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News-Sonderthema: 

Leipziger Buchmesse 2011 (17. bis 20. März)

Fakten, Stimmen und Hintergrundberichte. Aktuelle Informationen von der Messe.

 

 
Unsere Beiträge:

07.03.2011
20 Aussteller aus dem Land auf Leipziger Buchmesse

08.03.2011
Buchmessepreis: Herrndorf ist Publikums-Favorit

10.03.2011
Leipziger Buchmesse: Buhlen um Leser und Preise

Börsenverein: Stabile Umsatz-Lage am Buchmarkt
Die Leipziger Buchmesse in Zahlen
Blick in die Welt: Autoren aus 35 Ländern
Der Wettlauf um den skurrilsten Buchtitel

17.03.2011
Buchmesse beginnt mit Optimismus - Preis für Pollack

Von Aufbruch und Reise: Titel für den Preis der Leipziger Buchmesse
Das «Berliner Zimmer» feiert Buchmesse-Jubiläum
Leipziger Buchmesse sammelt für Japan
Hunde und Hoheiten - Die bunte Buchmesse

18.03.2011
1000 Kraniche für Erdbeben-Opfer in Japan

Nachtlektüre mit doppeltem Clemens
Kinder- und Jugendbuch: Zu wenige Väter lesen vor
Kino ohne Bilder: Hörspiele sind im Kommen
Nach der Katastrophe ist «Die Wolke» wieder gefragt

21.03.2011
Manga-Fans trauern kostümiert auf der Buchmesse

Arno Geiger: «Auch das Ende des Lebens ist Leben»
David Albahari: Ich will wieder heim
Serbische Literatur im Aufwind


 

07.03. 20 Aussteller aus dem Land auf Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist neben der Frankfurter «großen Schwester» ein wichtiger Treff der Buch- und Medienbranche. Auch die kleinen Verlage im Nordosten drängen nach Leipzig - und haben mehr im Gepäck als ein bisschen Heimatliteratur.

Schwerin (dpa/mv) - Die Verlagslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist übersichtlich. Dennoch haben sich aus dem Land 20 Aussteller für die Leipziger Buchmesse angemeldet. Dort präsentieren vom 17. bis 20. März 2150 Verlage aus 35 Ländern ihre Neuerscheinungen. Viele der durchweg kleinen Buchverlage von der nordostdeutschen Küste setzen auf Bildbände und Reiseführer aus dem Urlaubsland, auf Kinderbücher, einheimische Autoren oder Literatur aus und über die DDR.

Flaggschiff unter den Ausstellern aus Mecklenburg-Vorpommern ist der Hinstorff-Verlag Rostock. Wie Verlagsleiterin Eva-Maria Buchholz in einer dpa-Umfrage sagte, stellt Hinstorff zwei große Bildbände vor - «Landschaft im Licht» von Thomas Grundner und Ernst-Jürgen Walberg sowie «Gartenrouten» von Wolf Karge und Jörn Lehmann . «Ein wichtiger Bestandteil ist das Kinderbuch», sagte Buchholz und nennt Maja Bohns «Mama, wo ist eigentlich das Gestern hin?» und «Tierische Anagramme» von Stefanie Urbach und Jens Bonnke.

Der Klatschmohn-Verlag - nach Angaben seiner Geschäftsführerin Angelika Kleinfeldt mit zehn Mitarbeitern nach Hinstoff wohl schon der zweitgrößte Verlag im Land - wartet in Leipzig mit einem Gourmetprogramm auf. Neu seien Rezepte aus der Klosterküche mit dem Titel «Culina Monasterii» und ein Kochbuch von Sterne-Koch Tillmann Hahn «Fisch von Ostsee bis Müritz». Empfehlungen gibt ein Gourmetführer Deutschland: «Wir stellen die zehn besten Köche aus jedem Bundesland vor», sagte Kleinfeldt. Dem Band lägen Restaurant-Ranglisten und sechs Gourmetführer zugrunde.

Mit Humor geht der Steffen-Verlag Friedland (Mecklenburg-Strelitz) auf die Buchmesse. Der Entertainer Willi Freibier, mit bürgerlichem Namen Gerd Brummund, veröffentlicht bei Steffen ein Buch mit Kurzgeschichten, Liedtexten und Gedichten. «Es ist noch im Druck», sagte Verlagsmitarbeiterin Daniela Kirsch. Der neue Spitzentitel aber sei der «kleine Reiseführer für Entdecker», Christine Stelzers «Wundervolles Mecklenburg-Vorpommern». Sie stellt Besonderheiten wie das Haus auf dem Kopf oder den tiefsten erreichbaren Punkt des Landes vor. Eine Lesung auf der Messe werde es zur Neuauflage von «Egon und das achte Weltwunder», Joachim Wohlgemuths Roman von 1962, geben.

Kleine bibliophile Kostbarkeiten verlegt der Mueckenschweinverlag in Stralsund. Zur Buchmesse nimmt Leiter Fred Lautsch «Nüppelchen und Züppelchen» von Thomas Hauck mit, ein aufwendig gestaltetes Buch mit Holzschnitten von Sabine Nier über die Liebe eines ungleichen Paares. «Es wird am 18. März in Leipzig Buchpremiere feiern», sagte er. Neu seien auch die Fabeln über den Vampir «Graf Rudi» von Annett Ecklebe mit Illustrationen von Laureline Michon. Bereits 16 000 Mal verkauft wurde Lautsch zufolge der Band «Dieses Buch sollte mir gestatten, den Konflikt in Nahost zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden» von Sylvain Mazas, das als «Goldauflage» erscheint.

Der vor zwei Jahren gegründete Mecklenburger Verlag Neubrandenburg konzentriert sich nach Worten seiner Leiterin Christiane Reinke auf
Fach- und Sachbücher zu Geschichte, Politik und Gesellschaft, aber verlegt auch Belletristik. Zur Messe fährt das «Zwangstagebuch» mit, ein Jugendroman von Beatrice Kietzmann über ein Hartz IV-Mädchen, das auf Anregung seiner Lehrerin Tagebuch führt. Mit «Hitlers braunem Schatten» Martin Bormann befasst sich der Autor Wolfgang Köpp aus der Nähe von Neubrandenburg.

Das Messe-Highlight des Rostocker BS-Verlags heißt «Dem Horizont entgegen mit dem Segelboot Bora Fem», wie Verlagsleiterin Angelika Bruhn berichtete. Der Autor Ingo P. Schoengraf habe sich mit 60 Jahren eine Hochseeyacht gekauft, mit der er um die halbe Welt segelte. Seine Erlebnisse hielt er im Buch fest. Der Verlag, der viele Bücher über die DDR im Programm hat, nimmt auch zwei in der DDR verbotene Bücher mit nach Leipzig: Dorothee Kleines «Eintreffen heute» und «Traumreisen», außerdem «Kindergarten, Schweinebraten» von Katharina Zimmer.

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08.03. Buchmessepreis: Herrndorf ist Publikums-Favorit

Leipzig (dpa) - Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf hat mit seinem Roman «Tschick» eine Online-Umfrage der Leipziger Buchmesse gewonnen. Diese hatte Leser aufgerufen, ihren Favoriten unter den fünf Belletristik-Autoren zu küren, die für den Preis der Leipziger Buchmesse 2011 nominiert sind. 1315 Leser beteiligten sich am Online-Voting, 486 stimmten für Herrndorf, wie die Messe-Organisatoren am Dienstag in Leipzig mitteilten.

Auf den zweiten Platz kam Arno Geiger («Der alte König in seinem Exil»), gefolgt von Peter Stamm («Seerücken»). Zu den Buchmessepreis-Nominierten zählen auch Anna Katharina Fröhlich («Kream Korner») und Clemens J. Setz («Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes»).

Der 1965 in Hamburg geborene Herrndorf beschreibt in seinem Abenteuerroman die Reise zweier 14-Jähriger durch den wilden Osten Deutschlands. Der Autor, der Malerei studierte und danach als Illustrator arbeitete, erhält für «Tschick» in diesem Jahr den mit 10 000 Euro dotierten Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg. Der Buchmessepreis wird am 17. März auf der Leipziger Bücherschau verliehen. Er ist mit 15 000 Euro dotiert. 

