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News-Sonderthema: 

Vergabe des Literaturnobelpreises 2011

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zur Preisvergabe 

 
Unsere Beiträge:

Streit um Nobelpreis-Zocker: «Vulgär»?

Literaturnobelpreis für den Schweden Tranströmer
Nobelpreisträger Tranströmer: Schwedens berühmtester Lyriker
Wichtige Werke von Tomas Tranströmer
Reich-Ranicki kennt Nobelpreisträger nicht
«Überraschend» und «überwältigend» - Nobelpreis für Tranströmer
Auszug eines Gedichts von Tomas Tranströmer

Nobelpreis-Bücher nicht immer Verkaufsschlager
Ein Dutzend Literaturnobelpreise für Frauen
Die Nobelpreisträger für Literatur seit 1901
Uralte Regeln: Vergabe des Literaturnobelpreises
Der Nobelpreis für Literatur
Die Nobelpreise
 

 
 
 

16.10. Streit um Nobelpreis-Zocker: «Vulgär»?

Wieso tippen verblüffend viele Zocker den Literaturnobelpreisträger richtig? Die Stockholmer Staatsanwaltschaft glaubt nicht mehr an das Versilbern von Insiderwissen. Den Zorn der Juroren auf die Arrangeure der «vulgären» Wetten hat das nicht besänftigt.

Kopenhagen/Stockholm (dpa) - Der Nobelpreis für die stillen Verse des Lyrikers Tomas Tranströmer wird begleitet von schrillen Tönen um vielleicht nicht ganz astreine Wetteinsätze von Insidern. Zwar hat die Stockholmer Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen eingestellt und glaubt nicht mehr, dass Eingeweihte ihr Wissen als Zocker versilbern wollten. Den Zorn des Jury-Sprechers Peter Englund gegen die Wettarrangeure und den ständig zunehmenden Zocker-Hype beim Literaturnobelpreis hat das aber nicht gemildert. Im Gegenteil.

Der 80-jährige Tranströmer, seit vielen Jahren einer der Dauer-Anwärter auf den begehrtesten Literaturpreis der Welt, war in den Stunden vor der Verkündung durch Englund an die Spitze der Liste des Wettbüros Ladbrokes gerückt. Genau wie in den Jahren zuvor mehrere Preisträger. Englund schrieb in seinem «Akademie-Blog», er sei sich ziemlich sicher, dass es in diesem Jahr kein «Leck» gegeben habe.

Auf die Frage, warum in den letzten Jahren immer wieder die jeweiligen Preisträger kurz vor der Bekanntgabe an die Spitze der Ladbrokes-Listen aufrückten, antwortete Englund der Nachrichtenagentur dpa: «Das muss man das Wettbüro fragen, das mit diesem Spiel um Geld zur Vulgarisierung der Debatte um den Preis und die Literatur beiträgt.»

Der Stockholmer Ladbrokes-Sprecher Andreas Fyrlund kontert: «Wir finden es schon ein bisschen komisch, dass wir in den letzten neun Jahren fünfmal mit dem Preisträger richtig lagen.» 2008 beim Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clézio waren die Einsatzsprünge zuletzt so drastisch, dass Ladbrokes die Wette sperrte.

Englund räumt ein, dass es da ein «Leck» gegeben haben muss: «Das war aber vor meiner Zeit als Sekretär, ich kenne die Details nicht.» Er verweist auf die von Ladbrokes gesetzte Maximumsgrenze von 15 000 Kronen (1650 Euro) Gewinn für einen Einsatz auf den Literaturnobelpreisträger. Weder Angestellte noch Jury-Mitglieder würden dafür wohl den Job oder ihren ansonsten lebenslangen Sitz in der Akademie einschließlich des «Ehrverlustes» riskieren.

Englund wirft Ladbrokes' PR-Abteilung vor, durch Gerüchte über «gewaltige Einsätze» und «Geheimkonten» spektakuläre Entwicklungen selbst zu provozieren. Tatsächlich erklärt Bürosprecher Fyrlund zur zeitweiligen Führung des US-Rockpoeten Bob Dylan, sie sei durch einige «strategisch platzierte Groß-Einsätze» zustande gekommen.

Kenner der Schwedischen Akademie und der literarischen «Geschmäcker» der maßgebenden Mitglieder sagen übereinstimmend, dass sie eine Vergabe an Dylan für ziemlich ausgeschlossen halten. Wohl auch eingedenk dieser Tatsache fragt der bei Kandidatennamen zu Verschwiegenheit verpflichtete Englund, wie denn Dylans «sensationelle Klettertour» auf Platz eins bei Ladbrokes zu erklären sei: «Niemand von uns weiß, was da wirklich passiert ist.» Bei Ladbrokes ist man erstmal zufrieden mit dem Reklamewert dieses Jahres. «Natürlich, den haben wir gern mitgenommen», sagt Fyrlund.
 

