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News-Sonderthema: 

85. Geburtstag von Siegfried Lenz

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zum Geburtstag des Schriftstellers am 17. März
 

 
Unsere Beiträge:

Seine Botschaft ist Aussöhnung - Siegfried Lenz 85
Siegfried Lenz wird 85: «Man muss sein Leben rechtfertigen»
Bedeutende Werke von Siegfried Lenz
Bundespräsident ehrt Siegfried Lenz - Matinee
Geehrt wie ein Staatsautor - Roter Teppich für Siegfried Lenz
 

 
 

16.03. Seine Botschaft ist Aussöhnung - Siegfried Lenz 85

Hamburg (dpa) - Literarisch hat Siegfried Lenz immer wieder «fette Beute» gemacht. Zum 85. Geburtstag (am 17. März) gönnen sich der große Hamburger Nachkriegsschriftsteller («Deutschstunde», «Heimatmuseum») und seine Frau Ulla ein privates Essen in kleiner Runde. Vierländer Ente soll es geben, dazu ein Glas Wein. «Wir sind befreundet mit einigen Ärzten, großartigen Ärzten, die werden es erlauben und weggucken», sagt der seit Jahren gesundheitlich angeschlagene Ostpreuße mit dem für ihn typischen Humor.

Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, der deutschen Schuld - das ist Lenz ein Lebensthema geblieben, ebenso wie der Verlust der ostpreußischen Heimat, mit dem man sich als Folge des Krieges abzufinden habe. Aussöhnen, versöhnen lautet die Botschaft, die Lenz in seiner inzwischen 20-bändigen Werkausgabe sendet. Oft wird er mit den Nobelpreisträgern Heinrich Böll und Grass in einem Atemzug genannt. Neben der Versöhnung mit den Nachbarländern hat Lenz immer wieder Solidarität mit Israel gezeigt - etwa als der irakische Diktator Saddam Hussein Raketen auf den jüdischen Staat abschoss.

Dass Lenz inzwischen Schullektüre geworden ist - was ihn sehr freut -, hängt auch von den Werten ab, die er jedem Einzelnen in seinem Werk anbietet: Toleranz, die Fähigkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden und in Extremsituationen sich entsprechend zu bewähren. Der Literatur misst er eine begrenzte Bedeutung zu: Der Schriftsteller sei eine «Ein-Mann-Partei», er könne dem Leser nur Angebote machen.

Und die Leser haben seine literarischen Angebote intensiv genutzt. Sein Werk ist in 37 Ländern und 35 Sprachen erschienen. 30 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft von den bislang erschienenen 14 Romanen, zwei Novellen und 168 Erzählungen. Meistverkaufte Titel sind der Roman «Deutschstunde» (1968) und seit 2008 die Liebesnovelle «Schweigeminute», wie der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe mitteilte, dem Lenz seit seinen literarischen Anfängen treugeblieben ist.

Die Nazidiktatur hat die Jugend von Lenz geprägt. In Lyck (Masuren) aufgewachsen, kam er mit 17, nach dem Notabitur, zur Kriegsmarine. Anfangs begeistert, weckte das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 bei ihm Zweifel: «An diesem Tag stürzte ich aus einer Illusion.» Und auch das Elend und Sterben im Krieg verändert ihn: «Ich musste die Tode anerkennen, die Verzweiflung der Flüchtlingstrecks, die Schiffstragödien.» In den letzten Kriegswochen kam der Soldat Lenz nach Dänemark. Dort desertierte er nach einer Hinrichtung mit Kameraden und verbrachte mit Hilfe dänischer Bauern das Kriegsende in Wäldern.

Das nach Kriegsgefangenschaft in Hamburg begonnene Lehrerstudium brach Lenz 1948 ab, um Journalist zu werden. Nach kurzer Arbeit als Kulturredakteur der Zeitung «Die Welt» begann er 1951 als freier Schriftsteller in der Elbmetropole, seiner neuen Heimat. Ein zentrales Thema des Autors wurde die Auseinandersetzung mit dem Pflichtbegriff. Auch in seinem Welterfolg «Deutschstunde» (1968) geht es neben einem Vater-Sohn-Konflikt vor allem um die Folgen eines unkritischen Pflichtbewusstseins.