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10.03. Leipziger Buchmesse: Buhlen um Leser und Preise

Einmal im Jahr werden die Leipziger Messehallen zum Tummelplatz für Verleger, Autoren, Buchhändler - und vor allem für Leser. Auf der Leipziger Buchmesse stehen nicht die Geschäfte im Vordergrund, sondern der Publikumskontakt.

Leipzig (dpa) - 67 000 Quadratmeter Fläche, 2150 Aussteller, 1500 Autoren. Diese Zahlen stehen für die Leipziger Buchmesse 2011. Sie liegen über denen vom vergangenen Jahr. Doch der Erfolg der Schau hängt vor allem von jenen ab, die vom 17. bis zum 20. März schmökern, lauschen und lesen dürfen. Die Besucher können diesmal einen Blick auf Literatur aus Serbien und Island werfen und Schriftsteller kennenlernen, die dort Stars sind und hier völlig unbekannt. Die deutschen Verlage schicken wieder hunderte Neuerscheinungen ins Rennen. Die Autoren buhlen auf der Messe um zahlreiche mehr oder weniger bedeutsame Preise. «Als großes Festival der Leser und Autoren ist die Leipziger Buchmesse aus dem Kalender der Verleger und Buchhändler nicht mehr wegzudenken», sagt der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder.

Rund 80 000 neue Titel erscheinen in Deutschland jährlich. «Wir können natürlich nicht den gesamten Buchmarkt in all seinen Facetten abbilden», sagt Buchmesse-Direktor Oliver Zille. Daher hat sich die jährliche deutsche Frühjahrs-Bücherschau auf die Bereiche Belletristik, Sachbuch sowie Kinder- und Jugendbuch konzentriert. Von der Frankfurter Buchmesse unterscheidet sie sich auch durch einen stärkeren Blick gen Osteuropa.

«Wir haben dieses Jahr das größte literarische Balkan-Programm, das es je in Westeuropa gegeben hat», sagt Zille. Seit einigen Jahren stellt sich in Leipzig jeweils ein Balkan-Staat vor. Diesmal präsentieren am serbischen Messestand rund 60 Autoren ihre jüngsten Werke, 30 davon erscheinen erstmals auf Deutsch. Vertreten sind namhafte Schriftsteller wie Bora Cosic, David Albahari oder Laszlo Végel. Aber auch die anderen Balkan-Staaten sind präsent:
Insgesamt wollen 120 Autoren aus Südosteuropa bei mehr als 100 Veranstaltungen den deutschen Lesern ihre Bücher schmackhaft machen.

Eine Tradition der Leipziger Schau ist auch, dass das Ehrengast-Land der Frankfurter Buchmesse sich vorstellt. «Diesmal kommt Island mit einem großen Auftritt nach Leipzig - im Kontext mit der Präsentation der nordischen Länder, die es bei uns seit Jahren gibt», sagt Zille. Das kleine Land gilt als große Literaturnation mit einem der produktivsten Buchmärkte der Welt.

Nicht nur die Messehallen vor den Toren Leipzigs werden vier Tage und Nächte lang zur großen Literatur-Bühne, auch die Stadt selbst.
Bei Europas größtem Lesefest «Leipzig liest» werden 1500 Autoren an mehr als 300 Orten erwartet. Dabei sind viele bekannte «echte» Schriftsteller wie Klaus Baumgart («Lauras Stern»), Paul Maar («Sams») und Ingo Schulze, aber auch schreibende Promi-Köche, Politiker, Schauspieler und Musiker. Die beiden deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass und Herta Müller reisen diesmal nicht nach Leipzig; dafür die aktuellen «Spiegel»-Bestsellerlisten-Führenden Walter Kohl und Simon Beckett.

Die Autoren buhlen nicht nur um Leser, sondern auch um Preise.
Zur Messe-Eröffnung im Gewandhaus wird der mit 15 000 Euro dotierte Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen. Diesmal kann sich der österreichische Schriftsteller Martin Pollack («Kaiser von Amerika») darauf freuen. Ebenfalls 15 000 Euro winken beim Preis der Leipziger Buchmesse - jeweils in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Es gibt je fünf Nominierte, am ersten Messetag entscheidet sich, wer das Rennen macht. Preise gibt es aber etwa auch für die beste Jugendliteratur, den beliebtesten Krimi oder die «Schönsten Bücher der Welt». 

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10.03. Börsenverein: Stabile Umsatz-Lage am Buchmarkt

Leipzig (dpa) - Alljährlich im Frühjahr und im Herbst dreht sich alles rund um die Literatur: auf den großen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt/Main. Die Leipziger Schau ist auch ein Seismograph für die Lage der Branche. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, beschreibt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa, wie es um den Buchmarkt bestellt ist.

Herr Honnefelder, der Direktor der Leipziger Buchmesse freut sich über eine gestiegene Ausstellerzahl und wertet dies als Zeichen für eine wieder bessere Lage der Buchbranche. Liegt er damit richtig?

Honnefelder: «Der Umsatz der Buchbranche bewegt sich seit mehreren Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau. So betrugen die Umsatzzuwächse seit 2007 zwischen 3,4 und 0,4 Prozent. Und auch 2010 wurde in den zentralen Vertriebswegen Sortimentsbuchhandel, Kaufhäuser und E-Commerce ein leichtes Plus von 0,4 Prozent gemacht.»

Mit welchen Zahlen und Entwicklungen rechnen Sie 2011 am Buchmarkt?
Ist ein Umsatzwachstum in Sicht?

Honnefelder: «Prognosen für das gerade begonnene Jahr sind immer schwierig. Wir erwarten für 2011 ein ähnliches Ergebnis wie im vergangenen Jahr, sicher wird der derzeit noch geringe Umsatz mit E-Books steigen. Insgesamt führt die Digitalisierung zu Aufbruchstimmung im Markt, allerdings sorgt der fortschreitende Strukturwandel für eine Veränderung der Wertschöpfungskette zu Lasten des stationären Buchhandels.»

In Deutschland gibt es zwei Buchmessen. Welches ist Ihrer Auffassung nach die Leitmesse?

Honnefelder: «Die Frankfurter Buchmesse ist weltweit der größte Marktplatz für das geschriebene Wort, auf keiner anderen Buchmesse kommen so viele nationale und internationale Vertreter der Buchbranche zusammen. In Leipzig startet das neue Bücherjahr, die Frühjahrsproduktion wird präsentiert. Als großes Festival der Leser und Autoren ist die Leipziger Buchmesse aus dem Kalender der Verleger und Buchhändler nicht mehr wegzudenken.»


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10.03. Die Leipziger Buchmesse in Zahlen

Leipzig (dpa) - Zur Leipziger Buchmesse vom 17. bis 20. März werden wieder weit mehr als 100 000 Besucher erwartet. Nachfolgend Zahlen, Daten und Fakten rund um die Messe, die sich an Fachbesucher und Publikum wendet:

Aussteller: 2150 aus 35 Ländern (2010: 2071 aus 38 Ländern)

Fläche: 67 000 Quadratmeter (2010: etwa 65 000 Quadratmeter)

Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr

Eintrittskarten: Tageskarte 12,50 Euro, ermäßigt 9 Euro, Dauerkarte
26 Euro, Tageskarte Fachbesucher 9 Euro, Dauerkarte Fachbesucher 17 Euro

(Kinder bis zum 5. Lebensjahr haben freien Eintritt. Ermäßigung gilt für Studenten, Schüler, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende sowie Rentner und Arbeitslose)

Eintrittskarten gelten auch für die Leipziger Antiquariatsmesse und die «buch + art - Kunst rund um das Buch»

Ausstellerkatalog: 12,00 Euro  

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10.03. Blick in die Welt: Autoren aus 35 Ländern

Leipzig (dpa) - 35 Länder werben in Leipzig für ihre Literatur.
Europa ist am stärksten vertreten. Island und der Balkan präsentieren sich besonders umfangreich. Eine weite Anreise haben etwa Autoren aus Hongkong, Japan, Paraguay und Saudi-Arabien. Ein Blick in die lange
Autorenliste:

- Albanien: Mit kurzen Texten stellen sich junge albanische Autoren erstmals in Deutschland vor. Unter ihnen: Ledia Dushi, die Gedichte im gegischen Dialekt schreibt.

- Finnland: Die Poetin Inger-Mari Aikio-Arianaick hält mit ihren Texten die samische Kultur in ihrer Heimat Finnisch-Lappland am Leben.