 

06.10. Literaturnobelpreis für den Schweden Tranströmer

Der Literaturnobelpreis 2011 geht an Tomas Tranströmer. Er ist ein alter Schwede, ein Lyriker - und längst nicht allen bekannt. «Tomas ist unglaublich froh, aber auch überwältigt», sagt seine Frau.

Stockholm (dpa) - Der schwedische Dichter Tomas Tranströmer erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Als die Sprach-Akademie den Namen des schwer kranken 80-Jährigen bekanntgab, brach Applaus in der Alten Börse von Stockholm aus. «Tranströmer ist einer der größten Poeten unserer Zeit», sagte Akademiesprecher Peter Englund am Donnerstag. In der Begründung der Akademie heißt es, der Lyriker bekomme den Preis, weil er «uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen weist».

Tranströmers Gesamtwerk besteht aus weniger als 100 Texten. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert und wird traditionell am 10. Dezember in Stockholm überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).

«Tomas ist unglaublich froh, aber auch überwältigt», sagte die Ehefrau des Preisträgers, Monica Bladh-Tranströmer, in einem Telefoninterview mit dem schwedischen TV-Sender SVT. Ihr Mann hat nach mehreren Schlaganfällen sein Sprachvermögen weitgehend verloren.
«Tomas sitzt jetzt in seinem Sessel und atmet erst mal durch.» Seit Beginn der schweren Behinderung arbeitet seine Frau mit ihm an seinen Werken.

Seine Gedichtbände sind in rund 50 Sprachen übersetzt. In Deutschland ist seine Lyrik sowie seine Autobiografie («Die Erinnerungen sehen mich») beim Hanser Verlag (München) erschienen.

«Es ist großartig, schlicht überwältigend», sagte Verlagssprecherin Christina Knecht in München. Sie sprach von einer «beglückenden Entscheidung». «Wir müssen sofort nachdrucken.»

Deutschlands bekanntester Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gab zu, dass er Tranströmer nicht kenne. «Ich habe keine Ahnung, wer der Lyriker ist», sagte der 91-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Der Sohn einer schwedischen Journalistenfamilie studierte in den 50er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte in seiner Geburtsstadt Stockholm. Seinem erlernten Beruf als Psychologe blieb Tranströmer bis zu einem schweren Schlaganfall vor etwa 20 Jahren treu.

Tranströmer ist seit 1901 der achte Schwede, dem der begehrteste Literaturpreis der Welt zuerkannt wurde. Insgesamt ist er der 108.
Preisträger. Wenige Stunden vor der Entscheidung stand er auch an erster Stelle beim britischen Wettbüro Ladbrokes.

Im vergangenen Jahr bekam der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa den Literaturnobelpreis. Letzte deutschsprachige Gewinner waren Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (2004) und Günter Grass (1999).

Seit 1901 ist die Auszeichnung fast jährlich vergeben worden - einige Male auch an zwei Autoren gleichzeitig.  

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06.10. Nobelpreisträger Tranströmer: Schwedens berühmtester Lyriker

Er ist ein Lyriker aus Schweden - und jetzt der Gewinner des
Literaturnobelpreises: Tomas Tranströmer. Der 80-Jährige kann nach mehreren Schlaganfällen kaum mehr sprechen. Von Krankheit gezeichnet, hat er weiter gedichtet.

Kopenhagen/Stockholm (dpa) - In Stockholm glaubten viele, dass die Nobelpreis-Jury dem schwerbehinderten und inzwischen 80 Jahre alten Tomas Tranströmer die Aufregung um den wichtigsten Literaturpreis der Welt ersparen wollte. Abgesehen davon war lange klar, dass Schwedens berühmtester Lyriker den Nobelpreis wie wenige verdient hat. Jetzt ist die Auszeichnung da - und bei der Bekanntgabe brandete Jubel auf.

Zum 80. Geburtstag am 15. April schenkte Schwedens Regierung Tranströmer einen Professorentitel. Sein Schriftstellerkollege Lars Gustafsson schrieb in «Dagens Nyheter»: «Er ist ein Mystiker, ein Dichter, der Null gesehen hat, den leeren Punkt im Zentrum, ohne den nichts ist.»

Schwedens größte Zeitung «Aftonbladet» nannte Tranströmer den «Poet, den alle lieben». «Wo andere hundert Worte machen würden und zehn genügten, da gibt uns Tranströmer ein einziges», meinte der Kritiker Heinrich Detering in der «FAZ», als Tranströmers sehr schmaler Gedichtband «Das große Rätsel» in deutscher Übersetzung im Hanser Verlag erschien.