Konsequent versuchte der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels den Anspruch, verantwortungsvoll die Welt mitzugestalten, für sich umzusetzen. In Wählerinitiativen engagierte er sich in den 60er und 70er Jahren für die SPD, später kühlte das Verhältnis ab. Insbesondere die auf dem Versöhnungsgedanken basierende Ostpolitik Willy Brandts hatte der gebürtige Ostpreuße energisch unterstützt. Schriftstellerisch aufgearbeitet hat Lenz das Thema Heimatverlust in dem auch in Polen gelobten Roman «Heimatmuseum» (1978).

Neben «ernsten» Werken - seit 1951 entstanden 14 Romane, zahlreiche Erzählungen, Essays, Hörspiele und einige Theaterstücke - hat Lenz immer wieder Zeit für Humoristisches gefunden. Geschichten wie «So zärtlich war Suleyken» (1955) oder Anekdoten aus dem Dorf Bollerup «Im Geist der Mirabelle» machen den schelmischen, die Menschen genau treffenden Autor deutlich.

Im hohen Alter wagte sich der mit hohen literarischen Auszeichnungen geehrte Autor erstmals an eine Love-Story. Die Novelle «Schweigeminute» (2008) wurde ein inzwischen in viele Sprachen übersetzter Bestseller. Und auch die ein Jahr später erscheinende Novelle «Landesbühne» (2009), in der Lenz die Summe seiner existenzialistischen Lebensphilosophie in einer wundersamen Geschichte erzählerisch vermittelt, ist ein großer Erfolg.

Lenz blickt bereits über den Geburtstag hinaus. Am 12. Juni steht der erste Hochzeitstag mit Ulla bevor. Die Dänin war die beste Freundin seiner 2006 gestorbenen Frau Liselotte, mit der er 57 Jahre verheiratet war. Nach dem Tod half ihm Ulla, die Liebesnovelle «Schweigeminute zu vollenden - Lenz spricht von einer «Selbstrettung», weil er damals geglaubt hatte, die für jeden Autor notwendige Vorstellungskraft habe ihn verlassen. Nachdenklich, fast schüchtern ergänzt er auf Wunsch des Journalisten den Satzanfang «Mit 85 Jahren hat das Leben? «immer noch Hoffnung übrig»».

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17.03 Siegfried Lenz wird 85: «Man muss sein Leben rechtfertigen»

Hamburg (dpa) - Der Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz feiert am 17. März seinen 85. Geburtstag. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur zieht der große Autor der deutschen Nachkriegsliteratur («Deutschstunde», «Heimatmuseum») Bilanz: «Man muss sein Leben rechtfertigen.» Der einstige Seekadett im Zweiten Weltkrieg äußert sich auch zur Affäre um die «Gorch Forck», das Segelschulschiff hält er für «entbehrlich». Trotz Krankheit und Gebrechen erträgt der gebürtige Ostpreuße das Alter mit Humor: «Überstehen ist alles.» Lenz schreibt an einer Novelle. Lebensmut schenkt ihm seine zweite Frau Ulla, am 12. Juni steht ihr erster Hochzeitstag bevor. «Mit 85 Jahren hat das Leben immer noch Hoffnung übrig», sagt Lenz.

Sie können auf ein langes Leben und großes Werk zurückschauen. Gibt es ein Buch, in dem Sie sich selbst wiederfinden?

Lenz: «Ja, im Roman "Der Mann im Strom". Ein alter Taucher, von dem man glaubt, dass er für seinen Beruf nicht mehr taugt. Der sein Taucherbuch fälscht, sich jünger macht, um nochmal runterzugehen, und an seiner symbolischen Entsprechung arbeitet, am Wrack. Er, das Wrack, arbeitet nicht nur sinnbildlich, sondern konkret an einem Wrack. Das habe ich versucht herauszustellen. Überhaupt, man schreibt eigentlich nur von sich selbst. Fast jeder Schriftsteller - im Sinn einer Selbstversetzung.»

War auch Ihr großer Roman «Deutschstunde» über das Thema Schuld und Pflicht am Beispiel eines Malverbots in der NS-Zeit Ergebnis einer Selbstversetzung?

