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News-Sonderthema: 

Der Deutsche Buchpreis 2011

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zur Preisvergabe
 

 
Unsere Beiträge:

Buchpreis zeigt Wirkung: Auflage vervierfacht

Eugen Ruge erhält für DDR-Roman den Deutschen Buchpreis
Ein Deutschlandroman: «In Zeiten des abnehmenden Lichts»
Ruge: Mein Roman ist keine Abrechnung mit der DDR


Das schwere Erbe der Herkunft - Letzte Runde beim Buchpreis
Die sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis
20 Romane für Deutschen Buchpreis nominiert
Der Deutsche Buchpreis
 

 
 

16.10. Buchpreis zeigt Wirkung: Auflage vervierfacht

Frankfurt/Main (dpa) - Der Deutsche Buchpreis hat sich für Autor und Verlag bereits ausgezahlt. Seit Bekanntgabe des Preises an Eugen Ruge für sein Buch «In Zeiten des abnehmenden Lichts» vor vier Tagen hat sich die verkaufte Auflage von 50 000 auf nunmehr 200 000 Stück vervierfacht, teilte der Rowohlt Verlag am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse mit. Der Titel rückte in der Focus-Bestsellerliste von Platz 18 auf Platz zwei vor.

Die fünfte und sechste Auflage sei bereits im Druck; die siebte in Vorbereitung, dann werden es 300 000 Exemplare sein. «Besonders für ein Debüt ein schöner Erfolg», sagte Verlagssprecherin Regina Steinicke.

Der stark autobiografisch geprägte Generationenroman ist zwischen Berlin, der Sowjetunion und Mexiko angesiedelt. Erzählt wird aus der Perspektive des an Krebs erkrankten Enkels «Sascha» Alexander, der die DDR kurz vor ihrem Ende verlässt. Ruge beschreibt die unterschiedlichen Schicksale seiner weitverzweigten Familie.
 

 

11.10. Eugen Ruge erhält für DDR-Roman den Deutschen Buchpreis

Erneut erhält ein in der DDR spielender Roman den Deutschen Buchpreis. Es ist das Debüt von Eugen Ruge, der darin seine Familiengeschichte verwoben hat.

Frankfurt/Main (dpa) - Für seine große DDR-Familiensaga «In Zeiten des abnehmenden Lichts» erhält Eugen Ruge den Deutschen Buchpreis 2011. Das teilte die Jury am Montagabend in Frankfurt am Vorabend der Buchmesse mit. In seinem Debütroman gelinge es dem 57-Jährigen, «die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen».

Zum zweiten Mal wurde damit ein Werk über die untergegangene DDR zur besten literarischen Neuerscheinung, zum Roman des Jahres gekürt.
Uwe Tellkamp hatte 2008 für seinen in Dresden vor der Wende angesiedelten Roman «Der Turm» die Auszeichnung erhalten.

Der stark autobiografisch geprägte Generationenroman ist zwischen Berlin, der Sowjetunion und Mexiko angesiedelt. Erzählt wird aus der Perspektive des an Krebs erkrankten Enkels «Sascha» Alexander, der die DDR kurz vor ihrem Ende verlässt. Mit geschickten Perspektivwechseln erzählt Ruge die unterschiedlichen Schicksale seiner weitverzweigten Familie - mit allen Hoffnungen und zerstörten Illusionen.

«Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen», heißt es in der Begründung der siebenköpfigen Jury weiter. «Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus.» Ruge setzte sich im Finale gegen fünf Mitkonkurrenten durch. Der Preis ist mit insgesamt 37 500 Euro dotiert, der Sieger erhält 25 000 Euro.

Ruge, studierter Mathematiker und in der DDR wissenschaftlicher Mitarbeiter, begann schon vor seiner Übersiedlung 1988 in den Westen mit Arbeiten als Dramatiker. Seit der Wende arbeitet er hauptberuflich für das Theater und für den Rundfunk als Autor und Übersetzer. Ruge, in Soswa (Ural) geboren, ist Sohn des bekannten DDR-Historikers Wolfgang Ruge. Der war als Kommunist vor den Nationalsozialisten geflohen und später von den Sowjets in den Nordural deportiert worden. Eugen Ruge lebt in Berlin und auf Rügen.

