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15.10. Verlag muss Buch von Reiner Calmund einstampfen
Peinliche Panne auf der Buchmesse: Das neue Buch von Reiner Calmund muss eingestampft werden. Fälschlich hieß es, der Fußballfunktionär singe die erste Strophe des Deutschlandlieds. Der Verlag entschuldigt sich, Calmund findet die Sache nicht so dramatisch.
Frankfurt/Main/München (dpa) - Wenige Tage nach der Veröffentlichung muss ein Buch des Fußballfunktionärs Reiner Calmund wegen eines Fehlers eingestampft werden: Dort hieß es, der Autor singe bei Länderspielen die erste Strophe des Deutschlandlieds. Es handle sich um einen sehr peinlichen Lektoratsfehler, erläuterte eine Sprecherin des Münchener Mosaik-Verlags am Freitag auf der Buchmesse.
Mehrere tausend Exemplare müssen jetzt vernichtet werden. Der 62-jährige Calmund sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Ich sehe das nicht so dramatisch, wie alle das jetzt machen.»
Der bekennende Genussmensch Calmund schreibt in seinem Buch «Eine Kalorie kommt selten allein» über Essen, Zu- und Abnehmen. Auf Seite
51 und 52 erinnert er seine Leser an das Fußballweltmeisterschafts-Endspiel von 1954 in der Schweiz. In dem Buch, dessen Startauflage jetzt aus dem Verkehr gezogen wird, heißt
es: «Intoniert wurde im Wankdorf-Stadion übrigens die erste Strophe des Deutschlandlieds, die ich auch heute noch bei Länderspielen voll mitsinge.»
Calmund betonte nach einem Auftritt auf der Messe, er singe seit Jahrzehnten die dritte Strophe - also die offizielle deutsche Nationalhymne. Auch Verlagssprecherin Janne Wißmann sagte, der Autor singe natürlich nicht die während der NS-Zeit verwendete erste Strophe.
«Wir haben an dieser Stelle sehr ungeschickt gekürzt», erklärte die Sprecherin. Dies sei am Donnerstag entdeckt worden, zwei Tage nach Veröffentlichung des Buchs. Darüber hatte dann der Sender hr3 berichtet.
Der Verlag gab am Freitag einen Neudruck in Auftrag. Die korrigierte Fassung werde so schnell wie möglich, in etwa einer Woche, ausgeliefert, sagte Wißmann. In München sagte Verlagssprecherin Claudia Hanssen: «Wir können uns nur ausdrücklich dafür entschuldigen.» Es sei ein «menschlicher Fehler», der nicht passieren dürfe, aber passiert sei.
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15.10. Ehrengast Island: Internationaler Durchbruch dank Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Für den Ehrengast Island hat die Frankfurter Buchmesse den Durchbruch auf dem internationalen Markt gebracht. Auch in Osteuropa und Südostasien gebe es großes Interesse an isländischen Autoren, sagte Islands Verlegerpräsident Kristján B.
Jonasson am Samstag. Während der Messe hatte bereits AmazonCrossing, die Verlagsabteilung des US-Internethändlers Amazon, eine Island-Reihe auf Englisch angekündigt. In Deutschland sind zur Buchmesse mit Hilfe isländischer Übersetzungsförderung 203 Neuerscheinungen auf den Markt gekommen. Das waren mehr Titel als
2009 beim Gastland China, obwohl Island nur 320 000 Einwohner hat.
Die Isländer, die weltweit als das Land mit der größten Schriftsteller-Dichte und dem höchsten Buchkonsum pro Einwohner gelten, hatten etwa 40 Autoren mit nach Frankfurt gebracht. Rund 2,7 Millionen Euro wurde in die seit Jahren vorbereitete Präsentation investiert. Der Koordinator des Island-Auftritts, Halldór Gudmundsson, sprach von einer «überwältigenden und fast schon euphorischen Resonanz» für das Gastland auf der Buchmesse.
Island hatte seine Messe-Pavillon mit einer Mischung aus Natur und Literatur in eine Wohnzimmerlandschaft verwandelt. Isländer und die Offiziellen der Buchmesse ließen sich am Samstag - bei einer eigentlich als Pressekonferenz angekündigten Veranstaltung - von mehreren hundert Island-Fans im Pavillon feiern.
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15.10. Erster Publikumstag auf der Buchmesse - Isländer jubeln
Besuchertag auf der Buchmesse: Massen in den Hallen, begeisterte Isländer, mäßig begeisterte Verleger und das späte Geständnis eines TV-Stars. Noch bis Sonntag ist die Messe geöffnet.
Frankfurt/Main (dpa) - Tausende lesehungrige Bücherfans haben am Samstag die Frankfurter Buchmesse gestürmt. Vor allem Verlage, die Literatur aus Island im Programm haben, sind mit der weltgrößten Bücherschau zufrieden, wie eine dpa-Umfrage ergab. Andere sprachen von einer eher unaufgeregten Messe. Für Aufsehen sorgte Dieter Thomas Heck, der in seiner Biografie Mordgelüste gesteht.
Schon mittags wurde es in manchen Hallen eng. Die Besucher konnten am ersten der zwei Leser-Tage viele Autoren und Prominente erleben.
Unter anderem lasen und signierten die Autorinnen Cornelia Funke, Gaby Hauptmann und Rebecca Gablé. An Kochbuch-Ständen wurde gebrutzelt, bei einem Handarbeitsverlag strickten zwei junge Männer Weihnachtskugeln. Überall in der Menge verstreut gab es - wie immer samstags auf der Messe - junge Menschen, die sich als Manga- und andere Fantasy-Figuren verkleidet hatten.
Ex-TV-Star Dieter Thomas Heck (73) stellte seine Biografie vor - und legte darin ein spätes Geständnis ab: Vor 40 Jahren habe er im Streit seine alkoholkranke Frau Edda umbringen wollen. Er habe Edda in einem Hotelzimmer in Berlin beinahe erwürgt, aber in letzter Sekunde gestoppt. «Mit einem Reflex meiner Hände könnte ich meine Probleme lösen... Aber ich zögerte», beschrieb der Fernsehmoderator seine Gedanken von damals.
Das Gastland Island zog eine begeisterte Bilanz. Der Koordinator des Auftritts, Halldór Gudmundsson, berichtete von einer «überwältigenden und fast schon euphorischen Resonanz». Frankfurt habe den Durchbruch auf dem internationalen Markt gebracht. Auch in Osteuropa und Südostasien gebe es großes Interesse an isländischen Autoren, sagte Islands Verlegerpräsident Kristján B. Jonasson.
Auch für andere Verlage erwiesen sich Autoren aus Island als Messe-Renner. Sowohl die Belletristik als auch die Krimis aus dem hohen Norden hätten sich sehr gut verkauft, sagte der Sprecher des Frankfurter S. Fischer Verlags, Martin Spieles. «Die Isländer haben der Messe dieses Jahr eine sympathische Frische verliehen.»