Lenz: «Durchaus. Es gab diese absurden Verbote, Malverbote, Schreibverbote. Ich habe mich damals als junger Schriftsteller gefragt, wie würdest Du reagieren, wenn Du plötzlich von offizieller Seite ein Schreibverbot hättest. Aber da ich das nicht als Schriftsteller tun wollte, sondern einen Maler mir vorstellte, habe ich die Geschichte eines Malverbots in Deutschland zu beschreiben versucht.»

Würden Sie den Pflichtbegriff in der «Deutschstunde» heute anders fassen?

Lenz: «Nein, ich würde ihn genauso definieren und genauso in der Praxis bewerten.»

Mit Pflicht, Gehorsam und Befehlsnotstand setzt sich auch Ihre Novelle «Ein Kriegsende» auseinander. Dies weckt Assoziationen zur Debatte über das Segelschulschiff «Gorch Fock», auf dem es Schikanen gegeben haben soll. Sie waren als junger Mann Seekadett auf dem Panzerkreuzer «Admiral Scheer». Wie sehen Sie die «Gorch Fock»-Affäre?

Lenz: «Schikanieren gehört prinzipiell nicht zu den Elementen einer militärischen Erziehung, stattdessen aber Überzeugen. Wer einen jungen Menschen überzeugen will, dass er sich im Ernstfall entsprechend verhalten muss, der sollte das zumindest versuchen, solange bis der, der überzeugt werden sollte, sagt "Nicht weiter, ich habe verstanden".»

Halten Sie ein Segelschulschiff heute noch für sinnvoll angesichts der späteren Arbeit von Marine-Offizieren auf High-Tech-Schiffen?

Lenz: «Die Marine beharrt auf Traditionen. Aber was lernt man?
Knoten, Tampen ... Beim Krieg heute fragt niemand mehr nach der Fähigkeit, Segel zu setzen. Wer in Traditionen verliebt ist, der soll das tun meinetwegen, ich halte es für entbehrlich. Um gegen die Piraterie an der afrikanischen Küste etwas zu unternehmen, würde niemand auf den Gedanken kommen, die "Gorch Fock" als Droherscheinung hinzuschicken.»

Ist es ein grundsätzlicher Fehler, Männer und Frauen gemeinsam auf einem Marineschiff zu haben?

Lenz: «Das ist eine Bekenntnisfrage. Ich glaube, dass es nicht gut ist, prinzipiell. Wofür trainiert und probt man? Für den Ernstfall. Allein die Vorstellung, dass junge Mädchen oder Frauen verwickelt werden in Kriegshandlungen, in Seeschlachten, finde ich unerträglich. Lasst die Frauen aus dem Spiel! Die haben genug zu leiden als Frauen.»

Sie haben immer wieder Extremsituationen beschrieben, waren selber kurz vor Kriegsende desertiert und hatten Ihr Leben riskiert. Sehen Sie in heutiger Zeit noch die Bereitschaft, eigenverantwortlich zu handeln?

Lenz: «Das betrifft den Einzelnen. Das kann man nicht als generelle Empfehlung aussprechen oder weitergeben. Wenn Soldaten in Afghanistan oder im Irak bereit sind, die Truppe zu verlassen, dann zeigt das doch, dass der Einzelne heute trotz aller Geborgenheit zwischen den Kameraden nicht einverstanden ist mit der offiziellen Politik. Eine Entscheidung dieser Art zu treffen, ist immer ein Problem des einzelnen Menschen.»

Welchen Stellenwert messen Sie dem Zufall bei im Leben?

Lenz: «Sicher, es gibt günstige Zufälle, es gibt miserable Zufälle, es gibt entsetzliche Zufälle. Klar, man wird auch durch Zufälle in seinem Lebensweg bestimmt oder begünstigt.»

Können Sie solche Zufälle nennen?

Lenz: «Glückszufälle, ja: Dass Ulla mir geholfen hat, mein Buch zu Ende zu schreiben in einem Augenblick, als ich glaubte, meine ganze Vorstellungskraft, die Imagination sei nicht mehr vorhanden. Das war ein Glückszufall ohnegleichen.»

...und miserable Zufälle?

Lenz: «Tod, Tod. Was ich im Krieg gesehen habe.»

