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Christa Wolfs 80. Geburtstag

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zum Geburtstag der Schriftstellerin Christa Wolf
 

 
Unsere Beiträge:

Christa Wolf wird 80 - Staatsminister würdigt weltweite Verehrung
Die «östliche Zwillingsschwester» Bölls: Christa Wolf wird 80
Zitate zum 80. Geburtstag Christa Wolfs
Wowereit gratuliert Christa Wolf: «Berlin ist stolz auf Sie»
Platzeck würdigt und gratuliert Christa Wolf zum 80. Geburtstag
Hommage an Christa Wolf zum 80. Geburtstag - «Wanderung durch Texte»

 

 

18.03. Christa Wolf wird 80 - Staatsminister würdigt weltweite Verehrung

Berlin (dpa) - Die Schriftstellerin Christa Wolf feiert am heutigen Mittwoch (18. März) ihren 80. Geburtstag. Sie gilt nach Anna Seghers als die bekannteste und produktivste Autorin der einstigen DDR, die auch im wiedervereinigten Deutschland Anerkennung in Ost und West genießt. Zu den wichtigsten Werken der Georg-Büchner-Preisträgerin gehören die Romane und Erzählungen «Nachdenken über Christa T.», «Kindheitsmuster», «Kein Ort. Nirgends», «Kassandra» und «Medea». 2003 veröffentlichte sie Tagebuchauszüge von 1960 bis 2000. Ein neuer Roman soll laut Suhrkamp Verlag vermutlich im Frühjahr 2010 erscheinen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte ihre «künstlerische Meisterschaft hohen Ranges» und betonte, eine generationsübergreifende Leserschaft bewundere und verehre sie seit Jahrzehnten und weltweit. Sie habe sich auch «stets der politischen Realität gestellt, auch wenn schmerzhafte Verwundungen die Folge waren».

Zu ihrem Geburtstag wird Wolf am Freitag in Berlin mit einer Geburtstagsfeier in der Akademie der Künste und von Donnerstag an mit einer Filmretrospektive im Filmkunstkino Babylon am Rosa-Luxemburg- Platz geehrt (bis 30. März). Am 25. und 26. März gibt es im Radialsystem am Ostbahnhof ein «Geburtstagskonzert» der Gruppe Vocalsonsort mit Christa Wolf und ihrem Mann, dem Verleger Gerhard Wolf.

Wie kaum eine andere Schriftstellerin verkörpert Christa Wolf als einstige DDR-Autorin von Weltruf den Konflikt zwischen Geist und Macht. 1993 war bekanntgeworden, dass Wolf von 1959 bis 1962 von der Stasi zunächst als «Gesellschaftliche Mitarbeiterin» und dann als IM «Margarethe» geführt worden ist, was die Autorin nach eigenem Bekenntnis verdrängt hatte. Andererseits wurde bekannt, dass sie und ihre Familie seit Ende der 60er Jahre systematisch von der Stasi ausspioniert wurden. Wolf selbst erklärte einmal: «Ich verlasse mich darauf, dass die Leser in meine Bücher schauen und sehen, dass ich keine Staatsschriftstellerin war.»

Die «deutsche Zerrissenheit» fand in Wolf, die am 18. März 1929 im heute polnischen Landsberg/Warthe geboren wurde, ein literarisches Sprachrohr, nicht zuletzt in ihrer berühmten, von Konrad Wolf 1963/64 auch verfilmten Erzählung «Der geteilte Himmel». Noch in den letzten Tagen der zusammenbrechenden DDR unterschrieb sie zusammen mit anderen Künstlern den Aufruf «Für unser Land», ein verzweifelter Versuch, den eigenständigen Weg eines anderen Deutschlands weitergehen zu können. Wolf gehörte mit ihrem Mann Gerhard Wolf auch zu den Unterzeichnern der Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 aus der DDR.

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18.03. Die «östliche Zwillingsschwester» Bölls: Christa Wolf wird 80

Berlin (dpa) - Christa Wolf wird 80 und hat noch immer nicht den Literaturnobelpreis. Sagen die einen. Ihr literarisches Werk wird überschätzt, meinen die anderen. Wie dem auch sei - wie kaum eine andere Schriftstellerin verkörpert Christa Wolf, die am heutigen Mittwoch (18. März) ihren 80. Geburtstag feiert, als einstige DDR-Autorin von Weltruf den Konflikt zwischen Geist und Macht. Dafür hat die nach Anna Seghers wohl bekannteste und produktivste Schriftstellerin des «anderen Deutschland» lange Jahre mit beiden «Ehrentiteln» wie «moralische Instanz» und «Staatsdichterin» leben müssen, die Anhänger wie Gegner der DDR-Nationalpreisträgerin, die erst 1989 aus der SED ausgetreten ist, manchmal verliehen haben.

1993 war bekanntgeworden, dass Wolf von 1959 bis 1962 von der Stasi zunächst als «Gesellschaftliche Mitarbeiterin» und dann als IM «Margarethe» geführt worden ist, was die Autorin nach eigenem Bekenntnis verdrängt hatte. Dagegen steht, dass sie und ihre Familie seit Ende der 60er Jahre systematisch von der Stasi ausspioniert wurden.

