mit der Herausgabe von Henry Millers «Wendekreis des Krebses» gegen Gerichtsurteile in 21 US-Bundesstaaten.
Außer Büchern verhalf Rosset auch Filmen wie dem wegen seiner Sexszenen verpönten schwedischen Streifen «I Am Curious (Yellow)» zum Publikum. Allerdings brachte ihn das Filmgeschäft an den Rand des Ruins und zwang ihn, Grove Press 1985 an die Ölerbin Ann Getty und den britischen Verleger George Weidenfeld zu verkaufen. Danach widmete er sich unter anderem der Fortsetzung seines literarischen Magazins «Evergreen Review» mit Autoren wie Susan Sontag und Edward Albee.
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23.02. Autorin Honigmann mit Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis geehrt
Alzey (dpa) - Die in Ost-Berlin geborene Autorin Barbara Honigmann erhält am Sonntag (26. Februar) in Alzey den Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis. Die Auszeichnung wird alle drei Jahre von der Stadt sowie der Volksbank-Stiftung verliehen. Sie ist mit 7500 Euro verbunden. Zu den früheren Preisträgern gehören Hanns-Josef Ortheil, Luise Rinser, Christa Wolf und Ulla Hahn.
Honigmann, die 1949 geboren wurde, arbeitete nach dem Studium der Theaterwissenschaften nach Angaben des Hanser-Verlags als Dramaturgin und Regisseurin, seit 1976 als freischaffende Schriftstellerin und Malerin. 1984 reiste sie aus der DDR aus und siedelte nach Straßburg über.
Ihre Werke sind vielfach ausgezeichnet, unter anderem nahm sie 2011 den Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich entgegen. Ihr erstes Prosawerk unter dem Titel «Roman von einem Kinde» erschien 1986. Es folgten weitere Romane sowie Theaterstücke und Hörspiele. Im vergangenen Jahr erschien «Bilder von A.».
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23.02. Autor Kehlmann verteidigt Kracht gegen Vorwürfe
Hamburg (dpa) - Bestseller-Autor Daniel Kehlmann hat seinen Schriftsteller-Kollegen Christian Kracht gegen Vorwürfe verteidigt, dieser verbreite in seinem neuen Buch rechtes Gedankengut. «Ich habe Krachts Roman "Imperium", der mir sehr gut gefällt, eine Weile vor der Veröffentlichung gelesen und darin gar nichts weltanschaulich Bedenkliches gefunden», sagte Kehlmann («Die Vermessung der Welt») der «Zeit».
Im «Spiegel» hatte der Rezensent Georg Diez dem Schweizer Kracht vorgeworfen, eine rassistische Weltsicht zu vertreten und «Türsteher der rechten Gedanken» zu sein. Der Vorwurf wiege hierzulande außerordentlich schwer, sagte Kehlmann. «Das kann regelrecht vernichten.»
«Kracht ist in seinem Werk seit langem von der Ästhetik totalitärer Systeme fasziniert», sagte Kehlmann. «Das stört mich nicht, aber ich verstehe, dass man das kritisieren kann. Man kann das aber nicht in der Form kritisieren, dass man Kracht zum neuen Sarrazin macht.» Zuvor hatten sich bereits namhafte Autoren, darunter Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Uwe Timm und Kehlmann selbst, in einer Erklärung mit Kracht solidarisiert.
Unterdessen erobert «Imperium» die Bestsellerlisten. Auf dem neuen «Spiegel»-Ranking steht der Roman auf Platz sieben, auf der «Focus»-Bestsellerliste stieg er auf Platz drei ein. In dem Buch erzählt Kracht die Geschichte des Aussteigers August Engelhardt, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Südsee ein vegetarisch-nudistisches Weltreich gründen will.
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23.02. Israel stellt Stefan Zweigs Abschiedsbrief ins Netz
Jerusalem (dpa) - Die Israelische Nationalbibliothek hat den Abschiedsbrief des österreichisch-jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig 70 Jahre nach dessen Suizid ins Netz gestellt. Der Autor, der mit Werken wie «Ungeduld des Herzens» und «Schachnovelle» weltberühmt wurde, hatte sich im Februar 1942 im brasilianischen Exil aus Verzweiflung über den Nationalsozialismus und den Verlust der literarischen Heimat gemeinsam mit seiner Frau das Leben genommen.
Nach Angaben der Nationalbibliothek hatte Zweig schon 1933 Interesse daran bekundet, einen Teil seines persönlichen Archivs an die Einrichtung in Jerusalem zu übergeben. Dort gibt es daher heute ein Stefan-Zweig-Archiv. Die israelische Zeitung «Haaretz» schrieb am Donnerstag, ein jüdischer Arzt habe den Original-Brief Ende der 1990er Jahre nach Jerusalem geschickt. In dem Archiv in Jerusalem befänden sich auch Briefwechsel Zweigs mit bekannten Persönlichkeiten wie Albert Einstein und Sigmund Freud.
In Zweigs handschriftlichem Abschiedsbrief heißt es unter anderem:
«Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben scheide, drängt es mich, eine letzte Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien innig zu danken, das mir und meiner Arbeit so gut und gastlich Rast gegeben.» Seine Kräfte seien jedoch «durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft», schrieb er.
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23.02. Eifel-Literatur-Festival: Gauck-Lesung fällt aus
Prüm (dpa/lrs) - Die Lesung von Joachim Gauck beim Eifel-Literatur-Festival 2012 fällt aus. Die Verlagsgruppe Random-House habe den Termin am 27. April in Wittlich wegen Gaucks Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten abgesagt, sagte Festivalleiter Josef Zierden am Donnerstag in Prüm. Gaucks Kalender lasse es jetzt nicht zu, deutschlandweit auf Lesereise zu gehen. «Das ist für uns ein Super-Pech, aber natürlich nachvollziehbar», sagte Zierden. Er versuche aber, Gauck bis Ende Oktober doch noch in die Eifel zu bekommen, oder ansonsten später ein «Spezial» mit ihm zu organisieren.
Die Lesung mit Gauck war bereits ausverkauft. Die 600 Karten können zurückgegeben werden. Rund 8000 Tickets seien insgesamt für das Festival bereits verkauft, sagte Zierden. Für vier weitere Lesungen gebe es keine Karten mehr. Die zehnte Auflage der Literaturreihe startet am 20. April mit dem dänischen Krimiautor Jussi Adler-Olsen. Insgesamt 26 Schriftsteller stehen bis zum 27. Oktober auf dem Programm. 2010 zog das größte Literaturfestival in Rheinland-Pfalz rund 15 000 Besucher an. Es findet alle zwei Jahre statt.
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23.02. Große Literatur, mutige Filme - John Irving wird 70
John Irving versteht es, anspruchsvolle Literatur an ein breites Publikum zu verkaufen. Fast alle seiner Romane wurden Bestseller, fünf kamen auch ins Kino. In einer Woche wird der Schrifsteller 70.
New York (dpa) - Zwölf Romane hat John Irving bisher geschrieben.
Sein nächster Titel, «In One Person», erscheint im Mai. Wie sehr der US-Schrifsteller auch und gerade in Deutschland geschätzt wird, zeigt, dass das Buch dies- und jenseits des Atlantiks zeitgleich in den Handel kommt. Irvings Werk ist in 30 Sprachen übersetzt. Fünf seiner Bücher wurden verfilmt. Das Drehbuch zu «Gottes Werk und Teufels Beitrag» brachte ihm sogar den Oscar ein. An diesem Freitag (2. März) feiert Irving seinen 70. Geburtstag.
In der Literatur wird John Winslow Irving als «Meister der Erzählkunst» verehrt. Er gehört zu den wenigen Autoren, die hohe literarische Qualität an eine breite Leserschaft verkaufen. Dass er daheim umstrittener ist als in Europa, liegt an politischen Themen wie Abtreibung, Vietnamtrauma, Präsidentenmord und Apathie der Bürger, die er behutsam, aber auch nicht zimperlich anpackt.
Ebenso mutig lässt er sich über Inzest, Pädophilie und homo- sowie transsexuelle Neigungen aus. Dass die Filme, die auf seinen Büchern basieren, trotz Starbesetzung nicht immer den verdienten Kassenerfolg bringen, ist kaum verwunderlich. Bei Besuchen in Europa beklagte sich Irving mehrfach über die «puritanischen und verklemmten» Amerikaner.
Seit einem Studienjahr in Wien spricht er recht gut Deutsch.
Irvings schreibt moderne Romane in traditioneller Erzählmanier, aber alles andere als konventionell: Es sind wuchernde Geschichten, die den Leser in atemberaubend phantasievoller Wendigkeit von einer Überraschung zur nächsten jagen. Für ihn ist das Feuerwerk der Ideen geplante Sache: «Für jeden neuen Roman entwerfe ich zunächst ein genaues Konzept und kenne das Ende, bevor ich zu schreiben beginne.» Sowie in seinem Kopf der letzte Satz geschrieben ist, macht er sich daran, die Story handschriftlich auf Papier zu bringen.
Er ist der Verfasser so turbulenter Romane wie «Garp und wie er die Welt sah» (dt. 1979), «Die wilde Geschichte vom Wassertrinker» (dt. 1989), «Das Hotel in New Hampshire» (dt. 1982) und «Owen Meany» (Diogenes Verlag, Zürich), «Witwe für ein Jahr» (dt. 1999) und «Letzte Nacht in Twisted River» (dt. 2010).
Dabei führt Irving in dem beschaulichen Neuenglandstaat Vermont «ein sehr geregeltes Leben». Er halte es mit Gustave Flaubert, sagt Irving und zitiert den französischen Autor aus dem 19. Jahrhundert in gebrochenem Deutsch: «Man muss im Leben sehr ruhig sein, damit man in den Romanen lauter schreien kann.» Irving ist mit Günter Grass befreundet und ehrt ihn als einen Schriftsteller, der ihn besonders beeinflusst beeinflusst hat. Ähnliches sagt er von Kurt Vonnegut, Gabriel Garcia Marquez und Salman Rushdie.
Dass er häufig zu Gast in den Krankenhäusern von Neuengland ist, liegt nicht am Alter. Irving ist Ringer und sagt, es gebe wenige Gliedmaßen, die er sich auf der Matte nicht schon verrenkt oder gebrochen hat. Er selbst trainierte seine drei Söhne zu New England Champions der A-Liga. Nach dem Auszug des Jüngsten ringt er oft mit einer schweren, lebensgroßen Puppe. «Inzwischen ist die besser als ich, weil sie nie müde wird».
Irving hat den eigenen Vater nie gekannt und wuchs im Haus des Stiefvaters auf. Er erhielt nach der Adoption als Sechsjähriger den Namen, unter dem er berühmt wurde. Dieser Hintergrund läßt ihn in seinen Büchern immer mit bitterem, oft absurdem Witz über seltsame Familienverhältnisse schreiben.
In seinem elften Roman, «Bis ich dich finde» (dt. 2006), sucht der Jack Burns als Junge und später auch als gefeierter Hollywoodstar, nach seinem Vater. Das über 1100 Seiten lange und 117 Charaktere umfassende «Opus maximum» («New York Times») verrät mehr von dem Menschen John Irving als alle anderen Werke zuvor, darunter auch, dass er als Elfjähriger von einer älteren Frau verführt wurde.
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22.02. Krimifestival - Jubiläum mit Arne Dahl und Liza Marklund
München (dpa) - Das Krimifestival München feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und hat dazu viel internationale Krimi-Prominenz eingeladen. Der schwedische Autor Arne Dahl wird nach München kommen - ebenso seine Kollegin und Landsfrau Liza Marklund («Lebenslänglich») sowie zum Beispiel die «Kluftinger»-Erfinder Volker Klüpfel und Michael Kobr. Das Münchner Festival ist bekannt für ungewöhnliche Lesungsorte. In diesem Jahr wird unter anderem im Sektionshörsaal des Instituts für Rechtsmedizin oder in einem Bestattungsinstitut gelesen. Der Startschuss für die «Spurensuche an der Isar» fällt am 12. März im Literaturhaus München.
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22.02. John Banvilles göttliche Farce «Unendlichkeiten»
An einem einzigen Sommertag spielt John Banvilles neuer Roman. Der irische Romancier und Booker-Preisträger holt die Götter vom Olymp und beschert uns eine himmlische Farce als Hommage an Kleists «Ampithryon».
Berlin (dpa) - Was tun die Götter, wenn sie sich in ihrem wolkenverhangenen Olymp mal wieder so richtig langweilen? Sie steigen zu den Menschen hinab und bringen die irdischen Verhältnisse so richtig zum Tanzen. Vor dem liebestollen Zeus ist keine Frau auf Erden sicher.
In John Banvilles neuem Roman «Unendlichkeiten» lässt Hermes im Morgengrauen die Uhr um eine Stunde anhalten, damit Zeus sein Schäferstündchen mit einer bildhübschen Schauspielerin abhalten kann.
Die heißt Helen, und natürlich denken wir sofort an die geraubte Helena und den ganzen jahrelangen Ärger um Troja.
Als Ich-Erzähler für seine virtuos komponierte Farce hat sich der irische Romancier den Zeussohn und Götterboten Hermes auserkoren. Der ist zwar keuscher als sein «Paps», gilt aber dennoch als Schutzpatron der Diebe, Spieler, Händler und Scharlatane. Vorsicht ist geboten, der Typ ist eine richtige Plaudertasche. Hermes entführt uns in ein verwunschenes Landhaus, wo der Hausherr Adam Godley, ein genialer Mathematiker, in einem Himmelszimmer im Sterben liegt.
Eine Etage tiefer bemühen sich seine zweite Frau Ursula, die gemütskranke Tochter Petra, der einfältige Sohn mit dem väterlichen Namen Adam und dessen Frau Helen, mit der Situation klarzukommen.
Wobei Helen ja schon frühmorgendlichen Besuch hatte - allerdings kam der durchtriebene Zeus in Gestalt ihres Gatten Adam.
Diese Grundidee stammt aus Heinrich von Kleists Tragikomödie «Ampithryon» (1803), die John Banville sehr bewundert. Vor Jahren hat er das Stück neu für die Bühne adaptiert, jetzt bildet der Götter-Seitensprung mit Folgen das Gerüst für seinen virtuos erzählten Roman, der an einem einzigen Sommertag spielt. Mit großem sprachlichen Glanz entfaltet der Booker-Preisträger ein mit Anspielungen gespicktes Panoptikum menschlicher Schwächen, Sehnsüchte und Leiden. Die glänzende Übersetzung von Christa Schuenke lässt keine Wünsche offen.
Da liegt das immer schon in anderen Sphären schwebende Genie Godley sterbend im «Himmelszimmer» und erinnert sich an seine erste Frau, die Selbstmord begangen hatte. Währenddessen stellt sich um die Mittagszeit ein weiterer Gast ein, der feiste, bocksfüßige Benny Grace. Im Olymp unter dem Namen Pan bekannt, spielt er hier auch noch die Rolle des Mephisto, der schmuddelige Verführer des grenzüberschreitenden Forschers. Nur leider kommen diese Anspielungen und Anverwandlungen nicht immer diskret, sondern bisweilen wie auf Trampelpfaden daher: Banville scheint große Sorge zu haben, dass der Leser seinen Höhenflügen nicht folgen kann.
Dabei liest sich dieser prunkvolle «Sommertagstraum» ganz leicht und unbeschwert, worin sich aber auch ein Problem verbirgt: Wenn Zeus und seine Bagage schalten und walten, wie sie wollen, wird das ganze menschliche Tun beliebig. Die Figuren und ihre Schicksale in Banvilles Roman lassen den Leser seltsam kalt. Alle agieren wie unter Glas, Spielzeug in den Händen von lebenssüchtigen, eifersüchtigen, mitleidlosen Unsterblichen.
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22.02. Mord mit spitzer Feder: Krimi-Festival im Sauerland
Meschede (dpa/lnw) - Sie morden und erpressen, sie lügen und betrügen. Doch als Tatwaffe nutzen sie nicht Pistole oder Messer, sondern Fantasie und Computer: Zum nach Veranstalterangaben größten deutschsprachigen Krimi-Festival «Criminale» treffen sich vom 25. bis zum 29. April mehr als 250 Autoren - diesmal im Sauerland. Die «Criminale 2012» wird von der Krimiautoren-Vereinigung «Das Syndikat» veranstaltet, der nach eigenen Angaben mehr als 600 deutschsprachige Krimiautoren angehören. Während des Treffens sind die Experten in Sachen Mord und Totschlag bei vielen Lesungen in der gesamten Region unterwegs. Im vergangenen Jahr war die Criminale zu Gast am Niederrhein.
Unter den Teilnehmern der 26. Criminale finden sich beispielsweise der geistige Vater des Buch- und Fernseh-Detektivs Georg Wilsberg, Jürgen Kehrer, oder die Erfinderin der Sauerland-Krimis um den Kölsch-Trinker Vincent Jakobs, Katrin Heinrichs. 2005 hatte sich das Syndikat das Sauerland schon einmal als Tatort ausgesucht. «Die waren damals so begeistert, dass sie wiederkommen wollten», sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung in Meschede am Mittwoch.
Höhepunkt des Treffens ist der «Tango Criminale» am 28. April, bei dem in Olsberg auch der Friedrich-Glauser-Autorenpreis 2012 vergeben wird. In diesem Jahr geht der Ehrenpreis an den Schriftsteller Thomas Przybilka für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur. Die weiteren Preisträger werden erst direkt vor der Verleihung bekanntgegeben.
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22.02. «Alltag: DDR»: Neue Ausstellung in Eisenhüttenstadt
Der Alltag in der Diktatur: Wer nach Eisenhüttenstadt kommt, begegnet in einer neuen Ausstellung einigen «Bekannten» aus der DDR. Zu sehen sind sie im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, das trotz drohender finanzieller Probleme die Schau auf die Beine stellt.
Eisenhüttenstadt/Potsdam (dpa) - Anstecknadeln und Aufnäher, eine selbst gebaute Antenne zum Empfang von Westfernsehen, Dokumente oder ein Roller der Marke «Schwalbe»: Der Aha-Effekt beim Besuch einer neuen Dauerausstellung in Eisenhüttenstadt dürfte groß sein. Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR zeigt von diesem Samstag an die Schau «Alltag: DDR». Sie richte sich vor allem an junge Leute, die das Land nicht erlebt haben, sagte Leiter Andreas Ludwig am Mittwoch in Potsdam bei der Präsentation der Ausstellung.
Damit ist etwas Neues zu sehen an einem Ort, der derzeit mit einem drohenden finanziellen Engpass zu kämpfen hat. Die Kommune hatte beschlossen, ihren jährlichen Zuschuss von 76 700 Euro ab 2013 zu streichen. Leiter Ludwig sieht den Bestand der Einrichtung deshalb gefährdet. Nun wird eine Lösung gesucht. «Die drei Geldgeber sind miteinander im Gespräch», sagte die Brandenburger Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) am Mittwoch. Neben der Stadt beteiligen sich der Kreis Oder-Spree und das Land an den Kosten.
Noch ist aber offen, ob es tatsächlich zu der geplanten Streichung kommt. «Ich bin optimistisch, dass sich eine Lösung findet», sagte Ludwig. Nach derzeitigem Stand will das Land den eigenen Zuschuss nicht erhöhen: «Zurzeit ist es nicht geplant, in Eisenhüttenstadt zu kompensieren», betonte Kunst. Die Bereitschaft, das Zentrum zu erhalten, sei bei allen Beteiligten vorhanden. Nach Angaben Ludwigs liegt der Basisetat bei rund 210 000 Euro pro Jahr.
Land und Bund haben sich auch an den Kosten der Dauerausstellung mit mehr als 700 000 Euro beteiligt. Zu sehen sind alltägliche Gegenstände, Interviews und Filmausschnitte. An Computerstationen werden Fragen beantwortet wie: «Was ist die SED?». Es geht um Themen wie Macht, Grenzen, Familie, Konsum, Arbeit, Familie und Milieus.
Außerdem werden die Anfänge Eisenhüttenstadts als eine aus dem märkischen Boden gestampfte DDR-Musterstadt beleuchtet.
Die Aufarbeitungsbeauftragte und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe sagte, dass der «durchherrschte Alltag» ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung der DDR sei. Man dürfe sich nicht nur einseitig auf die Aspekte Repression, Stasi und Grenze festlegen.
Eine solche Schau, wie sie in Eisenhüttenstadt konzipiert wurde, sei eine Gratwanderung - «nicht in Nostalgie zu verfallen, aber auch die DDR nicht zu einem Kuriositätenkabinett zu machen». Das eine sei, ein Pioniertuch zu zeigen, das andere zu fragen, was mit den Menschen passiert sei, die keines getragen hätten.
Poppe sagte, sie begrüße die neue Dauerausstellung, in der auch Berlin-Touristen einiges entdeckten könnten. Sie verwies darauf, dass es bundesweit nur Museen zur DDR in Berlin, im brandenburgischen Perleberg und in Pforzheim gebe. Ludwig sagte, dass pro Jahr bislang rund 6000 Besucher in das Dokumentationszentrum gekommen seien - zu je einem Drittel aus Brandenburg, Berlin und «dem Rest der Welt».
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22.02. Sprachschützer: «Kiez-Deutsch» nicht als Dialekt aufwerten
Nürnberg (dpa)- Sprachschützer haben davor gewarnt, stammelndes «Kiez-Deutsch» als Dialekt aufzuwerten. Stattdessen sollten Sprachforscher stärker die Bedeutung von Standarddeutsch betonen, forderte der Chefredakteur der Zeitung «Deutsche Sprachwelt», Thomas Paulwitz, am Montag anlässlich des bevorstehenden «Internationalen Tages der Muttersprache» an diesem Dienstag. Nur wer gutes Deutsch spreche, habe auch alle Möglichkeiten, etwas aus sich zu machen.
Mit dem «Kiez-Deutsch» sind vor allem Sprachformen Jugendlicher gemeint, die sich in Großstadtvierteln mit einem hohen Anteil von Migranten immer mehr zu einer eigenen Mundart parallel zum Standarddeutsch entwickelten. Mit dem Verzicht auf Geschlechtswörter, Verhältniswörter und Wort-Beugungen werde die deutsche Sprache allerdings nicht weiterentwickelt, sondern ihre Rückbildung vorangetrieben.
Die Erhebung von «Kiez-Deutsch» in den Status eines eigenständigen Dialekts sei «unverschämt und anmaßend», da es nicht mit ausdrucksreichen Mundarten wie Bairisch, Sächsisch und Schwäbisch zu vergleichen sei, gab Paulwitz zu bedenken. Stattdessen sollte die Politik mehr in die Sprachförderung investieren. «Bequemlichkeit, Nachlässigkeit oder Unfähigkeit verdienen keine Belobigung durch die Sprachwissenschaft», sagte Paulwitz.
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21.02. Bayerische Staatsbibliothek erhält Millionenspende
München (dpa) - Dank einer Millionenspende kann die Bayerische Staatsbibliothek künftig wieder antiquarische Drucke ankaufen. Die Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung stellt dafür bis 2014 insgesamt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, wie die Bibliothek am Dienstag in München mitteilte. Der Ankauf von Handschriften und alten Drucken - ein Kernauftrag der Bibliothek - war wegen Etatkürzungen bislang nahezu komplett eingestellt. Die Bayerische Staatsbibliothek ist die zweitgrößte Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. Sie verfügt über einen Gesamtbestand von mehr als 9,6 Millionen Bänden.
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21.02. Buch über ZDF-Traumschiff darf vorerst verkauft werden
München/Lübeck (dpa) - Das umstrittene Buch über das ZDF-Traumschiff «Deutschland» darf vorerst weiter verkauft werden.
Weil eine für Mittwoch geplante Gerichtsverhandlung aus Termingründen auf den 7. März verschoben werden musste, habe das Gericht die Vollstreckung einer Einstweiligen Verfügung bis auf weiteres ausgesetzt, sagte der Leiter des Münchner Universitas Verlages, Gerhard Koralus, der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Eine Sprecherin der Reederei Peter Deilmann sagte dazu lediglich, dies sei ein ganz normaler juristischer Vorgang.