Haben Sie Schuldgefühle, überlebt zu haben, und zugleich aus dem Tod der vielen anderen eine Verpflichtung empfunden, zu schreiben?

Lenz: «Das ist das Entscheidende. Sie haben selbst auf Ihre Frage geantwortet. Ich hänge der Überzeugung nach, dass man sein Leben rechtfertigen muss - wenn man schon die Möglichkeit hat, einigermaßen begünstigt zu leben. Begünstigt, damit meine ich zu essen zu haben, ein Dach über dem Kopf zu haben, das ist schon begünstigt - im relativen oder auch absoluten Vergleich zu vielen anderen Menschen. Das ist schon eine unglaubliche Begünstigung. Camus hat es auch gesagt: "Man muss sein Leben rechtfertigen." Das klingt sehr pathetisch. Aber in stiller Weise kann man dies versuchen.»

Und so schreiben Sie weiter?

Lenz: «Ja, zurzeit arbeite ich an einer Novelle mit dem Titel "Die Maske". Ich weiß nicht, wohin es führen wird. Die Maske hat viele mythologische Bedeutungen, aber auch Bedeutungen für den täglichen Umgang der Menschen. Ich versuche, das zu zeigen. Ich bin noch nicht fertig, und über unfertige Dinge sollte man nicht reden.»

In Ihrer jüngsten Novelle «Landesbühne» als Summe ihrer überwiegend skeptischen existenzialistischen Lebenssicht bleibt am Ende nur das kleine Glück von zwei Menschen, deren Vertrautheit als Ausblick. Bleibt der Partner, ist das alles?

Lenz: «Das ist ungeheuer viel! Ist das alles? Diese Frage lässt natürlich auch eine Antwort offen, nämlich die Antwort: Ist das nicht genug? Ist das nicht das Äußerste, was erreichbar ist? Zwei gegen die Welt, gegen die landläufige Erfahrung, die die Welt uns übrig lässt. Zwei, zwei gegen die Welt!»

Am 12. Juni vergangenen Jahres haben Sie wieder geheiratet. Hat Ihnen diese Hochzeit Kraft und Lebensmut gegeben?

Lenz: «Ja, aber bereits die Zeit vor der Hochzeit hat mir gegeben, was Sie als Kraft und Lebensmut bezeichnen. Wie Sie wissen, ist meine Frau Liselotte, mit der ich 57 Jahre verheiratet war, gestorben - die beste Freundin meiner jetzigen Frau Ulla. Und als ich spürte, dass ich Schwierigkeiten mit der Imagination hatte, um meine Novelle "Die Schweigeminute", an der mir sehr viel lag, fortsetzen zu können, hat Ulla - lange Jahre meine Nachbarin, die Familien waren auch sehr innig befreundet - mir geholfen, das weiterzumachen.»

Vor dem Hochzeitstag kommt noch der 85. Geburtstag am 17. März. Wie werden Sie feiern?

Lenz: «Wir werden an Rilkes Gedichtzeile denken, die lautet: "Überstehen ist alles".»

Sie nehmen das Alter mit Humor. Loki Schmidt sagte einmal sinngemäß, alt werden sei schön, alt zu sein doch all zu oft zu beschwerlich.
Sehen Sie das auch so?

Lenz: «Wir waren so viele Jahrzehnte befreundet, sehr eng befreundet mit Loki, so dass ich auch heute ihr nicht widersprechen möchte. Es trifft zu, ich würde heute sagen "Loki, Du hast Recht!"»

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17.03. Bedeutende Werke von Siegfried Lenz

- «So zärtlich war Suleyken» (1955): Liebeserklärungen an seine ostpreußische Heimat Masuren nannte Lenz die 20 Geschichten und Skizzen, in denen er raffiniert und witzig Begebenheiten aus dem erfundenen Dorf Suleyken erzählt. Die Holzarbeiter, Fischer, Bauern und Handwerker dort erleben viel Denkwürdiges.

- «Deutschstunde» (1968): Der erfolgreichste Roman des Autors handelt von einem falsch idealisierten Pflichtbegriff und seinen verheerenden Folgen. Er thematisiert das Verhältnis von Macht und Kunst am Beispiel des Malverbots für den Künstler Jansen - Vorbild war Emil Nolde. Zudem geht es um einen Vater-Sohn-Konflikt. Die Geschichte von Siggi Jepsen, der einen Aufsatz über «Die Freuden der Pflicht» schreiben muss, gilt international als gelungene literarische Aufarbeitung der jüngeren deutschen Vergangenheit.