- Frankreich: Nicht nur Buchautoren sind auf der Messe zu Gast, auch Zeichner. Der französische Zeichner Achdé ist der Schöpfer von Lucky Luke.

- Island: Sjón ist Autor und Künstler, der Texte für die bekannteste Sängerin seines Landes - Björk - geschrieben hat. Er stellt seinen Roman «Das Gleißen der Nacht» vor.

- Kroatien: Der kroatische Journalist und Autor Edo Popovic berichtete über den Krieg auf dem Balkan. In Leipzig gewährt er aber Einblicke in sein Hobby: das Bergwandern.

- Norwegen: Der norwegische Operntenor, Schauspieler und Komponist Øystein Wiik hat einen Krimi geschrieben, in dem die Oper «Tosca» für einen Star-Tenor tödlich endet.

- Serbien: Marko Vidojkovic war Sänger der Punk-Band «On the Run» und porträtiert nun literarisch die hoffnungslose Jugend Belgrads; in einer Sprache, die dem Gossen-Slang ähnelt.

- Schweiz: Die Schweiz ist mit der Schriftstellerin und Musikerin Melinda Nadj Abonji vertreten, die für ihren Roman «Tauben fliegen auf» den Deutschen Buchpreis bekam.

- Tschechische Republik: Der tschechische Autor und Lyriker Jaroslav Pizl untermalt seine Lesungen mit Lauten und Gesten.

- Weißrussland: Der Schriftsteller Alhierd Bacharevic stammt aus Minsk. Seine Werke sind in Weißrussland verboten, daher lebt er im Exil. 

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10.03. Der Wettlauf um den skurrilsten Buchtitel

Leipzig (dpa) - Rund 80 000 neue Bücher erscheinen jährlich in Deutschland. Die Leser haben die Qual der Wahl, und die Autoren buhlen mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit; etwa mit skurrilen Buch-Titeln. Ein Blick auf Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse:

«Ich will wie meine Katze riechen»
Julius Fischer (Voland&Quist)

«Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber» Michaela Karl (Residenzverlag)

«Die Ankunft des Gedichts verzögert sich auf unbestimmte Zeit» (Elfenbein Verlag)

«Nicht alle Russen haben Goldzähne sind immer betrunken und auch nicht jeder russische Beamte ist korrupt» Christina Eibl (Weissbooks)

«Lügendes Licht: Die dunklen Seiten der Energiesparlampe» Thomas Worm, Claudia Karstedt (Hirzel)

«Manchmal gehen mir meine Meinungen auf die Nerven. Aber ich habe keine anderen» Werner Schneyder (Langenmüller)

«Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben» Bernd Stelter (Lübbe) 

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17.03. Buchmesse beginnt mit Optimismus - Preis für Pollack

Die Leipziger Buchmesse 2011 beginnt. Zum Auftakt freut sich der Schriftsteller Martin Pollack über den Preis zur Europäischen Verständigung - und der Buchhandel zeigt sich optimistisch.

Leipzig (dpa) - Mit der Würdigung des österreichischen Schriftstellers Martin Pollack (66) ist am Mittwoch die Leipziger Buchmesse eröffnet worden. Der Publizist, Autor und Übersetzer erhielt den mit 15 000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung - für sein «einprägsames und richtungsweisendes Werk». «Pollack ist ein Genauigkeitseiferer ohne die Verranntheit des Pedanten», sagte die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff in ihrer Laudatio. «Er führt eine klare Sprache. Von jedermann, der mühelos liest, kann sie verstanden werden.»

Von Pollack ist zuletzt «Der Kaiser von Amerika» erschienen. Darin geht es um die Massenflucht von Juden, Polen und Ukrainern aus Galizien zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Der Österreicher, der auch «Spiegel»-Journalist war, ermahnte in seiner Dankesrede die Westeuropäer, ihre östlichen Nachbarn nicht zu vergessen. «Das freie und wohlhabende Europa hat seine Grenzen nach Osten verschoben, aber verschwunden sind diese Grenzen nicht. Im Gegenteil», sagte er. «Bedürftige Verwandte und Nachbarn will man sich möglichst vom Leibe halten. Armut wirkt störend. Außerdem könnten sie unsere Sicherheit und Ordnung oder zumindest unseren Wohlstand gefährden.»

Auf der Buchmesse präsentieren sich bis zum Sonntag 2150 Aussteller. 1500 Autoren lesen aus ihren neuen Werken - tagsüber auf dem Messegelände und abends überall in der Stadt. Gastländer dieses Jahres sind Serbien und Island.

Der deutsche Buchhandel rechnet dieses Jahr mit stabilen Umsätzen. «Eine erstaunlich unaufgeregte Stimmung in der Branche belegt die Koexistenz von gedrucktem und digitalem Buch», sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder. Inhalte würden neu inszeniert - und das erfreulicherweise nicht auf Kosten des gedruckten Buches.

Im vergangenen Jahr hatte der Sortimentsbuchhandel ein Umsatzminus von 2,8 Prozent verbucht. 2011 begann positiv: Der Umsatz im Januar stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat in den zentralen Buch-Vertriebswegen um 1,8 Prozent. «Ich glaube, dass in Deutschland weiter gedrucktes Papier gelesen wird - nicht nur in einer Nische, sondern maßgeblich - und dass sich gleichzeitig der digitale Markt entwickelt», sagte Honnefelder.

«Es gibt eine wunderbare Synergie zwischen den klassischen Verlagen und den digitalen Dienstleistungen», sagte der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner. Im Vergleich zum vergangenen Jahr seien auf der Bücherschau fünf Prozent mehr Fläche vermietet worden. Viele vor allem kleine Verlage seien erstmals in Leipzig dabei. «Nach der schweren Situation der vergangenen Jahre ist ein klares Bekenntnis der Verlage zur Messe da», sagte Buhl-Wagner. 

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17.03. Von Aufbruch und Reise: Titel für den Preis der Leipziger Buchmesse

Berlin/Leipzig (dpa) - Abenteuer, Liebe und Freiheit, aber auch schwierige Themen wie Krankheit und Einsamkeit behandeln die Bücher der Kandidaten für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Die mit jeweils 15 000 Euro dotierte Auszeichnung wird an diesem Donnerstag auf der Bücherschau (17. bis 20.3.) für Belletristik, Sachbuch und Übersetzung verliehen. Die fünf nominierten Autoren und ihre Werke für die Kategorie Belletristik in einer kurzen Übersicht:

Wolfgang Herrndorf

Der 1965 in Hamburg geborene Schriftsteller schickt in seinem Abenteuerroman «Tschick» zwei 14-Jährige mit einem geklauten Lada auf eine Reise durch den wilden Osten Deutschlands. Der junge Ich-Erzähler Maik lernt eines Tages in der Schule den Russland-Deutschen Andrej Tschichatschow, kurz Tschick, kennen. Die Sommerferien stehen vor der Tür, die beiden zögern nicht lange und der Abenteuertrip beginnt. Herrndorf, der Malerei studierte und danach als Illustrator arbeitete, versucht gar nicht erst, Jugend-Slang zu imitieren. Stattdessen erzählt er mit viel Situationskomik eine Abenteuergeschichte, in der es immer auch um die großen Themen Freundschaft, Einsamkeit oder Liebeskummer geht.

Arno Geiger

Im neuen Buch des Österreichers «Der alte König in seinem Exil» geht es um die Alzheimer-Krankheit des Vaters. Wie ein Sachbuchautor nimmt Geiger sich nach bisher fünf Romanen nun die Krankheitsgeschichte des Vaters und sein Verhältnis dazu vor. Er schildert verschiedene Phasen - von den ersten irritierenden Fehlleistungen bis zum Umzug des alten Mannes in eine Pflegestation.
In Rückblenden beschreibt er, wie sich für ihn während der Krankheitsphase ein immer verständnisvolleres Verhältnis auch zu früheren Lebensphasen des Vaters entwickelte. Geiger eroberte mit seinem Werk schnell die Bestsellerlisten, das Thema berührt viele. Für seinen Familienroman «Es geht uns gut» hatte der 42-Jährige 2005 den Deutschen Buchpreis erhalten.