Die Reederei in Neustadt und ihr neuer Mehrheitseigner, die Finanzholding Aurelius (München), hatten die Einstweilige Verfügung gegen das Buch der Ex-Chefinnen der Reederei, Gisa und Hedda Deilmann, beim Landgericht München erwirkt. Nach Ansicht der neuen Eigner enthält das Buch «Die wahre Geschichte vom Traumschiff» unwahre Behauptungen. Die Deilmann-Schwestern mussten die Reederei samt dem Flaggschiff «Deutschland» wegen finanzieller Probleme im Oktober 2010 an Aurelius verkaufen.
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21.02. PEN-Chef Strasser: «Gauck ist ein Glücksfall»
Berg (dpa) - Der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland, Johano Strasser, hält den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck für einen Glücksfall - er sieht aber auch Herausforderungen. «Gauck ist ein nachdenklicher, eigenwilliger und beredter Zeitgenosse. Er hat eine imponierende Vita vorzuweisen, in der das Engagement für die Freiheit zentral ist», sagte Strasser der Nachrichtenagentur dpa in Berg am Starnberger See. «Wenn er sich nun auch noch der sozialen Themen etwas mehr annehmen könnte, wenn er die Integration der Muslime zu seinem Anliegen machte und die beschämende Abhängigkeit demokratischer Staaten von den Herren des Finanzmarktes als Freiheitsproblem begreift, dann kann er ein idealer Bundespräsident sein.»
Das Bundespräsidentenamt sei durch die vorzeitigen Abgänge von Horst Köhler und Christian Wulff und die «unsäglichen Windungen der Wulff-Affäre» stark beschädigt worden. «Deshalb ist es ein Glücksfall, dass Frau Merkel in letzter Minute eine Kehrtwende gemacht hat und Union, FDP, SPD und Grüne einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren konnten. Und es ist ein weiterer Glücksfall, dass dieser Kandidat Joachim Gauck ist.»
Strasser zeigte sich zuversichtlich, dass Gauck seinen zentralen Freiheitsgedanken in seiner Amtszeit ausweiten kann. «Ich glaube, er hat sich zu sehr konzentriert auf einen Aspekt der Freiheitsfrage.
Ich bin aber ganz sicher, dass er - weil er ja ein kluger und denkender Mensch ist - den Zusammenhang sieht, dass soziale Vernachlässigung von Menschen auch ein Freiheitsproblem ist und dass durch Machtkonzentration im Finanzbereich eine zunehmende Aushöhlung der Demokratie stattfindet.» Gauck sei alles andere als ein Mann der Vergangenheit. Er habe in seinem Leben Erfahrungen gesammelt, «die er fruchtbar machen kann auch für die Zukunft».
Dass Gauck, der Autor, der auch als hervorragender Redner gilt, mit Sprache umzugehen verstehe, sei immens wichtig für das Amt, betonte Strasser. «Es gibt eine Banalisierung und Verrohung der Sprache, die auch Denkmöglichkeiten verbaut. Und wenn Gauck sich anders und in einer differenzierteren Sprache äußert, eröffnet er auch neue Denkmöglichkeiten. Die großen Herausforderungen unserer Zeit können wir nicht lösen, wenn wir in alten Routinen stecken bleiben.»
Hohe Erwartungen hat Strasser nicht nur an Gauck, sondern auch an dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt. «Sie hat offenbar eine Neigung, Dinge deutlich anzusprechen - mit einer Sprache, die die Leute aufmerksam macht», sagte Strasser. «Sie wird sicherlich eine gute First Lady sein und das kann sie auch sein, ohne dass die beiden verheiratet sind.»
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21.02. Osteuropa Themenschwerpunkt bei Leipziger Buchmesse
Berlin (dpa) - «Aus dem Osten viel Neues» - unter diesem Motto stellt die Leipziger Buchmesse dieses Jahr besonders Polen, die Ukraine und Weißrussland vor. «Mit unserem Programmschwerpunkt wollen wir die reiche Literaturszene dieser Region mit exzellenten Autoren einem breiten Publikum bekanntmachen», sagte Buchmessen-Direktor Oliver Zille am Dienstag in Berlin. Als Gäste werden bei dem traditionellen Branchentreff (15. bis 18. März) unter anderem die Schriftsteller Andrzej Stasiuk (Polen), Swetlana Alexijewitsch (Belarus) und Juri Andruchowytsch (Ukraine) erwartet.
In Polen gibt es nach Angaben von Zille bereits einen lebendigen Buchmarkt. In den beiden postsowjetischen Staaten Ukraine und Weißrussland (Belarus) leiden dagegen viele hervorragende Autoren unter fehlenden Verlagsstrukturen, sie können ihre Bücher im Westen buchstäblich nicht an den Mann bringen. «Unser Ziel ist es, den Schriftstellern hier eine Stimme, ein Gesicht zu geben - aber am Schluss auch Verlage zu finden, die sie herausbringen», sagte Zille.
Als Kurator für den Themenschwerpunkt «tranzyt» zeichnet der österreichische Autor und Träger des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2011, Martin Pollack, verantwortlich. Auf 20 Veranstaltungen geben 32 Autoren aus den drei östlichen Nachbarländern Einblick in ihre Themenschwerpunkte und Arbeitsbedingungen. «Bei uns gibt es ein unglaubliches Manko an Wissen über die Literatur dieser Region», sagte Pollack. «Wir haben so eine Art Bringschuld, hier die Türen zu öffnen.» Unterstützt wird das Programm unter anderem von der Robert Bosch Stiftung.
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21.02. Kafka lässt grüßen: Philippe Claudels «Die Untersuchung»
Ein namenloser Ermittler, eine namenlose Stadt, eine namenlose Firma.
In seinem neuen Roman schildert Philippe Claudel eine anonyme, alptraumhafte Welt.
Berlin (dpa) - «Die grauen Seelen» hieß der Roman, mit dem der französische Autor Philippe Claudel 2004 auch in Deutschland schlagartig bekanntwurde. Vor dem Hintergrund des großen Schlachtens im Ersten Weltkrieg erzählte Claudel darin den mysteriösen Mord an einem Mädchen in einem lothringischen Dorf. Auch in seinem zweiten großen Roman «Brodecks Bericht» ging es um einen Mord in einer geschlossenen Dorfgemeinschaft, diesmal an einem Fremden. In beiden Geschichten erwies sich Claudel als ein Meister des psychologisch-kriminalistischen Romans. Eine düstere, unergründliche Spannung ist diesen Büchern zu Eigen, der sich der Leser schwer entziehen kann.
«Die Untersuchung» dagegen ist definitiv kein Kriminalroman. Eher schon erinnert das neueste Buch Claudels an eine düstere Parabel Franz Kafkas. Auf den ersten Blick scheint sich Claudel dabei an einen konkreten Fall zu orientieren, der Frankreich 2009 erschütterte. Damals geriet die France Télécom durch eine Serie von Selbstmorden unter ihren Mitarbeitern in die Schlagzeilen. Am Ende sah sich der Konzernchef zum Rücktritt gezwungen. Auch in Claudels Roman geht es um einen mächtigen Konzern, in dem sich auffallend viele Angestellte das Leben genommen haben.
Ein Ermittler soll diese Todesfälle aufklären. Mitten im Winter trifft er in der ihm unbekannten Stadt ein. Dort scheint sich alles gegen ihn verschworen zu haben. Er wird von dichtem Schneefall empfangen, findet in den menschenleeren Straßen kein Taxi und zunächst auch kein Hotel.
Die Stimmung ist von Beginn an bedrückend, doch zunächst noch einigermaßen realistisch. Je weiter die Handlung jedoch fortschreitet, umso surrealer wird das Ganze. Nach entnervender Suche entdeckt der Ermittler, dessen Namen wir im Verlauf der gesamten Geschichte übrigens nie erfahren, doch noch ein Hotel. Dort scheint es allerdings nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Obwohl als Luxushotel klassiert, ist der Service und die Ausstattung mehr als kläglich. So bekommt der Ermittler zum Frühstück nur trockenen Zwieback. Er wird außerdem dazu gezwungen, die Hausordnung auswendig zu lernen. Ein Psychopath, der sich als Polizist ausgibt, will ihn wegen eines zerrissenen Handtuchs auf der Hoteltoilette festnehmen.
Auch die Firma, in der der arme Mann ermitteln soll, erweist sich als ein einziger Alptraum: «Die ganze Stadt schien einzig und allein aus der Firma zu bestehen, als hätte sich diese immer weiter ausgebreitet, hätte sich durch nichts bremsen lassen, ihre Grenzen überschritten, die Umgebung verschluckt und sich einverleibt, bis in ihrem Innern alles miteinander verschmolz.» Der Ermittler wird eingeschüchtert, klein gemacht, zu einer Mitleiderregenden Gestalt entwürdigt.
Ihm wird klar, dass er als Individuum nicht zählt in dieser anonymisierten, von seelenlosen Großkonzernen bestimmten und dirigierten Welt: «Er, dem schon seit langem bewusst war, dass er nur einen winzigen Platz in der Welt und in der Gesellschaft einnahm, entdeckte angesichts der Maßlosigkeit der Firma eine weitere Form von Unbehagen, die der Anonymität. Zu der Erkenntnis, dass er ein Nichts war, trat plötzlich die Erkenntnis, dass er ein Niemand war.»
Es überrascht dann auch nicht weiter, dass die Untersuchungen des Ermittlers in der Firma völlig ins Leere laufen, er mehr und mehr von der Absurdität und dem Aberwitz der Ereignisse überrollt wird. Alle bekannten Maßstäbe und Regeln scheinen über den Haufen geworfen. Der Mensch ist nur noch ein Rädchen, eine «vernachlässigbare Größe, eine untergeordnete Spezies.»
Wen das alles an Kafka erinnert, der liegt ganz richtig.
Wesentlich neue Erkenntnisse als der Klassiker hat Claudel allerdings nicht zu bieten. Nach der Hälfte des Romans scheint sich alles wie in einem Perpetuum mobile nur noch zu wiederholen. Die Welt, die Claudel schildert, ist seelenlos, herzlos, unmenschlich, rein funktional. Wen wundert es da, dass auch beim Leser keine Gefühle aufkommen wollen.
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20.02. Am 21. Februar: Internationaler Tag der Muttersprache
Berlin (dpa) - Weltweit werden rund 6000 Sprachen gesprochen, ein Viertel von ihnen aber von weniger als 1000 Menschen. Nach Angaben der UN-Bildungsorganisation Unesco geht alle zwei Wochen eine Sprache verloren. In Deutschland sind 13 Regional- und Minderheitensprachen bedroht - von Jiddisch und Romani bis zu Sorbisch und Nordfriesisch.
Der Internationale Tag der Muttersprache soll auf die Bedeutung sprachlicher und kultureller Vielfalt aufmerksam machen und zum Erlernen neuer Sprachen animieren. Dabei wird die Bedeutung der Muttersprache für den Zusammenhalt einer Gesellschaft betont. Der von der Unesco initiierte Tag wird seit 2000 jährlich gefeiert.
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20.02. Heinrich-Mann-Preis der Akademie an Uwe Kolbe
Berlin (dpa) - Der Essayist und Lyriker Uwe Kolbe wird mit dem diesjährigen Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste ausgezeichnet. Der 54-Jährige erhält den mit 8000 Euro dotierten Preis für Essayistik am 30. März. In seinem jüngsten Essayband «Vinetas Archive» zeige der im Ostteil Berlins geborene Kolbe in brillanter stilistischer Vielfalt, wie er die sozialistische Utopie quasi im Rausch überwunden habe, befand die Jury laut Mitteilung vom Montag. Kolbes «ungeschönte Klarheit und spielerische Sicherheit» bestimmten ihn geradezu für diesen Preis, hieß es. Die Laudatio bei der Auszeichnung im Akademiegebäude am Pariser Platz hält der Schriftsteller Hans Christoph Buch. Frühere Preisträger waren Marie-Luise Scherer (2011), Michael Maar (2010) und Hanns Zischler (2009).
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20.02. Verlag zieht neues Gauck-Buch vor
München (dpa) - Der Münchner Kösel Verlag hat die Veröffentlichung des neuen Buches von Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck vorgezogen. Das Buch mit dem Titel «Freiheit. Ein Plädoyer» erschien schon am Montag und damit zwei Wochen früher als ursprünglich geplant. Grund ist nach Angaben einer Verlagssprecherin die große Nachfrage. Mit der Entscheidung von Union, FDP, SPD und Grünen, Gauck zum gemeinsamen Kandidaten für das Präsidentenamt zu machen, habe die vorgezogene Veröffentlichung allerdings nichts zu tun. Die Entscheidung dazu sei schon vor rund anderthalb Wochen gefallen.
Der Verlag wirbt: «Wer wissen will, was unsere Gesellschaft zusammenhält, wird in dieser Schrift die Antwort finden.» Gaucks Schrift zum Thema Freiheit sei eine präzise und kritische Zeitansage.
Ihr Kernsatz laute: «Wenn wir Freiheit gestalten wollen, gibt es nicht allzu viele Varianten. Ich jedenfalls kenne keine, die der westlichen Variante von Eigenverantwortung vorzuziehen wäre.»
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20.02. Annette Flegel verleiht der Amtssprache Flügel
Schachtelsätze, Passivkonstruktionen, Fremdwörter - Briefe vom Amt sind oft unverständlich. Übersetzer für leichte Sprache stutzen das Behördendeutsch zurecht.
Frankfurt/Main (dpa) - «Im Auftrag des LWV Hessen haben wir Ihren Antrag auf Eingliederungshilfe zu überprüfen.» Wenn ein Brief so anfängt, müssen die meisten erstmal nachdenken, was das eigentlich bedeuten soll. Gerade Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistig Behinderte verstehen so ein Behördendeutsch oft nicht. Für sie muss so ein Brief daher anders geschrieben sein. Dafür gibt es spezielle Übersetzer - wie Annette Flegel. Die Frankfurterin übersetzt Beamtendeutsch in leichte Sprache.
Zu den Kunden ihres «Sprachflügel»-Büros gehören Einrichtungen der Behindertenhilfe ebenso wie Ämter und Behörden. Die 42-Jährige hat das Programm des Kirchentages, die Homepage der Bundesgartenschau und offizielle Papiere der Bundesregierung vereinfacht. Seit der Gründung des Büros im Jahr 2007 hat sich viel getan, wie die zweifache Mutter berichtet. «Die Konkurrenz wird immer größer, aber auch der Bedarf und die Nachfrage», sagt sie. Einer der Gründe: Eine UN-Konvention für die Rechte Behinderter schreibt seit 2009 vor, dass es offizielle Dokumente auch in leichter Sprache geben muss.
Leichte Sprache ist aber mehr als nur verständliche Verwaltungssprache, erklärt Flegel. Wenn es nur darum ginge, Beamtendeutsch zu vereinfachen, würde der Brieftext aktiv statt passiv formuliert, Abkürzungen und Fremdwörter vermieden.
«Im Auftrag des Landeswohlfahrtsverbandes überprüfen wir Ihren Antrag auf Eingliederungshilfe.» Ein Mensch mit Lernbehinderung würde das aber immer noch nicht verstehen, sagt Flegel, die früher als Sozialarbeiterin tätig war und dann eine Ausbildung zur Online-Redakteurin gemacht hat.
Für leichte Sprache gelten andere Regeln: Kurze Sätze. Lange Worte zerlegen. Schlüsselworte fett drucken. Bilder danebenstellen. Die wichtigste Regel lautet: «Nur ein Gedanke pro Satz.» Flegels Übersetzungsvorschlag: «Wir sind das Gesundheits-Amt. Wir prüfen Ihren Antrag auf Eingliederungs-Hilfe.» Nicht einfach genug, fanden Flegels Prüfer. Die Übersetzerin arbeitet mit Lernbehinderten zusammen, die ihre Texte gegenlesen. Die wussten nichts mit «Eingliederungs-Hilfe» anzufangen und ergänzten kurzerhand: «Das ist Geld. Mit dem Geld kann man Hilfe bezahlen.»
Seit 2006 gibt es ein bundesweites «Netzwerk Leichte Sprache», das inzwischen 25 Mitglieder zählt. Sie haben gemeinsame Regeln für leichte Sprache vereinbart. Eine Initiative in Kassel («Mensch zuerst») hat sogar ein Wörterbuch mit 400 Übersetzungen in leichte Sprache veröffentlicht, von A wie «Abmahnung» bis Z wie «zugänglich».
Aber meist existiert keine Wort-zu-Wort-Übersetzung, sagt Flegel. Dann hilft nur Erklären. Die Folge: Die Texte in leichter Sprache sind viel länger als die Originale.
Die Hausordnung eines Behindertenwohnheims war für die Bewohner zwar unverständlich, aber nur eineinhalb Seiten lang. Die «Sprachflügel»-Version mit kleinen Bildchen am Rand umfasst sechs Seiten. Statt «Der Hausmeister als Vertreter des Vermieters ist befugt, die Befolgung der Hausordnung zu überwachen und falls erforderlich durchzusetzen» stehen nun sieben Sätze untereinander, die so beginnen, wie es wohl den meisten Menschen lieber wäre: «Die Wohnungen gehören dem Vermieter. Aber meist ist er nicht dort.
Deshalb passt der Haus-Meister auf.»
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20.02. Anne-Frank-Kastanie soll neu erblühen
Amsterdam (dpa) - Sprösslinge der umgestürzten Anne-Frank-Kastanie sollen im Frühling gepflanzt werden und zu einem neuen Baum heranwachsen. Das berichteten niederländische Medien am Montag. Das deutsche, jüdische Mädchen Anne Frank hatte die Kastanie in ihrem weltberühmten Tagebuch beschrieben. Der mehr als 150 Jahre alte, 23 Meter hohe Baum auf dem Nachbargrundstück des Amsterdamer Kriegsverstecks der Familie Frank war im August 2010 von einem Gewittersturm umgerissen worden. Von ihrem Hinterhausversteck aus hatte Anne, die 1945 im Alter von 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen starb, die Kastanie immer als Zeichen der Hoffnung betrachtet.
Die geretteten Sprösslinge seien in gutem Zustand. Sie könnten bei milderen Temperaturen gepflanzt werden und neue Triebe bilden, sagte der Botaniker Ton Stokwielder von der «Stichting Wereldboom» (Stiftung Weltbaum) der niederländischen Nachrichtenagentur ANP.
Die Stiftung hatte sich dafür eingesetzt, die Überreste der berühmten Anne-Frank-Kastanie zu bewahren. Der Stamm des Baumes und 50 Zweige von einer Länge von rund 2,5 Metern sind erhalten geblieben. Ein Stützkorsett hatte den von Pilzen befallen Baum bis zu dem Unwetter 2010 aufrechtgehalten.
Die Familie Frank und weitere deutsche Juden, die sich im hinteren Teil des Hauses in der Prinsengracht 263 vor den Nazis verborgen hielten, wurden 1944 verraten und in verschiedene Konzentrationslager gebracht. Anne starb im März 1945 kurz vor der Befreiung des KZ Bergen-Belsen an Typhus. Nur ihr Vater überlebte. Er veröffentlichte Annes Aufzeichnungen unter dem Titel «Das Hinterhaus». Anne Frank gilt bis heute als eine Symbolfigur für die Opfer der Nazis.
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17.02. Museumsfestival feiert Erich Kästner
Dresden (dpa/sn) - Das Erich Kästner Museum in Dresden feiert von heute an ein Museumsfestival zu Ehren des Dresdner Dichters. Bis zum 24. Februar stehen unter dem Motto «Gegensatz und Widerspruch» zahlreiche Vorträge, Diskussionen, Workshops und Konzerte auf dem Programm. Auch ein literarischer Stadtspaziergang ist geplant. Eröffnet wird das Festival mit einem Vortrag über Kästners «Leipziger Lehrjahre». Zugleich trifft sich in diesen Tagen die Erich Kästner Gesellschaft zu ihrer Jahrestagung in Dresden. Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren und lebte bis 1917 in seiner Heimatstadt.
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17.02. Bestseller-Biograf Eberhard Horst tot
München (dpa) - Der Schriftsteller Eberhard Horst ist tot. Der Autor, der in spannenden und einfühlsamen Biografien das Mittelalter einem großen Publikum nahe brachte, starb am Mittwoch im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Gröbenzell bei München. Dies teilte sein Sohn der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag mit.
Der letzte Erfolg des Autors war Anfang 2004 «Heloisa und Abaelard», eine mittelalterliche Liebesgeschichte zwischen einem Philosophen und einer Äbtissin. Darin richtete Horst seinen Blick vor allem auf den Konflikt zwischen irdischer und göttlicher Liebe.
Exzellent recherchiert und spannend geschrieben - das zeichnete die Bücher Horsts aus. Nach ersten Erfolgen als Reiseautor erzielte der gebürtige Düsseldorfer 1975 mit der Biografie «Friedrich, der Staufer» seinen Durchbruch und gelangte über Nacht zu Bestseller-Ruhm. Beflügelt durch die damalige große Stuttgarter Staufer-Ausstellung stieß das Werk über den letzten großen deutschen Kaiser des Mittelalters auf breites Interesse. Eine Erstauflage musste schon nach wenigen Wochen nachgedruckt werden, Ende 1980 waren 80 000 Exemplare der Original-Ausgabe verkauft.
Der Einklang von authentischer Mitteilung und einfühlsamem Erzählen prägte auch die folgenden Lebensbeschreibungen wie die über Julius Caesar (1980) oder Konstantin den Großen (1984). Vor einigen Jahren erschien Horsts Biografie der für ihre Heilkunde berühmten Benediktinerin Hildegard von Bingen. Er zeichnete das Porträt einer mutigen und faszinierenden Frau, die ihre modernen Ideale und Visionen gegen die Mächtigen ihrer Zeit verteidigte.
Horst wurde 1924 als Sohn eines Düsseldorfer Kaufmanns geboren.
Das Abitur machte er 1947 in einem französischen Kriegsgefangenenlager, später studierte er Philosophie und Theologie sowie Germanistik und Theaterwissenschaften. Anfang der 1950er Jahre leitete Horst die Studiobühne der Universität München. Auch seinen Sohn Titus zog es später ans Theater. Seit 1956 war Horst als freier Schriftsteller und Literaturkritiker tätig, verfasste auch Hörspiele und Fernsehstücke und machte sich als Reiseautor einen Namen. Der mit dem Bundesverdienstkreuz und mehreren Literaturpreisen ausgezeichnete Autor war auch Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland sowie der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
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17.02. Georg-Büchner-Biennale mit 200 Veranstaltungen
Wiesbaden (dpa) - Mit rund 200 Veranstaltungen würdigt Hessen den Schriftsteller und Dramatiker Georg Büchner (1813-1837) in den kommenden 20 Monaten. Die «Biennale» beginnt an diesem Sonntag - dem 175. Todestag des Dichters - in Darmstadt mit einer Ausstellung zu seinem Leben. Den Abschluss bildet eine Schau mit dem Titel «Kosmos Büchner», die am 200. Geburtstag Büchners am 12. Oktober 2013 ebenfalls in Darmstadt eröffnet wird. Zu den Veranstaltungen wurde auch eine eigene Webseite www.buechner1213.de freigeschaltet.
Büchner wurde am 17. Oktober 1813 im südhessischen Goddelau geboren. In zahlreichen Städten gibt es Theateraufführungen, Lesungen, Rap-Abende oder literarische Spaziergänge. Im kommenden Jahr findet in Büchners Studienort Gießen ein dem Autor gewidmetes Theaterfestival statt - gemeinsam mit den Hessischen Theatertagen.
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17.02. 300 Preußen-Krimis für Brandenburg an Platzeck übergeben
Potsdam (dpa/bb) - Brandenburg kann sich über 300 Bände aus der Preußen-Krimi-Reihe des Autors Tom Wolf freuen. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nahm das Buchgeschenk am Freitag im Potsdamer Landtag von Ulrich Hopp, Verleger des Berliner be.bra verlags, entgegen. Die Krimis, von denen Wolf bisher elf Bände verfasste, gehen nach Verlagsangaben an die öffentlichen Bibliotheken des Landes zum diesjährigen 300. Geburtstag Friedrichs II., genannt «Der Große».