Ebenfalls nominiert waren Jan Brandt («Gegen die Welt»), Michael Buselmeier («Wunsiedel»), Angelika Klüssendorf («Das Mädchen») Sibylle Lewitscharoff («Blumenberg») und Marlene Streeruwitz («Die Schmerzmacherin»). Im vergangenen Jahr hatte die Schweizerin Melinda Nadj Abonji für ihren autobiografischen Roman «Tauben fliegen auf» gewonnen. Zuvor gewannen Autoren wie Kathrin Schmidt und Uwe Tellkamp.

Die Jury hatte in diesem Jahr so viele Titel zur Auswahl wie nie zuvor: Verlage hatten 198 Neuerscheinungen eingereicht. Mitte August wählten die Juroren zunächst 20 Romane für die Longlist aus, die dann einen Monat später auf sechs Titel reduziert worden war.
 

 

11.10. Ein Deutschlandroman: «In Zeiten des abnehmenden Lichts»

«In Zeiten des abnehmenden Lichts» ist Eugen Ruges Debütroman - und schon mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Buchpreis. Das Werk spielt zwischen 1952 und 2001 in Berlin, der Sowjetunion und Mexiko.

Berlin (dpa) - Hoffnungen, Träume und Niederlagen der jüngeren Vergangenheit gespiegelt als «Deutschlandroman» in der Geschichte einer Familie über mehrere Generationen. Das ist kein geringer literarischer Anspruch. Eugen Ruge hat ihn mit seinem Debütroman «In Zeiten des abnehmenden Lichts» in eindrucksvoller Weise eingelöst.
Für das damals noch unvollendete Manuskript war Ruge 2009 bereits mit dem von Günter Grass gestifteten Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet worden. Am Montagabend erhielt der 1954 im russischen Ural geborene Autor für seinen Roman sogar den renommierten Deutschen Buchpreis.
Ruge war 1988 aus der DDR in den Westen gegangen und hat sich bisher vor allem als Theater- und Hörfunkautor einen Namen gemacht.

Die zum leeren Ritual gewordene Geburtstagsfeier des Großvaters, eines kommunistischen Veterans, bildet den Rahmen für diese deutsche Familiensaga des 20. Jahrhunderts. Sie spielt zwischen Berlin, der Sowjetunion und Mexiko. Erzählt wird aus der Perspektive des an Krebs erkrankten Enkels «Sascha» Alexander, der die DDR kurz vor ihrem Ende verlässt. Großvater Wilhelm erhält indessen zu seinem 90. Geburtstag am 1. Oktober 1989 in der DDR noch den nächsten Orden. Bis zu seiner Demenzerkrankung liest er jeden Artikel im SED-Zentralorgan «Neues Deutschland».

Ruge erzählt vor allem von den menschlichen Schicksalen und Schwächen der weitverzweigten Familie mit ihren unterschiedlichen Lebensläufen, Hoffnungen und Illusionen. Er beschreibt ihre Kämpfe um ein bisschen Glück und schildert familiäre Zwistigkeiten vor dem Hintergrund der wechselvollen politischen Ereignisse von 1952 bis 2001.

Es geht auch um Richtungskämpfe und, wie es im Kapitel «1961» heißt, «um Reform oder Stillstand, Demokratisierung oder Rückkehr zum Stillstand». Der kommunistische Großvater hat da seine eigene Meinung angesichts der anhaltenden Flüchtlingswelle: «Dann muss man die Sektorengrenzen eben abriegeln!» 1961 wurde die Berliner Mauer gebaut. Auch die enttäuschten politischen Illusionen sind ein roter Faden im Leben der Menschen in diesem Roman. Der allerjüngste Spross, der 14-jährige Markus, will von Politik nichts mehr wissen.

Der Autor, Sohn des DDR-Historikers Wolfgang Ruge, entwirft dieses
Familien- und Geschichtspanorama tagebuchartig mit oft sarkastischen Untertönen und lakonischen Randbemerkungen. Er erzählt mal nüchtern und dann wieder fast liebevoll, ohne seine Figuren bloßzustellen.
Sein meist lockerer Tonfall macht das 425 Seiten dicke Werk leicht lesbar.

Es ist offensichtlich, dass Ruge wohl auch viel Selbsterlebtes mitverarbeitet hat, auch aus seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter in DDR-Instituten. Über ein neues Buch von Christa Wolf wird diskutiert und die Frage gestellt: «Worunter litt sie, wo sie doch alles hatte?» Da ist von Thüringer Klößen, Grünkohl, russischen Gerichten, der obligaten deutschen Weihnachtsgans und immer wieder Alkohol die Rede. Da entbrennt an einem Weihnachtsabend unversehens ein Grundsatzstreit über Sozialismus und Kapitalismus.