Abgerungen hat sich der Schwede die Gedichte, die nach der Erkrankung entstanden sind, in einem mühsamen und komplizierten Prozess mit seiner Frau Monica Bladh-Tranströmer. Der leise Poet kann nach mehreren Schlaganfällen kaum mehr als «Ja» oder «Nein» sagen.
Trotzdem sind seitdem mehrere Gedichtbände erschienen, meist in der strengen minimalistischen japanischen Haiku-Form, sowie auch seine Autobiografie «Die Erinnerungen sehen mich».

Bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten wirkt Tranströmer stets froh mit dem Gesichtsausdruck eines Menschen, der mit sich im Reinen ist. Zum 80. Geburtstag ließ sich der scheue Dichter interviewen und auch fotografieren. Beim einhändigen Spiel am Flügel, bei Ausflügen im Rollstuhl und beim Training mit der Physiotherapeutin.

Im Interview begann Tranströmer, so gut er konnte, mit den Antworten, Ehefrau Monica vollendete. Der Reporterin von «Svenska Dagbladet» gefiel, wie sich das Paar verständigte: «Wenn er etwas zu sagen versucht, fängt sie das elegant auf und bringt den Gedanken zu Ende.» Während sie selbst spreche, suche die Ehefrau mit Blicken zu Tomas Vergewisserung, ob sie das Richtige sagt. «Der Ton zwischen beiden ist warm, frei und auch humorvoll.»

Nach seinem Debüt als Lyriker 1954 dauerte es fast drei Jahrzehnte, ehe die Kritik auch international auf Tranströmer aufmerksam wurde. Die ersten Berufserfahrungen sammelte er Mitte der 50er Jahre als Mitherausgeber einer Zeitschrift in Uppsala. Anfang der 60er Jahre arbeitete der studierte Psychologe und Literatur- sowie Religionswissenschaftler zunächst als Anstaltspsychologe für jugendliche Strafgefangene. Von 1966 bis zu seinem ersten Schlaganfall schrieb er Gedichte, halbtags war er als Berufsberater in verschiedenen Arbeitsämtern tätig.

Anfang der 70er Jahre wurde es im Gefolge der 68er-Bewegung deutlich ruhiger um Tranströmer, der politisch niemals in Erscheinung getreten ist. Erst in den 80er Jahren «entdeckten» Kritik und Publikum ihn neu. 1981 erhielt der Schwede den deutschen Petrarca- Preis, 1990 den Literaturpreis des Nordischen Rates und 1992 wiederum in Deutschland den Horst-Bienek-Preis.

In seinen vom Umfang her ebenfalls sehr knappen Erinnerungen heißt
es: «Mein Leben. Wenn ich dieses Wort denke, sehe ich einen Lichtstreifen vor mir. Bei näherer Betrachtung hat der Lichtstreifen die Form eines Kometen, mit Kopf und Schweif.» Der Kopf sei die Zeit des Heranwachsens, der Kern, sein dichtester Teil, die sehr frühe, entscheidend prägende Kindheit. «Weiter hinten verdünnt sich der Komet - das ist der längere Teil, die Zeit unseres Erwachsenenlebens.»

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06.10. Wichtige Werke von Tomas Tranströmer

Berlin (dpa) - Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer ist für seine konzentrierte und ausdrucksstarke Sprache bekannt. Zu den bedeutendsten Werken, die in Deutschland im Hanser Verlag erschienen sind, gehören:

- «Das große Rätsel», 2005: Die Gedichtsammlung umfasst einige sogenannte Haikus. Die Form stammt aus der japanischen Lyrik und gilt als sprachlich besonders anspruchsvoll.

- «Die Erinnerungen sehen mich», 1999: Mit 80 Seiten sind seine Memoiren äußert knapp. In konzentrierter, poetischer Form erzählt der Autor von wichtigen Erlebnissen. Seine Kindheit hat er demnach als prägend empfunden.

- «Sämtliche Gedichte», 1997: Das Werk versammelt Tranströmers Gedichte, die seit seinem Debüt als Lyriker 1954 bis zum Jahr 1996 veröffentlicht wurden. Mit seiner konzentrierten Ausdrucksweise erreicht er Kritikern zufolge eine besondere Tiefe.

- «Für Lebende und Tote», 1993: Der Hanser Verlag schreibt
dazu: «Sein Blick auf die Welt, auf die innere und die äußere, führt zu Beobachtungen, die beide miteinander versöhnen will. Diese Haltung umgibt seine Gedichte wie eine wärmende Hülle, die sich dem Leser vor allem Verstehen mitteilt».

- «Der wilde Marktplatz», 1985: Mit diesem Gedichtband beweise Tranströmer «die Fähigkeit, durch ein poetisches Verfahren die Wirklichkeit deutlicher zu machen», schreibt der Hanser Verlag.  