Er wolle mit diesem Geschenk möglichst viele Brandenburger dazu anregen, sich auch jenseits der Geburtstagsfeierlichkeiten mit der Geschichte des eigenen Landes zu beschäftigen, bemerkte Verleger Hopp bei der Übergabe. Die Zeit des Preußenkönigs Friedrichs des Großen (1712-1786) sei auch die der europäischen Aufklärung gewesen, in der Literatur und Wissenschaften die Grundlagen für den späteren gesellschaftlichen und politischen Fortschritt legten.
Platzeck bedankte sich für das Buchpaket und sagte: «Ich begrüße es sehr, wenn privates und bürgerschaftliches Engagement von Unternehmern die Kultur im Land Brandenburg unterstützt.»
Der Autor Tom Wolf lebt in Putlitz (Prignitz) und war 2006 Stadtschreiber zu Rheinsberg im Ruppiner Land. Nach Verlagsangaben drehen sich seine Preußen-Krimis um den fiktiven Hofküchenmeister Honoré Langustier, der sich im Auftrag Friedrichs des Großen nebenberuflich als Ermittler und «Geheimkommissär» betätigt. Die elf Bände verkauften sich seit 2001 bisher mehr als 100000 mal.
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17.02. Alfred-Döblin-Stipendium für neun Autoren
Berlin (dpa/bb) - Neun Berliner Autoren und Autorinnen haben das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste und der Kulturverwaltung des Senats erhalten. Sie dürfen drei Monate im Alfred-Döblin-Haus im schleswig-holsteinischen Wewelsfleth leben und arbeiten, teilte die Verwaltung am Freitag mit.
Unter den 87 Bewerbern wurden Luise Boege, Ricoh Gerbl, Saskia Fischer, Elke Heinemann, Milena Oda, Boris Preckwitz, Hans-Gerd Pyka, Katharina Schlender und Ellen Wesemüller ausgewählt.
In dem von dem Schriftsteller Günter Grass dem Land Berlin gestifteten Haus stehen den Stipendiatinnen und Stipendiaten drei möblierte Wohnungen zur Verfügung; darüber hinaus erhalten sie monatlich 1100 Euro.
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16.02. Leipziger Buchmesse lockt mit Stars der Literaturszene
Mit einer Mischung aus altbewährten Literaten und Nachwuchstalenten will die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr das Publikum begeistern.
Gelesen wird unter anderem im Fischladen, in der Tropenhalle des Zoos sowie auf dem Smartphone.
Leipzig (dpa) - Mit Stars der nationalen und internationalen Literaturszene will die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr wieder Zehntausende Besucher anlocken. Neben den deutschen Autoren Martin Walser, Friedrich Christian Delius und Erich Loest sollen beim Lesefest der Buchmesse auch der Ire John Boyne und US-Schriftsteller David Guterson aus ihren neuesten Werken lesen. «Wir hoffen aber, auch weiterhin als Ort der Neuentdeckungen fungieren zu können», sagte am Donnerstag Buchmesse-Direktor Oliver Zille bei der Vorstellung des Rahmenprogramms, das über 2600 Veranstaltungen umfasst. Die Leipziger Buchmesse findet vom 15. bis 18. März statt.
Zu der viertägigen Messe werden auch frühere Politiker wie Hans-Dietrich Genscher und Heiner Geißler oder Schauspieler wie Corinna Harfouch und Christiane Paul erwartet. Zudem hätten sich Regisseur Volker Schlöndorff und der schrille Modedesigner Harald Glööckler angekündigt.
Zu dem laut Messe größten Lesefestival Europas werden wieder Zehntausende Besucher erwartet. Als außergewöhnliche Schauplätze von Lesungen sind das Clownmuseum, Treppenhäuser, ein Fischladen oder die riesige Tropenhalle «Gondwanaland» im Leipziger Zoo vorgesehen.
Frische Literatur im Gepäck haben in diesem Jahr unter anderem die Autoren Thomas Brussig, Thea Dorn, Uwe Tellkamp und Rafik Schami.
Nachwuchstalente können bei der traditionellen «Langen Leipziger Lesenacht» im Studentenclub Moritzbastei ihre literarischen Werke vor größerem Publikum präsentieren.
Ein Programmschwerpunkt liegt unter dem Motto «tranzyt» auf Literatur aus Polen, der Ukraine und Weißrussland. Zudem widmet sich die Messe der neuseeländischen Literatur. Erwartet wird etwa der Auftritt des Maori-Schriftstellers Alan Duff.
Darüber hinaus präsentiert das Lesefest in diesem Jahr zwei digitale Lese-Premieren, bei denen Autoren Kurzgeschichten auf dem Smartphone lesen oder auf das soziale Netzwerk Twitter zurückgreifen.
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16.02. «Zeit»-Verlag erreicht Rekordumsatz - Neue Geschäftsfelder wachsen
Hamburg (dpa) - Der Hamburger «Zeit»-Verlag hat im abgelaufenen Jahr einen Rekordumsatz erzielt. Die Gesamterlöse erhöhten sich um 13 Prozent auf 151 Millionen Euro, teilte der Verlag am Donnerstag in der Hansestadt mit. Davon entfielen knapp 65 Millionen Euro auf Vertriebsumsätze und gut 52 Millionen Euro auf Anzeigenerlöse. Fast ein Drittel des Gesamtumsatzes machten neue Geschäftsfelder wie Magazine, Editionen und Veranstaltungen sowie die wachsenden Online-Aktivitäten aus. Die klassischen Werbeerlöse bei «Zeit Online» hätten um 50 Prozent zugenommen, heißt es in der Mitteilung. Die verkaufte Auflage der Wochenzeitung «Die Zeit»» habe ebenfalls einen neuen Höchststand erreicht und in allen Quartalen bei mehr als 500 000 Exemplaren gelegen.
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16.02. Viele Einsendungen zum ersten Jacques Berndorf-Krimipreis
Hillesheim (dpa/lrs) - Insgesamt 43 Autoren haben sich um den ersten Jacques Berndorf-Krimipreis beworben. Dies seien mehr als erwartet, teilte der auf Eifel-Krimis spezialisierte KBV-Verlag in Hillesheim (Kreis Vulkaneifel) am Donnerstag mit. Die insgesamt 44 eingereichten Exposés über «Mord und Totschlag in der Eifel» stammten vor allem von Nachwuchsschreibern. Einer habe zwei Texte geschickt.
Dem Gewinner winkt eine Veröffentlichung im KBV-Verlag und eine Ehrung bei den ersten «Nordeifel-Mordeifel Krimitagen» vom 6. bis 9. September im und um den Nationalpark Eifel. Der Preis ist nach Star-Krimiautor Jacques Berndorf (75) benannt und wird erstmals vom Kreis Euskirchen ausgelobt.
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16.02. Nádas' «Parallelgeschichten»: Monumentales Ausnahmebuch
Als literarisches Ausnahmeereignis mit Spannung erwartet: Der Ungar Péter Nádas hat einen monumentalen Roman über Menschen in den Geschichtskatastrophen des 20. Jahrhunderts geschrieben. Mit Sex, wie man ihn ausführlicher und detaillierter kaum darstellen kann.
Reinbek/Hamburg (dpa) - Ob die Nobeljuroren diese 1700 Seiten schon hinter sich haben? Einiges spricht dafür. Deutschsprachige Leser können jetzt Péter Nádas' Ausnahmebuch «Parallelgeschichten», mehr als sechs Jahre nach Erscheinen des ungarischen Originals, mit Blick auf den berühmtesten Literaturpreis der Welt lesen. Ihnen steht eine anstrengende, oft verstörende, aber auf jeder Seite schon allein durch die Musik der Sprache unvergessliche Lesereise bevor.
Labyrinthisch vertrackt führt sie zu Lebensstationen einer enormen Personengalerie aus Nádas' ungarischer Heimat und aus Deutschland.
«Nebenbei» ist dies auch ein monumentales Buch zu den großen Geschichtskatastrophen der durch den Holocaust verzahnten Vergangenheit beider Länder. Die Zeitspanne reicht vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Kalten Krieges.
Die Kunde von diesem gewaltigen Werk ist sicherlich schon vor einiger Zeit nach Schweden durchgedrungen. Denn der 69 Jahre alte Nádas galt vor der Vergabe des Literaturnobelpreises im vergangenen Herbst (an Tomas Tranströmer) als Mitfavorit auf die höchste Auszeichnung der literarischen Welt. Preiswürdig ist auch die nicht hoch genug zu lobende Übersetzung von Christina Viragh ins Deutsche.
Nádas lockt den Leser mit einem Thriller-Auftakt: Der verstörte Student Döhring findet beim Joggen im Berliner Tiergarten 1989 die Leiche eines Mannes. Der grummelige Kommissar Kienast hat den jungen Mann in Verdacht. Dann aber taucht der Mordfall erst 1350 Seiten später wieder auf. Am Ende wird man nicht mal wissen, höchstens ahnen, wer der Ermordete war.
Nádas erzählt in stetem Wechsel von allen möglichen Menschen rund um die deutsche Familie Döhring und die ungarischen Lippay-Lehrs.
Junge Trickser aus der Oberschicht des poststalinistischen Ungarn.
Deutsche Wissenschaftler bei Nazi-«Zuchtprogrammen». Ältere Budapesterinnen, die der Judenvernichtung entgangen sind. Beim Kampf dieser Figuren um Überleben, Zusammenhalt, Glück, Sinn, aus dem nicht selten Verrat wird, ist nicht immer leicht entschlüsselbar, wie sie miteinander zu tun haben. Plötzlich heißt nach 900 Seiten, in einer an Trauer um zerstörtes Leben kaum zu überbietenden KZ-Geschichte, ein SS-Mann Döhring. Wie der Student aus dem ersten Kapitel.
Sogar in der KZ-Geschichte mit einem politischen und einem kriminellen Häftling als «Paar» wagt sich Nádas an die detaillierte Darstellung sexueller Aktivitäten und anderer Körperfunktionen, über die sonst lieber geschwiegen wird. «Der Körper vergisst nicht», heißt es gleich am Anfang. Nádas will diese «andere», unterdrückte Seite des menschlichen Sensoriums so ausführlich und präzise wie möglich zum Sprechen bringen. Das führt zur Marathon-Darstellung einer mehrtägigen Sexorgie, ohne Nähe oder Liebe, zwischen zwei Hauptpersonen, Ágost und Gyongyvér, über hundert Seiten. Kein Muskelstrang, kein Sekret bleibt unerwähnt.
Zu dieser nicht erregend gemeinten «Körpersprache» bei Nádas gehört vor allem auch die ständige Suche von Männern nach physischer Nähe und Hingabe, vorzugsweise zu anderen Männern. Mit ihrem «Schwanz» als allgegenwärtigem, mitsamt Geruchsnuancen und Sekreten immer wieder aufs Neue beschriebenen Ausdrucksmittel. Ob im KZ, auf dem Schwulenstrich der Budapester Margareteninsel, im Bett, oder im Berliner Laden für ganz spezielle Herrenunterwäsche.
Mitunter nervt das. Die Überbetonung des männlichen Geschlechtsorgans genauso wie das Gefühl, beim Lesen einer bestimmten Autorenidee allzu obsessiv ausgesetzt zu werden. Wo der in einem winzigem ungarischen Dorf namens Gombosszeg lebende Nádas doch ein epochales Werk, übervoll an mutigen Ideen, geschaffen hat.
Neben der sprachlichen Brillianz und der überragenden Vielfalt der aufs Feinste geschilderten Personen überwältigt das Wechselspiel zwischen Form und Inhalt: höchst komplex und auf den ersten Blick nur vage miteinander verbundene «Parallelgeschichten» in einer ebensolchen Epoche. Trotz der ständigen Szenerie-, Zeit- und auch Stilwechsel, manche davon mitten im Kapitel, bleibt man gefangen. Am Ende fügt Nádas nichts zusammen, bringt nichts zum guten oder schlechten Ende und zaubert keinen Sinnzusammenhang aus dem Ärmel.
Dieses Buch habe er, im Gegensatz zum letzten Roman «Buch der Erinnerungen» (1991), über 18 Jahre in Freiheit, also nach Ende der kommunistischen Diktatur, geschrieben, hat Nádas in Interviews herausgehoben. Umso mehr schmerzt, dass beim Erscheinen der deutschen Übersetzung die Freiheit schon wieder gefährdet ist. Immer neue Nachrichten über Einschränkungen für Medien und Künstler durch die ungarische Rechtsregierung kommen aus Budapest. Zu den dabei publizistisch auch mit antisemitischen Tönen attackierten und ausgegrenzten heimischen Autoren gehört Nádas.
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16.02. «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm neu aufgelegt
Kassel (dpa/lhe) - Sie gehören zu den meistverbreiteten Büchern der Welt und können 2012 auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken: Die «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm. Zum Jubiläum ist eine neue Ausgabe aufgelegt worden. Die neue, fast 900-seitige Ausgabe mit 200 Märchen und einem Nachwort des Grimm-Forschers Prof. Heinz Rölleke ist in der Reihe «Winklers Welt Literatur» des Artemis & Winkler-Verlags erschienen. Die Märchen sind mit 200 Bildern von Künstlern des 19. Jahrhunderts illustriert.
Jacob und Wilhelm Grimm sammelten die Märchen meist nach mündlicher Überlieferung. Sie hätten den Texten eine sprachliche Form gegeben, ohne den schlichten Volkston zu verfälschen, teilte der Verlag mit. Zu den bekanntesten Texten gehören «Aschenputtel», «Der Froschkönig», «Der Wolf und die sieben Geißlein», «Hänsel und Gretel» sowie «Frau Holle».
Die mit handschriftlichen Anmerkungen des Brüderpaares versehene Erstausgabe von 1812 gehört zum Unesco-Weltdokumentenerbe und liegt im Brüder-Grimm-Museum in Kassel. Die Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm lebten und arbeiteten mit Unterbrechungen von 1798 bis 1841 in der nordhessischen Stadt. 2013 jähren sich die Todestage von Jacob Grimm (20. September) und dem «Malerbruder» Ludwig Emil Grimm (4. April) zum 150. Mal.
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15.02. «Ich jeden Tag Geburtstag mag» - Kobold Pumuckl wird 50
Seit Jahrzehnten begeistert Kobold Pumuckl Generationen von Kindern.
Richtig erwachsen geworden ist er bis heute nicht - dabei wird der rothaarige und liebenswerte Quälgeist jetzt 50 Jahre alt.
München (dpa) - Haben Geister eigentlich einen Geburtstag? Bei dem kleinen Klabautermann Pumuckl ist selbst seine «Mutter», die Münchner Schriftstellerin Ellis Kaut nicht ganz sicher: «Ich kann es selbst als Autorin nicht sagen, ob er Geburtstag hat oder nicht.» Schließlich sei er ein Geistwesen. «Er ist nicht von dieser Welt», sagte die 91-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.
Allerdings sei sie in der Frage nicht immer konsequent gewesen. Im Jahr 1970 ließ sie ihn etwa in «Pumuckl will Geburtstag haben» sagen, er sei genau vor «siebzigdreizehn Jahren» auf die Welt gekommen, auf einem Segelschiff während eines schlimmen Sturms. Ein andermal skandiert der Kobold: «Geburtstag ist ein schöner Tag, ich jeden Tag Geburtstag mag.»
Auf den 21. Februar 1962 datiert jedenfalls der Bayerische Rundfunk den ersten Tag im Leben des kleinen Quälgeistes: Damals erlebte der rothaarige Kobold zumindest seine mediale Geburt. Mit «Spuk aus der Werkstatt» wurde das erste Pumuckl-Hörspiel gesendet.
Wenige Jahre später folgten die Romane, in den 1980er Jahren die Fernsehserie und der erste Spielfilm. Der BR feiert den runden Geburtstag mit mehreren Sendungen.
Die ersten Worte des unsichtbaren Kobolds in der Werkstatt von Schreinermeister Eder waren freilich weder «Mama» noch «Auto», sondern: «Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt!» Die Stimme lieh ihm Hans Clarin, der wie ein echter Klabautermann von der Küste stammte und Pumuckl über Jahrzehnte seinen stimmlichen - und hochdeutschen - Charakter gab. Den gutmütigen bayerischen Meister Eder verkörperte in zahlreichen Hörspielen Alfred Pongratz und im Fernsehen Gustl Bayrhammer.
Pumuckl blieb aber nicht lange ein bayerisches Phänomen.
Generationen in ganz Deutschland wurden mit «Meister Eder und sein Pumuckl» groß. In der Schweiz spricht Pumuckl Schweizerdeutsch, und auch in anderen europäischen Ländern wie Spanien und Frankreich und sogar in China erobert der freche Kobold inzwischen Kinderherzen.
Dabei sind die Lebensumstände des kleinen Frechdachses nicht leicht zu fassen. Die Frage etwa, ob er nach Jahrzehnten als Single auch mal eine Freundin haben darf, musste gerichtlich entschieden werden. Seine ursprüngliche Zeichnerin Barbara von Johnson hatte Kinder in einem Malwettbewerb eine Freundin für Pumuckl malen lassen.
Das Münchner Landgericht erlaubte das zwar nach monatelangem Gezerre.
Doch die Erfinderin Kaut fand eine Gespielin für den Kleinen «unappetitlich» - nicht zuletzt sah sie ihre Autonomie über Pumuckls Biografie in Gefahr.
Vor ein paar Jahren bei der Vorstellung ihrer Autobiografie «Nur ich sag ich zu mir - Mein Leben mit und ohne Pumuckl» lüftete Kaut das Geheimnis von «Pumuckls» Entstehung - nämlich bei einem Skiurlaub in der Schweiz. Als sie ihren Mann mit Schnee bewarf, nannte der sie einen «rechten Pumuckl».
Wenn das vom BR angegebene Geburtsdatum stimmt, dann hätte der Nachfahre der berühmten Schiffsgeister das Sternzeichen Fisch.
Liebeswürdig, sensibel, aber schwer zu fassen sollen Fische sein - das würde schon passen für den Kobold, der immer wieder unsichtbar wird. Kaut kann sich freilich mit der Idee nicht recht anfreunden und glaubt, dass sich auch ihr Pumuckl nicht für sein Horoskop interessiert. «Ich bin kein Freund der Astrologie. Und so was vererbt sich ja auf Kobolde.»
Sein Alter ist jedenfalls schwer zu schätzen - bis heute hat er keine Falte und kein graues Haar. «Ältere Herren, finde ich, kriegen immer interessantere Gesichter, wenn sie weiße Haare ringsum haben», sagt Kaut. Ihr Pumuckl aber werde immer rothaarig bleiben, und an die Rente denke er auch nicht. «Ich glaube, dass er sich keine großen Gedanken über die Rente macht - weil er gar nicht weiß, was eine Rente ist.» Auch die Frage, ob Pumuckl irgendwann einmal vernünftig und erwachsen wird, stellt sich für Kaut nicht. «Er ist ja schon vernünftig - er ist ja viel vernünftiger als die meisten Menschen», findet Kaut, räumt aber ein: «Es ist allerdings ein eigene Art der Vernunft.»
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15.02. Unesco: Fast 3000 Sprachen vom Verschwinden bedroht
Bonn (dpa) - Fast die Hälfte der 6000 zur Zeit weltweit gesprochenen Sprachen ist nach Einschätzung der Unesco vom Verschwinden bedroht. Alle zwei Wochen gehe eine Sprache verloren, teilte die Deutsche Unesco-Kommission am Mittwoch in Bonn mit. Am kommenden Dienstag, 21. Februar, begeht die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur den Internationalen Tag der Muttersprache. In diesem Jahr liegt der Fokus auf muttersprachlichem Unterricht. Länder sollen ermutigt werden, Bildungsangebote und Schulunterricht in den jeweiligen Muttersprachen zu unterstützen.
Seit dem Jahr 2000 ist der Internationale Tag der Muttersprache ein Welttag zur Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Die Unesco hat einen Atlas der bedrohten Sprachen erstellt, der gegenwärtig 2474 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region auflistet. Darunter befinden sich auch 230 Sprachen, die seit 1950 verschwunden sind. Der Atlas wird wöchentlich aktualisiert.
Dass Sprachen gefährdet sind, hat vielfältige Gründe. Krieg, Vertreibung und Stigmatisierung gehören ebenso dazu wie Migration und Vermischung der Sprachen. Auch neue Informationsmedien begünstigen den weltweiten Einfluss einzelner Sprachen, insbesondere des Englischen. Ein wichtiger Faktor zur Stärkung gefährdeter Sprachen ist eine positive Einstellung zur eigenen Muttersprache.
In Deutschland gibt es vielfältige Aktionen zum Tag der Muttersprache wie etwa in Saarbrücken die grenzüberschreitende Veranstaltung «Muddaschpròòch!». Das Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg hat eine facettenreiche Sprachkultur. Im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Lothringen und Luxemburg werden nicht nur Deutsch und Französisch gesprochen sondern auch die Mundarten Moselfränkisch und Rheinfränkisch.
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15.02. 46 Autoren erstmals für Literaturnobelpreis vorgeschlagen
Stockholm (dpa) - Für den Literaturnobelpreis 2012 sind der Schwedischen Akademie 46 Autoren erstmals vorgeschlagen worden.
Insgesamt lägen 210 Vorschläge vor, schrieb Akademie-Sekretär Peter Englund in einem Blog-Beitrag. «Ungewöhnlich viele frühere Preisträger haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Kandidaten zu benennen», erläuterte er.
Auch Mitglieder der Akademie, Literatur- und Sprachwissenschaftler sowie die Präsidenten von Schriftstellerverbänden könnten Vorschläge machen. Jetzt werde die Akademie die Nominierungen prüfen und im April eine erste Vorauswahl von etwa 20 Namen präsentieren. Später werden aus dieser Liste fünf Kandidaten für die Endrunde ausgewählt.
Der Literaturnobelpreis wird voraussichtlich Anfang Oktober verliehen. Im vergangenen Jahr erhielt der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer die höchste Auszeichnung der literarischen Welt.
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15.02. Autor Kracht sagt Lesung nach Vorwürfen ab
Berlin/Köln (dpa) - Nach Rassismus-Vorwürfen im «Spiegel» wegen seines neuen Buchs «Imperium» hat der Schriftsteller Christian Kracht seine Buchvorstellung in Berlin abgesagt. «Der "Spiegel"-Angriff bedrückt Christian Kracht so sehr, dass er sich im Moment außerstande sieht, nach Deutschland zu kommen», teilte sein Verlag Kiepenheuer & Witsch am Mittwoch in Köln mit. In dem Nachrichtenmagazin hatte der Rezensent Georg Diez dem Schweizer vorgeworfen, eine rassistische Weltsicht zu vertreten und «Türsteher der rechten Gedanken» zu sein.
Ein neuer Termin für die ursprünglich am 22. Februar geplante Buchpremiere am Deutschen Theater stehe noch nicht fest, teilte der Verlag mit. KiWi-Verleger Helge Malchow hatte Diez' Vorwürfe zuvor entschieden zurückgewiesen und von «Unterstellungen und atemberaubenden Verdrehungen» gesprochen. Andere Kritiker hatten das Buch gelobt.
In seinem vierten Roman schildert der 45-jährige Kracht die Geschichte eines Aussteigers mitten in der deutschen Kolonialzeit.
Der Nürnberger August Engelhardt hatte 1902 eine Südsee-Insel gekauft, um dort das «Kokovorische Weltreich» zu gründen. In Engelhardts Lehre ging es darum, nackt der Kokosnuss zu huldigen.
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15.02. Bauer-Verlag gewinnt Klage gegen Pressegroßhändler-Verband
Köln (dpa) - Nach dem juristischen Erfolg des Bauer-Verlags gegen den Bundesverband der Pressegroßhändler (Grossisten) fordert das Kartellamt mehr Wettbewerb beim Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften. Daran führe schon aufgrund europarechtlicher Vorgaben kein Weg vorbei, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag in Bonn. Die nordrhein-westfälische Landesregierung dagegen kündigte eine Gesetzesinitiative für den Erhalt des bewährten Systems an.
Das Kölner Landgericht hatte zuvor einer Klage des Bauer-Verlags gegen den Bundesverband der Grossisten stattgegeben. Es sei ein Verstoß gegen das Kartellrecht, dass der Grosso-Bundesverband mit den Verlagen einheitliche Verkaufskonditionen aushandele. Die Kammer für Handelssachen folgte damit einem Sprecher zufolge der Argumentation des Bauer-Verlags («TV Movie», «Bravo»), der in der derzeitigen Praxis eine Wettbewerbsbeschränkung sieht. Gegen das Urteil ist Berufung vor dem Kölner Oberlandesgericht möglich (AZ: 88 O (Kart) 17/11).
