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News-Sonderthema: 

Vergabe des Ingeborg-Bachmann-Preises 2009

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zur Preisvergabe in Klagenfurt
 

 
Unsere Beiträge:

Ingeborg-Bachmann-Preis an deutschen Autor
Berliner holen vier Preise in Bachmann-Wettbewerb
Preisträger des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs
Mit literarischem Seziermesser - Bachmann-Preisträger Jens Petersen
Jens Petersen: Schreiben ist «asoziale Tätigkeit»
 

 

30.06. Ingeborg-Bachmann-Preis an deutschen Autor

Wien (dpa) - Der berührendste Text erhielt am Ende den Preis: Jens Petersen, aus Deutschland stammender und in Zürich lebender Arzt und Schriftsteller, hat am Sonntag in Klagenfurt den 33. Ingeborg Bachmann-Preis gewonnen. Nach einem dreitägigen Vorlesemarathon stimmte die Mehrheit der sieben Juroren im zweiten Wahlgang für einen Auszug aus seinem noch unveröffentlichten Roman «Bis dass der Tod...». Der renommierte Preis ist mit 25 000 Euro dotiert.

Alle fünf im Rahmen der 33. Klagenfurter «Tage der deutschsprachigen Literatur» vergebenen Preise gingen in diesem Jahr an Deutsche. Der von der Stadt Klagenfurt gestiftete Bachmann-Preis gilt seit seiner Gründung 1977 als einer der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Er ist nach der in Klagenfurt geborenen Dichterin Ingeborg Bachmann (1923-1973) benannt. Zu dem Wettbewerb waren insgesamt acht Deutsche, vier Österreicher und zwei Schweizer eingeladen.

In dem düsteren Text des aus Pinneberg bei Hamburg stammenden Autors Jens Petersen geht es um eine Liebesbeziehung und ihr tragisches Ende. Ein Mann erschießt seine seit vielen Jahren pflegebedürftige Partnerin, schafft es dann aber - zumindest in dem vorliegenden Text-Auszug nicht, sich danach selbst das Leben zu nehmen. «Bis dass der Tod» ist ein Ausschnitt eines noch unveröffentlichten Romans des Autors, der für seine Arbeiten in den vergangenen Jahren bereits mehrere Literatur- und Förderpreise erhalten hat. Seinen ersten Roman veröffentlichte der Mediziner mit «Die Haushälterin» im Jahre 2005.

Sein unter den Juroren kaum umstrittener, als «beklemmend» charakterisierter Beitrag war vom deutschen Vorsitzenden der Jury, Burkhard Spinnen, für den Wettbewerb vorgeschlagen worden. Einer der sieben Juroren, von denen vier erstmals in Klagenfurt teilnahmen, bezeichnete Petersens detaillierte, und schmerzhafte Beschreibungen der Verzweiflungstat als «post-apokalyptische Landschaften».

Beobachter des in diesem Jahr wieder auf drei Lesetage ausgeweiteten Vorlese-Wettstreits kritisierten vor allem nach dem ersten Tag (am vergangenen Donnerstag) allerdings einen Mangel an neuen Ideen im Bachmann-Wettbewerb. Den originellsten Beitrag leistete hier wohl der Wiener Philipp Weiss, bei dessen Erzählung «Blätterliebe» es um den Schaffensprozess eines Schriftstellers geht. Nach der Lesung verspeiste Weiss vor Jury und Publikum sein 11-seitiges Manuskript.

Kaum einer der 14 Beiträge, die von der Jury aus über 1000 Einsendungen ausgewählt wurden, konnte während der drei Wettbewerbstage die Zustimmung aller Juroren finden. Neben Petersens Romanauszug waren dies vielleicht noch Ralf Bönts Romanauszug «Der Fotoeffekt», der aus der Sicht eines Lichtteilchens aus dem Leben des britischen Forschers Michael Faraday und seiner Frau erzählt. Bönt erhielt den mit 10 000 Euro dotierten Kelag-Preis. Karsten Krampitz (Berlin) wurde für seinen Beitrag «Heimgehen» zur jüngsten deutsch- deutschen Geschichte mit dem über das Internet vergebenen und mit 7000 Euro dotierten Publikumspreis ausgezeichnet. Der mit 7500 Euro dotierte 3sat-Preis ging an den in Schwerin geborenen Gregor Sander für «Winterfisch», und den Ernst-Willner-Preis (7000 Euro) erhielt die in Berlin lebende Katharina Born für ihren Text «Fifty Fifty», der sich mit einer «Beziehungskiste» der 68er-Generation auseinandersetzt.

