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Gudrun Pausewang erhält Preis für Lebenswerk

Berichte und Hintergrundinformationen
 

 
Unsere Beiträge:

Preis für Lebenswerk an Autorin Gudrun Pausewang
Gudrun Pausewang – Porträt einer engagierten Autorin
Gudrun Pausewangs berühmteste Werke – eine Auswahl
Der Große Preis der Kinder- und Jugendliteratur
 

 

26.05. Preis für Lebenswerk an Autorin Gudrun Pausewang

Schlitz/Volkach (dpa) - Die hessische Schriftstellerin Gudrun Pausewang wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die 81-Jährige aus dem osthessischen Schlitz erhält den Großen Preis 2009, bestätigte die Akademie am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die mit 3000 Euro dotierte Ehrung werde ihr am 13. November bei einem Festakt am Akademie-Sitz im unterfränkischen Volkach überreicht. Bekannt wurde Pausewang in den 1980er Jahren mit Büchern über die atomare Bedrohung und die Armut in Südamerika.

Die Auszeichnung der Akademie wird jedes Jahr für herausragende Leistungen von Autoren, Übersetzern und Illustratoren, aber auch von Verlegern, Wissenschaftlern, Kritikern und Institutionen vergeben. Die Akademie wurde 1976 gegründet und hat sich der Förderung der Kinder- und Jugendliteratur verschrieben.

Für ihren erfolgreichsten Roman «Die Wolke», der von einer Reaktorkatastrophe handelt, erhielt Pausewang 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Das Buch erreichte nach Verlagsangaben eine Auflage von über einer Million Exemplaren. Es wurde auch schon verfilmt (2006). Zu Pausewangs wichtigsten Werken gehören außerdem «Die letzten Kinder von Schewenborn» (1983) und «Die Not der Familie Caldera» (1977). Die ehemalige Lehrerin arbeitet seit 1958 als Autorin und brachte knapp 90 Bücher heraus - für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

«Gudrun Pausewang hat Herausragendes geleistet. Ihr Gesamtwerk hat einen beachtlichen Umfang», sagte der Vizepräsident der Akademie, Franz-Josef Payrhuber. Die Autorin habe sich für zeitgeschichtliche Themen engagiert und diese in literarischer, ästhetischer und qualitativ guter Form zu Papier gebracht. Vor Pausewang bekamen Otfried Preußler, Michael Ende, Paul Maar, Willi Fährmann und zuletzt Kirsten Boie den Preis für ihr Lebenswerk.

«Ich freue mich sehr über diesen Preis», sagte Pausewang der dpa in Fulda. Sie sehe sich trotz ihres Alters von 81 Jahren noch lange nicht am Ende ihres Lebenswerks. «Ich fühle mich durchaus noch gut und werde weiterschreiben, solange der Kopf noch funktioniert.» Antrieb für ihr Wirken, sei der Versuch, das «Lesen bei den zukünftigen Erwachsenen zu fördern» und «Jugendliche mit den Problemen unserer Zeit zu konfrontieren».

In ihrem mehr als 50 Jahre währenden Wirken wählte Pausewang vorzugsweise vier Themenbereiche: «Nie wieder Krieg» und «Gegen Nationalsozialismus und Neonazismus», umreißt sie stichwortartig. Daneben beschäftigt sie sich mit dem «Schutz der Umwelt» und dem «Elend in Südamerika». Mit der Armut dort kam sie im Laufe ihres Lebens oft in Kontakt. Von 1956 an arbeitete sie als Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung rund 13 Jahre in Chile, Venezuela und Kolumbien.

Den Schritt, als Schriftstellerin zu arbeiten, wagte die 1928 im heute tschechischen Mladkov geborene Schriftstellerin erst spät: «Ich habe 30 Jahre gebraucht, um den Mut zusammen zu nehmen, mein erstes Manuskript abzugeben», scherzte sie. Dass sie nun in einem Alter ist, in dem sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird, nimmt die 81- Jährige gelassen: «Ich nehme es, wie es kommt.» Insgeheim habe sie schon mit dieser Ehrung gerechnet.

