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News-Sonderthema: 

Welttag des Buches 2011

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zum Welttag des Buches 2011
 

 
Unsere Beiträge:

Am 23. April: Welttag des Buches
«Welttag»» soll junge Menschen fürs Lesen begeistern
Medienforscherin: Menschen entwickeln neue Lesestrategien
«twitteratur»: Goethe in 140 Zeichen
Twitteratur und Häppchen-Texte - Modeerscheinung oder Meilenstein?


 
 

20.04. Am 23. April: Welttag des Buches

Berlin (dpa) - Autoren, Bücher und ihre Leser stehen am Welttag des Buches und des Urheberrechts im Mittelpunkt. Jährlich am 23. April feiern Verlage, Buchhandlungen und Bibliotheken Lesefeste.
Schulen beteiligen sich mit Schreibwerkstätten und Wettbewerben an dem Aktionstag. 1995 legte die UN-Kulturorganisation Unesco das Datum auf den Todestag der Dichter William Shakespeare und Miguel de Cervantes Saavedra. Die Organisation berücksichtigte dabei auch einen alten Brauch aus Katalonien: Dort werden seit den 1920er Jahren Bücher zum Namenstag des Volksheiligen, Sant Jordi, verschenkt. In Deutschland wurde der Aktionstag erstmals 1996 gefeiert.

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20.04. «Welttag»» soll junge Menschen fürs Lesen begeistern

Frankfurt/Main (dpa) - Am «Welttag des Buches» will die Buchbranche am 23. April vor allem bei jungen Menschen für das Lesen werben. An dem von der Weltkulturorganisation Unesco initiierten Tag wird bundesweit in Buchhandlungen der Band «Ich schenk dir eine Geschichte» an Heranwachsende abgegeben. Rund 680 000 Kinder haben dafür Buch-Gutscheine erhalten, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Das Buch, an dem bekannte Kinder- und Jugendbuchautoren mitgewirkt haben, erscheint in einer Gesamtauflage von über einer Million.

Zum «Welttag des Buches und des Urheberrechts», an dem sich auch die Stiftung Lesen beteiligt, wird es auch 92 Lesungen mit 69 Autoren geben. Der Tag wird in diesem Jahr zum 16. Mal in über 100 Ländern gefeiert. Das Datum geht auf eine Tradition in Katalonien zurück: Zum Namenstag des Schutzheiligen St. Georg werden dort Rosen und Bücher verschenkt. Der 23. April ist zugleich der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.

www.welttag-des-buches.de

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21.04. Medienforscherin: Menschen entwickeln neue Lesestrategien

Berlin (dpa) - Die Menschen verbringen immer mehr Zeit mit elektronischen Medien. Zum Lesen langer literarischer Texte fehlen häufig Zeit und Muße. Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung bei der Stiftung Lesen, über die Folgen dieser Entwicklung.

Wie verändert die Digitalisierung unsere Buch- und Lesekultur?

Ehmig: «Unser Umgang mit Büchern ändert sich. Die Menschen entwickeln neue Lesestrategien. Immer weniger Menschen lesen heute noch ein Buch von vorn bis hinten ganz durch. Seiten-"Zapping" nimmt zu, Passagen, die weniger interessant erscheinen, werden übersprungen und an anderer Stelle wird weitergelesen. Die Bereitschaft, sich auf eine lange Geschichte einzulassen, sinkt. Zwischendurch wird eine E-Mail oder SMS beantwortet, Radio gehört oder sonst etwas. Kaum jemand sitzt nur da und liest.»

Ist das schlimm?

Ehmig: «Es ist zunächst einmal anders, eine Entwicklung. Sie folgt unseren veränderten Mediengewohnheiten zum Beispiel bei der Nutzung digitaler Angebote. Wenn wir im Internet Informationen suchen, springen wir auch innerhalb der Seiten, folgen Links, lesen Texte kurz an. Diese Nutzungsgewohnheiten wirken sich vermutlich auch auf das Leseverhalten aus.»

Aber es muss doch Auswirkungen haben, wenn wir uns nicht mehr gern auf längere Texte einlassen. Bleibt da nicht die Vorstellungskraft auf der Strecke?