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30.06 Berliner holen vier Preise in Bachmann-Wettbewerb

Klagenfurt/Berlin (dpa/bb) - Vier Berliner haben Auszeichnungen im diesjährigen Wettbewerb um den Ingeborg Bachmann-Preis erhalten. Der Autor Karsten Krampitz errang am Sonntag im österreichischen Klagenfurt mit seiner Erzählung «Heimgehen» den Publikumspreis, der durch eine Internetabstimmung vergeben wird. Ralf Bönt wurde mit dem mit 10 000 Euro dotierten Kelag-Preis für seinen Text «Der Fotoeffekt» ausgezeichnet. Der 3sat-Preis, der mit 7500 Euro dotiert ist, ging an den in Schwerin geborenen und in Berlin lebenden Gregor Sander für seine Erzählung «Winterfisch», und Katharina Born wurde für ihre Erzählung «Fifty Fifty» mit dem mit 7000 Euro dotierten Ernst-Willner Preis prämiert.

Allein der Ingeborg-Bachmann-Preis selbst ging nicht nach Berlin: Die renommierte Auszeichnung, die zum 33. Mal vergeben wurde, hat der Pinneberger Autor Jens Petersen gewonnen. Petersen (33) erhielt die Auszeichnung für einen Auszug aus seinem noch unveröffentlichten Roman «Bis dass der Tod...», in dem er sich mit Euthanasie und dem versuchten Selbstmord im Rahmen einer Liebesbeziehung befasst. Insgesamt hatten an dem dreitägigen Vorlesewettbewerb 14 Autoren aus dem deutschsprachigen Raum teilgenommen. Der Bachmann-Preis gilt seit seiner Gründung 1977 als einer der wichtigsten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. Er ist nach der in Klagenfurt geborenen Dichterin Ingeborg Bachmann (1923-1973) benannt.

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30.06. Preisträger des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs

Wien (dpa) - Der Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gilt seit seiner Gründung 1977 als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Die bisherigen Preisträger waren:

2008 - Tilman Rammstedt
2007 - Lutz Seiler
2006 - Kathrin Passig
2005 - Thomas Lang
2004 - Uwe Tellkamp
2003 - Inka Parei
2002 - Peter Glaser
2001 - Michael Lentz
2000 - Georg Klein
1999 - Terezia Mora
1998 - Sibylle Lewitscharoff
1997 - Norbert Niemann
1996 - Jan Peter Bremer
1995 - Franzobel
1994 - Reto Hänny
1993 - Kurt Drawert
1992 - Alissa Walser
1991 - Emine Sevgi Özdamar
1990 - Birgit Vanderbeke
1989 - Wolfgang Hilbig
1988 - Angela Krauß
1987 - Uwe Saeger
1986 - Katja Lange-Müller
1985 - Hermann Burger
1984 - Erica Pedretti
1983 - Friederike Roth
1982 - Jürg Amann
1981 - Urs Jaeggi
1980 - Sten Nadolny
1979 - Gert Hofmann
1978 - Ulrich Plenzdorf
1977 - Gert Jonke

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30.06. Mit literarischem Seziermesser - Bachmann-Preisträger Jens Petersen


Wien/Pinneberg (dpa/lno) - Sein Äußeres scheint in merkwürdigem Kontrast zu seinem Siegertext zu stehen. Hoch aufgeschossen, schlank, volles blondes Haar und ein offener, optimistischer Blick. Man traut Jens Petersen, dem vor 33 Jahren in Pinneberg bei Hamburg geborenen Schriftsteller und Arzt, der am Sonntag in Klagenfurt mit dem 33. Ingeborg Bachmann-Preis (25 000 Euro) ausgezeichnet wurde, diese düstere, schmerzvolle Geschichte kaum zu, die in Klagenfurt - vielleicht als Einzige - alle sieben Juroren überzeugen konnte.

«Bis dass der Tod...» ist ein beklemmender Text, das letzte Kapitel eines noch unveröffentlichten Romans, realistisch fast bis zur Unerträglichkeit. Das empfinden selbst die abgebrühten Juroren, die dem angehenden Neurologen einen der wichtigsten Literaturpreise des deutschsprachigen Raums zugesprochen haben. Als «post-apokalyptische Landschaften» beschreibt einer der Kritiker seine Schilderungen der hier beschriebenen Verzweiflungstat. Als «hoch-artifiziellen Text» bezeichnet ihn ein anderer Juror, ein «mit unerhörter Kunst geschaffener, lichtloser Raum», meint ein weiterer.