Der Bauer-Verlag kann nun mit einzelnen Grossisten über Preise, Rückgaberechte für nicht verkaufte Exemplare und andere Vertriebs- und Verkaufsbedingungen einzeln verhandeln. Der Bundesverband darf nach dem Urteil seine 70 Grossisten auch nicht auffordern, einzelne Verhandlungen mit dem Verlag zu unterlassen. Das Urteil hat dem Gerichtssprecher zufolge aber nur bindende Wirkung für den Bauer-Verlag gegenüber den Pressegroßhändlern. «Das ist grundsätzlich so bei Zivilprozessen.»
Die Verbände der Zeitungsverleger und der Zeitschriftenverleger sowie der Bundesverband Presse-Grosso bedauerten das Urteil in einer gemeinsamen Erklärung. Sie wollen das «bewährte und durch Branchenvereinbarungen getragene Presse-Grossosystem» weiter erhalten. Einheitliche Konditionen-Vereinbarungen seien für die große Mehrheit der Verlage eine «wesentliche Voraussetzung für ein neutrales, die Pressevielfalt und Überallerhältlichkeit gewährleistendes Pressevertriebssystems.» Die Bauer Media Group in Hamburg begrüßte das Urteil dagegen als Veto gegen ein unzulässiges Preis- und Konditionenkartell und sieht die Pressevertriebsfreiheit gestärkt.
Der nordrhein-westfälische Medien-Staatssekretär Marc Jan Eumann sieht durch das Kölner Urteil die konkrete Gefahr eines Preisdiktats der großen Verlage. Die Pressevielfalt und bundesweite Erhältlichkeit sämtlicher Presseprodukte sei akut gefährdet, weil den Grossisten durch die zu erwartenden Mindereinnahmen bei den großen Verlagen die Mittel für den Vertrieb der Produkte der kleineren und mittleren Verlage fehlen würden. Deshalb sei der Gesetzgeber gefordert, das bewährte System des Presse-Grosso gesetzlich abzusichern.
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14.02. Jury für Deutschen Buchpreis 2012 benannt
Frankfurt/Main (dpa) - Die Jury für den Deutschen Buchpreis 2012 steht fest. Den besten deutschsprachigen Roman sollen die Buchhändlerin Silke Grundmann-Schleicher (Berlin), die Journalisten Andreas Isenschmid («Neue Zürcher Zeitung am Sonntag»), Dirk Knipphals («die tageszeitung») und Stephan Lohr (NDR), die freien Kritiker Jutta Person und Oliver Jungen sowie die freie Lektorin Christiane Schmidt auswählen. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt mit.
Der mit 25 000 Euro dotierte Deutsche Buchpreis gilt als die Literaturauszeichnung mit der größten Publikumsresonanz in Deutschland. Die Preisverleihung findet am 8. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Rathauses statt.
Erst am Abend der Verleihung wird der Sieger gekürt. Die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro.
Am 12. September will die Jury die sechs Finalisten auf ihrer «Shortlist» bekanntgeben. Zuvor wird eine «Longlist» mit 20 Titeln zusammengestellt und am 15. August veröffentlicht. Deutschsprachige Verlage können bis 30. März jeweils zwei Neuerscheinungen aus ihren Programmen einreichen.
Die Buchpreis-Jury wird in jedem Jahr neu zusammengestellt. Sie wird von der Akademie Deutscher Buchpreis gewählt, in der Vertreter der Buch- und Medienbranche und des Goethe-Instituts sitzen. Im Jahr 2011 hatte Eugen Ruge für seine DDR-Familiensaga «In Zeiten des abnehmenden Lichts» die Auszeichnung erhalten. Der Roman hatte daraufhin die Bestsellerlisten gestürmt.
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14.02. Krachts «Imperium»: Von nackten Aussteigern und Kokosnussanbetern
Er ernährt sich nur von Kokosnüssen und will in der Südsee ein Nudistenreich gründen. In «Imperium» lässt Christian Kracht einen Aussteiger Anfang 1900 bravourös an sich selbst scheitern. Dabei handelt Kracht sich auch - alte - Rassismus-Vorwürfe ein.
Berlin (dpa) - Es ist also ein Aussteigerroman geworden - und das mitten in der wilhelminischen Kolonialzeit. In seinem neuen Buch «Imperium» (Kiepenheuer & Witsch) schickt Christian Kracht einen esoterischen Eiferer ans Ende der Welt: Von der Südsee aus will er ein vegetarisch-nudistisches Weltreich gründen. Dass der meisterlich erzählte Versuch scheitern muss, ist vorprogrammiert. Der Roman ist Krachts ausgereiftestes Werk. Mit seinem vierten Roman eckt der Schweizer Schriftsteller, Journalist und Weltbürger aber auch an.
August Engelhardt fühlt sich sichtlich unwohl inmitten seiner tumben Landsleute, einem Haufen ignoranter Pflanzer. Per Schiff ist der Nürnberger zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts samt kleiner Erbschaft im Gepäck auf dem Weg in die Südsee. In Deutsch-Neuguinea (heute: Papua-Neuguinea) will der Mittzwanziger ein Stück Land kaufen, um nackt Sonne und Kokosnuss huldigen zu können. Denn mehr brauche der Mensch für seine Erleuchtung nicht, so Engelhardts selbsterdachte Religion des Kokovorismus. Im wilhelminischen Kaiserreich wäre an so einen Unsinn natürlich nicht zu denken gewesen.
Das also ist Krachts neuer Held: ein Spinner, Weltentrückter, Aussteiger und Verlorener mitten in der deutschen Kolonialzeit. Was wie das Ergebnis einer durchzechten Nacht klingt, ist indes historisch verbucht. Tatsächlich rief Engelhardt 1902 auf der Insel Kabakon im Bismarck-Archipel seinen Sonnenorden aus. Schon im vergangenen Jahr war mit Marc Buhls «Das Paradies des August Engelhardt» ein Buch über den durchgeknallten Kokovoren erschienen.
Selten hat man Kracht so humorgeladen und fabulierfröhlich erlebt wie in diesem Abenteuerroman. Ging der heute 45-Jährige zuletzt mit schmerzlich präziser Sprache vor, schlägt er nun eine verschnörkelt-ironische Tonart an, die so ganz zur Jahrhundertwende passen will. Da darf etwa ein Moskito seinen Rüssel nach langem Anflug voller Inbrunst in den Nacken eines Kolonialdeutschen schlagen. Dass aus der selben Feder zuletzt eher Düsteres tropfte, scheint da kaum vorstellbar.
Seit seinem Debüt «Faserland» zählt Kracht zu den wichtigen deutschsprachigen Literaten der Gegenwart - stampfte er damit ja immerhin die Popliteratur aus dem Boden. In dem 1995 erschienenen Buch schickte Kracht seinen schnöseligen Helden durchs Land, das von einem gefühllosen Haufen Partygänger im Dauerrausch beherrscht zu sein schien. In «1979» (2001) ließ er einen Deutschen im Iran den Zusammenbruch des Schah-Regimes erleben. Und mit dem Dauerkriegsepos «Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten» (2008) ließ er zuletzt die Schweizer Sowjet-Republik im Herzen Europas untergehen.
Krachts Engelhardt ist natürlich trotz allen Optimismus' von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Zwar erhält der Aussteiger mit dem Berliner Pianisten und Gleichgesinnten Max Lützow willkommene Gesellschaft. Mit dem alleinigen Verzehr von Kokosnüssen - abgesehen von eigenen Finger- und Fußnägeln - ruiniert er aber zunehmend Gesundheit und Verstand. Schließlich verfällt er einem kruden Antisemitismus, mit dem er seine Misere zu rechtfertigen versucht.
Anders als belegt lässt Kracht seinen tragischen Helden länger leben. Der historische Engelhardt starb schon 1919 vereinsamt auf seinem Eiland. In «Imperium» darf er das Ende des Zweiten Weltkriegs miterleben und zum fröhlichen Cola-Trinker werden. Wieder einmal zeigt Kracht sein Interesse an Grenzgängern, die an ihren Überzeugungen und der Wahrheitssuche letztlich scheitern (müssen).
Immer wieder unterbricht dabei der Erzähler im Buch die Handlung, um zu erklären und zu kommentieren. Kurzerhand wird die Verbindung zwischen dem Kokovoren und dem Vegetarier Adolf Hitler aufgestellt.
Auch kann er die ironische Bemerkung nicht lassen, dass das zwanzigste Jahrhundert doch lange so aussah, «als würde es das Jahrhundert der Deutschen werden.»
Mit solchen Bemerkungen handelte sich Kracht indes schon vor der Veröffentlichung heftige Kritik ein. Im «Spiegel» schrieb Georg Diez, wie Kracht Autor bei Kiepenheuer & Witsch: «Wenn man genau hinschaut, ist "Imperium" von Anfang an durchdrungen von einer rassistischen Weltsicht.» Kracht sei «der Türsteher der rechten Gedanken».
KiWi-Verleger Helge Malchow wies dies entschieden zurück. Der Artikel «sprengt die Grenzen der Literaturkritik», erklärte Malchow und sprach von «Unterstellungen und atemberaubenden Verdrehungen». Andere Kritiker hatten «Imperium» zuvor hochgelobt.
Schon 2007 hatte die «Süddeutsche Zeitung» den Vorwurf erhoben, Kracht stöbere bedenklich nah am rechten Rand herum. Anlass war damals ein Interview mit dem US-Komponisten David Woodard im neofolkloristischen Magazin «Zwielicht». Darin hatten beide laut über den Wiederaufbau der deutsch-nationalen Siedlung Nueva Germania in Paraguay als «arisches Zentrum» nachgedacht.
Von Kracht selbst war zu all dem nichts zu hören. Vielleicht weil er als Verrückten-Versteher am besten weiß, wie etwas gemeint ist. Ob das auch andere nachvollziehen können, spielt da zunächst keine Rolle.
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14.02. Tom Sharpe provoziert durch seinen Hang zur Satire
Berlin (dpa) - Tom Sharpe ist für seinen Hang zur Satire berühmt.
Dem britischen Autor scheint nichts heilig zu sein. Manche Kritiker finden das geschmacklos, den meisten Lesern seiner Bestsellerromane kann es nicht abgedreht genug sein. Sharpe, am 30. März 1928 in London geboren, kam erst über Umwege zum Schreiben. Er diente als Marinesoldat, studierte in Cambridge Literatur und Geschichte, zog dann aber nach Südafrika. In Soweto war er in einer Zeit als Sozialarbeiter beschäftigt, als Rassismus und Apartheid dort noch zum Alltag gehörten.
Später arbeitete er auch als Fotograf und machte Bilder von Polizisten, die auf Schwarze einprügeln. Das Apartheitsregime ließ ihn 1961 ausweisen. Mit dem Schreiben politischer Theaterstücke war Sharpe bis dahin komplett erfolglos. Zurück in England verdiente er sein Geld als Berufsschullehrer. Seine frühen Romane «Tohuwabohu» (1971) und «Mohrenwäsche» (1973) wurden bereits Bestseller und ermöglichten ihm, ausschließlich als Schriftsteller zu arbeiten.
Seine wichtigste literarische Figur Henry Wilt erfand Sharpe in «Puppenmord», das 1976 erschien und auch im jüngsten Roman «Henry haut ab» (2012) wieder die zentrale Rolle spielt.
Wilt ist eine Art Alter Ego des Autors: Bezüge zu seinen Erfahrungen als Berufsschullehrer oder zu Cambridge beispielsweise lassen sich immer wieder herstellen. Als Erzähler ist Sharpe allerdings ungebremst fantasievoll. In Sachen Humor kennt er keine Schmerzgrenze. Als «Schutzheiligen der political incorrectness» hat ihn der «Daily Telegraph» einmal bezeichnet. «Ich weiß, wie schlecht einige meiner Witze sind», hat Sharpe sich entschuldigt. «Doch ich lasse sie drin, weil ich weiß, dass sie jemand mögen wird.»
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14.02. Böll-Sohn eröffnet Heinrich-Böll-Tage in Weimar
Weimar (dpa/th) - Ausstellung, Lesungen, Filmabende und Lesemeile
- das erwartet die Besucher von heute (Dienstag/17.00) an bei den Heinrich-Böll-Tagen 2012 in Weimar. Der Maler René Böll, Sohn des Schriftstellers Heinrich Böll (1917-1985), wird die Veranstaltung mit der Ausstellung «Heinrich Böll - Leben und Werk» eröffnen. Am Mittwoch will er sein Irland-Programm im KulturBahnhof vorstellen.
Martin Siebert liest im Restaurant «Anno 1999» aus dem 1957 erschienenen «Irischen Tagebuch» von Böll. Die Veranstaltungen bis 24. Februar stehen unter der Frage «Wo ist Böll heute?». Sie widmen sich auch dem kritischen Verhältnis von Böll zu Medien und Öffentlichkeit.
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14.02. Österreichischer Poet Christian Ide Hintze gestorben
Wien (dpa) - Der Wiener Dichter Christian Ide Hintze, Mitbegründer der «Schule für Dichtung» (sfd), ist tot. Der Lyriker, Performer und Lautdichter starb unerwartet im Alter von 58 Jahren, teilte die sfd am Montag in Wien auf ihrer Homepage mit. Hintze verband in seiner Arbeit Sprache, Klang und Bild und war über Jahre hinweg auf vielen internationalen Lyrikfestivals zu Gast. Eine Freundschaft verband ihn mit dem amerikanischen Beat-Poeten Allen Ginsberg. Als Direktor holte er schillernde und prominente Lehrer aus unterschiedlichen Richtungen an die 1991 gegründete sfd, darunter H. C. Artmann, Friederike Mayröcker, Nick Cave oder Blixa Bargeld.
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13.02. «Glaube und Zweifel bei Shakespeare» - Tagung in Bochum
William Shakespeare (1564-1616) hat über die Jahrhunderte nicht an literarischer Attraktivität eingebüßt. Seine Dramen bieten immer wieder brisante Themen für die Gegenwart. In diesem Jahr sind es ««Glaube und Zweifel.»
Weimar/Bochum (dpa) - Die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft stellt sich mit ihrer Frühjahrstagung unter dem Titel «Glaube und Zweifel bei Shakespeare» wieder einem aktuellen Thema. Vom 20. bis 22. April lädt die 1864 in Weimar gegründete literarische Gesellschaft ihre Mitglieder nach Bochum ein. «Glaubensfragen prägen unsere Welt», begründete Präsident Tobias Döring das Thema. «Wer glauben mochte, dass wir in säkularen Zeiten leben, in denen Religion eine Privatsache bildet, muss heute erfahren, wie politische Konflikte und Debatten um die Zugehörigkeit bestimmter Religionen zu unserer Gesellschaft kreisen.» Shakespeares Theater lebe vom Zweifel, deshalb könne es Glaubensfragen umso doppelsinniger behandeln.
Die Tagung werde sich deshalb in Vorträgen, Seminaren, Workshops und Aufführungen mit dem Religiösen in Shakespeares Dramen befassen.
«Sie entstanden in einer Zeit des Umbruchs wie der religiösen Neuordnung im 1600, doch es bietet Helden und Konflikte, die uns erst recht heute angehen», erklärte der Münchener Literaturwissenschaftler, der seit 2011 der ältesten literarischen Gesellschaft in Deutschland vorsteht.
Wie steht Religion zur Welt und was für Welten stiftet sie? Wie kann Glaube sich begründen, bewähren oder auch verändern? Worauf gründen Menschen anderen Bekenntnisses als dem christlichen - in Shakespeares Dramen sind dies zum Beispiel Türken oder Juden - ihren Glauben? Dies seien einige Fragen, die die Teilnehmer beschäftigen werden.
Den Eröffnungsvortrag wird der Schriftsteller, Theaterwissenschaftler und Orientalist Navid Kermani (Köln) zum Thema «Welt ohne Gott: Shakespeare und das Religiöse» halten. An den Abenden können die Teilnehmer zwischen den Theateraufführungen «The Tempest», «Coriolan» und «Hamlet» wählen. Die Shakespeare-Gesellschaft kooperiert mit dem Schauspielhaus, der Ruhr-Universität und der Stadt Bochum.
Traditionsgemäß treffen sich Wissenschaftler, Theaterleute, Pädagogen, Lehrer und Shakespeare-Liebhaber um den Geburts- und Sterbetag des englischen Dramatikers im April abwechselnd in Weimar und Bochum. Sie hat knapp 2000 Mitglieder im In- und Ausland.
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13.02. Lyriker Alexander Gumz erhält Clemens Brentano Preis
Heidelberg (dpa) - Der mit 10 000 Euro dotierte Clemens Brentano Preis für Literatur der Stadt Heidelberg geht an Alexander Gumz. Er erhält den Preis für seinen Debüt-Lyrikband «ausrücken mit modellen» (kookbooks 2011), wie die Stadt am Freitagabend mitteilte. In der Begründung der Jury heißt es: «Die Gedichte von Alexander Gumz bezaubern durch eine rätselhafte Klarheit. Gekonnt changieren seine Verse zwischen Alltagselementen und einer imaginativen Fremde. Seine Gedichte klingen wie Songs aus der unmittelbaren Gegenwart.»
Der im Jahr 1974 in Berlin geborene Alexander Gumz studierte Germanistik und Philosophie. Er arbeitete als Redakteur und Literaturveranstalter beim Texttonlabel KOOK und für das «poesiefestival berlin». Außerdem ist er Mitbegründer des Festivals «LAN. Drei Tage junge Literatur und Musik in Berlin» sowie Mitherausgeber mehrerer internationaler Anthologien.
Gumz veröffentlichte Gedichte und Nachdichtungen in mehreren Zeitschriften und Anthologien. Ausgewählte Gedichte wurden ins Englische, Polnische, Spanische, Persische und Slowakische übersetzt.
Er erhielt unter anderem den Wiener Werkstattpreis für Lyrik 2002, war Stipendiat der Villa Decius in Krakau 2007 und des Berliner Senats 2010. «ausrücken mit modellen» ist sein erster Gedichtband.
Der Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg wird seit 1993 jährlich im Wechsel in den Sparten Erzählung, Essay, Roman und Lyrik an deutschsprachige Autoren vergeben, die mit ihren Erstlingswerken die Aufmerksamkeit der Kritiker und des Lesepublikums auf sich gelenkt haben. Der Preis gilt deutschlandweit als einmalig, da die Jury sowohl mit professionellen Literaturkritikern, als auch mit Studierenden des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg besetzt ist.
Der Preis wird am 22. Mai 2012 in Heidelberg überreicht.
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13.02. «Musstu lesen»: Professorin widmet Kiezdeutsch ein
«Guckst du - bin isch Kino?» Wer die Jugendsprache aus Migrantenvierteln bisher für daneben hielt, wird nun eines Besseren belehrt. Für die Sprachwissenschaftlerin Heike Wiese ist Kiezdeutsch ein kreativer Dialekt sprachbegabter Menschen - samt Grammatik.
Berlin (dpa) - Wann leben deutsche Sprachwissenschaftler gefährlich? Heike Wiese kann diese Frage für sich genau beantworten:
Seit sie sich mit Sätzen wie «Isch aus Kreuzberg, du Muschi» oder «Machst du rote Ampel» beschäftigt. Mitte Februar erscheint ihr Buch «Kiezdeutsch». Wiese analysiert darin den Dialekt, den Jugendliche im Berliner Migranten-Stadtteil Kreuzberg sprechen. Eine Gefahr für die deutsche Sprache sieht die Professorin nicht - eher eine Bereicherung. Diese Meinung teilen jedoch nicht alle. Wiese bekommt beleidigende, sogar drohende Zuschriften. So als sei das Thema Kiezdeutsch ein Freibrief dafür, mal Dampf abzulassen, sagt sie.
Es bleibt eine merkwürdige Vorstellung: Die Volksseele kocht wegen einer Studie zur Dialektgrammatik, die an der Universität Potsdam am Lehrstuhl für Deutsche Sprache der Gegenwart entstanden ist? Wiese, 45 Jahre alt, Kreuzbergerin aus Passion, nimmt das mit Humor.
«Sprachwissenschaftler sind es nicht gewohnt, massiv Emotionen zu wecken», sagt sie. Eine übliche Reaktion auf Wieses Bekenntnis «ich liebe Grammatik» war früher oft großes Gähnen.
Im Moment wäre die Professorin vielleicht lieber Soziologin. «Es scheint bei vielen Menschen für das eigene Weltbild wichtig zu sein, dass das Deutsch in Migrantenvierteln nur gebrochenes Deutsch sein kann», sagt sie. Das könne mit einem ganzen Bündel von Klischees zu tun haben. Vor allem geht es aber wohl um Vorurteile gegenüber Migrantenfamilien, denen per se Integrationsverweigerung und mangelnde Sprachkompetenz unterstellt werden.
Gehört Kiezdeutsch zur Sarrazin-Debatte? Schafft sich Deutschland in Vierteln wie Kreuzberg sprachlich ab? Wiese widerspricht. Sie geht eher von Unwissen bei jenen Deutschen aus, die ihr nun böse Mails schreiben. Für die Sprachwissenschaftlerin ist es ein Irrtum, dass es so etwas wie «das Deutsche» gibt. «Das ist nur ein Oberbegriff für ganz viele Stile und Dialekte. Eine Variante ist Standarddeutsch», erläutert sie. Unmut über Abweichung von der Norm kann jeder zu spüren bekommen, der breites Schwäbisch jenseits der Heimat spricht.
«Dialekte haben keinen guten Ruf, das ist weltweit so», sagt Wiese.
Die Front der Kiezdeutsch-Gegner hat sie noch mehr ermutigt, das Phänomen wissenschaftlich zu untersuchen - vor allem die Grammatik.
Kreuzberger Schüler bekamen von Wieses Studenten Aufnahmegeräte in die Hand gedrückt und speicherten einen repräsentativen Wortschatz von Teenager-Alltagsgesprächen: «Isch kann misch gut bewegen, wa?
Ischwöre. Egal, was für ein Hiphopmusik isch höre, ey, mein Körper drinne tanzt voll, lan.» Oder: «Un wenn du mal Party bist: Oah, geile Olle. Boom, boom und du nimmst die.»
Die Professorin will mit Negativ-Klischees aufräumen. Nach ihrer Studie ist Kiezdeutsch eine Jugendsprache, die von vielen Teenagern in Kreuzberg - und nicht nur da - gesprochen wird, völlig unabhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft. Fast alle Schüler beherrschen auch korrektes Standarddeutsch und Fremdsprachen. Kiezdeutsch habe eine andere, zentrale Funktion, betont Wiese. «Es sagt aus, dass man zu einer Gruppe gehört.» Spreche ein Jugendlicher Kiezdeutsch mit Erwachsenen, wolle er meist provozieren. Das scheint gut zu klappen.
Kiezdeutsch ist nach Wieses Analyse weder ein willkürliches Produkt von Sprachidioten, noch dient es allein zur Verständigung aggressiver Migrantengangs mit Sätzen wie «Isch mach dich Messer».
Die Jugendsprache gehorche festen Regeln. Für die Professorin ist Kiezdeutsch ein kreativer Dialekt von Menschen, die mehrsprachig aufwachsen. «Wenn das Gehirn darauf trainiert wird, mit unterschiedlichen grammatischen Systemen umzugehen, entwickelt sich sprachlich viel mehr», sagt Wiese. Kiezdeutsch überhole die Umgangssprache mit Turboantrieb - zum Beispiel das Haltestellen-Deutsch, das auch Herren in Anzug und Krawatte in der Berliner S-Bahn in ihr Handy brüllen: «Ich bin jetzt Zoo.»
Kiezdeutsch ist kein Berliner Phänomen. Es gebe Studien für Hamburg, Mannheim oder das Ruhrgebiet, berichtet Wiese. Ähnliche Phänomene werden in den Niederlanden, Großbritannien und den USA beobachtet. Und das Kiezdeutsch wandelt sich schnell. «Krass reden», sagten Kreuzberger Jugendliche noch 2006 zu ihrer Sprache. Das ist heute von gestern. Neu ist dafür «wannebe». Das stammt aus der englischen Facebook-Sprache, wird aber deutsch betont und heißt: Ich würde ja gern, aber ich habe leider keine Zeit.