Anna Katharina Fröhlich

Nach «Wilde Orangen» dreht sich auch der zweite Roman der Autorin um träumerische Reisewelten. «Kream Korner» ist ein kleines Restaurant auf dem Dach eines heruntergekommenen siebenstöckigen Zementbunkers irgendwo in Indien. Fröhlich lässt ihre Protagonisten reisen - oder zumindest vom Reisen träumen. Die Ich-Erzählerin lebt mit Onkel und Tante auf einem Anwesen zufrieden auf dem Land in Südfrankreich, wenn nur das Fernweh nicht wäre. Nach dem Tod des Onkels machen Tante und Nichte sich auf den Weg nach Indien. Die Geschichte lebt vor allem von den detailreichen Beschreibungen der jungen Autorin.

Peter Stamm

Völlige Lethargie kennzeichnet die Charaktere in Peter Stamms neuem Werk «Seerücken», benannt nach einem Hügelzug in der Schweiz. Egal, ob es um die Einsamkeit im Urlaub geht, um einen Pfarrer, der mit den Abendmahls-Hostien Vögel füttert, oder um die erste Liebe: Stamms Charaktere sind völlig passiv. Statt zu agieren, stehen sie ebenso fasziniert wie angewidert neben ihrem Leben und sehen zu, wie es in seine Einzelteile zerbricht. Der Schweizer Autor verfasste zahlreiche Hörspiele. Nach seinem Romandebüt «Agnes» im Jahr 1998 veröffentlichte er drei weitere Romane, Erzählsammlungen und einen Band mit Theaterstücken. 2009 erschien sein Roman «Sieben Jahre», eine Dreiecksgeschichte, in der ein Mann viele Jahre lang zwischen seiner Frau und seiner Geliebten emotional gefangen ist.

Clemens J. Setz

In den neuen Erzählungen des 28-jährigen österreichischen Schriftstellers testen eine Menge skurriler Typen die Grenzen ihrer Freiheit aus. Auch von oft gewalttätigen Ausbruchsversuchen aus der Einöde ehelicher Zweisamkeit handeln die 18 Miniaturen des Bandes «Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes». In den Erzählungen leben Menschen allein oder sie quälen sich aus Verzweiflung gegenseitig. Setz schreibt nah an der Wirklichkeit und beschreibt dennoch bizarre Traum-Szenarien. Da wachsen einer Frau plötzlich Flügel und ein einsamer Mann freut sich über die Gesellschaft einer nackten Frauenleiche. Setz versteht es, beim Leser Mitgefühl für seine verzweifelten Helden hervorzurufen. 

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17.03. Das «Berliner Zimmer» feiert Buchmesse-Jubiläum

Berlin (dpa/bb) - Das «Berliner Zimmer» feiert auf der Leipziger Buchmesse sein 20-jähriges Jubiläum. Als das Leseforum 1992 mit finanzieller Hilfe des Senats ins Leben gerufen wurde, betraten die Initiatoren unbekanntes Land. «Wir waren richtige Pioniere, denn im alten Messehaus am Markt hatten bis dahin noch keine Lesungen stattgefunden», sagte der Geschäftsführer im Börsenverein des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg, Detlef Bluhm.

«Wir sind stolz darauf, dass sich das Berliner Zimmer zum bekanntesten und erfolgreichsten Leseforum auf der Leipziger Buchmesse entwickelt hat», sagte Bluhm weiter. Mehr als 40 000 Besucher haben in den vergangenen 20 Jahren bei rund 400 Lesungen die Ohren gespitzt. «Zu den alljährlichen Höhepunkten gehört zudem die Verleihung des Kurt-Wolff-Preises an unabhängige Verlage sowie des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik.»

Als Höhepunkt nannte Bluhm eine Lesung mit dem Dramatiker Heiner Müller (1929-1995) und dem Politiker Gregor Gysi (Die Linke) im ersten Messejahr. «Das "Berliner Zimmer" fasste damals rund 80 Leute, es kamen aber mehr als 1 000, die das ungleiche Paar erleben wollten.» Im Gänsemarsch sei man dann hinaus auf den Marktplatz, wo gerade eine Band spielte. Schließlich habe man die Lesung vor mehr als 1 000 Menschen im strahlenden Sonnenschein veranstaltet - auf einer Konzertbühne. «Das war ein furioser Start, das Echo in den Medien war enorm!», schwärmte Bluhm.

In den vergangenen Jahren sind weitere Leseforen in die Fußstapfen des «Berliner Zimmers» getreten, wie zum Beispiel das Blaue Sofa und die Autorenarena der Leipziger Volkszeitung. «Gemeinsam sind wir Weltmeister im Lesen», scherzte Bluhm. «Wir feiern unser Jubiläum mit Freunden, Gästen und Bücherfreunden aus aller Welt in Halle 5 der Leipziger Buchmesse.» Dort werde man dann sicherlich auch anstoßen. Auf die nächsten 20 Jahre. 

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17.03. Leipziger Buchmesse sammelt für Japan

Leipzig (dpa) - Die Leipziger Buchmesse zeigt sich solidarisch mit den Opfern der Natur- und Atomkatastrophe in Japan. Gemeinsam mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft soll während der vier Messetage von Donnerstag an eine Spendenaktion laufen, kündigte Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner am Mittwoch an. «Wir möchten einfach zeigen, dass wir uns zwar über unsere Veranstaltung freuen, aber zur Hilfe beitragen wollen.»

Einer der beiden Aussteller aus Japan hat seine Teilnahme an der Bücherschau wegen der dramatischen Lage im Land kurzfristig abgesagt, teilte Pressesprecherin Heike Fischer auf Anfrage mit. Es handelt sich um einen Comic-Verlag aus Tokio. Auch der deutsch-japanische Übersetzerpreis soll mit Rücksicht auf die Katastrophe dieses Jahr nicht verliehen werden. Zudem haben einzelne Referenten aus Japan ihre Teilnahme an Gesprächsrunden und Podien abgesagt.

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft und die japanische Botschaft wollen bei ihren Veranstaltungen besonders an die Opfer der Katastrophe erinnern. Japanische Mangas (Comics) spielen bei der Buchmesse traditionell eine große Rolle.  

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17.03. Hunde und Hoheiten - Die bunte Buchmesse

Leipzig (dpa) - Vier Tage und Nächte lang heißt es in Leipzig:
lesen, lesen und nochmals lesen. Parallel zur Buchmesse werden auf Europas größtem Lesefest 1500 Autoren erwartet. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ein Überblick in Schlagworten:

AUTOBIOGRAFIE
Der Blick auf das eigene Leben liegt im Trend: Die Musiker Wolfgang Niedecken und Giora Feidman stellen ihre Autobiografien vor, der Publizist Alfred Grosser auch.

COMIC
Serban Cristescu ist Art-Director der «Simpsons»-Bücher, Achdé ist Zeichner von «Lucky Luke». Beide kommen zur Buchmesse und signieren.

HOHEITEN
Xenia Prinzessin von Sachsen berichtet aus dem Leben einer Prinzessin im 21. Jahrhundert. Dschungelkönigin Desirée Nick kontert mit «Gibt es ein Leben nach fünfzig? - Mein Beitrag zum Klimawandel».

KRIMIS
136 Krimis werden auf der Messe präsentiert; teils an besonderen Orten - etwa im Landgericht und in einer Polizeidirektion.

LEBENSERFAHRUNG
Der 93 Jahre alte französische Autor Stéphane Hessel will seine Streitschrift «Empört euch» präsentieren.

NACHWUCHS
Im legendären Leipziger Studentenclub Moritzbastei lesen die Stars von morgen. Rund 50 Nachwuchs-Schriftsteller sind bei der Langen Leipziger Lesenacht dabei.

LYRIK
Drei Abende lang sind die Gedichte die Stars: Bei der Lyrik-Session in einem Leipziger Schlösschen.

LITERATURPREISTRÄGER
Die beiden deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass und Herta Müller, beide vor einem Jahr zu Gast, fehlen.

ORTE
Der Lese-Marathon lässt kaum einen Ort aus. Auch ein Klärwerk, ein Friedhof, der Zoo, eine alte Damenhandschuhfabrik und ein Clownsmuseum dienen als Literatur-Bühne.

POLITIKER
Das politische Buch ist stark vertreten. Mehrere ehemalige Ministerpräsidenten sind als Autoren auf der Bücherschau: Kurt Biedenkopf, Peer Steinbrück und Günther Beckstein.