Ehmig: «"Häppchenleser" vertiefen sich nicht mehr so in eine Geschichte wie jemand, der einen Text von vorn bis hinten liest. Kinder, die sich nicht mehr über längere Zeit auf einen Inhalt zu konzentrieren lernen, sich nicht auf einen Text "einlassen" und sich der Geschichte und ihrer Atmosphäre überlassen, fällt es mit einiger Wahrscheinlichkeit schwerer, Vorstellungskraft und Fantasie zu entwickeln. Es kommt auf die Dosierung an und auf die richtige Mischung.»

 

21.04. «twitteratur»: Goethe in 140 Zeichen

Wie erklärt man Homers «Odyssee» und Sartres «Mauer» in 140 Zeichen?
- Mit «twitteratur»: umgangssprachlich, provozierend, zeitsparend - verziert mit dem einen oder anderen «LOL».

Berlin (dpa) - Weltliteratur - für viele heißt das dicke Wälzer, geschwollene Sprache, große Dichter. Wer sich an Tolstois schwere Kost, Kafkas Metaphern oder Shakespeares «Gemetzel» nicht rantraut, kann es jetzt mit «twitteratur» versuchen. Zwei Chicagoer Studenten erzählen literarische Klassiker ganz neu - im 140-Zeichen-Format des Kurznachrichtendienstes Twitter. Dabei geht es nicht nur zeitsparend und umgangssprachlich, sondern oft erfrischend provozierend zu.

«Kunst ist klasse», das wollen Alexander Aciman und Emmet Rensin mit ihrem Buch beweisen. Dabei haben die beiden vor fast keinem Klassiker haltgemacht: Nicht nur Sophokles und sein «König Ödipus», Goethes «Leiden des jungen Werther» und Shakespeares «Hamlet» sind dabei. Witzig und ohne Blatt vor dem Mund nehmen sich die Studenten auch Dan Browns «Sakrileg», «Dracula» oder «Harry Potter» vor.

Dostojewskis «Schuld und Sühne» twittert sich anfangs so: «Schlimm dieses Studentenleben. Ein Haufen Arbeit, schäbige Bude, und ich hab den hässlichsten Hut auf dieser Seite des Urals.» Alice im Wunderland dagegen merkt: «Oh! Ein weißes Kaninchen, wie in Matrix. Cooler Film, wenn man auf Drogen ist». Dazwischen streuen Aciman und Rensin - ganz wie in echten Tweets - immer mal ein «LOL» («laughing out loud»), «OMG» («Oh my God») oder «W/e» («whatever»).

Die «twitteratur» liest sich leicht und mit verschmitztem Grinsen
- allerdings nur für den, der das Original zumindest inhaltlich schon kennt. An allen anderen gehen so mancher Witz und viele provozierende Thesen verloren. Von letzteren und der unbarmherzigen Reduzierung auf das Allerwesentlichste könnten sich auch echte Literatur-Fans auf den Schlips getreten fühlen.

Nur an das wohl größte und bekannteste Werk der Weltliteratur haben sich die Twitterer nicht gewagt: an die Bibel. Im Vorspann ihres Buches schreiben sie respektvoll: «Allerdings wird es besser sein, wenn wir uns von der Bibel fernhalten». Diese Achtung zeigen «twitteratur»-Anhänger im Internet nicht. In einem Blog rufen Aciman und Rensin zum Mit-twittern auf. Hier nimmt sich «ghostofthemovie» das Buch aller Bücher vor. Das ganze Werk in nüchternen 140 Zeichen: «Langatmige Autobiographie eines persönlichkeitsgestörten Unsichtbaren mit Allmachtsphantasien in der dritten Person».
 

 

21.04. Twitteratur und Häppchen-Texte - Modeerscheinung oder Meilenstein?

Die Digitalisierung verändert die Bücherwelt. Künftig wird es wohl ein Nebeneinander verschiedenster Literatur-Formate geben. Die Branche vertraut auf das «Prinzip Buch» nach dem Motto: Lesen und Lesen lassen.