Vor allem aber geht es um die unterschiedlichen Wege der Familienmitglieder mit ihren so konträren Wesenszügen und Charakteren. Ruge erzählt spannend und ohne späte Besserwisserei. Ruges Debüt ist kein neuer Wende-Roman, kein «neuer Tellkamp», sondern ein bewegender Deutschlandroman voller Menschlichkeit. 

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11.10. Ruge: Mein Roman ist keine Abrechnung mit der DDR

Frankfurt/Halle (dpa) - Der Schriftsteller Eugen Ruge (57) will seinen preisgekrönten Roman «In Zeiten des abnehmenden Lichts» nicht als Abrechnung mit der DDR verstanden wissen. «Der Witz besteht ein bisschen darin, dass ich die Figuren alle selbst sprechen lasse», sagte er dem Hörfunksender MDR INFO am Dienstag. Es entstehe sozusagen eine multi-perspektivische Wahrheit, «die sich aus mehreren Sichten zusammensetzt und die der Autor nicht deutet.» Ruge hat für seine autobiografisch geprägte Familiensaga am Montagabend in Frankfurt am Vorabend der Eröffnung der Buchmesse den Deutschen Buchpreis für den besten Roman des Jahres erhalten.

Er rechne mit niemandem ab, er verteidige niemanden und er verurteile auch niemanden, sagte Ruge. Die DDR sei ihm vor ihrem Verschwinden grau und langweilig vorgekommen. «Als sie verschwunden war, fand ich diesen Stoff dann wieder interessant und habe gemerkt, dass unter den Figuren dort auch ganz bizarre und ungewöhnliche Menschen sind.»

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14.09. Das schwere Erbe der Herkunft - Letzte Runde beim Buchpreis

Sechs Autoren haben es auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. Die meisten der Romane sind autobiografisch inspiriert.
«Die Helden tragen schwer an Heimat und Herkunft», bilanziert die Jury.

Frankfurt/Main (dpa) - Erzählt wird von schweren Kindheiten, einschneidenden Jugenderlebnissen oder der eigenen Familie: Romane mit autobiografischen Zügen dominieren die Endauswahl für den Deutschen Buchpreis 2011. Auf der Shortlist mit den sechs Finalisten, die am Mittwoch in Frankfurt veröffentlicht wurde, stehen als Erstlingswerke Jan Brandts «Gegen die Welt» und Eugen Ruges «In Zeiten des abnehmenden Lichts». Daneben wurden die Romane «Wunsiedel» von Michael Buselmeier, «Das Mädchen» von Angelika Klüssendorf, «Blumenberg» von Sibylle Lewitscharoff und «Die Schmerzmacherin» von Marlene Streeruwitz für den mit 25 000 Euro dotierten Preis nominiert. Der Sieger wird am 10. Oktober - am Vorabend der Frankfurter Buchmesse - bekanntgegeben.

«Bundesrepublikanische Anti-Idyllen sind auf der Liste ebenso vertreten wie lakonische Gesellschaftsromane über die DDR», bilanzierte Jurysprecherin Maike Albath am Mittwoch in Frankfurt. «Die Helden tragen schwer an Heimat und Herkunft. Verwickelte Familienverhältnisse dienen oft als Fallbeispiele. Nicht nur die ostdeutsche Unterschicht und die Nomenklatura rücken dem Leser nahe, sondern auch das westdeutsche Studentenleben, die ostfriesische Provinz oder das globalisierte Ambiente einer Sicherheitsfirma.»

Jan Brandts fast 1000 Seiten dicker Erstlingsroman «Gegen die Welt» (DuMont) erzählt von einem Jugendlichen in den 70er Jahren in Ostfriesland, wo auch der Autor aufwuchs. In «Wunsiedel» (Das Wunderhorn) arbeitet Michael Buselmeier sein gescheitertes Engagement bei einem Theaterfestival in den 60er Jahren auf. Eugen Ruge berichtet in seinem ersten Roman «In Zeiten des abnehmenden Lichts» (Rowohlt) von drei Generationen seiner Familie in Ost und West.