SOFAS
Auf dem Blauen Sofa sitzt alle 30 Minuten ein anderer Autor zum Gespräch. Mit dabei sind etwa Olli Dittrich, Veronica Ferres und Sven Regener. Das Schwarze Sofa ist allein Comic-Machern vorbehalten.

SPIEGEL-BESTSELLER
Die aktuellen «Spiegel»-Bestsellerlisten-Erstplatzierten kommen nach Leipzig. Walter Kohl präsentiert sein Porträt über seinen Vater Helmut Kohl, Krimi-Autor Simon Beckett sein neuestes Grusel-Werk.

TIERE
Sir Henry ist ein Mops und reist aus München an, um mit seinem Frauchen «Ein Mops, ein Buch» zu präsentieren. Auch Clemens Meyer ist auf den Hund gekommen: Er hat amerikanische Hundegedichte ins Deutsche übersetzt - und liest sie selbst.  

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18.03. 1000 Kraniche für Erdbeben-Opfer in Japan

Die Geschehnisse in Japan wirbeln die Leipziger Buchmesse
durcheinander: Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt, an den Manga-Ständen werden Spenden gesammelt. Das Interesse an der Literatur und Kultur Japans ist aber so groß wie immer.

Leipzig (dpa) - In dem japanischen Musikvideo geht es um Schmerz.
Liebesschmerz ist gemeint, wie die Untertitel verraten, nicht der Schmerz um die Opfer der Katastrophen in Japan. Neben dem Flachbildschirm kann eine junge Frau dem Rhythmus der Popmusik nicht widerstehen und deutet Tanzbewegungen an. Die Literatur-Fans wollen trotz der Katastrophen die japanische Kultur auf der Buchmesse feiern. Dass sie das Geschehen aber nicht kalt lässt, zeigt sich an vielen der Stände, die japanische Manga-Comics präsentieren: Überall sind die Plakate des Roten Kreuzes zu sehen. Oftmals geht ein Teil der Einnahmen zu dessen Gunsten.

Eine besondere Aktion haben sich Aussteller überlegt, die an einem Stand von «Jap@Com» stehen, einer Art Plattform für Leipziger Vereine mit Japan-Bezug. Ein junger Mann mit roten Haaren faltet aus Papier einen Kranich. Neben ihm stehen drei Spendendosen, über ihm hängt eine Leine aus Hanffasern für die Papier-Vögel. Die Aktion heißt «1000 Kraniche für die Opfer» und nimmt Bezug auf eine japanische Legende. «Wer 1000 Kraniche faltet, bekommt von den Göttern einen Wunsch frei», weiß Vicky Wagner, die den Stand betreut. Der Vogel sei außerdem ein Friedenssymbol. Wer einen Kranich faltet, soll etwas Geld für das Rote Kreuz spenden.

Ein paar Meter weiter ist ein Stand verwaist. Die Firma Ray Productions aus Tokio wollte dort eigentlich ein Computerprogramm zum Zeichnen von Manga-Comics präsentieren. Doch die Mitarbeiter sitzen am Flughafen in Tokio fest, wie Thomas Schulze erklärt. Schulze ist Vorsitzender der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG) Leipzig in Sachsen. Die Gesellschaft hat ihren Stand in Form eines japanischen Teegartens aufgebaut. Am Eingang hängt ein ausführliches Programm. Doch fast alle Programmpunkte werden ausfallen. «Das Japanische Kulturinstitut in Köln und die japanische Botschaft haben uns gebeten, die Veranstaltungen zu streichen», sagt Schulze. Auch der japanische Botschafter habe abgesagt.

Neben Schulze steht Kenny Kuchta, DJG-Geschäftsführer. Er war eigentlich als Referent der Veranstaltung «Sendai, die Metropole im Norden Japans» vorgesehen. Nachdem die Stadt vom Erdbeben verwüstet und vom Tsunami überschwemmt wurde, versuchte er, den Vortrag wenigstens mit Informationen über die Folgen der Naturereignisse zu ergänzen. «Ich konnte aber noch nicht einmal herausfinden, ob irgendeine der Sehenswürdigkeiten noch steht», sagt er und blickt zu Boden.

Auch am Samstag wird es Änderungen im Programm geben: Diesmal trifft es einen Schweizer, den Übersetzer Thomas Eggenberg. Er sollte den Übersetzerpreis der Japan Foundation in Leipzig entgegennehmen.
Eggenberg lebt mit seiner Familie in Japan und wird auch dort bleiben.

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18.03. Nachtlektüre mit doppeltem Clemens

Die «Lange Leipziger Lesenacht» bietet alljährlich zur Buchmesse vor allem dutzenden unbekannten Jungautoren eine Bühne. Doch diesmal konnte das Publikum gleich zwei Preisträger bestaunen - der eine eröffnete den Abend, der anderen beschloss ihn nach Mitternacht.

Leipzig (dpa) - Der Programmplaner hätte es wissen müssen: Die Eröffnung der «Langen Leipziger Lesenacht» mit einem potenziellen Preisträger kann einiges durcheinanderwirbeln. Zu groß war dann auch am Donnerstagabend das Interesse an Clemens J. Setz, der kurz zuvor den Preis der Leipziger Buchmesse ergattert hatte. Der Weg von den Messehallen bis zum Studentenclub Moritzbastei wurde für ihn ein Marathon aus Interviews und händeschüttelnden Verlegern. «Der Preis soll ja gut dotiert sein, vielleicht dreht der Taxifahrer deshalb mit ihm noch eine Extrarunde», scherzte der wartende Moderator im Studentenclub mit Blick auf die 15 000 Euro wertvolle Auszeichnung.

Mit reichlich Verspätung trat der Österreicher schließlich beim Lesefestival für deutschsprachige Schriftsteller der Generation «U35» auf. Er präsentierte dort einen Ausschnitt aus seinem prämierten Werk «Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes». Wirklich warm mit dem Publikum wurde der 28-Jährige aber nicht. Sein Auftritt wirkte zu abgehetzt. Der Star des Tages kam in all der Eile noch nicht einmal dazu, Schal und Mantel abzulegen. Nach der Lesung blieb noch Zeit für ein paar Interviews und Signierungen. «Schade, ich hätte gern noch später den Clemens Meyer kennengelernt - den finde ich wunderbar», sagte der Preisträger - und verschwand. Der Leipziger Meyer hatte den Buchmessepreis 2008 gewonnen.

Und so hatten, wie immer bei der Lesenacht, die weniger bekannten Literaten die Möglichkeit, das Publikum zu begeistern. Ob nachdenkliche Reime, amüsante Alltagsgeschichten oder eine melancholische Erzählung vom Ende einer Liebe: viele Jungautoren hinterließen einen bleibenden Eindruck. Wie etwa der Berliner Peter Sorge, der einst Lieferwagenfahrer und Ballonverkäufer war - und damit wie viele seiner «Kollegen» eine interessante berufliche Vergangenheit hat.

Ob Operntischler, Gelegenheitszauberer oder Schlafwagenschaffner.
Die großen Schriftsteller von Morgen scheinen aus ihrer brüchigen Karriere Inspiration für die Literatur zu ziehen. «Diese Erfahrungen sind vielleicht nicht notwendig, um gut zu schreiben, aber sie prägen schon viele Ideen», sagt Autor Martin Mandler, der einst Briefmarken verkaufte.

Vielleicht treten sie eines Tages in die Fußstapfen des ehemaligen Wachmanns und Bauhelfers Clemens Meyer. Der 33-Jährige hat mit seinem Erzählband «Die Nacht, die Lichter» den Preis der Buchmesse bereits gewonnen. Auch mit seinem neuen Werk konnte der urige Leipziger das zur fortgeschrittenen Stunde dann doch etwas ausgedünnte Publikum mitreißen: In dem Lyrik-Band «Dir zu Füßen» hat er amerikanische Gedichte übersetzt, in denen Schriftsteller ihren Hunden eine Stimme verleihen. Meyer ist als Hunde- und Pferdenarr bekannt.

Dem Publikum erzählte er von den Trieben und Ängsten der Vierbeiner - und von seinen eigenen Schwierigkeiten, immer eine treffende Übersetzung für die englische Vorlage zu finden. «Literarische Texte zu übersetzen, ist eines der schwierigsten Dinge, die man machen kann, da habe ich größten Respekt vor», schildert der Autor, der schon seit dem Morgen von einem Messetermin zum nächsten gehetzt war, mit derbem sächsischen Akzent. 

