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News-Sonderthema: 

Zum 200. Geburtstag von Charles Dickens

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen
 

 
Unsere Beiträge:

Literatur-Professor: Warum fast jeder Dickens kennt
Nachtaktiv und lärmempfindlich: Dickens' Arbeitsweise
Charles Dickens - sein Leben in Stichpunkten
Genauer Beobachter: Charles Dickens bekannte Romane
Weltweit Veranstaltungen im Dickens-Jahr
Dickens in Deutschland: Neuerscheinungen und Übersetzungen Anglist: Charles Dickens in Deutschland unterschätzt
 

 
 

01.02. Literatur-Professor: Warum fast jeder Dickens kennt

London (dpa) - Selbst, wer noch nie ein Buch von Charles Dickens gelesen hat, kann doch meistens einen seiner Charaktere benennen:
Oliver Twist, David Copperfield, oder den geläuterten Fiesling Ebenezer Scrooge aus der «Weihnachtsgeschichte» zum Beispiel. Wie kommt es, dass der britische Autor auch 200 Jahre nach seinem Geburtstag am 7. Februar 1812 noch so beliebt und bekannt ist?
Professor John Mullan, Chef der Abteilung für Englische Literatur am University College London, nennt im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa mehrere Gründe.

Warum kennt in Großbritannien, aber auch weltweit, fast jeder bis heute zumindest den Namen Charles Dickens?

Mullan: «Dickens ist einer der ganz wenigen britischen Schriftsteller, der den Menschen im Gedächtnis ist, obwohl sie womöglich noch nie etwas von ihm gelesen haben. Außer für ihn gilt das so sonst vielleicht nur für Shakespeare. Zyniker würden sagen:
Der Hauptgrund ist, dass seine Werke so unglaublich oft adaptiert worden sind, in Kinderversionen, Film oder Fernsehen.»

Womit hat sich Dickens selbst im kollektiven Gedächtnis verankert?

Mullan: «Da sind erst einmal seine Charaktere. Er hatte ein außerordentliches Talent für Charakterisierungen und schaffte es, dass seine Figuren sich den Menschen einprägten. Auch war es seine besondere Art zu schreiben. Dickens war auf eine wunderbare Art ungehorsam und kreativ. Er hat alle literarischen Regeln der Fiktion, die damals galten, gebrochen. Er war furchtlos. Das war aufregend. Er benutzte Klischees, Groteske, Übertreibungen, ließ seine Charaktere Mundart sprechen und verstieß fast in jedem Paragrafen gegen den guten Geschmack der Zeit. Er war einer der ersten, die innerhalb eines Romans zwischen Präsens und Vergangenheit wechselten - das hätte damals kein guter Schreiber gewagt. Viele dieser formalen Dinge sind heute üblich.»

Warum ist in Großbritannien und auch woanders eine regelrechte Dickens-Manie ausgebrochen?

Mullan: «Viele sagen, das liege daran, dass Dickens und seine Themen wie Armut, Gier und Geld heute noch so aktuell seien. Das glaube ich persönlich nicht unbedingt. Ein großer Jahrestag wie dieser wird einfach genutzt, um uns selber daran zu erinnern, warum ein Autor weiterhin geliebt wird. Vielleicht bleibt Dickens aber auch deshalb weiter bei uns, weil wir bei ihm etwas finden, von dem wir glauben, dass unsere zeitgenössische Literatur es uns vorenthält. Bei Dickens zum Beispiel finden sich sowohl literarisch-formaler Anspruch als auch Handlungsschema und Plot - etwas, das viele in der aktuellen englischen Literatur als voneinander getrennt sehen. Außerdem ist er ein fantastischer Satiriker. Seine Satire hat eine Schärfe und moralische Leidenschaft, die in aktueller Literatur schwer zu finden ist.»

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01.02. Nachtaktiv und lärmempfindlich: Dickens' Arbeitsweise

London (dpa) - Charles Dickens war oft nachts aktiv und wanderte im Dunkeln durch die Straßen Londons. Auf diesen Spaziergängen entstanden viele seiner Ideen, wie eine Ausstellung im «Museum of London» anhand von Aussagen des Autors und seiner Zeitgenossen dokumentiert. Dickens hatte ein außerordentliches Gedächtnis und eine Art fotografische Karte von London im Kopf. Am Morgen war er trotzdem früh wach und setzte sich zu festgelegten Zeiten an den Schreibtisch.
Dort beantwortete er erst wichtige Briefe, bevor er an seinen Geschichten schrieb. Dabei soll er sich sehr schnell von Geräuschen gestört gefühlt haben, heißt es, etwa von Straßenmusikern und lautem Verkehr.