Das Stuttgarter Haus Klett-Cotta freute sich über den Erfolg seines isländischen Autors Hallgrímur Helgason. Dessen neues Werk «Eine Frau bei 1000°» sei wenige Wochen nach dem Erscheinen schon in der zweiten Auflage. Großes Interesse gebe es auch an den Lyrik-Bänden des frischgekürten schwedischen Nobelpreisträgers Tomas Tranströmer, berichtete der Münchner Carl Hanser Verlag. Drei Titel hat der Verlag in den vergangenen Tagen neu aufgelegt.
«Es war eine unaufgeregte Messe», urteilte unterdessen Helga Mahmoud-Treimer vom Goldmann Verlag (München/Verlagsgruppe Random House). «Fürs Geschäft mit Lizenzen ist das aber nicht schlecht.»
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15.10. Politik und Preise auf der Buchmesse
Friedenspreisträger Sansal, Bischof Zollitsch, Schriftsteller Eco und Film-Regisseur Emmerich - so bunt ist die Gästeliste der Frankfurter Buchmesse. Einer der Messe-Stars erzählt Überraschendes.
Frankfurt/Main (dpa) - Politik und Preise - darum hat sich am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse vieles gedreht. Es war der letzte Fachbesuchertag. Am Samstag und Sonntag strömt dann das allgemeine Lesepublikum zur weltgrößten Bücherschau.
Am Freitag ging es zunächst um Politik. Die Demokratiebewegung in den arabischen Ländern hat nach Ansicht des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels, Boualem Sansal, ohne Unterstützung vom Westen keine Chance. «Ich bin ziemlich pessimistisch», sagte der algerische Schriftsteller. Die Gefahr sei groß, dass die Demokratiebewegung zwischen den Militärs und den Islamisten zerrieben werde. Der algerische Regimekritiker wird den mit 25 000 Euro dotierten Friedenspreis, eine der bedeutendsten kulturellen Auszeichnungen in Deutschland, am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche entgegennehmen.
Auch Kirchenpolitik hatte ihren Platz: Nach dem Papstbesuch in Deutschland will die katholische Kirche ihre Bemühungen um die Ökumene verstärken. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, bei der Vorstellung eines Bildbands zur jüngsten Reise von Benedikt XVI.. Hier stünden die Bischöfe vor der Frage, wie es «im Blick auf das Reformationsgedenken
2017 auch gemeinsam mit der evangelischen Kirche weitergehen» werde.
Für sein Buch über den Krupp-Manager Berthold Beitz hat der Autor Joachim Käppner den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2011 gewonnen. Die Jury wählte das Werk «Berthold Beitz. Die Biographie» (Berlin Verlag) aus einer Shortlist von zehn Titeln. Das Preisgeld beträgt 10 000 Euro. Am Abend standen weitere Auszeichnungen auf dem Programm: der Deutsche Jugendliteraturpreis, der Buchpreis der unabhängigen Verlage und der Comic-Preis.
Der am Montag vergebene Deutsche Buchpreis hat sich für Autor und Verlag bereits gelohnt. Seit Eugen Ruge für sein Buch «In Zeiten des abnehmenden Lichts» ausgezeichnet wurde, vervierfachte sich die verkaufte Auflage von 50 000 auf 200 000 Stück, wie der Rowohlt Verlag mitteilte.
Auf zahlreichen Interviewbühnen hatte das Publikum Gelegenheit, prominente Autoren im Gespräch zu erleben - mit teilweise verblüffenden Erkenntnissen. Umberto Eco, Autor mit enzyklopädischem Wissen, gestand, er finde Intelligenz banal. Er sei fasziniert von Lüge und Dummheit, berichtete der Italiener. «Die Lüge ist etwas zutiefst Menschliches.» Tiere könnten sich lediglich - wie beispielsweise Chamäleons - aus Instinkt tarnen, bewusst täuschen könne nur der Mensch. «Das fasziniert mich. Ebenso wie die Dummheit.
Intelligenz ist banal.»
Hollywood-Regisseur Roland Roland Emmerich stellte auf der Messe seinen Film über Shakespeare vor, der am 10. November in die deutschen Kinos kommt. Mit «Anonymus» leistet er einen neuen Beitrag zur alten Debatte um die Identität des britischen Dramatikers. In einer Diskussion mit Emmerich sagte Literaturkritiker Hellmuth Karasek, es gebe 5000 Veröffentlichungen, dass Shakespeares Werke nicht von ihm selbst seien: «Wir sollten uns aber nicht wundern, dass wir uns über Shakespeare wundern.»
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12.10. Buchmesse zwischen E-Book und der «Katze»
Zum Auftakt der 63. Frankfurter Buchmesse wird ein neues Lesegerät für E-Books vorgestellt. Und TV-Sternchen Daniela Katzenberger präsentiert einen Ratgeber.
Frankfurt/Main (dpa) - Der erste Tag der Frankfurter Buchmesse wirkte wie ein Tag der Frauen: Daniela Katzenberger, wasserstoffblondes TV-Sternchen, stellte einen Ratgeber vor und das verschleierte Ex-Model Veruschka präsentierte ihre Biografie. «Frauen verstehen in 60 Minuten» wurde zum kuriosesten Buchtitel gewählt. Und Wikipedia wünschte sich mehr Autorinnen für das Online-Lexikon. Das Thema E-Book blieb am Mittwoch in Frankfurt allerdings überwiegend in Männerhand.
«Sei schlau, stell dich dumm» heißt Katzenbergers erstes Buch.
Geschrieben hat sie es mit Hilfe einer Ghostwriterin, berichtete die Blondine bei der Vorstellung des Werkes ganz offen. Schon eine halbe Stunde bevor sie kam, hatte sich eine Menschentraube gebildet. «Ich mache nichts besonderes, aber trotzdem interessiert sich irgendwie jeder dafür», sagte sie.
Optisch ganz anders präsentierte sich das ehemalige Top-Model Vera Gräfin von Lehndorff: mit einem schwarzen Schleier und halbtransparentem Visier wollte sie ihre Privatsphäre schützen.
Lehndorff, die als «Deutschlands erstes Top-Model» gilt, prägte als Veruschka in den 60er Jahren die Modefotografie ihrer Zeit. In ihrer jetzt erschienen Autobiografie beschreibt sie ihre Kindheit und die Anfänge ihrer Modelkarriere. Das Buch werde die Blicke der Öffentlichkeit wieder auf sie ziehen, daher verspüre sie «ein großes Bedürfnis nach Rückzug», begründete die Schönheit ihr Messe-Outfit.
«Frauen verstehen in 60 Minuten» - das ist nach Ansicht einer Jury der kurioseste Buchtitel des Jahres. Das Werk von Angela Troni wurde auf Messe gekürt. Das im Thiele Verlag erschienene Buch «führe in die Kunst ein, die feinen Nuancen der weiblichen Kommunikation zu erkennen und zu deuten», berichteten die Preisrichter. Die Entscheidung fiel jedoch unabhängig vom Inhalt des Buches. Der Preis wurde zum vierten Mal von der Redaktion von «Schott's Sammelsurium» (Bloomsbury Berlin) und der Zeitschrift «BuchMarkt» ausgeschrieben, die Leser durften skurrile Titel vorschlagen.