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06.10. Reich-Ranicki kennt Nobelpreisträger nicht

Frankfurt/Main (dpa) - Marcel Reich-Ranicki kann sich nicht erinnern, den Namen des Literaturnobelpreisträgers Tomas Tranströmer schon mal gehört zu haben. «Ich habe keine Ahnung, wer der Lyriker ist», sagte Deutschlands «Literaturpapst» am Donnerstag in einer ersten Reaktion der Nachrichtenagentur dpa. Auf die Frage, ob er Verständnis für die Vergabe des weltweit wichtigsten Literaturpreises an den 80-jährigen Schweden habe, meinte der 91 Jahre alte Reich-Ranicki: «Ich glaube nicht.» Reich-Ranickis langjähriger Wunschkandidat für den Nobelpreis, der US-Autor Philip Roth, ging auch dieses Mal wieder leer aus.

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06.10. Nobelpreis-Bücher nicht immer Verkaufsschlager

Frankfurt/Main (dpa) - Literaturnobelpreisträger verkaufen sich nicht zwangsläufig gut. Lyriker oder Autoren aus fremden Sprach- und Kulturkreisen hätten manchmal nur eine geringe öffentliche Wirkung, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, der Nachrichtenagentur dpa. «Wenn aber ein Romancier diesen Preis bekommt, der hochgesellschaftlich relevante Romane schreibt, ist es etwas anderes.» Verkaufsschlager würden Bücher, in denen die Protagonisten den Leser interessierten.

Der Literaturnobelpreis 2011 wird am Donnerstag (6. Oktober) gegen
13 Uhr in Stockholm bekanntgegeben. Er ist mit etwa 1,1 Million Euro (10 Millionen schwedische Kronen) dotiert. Im vergangenen Jahr ging die begehrteste Literaturauszeichnung der Welt an Mario Vargas Llosa.

Nicht nur bei dem peruanischen Schriftsteller 2010 war das Echo
groß: Auch die Nachfrage nach Büchern von Orhan Pamuk etwa stieg im Herbst 2006 sprunghaft an. Von seinem Roman «Schnee», der bereits 80 000 mal über den Ladentisch gegangen war, wurden 40 000 weitere Hardcover-Exemplare gedruckt. Die Taschenbücher des türkischen Autors wurden in den Tagen nach der Zuerkennung mehrere zehntausend mal bestellt.

Auch Übersetzer sind dann oft gefragt: Kurz nach Bekanntgabe des Nobelpreises an die Deutsche Herta Müller im Jahr 2009 wurden zwei weitere ihrer Werke ins Englische übersetzt. Zuvor waren in den USA nur fünf ihrer rund zwei Dutzend Bücher erhältlich.


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07.10. «Überraschend» und «überwältigend» - Nobelpreis für Tranströmer

Der schwedische Dichter Tomas Tranströmer war seit langem einer der Favoriten für den Literaturnobelpreis. Nun hat er ihn bekommen - und manche sind überrascht.

Berlin (dpa) - Der Literaturnobelpreis für den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer hat überraschte und positive Reaktionen ausgelöst. «Es ist großartig, schlicht überwältigend», sagte Christina Knecht, Sprecherin des Hanser Verlags. Ihr Unternehmen bringt die Werke des Autors in Deutschland heraus. «Wir müssen sofort nachdrucken.»

Michael Krüger, Geschäftsführer bei dem Verlag aus München, würdigte Tranströmer als «Meister der Langsamkeit», er gehöre zu «den Meistern der Stille».

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki dagegen meinte am Donnerstag: «Ich habe keine Ahnung, wer der Lyriker ist.» Auf die Frage, ob er Verständnis für die Vergabe des weltweit wichtigsten Literaturpreises an den 80-jährigen Schweden habe, sagte der 91 Jahre alte Reich-Ranicki: «Ich glaube nicht.» Reich-Ranickis langjähriger Wunschkandidat für den Nobelpreis, der US-Autor Philip Roth, ging auch dieses Mal leer aus.

Der Literaturwissenschaftler und Skandinavien-Experte Heinrich Detering, Professor an der Universität Göttingen, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Das ist eine ganz großartige Entscheidung der Schwedischen Akademie. Er ist einer der verdientesten Preisträger in der Geschichte.»

Der schwedische Verleger, Peter Luthersson, sagte am Donnerstag:
«Es galt hier in Stockholm als völlig klar, dass der Preis nie an einen heimischen Autor gehen würde. Das hat nichts damit zu tun, dass Tranströmer ein unglaublich guter Poet ist.» Luthersson nannte die Vergabe «total überraschend».

Monica Bladh-Tranströmer, Ehefrau des Gewinners, sprach von einer «Riesenüberraschung». In einem Telefoninterview mit dem TV-Sender SVT sagte sie für ihren Mann, der nach Schlaganfällen kaum sprechen kann:
«Tomas ist unglaublich froh, aber auch überwältigt.»