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13.02. Alte Briefe bringen Neues zu Friedrich dem Großen und Goethe
Das 18. Jahrhundert ist ein elegantes Jahrhundert, die Zeit des Rokoko und des Klassizismus. Zugleich erschüttern Kriege Europa. Der Briefwechsel eines Ehepaars, der jetzt veröffentlicht wurde, lässt die Zeit lebendig werden. Vieles klingt erstaunlich modern.
Schwerin/Berlin (dpa) - Er ist Spitzendiplomat, Sie erzieht die drei Kinder. Seine Koordinaten lauten Paris, Berlin, St. Petersburg, zu seinen Bekannten zählen Friedrich der Große und Katharina die Große. Sie versauert in Weimar.
Graf und Gräfin Goertz sind ein großes Liebespaar, verbringen die meiste Zeit ihrer Ehe aber voneinander getrennt. Das ist ein Glück für die Nachwelt, denn sie schrieben einander in 40 Jahren, was sie sich sonst gesagt hätten - rund 4000 Briefe, auf Französisch, wie es damals in Adelskreisen üblich war.
Der Schweriner Historiker und Schriftsteller Norbert Leithold hat den Briefschatz in einem süddeutschen Adelsarchiv gehoben und jetzt eine Auswahl in dem Buch «Liebesbriefe und Geheimdepeschen» veröffentlicht, die im Osburg Verlag (Berlin) erschienen sind.
Die Briefe des Grafen Johann Eustach von Goertz an seine Gemahlin Caroline und an Friedrich II. von Preußen stammen aus den Jahren 1771 bis 1782. «Kulturgeschichtlich hochbedeutend und in seiner thematischen Komplexität einmalig im deutschen Sprachraum», schreibt der Autor in seinem Vorwort.
«Die Herausgabe der Briefe ist sehr verdienstvoll», hebt der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, hervor. «Der Briefwechsel eines wichtigen Hofbeamten mit Friedrich dem Großen - das ist schon ein großer Wurf.» Die Briefe machten ein Stück Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts lebendig, sagt der ausgewiesene Kenner der Goethe-Zeit. Das sei auch für den durchschnittlichen Leser interessant. Aber auch Wissenschaftlern und Forschern bringe die nun veröffentlichte Korrespondenz neue Erkenntnisse. Ihn hätten besonders Goethes Beziehungen zu Frau von Stein und zur Weimarer Herzogin Anna Amalia interessiert.
Auf 480 Seiten entfaltet sich ein erstaunliches Panorama, denn der Graf ist nicht irgendwer. Dem Leser begegnet der junge, gerade in Weimar angekommene Johann Wolfgang von Goethe, von dem Graf und Gräfin nicht viel halten. Der befreundete Johann Gottlieb Herder unterrichtet die drei Töchter. Mit Anfang 20 übernimmt Graf Goertz die Erziehung des späteren «Goetheherzogs» Carl August von Sachsen-Weimar. Der erhoffte Dank bleibt aus, die eifersüchtige Mutter, die Musenherzogin Anna Amalia, feuert den Grafen.
Graf Goertz wird nach seinem Rausschmiss in Weimar Geheimdiplomat.
Er soll im Auftrag Friedrichs des Großen einen Krieg mit Österreich verhindern. Aus den Briefen der Gräfin Goertz spricht die Angst, dass ihr Mann verhaftet werden könnte. Schließlich hat der Preußenkönig seinen Agenten nicht mit Papieren ausgestattet.
«Die Briefe liegen seit 1821 in stoffbezogenen Schubern mit Seidenschleifen», berichtet Leithold. Aus einigen der Briefe rieselte ihm noch Löschsand entgegen, als sie zum ersten Mal nach fast 200 Jahren auseinandergefaltet wurden. In einer unscheinbaren grauen Mappe stieß er auf Blätter mit Zahlenkolonnen, unterschrieben von König Friedrich II. - sie waren bis dahin unbekannt. «Mir war klar, dass es sich hierbei um heikle Informationen handelte», sagt Leithold. Der größte Teil dieser Depeschen konnte entschlüsselt werden.
Nach erfolgreicher Mission wird Goertz Minister und geht dann als Gesandter nach Petersburg - ohne seine Familie, denn das spärliche Salär reicht nicht aus, mit Frau und Kindern im teuren Petersburg zu leben. Und so schreiben sie sich wieder. Er berichtet aus dem Vorzimmer der Zarin. Sie versorgt ihren Gatten mit nicht minder wichtigen Informationen. «Der König hat gut gegessen, ist ausgeritten», schreibt sie und meint damit, es geht Friedrich trotz anderslautender Gerüchte am Petersburger Hof gut und er ist im Vollbesitz seiner Regierungsfähigkeit.
Drei Jahre brauchte ein Übersetzer-Team, um die oft schwer leserlichen Briefe des Grafen zu entziffern und zu übersetzen. «Bei der Gräfin war das einfacher, sie schrieb Schönschrift», sagt Leithold. Seiner Meinung nach suchen Historiker viel zu wenig in Archiven. «Vieles schlummert in Schubern und Mappen, etliche Mosaiksteine lassen sich dort finden und viele Steine machen ein farbigeres Bild. Und manches Bild muss neu betrachtet werden», schlussfolgert der Autor.
Leithold liest während der Leipziger Buchmesse (15.-18. März) aus seinem neu erschienenen Buch.
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13.02. Aachener Literaturpreis 2012 geht an Michael Lentz
Aachen (dpa/lnw) - Der in Berlin lebende Schriftsteller Michael Lentz erhält den Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen 2012. Lentz habe als Autor ein beeindruckend facettenreiches Werk geschaffen und sich auch als Erzähler, Lyriker, Herausgeber und Literaturwissenschaftler einen Namen gemacht, hieß es am Montag in der Begründung. Der 47-Jährige habe eigene Texte teilweise in Zusammenarbeit mit avantgardistischen Musikern in verschiedenen intermedialen Formaten produziert. Bekannt wurde der in Düren bei Aachen geborene Lentz durch seinen Roman «Pazifik Exil».
Die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung zählt zu den höchstdotierten Literaturpreisen in Deutschland. Sie wird am 4. November verliehen. Ausgezeichnet werden Autoren, die sich in Form und Inhalt um die deutsche Literatur verdient machen.
Der Walter-Hasenclever-Literaturpreis ist nach dem gleichnamigen, 1890 in Aachen geborenen Schriftsteller benannt und wird alle zwei Jahre verliehen. Der vorherige Preisträger war Ralf Rothmann.
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09.02. Alfred-Kerr-Preis 2012 an Helmut Böttiger
Frankfurt/Main (dpa) - Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik geht in diesem Jahr an Helmut Böttiger. Der promovierte Germanist sei ein Fürsprecher des Unbequemen in der Literatur, begründete die Jury die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung. «Moden interessieren ihn nicht.» Böttiger, früher Kulturredakteur bei großen Tageszeitungen, lebt seit zehn Jahren als freier Autor und Kritiker in Berlin.
Der Preis wird seit 1977 vom «Börsenblatt», dem Wochenmagazin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt, vergeben. Die nach dem berühmten Kritiker Alfred Kerr (1867-1948) benannte Auszeichnung wird auf der Leipziger Buchmesse am 15. März verliehen.
Die Laudatio hält nach Mitteilung vom Donnerstag der Schauspieler und Autor Hanns Zischler. Im vergangenen Jahr ging der Preis an die Kritikerin Ina Hartwig.
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09.02. Kandidaten für Preis der Leipziger Buchmesse nominiert
Leipzig (dpa) - Die letzten fünf Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest. In der Kategorie Belletristik nominierte die Jury auf der Shortlist Jens Sparschuh für die Gesellschaftssatire «Im Kasten», Sherko Fatah für «Ein weißes Land» und Thomas von Steinaecker für «Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen». Mit dabei sind außerdem Wolfgang Herrndorf mit «Sand» und als einzige Frau Anna Katharina Hahn mit «Am Schwarzen Berg».
Der Preis der Leipziger Buchmesse ist insgesamt mit 45 000 Euro dotiert. Er wird auch noch in den Kategorien Sachbuch/Essayistik und Übersetzung verliehen. Nach Angaben der Leipziger Buchmesse reichten in diesem Jahr 147 Verlage insgesamt 460 Titel ein. Die Preisverleihung findet am 15. März auf der Buchmesse statt. Die Gala könne in diesem Jahr erstmals per Livestream im Internet verfolgt werden, teilte die Messe am Donnerstag mit.
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09.02. Literaturnobelpreisträgerin Szymborska in Krakau beigesetzt
Warschau/Krakau (dpa) - Die vor einer Woche im Alter von 88 Jahren verstorbene polnische Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska ist am Donnerstag im südpolnischen Krakau beigesetzt worden. Die Elite der polnischen Kultur, künstlerische Weggefährten, Staatspräsident Bronislaw Komorowski und Regierungschef Donald Tusk gaben ihr zu Jazzklängen das letzte Geleit. «Sie hat uns das Geschenk des Nachdenkens über uns selbst, über den normalen Menschen, hinterlassen», sagte Komorowski in seinem Nachruf auf die Dichterin, die stets größten Wert auf Zurückgezogenheit und ihre Privatsphäre gelegt hatte. Szymborska war am 1. Februar an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung gestorben.
Szymborska, die etwa 350 Gedichte veröffentlicht hatte, hatte bis zuletzt an einem neuen Gedichtband gearbeitet, der posthum erscheinen soll. Ihr langjähriger Sekretär Michal Rusinek nahm in einer persönlich gehaltenen Grabrede Abschied von der wegen ihrer humorvollen und ironischen Gedichte beliebten Szymborska. In einer pessimistischen Überlegung zum Leben nach dem Tode habe sie vermutet, sie müsse in der Hölle Buchwidmungen schreiben, erinnerte er an Szymborskas Unlust zu öffentlichen Auftritten. Doch es gebe auch eine optimistische Version: «Dann hört sie jetzt im Himmel Ella Fitzgerald zu, trinkt Kaffee und raucht.»
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09.02. Gedichte eines Thüringer Poeten in Gotha entdeckt
Gotha/Erfurt (dpa) - Bislang unbekannte Gedichte und Dokumente des Thüringer Poeten und Melanchthon-Schülers Johann Stigel (1515-1562) haben Forscher in Gotha entdeckt. Sie schlummerten in den umfangreichen Beständen der dortigen Forschungsbibliothek, teilte die Einrichtung am Donnerstag mit. Die Epigramme, Epitaphe und offiziellen Verlautbarungen böten nun neue Anknüpfungspunkte für weitere Studien über das Leben und Werk des neulateinischen Dichters.
Die Gedichte und Dokumente sind in einem Tagebuch enthalten, das von einer Hildburghäuser Familie geführt wurde und vermutlich 1767 in die Herzogliche Bibliothek Gotha gelangte. Stigel wurde in Friedmar bei Gotha geboren und war Schüler der Gothaer Lateinschule. Als Gründungsdirektor und Professor für Poesie und Rhetorik war er wesentlich an der Einrichtung der Hohen Schule zu Jena 1548 beteiligt, die zehn Jahre später den Rang einer Universität erhielt.
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09.02. Hanna Krall: Mit Einzelschicksalen an Nazi-Zeit erinnern
Stuttgart (dpa) - Die polnische Autorin und Würth-Preisträgerin Hanna Krall sieht das Erzählen von Einzelschicksalen als wichtigen Weg zum Gedenken an die Nazi-Zeit. Zu häufig würden Urteile zur Nazi-Zeit dem gesamten Volk gelten, sagte Krall am Donnerstag in Stuttgart. Am Abend sollte sie den mit 25 000 Euro dotierten «Würth-Preis für Europäische Literatur» entgegennehmen.
Krall sagte, sie wolle mit ihren Werken aber nicht konkret gegen das Vergessen anschreiben: «Mein Schreiben ist eher für etwas. Dafür, dass man sehr aufmerksam leben sollte, dass man nichts verpasst oder versäumt», sagte Krall. Die in Warschau geborene Schriftstellerin und Journalistin zählt laut Begründung der Jury zu den wichtigsten Autoren der europäischen Nachkriegsliteratur.
Der Literaturpreis wird seit 1997 alle zwei Jahre vom Handelskonzern des Schraubenkönigs Reinhold Würth vergeben. Er würdigt Schriftsteller, die in ihren Werken «den Blick auf ein Europa der kulturellen Vielfalt» richten. Zu den Preisträgern gehören Herta Müller und Ilija Trojanow.
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08.02. Von Zottelhexen und Bergfexen - Frauen in den Bergen
Frauen in den Bergen, das galt in den Anfängen des Alpinismus als nicht schicklich. Trotzdem stiegen sie schon früh auf Gipfel - ein neues Buch befasst sich mit der weiblichen Alpingeschichte.
München (dpa/lby) - Im langen Rock zogen sie los, später, an den ersten Felsen, verschwand das störende Kleidungsstück im Rucksack.
Die ersten Frauen in den Bergen hatten mit Vorurteilen zu kämpfen. Im 19. Jahrhundert galt das gerade aufkommende Bergsteigen als reine Männerdomäne. Eine Dame sollte höchstens in der Sänfte, getragen auf Männerschultern, in unwegsame Gegenden vordringen. Anfang des 20.
Jahrhunderts, als man Frauen das Vergnügen einer «Bergfahrt» schon
zugestand, mussten sie zumindest Benimm-Regeln einhalten. «Liebes ehemals schwaches, seit neuestem gleichberechtigtes Geschlecht», wandte sich der Bergautor Franz Nieberl 1922 an die Damen: Sie mögen den Rucksack selbst tragen, auf Hütten hausfrauliche Gaben entfalten und keinesfalls mit Männern anbandeln. «Werde um des Himmelswillen kein "wildes Bergweib"», mahnt Nieberl. «Weibliche Anmut ist nämlich auch in Hosen und bei und besonders nach strammer Kletterarbeit leicht zu bewahren, wenn nötig, mit geringer Mühe wiederherzustellen.
Eine Zottelhexe mit wirrem Haar und nachlässiger Gewandung ist keine Verkörperung weiblicher Reize.»
Die weibliche Alpin-Geschichte von Anbeginn bis 1945 hat nun die Südtirolerin Ingrid Runggaldier in «Frauen im Aufstieg» zusammengetragen. Auf gut 300 Seiten spürt sie Lebensläufen von Alpinistinnen nach, die oft nicht einmal in ihrer eigenen Zeit bekannt waren, «weil man es gar nicht wissen wollte und weil sie selbst nicht so das Bedürfnis hatten, sich öffentlich darzustellen - das wurde auch nicht unbedingt goutiert.» Der Alpinismus sei nur ein Beispiel. «Es könnte auch die Geschichte der Künstlerinnen, der Wissenschaftlerinnen oder der Politikerinnen sein», sagt sie. «Man kann das Bergsteigen nicht getrennt von der gesellschaftlichen Entwicklung sehen.» Nach Runggaldiers Recherchen waren Frauen von Anfang an dabei, weniger von Leistungswillen motiviert als vom Wunsch, aus der Enge auszubrechen, Abenteuer zu erleben - oder aus wissenschaftlichem Interesse. Die Geologin Maria Matilda Ogilvie Gordon erforschte die Dolomiten; die bergvernarrte italienische Königin Margarethe setzte sich 1890 für den Bau der Forschungsstation und höchsten Berghütte der Alpen «Capanna Regina Margherita» (4554 m) ein. In den Bergdörfern wiederum verdiente sich manche Frau ein Zubrot als Lastenträgerin der Touristen. Begonnen hatte es im 18. Jahrhundert mit den sogenannten Kavaliersreisen. Wer konnte, bereiste Europa, sah Rom und Paris - und besuchte die mächtigen Alpen mit ihren Gletschern. Standesgemäß in Tragestühlen ließen sich die Schriftstellerinnen Mary Wortley Montagu und Sophie von La Roche in die Berge tragen. Montagu wurde so 1718 über den Mont Cenis in Frankreich geschleppt, und La Roche 1784 sah von den Schultern ihrer Träger aus die Gletscher des noch unbezwungenen Montblanc.
Selbst zu gehen war nicht schicklich - vermutlich wäre es angenehmer gewesen. In den Sänften zu Bewegungslosigkeit verdammt, froren die Frauen jämmerlich, es schaukelte entsetzlich, und manche musste gar fürchten, über einem Abgrund aus dem schwankenden Stuhl zu kippen. «Ich war halb tot, ehe wir den Fuß des Berges erreichten», skizziert Montagu ihre Erlebnisse. 1786 erstiegen der Arzt Michel-Gabriel Paccard und der Bauernsohn Jacques Balmat den Montblanc (4810 m). 22 Jahre später stand als erste Frau Marie Paradis, eine Freundin Balmats, auf dem höchsten Alpengipfel. Große Freude scheint ihr die Bergtour nicht gemacht zu haben: «Werft mich in einer Gletscherspalte», soll sie gestöhnt haben, ehe sie, mehr geschoben als selbst steigend, auf dem Gipfel stand.
Ganz anders die Französin Henriette d'Angeville. Die Adelige verwirklichte 1838 mit dem Montblanc ihren Lebenstraum. Mit Strohhut, Pelzboa und einem Stock mit Eisenspitze erreichte sie mit sechs Bergführern am 4. September den Gipfel. «Wollen ist können» ritzt sie ihr Lebensmotto in den Schnee. Später schreibt sie selbstbewusst:
«Ich gehöre zu denjenigen, die den malerischen und hübschen Landschaften die grandiosen Naturschauspiele vorziehen.» Zudem sehe und fühle eine Frau anders, und es habe ja noch keine den Montblanc aus ihrer Sicht geschildert.
Rund 100 Jahre später rücken die Frauen auf. Die Halbjüdin Hettie Dyhrenfurth macht sich mit ihrem Mann in den 1930er Jahren auf eine Kangchendzönga-Expedition im Himalaya. Dabei erreichte sie eine Höhe von über 7000 Metern und erzielte damit den Höhenrekord bei den Frauen, den sie bis 1954 behielt. Bescheiden bleibt sie stets im Hintergrund. An einer Medaillenübergabe bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin nimmt sie aus Protest gegen die Nazis nicht teil.
Fast wie ihr Gegenstück wirkt Leni Riefenstahl. Sie filmt für Hitler die Spiele, rückt sich selbst in die Öffentlichkeit - und macht mit ihren Filmen das Bergsteigen besonders der Frauen publik.
Die Nazis, die das Bild der Frau als Mutter unterstrichen, förderten auch deren körperliche Ertüchtigung: Das Land brauchte Heldinnen.
Beim Alpenverein stieg die Zahl der weiblichen Mitglieder. Für ein neues Frauenbild jenseits aller Ideologie stand die Südtirolerin Paula Wiesinger-Steger, die als Ski-Rennläuferin und Kletter-Pionierin in den 1930er Jahren als einzige Frau den sechsten Schwierigkeitsgrad voraus stieg. Als Wirtin selbstständig, sportlich, kinderlos: «Das ist damals nicht das Normale unter den Frauen gewesen - aber es hat sich ein anderes Leitbild entwickelt», sagt die Leiterin des Alpinen Museums des Deutschen Alpenvereins in München,
Friederike Kaiser. Praktisch bis heute sind Frauen am Aufholen.
Vor kaum zwei Jahren schafften die Südkoreanerin Oh Eun-sun und die Spanierin Edurne Pasaban als erste in einem schlagzeilenträchtigen Wettlauf alle 14 Achttausender, 34 Jahre nach Reinhold Messner.
Dieser widmet den Berg-Frauen mit «On top» ein Buch und lobt: «Frauen sind nicht nur höhentauglicher als Männer, sie klettern auch eleganter.»
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08.02. Nobelpreisträger Oe: Deutscher Atomausstieg verändert Japan
Tokio (dpa) - Deutschlands Entscheidung zum Atomausstieg führt nach Auffassung von Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburo Oe auch in Japan zu einem Bewusstseinswandel. Dass die Ethikkommission der Regierung den Ausstieg empfahl und dies unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel dann beschlossen wurde, habe einen «enormen Impuls» auf die japanische Gesellschaft gehabt, sagte Oe am Mittwoch vor dem Club der Auslandskorrespondenten in Tokio.
«Was so außerordentlich ist, ist, dass diese Kommission Ethikkommission genannt wurde». Erstmals gebe es nun auch in Japan Ansätze, die Probleme vom ethischen Standpunkt aus zu betrachten. Bislang sei Japans Atompolitik nur mit politischen und wirtschaftlichen Argumenten gerechtfertigt worden.
Der Literatur-Nobelpreisträger steht an der Spitze einer wachsenden Bewegung von Menschen in Japan, die nach dem Atomunfall in Fukushima einen Ausstieg aus der Atomkraft fordern. Doch die Zahl der Menschen, die gegen die Atomkraft auf die Straße gehen, ist vergleichsweise gering. Oe und seine Mitstreiter erwarten jedoch, dass sich das ändert. Für die Initiative «Sayonara Genpatsu» (zu Deutsch «Tschüß Atomkraftwerke») wollen sie zehn Millionen Unterschriften sammeln, bislang seien es fünf Millionen. Oe hatte 1994 den Literaturnobelpreis erhalten.
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08.02. Buchmessechef Zille: Branche ist in Aufbruchstimmung
Leipzig wird im März wieder zum Treffpunkt für die Buchbranche. Die Buchmesse wartet mit einigen Neuerungen auf, wie Messechef Oliver Zille im dpa-Gespräch verrät.
Berlin/Leipzig (dpa) - Die Buchbranche geht bei insgesamt schwierigem Marktumfeld in die Offensive und bereitet sich mit neuen Ideen und Konzepten auf die Leipziger Buchmesse vor. «Den Verlagen insgesamt geht es gut, entsprechend positiv ist die Stimmung», sagte Messechef Oliver Zille in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Handel verzeichnete 2011 ein Umsatzminus von 1,8 Prozent.
«Die Branche ist im Wandel, der Handel muss sich genau überlegen, wie er seine Umsätze halten oder zurückgewinnen kann», sagte Zille. Viele kleine unabhängige Verlage präsentieren sich auf der Messe (15. bis 18. März) erstmals mit eigenem Stand. «Hier haben wir einen Zuwachs von erfreulichen sechs Prozent», erklärte der Messechef.
Insgesamt rechnet er wie im Vorjahr mit etwa 2150 Ausstellern, dabei wollen Großverlage sich in diesem Jahr flächenmäßig noch erweitern. «Wir erwarten in diesem Jahr mehr Autoren und es wird noch mehr Veranstaltungen geben.» 2300 Lesungen und Events erwarten die Besucher an mehr als 350 verschiedenen Orten in Leipzig. Autorennamen wollte Zille mit Verweis auf die Pressekonferenz am 16. Februar noch nicht nennen.
Erstmals soll es in Leipzig einen Preis für besonders innovative Schulbücher geben. Neu ist auch der «Leipziger Lesekompass» mit konkreten Leseempfehlungen von insgesamt 30 Kinderbuchtiteln von der Stiftung Lesen und der Buchmesse. «Leseförderung ist wichtig und wird auch auf der Messe einen hohen Stellenwert haben», sagte Zille. Die Messe setzt ihre Schwerpunkte seit Jahren in den Bereichen Belletristik, Sachbuch sowie Bildung/Kinder- und Jugendbuch. Während es auf der größten deutschen Buchmesse in Frankfurt alljährlich im Herbst vor allem um Geschäftsabschlüsse geht, ist die Schau im Frühjahr hauptsächlich ein Marketing-und Lese-Event. Im Mittelpunkt stehen Autoren und Leser.
Nicht nur Verlage und Buchhandel stehen vor großen neuen Herausforderungen, auch die Arbeitsbedingungen für Schriftsteller und das Leseverhalten haben sich verändert. Zille: «Mit der Digitalisierung verändert sich auch die Zusammenarbeit der Autoren mit den Verlagen. Wir bieten daher eine Veranstaltungsreihe, in der Autoren und Verlage Chancen und Risiken ausloten, die sich durch die neuen technischen Möglichkeiten ergeben.» In Workshops und Seminaren erhalten Autoren Tipps für den gelungenen Medienauftritt, für die eigene Internetpräsenz, wie man eine Lesung organisiert oder ein Werk als E-Book veröffentlichen kann. «Das Internet bietet Autoren diverse neue Möglichkeiten der Selbstvermarktung, doch nicht jeder Schriftsteller ist auch der Typ dafür, kann oder will das überhaupt», so Zille.