Der Gründer des Internet-Lexikons Wikipedia wünschte sich mehr Autorinnen, die bereit seien, an der Enzyklopädie mitzuwirken. Frauen würden dem Kommunikationsklima gut tun, sagte Wikipedia-Gründer Jimmy
Wales: «Männer sind es gewohnt, sich die Köpfe aneinanderzustoßen.
Frauen würden sich das nicht bieten lassen.» Im Buch «Alles über Wikipedia», das ebenfalls am Mittwoch auf der Buchmesse präsentiert wurde, beklagten einige Autoren den rauen Umgangston in der Szene.
Beherrschendes Thema neben all dem Bunten war aber der Wandel des Publizierens. Neuigkeit des Tages: In Kooperation mit dem Buchhandel wird der Dachverband der Buchbranche einen eigenen E-Book-Reader anbieten. Rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft wird das elektronische Lesegerät Liro Color des Herstellers TrekStor ab Mitte November zum Preis von 99,99 Euro auf den Markt kommen. Das Gerät ist eine Mischung aus klassischem E-Book-Reader und Tablet Computer.
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12.10. Buch im Wandel: «Form passt sich dem Inhalt an»
Frankfurt/Main (dpa) - Computer und das Internet verändern die Buchwelt. Neue digitale und halbdigitale Produkte ergänzen das klassische Buch, Inhalte werden an neue Lese- und Erzählformen angepasst. Darüber wird auf der Frankfurter Buchmesse intensiv debattiert. Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit der Leiterin des betreffenden Messe-Bereichs «Frankfurt Sparks», Britta Friedrich.
Immer mehr neue Medien für den Inhalt von Büchern drängen auf den Markt. Aber was ist mit dem Inhalt selbst? Werden Geschichten heutzutage anders erzählt?
Friedrich: «Die Form passt sich dem Inhalt an. Eine Geschichte wird nicht mehr zwingend linear erzählt, es sind viele Variationen möglich. Dabei ist es oft nicht mehr nur der Autor allein, der in seiner Stube sitzt und schreibt. In Zukunft wird er vielleicht öfter mit anderen zusammen kreativ sein - zum Beispiel könnte er Textpassagen von einer Community beisteuern lassen.»
Werden dann die Co-Autoren auch am Honorar des Autoren beteiligt?
Friedrich: «Das ist zurzeit ein großes Thema. Grundsätzlich hängt das vom jeweiligen Co-Autor ab, und der Vereinbarung, die er von vornherein getroffen hat. Denn es gibt ja ein gültiges Urheberrecht.»
Kann man diese digitalen Produkte überhaupt noch als Bücher bezeichnen?
Friedrich: «Da ist zurzeit viel in Bewegung. Man muss sich das vielleicht so vorstellen: Der Autor hat eine Geschichte und einen Plot im Kopf. Dafür gibt viele verschiedene Darstellungsarten: Text, Bild, Ton - und dann gibt es noch verschiedene Medien wie Film, Games oder Buch.»
Kann dann der Autor überhaupt noch beeinflussen, was aus seiner Geschichte wird?
Friedrich: «Es kann zu einer unendlichen Geschichte kommen, die immer wieder weitergesponnen wird. Bestes Beispiel ist Harry Potter. Die Autorin hatte die Romane abgeschlossen. Jetzt wird es über die Online-Plattform pottermore.com eine Wiederbelebung der Geschichte geben. Es ist spannend zu sehen, was da passiert.»
Für Fans einer vom Lieblingsautor linear erzählen Geschichte - dem klassischen Leser - sind das aber beunruhigende Neuigkeiten.
Friedrich (lacht): «Da wird es ganz sicher eine gesunde Co-Existenz geben. So vielfältig wie die Bedürfnisse der Konsumenten werden auch die Formen von Inhalten sein. Die Nutzer können selbst wählen, wie sie Inhalte rezipieren möchten - und dazu gehört natürlich auch die Entscheidung, selbstversunken in einem gedrucktem Buch eine Geschichte von Anfang bis Ende zu lesen.»
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12.10. Live-Schaltung zu Teilchenbeschleuniger bei Genf
Frankfurt/Main (dpa) - In einer Animation knallen zwei rot leuchtende Kugeln aufeinander und verschwinden in einer weißen Explosion. Während die meisten Stände auf der Buchmesse ihre neuen Schmöker ausstellen, hat ein Verleger kurzerhand das Kontrollzentrum des Teilchenbeschleunigers LHC bei Genf nachbauen lassen. Auf einer Leinwand sollen die Versuche aus dem Forschungszentrum CERN in Echtzeit nach Frankfurt projiziert werden.
«Im Moment zeigen wir aber Aufzeichnungen. Es gab Probleme mit der Kühlung und daher steht der Beschleuniger gerade still», sagt der Physikingenieur Markus Albert, und tippt etwas in seinen Computer.
Die Maschine soll den Wissenschaftlern einen Blick auf den Beginn unseres Universums ermöglichen. Schon kurz nach der Inbetriebnahme war der milliardenteure europäische Beschleuniger 2008 für Monate lahmgelegt - damals ging es auch um eine Panne im Kühlsystem.
Eigentlich steuert Albert den Beschleuniger direkt in der Schweiz, auf der Buchmesse präsentiert er mit ein paar Kollegen seinen Arbeitsplatz. «Wir wollen den Steuerzahlern zeigen, was wir mit ihrem Geld machen», sagt er. Die Aktion soll allerdings keine reine Werbeveranstaltung für das Forschungszentrum sein. Natürlich geht es letztlich doch wieder um ein Buch - und zwar einen Bildband über den Beschleuniger.
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12.10. Buchmesse soll Durchbruch fürs E-Book bringen
Das Geschäft mit E-Books liegt noch «unterhalb der Wahrnehmungsschwelle». Zur Buchmesse wird jetzt der Durchbruch erwartet. Dafür könnte ein Preisrutsch bei den Lesegeräten sorgen.
Außerdem sollen digitale Buchinhalte interaktiver werden.
Frankfurt/Main (dpa) - Es ist schon ein Ritual: Seit einem Jahrzehnt verheißt jede Buchmesse, dass jetzt die Ära der E-Books beginnt. Nun sollen es billigere Lesegeräte und ein breites Sortiment an Buchtiteln richten. Manche Experten aber erwarten, dass erst eine Neugestaltung der Inhalte mit einer verstärkten Nutzung der digitalen Möglichkeiten dem E-Book zum Durchbruch verhelfen wird.