- «Heimatmuseum» (1978): Auch in diesem Roman greift Lenz das Thema Vergangenheitsbewältigung auf. Anhand eines Klinikpatienten, der sein Leben überdenkt, führt er das Problem der deutschen Nachkriegsgesellschaft vor. Der Ich-Erzähler hat sein mühsam errichtetes masurisches Museum angezündet, um das Erbe seiner verlorenen Heimat vor Ideologisierung zu retten.

- «Ein Kriegsende» (1984): In der Erzählung geht es um den Konflikt zwischen Gehorsam und Verantwortung, Kriegsrecht und Menschlichkeit. Ein deutscher Minensucher verlässt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs einen dänischen Hafen mit dem Auftrag, Verwundete an Bord zu nehmen, und wird unterwegs von der Nachricht der Kapitulation überrascht. Der Kommandant will den Auftrag ausführen, die restliche Besatzung ist dagegen.

- «Schweigeminute» (2008): In der schmalen Novelle geht es um die Liebe zwischen einem 18-jährigen Gymnasiasten und seiner etwa 30 Jahre alten Englischlehrerin. Die berührende und tragische Geschichte über Glück und Trauer schaffte es auf Platz zwei der «Spiegel»- Bestsellerliste.

- «Landesbühne» (2009): Die Summe seiner existenzialistischen Lebenssicht konzentriert Lenz in dieser weisen Novelle. Eine Gruppe Strafgefangener bricht aus mit dem Bus der Landesbühne. In einem Ort irgendwo in Schleswig-Holstein spielen die fürs Ensemble gehaltenen Gefangenen selber Theater, feiern, leben auf. Das Buch ist eine Hommage an die Lebenssinn und Lebensfreude schenkende Kraft der Kultur, aber auch ein Bekenntnis zu menschlichen Werte wie Freundschaft.

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17.03. Bundespräsident ehrt Siegfried Lenz - Matinee

Hamburg (dpa) - Mit einer Rede ehrt Bundespräsident Christian Wulff den Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz zum 85. Geburtstag. Das Staatsoberhaupt spricht bei einer live im NDR Fernsehen übertragenen Matinee an diesem Sonntag (20.3., 1100 Uhr) - drei Tage nach dem Geburtstag des Autors. Lenz liest bei der Feier im Rolf-Liebermann-Studio des NDR in Hamburg zum ersten Mal aus seiner noch unveröffentlichten Novelle «Die Maske». Die Matinee steht unter dem Leitwort «Über die Phantasie und das Alter».

Seine langjährigen Freunde Altkanzler Helmut Schmidt und Literaturnobelpreisträger Günter Grass gehören zu den Gästen.
Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erweist dem Ehrenbürger der Hansestadt seine Reverenz. Auch die aus Lenz-Verfilmungen bekannten Schauspieler Axel Milberg und Jan Fedder bereichern die von Ulrich Wickert moderierte Feier, zu der NDR-Intendant Lutz Marmor und der Verleger Thomas Ganske eingeladen haben. Lenz ist seit seinen literarischen Anfängen dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe treugeblieben.

Zur Einstimmung auf die Matinee zeigt der NDR in dieser Woche erfolgreiche Lenz-Romanverfilmungen mit Jan Fedder. Am Geburtstag von Siegfried Lenz (17. März) sendet das NDR Fernsehen um 21.45 Uhr den Film «Der Mann im Strom». Die Dokumentation «Siegfried Lenz - Schriftsteller und Menschenfreund» wird am selben Abend um 23.15 Uhr ebenfalls im NDR Fernsehen ausgestrahlt.

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21.03. Geehrt wie ein Staatsautor - Roter Teppich für Siegfried Lenz

Wie ein Staatsautor im besten Sinne, aber auch als Weltliterat und liebenswerter Mensch wird Siegfried Lenz in Hamburg zum 85. Geburtstag gewürdigt. 400 Gäste kommen zur Hommage, an der Spitze Bundespräsident Wulff.