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18.03. Kinder- und Jugendbuch: Zu wenige Väter lesen vor

Leipzig (dpa) - Nur jeder fünfte Vater liest seinen Kindern etwas vor. «In 80 Prozent der Familien ist das Vorlesen ausschließlich Sache der Mütter, davon profitieren vor allem die Mädchen», sagte Ulrich Störiko-Blume, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, am Freitag auf der Leipziger Buchmesse bei der Vorstellung des Trendberichts Kinder- und Jugendbuch 2011 mit dem Titel «Fehlende Vorbilder - Was tun, wenn der Vater nicht liest?».

Der Anteil von Kinder- und Jugendbüchern am Gesamtmarkt 2010 ist leicht auf jetzt 15,2 Prozent gesunken. «Das ist aber eher eine Normalisierung des Marktes, der 2009 durch den Boom der All-Age-Romane auf sehr hohem Niveau war», sagte Claudia Paul vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die Warengruppe, die hinter der Belletristik auf dem zweiten Platz liegt, werde für die Branche immer wichtiger. Vor allem bei Leseanfängern stehen Bücher hoch im Kurs: Bücher für Erstleser, Bilderbücher und Spiel- und Lernbücher legten jeweils um rund fünf Prozent zu.

Stärkste Warengruppen im Segment sind nach wie vor Jugendbücher (ab 12 Jahre) mit einem Umsatzanteil von 27,4 Prozent und Kinderbücher (bis 11 Jahre) mit einem Anteil von 27,3 Prozent. Während die Jugendbücher im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 17,8 Prozent verzeichnen, konnten Kinderbücher um 3,9 Prozent zulegen. 2010 habe es bei den Jugendbüchern vor allem an Bestsellern gefehlt.

Der Markt ist im Umbruch, auch elektronische Medien, wie iPads und E-Books würden für den Nachwuchs wichtiger, sagte Störiko-Blume. Besonders die Jungen fühlten sich zu der Technik hingezogen, das sei aber auch eine Chance, sie mehr für das Lesen zu begeistern, so der avj-Vorsitzende.

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18.03. Kino ohne Bilder: Hörspiele sind im Kommen

Hörspiele galten jahrelang als etwas für Kinder und eingefleischte Fans. Jetzt scheint die Branche ihr Image erfolgreich abzulegen. Neue Labels schießen wie Pilze aus dem Boden, auch etablierte Audio-Verlage bringen mehr Hörspiele heraus.

Leipzig (dpa) - Zum ersten Mal sind 26 reine Hörspiel-Verlage auf der Leipziger Buchmesse mit einem gemeinsamen Stand vertreten. «Unsere Fangemeinde wächst», sagt René Wagner, einer der Vorsitzenden des Dachvereins Hörspielgemeinschaft. Die großen Audio-Verlage scheinen Wagners Meinung zu teilen: Sie haben wieder mehr Hörspiele im Frühjahrsprogramm, setzen aber vor allem auf Klassiker und Top-Seller, ergab am Freitag eine dpa-Umfrage. Das Problem: Die aufwendig produzierten Hörspiel-Fassungen sind im Vergleich zu klassischen Lesungen viel teurer und zeitaufwendiger.

20 000 Hörbuch-Titel sind momentan lieferbar. Davon seien etwa 70 Prozent Lesungen und 20 Prozent Hörspiele, schätzt René Wagner. «Zwölf Millionen Menschen geben an, regelmäßig Hörbücher zu nutzen. Wie sie sich auf Lesung und Hörspiel verteilen, sagt die Statistik leider nicht.» Trotzdem sieht Wagner einen Trend: «Die Live-Hörspiel-Tour der "Drei Fragezeichen" etwa gehörte im vergangenen Jahr zu den zehn meistbesuchten Hallentouren, hängte Popstars ab.»

Auch Branchenführer Europa ist zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse. «Wir wollen neue Zielgruppen neugierig machen», sagt eine Europa-Sprecherin. Den Verkaufsschlager «Die drei Fragezeichen» präsentiert Europa in Leipzig nicht. Dabei ist die Serie das Zugpferd der gesamten Hörspiel-Branche: Eine neue Folge der drei ewig jungen Detektive aus Kalifornien führt jeden Monat die von Media Control ermittelten Hörbuch-Charts an - vor allen Lesungen.

Die großen Verlage setzen trotzdem eher auf letztere. «Wir müssen zeitgleich mit dem gedruckten Buch erscheinen. Dann ist das Interesse am größten», erklärt Heike Völker-Sieber vom Hörverlag. Die Geschichten seien für das Publikum entscheidend. «Mal greifen sie zum Buch, mal zur Audio-Fassung. Selten jedoch zu beidem.»

Eine Hörspielumsetzung sei mit der kurzen Vorlaufzeit bis zur Buchveröffentlichung unmöglich: Hörspiel ist wie ein Film ohne Bilder, braucht viele Sprecher, einen Regisseur, Geräuschemacher und viel Zeit im Schnitt. Dieser Aufwand sei der zweite Grund, warum es so viel mehr Lesungen mit einem, meist berühmten, Sprecher gibt:
Hörspiele sind viel teurer in der Produktion, werden aber für ähnliche Preise wie gelesene Hörbücher verkauft. Das lohnt sich für die Verlage nur bei richtigen Verkaufsschlagern.

Beim Hörverlag seien etwa 20 Prozent der Titel Hörspiele:
Wiederaufgelegte Radio-Hörspiele finden sich unter den Titeln genauso wie vertonte Klassiker: Im aktuellen Programm steht Dostojewskis «Der Spieler» neben Isabel Allendes «Das Geisterhaus».

Auch Random House Audio setzt vermehrt auf die aufwendigen
Produktionen: Zu absoluten Top-Titeln wie Stieg Larssons Millennium-Trilogie produzierte der Verlag eine Lesung. Wegen des Erfolgs legte er zwei Teile als Hörspiel nach. Der dritte wird gerade produziert, sagt die stellvertretende Verlagsleiterin Ines Wallraff.

Hörspiel habe jedoch immer noch viel mit Leidenschaft zu tun, sagt Oliver Rohrbeck. Er spricht seit 30 Jahren die Rolle des Justus Jonas bei den «Drei Fragezeichen», mit der «Lauscherlounge» hat er seit einigen Jahren sein eigenes Hörspiel-Label. «Sprecher können mit Lesungen deutlich mehr verdienen, Verlage auch.» Deswegen werde das Hörspiel nie zum Massenphänomen. Trotzdem spricht auch er von wachsendem Publikum. «Ich selbst höre ja auch am liebsten Hörspiele. Vor allem Krimis.»

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18.03. Nach der Katastrophe ist «Die Wolke» wieder gefragt

Leipzig (dpa) - Nach der Reaktor-Katastrophe in Japan wird Gudrun Pausewangs Jugendbuch-Klassiker «Die Wolke» wieder gekauft. Die Nachfrage sei in den vergangenen Tagen stark gestiegen, bestätigte eine Sprecherin des Ravensburger Verlags am Freitag auf der Leipziger Buchmesse. «Nach den entsetzlichen Ereignissen in Japan steigt bei den Menschen das Bedürfnis nach literarischer Verarbeitung.»

Der 1987 erstmals veröffentlichte Roman, in dem Pausewang die Folgen eines möglichen Reaktor-Unglücks in Deutschland beschreibt, ist beim Internet-Buchhändler Amazon an die Spitze der Titel bei deutschen Kinder- und Jugendbüchern geklettert. Pausewangs «Die Wolke» ist Schullektüre - das Buch wurde insgesamt mehr als eine Million mal verkauft. Die im hessischen Schlitz lebende 83-jährige Autorin schreibt seit vielen Jahren aufrüttelnde Jugendbücher zu den Themen Frieden und Umweltschutz. «Die Wolke» ist in elf Sprachen übersetzt, darunter auch Japanisch.

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21.03. Manga-Fans trauern kostümiert auf der Buchmesse

Der Samstag der Leipziger Buchmesse gehört seit Jahren den Manga-Fans. Zu hunderten kommen sie aus ganz Deutschland - in den Kostümen ihrer Lieblingshelden. Diesmal trauerten sie.