Im ersten Halbjahr 2011 erreichte der E-Book-Umsatz mit rund 13 Millionen Euro gerade mal 0,7 Prozent des Gesamtumsatzes ohne Schul- und Fachbücher - «unterhalb der Wahrnehmungsschwelle», wie der Geschäftsführer des Buchhandelsunternehmens Thalia, Michael Busch, am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa einräumt. Der Insider sagt aber voraus, dass bereits das Weihnachtsquartal einen großen Schub bringen werde. Er rechnet damit, dass sich der Marktanteil binnen Jahresfrist zwischen drei und vier Prozent bewegen werde. «In diesen nächsten zwölf Monaten wird man wirklich den Durchbruch des E-Books erleben.» Und in zwei Jahren werde sich der Umsatzanteil von E-Books in Richtung zehn Prozent bewegen.
«Der jüngste Preisrutsch bei den Geräten führt dazu, dass E-Book-Reader künftig eher verschenkt werden als bisher», erwartet auch der Geschäftsführer des E-Book-Händlers libri.de, Per Dalheimer. Dies werde das Wachstum der Branche weiter unterstützen.
Bei den Lesegeräten gibt es zwei Kategorien: E-Book-Reader mit der E-Ink-Technologie (elektronischer Tinte) und Tablet-Computer mit einem LCD-Bildschirm. E-Book-Reader sind äußerst sparsam im Stromverbrauch, benötigen eine externe Lichtquelle und können bislang nur Graustufen darstellen. Tablet-Computer müssen immer wieder an die Steckdose, bieten aber ein Farbdisplay und können auch weitere digitale Inhalte präsentieren.
Vor allem E-Ink-Reader haben nach einer Analyse des Freiburger Öko-Instituts «Vorteile beim Energieverbrauch und den Treibhausgasemissionen gegenüber herkömmlichen Büchern». Rund 800 000 Bundesbürger besaßen im Juli nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen E-Book-Reader, gut doppelt so viel wie noch zu Beginn des Jahres. Jedoch dürfte die Zukunft «eher den multifunktionalen Tablet-Computern gehören, die im Sog des iPad-Erfolgs auf den Markt drängen», heißt es beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Auch Branchenführer Amazon setzt nun auf den Tablet-Computer als Ergänzung zu seinen etablierten E-Book-Readern: Der Kindle Fire hat einen 7-Zoll-Bildschirm, ist also etwas kleiner als das iPad (9,7 Zoll). Das Gerät mit einem angepassten Android-System und 8 Gigabyte an internem Speicher kommt Mitte November in den USA zu einem Preis von 199 Dollar heraus. Es kostet also weniger als halb so viel wie ein iPad, lässt sich aber auch nicht um zusätzliche Apps erweitern und bietet auch keine GPS-Unterstützung für standortbezogene Dienste.
Angaben zur Markteinführung in Deutschland macht Amazon noch nicht. Amazon-Manager Nicholas Denissen sagt, der neue Kindle mit deutschsprachiger Menüführung zum Preis von 99 Euro werde von vielen Kunden angenommen. Zahlen nannte er jedoch nicht.
Auch andere E-Book-Plattformen wie libri.de, Thalia und der kanadische Newcomer Kobo bieten Lesegeräte an. Kobo, das in Kürze ein deutschsprachiges Web-Portal startet, will seine Kunden zu einer Community zusammenführen: «Social-Media-Integration ist uns besonders wichtig», sagt Kobo-Managerin Nina Kreutzfeldt. «Da kann man dann mit Gleichgesinnten über die gelesenen Bücher diskutieren.»
Die Vorteile des digitalen Lesens wie sofortige Verfügbarkeit, die Bereitstellung vieler Bücher auf kleinem Raum und der zumeist etwas niedrigere Preis sind aber möglicherweise zu wenig, um das digitale Lesen zu einem Massengeschäft zu machen. Ganz neue Strategien für das Erzählen von Geschichten präsentiert daher die Konferenz StoryDrive im Rahmen der Buchmesse. Zu Schlagworten wie Enhanced
(«angereichertes») E-Book suchen die Teilnehmer nach neuen Wegen, um klassische Buchinhalte mit digitalen Möglichkeiten ganz anders zu präsentieren als es mit den herkömmlichen E-Book-Formaten möglich ist. «Da gibt es spannende Projekte», sagt libri.de-Geschäftsführer Dalheimer, «das ist die Marschrichtung der Zukunft.»
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12.10. Buchmesse eröffnet - Westerwelle will «mehr Europa»
Der Kampf gegen Internet-Piraterie und die Zukunft des klassischen Buches beschäftigen die Buchmesse. Bei der Eröffnung am Dienstagabend lobte Außenminister Westerwelle das Gastland Island.
Frankfurt/Main (dpa) - Mit einer leicht rückläufigen Ausstellerzahl beginnt am Mittwoch die 63. Frankfurter Buchmesse. Im Mittelpunkt der weltgrößten Bücherschau steht der rasante digitale Wandel der Branche. Bei der Eröffnung am Dienstagabend forderte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) «mehr Europa» als Konsequenz aus der Schuldenkrise. Gerade für die Kultur biete Europa neue Räume. Den Buchmessen-Ehrengast Island, dessen Bankensystem in der Finanzkrise 2008 kollabiert war, lobte der Außenminister.
Deutschland unterstütze «nachdrücklich» den angestrebten EU-Beitritt Islands.
Bis zum Sonntag sind 7384 Anbieter aus 106 Ländern auf der Messe vertreten, 155 Stände weniger als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Aussteller auf der Messe kommt aus dem Ausland. Drei Tage ist die Messe Fachbesuchern vorbehalten, am Wochenende ist auch das allgemeine Publikum zugelassen.
Wie im Vorjahr werden zu den rund 3000 Veranstaltungen rund 280 000 Besucher erwartet. Zu den prominentesten der rund 1000 Autoren gehören Umberto Eco und Mario Vargas Llosa. Island bringt fast 40 Autoren und 203 Neuerscheinungen mit. Seinen Pavillon hat der Ehrengast als eine Art Wohnzimmerlandschaft angelegt, in der Isländer auf Videoleinwänden ihre Privatbibliotheken vorstellen. Der isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson bezeichnete bei der Eröffnung die Einladung zur Buchmesse als Anerkennung für die große literarische Tradition seines Landes.
Die Buchbranche befindet sich nach den Worten von Buchmessen-Chef Juergen Boos «im doppelten Sinne im Aufbruch». Zum einen breche die traditionelle Verwertungskette vom Autor über Verlag und Händler zum Leser auf. Zum anderen breche man auf «in eine neue Ära des Publizierens». Das gedruckte Buch werde dennoch weiter existieren.
Die Internet-Piraterie bereitet unterdessen Händlern und Verlegern Sorgen. Rund 60 Prozent aller E-Book-Inhalte würden illegal heruntergeladen, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. «Das macht uns sehr unruhig». Er beklagte, «dass die Politik in bemerkenswerter Weise nichts tut» und warf ihr vor, sie wolle die Wähler der Piraten-Partei nicht verprellen, die sich für «Freiheit im Netz» stark mache.