Berlin (dpa) - Jörg Maas verpasst bisweilen schon mal fast seine Haltestelle, wenn er in der Bahn zu sehr in sein Buch vertieft ist. Der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen gehört damit zu einer schwindenden Zahl von Menschen, die sich über einen längeren Zeitraum ausschließlich der Literatur zuwenden. «Immer weniger Menschen lesen heute noch ein Buch von vorn bis hinten durch», meint Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung bei der Stiftung Lesen. Seiten-Zapping nimmt zu, Passagen, die langweilig erscheinen, werden übersprungen, der Umgang mit dem Buch ändert sich.

Wenn es nur das wäre: Twitteratur - also Werke gekürzt auf handliche 140 Zeichen, jederzeit veränderbare Literatur-Blogs im Internet, Handy-Romane und E-Books verändern Erscheinungs- und Verbreitungsform literarischer Inhalte. Darüber, ob es sich dabei um bloße Modeerscheinungen oder vielmehr um Meilensteine auf dem Weg zum signifikanten Wandel in der Literatur handelt, sind sich auch die Experten nicht einig.

Am Samstag (23. April), dem Welttag des Buches, soll es zunächst wieder um Werke, Leser, Autoren und ihre Rechte gehen. Bundesweit wird in Buchhandlungen der Band «Ich schenk dir eine Geschichte» mit sieben «Mutgeschichten» von bekannten Kinder- und Jugendbuchautoren ausgegeben, rund 680 000 Kinder haben dafür Gutscheine erhalten. Bibliotheken und Verlage veranstalten Lesefeste. Im Mittelpunkt steht natürlich das Buch - egal, in welcher Form.

Der elektronischen Variante, dem E-Book, könnten besonders die neuen Tablet Computer zum Durchbruch verhelfen. Ob dies - wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verkündet - nun schon in diesem Jahr der Fall sein wird, wird von Branchenbeobachtern bezweifelt. Derzeit sprechen die Zahlen noch eine andere Sprache: Lediglich zwei Prozent der Deutschen bevorzugen elektronischen Lesestoff. 82 Prozent kaufen ausschließlich oder weitgehend gedruckte Bücher. Die Verlage gehen aber davon aus, dass sich das bald ändert.

«Da ist viel Spekulation im Spiel», sagt Boris Langendorf vom gleichnamigen Internet-Branchendienst. Im wissenschaftlichen Bereich habe das E-Book längst seinen Durchbruch gefunden, bei den Romanen sei dies in Deutschland noch längst nicht der Fall. Zu groß das haptische Vergnügen, nicht grundlos will Karl Lagerfeld ein neues Parfüm mit dem Duft von Büchern kreieren. Anders in den USA: «Dort ist das E-Book inzwischen auch bei Lieschen Müller angekommen», meint Langendorf. Hierzulande werde die Entwicklung vor allem von Wissenschaftlern, Profis und E-Freaks getragen, die das neu, modern und kultig fänden.

Ohne gedruckte Bücher wird die Welt auch in den nächsten 2000 Jahren nicht auskommen, meint Jörg Maas, auch wenn andere Medien ergänzend hinzukommen. Als «Inseln der Ruhe im Meer der schnellen aktuellen Information» stehen sie auch weiterhin für Rückzug und Reflexion, für ruhige, sachliche Hintergrundinformation», meint Stephan Füssel, Leiter des Instituts für Buchwissenschaft in Mainz. Das entscheidende Stichwort der künftigen Entwicklung sei aber das der «Medienkonvergenz», also das Zusammenwachsen verschiedener Medien in einer digitalen Informationsquelle: «Der Leser der Zukunft trägt seine Bibliothek in seiner Tasche stets bei sich.» Bald werde es kaum noch Texte ohne audiovisuelle Zusatzinformationen geben.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Dachverband der Branche trägt der Entwicklung schon mal in einem neuen Logo Rechnung:
Statt des bisherigen aufgeschlagenen Buches, ist es jetzt ein abstrakter Pfeil. «Am Kern des Buches wird sich nichts ändern», meint Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. Egal, in welcher Form es erscheine: «Das Buch als Prinzip ist nahezu unsterblich.» Oder um es mit Arthur Schopenhauer zu sagen: «Ohne Bücher auf der Welt wäre ich längst verzweifelt.»  


 

 

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