Er sei auch «unglaublich überrascht» und habe mit dem Nobelpreis schon seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr gerechnet: «Wir dachten, dass es eigentlich viel zu kompliziert mit der Vergabe an einen schwedischen Autoren sein würde.» Bladh-Tranströmer arbeitet zusammen mit ihrem Mann an Gedichten, seitdem der Lyriker schwerbehindert ist. Sie beantwortet auch Interviewfragen für ihn. «Tomas sitzt jetzt in seinem Sessel und atmet erst mal durch», sagte sie weiter.

Der österreichische Schriftsteller Raoul Schrott meinte, die Auszeichnung eines Lyrikers sei «ein Zeichen dafür, dass die Poesie als Gattung immer noch Zentrales zu sagen hat». Er bewundere Tranströmer als «genauen Beobachter» und «Humanisten», übermittelte Schrott der Nachrichtenagentur dpa per E-Mail.

Weiter schrieb er: «Ich kenne ihn als sehr feinen, stillen Herren, der wunderbar Klavier spielt - und es nach einem Schlaganfall geschafft hat, Sprache wiederzugewinnen, und dabei auch einen neuen Tonfall für seine Gedichte.»  

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07.10. Auszug eines Gedichts von Tomas Tranströmer

Berlin (dpa) - Ein Auszug aus dem Gedicht «Schubertiana», das zu dem Werk «Sämtliche Gedichte» gehört. Das Buch ist 1997 im Hanser Verlag (München) erschienen.

Schubertiana (Auszug)
I
Im Abenddunkel auf einem Platz außerhalb von New York, ein
Aussichtspunkt, von dem aus man mit einem einzigen Blick die
Wohnungen von acht Millionen Menschen umfassen kann.
Die Riesenstadt in der Ferne dort ist eine lange glitzernde Wehe, ein
seitlich gesehener Spiralnebel.
Drinnen im Spiralnebel werden Kaffeetassen über die Theke
geschoben, die Schaufenster betteln die Vorbeigehenden an,
ein Gewimmel von Schuhen, die keinerlei Spuren hinterlassen.
Die kletternden Feuerleitern, die Fahrstuhltüren, die
zusammengeleiten, hinter Türen mit Sicherheitsschlössern ein
ständiger Stimmenschwall.
Zusammengesunkene Leiber dösen in den Wagen der
Untergrundbahn, den vorwärts rasenden Katakomben.
Ich weiß auch - ohne jede Statistik -, daß jetzt in irgendeinem
Zimmer in der Ferne dort Schubert gespielt wird und daß für
jemanden diese Töne wirklicher sind als all das andere.

(aus: Tomas Tranströmer. Sämtliche Gedichte. Aus dem Schwedischen von Hanns Grössel, Edition Akzente, München 1997, Carl Hanser Verlag)  


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05.10. Ein Dutzend Literaturnobelpreise für Frauen

Stockholm/Berlin (dpa) - Der Literaturnobelpreis ist bisher zwölfmal an eine Frau vergeben worden. Die erste Preisträgerin war 1909 die Schwedin Selma Lagerlöf. Die bisherigen Preisträgerinnen:

2009: Herta Müller (Deutschland, geb. 1953) - für eine Schriftstellerin, «die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet». Das Werk der in Rumänien aufgewachsenen Autorin, darunter der Roman «Atemschaukel», verarbeitet schmerzhafte Erfahrungen unter der Ceausescu-Diktatur.

2007: Doris Lessing (Großbritannien, geb. 1919) - für die «Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat». Der feministische Roman «Das goldene Notizbuch» gilt als ihr Hauptwerk.

2004: Elfriede Jelinek (Österreich, geb. 1946) - «für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen» und ihre «sprachliche Leidenschaft» als «erbarmungslose Moralistin». Ihr als pornografisch kritisierter Roman «Lust» wurde zu einem umstrittenen Bestseller.

1996: Wislawa Szymborska (Polen, geb. 1923) - für eine Poesie, «die mit ironischer Präzision den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten lässt». Die Lyrikerin veröffentlichte seit ihrer 1945 begonnenen literarischen Laufbahn insgesamt 16 Gedichtbände.

1993: Toni Morrison (USA, geb. 1931) - für ihre durch «visionäre Kraft und poetische Prägnanz» geprägte Romankunst, in der eine «wesentliche Seite der amerikanischen Wirklichkeit verlebendigt» worden sei. Die aus einer schwarzen Arbeiterfamilie stammende Autorin und Hochschullehrerin hat sich mit der Rassenproblematik und den gestörten menschlichen Beziehungen in schwarzen Familien befasst.

1991: Nadine Gordimer (Südafrika, geb. 1923) für «ihre großartige epische Dichtung», in der sie «mit einem intensiven Gefühl der Gegenwärtigkeit die äußerst komplizierten persönlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Umwelt» behandelt und die Apartheid angreift. Das Werk der Tochter jüdischer Einwanderer aus England und Litauen ist geprägt von der Vision eines gleichberechtigten Zusammenlebens von Schwarz und Weiß.