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11.10. Buchmesse startet - 7384 Aussteller - Kampf der Piraterie
Frankfurt/Main (dpa) - Mit stabilen Ausstellerzahlen und neuen Themen startet an diesem Mittwoch die Frankfurter Buchmesse. 7384 Anbieter aus 106 Ländern zeigen bis zum Sonntag ihre Produkte, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Die Zahl der Anbieter liegt leicht unter dem Vorjahresniveau, mehr als die Hälfte kommt aus dem Ausland. Drei Tage ist die Messe Fachbesuchern vorbehalten, am Wochenende ist auch das allgemeine Publikum zugelassen. Wie im Vorjahr werden rund 280 000 Besucher erwartet, zwei Drittel davon Fachbesucher. Zur feierlichen Eröffnung der Messe am Dienstagabend hatten sich Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und der isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson angekündigt.
Wichtigstes Thema der 63. Buchmesse ist der digitale Wandel. Die Buchbranche sieht darin Chance und Gefahr zugleich. Vor allem die Internet-Piraterie bereitet Händlern und Verlegern Sorgen. Rund 60 Prozent aller E-Book-Inhalte würden illegal heruntergeladen, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. «Das macht uns sehr unruhig». Er beklagte, «dass die Politik in bemerkenswerter Weise nichts tut» und warf ihr vor, sie wolle die Wähler der Piraten-Partei nicht verprellen, die sich für «Freiheit im Netz» stark mache.
Buchmessen-Direktor Juergen Boos sagte, die Branche befinde sich «im doppelten Sinne im Aufbruch»: zum einen breche die traditionelle Verwertungskette vom Autor über Verlag und Händler zum Leser auf, zum anderen breche man auf in eine neue Ära des Publizierens. «Es hat sich vieles verändert.» Das gedruckte Buch werde dennoch weiter existieren und nicht an Bedeutung verlieren.
Mehr als 3000 Veranstaltungen sind während der fünf Messetage geplant, rund 1000 Autoren haben sich angekündigt, darunter internationale Starautoren wie Umberto Eco oder Mario Vargas Llosa.
Buchmessen-Ehrengast Island bringt 38 Autoren und 203 Neuerscheinungen mit. Island ist bisher das kleinste Land, das seine Literatur und Kultur auf der weltgrößten Bücherschau präsentiert.
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11.10. Island inszeniert sich als «Land der Literatur und Natur»
Rund 2,7 Millionen Euro lässt sich Island seinen Auftritt auf der Buchmesse kosten. Nicht die Autoren stehen im Mittelpunkt, sondern die Leser. Gletscher und Vulkane dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Frankfurt/Main (dpa) - Im Pavillon ist es so dunkel wie in Island am Tag der Wintersonnenwende: Das spärliche Licht kommt von großen Videoleinwänden, auf der Bücherwände in Privathäusern zu sehen sind. Davor sitzen behaglich Frauen und Männer und lesen aus ihren Lieblingsbänden vor. Ehrengast Island hat seine Präsentationshalle bei der am Mittwoch beginnenden Frankfurter Buchmesse in eine eindrucksvolle Wohnzimmerlandschaft verwandelt.
Nicht die Autoren des kargen Eilandes mit seinen nur 320 000 Einwohnern stehen im Mittelpunkt, sondern die Leser: Dazu haben die Organisatoren des Gastlandauftritts mit Hilfe von Facebook nach Bildern von privaten Bibliotheken gesucht. «Tausende sind dieser Aufforderung gefolgt», sagt Halldór Gudmundsson, der für die 2,7 Millionen Euro teure Präsentation seines Landes auf der weltgrößten Bücherschau verantwortlich ist.
Neben den 30 isländischen Lesern, die sich auf den Videoleinwänden vorstellen, gibt es eine lange Wand mit Hunderten von Fotos von Privatbibliotheken. Rundherum laden den Besucher geschmackvolle Möbel und Sofas zum Verweilen ein - und die zahlreichen Bücher der isländischen Autoren fehlen im Pavillon natürlich auch nicht. Mehr als 200 Neuerscheinungen sind bei deutschen Verlagen zur Buchmesse erschienen, rund 30 isländische Autoren sind nach Frankfurt auf die Messe gekommen. In keinem Land wird - auf die Einwohnerzahl gerechnet - mehr gelesen und geschrieben.
Vor allem im Winter werden die Leselampen angeworfen. «November und Dezember sind für uns Lesezeit», sagt Einar Kárason («Die Goldinsel»), einer der international bekanntesten isländischen Autoren, der vom Pavillon angetan ist. Neben der Literatur darf im Land der Gletscher und der Vulkane die Natur nicht fehlen. Die Organisatoren machen damit geschickt auch gleich ein bisschen Werbung für ihr größtenteils unwegsames Land. Dazu haben sie eine spektakuläre 360-Grad-Panaromainstallation über die wilde Schönheit ihres Landes aufgebaut - begleitet von isländischer Sphärenmusik.
«Wir haben nur die Natur und Literatur», sagt Kárason. Die isländische Literatur mit ihren Sagas geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Eine höfische Kultur mit großen Palästen oder Opernhäusern wie im Rest von Europa ist im einstigen Land der Bauern und Fischer unbekannt. Die Isländer hätten schon immer am Rande der Zivilisation gelebt, sagt Gudmundsson. «Die Literatur ist da auf einen fruchtbaren Boden gefallen.» Im Pavillon wird natürlich auch gelesen - und Hochprozentiges getrunken. Am späten Nachmittag gibt es zur «Happy Hour» immer Brennivín (Branntwein). Damit lässt sich die Dunkelheit dann gut aushalten.
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10.10. Comics dringen in die Literaturverlage vor
Früher hießen sie Comics, heute Graphic Novels. Auch renommierte Verlage wie Suhrkamp haben mittlerweile Bildergeschichten im Programm. Auf der Buchmesse wächst die Fläche für Gemaltes.
Frankfurt/Main (dpa) - Es ist so etwas wie der Ritterschlag für ein Genre, das früher nicht so ganz ernst genommen wurde: Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht in diesem Winter seinen ersten Comic. Gut, man nennt es jetzt Graphic Novel und außerdem handelt es sich um die Adaption eines literarischen Klassikers - Thomas Bernhards «Alte Meister». Aber dennoch zeigt sich daran, dass die Hüter des geschriebene Wortes nicht mehr auf gemalte Bilder herabblicken.
Auch im Programm anderer Belletristik-Verlage finden sich Graphic Novels über Themen, die von «Micky Maus» weit entfernt sind: Bei Knaus gibt es ein Comic-Porträt des Philosophen Friedrich Nietzsche.
Knesebeck hat Dantes «Göttliche Komödie» auf 128 gemalte Seiten eingedampft. DVA hat einen historischen Krimi mit Inspektor Kajetan als Comic herausgebracht. Eine gezeichnete Einführung in den Buddhismus findet sich bei Bastei Lübbe. Atrium hat einen «Logicomix» im Angebot: Ein philosophischer Roman in Comicform «über Logik, Mathematik und die größte aller Fragen: Was ist die Wahrheit?».