Angelika Klüssendorf und Marlene Streeruwitz haben weibliche Hauptfiguren ersonnen, die Schlimmes erleiden müssen: «Das Mädchen» (Kiepenheuer & Witsch) beschreibt eine quälende Kindheit zwischen überforderten Eltern und Kinderheim, «Die Schmerzmacherin» (S. Fischer) die dunklen Machenschaften einer Geheimorganisation. In Sibylle Lewitscharoffs «Blumenberg» (Suhrkamp) geht es um den gleichnamigen Philosophen, seine Texte und seine Studenten.

Nicht auf die Shortlist geschafft haben es in diesem Jahr renommierte Autoren wie Wilhelm Genazino («Wenn wir Tiere wären»), Peter Kurzeck («Vorabend»), Alex Capus («Léon und Louise») und Navid Kermani, dessen Roman «Dein Name» mit 1200 Seiten der längste auf der Longlist war.

Der Deutsche Buchpreis gilt als die Literaturauszeichnung mit der größten Publikumsresonanz in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte ihn die Schweizerin Melinda Nadj Abonji für ihren autobiografischen Roman «Tauben fliegen auf» bekommen. Zuvor gewannen Kathrin Schmidt (2009, «Du stirbst nicht») und Uwe Tellkamp (2008, «Der Turm»). Die Auszeichnung wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Die siebenköpfige Jury hatte in diesem Jahr so viele Titel zur Auswahl wie nie zuvor: 198 Neuerscheinungen hatten Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht. Mitte August hatten die Juroren zunächst 20 Romane für die Longlist ausgewählt.

 

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14.09 Die sechs Finalisten für den Deutschen Buchpreis

Klagenfurt (dpa) - Langsam erfriert eine Figur im Schnee, und lange wehrt sie sich dagegen, ihren nahen Tod überhaupt wahrzunehmen.
Sie rettet sich in einen inneren Monolog über Gott und die Welt, reflektiert über Kaninchen und Hasen und ärgert sich über einen falsch angebrachten Reißverschluss in ihrer Jacke: Mit ihrem Text «Sie befinden sich hier» überzeugte die 36-jährige Wahl-Berlinerin Kathrin Passig am dritten Tag der Lesungen die Jury des Ingeborg- Bachmann-Preises nahezu restlos. Sie war es auch, die das Juroren- Gremium und das Publikum immer wieder zum Lachen reizte und damit am letzten Tag Temperament und Lockerheit in den Wettbewerb brachte.

«Er ist doch in ziemlich hohen Grade lebensfähig», konterte Jury- Vorsitzende Iris Radisch am Ende des Wettbewerbs jene Kritik, die das «Klagenfurter Wettlesen» von Beginn an begleiten. In der Tat fand die Jury in der 30. Runde des Klagenfurter Literatur-Wettbewerbs immer wieder zu Diskussionen, die über das bloße Verhandeln der vorliegenden Texte hinaus reichten.

Noch am ersten Tag löste der Österreicher Bodo Hell mit seiner virtuos vorgetragenen Collage aus verschiedenen Sprachwelten eine kurze Debatte über die Tradition der Avantgarde aus. Und am Ende sah sich Juror Burkhard Spinnen nach einem Beitrag, der heftige Verrisse erntete, genötigt, seine Kollegen zu ermahnen, die eigenen Kategorien und Überzeugungen - und damit auch die in Klagenfurt dominierenden Maßstäbe - auch einmal in Frage zu stellen.

Handwerklich zeigten sich die Kandidaten, die seit einigen Jahren bereits Publikationen vorweisen müssen, um überhaupt eingeladen zu werden, erneut als gekonnte, meist stilsichere und in ihrer literarischen Handschrift gefestigte Autoren. Inhaltlich dominierten Geschichten aus der unmittelbaren heutigen Wirklichkeit. Da war von den Veränderungen die Rede, die eine Geburt in eine Beziehung bringt, da sorgte eine Milieugeschichte aus dem Knast für Kontroversen in der Jury, da wurde die Grausamkeit provinziellen Alltags geschildert.

Immer wieder wurde im viel zitierten «30. Jahr» des Wettbewerbs dessen Sinnhaftigkeit in Frage gestellt - von «routinierter Langeweile» war die Rede, von eingefahrenen, längst bekannten Positionen in der Jury und davon, dass der «schönste Betriebsausflug des Literaturbetriebes» doch eher die Gesetze des Buchmarktes widerspiegle denn einen wesentlichen Beitrag zur Debatte über Gegenwartsliteratur leiste.