Leipzig (dpa) - Trauerschleifen und Papierkraniche: Hunderte Manga-Fans aus ganz Deutschland gedachten am Samstag auf der Leipziger Buchmesse der Opfer in Japan. Die Katastrophen in ihrem Lieblingsland war diesmal Gesprächsthema Nummer Eins bei den jungen Leuten, die seit Jahren immer am Buchmesse-Samstag aufwendig kostümiert auf die Bücherschau kommen. Nicht nur sie sorgten dort am vorletzten Tag der Messe für proppevolle Hallen. Bei den Lesungen bildeten sich dicke Trauben neugieriger Zuhörer, an den Verlagsständen stöberten Jung und Alt in den Neuerscheinungen des Frühjahrs.

«Es ist ja mein Lieblingsland, deswegen trifft mich die Katastrophe besonders», sagte die 24-Jährige Stephanie aus Dresden, die als «magische Krankenschwester» Komugichan zur Messe kam. Sie habe sich auch an der Papierfalt-Aktion «1000 Kraniche» beteiligt, trug aber keinen Trauerflor wie einige andere Manga-Fans. «Das bringt ja nix», meint sie.

Die 20-Jährige Jannika reiste in ihrem Norwegen-Kostüm aus Osnabrück nach Leipzig und sagte zu den Geschehnissen in der Heimat der Manga-Comics: «Ich fände es in jedem Land schlimm, es hat mich sehr getroffen. Wir haben aber leider unsere Kraniche zu Hause liegen gelassen.»

«Es ist ein recht komisches Gefühl, wenn man so fröhlich ist - und weiß, was in dem Land, wo alles herkommt, passiert ist», sagte Tanja aus Berlin alias Hibari Kyoya. Sie hat auch Internet-Freund in der Katastrophenregion, zu denen der Kontakt abgebrochen ist. «Da bangt man, wenn man keine Antwort mehr bekommt», berichtete die Berlinerin.

Während die jungen Manga-Fans in ihren schrillen Perücken, weiten Umhängen und «Umarmungen für Japan»-Pappschildern posierten, verriet einer der ältesten Messe-Teilnehmer, dass er bald in die Schriftsteller-Rente gehen will. «Mein neuer Essayband wird mein dickstes, aber wahrscheinlich auch mein letztes Buch sein», sagte der Dramatiker Rolf Hochhuth (79) bei einer Lesung. Das Buch werde mehr als 1600 Seiten haben und im Mai erscheinen. Es enthalte alles Neue, was er in den vergangenen drei Jahren geschrieben habe.

Der große serbische Erzähler David Albahari, der seit 17 Jahren in Kanada lebt, sprach von seinem Heimweh. «Ich merke, dass ich mich als Schriftsteller in Europa wohler fühlen würde als in den USA. Mein Schreiben gehört einfach in diese kulturelle Tradition», sagte er der dpa. «Außerdem kann man seine Bücher in Europa in 35 Sprachen übersetzten, in Amerika nur in eine.»

Bestseller-Autorin Sarah Lark zeigte sich überzeugt, dass Massen-Auflagen nur per Verlagsmaschinerie erzeugt werden können. «Es mag einzelne Ausreißer geben oder begnadete Selbstvermarkter. Aber ich glaube nicht an das Märchen des einsamen Schreibers, der durch Zufall entdeckt wird und dann groß rauskommt», sagte die Deutsche, die eigentlich Christiane Gohl heißt und mehrere Pseudonyme hat. Ich selbst habe tolle Bücher geschrieben, die sich nicht verkauften, weil sie nicht groß beworben wurden.» 

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21.03. Arno Geiger: «Auch das Ende des Lebens ist Leben»

Leipzig (dpa) - Mit seinem anrührenden Buch über die Demenzerkrankung seines Vaters steht der österreichische Schriftsteller Arno Geiger seit Wochen weit oben auf den Bestsellerlisten. «Der alte König in seinem Exil» war auch für den Leipziger Buchpreis nominiert. Mit der Nachrichtenagentur dpa sprach der 42-jährige Autor über Erfolg, unerwartetes Glück und den Tod.

Hätten Sie ein solches Echo erwartet?

Geiger: «Dass das Buch Aufmerksamkeit bekommt, war schon klar, aber nicht in diesem Umfang. Es ist doch ein stilles und gelassenes Buch.
Ich habe manchmal an die vielen Thriller und Vampirromane gedacht - und dann komme ich mit einem Buch über meinen Vater daher. Aber ich glaube, es gibt ein sehr großes Bedürfnis danach, einen gelassenen Blick auf Angehörige zu werfen, die schwach sind oder schwach geworden sind.»

Sie haben selbst lange für diesen gelassenen Blick gebraucht?

Geiger: «Ich hatte ein sehr finsteres Bild von Demenz im Kopf. Und natürlich wäre es schön gewesen, dass die Seltsamkeiten meines Vaters einfach eine Motivationsstörung gewesen wären. Aber Demenz ist eine unheilbare Krankheit. Wir können nichts dagegen tun, wir können nur unsere Einstellung dazu ändern. Bei uns ist die Krankheit mit Scham, mit Verdrängen und Minderwertigkeitsgefühlen verbunden. Und wenn wir das Bild der Krankheit in der Gesellschaft verändern, dann verändern wir auch das Selbstbild der Betroffenen.»

Wie meinen Sie das?

Geiger: «Mein Vater sagt so oft: Mit mir ist nichts mehr los, ich tauge zu nichts mehr. Aber diese Tristesse, die mit der Krankheit einhergeht, ist nicht zwingend. Wenn jemand Anerkennung bekommt und das Gefühl von Respekt, dann springt das auf sein Wohlbefinden über. Zum Beispiel jetzt, nach dem Erscheinen meines Buches, kommen die Leute im Dorf strahlend auf meinen Vater zu, und das gibt ihm ein gutes Gefühl.»

Auch die Angehörigen schämen sich oft für die Krankheit. Was hat Sie bewogen, so offen darüber zu sprechen?

Geiger: «Ich habe sehr schmerzhafte Erfahrungen gemacht, bis ich verstanden habe, was mit meinem Vater los ist. Und ich wollte diese Erfahrungen teilen. Ich habe dann mit meinen Geschwistern und mit meiner Mutter darüber geredet, und wir waren uns alle einig. Wir wären ja selbst froh gewesen am Anfang, wenn wir ein bisschen schneller realisiert hätten, worum es geht. Und die Reaktion der Menschen zeigt mir, dass es richtig war, das Buch zu schreiben.»

Haben Sie Angst, selbst dement zu werden?

Geiger: «Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen. Es kommt, wie es kommt. Die Angst vor der Zukunft hat sich auch im Zusammenleben mit meinem Vater immer als schlechtester Ratgeber erwiesen. Inzwischen weiß ich: Auch das Ende des Lebens ist Leben, und wir haben jetzt so viele Glücksmomente zusammen. Manchmal geht es schlecht, aber wenn dann das Glück dort eintritt, wo man es nicht mehr erwartet hat, ist es ein besonderes Glück.»

Unweigerlich werden Sie Ihren Vater eines Tages auch in den Tod begleiten müssen. Gibt das ein neues Buch?

Geiger: «Nein, ich glaube nicht. Ich habe im letzten Abschnitt ja auch über die Vergänglichkeit des Menschen geschrieben, über sein Unbehaustsein angesichts des Todes. Ich glaube, ich habe da festen Boden unter den Füßen: Alles, was dazu zu sagen ist, ist im "Alten König" gesagt.»

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21.03. David Albahari: Ich will wieder heim

Leipzig (dpa) - «Die Kuh ist ein einsames Tier» - unter diesem Titel hat der große serbische Erzähler David Albahari bei der Leipziger Buchmesse einen neuen Band Kurzprosa vorgestellt. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa berichtet der Autor, wie er auf seine oft skurrilen Geschichten kommt und warum er wieder heim will.

Sie sind Serbe und leben seit 17 Jahren in Kanada. Als was fühlen Sie sich?

Albahari: «Serbien ist immer noch mein Heimatland, und Serbisch die Sprache, in der ich schreibe. Aber mit der Zeit ergibt sich eine serbisch-kanadische Identität, so wie eine deutsch-kanadische, eine französisch-kanadische und so fort. Das einzig gemeinsame daran ist der Bindestrich. Ich liebe diese Identität, denn ein Bindestrich ist gar nichts, ein kleines Zeichen auf der Tastatur, oder irgendetwas zwischendrin. Ich bin eine Reihe von Bindestrichen. Ich nenne mich einen serbisch-kanadisch-jüdischen Autor.»