Wolfgang Strzyz, der das Comic-Zentrum der Buchmesse mitgestaltet, sieht mehrere Gründe für das steigende Interesse: Das Comic-Publikum ist älter geworden und es will «Comics von Erwachsenen für Erwachsene». Zudem berichten selbst die Feuilletons großer Zeitungen inzwischen über Graphic Novels, auf der Buchmesse wird das Thema als ernsthaft wahrgenommen. «Und es gibt einfach sehr viele gute Geschichten.»
Die «Süddeutsche Zeitung» hat eine eigene Edition mit Graphic-Novel-Klassikern herausgebracht. Zu den zehn Bänden gehören zum Beispiel die - inzwischen auch verfilmten - politischen Comics «Waltz with Bashir» über den Libanonkrieg und «Persepolis» über die islamische Revolution im Iran.
Bislang waren Comics eher das Geschäft von kleinen spezialisierten Verlagen wie Carlsen, Edition Moderne oder Reproduct.
Auch in deren Sortiment findet sich inzwischen Anspruchsvolles für den gebildeten Literaturfreund - zum Beispiel der Sammelband von
Walde+Graf, in dem 17 Zeichner die Geschichte der Beat-Literatur
nacherzählen.
Für die Nischenanbieter sei die neue Konkurrenz durch die großen Verlagshäuser «durchaus heikel», sagt Branchenkenner Stzyz. «So viele interessante Künstler gibt's dann ja auch nicht.» Ralf König zeichnet zum Beispiel inzwischen bei Rowohlt. Zudem seien Comics ein schwieriges Geschäftsfeld: «Die Auflagen sind sehr gering.» Selbst Bestseller kämen selten über 5000 Exemplare. «Da stellt sich schon die Frage, ob die das dann nicht schnell wieder einstellen.»
Der Suhrkamp-Comic soll jedenfalls der Auftakt sein für eine ganze
Reihe: Klassiker aus dem Verlagsprogramm - zum Beispiel von Hermann Hesse - oder rechtefreie ältere Titel - zum Beispiel von Herman Melville - sind als Graphic-Novel-Adaption in Planung. Zielgruppe seien sowohl Kenner dieser Klassiker als auch ein eher literaturfernes Comic-Publikum. «Vielleicht nimmt man ihnen mit den Graphic Novels die Schwellenangst», sagt Sprecherin Tanja Postpischil.
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29.09. Erfolg ist machbar: Bestseller mit Ansage
Um es gleich vorwegzunehmen: Eine Bastelanleitung «Wie baue ich mir einen Bestseller» gibt es nicht. Aber eine Menge hilfreicher Kniffe und Tricks, die Werbeprofis nur auf gezielte Nachfrage verraten.
Berlin (dpa)- Klaus Kluge lässt schon mal ein Auto in Flammen aufgehen, wenn es dem besseren Verkauf eines Buches dient. Der Geschäftsführer von Bastei Lübbe, unlängst ausgezeichnet mit dem «Sales Award 2010» für außergewöhnliche Leistungen in Verkauf und Vertrieb - insbesondere für seine «spektakulären Inszenierungen neuer Autoren», ist an Einfallsreichtum kaum zu überbieten.
«Es muss auf jeden Fall zu Buch und Autor passen», sagt er, wenn er spannende Textpassagen nachspielen lässt oder - vergleichsweise harmlos - für das Buch «Paganinis Fluch» von Lars Kepler eine Geigenspielerin in Buchläden schickt. Patentrezepte für die Herstellung eines Bestsellers gibt es seiner Meinung nach zwar nicht, aber einige wichtige Faktoren, die häufig zum Erfolg führen.
«Zeitungsanzeigen sind der Weg zum Glück heutzutage nicht», meint Kluge. Wichtiger sei die passende Gesamtstrategie, und dann müssten alle an einem Strang ziehen. Da wäre zum Beispiel der Autor: Wenn der bereit ist, sich für PR und Werbung entsprechend inszenieren zu lassen, sei schon viel gewonnen. «Er muss aber auch der Typ dazu sein», meint Kluge, «sonst geht das nach hinten los». Einen eher öffentlichkeitsscheuen Dan Brown ins Neonlicht der Buchmesse zu bitten, sei weniger passend. «Ken Follett hingegen macht nachts um drei in der Bar noch eine gute Figur und bezaubert die Menschen.»
Wer hier an den aktuellen Bestseller von Charlotte Roche denkt, befindet sich auf der richtigen Spur. «Wir wären ja dumm gewesen, wenn wir ihre Ausstrahlung und ihr Charisma nicht genutzt hätten. Sie ist ein absoluter Medienprofi und praktisch im Fernsehen groß geworden», sagt Eva Brenndörfer vom Piper-Verlag, in dem «Schoßgebete» erscheint.
Daher wurde auch kaum klassische Werbung, sondern ausschließlich PR gemacht. «Wir hatten einen genauen Plan», verrät sie. Erst kurz vor dem Erscheinungstermin wurden einige «Leitmedien» («Spiegel», «Zeit» und «FAZ») mit Exklusiv-Interviews ins Boot geholt, danach wurden Fahnen an weitere Journalisten verschickt, dann folgten TV-Auftritte bei Markus Lanz, Sandra Maischberger, Stefan Raab und weiteren. Jetzt geht Roche auf Lesereise. Fast 600 000 Exemplare habe man bereits verkauft. Der Plan scheint aufzugehen.
«Zu 90 Prozent ist ein Bestseller machbar», meint auch Professor Erich Witte, Leiter des Bereichs Sozial-, Medien- und Wirtschaftspsychologie an der Uni Hamburg. Allerdings unter der Bedingung, dass das Thema viele Menschen anspricht und zum Zeitgeist passt. Im Falle Roche habe das Zusammenspiel in geradezu perfekter Weise funktioniert.
Wittes Rezeptur für einen Blockbuster: Man nehme einen Autor, der sich gut und gern inszenieren lässt, einen Stoff, der oberflächlich genug ist, um die Massen zu interessieren - idealerweise leicht autobiografisch, so dass Autor und Hauptperson des Buches scheinbar eine Einheit bilden - und eine Werbung, die in die Zeit passt. «Wenn der Verlag nun noch mit einer hohen Startauflage droht, möchte ich den Leser oder den Journalisten sehen, der es sich leisten möchte, bei diesem Buch nicht mitreden - oder schreiben zu können.»
Eine ausgeklügelte Sperrfrist-Strategie führt innerhalb der Medien und Rezensenten dazu, dass sie den Verlag oft schon selbst darum bitten, möglichst früh über das Buch berichten zu dürfen. Mit entsprechenden Sperrfristen für Veröffentlichungen und Vertraulichkeitserklärungen, bei deren Nichteinhaltung Strafen bis zu 250 000 Euro drohen, steuern die PR-Profis die Berichterstattung.
Witte: «Wer "Spiegel", "Zeit" und "Beckmann" früh im Boot hat, braucht nichts mehr zu machen. Dann wollen die anderen auch.
Bedeutsam ist das, worüber alle schreiben oder reden. So wird Bedeutsamkeit auch künstlich erzeugt.»
Das trifft in besonderer Weise auch auf Sachbücher zu.
