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Hugo Loetscher ist gestorben

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zum Tod des Autors
 

 
Unsere Beiträge:

Schweizer Autor Hugo Loetscher tot - sanfter Moralist und Humanist
Pressestimmen zu Hugo Loetscher
Hugo Loetscher - Leben und Werke
 

 

19.08. Schweizer Autor Hugo Loetscher tot - sanfter Moralist und Humanist

Zürich (dpa) - Hugo Loetscher zählte zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschsprachigen Schweiz und wurde in einem Atemzug mit Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch genannt. Im Alter von 79 Jahren ist er in seiner Heimatstadt Zürich an den Folgen einer schweren Herzoperation gestorben, wie der Diogenes Verlag am Dienstagabend mitteilte. Loetscher galt zugleich als der weltoffenste der Schweizer Autoren. Seit Mitte der 60er Jahre bereiste er regelmäßig Lateinamerika, die USA, Indien und Fernost, ohne die Themen seiner Heimat aus dem Blick zu verlieren. Gastdozenturen führten ihn unter anderem an die Universität München.

Kritiker loben Loetscher, der auch Mitglied der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung war, als weltläufigen Lokalpatrioten, Humanisten und sanften Moralisten. Sie rühmen seinen Einfallsreichtum, seine Erzählkunst und die Leichtigkeit seines Humors, mit denen er das Zeitgeschehen kommentierte. Seine Figuren sind meistens Außenseiter. Das galt nach Ansicht der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) auch für den Autor selbst. «Er stellte sich immer ein wenig gegen den Strom - ohne freilich davon ein großes Aufheben zu machen», schreibt das Blatt. Mit Loetscher verliere die deutschsprachige Literatur «eine eminente Stimme».

Zu seinem Werk gehören Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke und Reisereportagen. Sein literarisches Debüt gab er 1960 mit dem Drama «Schichtenwechsel» am Zürcher Schauspielhaus. 1963 erschien sein erster Roman «Abwässer». Ab 1969 schrieb Loetscher als freier Autor. Zu seinen bekanntesten Werken gehören der Roman «Der Immune» (1975), der mit «Die Papiere des Immunen» (1986) eine Fortsetzung fand. Bekannt wurde Loetscher auch mit ««Herbst in der Großen Orange» (1982), das er nach einem Aufenthalt an der Universität von Süd- Kalifornien verfasste, «Der Waschküchenschlüssel und andere Helvetica» (1983) oder «Die Augen des Mandarin» (1999).

Seine Karriere begonnen hatte Loetscher nach dem Studium der Politischen Wissenschaften, Wirtschaftsgeschichte, Soziologie und Literatur in Zürich und Paris als Literaturkritiker. Er schrieb für die «Weltwoche» und die «NZZ», bevor er Redakteur der Schweizer Kulturzeitschrift «Du» wurde. Von 1986 bis 1989 war er Präsident des Schweizer Schriftstellerverbands. 1992 zeichnete ihn die Schweizerische Schillerstiftung mit dem Großen Schiller-Preis aus.
An diesem Freitag kommt sein neues Werk «War meine Zeit meine Zeit» heraus, eine Art literarische und geografische Lebensbilanz.

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19.08. Pressestimmen zu Hugo Loetscher

Zürich (Diogenes Verlag) - »Hugo Loetscher ist zweifellos der kosmopolitischste, der weltoffenste Schriftsteller der Schweiz. Es weht ein Duft von Urbanität und weiter Welt in seinen Büchern, die sich dennoch keineswegs von den sozialen Realitäten abwenden, ganz im Gegenteil. Hugo Loetscher ist eine Ausnahmeerscheinung in der Schweizer Gegenwartsliteratur nach Frisch und Dürrenmatt. Eine Ausnahmeerscheinung ist er durchaus bezüglich der literarischen Qualität. Er ist es aber auch als Intellektueller: Eben weil es ihm gelungen ist, die kulturelle und politische Enge der Schweiz in ein dialektisches Verhältnis zu bringen und fruchtbar zu machen.«
Jürg Altwegg

»Hugo Loetscher pflegt als Erzähler die hohe Schule von Dürrenmatt.«
Bücherpick, Urtenen

»Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob Loetschers Einfallsreichtum, seine Kenntnisse oder seine Darstellungskunst den Hauptreiz seines Erzählens ausmachen.«
Die Presse, Wien

»Leichtfüßig-amüsant gelungen schließt Loetscher sich und uns die keineswegs geheimgehaltenen, aber doch so verdächtig uneingestandenen Winkel helvetischer Eigenart auf.«
Die Welt, Berlin