«Ich verlasse mich darauf, dass die Leser in meine Bücher schauen und sehen, dass ich keine Staatsschriftstellerin war», sagte die Georg-Büchner-Preisträgerin dazu einmal. Zu ihren wichtigsten Werken gehören die Romane und Erzählungen «Nachdenken über Christa T.», «Kindheitsmuster», «Kein Ort. Nirgends», «Kassandra», «Medea. Stimmen» und «Der geteilte Himmel». 2003 veröffentlichte sie Tagebuchauszüge von 1960 bis 2000. Ein neuer Roman soll laut Suhrkamp Verlag vermutlich im Frühjahr 2010 erscheinen.

Wolf empfand es in den letzten Jahren der DDR zunehmend als Belastung, dass die Menschen in Ostdeutschland sie immer mehr als Galionsfigur für Zivilcourage und Widerstand in Anspruch nahmen und weniger als Literatin. Sogar als Staatspräsidentin einer «neuen DDR» war Christa Wolf im Gespräch. Sie sah sich wie ihre Kollegen Stefan Heym, Volker Braun, Heiner Müller und Christoph Hein, die ebenfalls auf der ersten freien Massendemonstration in Ost-Berlin am 4. November 1989 sprachen, einem gesellschaftlichen «Erlösungs-Erwartungsdruck» ausgesetzt, den sie weder erfüllen konnte noch wollte. «Was wollt ihr denn alle von mir? Soll ich ein Held sein, bloß weil ich Geschichten schreibe?», zitierte sie dazu Maxim Gorkis «Sommergäste».

Die «deutsche Zerrissenheit» fand in Wolf, die am 18. März 1929 im heute polnischen Landsberg/Warthe geboren wurde, ein literarisches Sprachrohr, nicht zuletzt in ihrer berühmten, von Konrad Wolf 1963/64 auch verfilmten Erzählung «Der geteilte Himmel». Noch in den letzten Tagen der zusammenbrechenden DDR hat sie zusammen mit anderen Künstlern den Aufruf «Für unser Land» unterschrieben, ein verzweifelter Versuch, den eigenständigen Weg eines anderen Deutschlands weitergehen zu können.

Wie findet ein Mensch zu sich selbst als Teil einer Gesellschaft und eines Landes, das man auch lieben möchte? «Nachdenken über Christa T.» heißt eines der bekanntesten Bücher Wolfs. Sie hat ein Schriftstellerleben lang darüber nachgedacht und gearbeitet, in der DDR und in der Bundesrepublik. Der 1985 gestorbene Nobelpreisträger Heinrich Böll, als dessen «östliche Zwillingsschwester» sie manchmal bezeichnet wurde, ist Wolf zu einer «provozierenden Instanz in Gewissensfragen» geworden. Dabei habe er selbst immer die Zumutung zurückgewiesen, erinnert sich die Autorin, «Gewissen der Nation» zu sein - was ja nur die Kehrseite des Bedürfnisses gewesen sei, ihn von Fall zu Fall zum Sündenbock der Nation zu machen. Wie Böll hat auch Wolf Vorbehalte gegen ihr Werk zu hören bekommen, es sei von «Gesinnungsästhetik» geprägt.

«Zu lange an die falschen Götter geglaubt!» war einer ihrer Selbstvorwürfe. Christa Wolf hat die DDR aber nie verlassen und hat es andererseits «nicht zugelassen, dass ihr Land sie verlässt». So meint jedenfalls Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz in einem Beitrag zur jüngsten «filmedition suhrkamp» (mit «Der geteilte Himmel», dem Film «Selbstversuch» nach einer Wolf-Erzählung mit Johanna Schall und einem Gespräch mit dem Ehepaar Wolf). Wolf hat für sich nie eine Alternative zur DDR gesehen und wurde doch immer heimatloser - «Kein Ort. Nirgends», wie ein Buchtitel von 1979, wenige Jahre nach der Biermann-Ausbürgerung, heißt.

«Ich habe dieses Land geliebt», schrieb Wolf einmal an ihren Kollegen Günter Grass. Sie meinte natürlich die Menschen und nicht den Machtapparat, der ihr vorschreiben wollte, was «positiv» und was «Glück» ist - für einen Schriftsteller per se eine völlig unkünstlerische Vorgabe, denn «angepasst kann man nicht schreiben, da fällt einem ja nichts ein», wie sie später sagen sollte.

Wolf gehörte mit ihrem Mann zu den Unterzeichnern der Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 aus der DDR. Danach hat sie ihr Land nicht mehr für reformierbar gehalten, um dann mit Michail Gorbatschow doch wieder neue Hoffnung zu schöpfen. Dabei hatte sie doch schon 1968 nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige CSSR in ihrem Tagebuch notiert: «Es rast auf ein ungutes Ende zu... Wenn man erst einmal mit solcher Wucht aus den Schienen gesprungen ist, kommt man nicht mehr rein.» Und 1983 hatte sie in ihrer berühmt gewordenen Erzählung «Kassandra» eine «Botschaft» versteckt, die die SED-Zensur nicht verstanden habe, wie Wolf später meinte, nämlich «dass Troja untergehen muss».