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26.05. Gudrun Pausewang – Porträt einer engagierten Autorin

(hdl) - Um die deutsche Kinder- und Jugendliteratur hat sich die Lehrerin Gudrun Wilcke als Gudrun Pausewang verdient gemacht. Wer hat nicht die aufrüttelnden Bücher „Die Wolke“ oder „Die letzten Kinder von Schewenborn“ im Schulunterricht gelesen? Themen wie Umweltschutz, Atomkraft, Rechtsradikalismus und Nationalsozialismus stehen in der Jugendliteratur der 81-Jährigen Schriftstellerin im Vordergrund.

Als das Buch „Die Wolke“ 1988 den Deutschen Literaturpreis verliehen bekam, kritisierte das Umweltamt sogar die angeblich überzogene Darstellung einer Atomgefahr. Doch dies unterstützte den Siegeszug von Pausewangs Botschaft, eines umweltfreundlichen Lebens, nur noch mehr.

Und diese Haltung hatten Pausewang bereits ihre Eltern vorgelebt, in der autobiographischen Buchreihe über die „Rosinkawiese“ beschreibt sie das Leben mit ihren Eltern und ihren fünf jüngeren Geschwistern. In Ostböhmen, in der Ortschaft Wichstadtl, in der heutigen Tschechoslowakei, wurde Pausewang am 3. März 1928 geboren. Ihre Eltern lebten dort ein alternatives Leben in der Natur. Als jedoch Pausewangs Vater im Krieg fiel, floh die Familie 1945 nach Wiesbaden. In Hessen absolvierte die spätere Autorin 1948 das Abitur und begann in Weilburg an der Lahn Pädagogik zu studieren.

Nach einigen Jahren der Unterrichtspraxis an Grund- und Hauptschulen wanderte Pausewang 1956 nach Südamerika aus. Sie unterrichtete an deutschen Schulen in Chile und Venezuela. Außerdem bereiste sie den südamerikanischen Kontinent. Ihre Eindrücke verarbeitete sie 1977 in dem Buch „Die Not der Familie Caldera“, welches sich mit den ärmlichen Bedingungen befasst, in denen viele südamerikanische Familien leben müssen.

Ende 1963 kehrte Pausewang nach Deutschland zurück. Sie heiratete Hermann Wilcke, mit dem sie nochmals nach Südamerika (Kolumbien) ging, um dort zu unterrichten. Fünf Jahre später reiste sie jedoch allein mit ihrem zweijährigen Sohn nach Deutschland zurück, diesmal für immer. Einen neuen Wohnsitz, an dem sie auch heute noch lebt, fand die Autorin im hessischen Schlitz. Die kleine Gemeinde mit dem mittelalterlichen Ambiente ist auch Handlungsort mehrere Bücher von Gudrun Pausewang („Die Wolke“ und „Die letzten Kinder von Schewenborn“). Die leidenschaftliche Lehrerin unterrichtete bis zu ihrer Pensionierung 1989.

Das Ende ihrer beruflichen Laufbahn verschaffte der talentierten Schriftstellerin genügend Zeit, sich mit dem Verfassen einer Dissertation zu beschäftigen, mit welcher sie 1998 an der Frankfurter Goethe-Universität promovierte. Der Titel trifft genau das Hauptthema von Pausewang, die Jugendliteratur: „Vergessene Jugendschriftsteller der Erich-Kästner-Generation“ (veröffentlicht unter ihrem bürgerlichen Namen Gudrun Wilcke).

Ein Jahr später bekam Gudrun Pausewang vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch das Bundesverdienstkreuz überreicht.

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26.05. Gudrun Pausewangs berühmteste Werke – eine Auswahl

(hdl) - Wenn man meint, dass Gudrun Pausewang nur ernste und schwerverdauliche Literatur – über Atomkraft, Rechtsradikalismus, Armut – geschrieben hat, der liegt völlig falsch. Sicherlich ist der Schwerpunkt und die Hauptintention von Pausewangs Kinder- und Jugendliteratur das Aufrütteln und Bewusstmachen von Problemen in der Welt. Jedoch hat Pausewang-Literatur auch eine heitere und fröhliche Seite, wie zum Beispiel die „Räuber Grapsch“-Kinderbücher der Autorin beweisen.