Kommen Ihre Themen aus der serbischen oder der Bindestrich-Identität?

Albahari: «Mehr aus dem Bindestrich. Wenn ich Kurzgeschichten schreibe, kann ich nicht so tun, als würden sie woanders stattfinden als dort, wo ich lebe. Aber bei einem Roman ist es etwas anderes. Ein Roman umfasst immer einen längeren Zeitraum, beschreibt auch Geschichte - so wie das englische Wortpaar story und history deutlich macht. Und da versetze ich mich eher zurück nach Belgrad.»

Ihre Geschichten sind fast immer Familiengeschichten. Warum?

Albahari: «Es gibt ein chinesisches Sprichwort: "Wenn du verstehst, was in einer Familie geschieht, dann versteht du auch, was in der Welt passiert." Also habe ich erst über meine Familie geschrieben. Als ich verheiratet war, habe ich über Mann und Frau geschrieben und später über Väter und Söhne oder Väter und Töchter, um zu verstehen, was vor sich geht. Aber ich habe überhaupt nichts verstanden, das ist das, was ich am Schluss verstanden habe.»

Seit Ihrem Weggang während der Balkan-Kriege hat sich viel verändert.
Denken Sie daran, wieder heimzugehen?

Albahari: «Ja, auf alle Fälle. Ich merke, dass ich mich als Schriftsteller in Europa wohler fühlen würde als in den USA. Mein Schreiben gehört einfach in diese kulturelle Tradition. Außerdem kann man seine Bücher in Europa in 35 Sprachen übersetzten, in Amerika nur in eine. Dabei geht's mir gar nicht um Geld. Wenn man Geld machen will, muss man Bestseller schreiben. Wenn man kein Geld machen will, muss man so schreiben wie ich.»

Heißt Europa nach Belgrad?

Albahari: «Belgrad, ja. Es sei denn, die Situation wird unerträglich. Das wichtigste ist die Kosovo-Frage. Im Augenblick habe ich die Hoffnung, dass Serben und Kosovo-Albaner endlich anfangen, miteinander zu reden. Bisher herrscht absolute Sprachlosigkeit. Aber wie kann man mit jemandem Frieden schließen, wenn man nicht mit ihm spricht?

Wie beurteilen Sie die Lage Ihrer Kollegen im Land?

Albahari: «Schriftsteller in Serbien haben heute in jedem Fall mehr Freiheit als früher, auch wenn die wirtschaftliche Lage schrecklich ist. Das Hauptproblem ist heute, dass es eine scharfe Trennung in Europa-Befürworter und Europa-Gegner gibt. Ich hoffe, die Befürworter setzen sich durch - auch wenn dann die Balkan-Kriege im Nachhinein vollends lächerlich werden. Diese Kriege wurden ja um die Grenzen geführt. Und in der EU spielen diese Grenzen keine Rolle mehr. Das ist paradox.»

Was raten Sie jungen Schriftstellern?

Albahari: «Sie sollten ruhig Mut haben, mehr zu experimentieren. Für mich ist Schreiben immer ein Experiment. Wir können heute nicht mehr schreiben wie Tolstoi oder Thomas Mann. Die waren gut in ihrer Zeit, aber auch, weil sie anders geschrieben haben als die Generation vor ihnen. Jede Generation sollte etwas Neues versuchen, die Traditionen über den Haufen werfen statt sie wiederzuleben.» 

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21.03. Serbische Literatur im Aufwind

Leipzig (dpa) - Serbien ist für deutsche Leser meist terra incognita - unbekanntes Land. Die schrecklichen Geschehnisse der Balkan-Kriege sorgten weitgehend für Funkstille. Nach dem selbstbewussten Auftritt des einstigen jugoslawischen Teilstaats bei der Leipziger Buchmesse hoffen Verlage und Autoren jetzt auf einen Neuanfang. «Die Kultur ist der Reisepass auf dem Weg in die EU», sagte Vizepremier Bozidar Delic zum Auftakt.

Serbien war erstmals als «Schwerpunktland» geladen. Rund 60 Autoren stellten ihre jüngsten Werke vor, 30 Titel wurden eigens für die Bücherschau neu übersetzt - es ist das größte Balkanprogramm in Westeuropa seit dem Zerfall Jugoslawiens. Die serbische Schriftstellerin Vida Ognjenovi, zum dritten Mal in Leipzig, freut sich über den Zulauf am serbischen Stand. «Viele Deutsche interessieren sich für uns. Das ist fantastisch», sagt die 69-jährige Vorsitzende des heimischen P.E.N.-Zentrums. «Wir brauchen mehr Leser - unser Land ist ja so klein.»

Draußen vor den Messehallen stehen Demonstranten mit einem Plakat «Völkermord in Srebrenica», drinnen erinnert eine Ausstellung an den großen serbischen Schriftsteller Ivo Andric, der vor 50 Jahren den Literaturnobelpreis erhielt. In diesem Spannungsfeld müssen sich die neuen literarischen Stimmen aus Belgrad behaupten. «Bei uns ist das Bild der einseitigen serbischen Schuld leider immer noch recht lebendig», sagt die Slawistik-Professorin Gabriella Schubert aus Jena. «Diese Veranstaltung ist ein wichtiger Anfang, Vorurteile abzubauen.»

Dafür werben auch die Autoren, die sich in Leipzig vorstellen.
«Die zeitgenössische Literatur aus Serbien, die wir euch vorlegen, hat etwas zu sagen - und sagt über uns eben soviel aus wie über euch», so formuliert es Sreten Ugricic (49), Leiter der Nationalbibliothek Serbiens in Belgrad, der mit seinem entlarvenden Roman «An einen unbekannten Helden» (Dittrich) nach Leipzig gekommen ist.

Andere Autoren wie Bora Cosic, Vladimir Pistalo oder der große Erzähler David Albahari nehmen ihr Land von außen in den Blick. Der 63-jährige Albahari, der mit Romanen wie «Mutterland», «Götz und Meyer» und «Die Ohrfeige» international bekanntwurde, wählte 1994 freiwillig die «Entwurzelung» und lebt seither im kanadischen Exil. Zur Messe erschien sein neuer Prosaband «Die Kuh ist ein einsames Tier» (Eichborn) mit mehr als 100 kafkaesken Minigeschichten, Skizzen und Aphorismen in seiner wunderbar schnörkellosen Sprache.

«Schriftsteller in Serbien haben heute in jedem Fall mehr Freiheit als früher, auch wenn die wirtschaftliche Lage schrecklich ist», sagt er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Nach Einschätzung von Programmkoordinatorin Elena Messner hat sich trotz anhaltender Schwierigkeiten ein buntes und sehr lebendiges literarisches Leben im Land entwickelt. «Natürlich sind sehr viele Bücher extrem von Politik und Geschichte dominiert», sagt sie, «aber es gibt auch zunehmend die individuellen kleinen Dramen, Gender- und Szene-Geschichten.»

Zu den Romanübersetzungen, die in Leipzig besondere Aufmerksamkeit fanden, gehören Milovan Danojlics Briefroman «Mein lieber Petrovic» (1986, Suhrkamp), ein Abgesang auf den Vielvölkerstaat Jugoslawien.
Der heute 79 Jahre alte Bora Cosic, 2002 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet, lässt in seiner Geschichtensammlung «Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten» (Folio) einen zehnjährigen Jungen die für Jugoslawien verhängnisvollen Weltkriegsjahre erleben. Und Goran Petrovic schickt in seinem preisgekrönten Buch «Die Villa am Rande der Zeit» (dtv) den Studenten Adam auf eine fantastische Bücherreise.

Besonders stolz aber sind die Serben bis heute auf ihren Literaturnobelpreisträger Ivo Andric. Sein Meisterwerk «Die Brücke über die Drina» (Suhrkamp) erschien ebenfalls in einer neuen Übersetzung. Und an dem Stand mit den vielen Fotos nachgeborener Autoren mahnt sein Credo: «Von allem, was der Mensch in seinem Lebensdrang errichtet, ist in meinen Augen nichts besser und wichtiger als Brücken.» 

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