Hamburg (dpa) - Im Rollstuhl kam Siegfried Lenz, der große Autor der Nachkriegszeit («Deutschstunde»), am Sonntag zur Matinee zu seinen Ehren. Der seit langem gesundheitlich angeschlagene Hamburger war am 17. März 85 Jahre alt geworden. Der NDR und der Hoffmann und Campe Verlag, dem Lenz seit 60 Jahren die Treue hält, hatten geladen und am Eingang des Rolf-Liebermann-Studios den Roten Teppich ausgerollt - die Gäste aus Politik und Kultur hätten hochkarätiger nicht sein können.

Bundespräsident Christian Wulff feierte den Schriftsteller in seiner Festrede wie einen Staatsautor. «Siegfried Lenz hat das Bild unseres Landes positiv verändert, ein unschätzbares Verdienst, für das wir Ihnen sehr dankbar sind.» Gemeint war damit das frühe Engagement für die Ostpolitik Willy Brandts. Zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrages 1970, bei der SPD-Kanzler seinen Kniefall am Ehrenmal für die Opfer des Nationalsozialismus im ehemaligen Warschauer Ghetto machte, waren Lenz und sein Freund Günter Grass mitgereist. Sie hätten sich damals für die SPD engagiert aufgrund der eigenen historischen Erfahrungen, um für ihre politischen Hoffnungen viele Menschen zu gewinnen, wie Lenz am Sonntag sagte.

In der ersten Reihe im Rolf-Liebermann-Studio saß, ebenfalls im Rollstuhl, Helmut Schmidt. Ulrich Wickert moderierte humorvoll die fast zweistündige Matinee. Filmsequenzen aus Lenz-Verfilmungen wie «Das Feuerschiff», «Der Mann im Strom» und «Die Auflehnung» wurden eingespielt. Der Schauspieler Jan Fedder, in Kritiken als Idealbesetzung für mehrere Rollen gelobt, meinte lakonisch, warum er mit Lenz so gut könne: «Lenz ist für mich Literatur und Lenz ist für mich Norddeutschland - da haben sich zwei gefunden.»

Auch Lenz' neues, noch nicht fertiges Manuskript «Die Maske» spielt wieder im Norden, auf einer Insel. Lenz las zum ersten Mal öffentlich aus dem Werk - was ihm sichtlich Freude bereitete, ihn aber auch spürbar viel Kraft kostete. «Die Maske» habe natürlich auch eine metaphorische Bedeutung, sagte Lenz. Es gehe auch um die Rollen, die Menschen im Alltag spielen, hatte er kürzlich im dpa-Interview gesagt. Bereits die kleine Leseprobe bewies wieder die Lenz'sche Sprachkraft, die norddeutsche Landschaft und das Meer zu beschreiben.
Über einen Sturm heißt es: «Wie verausgabt, rollte die See an.» 128 Seiten werde der schmale Roman haben, verriet Hoffmann und Campe-Chef Günter Berg am Rande der Feier.

Nicht nur den Schriftsteller, den politischen engagierten Bürger wollten die rund 400 Gäste feiern, sondern auch den liebenswerten Menschen Siegfried Lenz. Wie ein roter Faden schimmerte durch Lesungen und Wortbeiträge die Hochschätzung durch. Der Verleger Thomas Ganske nannte Lenz «einen Virtuosen der Nachsicht».

Ulla Hahn erhob ihr Glas auf den «liebenswürdigsten und verehrungswürdigsten» Kollegen - nicht nur in Hamburg. Und Brigitte Kronauer dankte Lenz für fünf Wörter, die imaginär über ihrem Schreibtisch stünden. Er sei «nie in die Karriere desertiert», habe Lenz zum 75. Geburtstag des Autors Hans Erich Nossack (1901-1977) gesagt. Worte, die Kronauer jetzt über Lenz sagte.

Grass allerdings wollte Lenz vor allzu viel Harmonie «in Schutz nehmen». Politisch unbequem sei Lenz etwa gewesen in seiner Rede zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels, «die an Deutlichkeit nicht zu überbieten ist». Auch Wulff erinnerte an die Rede von 1988, in der Lenz vor einer Klimakatastrophe und der Möglichkeit der Selbstvernichtung der Menschheit gewarnt hatte.

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