Neuseeland, das Ehrengastland der Frankfurter Messe (10. bis 14. Oktober), wird sich bereits im März in Leipzig präsentieren. «Wir erwarten etwa zehn Autoren aus Neuseeland, sicher eine hierzulande noch zu entdeckende Literatur.» Ein weiterer Schwerpunkt der Messe ist Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus. Zille: «Vor allem wollen wir auf der Messe viele Geschichten erzählen und erlebbar machen.»
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08.02. Böll-Sohn eröffnet Heinrich-Böll-Tage in Weimar
Weimar (dpa/th) - Ausstellung, Lesungen, Filmabende und Lesemeile
- das erwartet die Besucher der Heinrich-Böll-Tage 2012 in Weimar.
Der Maler René Böll, Sohn des Schriftstellers Heinrich Böll (1917-1985) wird den Veranstaltungsreigen am kommenden Dienstag (14. Februar) mit der Ausstellung «Heinrich Böll - Leben und Werk» eröffnen. Am 15. Februar werde er sein Irland-Programm im KulturBahnhof vorstellen, teilten die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und die Stadt Weimar am Dienstag mit. Martin Siebert liest im Restaurant «Anno 1999» aus dem 1957 erschienenen «Irischen Tagebuch» von Böll, dazu passend wird ein irisches Vier-Gänge-Menü serviert.
Die Veranstaltungen vom 22. bis 24. Februar stehen unter der Frage «Wo ist Böll heute?». Sie widmen sich dem kritischen Verhältnis von Böll zu Medien und Öffentlichkeit. Der multimediale Vortrag «Heinrich Böll im Spiegel der Medien» wolle vor allem ein jungen Publikum ansprechen. Am 2. März lesen Klaus Bednarz und Fritz Pleitgen aus dem Briefwechsel zwischen Heinrich Böll und dem sowjetischen Dissidenten Lew Kopelew (1912-1997). Kopelew war wie Alexander Solschenizyn Gast im Hause Bölls.
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08.02. Peter Lohmeyer und Pippi: Lindgren-Ausstellung eröffnet
Zehn Jahre ist die beliebte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren nun tot. Doch ihre Welt lebt weiter in Büchern und Filmen - und nun auch in einer Ausstellung in Hamburg. Die Hansestadt hat eine besondere Beziehung zur Mutter von Pippi Langstrumpf.
Hamburg (dpa) - Für Pippi Langstrumpf ist auch Schauspieler Peter Lohmeyer schon früh am Sonntag in Hamburg unterwegs. Im Schulmuseum auf St. Pauli besuchte er die Eröffnung der Ausstellung «Die Lebenswelt von Astrid Lindgren» - einer seit Jahren immer weiter gewachsenen Schau über die beliebte Kinderbuchautorin. Wenige Tage nach dem zehnten Todestag der Schwedin, die am 28. Januar 2002 in Stockholm im Alter von 94 Jahren gestorben war, zeigt die Sammlung das Gesamtwerk der Autorin in vielen Exponaten und Gegenständen aus ihrem Nachlass. Nach Hamburg, wo bereits vor Eröffnung bis zum 17. März verlängert wurde, soll die Ausstellung wieder auf Reisen gehen.
«Mein Lieblingsbuch von ihr ist Pippi Langstrumpf», sagte Lohmeyer («Das Wunder von Bern») am Rande der Eröffnung. Was den 50-Jährigen besonders an Lindgrens Büchern fasziniert: «Wenn man ihre Geschichten liest, gewinnt man einfach Kraft. Außerdem ist sie absolut gegen Gewalt eingetreten.» Lohmeyer, dessen Kinder ebenfalls mit Pippi und Co groß geworden seien, wird im Rahmenprogramm am 19. Februar aus seinen liebsten Lindgren-Geschichten lesen. Ein Teil der Einnahmen aus dem Ausstellungsprojekt fließt an die Stiftung World Childhood Foundation, die von Schwedens Königin Silvia gegründet wurde.
«Nein, ich will nicht für Erwachsene schreiben», hatte Lindgren erklärt. «Ich will für einen Leserkreis schreiben, der noch Wunder vollbringen kann. Nur Kinder vollbringen Wunder - wenn sie lesen.» Die Schriftstellerin hätte im Schulmuseum ihre wahre Freude gehabt, denn zwischen Büchern, Fotografien, Plakaten, Zeitungsartikeln und Zeittafeln tummelten sich zur Eröffnung auch die ihrer Fantasie entsprungenen Helden: Kinder der Skandinavischen Schule kamen als Pippi, Michel, Klein-Ida, Madita oder Ronja Räubertochter verkleidet und stimmten ein fröhliches «Hey Pippi Långstrump» auf Schwedisch an.
Zusammengetragen hat die Exponate der Oldenburger Pädagoge Matthias Blum, der die Autorin persönlich kannte. Schon in den 90er Jahren legte er den Grundstein für die Sammlung. «Ihre Welt lebt weiter», sagte Verlegerin Silke Weitendorf vom Oetinger Verlag über Lindgren und verwies auf etwa 90 deutsche Buchausgaben sowie zahlreiche Hörspiele, Theaterinszenierungen, Film und Fernsehen.
In Deutschland war das Buch «Pippi Langstrumpf» erstmals 1949 erschienen und bildete den Anfang des Kinderbuchprogramms in dem Hamburger Verlagshaus. Zum zehnten Todestag Lindgrens erinnert Oetinger mit einigen Sonderausgaben sowie Neuheiten an die Schriftstellerin, darunter die erweiterte Biografie «Besuch bei Astrid Lindgren - Auf den Spuren einer Geschichtenerzählerin».
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07.02. Übersetzerin Susan Bernofsky erhält Hermann-Hesse-Preis
Calw (dpa) - Die Übersetzerin Susan Bernofsky wird mit dem Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis geehrt. Die 45-jährige US-Amerikanerin erhält die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre Übersetzung der Hesse-Novelle «Siddhartha» ins Englische und für ihr Gesamtwerk. Bernofsky gelinge es, «den Stand der Sprache zur Entstehungszeit der Originale nachvollziehbar zu machen», hieß es in der Begründung der Jury, die am Montag in Calw veröffentlicht wurde.
Der Preis wird alle zwei Jahre vom Südwestrundfunk und der Sparkasse Pforzheim-Calw vergeben - jeweils im Wechsel für einen Übersetzer und eine Literaturzeitschrift. Die Preisverleihung findet traditionell am 2. Juli statt, dem Geburtstag des Dichters.
Am 9. August 2012 jährt sich zudem der 50. Todestag des Literatur-Nobelpreisträgers. Dazu gibt es auch einen Internationalen Hesse-Kongress mit der Überschrift «Die Grenzen überfliegen» vom 23. bis 26. März in Bern.
Hermann Hesse (1877-1962) erlangte mit seinen Büchern «Siddhartha», «Der Steppenwolf» und «Das Glasperlenspiel» Weltruhm. Neben seiner Schriftstellerei malte er leidenschaftlich gern. Daran erinnert ab dem 23. März ebenfalls in Bern die Ausstellung «Hermann Hesse als Maler». Eine Literaturgedenkstätte will die Stadt Tübingen zum Hesse-Jahr einrichten.
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07.02. Thomas Manns Tochter - Vom «Kindchen» zur Botschafterin der Ozeane
Sie war das Lieblingskind ihres Vaters Thomas Mann. Doch Elisabeth Mann-Borgese machte lieber ihre eigene Karriere als Ökologin und Seerechtlerin. Vor zehn Jahren starb die Frau, die schon früh gegen die Ausbeutung der Ozeane gekämpft hat.
Lübeck (dpa) - In Deutschland ist Elisabeth Mann-Borgese (1918- 2002) vor allem als Tochter Thomas Manns bekannt. Im Ausland dagegen gilt die Professorin für Politologie als engagierte Meeresschützerin.
Lange bevor das Thema Nachhaltigkeit in das allgemeine Bewusstsein rückte, plädierte sie leidenschaftlich dafür, die Ozeane und ihre Ressourcen für nachfolgende Generationen zu bewahren. Am 8. Februar jährt sich ihr Todestag zum zehnten Mal.
Das Lübecker Buddenbrookhaus plant aus diesem Anlass im Sommer eine Ausstellung, in der ihre Familiengeschichte und ihre politische und wissenschaftliche Arbeit gemeinsam dargestellt werden sollen.
«Dafür konnten wir erstmals ihren Nachlass im Archiv der Dalhousie University in Halifax nutzen», sagt der Leiter der Buddenbrookhauses, Holger Pils. Elisabeth Mann-Borgese lebte und arbeitete seit 1978 im kanadischen Halifax, zunächst als Stipendiatin, seit 1980 als Professorin für Politische Wissenschaften und Internationales Seerecht der Dalhousie University. «Dabei hat sie nie eine Universität besucht, doch ihre jahrzehntelange Arbeit auf dem Gebiet des Seerechts und des Meeresschutzes hat ihr Ansehen und Anerkennung verschafft», sagt Pils.
«Sie hatte immer sehr klare Vorstellungen und war dadurch eine mächtige Frau», erinnert sich der Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift «mare», Nikolaus Gelpke. Als 20-Jähriger mit einer großen Begeisterung für alles, was mit dem Meer zusammenhängt, wurde er 1982 «Dogsitter» bei der Hundefreundin Mann-Borgese, die ihren Vierbeinern Schreibmaschine schreiben und Klavierspielen beibrachte. «Ich musste mich um ihre sechs Hunde und den Haushalt kümmern. Doch zwischen uns entwickelte sich bald eine tiefe Freundschaft, die darin gipfelte, dass sie irgendwann sagte, sie habe mich quasi adoptiert», erzählt Gelpke. Die Freundschaft, die auch seine eigene Familie einschloss, hielt bis zu ihrem Tod.
In Deutschland wurde Mann-Borgese erst durch ihre Mitwirkung in Heinrich Breloers Dokudrama «Die Manns - ein Jahrhundertroman» (2001) bekannt. Darin kommentierte sie als Zeitzeugin die Jahre 1923 bis 1955. «Das war praktisch das erste Mal, dass sie öffentlich über ihren Vater sprach», sagt Gelpke. Danach, so habe sie ihm gesagt, könne sie auch gehen. Ein halbes Jahr später, am 8. Februar 2002, starb sie im Skiurlaub mit ihrer Familie in der Schweiz. «Bis zu diesem Film wurde sie in Deutschland praktisch gar nicht wahrgenommen, weder als Wissenschaftlerin noch als Tochter Thomas Manns», sagt Gelpke.
Dabei war Elisabeth, geboren am 24. April 1918 in München, das Lieblingskind ihres Vaters. «Das Kindchen» nannte der Literaturnobelpreisträger seine jüngste Tochter, die er nach eigenem Eingeständnis mehr liebte, als seine vier älteren Kinder zusammen.
«Als einziges Kind der Familie hatte sie ein völlig unbelastetes Verhältnis zu ihren Eltern und ihren Geschwistern», sagt Pils.
Die ausgebildete Konzertpianistin heiratete 1939 in den USA den 36 Jahre älteren italienischen Schriftsteller Giuseppe Borgese. Mit ihm und einer Gruppe Gleichgesinnter erarbeitete sie ein utopisches Konzept einer Weltverfassung, das in rund 50 Sprachen übersetzt wurde. Durch den maltesischen UN-Botschafter Arvid Pardo entdeckte sie 1967 ihre Leidenschaft für die Ozeane und reiste fortan um die Welt, um für ihre Idee vom Meer als gemeinschaftlichem Erbe der Menschheit und die nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen zu werben. Sie gründete auf Malta das heute in 20 Ländern vertretene Internationale Ozeaninstitut und arbeitete aktiv an der 1982 verabschiedeten UN-Seerechtsverfassung mit.
Ihre literarischen Arbeiten dagegen - in erster Linie Erzählungen - zeigen die andere, dunkle Seite Mann-Borgeses. «Das sind surreale und oft etwas unheimliche Geschichten, in denen die Erscheinungen der Moderne bis ins makabre Extrem getrieben werden», sagt Pils.
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07.02. Suhrkamp veröffentlicht Essays von Christa Wolf
Berlin (dpa) - Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht am 7. März posthum einen Band mit Werken Christa Wolfs. «Rede, daß ich dich sehe» versammelt Essays, Reden und Gespräche aus den letzten Jahren, die Wolf selbst auswählte. Viele davon erscheinen nach Verlagsangaben erstmals. Die Schriftstellerin war am 1. Dezember im Alter von 82 Jahren nach langer Krankheit in Berlin gestorben.
In dem 200 Seiten umfassenden Band widmet sich Wolf Werken von Schriftstellerkollegen und bildenden Künstlern. So schreibt sie über Doktor Faustus und Thomas Manns Exil in Los Angeles, Schauplatz ihres Romans «Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud» (2010).
Sie zeichne auch ein liebevolles Porträt von Uwe Johnson, sei streitbar für Günter Grass und entwerfe beim Nachdenken über den «blinden Fleck» eine kurze Mentalitätsgeschichte der Deutschen und ihres Verhältnisses zur Literatur, heißt es in der Ankündigung.
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07.02. Glattauer: Kein Frauenversteher, aber ein Frauen-Zuhörer
Wien (dpa) - «Ewig dein» heißt der neue Roman des österreichischen Bestseller-Autors Daniel Glattauer. Darin nähert er sich dem Thema Liebe ganz anders als im E-Mail-Roman «Gut gegen Nordwind». Es geht um Stalking und Psychoterror aus der Sicht einer Frau.
Wie erklären Sie sich, dass Ihre Bücher vorrangig von Frauen geliebt und gekauft werden?
Glattauer: «Es geht bei mir eben viel um die Themen Liebe und Beziehungen, das ist ja auch das, was das Leben ausmacht. Und Frauen beschäftigen sich in viel größerer Zahl mit emotionalen Themen. Das gilt wohl auch für Bücher, die sie kaufen.»
Trifft das Klischee des Frauenverstehers zu?
Glattauer: «Ich sehe mich aber nicht als Frauenversteher, ich habe nur ein Interesse zuzuhören. Und wenn man zuhört, kommt man darauf, dass man mehr erfährt, wenn man Frauen zuhört als Männern.»
Werden Ihre Bücher in Österreich und in Deutschland unterschiedlich aufgenommen?
Glattauer: «Bei Lesungen in Österreich und Deutschland habe ich schon mal festgestellt, dass an unterschiedlichen Stellen gelacht wird. Und bei der Figur des Lehrmädchens Bianca habe ich mir manchmal Sorgen gemacht, ob der Humor in Deutschland verstanden wird. Aber ich kann mir nicht vornehmen, jetzt schreibe ich so, dass es die Deutschen alle verstehen: jeder Witz wird erklärt (lacht). Aber es gibt auch innerhalb Österreichs Unterschiede. In Wien ist der Humor schon schadenfroher und derber.»
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07.02. Unangepasst - Roman über «Peter Rabbit»-Schöpferin Beatrix Potter
Mit Romanen wie «Simpel» und «Über kurz oder lang» hat die Französin Marie-Aude Murail den Nerv junger Menschen getroffen. Jetzt überrascht sie mit einer sehr sensiblen Nacherzählung der Lebensgeschichte von «Peter Rabbit»-Erfinderin Beatrix Potter.
Berlin (dpa) - Aus originellen Mädchen werden exzentrische alte Jungfern. Davon ist Charitys Mutter fest überzeugt. Und deshalb hält sie auch fast panisch Ausschau nach einem passenden reichen Ehemann für ihre Tochter. Denn Charity Tiddler ist eindeutig originell. Im dritten Stock der elterlichen Villa lebt sie in ihrem ganz eigenen Reich: Zusammen mit dem Kaninchen Peter, einem widerborstigen Raben, etlichen Mäusen und anderem Getier. Ihre Leidenschaft sind die Natur und das Zeichnen. Von Bällen und anderen gesellschaftlichen Ereignissen hält sie sich lieber fern.
Wie aus diesem «originellen» Mädchen eine für das viktorianische England ganz außergewöhnlich selbstständige und erfolgreiche Frau wird, erzählt Marie-Aude Murails Roman «Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler» - eine sehr sensible und fesselnde Nacherzählung der Lebensgeschichte von «Peter Rabbit»-Erfinderin Beatrix Potter.
Bislang hat die französische Schriftstellerin Murail packende Alltagsgeschichten wie «Simpel» und «Über kurz oder lang» erzählt, die perfekt das Lebensgefühl junger Menschen heute trafen. Genauso nah ist die Autorin aber auch diesem unangepassten Mädchen namens Charity, dessen Werdegang sie fiktiv, aber entlang der biografischen Fakten aus Beatrix Potters Leben erzählt.
Charity erstickt fast an den strengen Konventionen der englischen High Society. Oberstes Gebot für ein junges Mädchen ist dort, sich so schicklich wie möglich zu verhalten und am besten nicht weiter aufzufallen. Eine eigene Meinung schickt sich auf gar keinen Fall für eine junge Dame, eigene Interessen auch nicht. Charity aber will lernen und beachtet werden.
Sie kann ganze Shakespeare-Werke auswendig rezitieren - und sie zeichnet so gut, das ein befreundeter Hauslehrer sie drängt, ihre naturgetreuen, botanischen Zeichnungen und kleinen Tierbilder zum Verkauf anzubieten. Doch eine Frau wird damals in der Geschäftswelt nicht als eigenständige Person anerkannt. Und Charitys Eltern legen ihrer Tochter auf dem Weg, ein selbstständiger Mensch zu werden, so viele Steine in den Weg, dass sich das Mädchen schließlich resigniert fragt: Was bin ich eigentlich wert?
Heute sind ihre Geschichten von Peter Rabbit (auf deutsch: Peter Hase), den frechen Mäusen, Schweinchen, Katzen und dem Eichhörnchen fester Bestandteil der klassischen Kinderbuchliteratur. Im viktorianischen England waren es am Ende auch die Kinder, die mit ihrem Entzücken über die Zeichnungen und lustigen Geschichten den Siegeszug von Tiddlers/Potters Werk anstießen. Und wenn es Charitys Mutter beruhigt: auch die Liebe findet ihre Tochter. Murail ist es mit ihrer sehr feinen Figurenzeichnung gelungen, für den Leser eine ganze Epoche wieder lebendig zu machen.
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06.02. Mechtild Borrmann: Krimiautorin mit vielen Talenten
Jahrzehntelang dasselbe zu tun, ist nicht Mechtild Borrmanns Vorstellung vom Leben. Immer wieder hat sie Neues angefangen. Derzeit ist sie preisgekrönte Krimiautorin.
Bielefeld (dpa/lnw) - Die Bielefelderin Mechtild Borrmann ist eine Frau mit vielen Talenten. Als Erzieherin und Gestalttherapeutin hat sie in der Drogenberatungsstelle gearbeitet, Menschen mit Behinderung betreut und eine Stiftung für verhaltensauffällige Kinder aufgebaut.
Sie hat Tanz- und Theaterprojekte mitgestaltet, war Kellnerin in einer Strandbar auf Korsika und hat nach einer kaufmännischen Ausbildung ein eigenes Restaurant in der Bielefelder Altstadt geführt. Jetzt ist die 51-Jährige für ihren vierten Roman «Wer das Schweigen bricht» mit dem Deutschen Krimipreis 2012 ausgezeichnet worden.
«Ich bin immer wieder an einen Punkt gekommen, an dem ich etwas ganz anderes machen wollte», sagt die gebürtige Kölnerin, die in Kleve aufgewachsen ist und seit mehr als 20 Jahren in Bielefeld wohnt. Mitte der 90er Jahre hat sie ihre ersten Kurzgeschichten geschrieben, und 2006 erschien ihr Krimi-Debüt «Wenn das Herz im Kopf schlägt». «Erst wenn mich ein Thema gepackt hat, beginne ich, die Figuren zu entwickeln. Sobald sie in meinem Kopf so lebendig sind, dass ich mit ihnen frühstücken oder spazieren gehen könnte, entsteht eine Geschichte daraus.»
Die Frage, wie Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus gelebt, wie sie sich diesem Regime angeschlossen oder widersetzt haben, war die Grundidee für den mit dem Krimipreis ausgezeichneten Roman «Wer das Schweigen bricht». Im Sommer 1939, wenige Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, schwören sich darin sechs junge Menschen aus Kranenburg am Niederrhein ewige Freundschaft. Doch ihr Treueversprechen wird schon bald auf eine harte Probe gestellt. Unerwiderte Liebe, Eifersucht und verletzte Gefühle führen zu Denunziation und schließlich zu einem Mord.
Dabei ging es Mechtild Borrmann darum, die Geschichte von Schuld und Verrat möglichst sachlich und ohne moralische Bewertung zu erzählen. «Mehr als 60 Jahre später hat unsere Generation einen anderen Blick auf die Geschehnisse jener Tage», sagt die Autorin, die für das Buch mit vielen Zeitzeugen gesprochen hat.
Der undotierte Krimipreis wird seit 1985 jährlich von einer Jury aus Kritikern und Buchhändlern vergeben. Über die Auszeichnung freut sich die 51-Jährige mit dem Pagenschnitt und der markanten schwarzrandigen Brille; genauso wie über Lob ihrer Leser und auch darüber, dass sie inzwischen vom Schreiben leben kann.
Obwohl ihre bisherigen Romane alle in ihrer niederrheinischen Heimat angesiedelt sind, versteht Mechtild Borrmann sie nicht als Regionalkrimis. «Mir geht es um das Thema und nicht um den Bäcker an der Ecke, den man wiedererkennt», versichert sie.
Den Niederrhein hat sie in ihrem nächsten Buch daher auch weit hinter sich gelassen. Der Krimi «Der Geiger», der im Herbst erscheint, spielt in den russischen Straf- und Arbeitslagern der Stalin-Zeit, den Gulags. Auch dafür hat die Autorin wieder penibel recherchiert, auch in Russland.
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06.02. T.C. Boyle entfesselt einen Krieg unter Naturschützern
In seinem neuen Roman entfesselt T.C. Boyle einen Öko-Krieg unter Naturschützern. Mit Ironie, aber auch einer gewissen Bitternis zeigt er die Widersprüche der Umweltfraktion auf.
Berlin (dpa) - Die Santa-Barbara-Inseln vor der Küste Südkaliforniens sind ein Naturwunder. Hier leben Tierarten wie der kleine Insel-Graufuchs, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen.
Ein Naturpark schützt diese einzigartige Inselwelt. An diesem faszinierenden Schauplatz siedelt T.C. Boyle sein neues, jetzt auf Deutsch erschienenes Buch «Wenn das Schlachten vorbei ist» an.
13 Romane und über 60 Kurzgeschichten hat der amerikanische Kultautor verfasst. In vielen von ihnen greift er meisterhaft reale Geschehnisse oder das Leben berühmter Persönlichkeiten auf wie etwa in seinem gefeierten Erstlingswerk «Wassermusik» rund um eine Afrikaexpedition oder in «Dr. Sex», der Geschichte des Sexualforschers Kinsey. Auch Boyles neuer Roman enthält einen wahren Kern. Denn als die Inseln seinerzeit zum Nationalpark erklärt wurden, räumten die Behörden erst einmal kräftig im Naturschutzgebiet auf.
Von Menschen eingeschleppte, verwilderte Tiere wurden massenhaft getötet, um die einheimischen Arten zu schützen. Das wiederum traf auf den erbitterten Widerstand von Tierschützern.
Im Roman wird dieser Konflikt zwischen Alma Boyd Takesue und Dave LaJoy ausgetragen. Die junge Naturschützerin macht die Öffentlichkeitsarbeit für den Nationalpark. Sie ist davon überzeugt, dass Ratten auf den Inseln nichts zu suchen haben, weil sie die einheimischen Vögel ausrotten. Dass die gefährlichen Nager vergiftet werden müssen, steht für sie außer Frage. Das sieht Dave LaJoy ganz anders. Der fanatische Tierschützer versucht das Vergiftungsprogramm zu sabotieren. Denn nach einem Erweckungserlebnis will er alle Tiere dieser Welt retten, selbst die Ratten.