Jens Petersen, der schon als Medizinstudent ein Weltenbummler gewesen ist und der nun in Zürich lebt und arbeitet, gibt zu, dass es nicht zuletzt sein Beruf ist, der ihn zum Schreiben dieser bisher unveröffentlichten Zeilen gebracht hat. Dieser «ziemlich extreme Text» (so der Autor selbst) sei Ergebnis eines Maßes an «Grenzerfahrung, das für einen Arzt größer ist als in anderen Berufen». «Ich sehe in meiner Arbeit viel Schmerz», sagt er - fast entschuldigend. Doch der rege seine Kreativität an. Die nötige Präzision des Mediziners beeinflusst seine Kunst der Beschreibung, bei der er oft das literarische Seziermesser benutzt.

Schreiben sei ihm immer schon ein Bedürfnis gewesen, sagt Petersen in Klagenfurt. Er begann damit bereits als Jugendlicher. Auch journalistisch hat er gearbeitet, doch dann begann er mit dem Medizinstudium in München, Lima, New York und Buenos Aires. Jetzt macht er die Facharztprüfung an der Uni-Klinik von Zürich. Bereits sein erster Roman «Die Haushälterin» (2005, DVA) brachte ihm viele gute Kritiken und dazu den aspekte-Literaturpreis (ZDF) ein, außerdem den Bayerischen Kunstförderpreis, den Kranichsteiner Literatur- Förderpreis und 2007 den Evangelischen Buchpreis. Daneben stehen mehrere veröffentlichte Erzählungen («Torpedo auf sechs Uhr», «Im Auge des Jägers»).

Wie stark Petersens Lesung die Juroren berührte, machte der Österreicher Paul Jandl deutlich. Jandl hatte unmittelbar nach Petersens Vortrag am Freitag erklärt, «ich kann noch nicht entscheiden, ob es ein hochwertiger literarischer Text ist oder Kitsch». Am Samstag nahm er dieses Urteil öffentlich zurück. Das Werk, so der Juror, sei ein «ganz ausgezeichnetes Stück Literatur».

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30.06 Jens Petersen: Schreiben ist «asoziale Tätigkeit»

Berlin (dpa) - Für Jens Petersen, Gewinner des diesjährigen Bachmann-Literaturwettbewerbs, ist das Schreiben eine «asoziale Tätigkeit». Schriftstellerei sei in manchen, glänzenden Momenten, wenn man beispielsweise einen Preis bekomme, sehr schön - aber im Großen und Ganzen auch von viel Frustration gekennzeichnet. «Man ist nicht immer gut gelaunt beim Schreiben, ganz im Gegenteil», sagte der Arzt und Autor am Montag im Deutschlandradio Kultur. «Das schlägt sich dann manchmal auch aufs Soziale (...) nieder.» Der neuen Roman «Bis dass der Tod», aus dem Petersen in Klagenfurt Auszüge gelesen hatte, wird im Herbst 2010 erscheinen. Das gab der Verlag DVA am Montag in München bekannt.

Die Motivation für das Schreiben ergebe sich daraus, «dass man irgendeinen Mangel empfindet, irgendetwas mitteilen möchte», sagte der 33-Jährige, der aus Pinneberg bei Hamburg stammt und in Zürich als Mediziner arbeitet. Das seien meist Dinge mit autobiografischem Bezug. Er halte es für Unsinn, wenn Autoren behaupteten, ihr Schreiben habe mit der eigenen Biografie nichts zu tun.

Seine alltäglichen Erfahrungen in der Klinik könne er allerdings nicht sofort in Literatur umsetzen. Dazu sei oft ein Abstand von mehreren Jahren nötig. Die Themen über die er schreibe, müssten erst «sacken, ruhen, noch einmal durchdacht werden».

Den Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt habe er schon als Schüler verfolgt, erzählte Petersen. Er habe damals eine Beziehung dazu gehabt wie andere zum Schießen eines Tors im WM-Finale: «Man weiß, es ist völliger Unsinn, es wird nie passieren, aber man darf ja mal träumen.» Schon für seinen Debütroman «Die Haushälterin» (DVA, 2005) hatte Petersen mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den «aspekte»-Literaturpreis.

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