»Ein Schriftsteller von europäischem Format.«
Alain Bosquet / Le Figaro, Paris

»Ein Autor, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert zu den vielseitigsten Gestalten der deutschsprachigen Schweizer Literatur gehört.«
Neue Zürcher Zeitung,

»Einer der großen Schweizer Gegenwartsautoren. Ein Meister der Sprache und der humorvollen Auseinandersetzung mit der Kunst des Erzählens und des Umsetzens von Bildern und Impressionen in Worte.«
Margarete von Schwarzkopf / Norddeutscher Rundfunk, Hannover

»Hugo Loetscher, der Meister der intellektuellen Widerborstigkeit, ist ein großer Reisender und ein unkonventioneller Kritiker seiner Zeit. Engagiert, undogmatisch, hedonistisch und brillant. Ein begnadeter Erzähler.«
Progr. der Erlanger Literaturtage 2000

»Hugo Loetscher ist ein wunderbarer Erzähler, der gewichtige Gedanken federleicht formuliert.«
Roger Anderegg / SonntagsZeitung, Zürich

»Ein facettenreicher Erzähler, ein weltläufiger Lokalpatriot, ein brillanter Causeur. Seit Frischs und Dürrenmatts Tod gehört Hugo Loetscher zu den namhaftesten Schweizer Autoren.«
Tages–Anzeiger, Zürich

»Pointen, skurriler Humor, überraschende Beobachtungen, witzige Bemerkungen – man langweilt sich keine Sekunde mit Hugo Loetscher. Der Autor ist ein Meister der kleinen Form, in seinen Erzählungen finden sich seine großen Themen.«
Jürg Altwegg / Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Der Virtuose der Schweizer Literatur.«
Pia Reinacher / Die Weltwoche, Zürich

»Ich kenne kaum einen Autor, der es geschafft hat, das Weltbewußtsein der Literatur mit der Lust des Autors am Spielerischen und der Ironie so zu verbinden. Und ich kenne kaum einen Autor, dem es gelungen ist, Ästhetik und Engagement so zu verbinden, daß keines der Elemente das andere erschlägt. Bei ihm lernen wir die lachende Wahrheit schätzen. Hugo Loetscher pflegt die konstruktive Ironie. Literatur ist bei ihm implizite, verpackte Moral. So unsichtbar wie das schaumbildende Ei in der Zabaione. So locker geschlagen und doch so komplex, eine nahrhafte Luftspeise. Vielleicht ist es diese literarkulinarische Köstlichkeit, die Loetscher der, wie der heimatverbundene Nichtpatriot sagen würde, Literatur deutscher Ausdrucksweise gegeben hat. Wer diesen Autor liest, entdeckt einen der zeitgenössischsten Autoren im deutschen Sprachraum. Es ist höchste Zeit für eine Hugo-Loetscher-Renaissance.«
Ingo Arend / Freitag, Berlin

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19.08. Hugo Loetscher - Leben und Werke

Zürich (Diogenes Verlag) - Am 22. Dezember 1929 in Zürich geboren. Studium der Politischen Wissenschaften, Wirtschaftsgeschichte, Soziologie und Literatur in Zürich und Paris. Aktiv in der Studentenbewegung. Nach seiner Promotion war er Literaturkritiker bei der Weltwoche und der Neuen Zürcher Zeitung.

Von 1958 bis 1962 literarischer Redaktor der Zeitschrift du; Leiter der von ihm begründeten Beilage Das Wort. Nach seinem Austritt aus der Redaktion bleibt er Mitarbeiter (Sonderhefte Bahia und Chicago). 1960 Uraufführung seines Stückes Schichtwechsel am Zürcher Schauspielhaus.

Nach Aufgabe der Redaktionstätigkeit für die Zeitschrift du freier Schriftsteller. Reisen in Italien, Griechenland und Portugal. Von 1964 bis 1969 Feuilleton-Redaktor und Mitglied der Chefredaktion der Weltwoche. Seit 1964 regelmäßige Aufenthalte in Lateinamerika. Ab 1969 freier Schriftsteller. Tätigkeit als Kritiker und Publizist für NZZ, Tages-Anzeiger, Radio und Fernsehen sowie verschiedene Zeitschriften.

Seit 1976 regelmäßige Reisen in den Fernen Osten und nach Südostasien. 1979/80 writer in residence an der University of Southern California. 1981 Gastdozent – Der Schriftsteller und die Literaturwissenschaft – an der Universität Fribourg. 1981/82 erster Inhaber des Swiss Chair an der City University New York, How Many Languages Does Man Need? Von 1986 bis 1989 Präsident des Schweizerischen Schriftstellerverbandes. Hugo Loetscher war Mitglied der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Er starb am 18. August 2009 in Zürich.