1966: Nelly Sachs (Schweden, 1891-1970) - «für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren». Die deutschstämmige Jüdin hat in ihren Gedichtbänden «In den Wohnungen des Todes» und «Sternenverdunkelung» das Grauen des Holocaust in Worte gegossen.

1945: Gabriela Mistral (Chile, 1889-1957) - «für die von mächtigen Gefühlen inspirierte Lyrik, die ihren Dichternamen zu einem Symbol für die ideellen Bestrebungen der ganzen lateinamerikanischen Welt gemacht hat». Vor allem mit ihren Liebesgedichten («Wenn Du mich anblickst, werd' ich schöner») wurde Mistral bekannt.

1938: Pearl S. Buck (USA, 1892-1973) - «für ihre reichen und echten epischen Schilderungen aus dem chinesischen Bauernleben und für ihre biografischen Meisterwerke». Als das Hauptwerk der in China geborenen Missionarstochter gilt der Roman «Die gute Erde».

1928: Sigrid Undset (Norwegen, 1882-1949) - «vornehmlich für ihre kraftvollen Schilderungen aus dem mittelalterlichen Leben des (skandinavischen) Nordens». Ihre Romantrilogie «Kristin Lavranstochter» ist ein Hauptwerk der norwegischen Literatur.

1926: Grazia Deledda (Italien, 1871-1936) - «für ihre von hohem Idealismus getragene Autorenschaft, die mit Anschaulichkeit und Klarheit das Leben ihrer väterlichen Herkunft schildert und allgemein menschliche Probleme mit Tiefe und Wärme behandelt». Im Mittelpunkt ihrer Romane stehen die Menschen ihrer Heimat Sardinien.

1909: Selma Lagerlöf (Schweden, 1858-1940) - «auf Grund des edlen Idealismus, des Fantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen». In ihren Werken wie «Gösta Berling» oder «Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen» zeigte sich Lagerlöf stets heimatverbunden.  

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05.10. Die Nobelpreisträger für Literatur seit 1901

Stockholm/Berlin (dpa) - Der Nobelpreis für Literatur wird seit
1901 fast jährlich vergeben. Zwei Autoren lehnten ihn ab. 1958 musste der sowjetische Autor Boris Pasternak den Preis auf Druck seiner Regierung zurückweisen. Der Franzose Jean-Paul Sartre weigerte sich 1964, die Auszeichnung anzunehmen. Viermal teilten sich zwei Autoren den Literaturnobelpreis: 1904, 1917, 1966 und 1974. Die Preisträger mit einem ihrer Werke:

2010: Mario Vargas Llosa (Peru), «Tod in den Anden»
2009: Herta Müller (Deutschland), «Atemschaukel»
2008: J.M.G. Le Clézio (Frankreich), «Der Afrikaner»
2007: Doris Lessing (Großbritannien), «Das goldene Notizbuch»
2006: Orhan Pamuk (Türkei), «Schnee»
2005: Harold Pinter (Großbritannien), «Der Hausmeister»
2004: Elfriede Jelinek (Österreich), «Die Klavierspielerin»
2003: John M. Coetzee (Südafrika), «Schande»
2002: Imre Kertész (Ungarn), «Roman eines Schicksallosen»
2001: V.S. Naipaul (Großbritannien), «Ein Haus für Mr. Biswas»
2000: Gao Xingjian (Frankreich - geb. in China), «Der Berg der Seele»
1999: Günter Grass (Deutschland), «Die Blechtrommel»
1998: José Saramago (Portugal), «Die Stadt der Blinden»
1997: Dario Fo (Italien), «Offene Zweierbeziehung»
1996: Wislawa Szymborska (Polen), «Salz»
1995: Seamus Heaney (Irland), «Wintering Out»
1994: Kenzaburo Oe (Japan), «Der stumme Schrei»
1993: Toni Morrison (USA), «Teerbaby»
1992: Derek Walcott (Trinidad und Tobago), «Omeros»
1991: Nadine Gordimer (Südafrika), «Burgers Tochter»
1990: Octavio Paz (Mexiko), «Der Sonnenstein»
1989: Camilo José Cela (Spanien), «San Camilo»
1988: Nagib Mahfus (Ägypten), «Die Midaq-Gasse»
1987: Joseph Brodsky (USA), «Römische Elegien»
1986: Wole Soyinka (Nigeria), «Der Mann ist tot»
1985: Claude Simon (Frankreich), «Der Wind»
1984: Jaroslav Seifert (Tschechoslowakei), «Die Pestsäule»
1983: William G. Golding (Großbritannien), «Herr der Fliegen»
1982: Gabriel García Márquez (Kolumbien), «Hundert Jahre Einsamkeit»
1981: Elias Canetti (Großbritannien), «Die Blendung»
1980: Czeslaw Milosz (Polen/USA), «Lied vom Weltende»
1979: Odysseas Elytis (Griechenland), «To Axiom Esti. Gepriesen sei»
1978: Isaac B. Singer (USA), «Feinde, die Geschichte einer Liebe»
1977: Vicente Aleixandre (Spanien), «Die Zerstörung oder die Liebe»
1976: Saul Bellow (USA), «Herzog»
1975: Eugenio Montale (Italien), «Glorie des Mittags»
1974: Eyvind Johnson (Schweden), «Krilon-Trilogie»
Harry Martinson (Schweden), «Aniara»
1973: Patrick White (Australien), «Voss»
1972: Heinrich Böll (Deutschland), «Ansichten eines Clowns»
1971: Pablo Neruda (Chile), «Der große Gesang»
1970: Alexander Solschenizyn (UdSSR), «Der Archipel Gulag»
1969: Samuel Beckett (Irland), «Warten auf Godot»
1968: Jasunari Kawabata (Japan), «Schneeland»
1967: Miguel Angel Asturias (Guatemala), «Legenden aus Guatemala»
1966: Samuel Josef Agnon (Israel), «Gestern, Vorgestern»
Nelly Sachs (Schweden), «In den Wohnungen des Todes»
1965: Michail Scholochow (UdSSR), «Der stille Don»
1964: Jean-Paul Sartre (Frankreich), «Der Ekel»
1963: Giorgos Seferis (Griechenland), «Mythische Geschichte»
1962: John Steinbeck (USA), «Früchte des Zorns»
1961: Ivo Andric (Jugoslawien), «Die Brücke über die Drina»
1960: Saint-John Perse (Frankreich), «Anabasis»
1959: Salvatore Quasimodo (Italien), «Das Leben ist kein Traum»
1958: Boris Pasternak (UdSSR), «Doktor Schiwago»
1957: Albert Camus (Frankreich), «Der Fremde»
1956: Juan Ramón Jiménez (Spanien), «Platero und ich»
1955: Halldór Kiljan Laxness (Island), «Islandglocke»
1954: Ernest Hemingway (USA), «Der alte Mann und das Meer»
1953: Winston Churchill (Großbritannien), «Die Weltkrise 1911-1918»
1952: François Mauriac (Frankreich), «Die Tat der Therese
Desqueyroux»
1951: Pär Lagerkvist (Schweden), «Der Henker»
1950: Bertrand Russell (Großbritannien), «Ehe und Moral»
1949: William Faulkner (USA), «Schall und Wahn»
1948: Thomas Stearns Eliot (Großbritannien), «Vier Quartette»
1947: André Gide (Frankreich), «Stirb und werde»
1946: Hermann Hesse (Schweiz), «Das Glasperlenspiel»
1945: Gabriela Mistral (Chile), «Spürst du meine Zärtlichkeit?»
1944: Johannes Vilhelm Jensen (Dänemark), «Die lange Reise»
1939: Frans Eemil Sillanpää (Finnland), «Das fromme Elend»
1938: Pearl S. Buck (USA), «Die gute Erde»
1937: Roger Martin du Gard (Frankreich), «Die Thibaults»
1936: Eugene O'Neill (USA), «Trauer muss Elektra tragen»
1934: Luigi Pirandello (Italien), «Sechs Personen suchen einen Autor»
1933: Iwan Bunin (geb. in Russland, später staatenlos,Sitz in Frankreich), «Das Dorf»
1932: John Galsworthy (Großbritannien), «Die Forsyte Saga»
1931: Erik Axel Karlfeldt (Schweden), «Fridolins Lieder»
1930: Sinclair Lewis (USA), «Babbitt»
1929: Thomas Mann (Deutschland), «Die Buddenbrooks»
1928: Sigrid Undset (Norwegen), «Kristin Lavranstochter»
1927: Henri Bergson (Frankreich), «Das Lachen»
1926: Grazia Deledda (Italien), «Asche»
1925: George Bernard Shaw (Großbritannien), «Pygmalion»
1924: Wladyslaw Stanislaw Reymont (Polen), «Die Bauern»
1923: William Butler Yeats (Irland), «Gräfin Cathleen»
1922: Jacinto Benavente (Spanien), «Die frohe Stadt des Leichtsinns»
1921: Anatole France (Frankreich), «Das Leben der heiligen Johanna»
1920: Knut Hamsun (Norwegen), «Segen der Erde»
1919: Carl Spitteler (Schweiz), «Olympischer Frühling»
1917: Karl Adolph Gjellerup (Dänemark), «Minna»
Henrik Pontoppidan (Dänemark), «Hans im Glück»
1916: Verner von Heidenstam (Schweden), «Karolinerna»
1915: Romain Rolland (Frankreich), «Johann Christof»
1913: Rabindranath Tagore (Indien), «Das Postamt»
1912: Gerhart Hauptmann (Deutschland), «Die Weber»
1911: Maurice Maeterlinck (Belgien), «Prinzessin Maleine»
1910: Paul Heyse (Deutschland), «Novellen»
1909: Selma Lagerlöf (Schweden), «Gösta Berling»
1908: Rudolf Eucken (Deutschland), «Mensch und Welt»
1907: Rudyard Kipling (Großbritannien), «Das Dschungelbuch»
1906: Giosuè Carducci (Italien), «Odi Barbare»
1905: Henryk Sienkiewicz (Polen), «Quo vadis?»
1904: Frédéric Mistral (Frankreich), «Mireio»
José Echegaray (Spanien), «Wahnsinn oder Heiligkeit»
1903: Bjørnstjerne Bjørnson (Norwegen), «Über die Kraft»
1902: Theodor Mommsen (Deutschland), «Römische Geschichte»
1901: Sully Prudhomme (Frankreich), «Gedichte»