«Wenn das Schlachten vorbei ist» könnte ein dröger Thesenroman sein. Das ist er jedoch nicht. Dazu ist T.C. Boyle zu sprachgewaltig. Auch ist die Auseinandersetzung zwischen Alma und Dave nur das Grundgerüst, das Skelett, das den Roman trägt. Darum herum gruppiert Boyle viele andere Figuren und ihre Geschichten, die den Roman farbensatt machen. Gleich der Beginn ist eine furiose Schilderung eines Schiffbruchs, den einst Almas schwangere Großmutter erlitt, die nur mit viel Glück zurück ins Leben fand.
Schiffbrüche sind überhaupt ein Leitmotiv des Romans. Denn auch die Ratten fanden einst durch einen Schiffbruch auf die Insel, und ein Bootsunglück steht wie eine göttliche Strafe am Ende des Geschehens.
Doch trotz manch sprachlicher Brillanz vermag der allzu sehr in die Länge gezogene Roman nicht so recht zu überzeugen. Das liegt auch daran, dass zwischen den beiden Gegenspielern keine wirkliche Parität besteht. Denn Dave ist in seiner rabiat-kindischen Art und seinem religiösen Eiferertum keine wirklich ernstzunehmende Figur. Es müsste einem bange sein, wenn alle Tierschützer so aufträten wie er. Boyle zeichnet ihn leicht ironisch als einen in Widersprüchen befangenen Menschen, der Wasser predigt, aber Wein trinkt.
Alma ist da schon sehr viel sympathischer. Sie kämpft nicht mit wirren Aktionen, sondern mit Argumenten. Aber auch bei ihr tritt ein falscher missionarischer Furor zutage, denn sie sieht sich als «Werkzeug des Guten». Ihre Vorstellungen sind irreal: «Wie viel besser wäre es, wenn niemand hierherkäme und die Inseln einfach so sein könnten, wie sie immer waren. Oder hätten sein sollen.» Am Ende führt sie selbst ihre stolzen, aber weltfremden Ideen ad absurdum. Vor der schillernden Realität des Lebens, so zeigt T.C. Boyle, hat die reine Lehre eben selten Bestand.
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06.02. Mythos «Mosaik» - Große Ausstellung zu DDR-Comic in Leipzig
Sie waren bunt, sie waren spannend, sie waren in der DDR heiß
begehrt: die legendären «Mosaik»-Comics. Eine große Ausstellung in Leipzig begibt sich nun auf Spurensuche.
Leipzig (dpa) - Wenn er über den DDR-Comic «Mosaik» spricht, gerät Rainer Eckert fast ins Schwärmen. «Ich habe alle Hefte gesammelt, vom ersten angefangen», sagt der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig. «Mosaik» habe ihn - wie Millionen andere Ostdeutsche - fasziniert. Mit dem «Mythos Mosaik» beschäftigt sich demnächst die wohl größte Ausstellung, die es bisher zu dem legendären Comic gab. Vom 17. Februar an ist im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig die Schau «Dig, Dag, Digedag - DDR-Comic "Mosaik"» zu sehen.
Die Ausstellungsmacher konnten sich aus einem bislang weitgehend unerforschten Fundus bedienen. «Mosaik»-Erfinder Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen hat dem Forum 2009 sein Archiv übergeben. Tausende Zeichnungen, Skizzen und Entwürfe werden seither in Leipzig wissenschaftlich aufbereitet - und fließen in die neue Ausstellung ein. «Das ist ein Schatz, den wir nicht nur erhalten und bewahren, sondern auch präsentieren wollen», sagt Projektleiterin Kornelia Lobmeier. In der Ausstellung würden viele Originalzeichnungen gezeigt.
Der Fokus liegt auf den frühen «Mosaik»-Jahren. 20 Jahre lang, von
1955 bis 1975, erkundeten die drei kleinen Helden Dig, Dag und Digedag die Welt. Sie reisten nach Amerika, in den Weltraum, tummelten sich mit Ritter Runkel in vergangenen Zeiten - und ermöglichten den DDR-Bürgern kleine Fluchten aus dem Alltag. Dann kam es zum Bruch zwischen Hannes Hegen und dem FDJ-Verlag Junge Welt in Berlin. Die Digedags verschwanden und wurden von den Abrafaxen abgelöst.
«Das ist für Hannes Hegen bis heute eine nicht ganz verheilte Wunde, zumal ein Teil seines Stabes damals weitergemacht hat», sagt Direktor Eckert. Der inzwischen 86-jährige Hegen habe reges Interesse an der Leipziger Schau gezeigt, eventuell werde der in Berlin lebende Grafiker die Ausstellung auch besuchen.
Doch passen die bunten «Mosaik»-Comics überhaupt ins Zeitgeschichtliche Forum, das die Aufarbeitung der DDR-Diktatur als Hauptthema hat? «Die Diktatur ohne den Alltag zu erklären, wird an der Wahrheit vorbeigehen», sagt Eckert. Das monatliche Anstehen am Kiosk, um eines der begehrten «Mosaik»-Hefte zu ergattern, gehörte für unzählige DDR-Kinder dazu. «Es geht uns nicht darum, nur die Hefte an die Wand zu bringen», erläutert Projektleiterin Lobmeier. «Wir wollen zeigen: Was konnte, was wollte man zeigen in so einem Comic, der eine Sonderrolle einnahm in der DDR.»
Ein kleiner Teil der Digedags-Ausstellung widmet sich den Abrafaxen, die bis heute Abenteuer im «Mosaik» erleben. Verlegt werden die Reise-Geschichten von Abrax, Brabax und Califax im Berliner Verlag Steinchen für Steinchen, in einer Druckauflage von knapp über 100 000, wie Sprecher Robert Löffler sagt. Die Auflage sei seit Jahren stabil. «Wir haben eine ganz treue Leserschaft.» Etwa ein Drittel der Abonnenten lebe im Westen Deutschlands. Die Berliner steuerten ebenfalls ein paar Ausstellungstücke für die Digedags-Schau bei - darunter das Kündigungsschreiben, das «Mosaik»-Erfinder Hegen seinerzeit an den Junge-Welt-Verlag geschickt hatte.
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06.02. Ausstellung «Karl Mays Traumwelten» in Gotha
Gotha (dpa/th) - Winnetous Silberbüchse und Originalzeichnungen für die Buchklassiker Karl Mays (1842-1912) werden von Samstag an im KunstHaus Gotha zu sehen sein. Unter dem Titel «Karl Mays Traumwelten» stimmt die Stadt Gotha in einer Sonderausstellung auf den 100. Todestag eines der meistgelesenen deutschen Schriftsteller am 30. März ein. May, der ein Jahr vor seinem Tod Gotha besuchte, habe in seinen Werken eine farbenprächtige Welt mit Helden, Schurken, wilden Tieren und exotischen Landschaften geschaffen, teilte die KulTourstadt GmbH am Freitag mit. Sie inspirierten schon früh Grafiker und Illustratoren.
Die Schau zeigt bis zum 6. Mai rund 130 Grafiken und Illustrationen sowie 100 Exponate zu Leben und Werk des Schriftstellers Karl May, darunter auch Briefe von der Hand des Meisters. Die Leihgaben stammen aus dem Karl-May-Museum in Radebeul, das jährlich von etwa 60 000 Gästen besucht wird, sowie vom Karl-May-Verlag Bamberg.
Zu den ersten Künstlern, die bereits zu Lebzeiten Karl Mays Traumwelten zu Papier brachten, gehörten Oskar Herrfurth, Adolf Coss und Ewald Thiel. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die illustrierten Reiseerzählung mit Zeichnungen von Claus Bergen, Willy Moralt bis Peter Schnorr. May selbst hatte die Schauplätze seiner Fantasie nie besucht. Fans von Winnetou & Co. können den Ausstellungsrundgang mit einem Audio-Guide vertiefen.
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06.02. Die Frau an der Seite eines entschwundenen Mannes - Inge Jens wird 85
Sie stand lange im Schatten ihres berühmten Mannes - jetzt wird Inge Jens von Einladungen zu Talkshows überschüttet. Die Demenz des Rhetorikers Walter Jens ist ihr großes Thema geworden. Dabei wäre sie auch mit 85 am liebsten einfach Literaturwissenschaftlerin geblieben.
Tübingen (dpa) - «Frau Walter Jens» - diesen ungeliebten Spitznamen wird Inge Jens wohl nie mehr los. Dabei hat sie sich immer so sehr dagegen gewehrt, nur als Frau an der Seite ihres berühmten, intellektuellen Ehemanns wahrgenommen zu werden. Verdient hat sie dieses Image ohnehin schon lange nicht mehr. Dass sie sich als Literaturwissenschaftlerin selbst einen Namen gemacht hat, ist dabei das eine. Seit Walter Jens (88) vor fast zehn Jahren an Demenz erkrankte, ist seine Frau mit ihrer mutigen, offenen Art für viele Angehörige von Demenzpatienten zu einem Vorbild geworden. Am Samstag (11. Februar) wird sie 85 Jahre alt.
Schonungslos erzählt Inge Jens in Interviews, Talkshows und in ihrer Autobiografie davon, wie ihr Mann langsam, aber unaufhaltsam in geistige Umnachtung verfiel. Sie spart dabei nicht aus, dass der große Schriftsteller, Denker und Redner plötzlich Windeln tragen musste und Bücher verkehrt herum hielt. «Diese Krankheit zu tabuisieren, bringt uns noch mehr in die Ratlosigkeit, als wir es ohnehin schon sind», sagt sie. Trotzdem merkt man, wie weh ihr der geistige Abschied von ihrem Mann nach fast 60 Jahren Ehe getan hat. «Ich bin für ihn wie ein Möbelstück», sagt sie. «Den Mann, den ich liebte, gibt es nicht mehr.»
Inge und Walter Jens waren sich immer ein intellektueller Gegenpart. Sie arbeiteten im gleichen Metier, der Literaturwissenschaft. Sie haben sich inspiriert und irritiert, geliebt und manchmal regelrecht gehasst - gerade wenn sie wie so oft bei einem Projekt eng zusammenarbeiteten. Dass ihr Mann mit seiner lauteren, redegewandteren Art in der Öffentlichkeit so viel stärker wahrgenommen wurde, hat Inge Jens gelegentlich auch geärgert.
Genau wie ihr Mann stammt sie aus Hamburg, kennengelernt hat sich das Paar aber erst in Tübingen. Bekannt wurde Inge Jens vor allem mit ihrer 1995 abgeschlossenen Edition der Tagebücher Thomas Manns. Sie entdeckte und publizierte eine wahre Schatzkammer bis dahin unbekannter Dokumente, die die Tagebuch-Eintragungen Manns für den Leser in Zusammenhang rückten.
Ihr größter Erfolg wurde das gemeinsam mit ihrem Mann geschriebene Buch «Frau Thomas Mann» über Katia Mann, die oft im Schatten ihres berühmten Ehemannes stand. Diese Parallele im Leben der beiden Frauen war so deutlich, dass Inge Jens den Spitznamen «Frau Walter Jens» fortan nicht mehr loswurde.
Gemeinsam mit ihrem Mann wurde sie in den 1980er Jahren zu einer Galionsfigur der Friedensbewegung. 1984 beteiligten sie sich an Sitzblockaden vor dem amerikanischen Atomwaffendepot Mutlangen, während des Golfkriegs 1990 versteckten sie zwei desertierte US-Soldaten in ihrem Tübinger Haus und kamen wegen Beihilfe zur Fahnenflucht vor Gericht.
Seit Inge Jens 2009 ihre Autobiografie «Unvollständige Erinnerungen» veröffentlichte, ist sie oft auf Lesereise. «Ich reise gern. Es ist für mich eine Möglichkeit, mal hier rauszukommen», sagt sie. Drei bis vier Stunden pro Tag sitzt sie noch immer konzentriert am Schreibtisch. Das editorische bearbeiten unpublizierter Quellen - so wie bei den Mann-Tagebüchern - mache ihr noch immer Spaß.
Ihr nächstes Buch ist schon in Planung. Vielleicht werde sie sich mit Texten von Frauen in der Immigration beschäftigen - vielleicht aber auch mit etwas anderem. «Ich kann es mir heute erlauben, nur noch das zu machen, was mir Spaß macht. Die Themen, die mich umgetrieben haben, die habe ich längst gemacht.»
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03.02. Brief von Werther-Vorbild zurück in Wetzlar
Wetzlar (dpa) - Der Brief eines tragischen Bekannten Goethes ist nach mehr als 200 Jahren zurück in Wetzlar. Zum Museumsbestand der mittelhessischen Stadt gehört nun das Schreiben von Karl Wilhelm Jerusalem, dessen Selbstmord der Dichter in dem Roman «Die Leiden des jungen Werther» verarbeitete. Jerusalem verfasste es im Jahr 1771.
Die Stadt hatte den Brief im Januar bei einer Auktion in Basel für 5000 Euro ersteigert.
«Für Wetzlar hat der Brief eine einzigartige Bedeutung, da er nach 241 Jahren an seinen Ursprungsort zurückkehrt», sagte Museumsleiterin Anja Eichler am Donnerstag laut Mitteilung. Zudem schreibe der junge Jurist darin über einen der Gründe für seinen Suizid. Der Brief vom 30. November 1771 ist an Jerusalems Vater adressiert. Der Sohn - er starb mit 25 Jahren - klagt darin über Verleumdungen seines Vorgesetzten am Reichskammergericht und seine Ohnmacht, sich zu wehren.
Johann Wolfgang von Goethe und Jerusalem lernten sich beim Studium in Leipzig kennen und trafen sich in Wetzlar wieder, wo der Dichter ebenfalls am Reichskammergericht arbeitete. Sein berühmtes Werk «Die Leiden des jungen Werther», in das er auch weitere eigene Erlebnisse einfließen ließ, handelt von dem unglücklich verliebten Werther, der sich am Ende selbst tötet.
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03.02. Wollust und Untergang: 100 Jahre «Der Tod in Venedig»
Vor 100 Jahren erschien Thomas Manns «Der Tod in Venedig». Die Novelle fasziniert bis heute mit ihrem mobriden Charme. Das Lübecker Buddenbrookhaus widmet der Erzählung nun eine eigene Ausstellung.
Lübeck (dpa) - Eigentlich wollte Thomas Mann eine Erzählung über die Liebe des greisen Goethe zu einem blutjungen Mädchen schreiben.
Doch eine Reise nach Italien und Venedig 1911 veränderte seine Pläne.
Aus der Reihe kurioser Umstände und Eindrücke, wie Mann es nannte, entstand innerhalb eines Jahres die Novelle «Der Tod in Venedig» - bis heute international eines der populärsten Werke Thomas Manns.
1912 erschien die Novelle erstmals als Buch. Zum 100. Jahrestag zeigt das Lübecker Buddenbrookhaus eine Ausstellung mit dem Titel «Wollust des Untergangs. 100 Jahre Thomas Manns "Der Tod in Venedig"», die die Hintergründe und die Entstehungsgeschichte des Werkes beleuchtet. Die Ausstellung wird am Freitag eröffnet und ist bis zum 28. Mai zu sehen.
In der Novelle erzählt Mann die Geschichte des Schriftstellers Gustav von Aschenbach, der sich in Venedig unsterblich, aber rein platonisch in den schönen Jüngling Tadzio verliebt. «Das verbotene Begehren ist neben der von Thomas Mann immer wieder behandelten Künstlerproblematik das zentrale Thema der Erzählung - und vielleicht ist das auch das Geheimnis ihres Erfolges. Denn damit kann sich wohl jeder Leser identifizieren, jeder hat schon mal etwas Verbotenes oder Unerreichbares ersehnt», sagte der Leiter des Hauses, Holger Pils.
Die Ausstellung in abgedunkelten Räumen nimmt die morbide Stimmung der Erzählung auf, zeigt alte Ansichten von Venedig und sepiafarbene Videobilder aus der Lagunenstadt. Texttafeln mit Zitaten aus der Novelle werden ergänzt von den Quellen, die Thomas Mann verwendet hat: Hotelprospekte des Hotel des Bains am Lido, in dem von Aschenbach und Tadzio mit seiner Familie absteigen. Ein Lehrbuch zur griechischen Mythologie «für höhere Töchterschulen» aus dem Besitz seiner Mutter, das er zur Auffrischung seiner mythologischen Kenntnisse verwendet hat. Und das Konversationslexikon, aus dem Mann eine genaue Beschreibung der Cholera und ihrer Symptome abgeschrieben hat - «höheres Abschreiben» nannte Thomas Mann diese von ihm häufig verwendete Form der Recherche.
In der Novelle stirbt von Aschenbach an der Cholera, die tatsächlich 1911 in Venedig grassierte. Neben den akribischen Notizen zum Werk, die sich Mann bereits während seiner eigenen Reise machte, sind natürlich auch die Erstdrucke der Novelle aus dem Jahr 1912 zu sehen.
Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm, in dem unter anderem Luchino Viscontis Film «Tod in Venedig» und Ausschnitte aus Benjamin Brittens gleichnamiger Oper gezeigt werden. Eine Kooperation gibt es mit dem Ballett der Hamburgischen Staatsoper, das am 6. und am 9. März John Neumeiers «Tod in Venedig. Ein Totentanz» zeigt. Von September an wird die Lübecker Ausstellung im Literaturhaus in München zu sehen sein.
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03.02. Ehrung für Sieger des Kamenzer Schreibwettbewerbs
Kamenz (dpa/sn) - Zehn Preisträger des Schüler-Schreibwettbewerbs «Lessing zeilenweise» werden heute (Freitag/14.00) in Kamenz ausgezeichnet. Für den Ausscheid in der Geburtsstadt von Gotthold Ephraim Lessing (1729 bis 1781) hatten 138 Jugendliche aus 25 Schulen ihre Texte eingereicht. Die Beiträge kamen bis aus Mannheim und Neubrandenburg. Die Teilnehmer der 9. bis 13. Klasse konnten aus vier Themen auswählen, um etwa eine fiktive Biografie, eine Ballade oder eine Erzählung zu schreiben. Der Wettbewerb ging aus einem Ausscheid hervor, der zu DDR-Zeiten an der Kamenzer Lessing-Schule ausgetragen wurde. Seit 2009 dürfen sich junge Autoren aus ganz Deutschland beteiligen.
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03.02. Autor Leo Martin fuhr als Agent nur schnelle Autos
Osnabrück (dpa) - Der Bestsellerautor und frühere Nachrichtendienst-Mitarbeiter Leo Martin (35) ist in seiner Zeit als Agent nur schnelle Autos gefahren. «Mit einem Golf brauchst du da nicht zu kommen. Dann ist dein Status von Anfang an ruiniert, weil die Kriminellen andere Autos fahren», sagte Martin («Ich krieg dich!: Menschen für sich gewinnen») der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Am liebsten sei er mit einem tiefer gelegten BMW mit Ledersitzen gefahren. Martin arbeitete zehn Jahre für einen der deutschen Geheimdienste und warb Informanten an. Der Name Leo Martin war eines seiner Pseudonyme. «Ich hatte zu meiner aktiven Zeit eine Handvoll Arbeitsnamen. Dieser ist einer davon.»
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03.02. Suhrkamp-Cheflektor Fellinger wird Ehrendoktor der Uni Greifswald
Greifswald (dpa/mv) - Der Cheflektor des Suhrkamp-Verlages, Raimund Fellinger, erhält am Samstag (1100) die Ehrendoktorwürde der Universität Greifswald. Damit werde Fellingers Einsatz für die deutsche Gegenwartsliteratur und -kultur gewürdigt, teilte die Universität mit.
Fellinger begann 1979 als Lektor im Suhrkamp-Verlag und übernahm ein Jahr später die Verantwortung für die edition suhrkamp. Seit 2006 arbeitet er Cheflektor des Suhrkamp-Verlages, seit 2010 zudem als Cheflektor des Insel-Verlages. Als Vorstandsmitglied der Peter-Suhrkamp-Stiftung habe Fellinger die Arbeit des in Greifswald angesiedelten Wolfgang-Koeppen-Archivs unterstützt.
Die Philosophische Fakultät würdige mit der Ehrendoktorwürde sein substanzielles Engagement für die deutsche Literatur und die Geistes- und Kulturwissenschaften. Fellinger habe zur nachhaltigen Förderung und Sichtbarmachung der deutschen Literatur beigetragen. Als Lektor betreute er das Werk Uwe Johnsons und bedeutende deutschsprachige Autoren wie Thomas Bernhard, Peter Handke, Christoph Hein oder Peter Sloterdijk.
Den Festvortrag in der Aula hält am Samstag der Philosoph Peter Sloterdijk. Der Schriftsteller Christoph Hein liest aus einem unveröffentlichten neuen Manuskript.
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02.02. Hörbuchpreis für Bestseller-Autor Sven Regener
Köln (dpa) - Der Deutsche Hörbuchpreis geht dieses Jahr an den Bestseller-Autor Sven Regener. Der Schriftsteller, bekanntgeworden mit dem Barkeeper-Roman «Herr Lehmann» (2001), wurde als bester Interpret geehrt. Er hat selbst seinen Internet-Tagebuchroman «Meine Jahre mit Hamburg-Heiner» gelesen. Darin schildert er Beobachtungen aus der Alltags- und Medienwelt, die er erstmals in mehreren Blogs zwischen 2005 und 2010 veröffentlicht hatte. Die Jury meinte dazu:
«Mit Selbstironie, schnoddriger Stimme und einem perfekten Sprachrhythmus verwandelt Regener seine Blogs in eine Performance ganz eigener Art. Stark!» Regener ist auch als Musiker erfolgreich.
Wie der Verein Deutscher Hörbuchpreis am Donnerstag in Köln mitteilte, wurde die Theaterschauspielerin Doris Wolters für ihre Lesung von Zsuzsa Bánks Roman «Die hellen Tage» als beste Interpretin ausgezeichnet. «Ein Juwel souveräner Sprachkunst», befand die Jury.
In der Kategorie «Beste Fiktion» gewann das Hörspiel «Ruhe 1» von Paul Plamper, das er ursprünglich als Audio-Installation für das Museum Ludwig in Köln entwickelt hatte.
Den Preis für die beste Information bekommt eine mp3-Sammlung von Heiner-Müller-Aufnahmen, die den 1995 gestorbenen DDR-Dramatiker von einer eher unbekannten Seite zeigt. Die beste verlegerische Leistung wurde einem kleinen Verlag für ein Architektur-Feature von Moritz Holfelder zugesprochen. Das «besondere Hörbuch» ist diesmal eine Interpretation von Baudelaire-Texten: «Die künstlichen Paradiese».
Bekannt war bereits, dass der Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner (68) den Hörbuchpreis für sein Lebenswerk erhält.
Der Deutsche Hörbuchpreis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben. Die Gala zur Verleihung ist 14. März in Köln und bildet zugleich den Auftakt zum Literaturfestival Lit.Cologne.
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02.02. Scheue Nobelpreisträgerin - Dichterin Wislawa Szymborska ist tot
Staatspräsident Bronislaw Komorowski nannte sie den «guten Geist» der Polen. Mit 88 Jahren ist die Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska gestorben.
Warschau/Krakau (dpa) - Sie war eine Dame - so beschrieb ihr langjähriger Assistent Michal Rusinek im polnischen Fernsehen die am Mittwochabend gestorbene Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska. Und so wie sie lebte, starb die 88-jährige auch - privat, zurückgezogen und in aller Stille. Auch Krankheit und Schwäche hielten sie bis zuletzt nicht von der Arbeit ab - wann immer es ging, arbeitete sie an neuen Gedichten.
«Sie starb auf die bestmögliche Weise, in ihrer Wohnung, im eigenen Bett», sagte Rusinek, dessen Aufgabe auch darin bestanden hatte, Szymborska nach dem 1996 verliehenen Literaturnobelpreis Möglichkeiten für den Rückzug ins Private zu sichern. Denn die scheue Dichterin Szymborska mied die Öffentlichkeit, wo sie konnte. «Sie wollte nicht, dass der Leser weiß, wie sie ist, sondern weiß, was sie zu sagen hat», sagte Rusinek am Donnerstag.