Doch am Ende erschien gerade die Auswahl der diesjährigen Preisträger die selbst zur Institution gewordene Kritik zu widerlegen. Mit Kathrin Passig wurde eine Gewinnerin gekürt, die mit Schwung und Selbstbewusstsein einen entschieden zeitgenössischen Ton anschlägt und dem Literaturbetrieb distanziert gegenüber steht.

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14.09. 20 Romane für Deutschen Buchpreis nominiert

Mit der Veröffentlichung der Longlist gibt es beim Deutschen Buchpreis eine erste Vorentscheidung. Die 20 Romane sollen die Bandbreite der deutschen Gegenwartsliteratur widerspiegeln.

Frankfurt/Main (dpa) - Aus fast 200 Neuerscheinungen hat eine Jury am Mittwoch 20 Romane für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert. Auf der Longlist stehen renommierte Autoren wie Wilhelm Genazino («Wenn wir Tiere wären»), Alex Capus («Léon und Louise») oder Sybille Lewitscharoff («Blumenberg»). Daneben sind aber auch unbekanntere und jüngere Schriftsteller zu finden. Die Jury habe sich bemüht, die große Bandbreite der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zu zeigen, erklärte Sprecherin Maike Albath in Frankfurt. In der ersten Auswahl sei es auch darum gegangen, «auf Abseitigeres zu achten und die Vielfalt der Stimmen und Erzählweisen abzubilden».

Der Deutsche Buchpreis, der seit 2005 den Roman des Jahres prämiert, hat sich zur Literaturauszeichnung mit der größten Publikumsresonanz entwickelt. Die siebenköpfige Jury wird die Liste am 14. September auf eine Shortlist von sechs Romanen reduzieren. Der Sieger der sechs Finalisten wird am 10. Oktober - am Vorabend der Frankfurter Buchmesse - bekanntgegeben. Der Gewinner erhält 25 000 Euro, die anderen jeweils 2500 Euro.

«Ob es um die Aufarbeitung der DDR, die deutsche Provinz, die Erkundung osteuropäischer Verhältnisse, Seefahrt, Philosophie, Liebesbeziehungen, politische Zuspitzungen in der Gegenwart oder psychische Ausnahmezustände geht, jedes Buch hat für seinen Stoff eine ganz eigene Form gefunden», sagte Jurysprecherin Albath. Die «Wirklichkeitsausschnitte» reichten von der Frankfurter Innenstadt bis nach Schweden und in den Iran.

Zu den namhaften Autoren auf der Longlist gehört auch Navid Kermani, der in seinem neuen 1200-Seiten-Roman «Dein Name» die Geschichte seiner aus dem Iran stammenden Familie beschreibt. Fast ebenso lang ist der Roman «Vorabend» von Peter Kurzeck, der mit seinen Werken als Chronist seiner mittelhessischen Heimat gilt.

Auf der Longlist vertreten sind auch die feministisch orientierte österreicherische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz («Die Schmerzmacherin») und die junge Autorin Antje Rávic Strubel («Sturz der Tage in die Nacht»). Sie war bereits 2007 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Insgesamt hat die Jury 198 Titel von Verlagen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich gesichtet - mehr als je zuvor. Im vergangenen Jahr gewann die Schweizerin Melinda Nadj Abonji den Deutschen Buchpreis für ihren autobiografischen Roman «Tauben fliegen auf». Die Auszeichnung wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben.  


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14.09. Der Deutsche Buchpreis

Frankfurt/Main (dpa) - Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt «den besten Roman in deutscher Sprache». Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird am 10. Oktober - am Vorabend der Frankfurter Buchmesse - bekanntgegeben. Der Gewinner erhält 25 000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro.

Preisträger der vergangenen Jahre waren Melinda Nadj Abonji (2010, «Tauben fliegen auf»), Kathrin Schmidt (2009, «Du stirbst nicht») und Uwe Tellkamp (2008, «Der Turm»). In diesem Jahr sitzen in der Jury:
Maike Albath (Deutschlandfunk), Gregor Dotzauer (Tagesspiegel), Ulrike Draesner (Autorin), Clemens-Peter Haase (Goethe-Institut), Ina Hartwig (freie Kritikern), Christine Westermann (WDR) und Uwe Wittstock (Focus).

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