Kassandra ist ein Beispiel für die verknappte Formel «Frauen und Frieden», auf die man Wolfs literarisches Werk und gesellschaftliches Engagement bringen könnte. Die «weltgeschichtliche Niederlage der Frau» blieb ihr als Thema immer im Blick. Nach ihren acht Lebensjahrzehnten spricht Wolf von «diesem 21. Jahrhundert, in das ich wider Erwarten noch hineingeraten bin, ohne recht heimisch in ihm zu werden». Manchmal überkomme sie auch das Gefühl, meinte sie bei einer Suhrkamp-Veranstaltung in Berlin, «einer überholten, aussterbenden Art anzugehören, deren Erfahrungen nicht mehr gebraucht werden». Dabei könne sie aus drei Gesellschaftsordnungen Erinnerungen beisteuern, an «normales» Leben ebenso wie an Irrtümer, Konflikte, Zusammenbrüche, Verzweiflungen und Glücksmomente und «beharrliche Hoffnungen». Vor allem aber: «So wie es war, so soll es auch gewesen sein - wie sonst?»

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18.03. Zitate zum 80. Geburtstag Christa Wolfs


«Sie haben sich stets der politischen Realität gestellt, auch wenn schmerzhafte Verwundungen die Folge waren».
(Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seinem Glückwunschschreiben zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin Christa Wolf)

«Berlin ist stolz, eine so großartige und internationale bedeutende Autorin zu haben.»
(Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem Glückwunsch an Wolf)

«Sie, verehrte Frau Wolf, sind eine literarische und moralische Instanz!»
(Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck in seinem Glückwunsch).

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18.03. Wowereit gratuliert Christa Wolf: «Berlin ist stolz auf Sie»

Berlin (dpa/bb) - Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD) hat die Schriftstellerin Christa Wolf als «eine der prägenden Autorinnen Deutschlands» gewürdigt. In einem Glückwunschschreiben zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin nannte es Wowereit bemerkenswert, dass es Wolf stets gelungen sei, «außerordentlich anspruchsvolle Literatur zu verfassen und zugleich ein großes Publikum zu erreichen», und das im Osten und im Westen Deutschlands.

«Berlin ist stolz, eine so großartige und internationale bedeutende Autorin zu haben, mit deren Werk sich normale Leserinnen und Leser beschäftigen, aber auch die Wissenschaft weltweit», betonte das Stadtoberhaupt. «Dabei waren weder Sie noch Ihre literarische Arbeit jemals bequem. Bei aller Subjektivität Ihres literarischen Werks trafen Sie mit den von Ihnen aufgezeigten gesellschaftlichen Widersprüchen meist ins Schwarze. Westlich und östlich der Grenze wurde Ihre Arbeit durchaus als Widerstand und als Autonomiebehauptung der Literatur gegenüber den Auflagen der DDR-Kulturpolitik verstanden», meinte Wowereit und fügte hinzu: «Ohne sich selbst zu schonen, sind Sie aber auch eigenen Widersprüchen und Fehlern nachgegangen - auch das hat die Menschen in Deutschland beeindruckt.»

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18.03. Platzeck würdigt und gratuliert Christa Wolf zum 80. Geburtstag

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat die Schriftstellerin Christa Wolf anlässlich ihres 80. Geburtstages an diesem Mittwoch gewürdigt. «Sie, verehrte Frau Wolf, sind eine literarische und moralische Instanz!», heißt es nach Angaben der Staatskanzlei vom Dienstag in einem Glückwunschschreiben.

Wolf sei eine «deutsche Stimme, die in der Welt gehört» werde, ihre Romane und Essays seien stets ein Spiegel der Zeit. «Wie nur wenige verstanden Sie es, mit dem Finger auf schwärende Wunden zu deuten.» Wolf («Nachdenken über Christa T.») gilt nach Anna Seghers als die bekannteste und produktivste Autorin der DDR.

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18.03. Hommage an Christa Wolf zum 80. Geburtstag - «Wanderung durch Texte»

Klütz (dpa/mv) - Zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin Christa Wolf am 18. März ehrt das Literaturhaus «Uwe Johnson» im nordwestmecklenburgischen Klütz die Autorin mit einer «Wanderung durch ihre schönsten Texte». Wie das Haus am Dienstag mitteilte, nimmt die Berliner Autorin Monika Melchert die Zuhörer mit auf eine essayistische Entdeckungsreise durch Wolfs Werk («Kindheitsmuster», «Kassandra»). Die Hommage soll am 4. April stattfinden. Melchert hat über Christa Wolf und deren schweizerischen Schriftsteller-Kollegen Max Frisch promoviert. Sie ist Herausgeberin der Buchreihe «Spurensuche. Vergessene Autorinnen wiederentdeckt».

[Literaturhaus «Uwe Johnson»: Im Thurow 14, 23948 Klütz]

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