Der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski würdigte Szymborska als «guten Geist» der Polen. «In ihren glänzend geschriebenen Versen haben wir ausgezeichneten Rat gefunden, der die Welt verständlicher machte. Sie hat uns gezeigt, dass es wichtig ist, den Wert des Alltäglichen zu suchen, in den Momenten, auf die wir im Alltag nicht achten.»
In wenigen Monaten soll Rusinek zufolge Szymborskas letzter Gedichtband veröffentlicht werden. Der Titel passt zur Selbstironie der Dichterin: «Wystarczy» (Es reicht). «Sie hat sich das als Scherz ausgedacht, aber jetzt ist es nicht mehr witzig», sagte Rusinek. Er habe am vergangenen Sonntag von der Schriftstellerin Abschied genommen. «Wir haben eine letzte Zigarette geraucht, einen letzten Kaffee getrunken.»
«Ich bin keine kulturelle Institution», sagte die 1923 in der Nähe von Poznan (Posen) geborene Szymborska vor Jahren in einem ihrer seltenen Interviews. Sie könne sich nicht ständig zeigen und «von acht Uhr morgens bis zehn Uhr in der Nacht reden, reden, reden». Sie müsse Zeit zum Schweigen haben, denn Poesie entstehe im Schweigen.
Ministerpräsident Donald Tusk erklärte zum Tod der Autorin: «Sie wartete nicht auf Ruhm und rechnete nicht auf Ehrungen. Als sie zu Ruhm gelangte, war das für sie eher unangenehm.»
Szymborska gehörte nicht zu den Vielschreibern - zwischen den Veröffentlichungen ihrer feinsinnigen und mitunter ironischen Gedichtbände konnten mehrere Jahre vergehen. Ihr letzter Gedichtband wurde 2008 veröffentlicht, insgesamt schrieb sie rund 350 Gedichte.
Für ihre Leser lohnte sich das Warten. Kritiker lobten ihre schnörkellose Sprache und die Unabhängigkeit von künstlerischen Strömungen.
Die zierliche Frau mit den fein geschnittenen Gesichtszügen sagte einmal, sie wisse selbst nicht, warum sie Gedichte schreibe. «Nur für einen Augenblick bin ich hier», schrieb sie in ihrer «Reiseelegie» über die eigene Vergänglichkeit.
Doch Szymborska war nicht nur die zurückhaltende Dame oder sensible Intellektuelle. In Nachrufen erinnerten Freunde und Weggefährten an ihren Humor, ihre Liebe zu kitschigen Reiseandenken und ihre Bewunderung für den Boxer Andrzej Golota. Viele Leser Szymborskas dürften auch mit Überraschung erfahren, dass die Dichterin nicht nur ein Fan von Woody Allen, sondern auch geradezu süchtig nach einer südamerikanischen Seifenoper war. Nie habe sie eine Folge ihrer Lieblingsserie verpasst habe, behauptete die Zeitung «Super Express».
Krakau war seit vielen Jahrzehnten die Wahlheimat Szymborskas, die in der alten Königsstadt Literatur und Soziologie studiert hatte. Ihr erster Gedichtband «Deshalb leben wir» im Jahr 1952 entsprach noch ganz dem Literaturverständnis des «sozialistischen Realismus». Doch schon das 1962 erschienene Gedichtbuch «Salz» begründete ihren Ruf als führende polnische Lyrikerin.
In Krakau, wo am Donnerstag die Fahnen vor den öffentlichen Gebäuden auf halbmast hingen, will Szymborska auch ihre letzte Ruhestätte finden - nicht im Pantheon der polnischen Kultur in der Nähe der Wawelburg, sondern im Familiengrab auf dem Rakowicki-Friedhof, auf dem auch die Eltern von Johannes Paul II. begraben sind. Auch im Tod legte die Dichterin eben Wert auf ihre Privatsphäre.
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02.02. Börsenverein bezieht «Haus des Buches»
Frankfurt/Main (dpa) - Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat in Frankfurt ein neues Domizil bezogen. Künftig sitzt der Spitzenverband der Branche mit seinen 340 Beschäftigten im «Haus des Buches» in der Altstadt - nahe von Paulskirche und Römer (Rathaus).
Dafür wurden drei denkmalgeschützte Häuser für 19 Millionen Euro umgebaut. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Alexander Skipis, bezeichnete am Donnerstag den Umzug aus dem alten baufälligen Gebäude in die Braubachstraße als «Signal des Aufbruchs» angesichts der rasanten Veränderungen auf dem Buchmarkt.
Der Börsenverein, 1825 in Leipzig gegründet und nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt angesiedelt, hatte sich 2008 nach interner Debatte für den Verbleib am Main entschieden. Zur Diskussion standen auch Leipzig und Berlin. Im neuen Gebäude mit einer Nutzfläche von knapp 9000 Quadratmetern sind erstmals auch die Töchter des Branchenverbands - darunter die Frankfurter Buchmesse - vereint. Der Börsenverein wolle im «Haus des Buches» künftig unter anderem mit Lesungen auch «kulturelle Impulse» in Frankfurt setzen, sagte Skipis.
Geplant hat den Umbau der Frankfurter Architekt Ernst Ulrich Scheffler, dessen Büro sich mit der Sanierung alter Bausubstanz einen Namen gemacht hat. Trotz einer Abrissgenehmigung habe er bewusst die drei Häuser erhalten, sagte Scheffler. Zwei der Häuser stammen aus den 1920er Jahren, das dritte gilt als Symbol für das Neue Bauen nach dem Zweiten Weltkrieg. «In dieser Stadt wird manchmal etwas voreilig abgerissen», kritisierte Scheffler die Frankfurter Stadtplanung.
Von den Baukosten sind 630 000 Euro in die denkmalgerechte Sanierung geflossen. Am 9. Februar wird das «Haus des Buches» offiziell von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) eröffnet.
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02.02. Autor, Regisseur, Philosoph - Paul Auster wird 65
Der amerikanische Autor Paul Auster ist vom Schreiben «besessen», wie er sagt. Zu seinem umfangreichen Werk gehören Romane, Poesie, Essays und Filme. Auster lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Siri Hustvedt, in Brooklyn. Er feiert jetzt seinen 65. Geburtstag.
New York (dpa) - Wenn Paul Auster schreibt, steht er «in Flammen».
18 Romane hat er geschrieben, auch unter einem Pseudonym, dazu Gedichtbände, Essays, Drehbücher und Songs. Seine Geschichten schlagen die unglaublichsten Haken, brillieren mit einer suggestiven Sprache, psychologischen Beobachtungen und philosophischen Schlüssen.
Er sei «vom Schreiben besessen», erzählte der Amerikaner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. An diesem Freitag (3. Februar) wird er 65 Jahre alt.
Er ist groß, gut aussehend mit den dunklen Augen und immer noch dichten Haaren. Auster wirkt auf Anhieb sympathisch. Keine Spur von Distanz. Und das bei einem Autor seines Kalibers. Er gilt als einer der bedeutendsten US-Literaten der Gegenwart. Seine Bücher sind in 30 Sprachen übersetzt. Seine Popularität in Deutschland, Frankreich - überhaupt in Europa - übertrifft noch die im eigenen Land.
Austers Geschichten spielen oft im New Yorker Stadtteil Brooklyn.
Dort wohnt der Autor seit rund 30 Jahren mit seiner Frau, der norwegisch-amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt («Der Sommer ohne Männer»). Das Paar hat eine Tochter Sophie (24), die schon sehr jung als Sängerin und Schauspielerin Erfolge feierte. Ihr erstes Chanson-Album («Sophie Auster») erntete begeistertes Lob. Die Texte stammten von ihr und dem Papa.
Auster ließ die ebenso bildschöne wie begabte Tochter auch in seinen Filmen auftreten. Er selbst betätigte sich in «Smoke», «Blue in the Face» und «Lulu on the Bridge», mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle, als Drehbuchautor und Regisseur.
Wie viele seiner Figuren hat auch der «Barde von Brooklyn» bittere Zeiten hinter sich. Am 3. Februar 1947 als Sohn jüdischer Immigranten in der Nähe von New York geboren, will er schon mit 16 Schriftsteller werden: «Das ist eine seltsame Existenz. Du sucht sie dir nicht aus.
Du wirst gewissermaßen auserwählt.»
Nach einem politisch bewegten Literaturstudium und einem dreijährigen Aufenthalt in Frankreich, in dem er mit berühmten Existenzialisten in Kontakt war, versucht er, in New York als Autor Fuß zu fassen. Es entstehen vier Gedichtbände, mehrere kurze Stücke, ein Prosaband. Doch Geld kommt nicht herein. Auster muss sich mit einem Lehrauftrag an der Uni und Übersetzungsarbeiten über Wasser halten. 1979 ist er am Ende. Die erste Ehe zerbricht, und er hat nicht einmal mehr genug Geld zum Wohnen.
Mit der «New York-Trilogie» kommt endlich der Durchbruch. Die drei lose miteinander verwobenen Detektivgeschichten «Stadt aus Glas» (1985), «Schlagschatten» (1986) und «Hinter verschlossenen Türen» (1986) schlagen bereits den Ton an, für den der Autor so berühmt wird.
Seine oft autobiografisch geprägten Figuren sind schräge, gebrochene Charaktere, die sich auf der Suche nach sich selbst in allerlei Abgründe und düstere Winkel verlieren. Immer wieder ist es der Zufall, das Unvorhergesehene, eine fantastische Wendung, die ihr Leben bestimmt - und die Anlass für philosophische Reflexionen über Kunst und Kultur, Identität, Leben und Tod bieten.
Nach «Mond über Manhattan», «Musik des Zufalls» und «Das Buch der Illusionen» verarbeitet Auster in «Nacht des Orakels» (2003) Erfahrungen mit seinem Sohn aus erster Ehe. Daniel wurde indirekt mit einem Drogenmord in Verbindung gebracht. «Schreiben ist für mich kein Akt des freien Willens», sagt Auster, «es ist eine Frage des Überlebens.»
Zur Entstehung seiner Bücher sagte er der dpa: «Das ist ein organischer und völlig unerklärlicher Prozess. Alles kommt von innen, aus dem Unbewussten. Irgendwann taucht etwas auf. Meistens sind es Charaktere, die mir durch den Kopf gehen, und je mehr ich mich mit ihnen beschäftige, desto klarer werden die Geschichten, die zu ihnen gehören.»
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02.02. «Vergewaltigt» - Joyce Carol Oates beklemmendes Meisterwerk
Joyce Carol Oates schreibt fantastisch - und viel, im Durchschnitt zwei Bücher pro Jahr. Mehrfach war die US-Autorin für den Literatur-Nobelpreis nominiert. Mit «Vergewaltigt» legt sie jetzt ein weiteres Meisterwerk vor.
New York (dpa) - Gewalt ist ein häufig wiederkehrendes Thema bei Joyce Carol Oates. Auch mit der sexuellen Gewalt an Frauen hat sich die US-Schriftstellerin schon viel beschäftigt. Selten jedoch ging die Hilflosigkeit des Opfers so unter die Haut wie in Oates jetzt übersetzten Novelle «Vergewaltigt». In ihr ist die Betroffene nicht nur ihren Angreifern ausgeliefert, sie wird anschließend auch das Opfer ruchloser Taktiken einer von Männern dominierten Justiz.
«Vergewaltigt» ist die Geschichte von Teena Maguire, einer attraktiven und lebenslustigen Mittdreißigerin, die im Park von einer Horde junger Männer überfallen wird. Teenas 12-jährige Tochter Bethie entkommt den zugedröhnten Jugendlichen, wird aber in ihrem Versteck zur Zeugin der brutalen Vergewaltigungen. Sie holt Hilfe, als die Gang ihre Mutter zum Sterben zurücklässt.
Ein Polizist namens Dromoor ist als erster zur Stelle. Er wird das Bild der brutal zugerichteten Frau nicht mehr los, obwohl er als ehemaliger Golfkrieger selbst genug Blut vergossen hat. Dromoor sorgt auf seine Weise für Recht, nachdem das Gericht «versagt» und die Angeklagten ungeachtet der Zeugenaussage und des Nachweises ihrer Samenspuren wieder in die Freiheit entlassen hat. Sein Vorgehen ist nichts anderes als diskrete Lynchjustiz.
Oates gibt ihrer Novelle den Untertitel «Eine Liebesgeschichte» und bezieht sich damit auf die Gefühle der jungen Erzählerin Bethie zu Dromoor, dem mehrfachen Retter ihrer Mutter. «Vergewaltigt» spielt in einer Kleinstadt auf der US-Seite der Niagara Fälle. Es beginnt mit einem verhängnisvollen Abstecher durch den Park nach den Feiern des amerikanischen Unabhängigkeitstages (4. Juli).
Oates (73) beweist mit der in den USA schon 2003 veröffentlichten Novelle einmal mehr ihr Können als sprachgewaltige Autorin packender Geschichten. Die abscheuliche Tat ist mit den Konsequenzen kunstvoll verwoben. Oates Prosa ist glasklar. Umso subtiler vermittelt sie ihre Beobachtungen. Vieles bleibt unausgesprochen, so auch das Schicksal der Täter, wenngleich es keinen Zweifel an deren Ende gibt.
Es ist keine leichte Lektüre, die Oates hier bietet. Überraschend schließt sie mit einem Happy End, auch dies nur angedeutet im knappen Text einer Postkarte. Oates, die auch als Literaturprofessorin an der renommierten Princeton Universität arbeitet, genießt den Ruf einer der talentiertesten Vielschreiberinnen weltweit.
Sie hat schon mehr als 50 Bücher herausgegeben, außer Romanen, Novellen und Krimis mehrere Bände mit Kurzgeschichten, Essays und Gedichten, zudem Vorlagen für Theaterstücke und Filme. Für jemanden, der zugegebenermaßen nur eine Auswahl von Oates Büchern gelesen hat, gehört «Vergewaltigt» zu ihren Meisterwerken.
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01.02. Literaturhaus gründet Hörbuch-Forum
Frankfurt/Main (dpa) - Unter dem Titel «Kopf & Hörer» bietet das Literaturhaus Frankfurt künftig ein Live-Podium über Hörbücher. Wie Literaturhaus-Leiter Hauke Hückstädt am Dienstag ankündigte, werden dabei zweimal pro Jahr Hörbücher kritisiert. Auf dem Podium sitzen immer Hauke Hückstädt und eine Moderatorin des Radiosenders hr2 sowie zwei wechselnde Gäste. Der erste Termin ist am kommenden Montag (6. Februar). Auf der Liste der zu besprechenden Hörbücher stehen dann unter anderem Yasmina Rezas «Der Gott des Gemetzels» und Josef Bierbichlers von ihm selbst gelesener Roman «Mittelreich».
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01.02. Regensburger Autorin setzt Dorfleben mörderisch in Szene
Bayerische Dorfidylle sieht anders aus: In der Kirche entdeckt Lisa Wild eine Kiste voller Knochen. Mord? Die Polizei ist ihr zu langsam, sie recherchiert lieber auf eigene Faust. Die Regensburger Autorin Susanne Hanika hat den zweiten Band ihrer Krimireihe vorgelegt.
Regensburg (dpa) - Susanne Hanikas Krimireihe könnte in jedem bayerischen Dorf spielen. Die Regensburger Autorin hat dem Ort bewusst keinen Namen gegeben. Egal, in welcher Region Bayerns sie eine Leseprobe gebe - die Menschen stellten sich die Handlung bei sich vor der Haustür vor, erzählt die 42-Jährige. Und das trotz des Oberpfälzer Dialekts, den ihre Figuren sprechen. Auch Nichtbayern dürften in dem beschrieben Dorfleben einiges wiedererkennen - und viele neue Wörter lernen. «Und bitte für uns Sünder» ist der zweite Krimi-Band um die junge Journalistin Lisa Wild, die immer wieder Leichen findet.
Der Titel mutet ähnlich religiös an wie schon der erste Band («In Ewigkeit, Amen», 2010). Religion spielt unter den Dorfbewohnern denn auch eine überragende Rolle. Wer nur selten oder gar nie in die Kirche geht, wird mit abwertenden Blicken und Kommentaren gestraft.
Die «Rosenkranztanten» wissen über alles und jeden Bescheid - und zum Ärger von Lisa Wild immer ein bisschen früher als sie selbst. Wenn dann wie im ersten Band ein Organist im Gotteshaus erstochen wird oder Lisa dort wie im aktuellen einen grausigen Knochenfund macht, ist die Aufregung groß. Die Journalistin, unzufrieden mit der Arbeit ihres norddeutschen Polizisten-Freundes Max, ermittelt selbst.
Nach Lesungen erzählten ihr die Zuhörer oft, sie würden die ein oder andere Figur kennen - dabei seien alle frei erfunden, erzählt Hanika. Ihre Figuren sind eben nicht als Unikate angelegt. Sie bleiben klischeehaft und ohne viel Tiefe - so oder ähnlich wird es sie wohl hundertfach geben: die boshaften «Rosenkranztanten», den trotteligen Dorfpolizisten, den Metzger mit den faden Wienern. Und fast jeder hat irgendeine Leiche im Keller - wie die scheinbar glücklich Verheiratete, deren zwei Kinder in Wahrheit von einem anderen sind.
Mittendrin ist Lisa Wild, die mit den meisten ihrer Verdächtigungen gründlich daneben liegt. Immerhin stellt sie sich aber deutlich cleverer an als im ersten Band, in dem ihre Naivität stellenweise die Lesernerven überstrapazierte. Unsicher ist sie allerdings nach wie vor. «Ich versuchte ständig, nicht weiter aufzufallen, aber trotzdem war ich immer diejenige, die sich bekleckerte», erzählt Lisa den Lesern.
Lisa lebt bei ihrer meist ziemlich verwirrten und manchmal erstaunlich scharfsichtigen Großmutter, die sie ständig im Auge behalten muss. Die Dialoge zwischen den beiden sind im zweiten Band noch pointierter und amüsanter. Hanikas Beschreibung einer zeitgenössischen bayerischen Dorfgemeinschaft ist böse und liebenswert zugleich. Da verzeiht man der Autorin sogar, dass sich erster und zweiter Band stellenweise stark ähneln. Den dritten hat sie fertig, ein vierter und fünfter sind in Planung. Sie alle sollen in dem Dorf spielen - und es tauchen noch mehr Leichen auf. Folglich geht es wohl weiter nach der Devise «Magst du einen, magst du alle».
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01.02. Junge Leser im Fokus der Leipziger Buchmesse
Leipzig (dpa) - Die Leipziger Buchmesse stellt junge Leser in den
Mittelpunkt: Rund 450 Veranstaltungen seien vom 15. bis 18. März für junge Leseratten geplant, teilte die Messe am Dienstag in Leipzig mit. Dazu zählen Lesungen an ungewöhnlichen Orten - etwa auf einer Probebühne der Leipziger Oper oder hinter den Kulissen eines Fußballstadions. Zahlreiche Kinder- und Jugendbuchautoren präsentieren ihre neuesten Werke. Unter dem Motto «Comics in Leipzig» soll die Messe auch wieder zum Szenetreffpunkt für Manga- und Fantasy-Freunde werden. 200 Buch- und Filmpräsentationen oder Signierstunden seien in diesem Bereich geplant.
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01.02. Kritikerin von Lovenberg in Friedenspreis-Jury berufen
Frankfurt/Main (dpa) - Die Redakteurin und Literaturkritikerin der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ), Felicitas von Lovenberg, entscheidet künftig mit darüber, wer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält. Die Journalistin (Jahrgang 1974) wurde in den Stiftungsrat des Friedenspreises berufen, der jährlich den Träger der Auszeichnung ermittelt. Das teilte der für die Personalentscheidung verantwortliche Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch in Frankfurt mit. Von Lovenberg, die selbst schon mehrere Preise erhielt, folgt der ehemaligen Kulturstaatsministerin Christina Weiss nach, die dem Gremium sechs Jahre lang angehörte.
Die aus dem westfälischen Münster stammende von Lovenberg schreibt seit 1998 als Redakteurin für das Feuilleton der FAZ und ist seit
2008 verantwortliche Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben. Außerdem moderiert sie im SWR-Fernsehen regelmäßig die Sendung «Literatur im Foyer». Sie erhielt unter anderem den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2003.
Vorschläge für den neuen Friedenspreisträger kann jeder noch bis zum 1. März einreichen. Der Stiftungsrat nimmt im April seine Beratungen auf, Mitte Juni wird der Preisträger bekanntgegeben.
Verliehen wird die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse - dieses Jahr am 14. Oktober.
2011 erhielt der algerische Schriftsteller Boualem Sansal die seit 1950 vergebene Auszeichnung.
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01.02. Asterix-Übersetzer hat mit dem Witz der Gallier zu kämpfen
Völklingen (dpa/lrs) - Die 34 Abenteuer von «Asterix & Obelix» wurden in mehr als 100 Sprachen übersetzt. In Deutschland hat der Comic um die beiden Gallier die höchsten Auflagen erzielt. Seit 2004 ist Klaus Jöken offizieller Übersetzer. Der 53-Jährige lebt seit 25 Jahren in Frankreich. Am Rande der Ausstellung «Asterix & Die Kelten» im saarländischen Völklingen referierte er über die Probleme bei der Übertragung der Comics ins Deutsche. Einen Witz zu übersetzen, sei manchmal harte Arbeit, sagt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa.
Wie wichtig ist eine adäquate Übersetzung?
Jöken: «1965 gab es die erste Version von Asterix in Deutschland. In der deutschen Übersetzung wurden die Gallier jedoch in Germanen umfunktioniert. Der Chef des Dorfes wurde Hein genannt und mit «Heil Hein» begrüßt. Der Comic wurde ganz im Sinne des Kalten Krieges umfunktioniert! Da sieht man, was eine Übersetzung anrichten kann.
Heute ist Asterix in Deutschland unglaublich beliebt.»
Was ist das Besondere an Asterix?
Jöken: «Das Besondere ist, dass er von allen gelesen wird, von Kindern, Erwachsenen, Menschen mit Hauptschulabschluss und Akademikern. Deshalb muss man von allem etwas hineinpacken! Ein achtjähriges Kind soll genauso seinen Spaß haben wie der Akademiker.»
Worin liegt die Schwierigkeit, Comic-Humor zu übersetzen?
Jöken: «Man darf die Bilder nie anrühren! Auch nicht die Sprechblasen. Die deutschen Wörter sind sehr lang, im Deutschen hat man etwa 15 Prozent mehr Text. Im Roman ist das egal, da hängt man einfach ein paar Seiten hintendran. Beim Comic muss man sich immer knapp halten.»
Wodurch zeichnet sich ein guter Übersetzer aus?
Jöken: «Dadurch, dass man ihn gar nicht bemerkt. Man darf einen Comic nicht übersetzen, sondern muss ihn adaptieren. Man muss immer
überlegen: Was würde man in dieser Situation im Deutschen sagen? Es geht darum, den Sinn wiederzugeben, den Witz. Durch Wortspiele werden manche Gags im Deutschen zwangsläufig flacher, dafür kann man andere noch spitzer und besser machen. Die Gags müssen lustig, aber auch im Stil von Asterix sein! Das heißt: Kein Sex, keine Politik, keine Anspielungen auf Religion, keine unflätigen Ausdrücke.»
Wie gehen Sie bei der Übersetzung vor?
Jöken: «Man muss den Text sehr aufmerksam lesen, Wort für Wort, und gut mit dem Humor vertraut sein. Wenn man den Stil kennt, wird man eher aufmerksam auf Wortwitze. Wenn ich übersetze, ziehe ich mich in mein Kämmerlein zurück und überlege. Manchmal ist es harte Arbeit, ich benutze viele Synonymwörterbücher, stelle Wortlisten zusammen und bastle herum, nur um einen Wortwitz zu übersetzen. Ich habe schon ganze Tage an einem Ausdruck gesessen. Man muss die französische Kultur sehr gut kennen, Werbeslogans, Kampagnen, Militärsprüche, Kinderlieder.»
Welche ist Ihre Lieblingsfigur aus den Comics?
Jörken: «Ich finde, Troubadix ist der Lustigste! Der ewige Künstler, der immer wieder scheitert und es immer wieder aufs Neue versucht.
Mein Lieblingsband ist "Die Odyssee".»
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