Veröffentlichungen:

Schichtenwechsel – Stück in 26 Bildern
Zürich: H. R. Stauffacher, 1960

Abwässer – Ein Gutachten
Zürich: Verlag Die Arche, 1963; Taschenbuchausgaben Frankfurt a.M./Berlin/Wien: Ullstein, 1981 und Zürich: Diogenes, 1989 (detebe 21729)

Die Kranzflechterin (Roman)
Zürich: Verlag Die Arche, 1964; Taschenbuchausgabe Zürich: Diogenes, 1989 (detebe 21728)

Noah. Roman einer Konjunktur
Zürich: Verlag Die Arche, 1967; Taschenbuchausgabe Zürich: Diogenes, 1984 und 1993 (detebe 21206)

Zehn Jahre Fidel Castro. Reportage und Analyse
Zürich: Verlag Die Arche, 1969

Der Immune (Roman)
Darmstadt/Neuwied: Luchterhand, 1975. Überarbeitete Neuausgabe Zürich: Diogenes, 1985; Taschenbuchausgabe ebd., 1988 (detebe 21590)

Die Entdeckung der Schweiz und anderes
Zürich: Gute Schriften, 1976

Kulinaritäten. Ein Briefwechsel zwischen Alice Vollenweider und Hugo Loetscher
Bern: Benteli, 1976; erweiterte Neuausgabe mit dem Untertitel ›Ein Briefwechsel über die Kunst und die Kultur  der Küche‹. Zürich: Diogenes, 1990 (detebe 21927)

Wunderwelt. Eine brasilianische Begegnung
Darmstadt/Neuwied: Luchterhand, 1979; Taschenbuchausgabe Zürich: Diogenes, 1983 (detebe 21040)

Herbst in der Großen Orange
Zürich: Diogenes, 1982; Taschenbuchausgabe ebd., 1984 (detebe 21172)

Der Waschküchenschlüssel und andere Helvetica
Zürich: Diogenes, 1983; erweiterte Taschenbuchausgabe mit dem neuen Untertitel ›oder Was – wenn Gott Schweizer wäre‹ ebd., 1989 (detebe 21633),
um zwei Geschichten erweiterte Neuausgabe ebd., 1998

Das Hugo-Loetscher-Lesebuch. Hg. von Georg Sütterlin
Zürich: Diogenes, 1984 (detebe 21207)

Die Papiere des Immunen (Roman)
Zürich: Diogenes, 1986; Taschenbuchausgabe ebd., 1988 (detebe 21659)

Vom Erzählen erzählen. Münchner Poetikvorlesungen. Mit einer Einführung von Wolfgang Frühwald
Zürich: Diogenes, 1988; erweiterte Neuausgabe mit dem neuen Untertitel

Poetikvorlesungen. Mit Einführungen von Wolfgang Frühwald und Gonçalo Vilas-Boas, ebd., 1999

Die Fliege und die Suppe und 33 andere Tiere in 33 anderen Situationen. Fabeln
Zürich: Diogenes, 1989; Taschenbuchausgabe ebd., 1993 (detebe 22666)

Der predigende Hahn. Das literarisch-moralische Nutztier
Zürich: Diogenes, 1992; Taschenbuchausgabe ebd., 1994 (detebe 22673)

Saison (Roman)
Zürich: Diogenes, 1995; Taschenbuchausgabe ebd., 1998 (detebe 22983)

Die Augen des Mandarin (Roman)
Zürich: Diogenes, 1999; Taschenbuchausgabe ebd., 2001 (detebe 23272)

Äs tischört und plutschins. Über das Unreine in der Sprache – eine helvetische Situierung
Zürich: Vontobel-Stiftung, 2000

Der Buckel (Geschichten)
Zürich: Diogenes, 2002; Taschenbuchausgabe ebd., 2004 (detebe 23449)

Lesen statt klettern. Aufsätze zur literarischen Schweiz
Zürich: Diogenes, 2003; Taschenbuchausgabe ebd., 2008 (detebe 23721)

Es war einmal die Welt (Gedichte)
Zürich: Diogenes, 2004

In alle Richtungen gehen. Reden und Aufsätze über Hugo Loetscher. Hg. von Jeroen Dewulf und Rosmarie Zeller
Zürich: Diogenes, 2005

War meine Zeit meine Zeit
Zürich: Diogenes, 2009

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