 

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05.10 Uralte Regeln: Vergabe des Literaturnobelpreises

Berlin (dpa) - Der Nobelpreis für Literatur wird seit 1901 von der Schwedischen Akademie vergeben. Die Auswahl der Preisträger läuft jedes Jahr streng nach Tradition. Denn Zusammensetzung und Arbeitsweise der Sprach-Akademie richten sich nach Regeln, die noch älter sind und auf die Gründung des Gremiums 1786 zurückgehen.

Die Akademie hat in der Regel 18 Mitglieder. Alle werden von der Akademie selbst auf Lebenszeit gewählt.

Bis zur endgültigen Abstimmung über einen Preisträger liegt die Hauptarbeit beim Nobelkomitee mit fünf Mitgliedern. Es wird für drei Jahre gewählt. Zurzeit gehören dazu: Per Wästberg (77) als Vorsitzender, die Schriftsteller Horace Engdahl (62), Kjell Espmark (81), Katarina Frostenson (58) und Kristina Lugn (52). Über die Beratungen für den Nobelpreis muss 50 Jahre lang Stillschweigen bewahrt werden.

Die Auswahl der Kandidaten verläuft schrittweise. Zuerst lädt das Nobelkomitee 600 bis 700 Personen oder Organisationen per Brief dazu ein, geeignete Literaten für das kommende Jahr vorzuschlagen. Empfehlungen können aber auch ehemalige Preisträger, Sprach- und Literaturwissenschaftler, wissenschaftliche Einrichtungen und Autorenorganisationen abgeben. Niemand darf sich selbst benennen.

Spätestens bis zum 31. Januar müssen die Vorschläge in Stockholm vorliegen. Das Nobelkomitee erstellt Namenslisten, die in der Akademie schließlich auf fünf Kandidaten reduziert werden. Jedes Akademie-Mitglied beschäftigt sich dann mit dem Werk der Nominierten und erstellt Berichte. Anfang Oktober wird der Preisträger durch Wahl bestimmt. Er muss mehr als die Hälfte der Stimmen aller Akademiemitglieder bekommen. Das Geld für die Nobelpreise stiftete der Chemiker, Erfinder und Multimillionär Alfred Nobel (1833-1896).

 

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05.10. Der Nobelpreis für Literatur

Stockholm/Berlin (dpa) - Bücher, die die Welt bewegen, nur Insidern bekannte Talente oder manchmal auch eine langerwartete Ehrung fürs Lebenswerk: Der Nobelpreis für Literatur sorgt immer wieder für Überraschungen. Er gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt und wird seit 1901 fast jährlich vergeben.

Stifter des bedeutenden Preises ist der schwedische Industrielle Alfred Nobel. In seinem Testament hatte er ihn nach Physik, Chemie und Medizin als vierte Preiskategorie bestimmt. Nach dem Willen des auch literarisch interessierten Unternehmers soll ihn derjenige erhalten, «der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat». Das Werk soll von hohem literarischen Rang sein und dem Wohle der Menschheit dienen.

Der von der Schwedischen Akademie vergebene Literaturpreis ist mit 10 Millionen Schwedischen Kronen (gut 1,1 Million Euro) dotiert. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm überreicht.

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05.10. Die Nobelpreise

Stockholm (dpa) - Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als «Wiedergutmachung» vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die «im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben». Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet.

Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150 800 auf heute 10 Millionen Schwedische Kronen (1,1 Million Euro). Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Nobel.

Die Preisträger für Physik und Chemie werden von der Königlich- Schwedischen Akademie der Wissenschaften ausgewählt, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste. Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet. Seit 1980 vergibt die schwedische «Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung» (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

 

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