Buch-Inhalte werden als Debattenthemen angeboten - prominentestes Beispiel ist Thilo Sarrazins Aufregerbuch über Migration oder Jonathan Safran Foers «Tiere essen». Nicht selten sitzt der Buchautor auch gleich mit am Tisch der TV-Talkrunde. Da stellt sich dann manchmal schon die Frage nach der Henne und dem Ei, wenn etwa bei einem großen Artikel über Lebensmittelverschwendung am Ende gleich auf Buch und Kinofilm zum Thema verwiesen wird.
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29.09 Frankfurter Buchmesse treibt Vernetzung voran
Das Buch ist nur noch ein Baustein: Die 63. Frankfurter Buchmesse sieht sich als globale Börse für Inhalte aller Art. Dank vieler prominenter Autoren soll das Lesepublikum aber nicht zu kurz kommen.
Frankfurt/Main (dpa) - Im Jahr 1972 erhielt der dänische Literaturagent Ib Lauridsen auf der Frankfurter Buchmesse keinen eigenen Stand. Der war Verlegern vorbehalten. Da veröffentlichte der gewiefte Mann aus Kopenhagen kurzerhand ein Buch auf Englisch mit dem witzigen Titel «Wie man einen Stand bei der Frankfurter Buchmesse erhält» - schon war er zugelassen. Eine nette Anekdote aus längst vergangenen Zeiten. Heute tummeln sich auch Filmproduzenten, Regisseure wie Roland Emmerich oder Hersteller von Computerspielen auf der Messe. Und die Organisatoren sind heilfroh darüber.
Die weltgrößte Bücherschau (12. bis 16. Oktober) wandelt sich immer mehr zum Börsenplatz für Inhalte aller Art. Das Buch ist nur noch einer der Bausteine in einer immer breiter gefächerten Verwertungskette. «Wir müssen alles machen - Print, digital, social Media und die Vernetzung vorantreiben», heißt das Credo von Buchmessen-Chef Juergen Boos. Die alte Kette im Buchgeschäft - vom Autor über Verleger und Händler zum Leser - ist passé.
Als global wichtigster Treff will die Buchmesse, organisiert vom Dachverband der deutschen Buchbranche, den unaufhaltsamen digitalen Wandel vorantreiben. Es bleibt der Messe auch keine Wahl, wenn sie nicht über kurz oder lang überflüssig werden will. Mit 7500 Ausstellern aus 110 Ländern hat die Leistungsschau nach eigenen Angaben in etwa wieder so viel Fläche vermietet wie im Vorjahr - dabei dominieren in den Hallen aber weiterhin die Regale mit den ausgestellten Büchern.
Innovativ soll es dagegen in den quer verstreuten «Hotspots» zugehen oder dem neuen Zentrum «StoryDrive», das die «crossmedialen Plattformen» der unterschiedlichen Verwerter der Inhalte (Content) zusammenbringen soll. Das neue Rechte-Zentrum wurde erneut stark ausgebaut - jetzt hat es eine eigene Messehalle erhalten. 527 Agenten aus der ganzen Welt haben einen der begehrten Tische ergattert, wo um globale Lizenzen im Multimedia-Zeitalter gefeilscht wird. Mit 70 Agenturen sind die USA am stärksten vertreten.
Immer wichtiger wird der Messe zufolge das Konferenzgeschäft.
Schon Tage vor der Eröffnung treffen sich Fachleute aus der ganzen Welt, um über digitale Neuheiten zu diskutieren. Auch das Thema Fortbildung gewinne an Bedeutung. Allein 1100 Fachveranstaltungen stehen dieses Jahr bei der Buchmesse auf dem Kalender.
Dieses stolze Angebot birgt aber auch die Gefahr einer wachsenden Unübersichtlichkeit. Seit jeher muss die Frankfurter Buchmesse einen Spagat zwischen Fach- und Publikumsmesse hinkriegen. So kommen noch 2200 Veranstaltungen für die breite Leserschaft hinzu - auf der Messe und rund um die Messe. Dazu gehören vor allem Auftritte der mehr als 1000 Autoren auf den unterschiedlichsten Lesebühnen, ARD und ZDF mischen da vor allem mit.
An prominenten Namen mangelt es nicht: Aus dem Ausland kommen Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa, Umberto Eco oder der dänische Krimi-Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen. Aus dem Inland haben sich neben Altmeistern wie Martin Walser auch Charlotte Roche oder Ferdinand von Schirach angesagt, die derzeit ganz oben auf den Verkaufslisten stehen.
Buchmessen-Ehrengast Island bringt 38 Autoren und 203 Neuerscheinungen aus oder über Island mit zur Messe. Island ist bisher das kleinste Land, das seine Literatur und Kultur auf der weltweiten Bücherschau präsentiert. In kaum einem anderen Land wird jedoch mehr gelesen und gibt es - gemessen an der Einwohnerzahl von 320 000 - so viele Schriftsteller. Dabei kann man lohnende Entdeckungen machen. Die Island-Krimis sind ohnehin schon populär.
Zum Abschluss der Messe, die erneut mit knapp 300 000 Besuchern rechnet, wird in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an den hochgelobten algerischen Autor Boualem Sansal verliehen. Trotz seiner kritischen Romane und Essays über sein Heimatland ist er als einer der wenigen Schriftsteller von Rang noch nicht ins Exil gegangen.
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29.09. Island besinnt sich nach Finanzcrash wieder aufs Lesen
Das bisher kleinste Gastland der Frankfurter Buchmesse hat eine große literarische Tradition. Die Isländer gelten als lesewütig mit rekordverdächtig hoher Schriftstellerdichte. Der Finanzcrash hat dies sogar gefördert.
Reykjavík (dpa) - Wer in Island stirbt, dem wird von Freunden oder Verwandten in öffentlichen Nachrufen gehuldigt. «Wenn über jemanden nichts geschrieben wird, dann hat er praktisch umsonst gelebt», sagt der isländische Autor Hallgrímur Helgason («Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein»). Am besten ist es natürlich, wenn einer zu Lebzeiten selbst schreibt. Was in dem erzählfreudigen Land viele tun:
Limerick-Verse gehören zum Nationalsport. Der Schriftstellerverband zählt sogar 400 Mitglieder - in einem Land mit 320 000 Einwohnern. So groß ist auch die Stadt Bonn.
Auch die Leselust der Isländer ist beeindruckend. Jeder kauft im Schnitt acht Bücher im Jahr - das ist weltweit Spitze. Rund 1500 Neuerscheinungen pro Jahr und 40 Verlage sind ebenfalls stolze Zahlen. Und ausgerechnet die Buchbranche hat 2008 vom Kollaps des Finanzsystems profitiert. Es wird in Island noch mehr gelesen, sagt Halldór Gudmundsson, der seit vier Jahren den Auftritt seines Landes auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Etat von 2,7 Millionen Euro akribisch vorbereitet. «Die Menschen besinnen sich wieder auf ihre Traditionen.»