87 Bücher hat Gudrun Pausewang veröffentlicht, zahlreiche davon wurden mit Jugendliteraturpreisen ausgezeichnet. Kritiker bemängeln den oft pessimistischen Ausgang von Pausewangs Büchern, jedoch zeichnet auch gerade dies die Wirkung ihrer Werke aus. Die studierte Pädagogin zielte immer darauf ab, dass sich in Schulklassen ein Dialog zwischen den Schülern und den Lehrern einstellen sollte. So kann auch ein negatives Buchende aufgefangen werden.

„Wer hat Angst vor Räuber Grapsch“ (1984) ist ein amüsantes Kinderbuch über den sympathischen Räuber, der mit seinen zwei Metern Länge und seinem struppigen Bart zum Fürchten aussieht. Dabei ist er ein ganz netter Räuber, zwar nicht besonders klug, aber dafür unerschrocken und stark. Gekonnt nimmt Gudrun Pausewang die kleinen Leser mit auf die Abenteuerstreifzüge des mutigen Räubers, der sich im wahrsten Sinne des Wortes seine Beute „grapscht“. Dem ersten Buch folgten drei weitere, die vom Ravensburger Verlag in einem Sammelband herausgebracht wurden.

Mit dem Thema Armut in Lateinamerika befasst sich Pausewangs Jugendbuch „Die Not der Familie Caldera“ (1977). Durch ihre eigenen Erfahrungen als Lehrerin in Chile und Venezuela beeinflusst, schrieb Pausewang das Buch über die jungen Eltern Ramón und Rafaela Caldera. Durch einen Arbeitsunfall verliert Ramón seine Anstellung und die Familie muss ihr bescheidenes Haus in der Großstadt aufgeben. Sie ist nun gezwungen in einer Armensiedlung außerhalb der Stadt zu leben. Ramón kann seine Familie nicht ernähren, woraufhin die Kinder – vom Hunger getrieben – betteln gehen. Das lässt Ramóns Stolz nicht zu, verzweifelt versucht er, sich und seine Familie aus dieser schlimmen Situation zu befreien. 1977 wurde das Buch Pausewangs mit dem Literaturpreis Buxtehuder Bulle ausgezeichnet.

Mitten im Kalten Krieg erlebt der 12-jährige Roland Bennewitz mit seiner Familie, wie eine Atombombe ganz Mitteleuropa zerstört. Der Leser begleitet dann Roland, wie er in Deutschland nach der Katastrophe aufwächst. Viele Menschen leiden an der Strahlenkrankheit und auch die Spätfolgen, wie Krebserkrankungen oder Behinderungen Neugeborener durch die Strahlenverseuchung, werden schonungslos dargestellt. Roland ist zum Schluss des Romans 17 Jahre alt und unterrichtet Kinder in dem einigermaßen heil gebliebenen Örtchen Schewenborn, er denkt bei sich, dass dies wohl „Die letzten Kinder von Schewenborn“ sind. Das Buch mit diesem Titel wurde noch im Erscheinungsjahr 1983 mit dem Preis La vache qui rit und der Buxtehuder Bulle prämiert.

In dem 1987 erschienenen Jugendroman „Die Wolke“, der mittlerweile zum Standardprogramm im Deutschunterricht gehört, geht die Autorin Gudrun Pausewang das Thema Atomkraft aus einem anderen Blickwinkel an. Ein Super GAU in einem Atomkraftwerk zerstört nicht nur die umliegende Gegend sondern verseucht auch weit weg liegende Teile Deutschlands. Die 14-Jährige Janna-Berta ist mit ihrem kleinen Bruder allein zu Hause, als sie von der Katastrophe erfahren. Mit ihrem Bruder flieht sie vor der giftigen Wolke, die nun auf ihren Heimatort Schlitz zukommt. Bei der Flucht wird ihr Bruder von einem rücksichtslosen Autofahrer tödlich verletzt. Janna-Berta gelingt die Flucht. Doch noch Jahre später kann sie kein normales Leben führen. Ihre Familie ist tot und ihre Tante kann mit dem Schicksal ihrer Nichte nicht umgehen. Der Roman „Die Wolke“ wurde 1988 mit dem Deutschen Science Fiction Preis, dem Deutschen Jugendliteraturpreis und 2009 mit dem Eduard-Bernhard-Preis des BUND Hessen ausgezeichnet. Im Jahr 2006 wurde der Roman unter der Regie von Gregor Schnitzler verfilmt.