Es sind nicht nur die ewig-langen Winternächte, die in der am Polarkreis gelegenen Insel zum Lesen verführen. Es gibt dafür auch historische Gründe. Die Isländer haben im Mittelalter die harte Besiedlung der Vulkaninsel, die zu fast 95 Prozent unbewohnbar ist, in den «Sagas» auf präparierten Kalbshäuten niedergeschrieben.
Seitdem hat die isländische Sprache, die sich seit dem Mittelalter auf dem isolierten Eiland nicht verändert hat, die Kultur des Volkes geprägt. «Wir drücken uns schon immer in Büchern aus», sagt Gudmundsson, der eine große Biografie über den isländischen Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness (1902-1998) verfasst hat.
Die Isländer-Sagas haben zur Identität des Landes, das erst 1944 seine Unabhängigkeit von Dänemark durchsetzte, eine wichtige Rolle gespielt. Kultur wird zugleich ganzheitlich verstanden: Wer schreibt, macht oft auch Musik oder malt. Auch der als «Popliterat» bekanntgewordene Helgason hat in jungen Jahren mal Kunst in München studiert. In Island, wo viele mehrere Karrieren haben, sind solche Biografien fast die Regel.
Es gibt aber genug Schriftsteller, die ihren Beruf zum Haupterwerb gemacht haben. Dazu gehören Einar Kárason, der in der amerikanischen Erzähltradition seine großen Island-Epen verfasst, oder der Romancier Einar Már Gudmundsson. Er wurde international über die Geschichte eines Geisteskranken («Engel des Universums») bekannt. Unter den Frauen ragt Steinunn Sigurðardóttir hervor, die sich auf die großen - oft unerwiderten - Gefühle spezialisiert hat. Es gibt auch eine junge experimentelle Lyrikszene wie den originellen Poeten Eiríkur Örn Norðdahl. Am bekanntesten sind aber in Deutschland die Island-Krimis, mit dem Bestseller-Autor Arnaldur Indriðason an der Spitze. Sie beleuchten gerne - ähnlich wie andere Skandinavien-Krimis - die dunklen Seiten des Wohlfahrtsstaates.
Im kleinen Island sind die Schriftsteller mehr als in anderen Ländern noch eine intellektuelle Avantgarde, wie der Zusammenbruch des Finanzsystems im Jahr 2008 bewiesen hat. Nachdem die größenwahnsinnigen «Finanzwikinger» der drei großen Privatbanken das eigene Land mit tausenden ausländischen Anlegern in die Tiefe gerissen haben, haben Autoren den öffentlichen Protest angeführt. Die Banken sind inzwischen verstaatlicht, die neoliberale Regierung vertrieben. Jetzt regiert eine Allianz aus Sozialdemokraten und links-grüner Bewegung, allerdings unter den Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF).
«Wir haben vielleicht nicht so viel erreicht, aber wir haben gezeigt, dass ein Wandel möglich ist», sagt Einar Már Gudmundsson, der zu den Wortführern des Protests gehörte. Seine Abrechnung mit den Haien des Finanzsystems ist unter dem Titel «Am Abgrund» im vergangenen Jahr auch auf Deutsch herausgekommen.
Den Crash hat Island, das in Statistiken vor wenigen Jahren noch als reichstes Land der Land geführt wurde, trotz der wirtschaftlichen Erholung noch nicht überwunden. «Wir haben unsere Unschuld verloren», stellt Helgason fest. Die Isländer sollten sich wieder auf die Literatur als ihre eigentliche Stärke besinnen, um ihr von den Finanzmaklern angekratztes Image aufzupolieren, forderte Einar Kárason im September ironisch beim Literaturfestival in Reykjavik.
Auf der Buchmesse legt sich Island schwer ins Zeug: Allein etwa 100 Belletristik-Titel und Anthologien erscheinen in deutschen Verlagen. Kein Gastland in den vergangenen Jahren hat es auf mehr Titel gebracht. Dabei will Island auf der weltweit bedeutendsten literarischen Bühne seine ganze Bandbreite präsentieren. Die üblichen Klischees von den Trollen und Elfen sollen vermieden werden. «Wir haben Elfenverbot», sagt Halldór Gudmundsson.
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29.09. Autor Helgason: «Wir haben unsere Unschuld verloren»
KlageReykjavík (dpa) - Der Kollaps des isländischen Finanzsystems im Jahr 2008 und die folgende Krise haben die Mentalität des Landes verändert. Die Isländer hätten ihre Unschuld verloren, sagt der isländische Autor Hallgrímur Helgason im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die meist schrägen Romane des 52-Jährigen
(«101 Reykjavík», «Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen») sind auch in Deutschland erfolgreich.
Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf Island gehabt?
Helgason: «Die Mentalität hat sich völlig geändert. Wir sind aus einem Traum erwacht. Dies nicht so sehr, weil die Menschen Geld verloren, sondern weil wir erkannt haben, alles basierte auf nichts.
Wir haben alle naiv an das von den Bankern geschaffene Trugbild geglaubt - und sind dann unsanft aufgewacht. Und zum ersten Mal in der Geschichte waren wir schuldig, weil wir das Geld von unschuldigen Anlegern gestohlen und damit spekuliert haben. Wir waren immer die Guten in der Geschichte, aber jetzt haben wir unsere Unschuld verloren. Ich habe mich geschämt, Isländer zu sein.»
Wie haben die Schriftsteller reagiert?
Helgason: «Wir waren empört. Viele sind auf die Straße gegangen. Ich habe am Auto des Premierministers gerüttelt, ihm in die Augen geschaut und ihn angeschrien, er solle zurücktreten. Jetzt haben wir eine neue Regierung. Und es ist typisch, dass mit Jóhanna Sigurðardóttir eine Frau an der Spitze steht. Immer müssen die Frauen den Dreck aufräumen, den die Männer hinterlassen. Sie ist sehr populär, weil sie über große Integrität und Vertrauen verfügt. Und wir sind sehr stolz darauf, dass sie lesbisch ist.»
Wie wurde die Krise literarisch verarbeitet?
Helgason: «Da müssen wir noch warten. Es ist alles noch zu frisch.
Günter Grass hat seine "Blechtrommel" (die unter anderem den Zweiten Weltkrieg thematisiert) auch erst 1959 geschrieben. Eigentlich wollte ich schon vor der Krise über die Banker schreiben und mitkriegen, wie man Milliardär wird. Ich wollte mit ihnen im Privatjet von Reykjavík nach London fliegen. Aber dann kam der Zusammenbruch, und ich habe erst mal das Projekt aufgeschoben. Aber ich hoffe, es kommt noch.»
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29.09. Daten zur 63. Frankfurter Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Die 63. Frankfurter Buchmesse in Zahlen:
- Dauer: 12. bis 16. Oktober (Eröffnung: 11. Oktober)
- Aussteller: ca 7500 aus 110 Ländern
- Erwartete Besucher: rund 280 000
- Veranstaltungen: etwa 3300
- Publikumstage: 15./16. Oktober
- Eintritt: 15 Euro (zehn Euro ermäßigt)
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