Den autobiographische Roman „Fern von der Rosinkawiese“ schrieb Gudrun Pausewang 1989 für Erwachsene. Das Buch behandelt die Kindheit und schließlich die Flucht Pausewangs, mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern nach Kriegsende. Die Rosinkawiese war ein Stück Land in Ostböhmen, dass Pausewangs Eltern vor dem Krieg urbar gemacht hatten. Dort erlebte sie eine unbeschwerte Kindheit in der Natur. Die anschließende schwere Zeit der Flucht, fand schließlich ein gutes Ende in der neuen hessischen Heimat Wiesbaden. Dem ersten Buch folgten noch zwei, der Deutsche Taschenbuch Verlag fasste diese in einem Band zusammen „Rosinkawiese – damals und heute“.

Eine „Reise im August“ tritt das jüdische Mädchen Alice in Gudrun Pausewangs gleichnamigem Roman an. Doch diese „Reise“, wie der Großvater dem Kind beschwichtigend sagt, entpuppt sich schnell als der blanke Horror. Denn Pausewangs Roman spielt mitten im Dritten Reich. Alice und ihr Großvater werden von den Nationalsozialisten in Viehwagons abtransportiert. Unter unmenschlichen Bedingungen müssen sie in einem Konzentrationslager ausharren. Das Buch endet mit dem Betreten „der Dusche“, womit dem Leser unmissverständlich der tödliche Ausgang des Romans bewusst wird. Das Jugendbuch von Pausewang wurde im Jahr 1993 auf die Empfehlungsliste des Gustav-Heinemann-Friedenspreises der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen gesetzt und wurde 1997 mit dem Birmingham Children's Book Award ausgezeichnet.

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26.05. Der Große Preis der Kinder- und Jugendliteratur

(hdl) - Der mit 3000 Euro dotierte Große Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. Volkach wird jedes Jahr im November verliehen. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. und die Kulturstiftung des Bayerischen Sparkassenverbands stifteten 1976 den Preis, mit der Unterstützung der Stadt Volkach, dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, der Bayerischen Sparkassenstiftung und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Herausragende literarische oder grafische Gesamtwerke im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur werden mit dem Preis im Schelfenhaus von Volkach geehrt.

Bisherige Preisträger sind:

1976: Walter Scherf
1977: Barbara Mandler-Bondy, Sybil Gräfin Schönfeldt
1978: Willi Fährmann, Hans-Georg Noack
1979: Anna Krüger, Max Lüthi
1980: Michael Ende
1981: Richard Bamberger, Cesar Bresgen
1982: Barbara Bartos-Höppner
1983: Kurt Lütgen
1984: Herbert Holzing
1985: Ludwig Denecke, Heinz Rölleke
1986: Internationale Jugendbibliothek München
1987: Paul Maar
1988: Otfried Preußler
1989: Heinz Wegehaupt
1990: Sigrid Heuck
1991: Helme Heine
1992: Josef Guggenmos
1993: Hans-Peter Thiel
1994: Arnulf Zitelmann
1995: Käthe Recheis
1996: James Krüss
1997: Margret und Rolf Rettich
1998: Walter Kahn
1999: Klaus Kordon
2000: Max Kruse
2001: Mirjam Pressler
2002: Rudolf Herfurtner
2003: Renate Welsh
2004: Binette Schröder
2005: Max Bolliger
2006: Chen Jun
2007: Nikolaus Heidelbach
2008: Kirsten Boie
2009: Gudrun Pausewang

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