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01.02. Dickens in Deutschland: Neuerscheinungen und Übersetzungen

Berlin (dpa) - Der britische Journalist und Schriftsteller Charles Dickens war ein genauer Beobachter seiner Zeit. Sein Leben in
Stichpunkten:

- Geburtstag: 7. Februar 1812 in der englischen Hafenstadt Portsmouth
- Vollständiger Name: Charles John Huffam Dickens
- Todestag: 9. Juni 1870 auf seinem Landsitz Gadshill Place bei
Rochester
- Kindheit: Wuchs in ärmlichen Verhältnisse auf, musste als
Zwölfjähriger mehrere Monate in einer Schuhfabrik arbeiten
- Familie: 1836 Heirat mit Catherine Hogarth. Zehn gemeinsame Kinder.
1858 trennt sich Dickens wegen einer neuen Liebe von seiner Frau.
- Erste Buchveröffentlichung: 1837 «Die Pickwickier» («The Pickwick
Papers»)
- Ausgedehnte Reisetätigkeit: Neben zwei erfolgreichen Vortragsreisen
1842 und 1867/68 in die USA Aufenthalte in Kanada, Frankreich,
Italien und der Schweiz
- Letzte Ruhestätte: «Poet's Corner» in Londons Westminster Abbey

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01.02. Genauer Beobachter: Charles Dickens bekannte Romane

Berlin (dpa) - Der britische Journalist und Schriftsteller Charles Dickens (1812-1870) hat 15 Romane veröffentlicht und war schon zu Lebzeiten berühmt. In vielen Werken prangert er soziale Missstände an. Seine Bücher zeichnen sich durch genaue Beobachtungsgabe, glaubhafte Charaktere, geschliffene Sprache und Witz aus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen:

OLIVER TWIST (1837-1839): Der Roman erzählt die Geschichte des Waisenkindes Oliver, das erst nach Jahren körperlicher und seelischer Misshandlung Güte und Barmherzigkeit erfährt. Mit der Schilderung von Kinderarbeit, Kriminalität und Ungerechtigkeit zeigt Dickens die Brutalität einer Gesellschaft gegenüber Armen und Schwachen.

EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE (A Christmas Carol, 1843): Die Erzählung handelt vom herzlosen Geschäftsmann Ebenezer Scrooge, der sich am Heiligen Abend durch Geistererscheinungen zu einem gütigen Menschen wandelt. Die Aufmerksamkeit lenkt der Autor auf die Not der Armen.

DAVID COPPERFIELD (1849-50): Der Bildungsroman gilt als Dickens'
versteckte Autobiografie. Wie der Autor arbeitet sich David trotz Demütigungen in Kindheit und Jugend vom Anwaltsgehilfen zum Reporter und schließlich zum erfolgreichen Schriftsteller hoch.

GROSSE ERWARTUNGEN (Great Expectations, 1860-61): Das Buch ist für Kritiker Dickens' reifster Roman und thematisiert ähnlich wie «David Copperfield» das entbehrungsreiche Leben der englischen Unterschicht im 19. Jahrhundert. Zusammengehalten wird die Erzählung durch die Erlebnisse des armen Waisenjungen Pip, der durch eine Erbschaft erst zum Snob wird und später geläutert zu seinen Wurzeln zurückfindet.

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01.02. Weltweit Veranstaltungen im Dickens-Jahr

London (dpa) - Charles Dickens hat Leser auf der ganzen Welt - dementsprechend wird sein 200. Geburtstag am 7. Februar rund um den Globus gefeiert. Von Sri Lanka und Vietnam über die Ukraine bis hin zu Simbabwe, Äthiopien und Südamerika wird es Literaturfestivals, Konferenzen und Lesungen geben. In Großbritannien ist ein regelrechtes Dickens-Fieber mit Neuverfilmungen, Ausstellungen, Theater und anderen Erinnerungsaktivitäten ausgebrochen. Eine Auswahl von Veranstaltungen:

- Festival: Mit einer Kranzniederlegung, einem Straßenfest und freiem Eintritt ins Dickens-Museum wird vom 5. bis zum 12. Februar an seinem Geburtsort im englischen Portsmouth gefeiert.
- Ausstellung: Dank moderner Klang- und Projektionstechnik erweckt das «Museum of London» das viktorianische London von Dickens wieder, das in vielen seiner Bücher eine tragende Rolle spielt. Die Schau - die erste dieser Größenordnung in Großbritannien seit 40 Jahren - läuft noch bis zum 10. Juni.
- Theater: Studenten der Universität im griechischen Thessaloniki improvisieren im Mai zu Szenen aus Dickens' «Eine Geschichte aus zwei Städten». Dabei geht es um Fragen der Gerechtigkeit, Revolution, Armut.
- Audio: Das britische Kulturinstitut British Council organisiert in 50 Ländern Veranstaltungen zum Dickens-Jahr. Unter anderem wird die Theatergruppe «Punchdrunk» in Pakistan mit lokalen Künstlern zusammenarbeiten und ein Hörspiel schaffen, das Dickens' klassische Romane mit Erfahrungen aus dem heutigen Pakistan verbinden soll.
- Lesung: Londons Büchereien organisieren im April eine Lesung von «Oliver Twist», die über die ganze Stadt reichen und neben den Londonern selber auch Touristen einbeziehen soll. Zusätzlich gibt es ein Programm mit Filmen, weiteren Lesungen und Stadtrundgängen mit Dickens-Bezug.
- Film: Das Britische Filminstitut BFI zeigt von Januar bis März die größte Retrospektive mit Kino- und Fernsehadaptionen von Dickens- Werken, die es je gab. Eine nationale und internationale Tour ist ebenfalls vorgesehen.

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01.02. Dickens in Deutschland: Neuerscheinungen und Übersetzungen

London (dpa) - Zum 200. Geburtstag von Charles Dickens erscheinen auch in Deutschland zahlreiche neue Ausgaben und Neuübersetzungen.
Eine kleine Auswahl:

- BIOGRAFIE: Hans-Dieter Gelferts Biografie «Charles Dickens - Der Unnachahmliche» (Verlag C.H.Beck) hat sich zum Ziel gesetzt, deutschsprachigen Lesern Dickens' Bedeutung für die Weltliteratur nahezubringen. In «Unser Vater Charles Dickens» berichten dessen Kinder Mary und Charlie über ihr Leben mit dem berühmten Vater (Aufbau Verlag).

- NEUÜBERSETZUNG: Dickens' Roman «Große Erwartungen» über einen Waisenjungen, der plötzlich zu Geld kommt, gehört zu seinen beliebtesten Büchern. Melanie Walz hat den Klassiker neu übersetzt und mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen (Hanser Verlag).

- NEUES DESIGN: Im Insel-Verlag erscheinen vier Titel zum Jubiläum in neuen Vintage-Umschlägen, und zwar «Große Erwartungen», «Oliver Twist», «Der Raritätenladen» und «Eine Geschichte von zwei Städten».

- NEUERSCHEINUNG: Dickens war nicht nur Romancier, sondern verfasste auch Essays und arbeitete als Journalist. Einige seiner Texte erscheinen in dem Band «Reisender ohne Gewerbe - Nachtstücke» erstmals auf Deutsch (Verlag C.H.Beck)

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06.02. Anglist: Charles Dickens in Deutschland unterschätzt

Die Geschichte von Oliver Twist kennt beinahe jedes Kind - doch Autor Charles Dickens wird in Deutschland nach Meinung von Experten unterschätzt. Ein Anglistik-Professor aus Vechta will das ändern.

Vechta (dpa/lni) - In England ist Charles Dickens ein Nationalheld, in Deutschland wird er nach Expertenmeinung unterschätzt. «Dickens wird vor allem als Jugendbuchautor und sentimentaler Weihnachtsschriftsteller wahrgenommen», sagte der Anglist Norbert Lennartz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Anlässlich des 200. Geburtstags des Schöpfers von Klassikern wie «Oliver Twist» oder «A Christmas Carol» richtet Lennartz vom 7. bis 9. Juni an der Universität Vechta eine internationale Dickens-Konferenz aus. Nach Angaben des Professors ist es die erste und beinahe einzige Dickens-Tagung in Deutschland im Jubiläumsjahr.

«Mir geht es darum, Dickens nicht nur als Vielschreiber, sondern als Leser und Verwerter von Texten darzustellen», erklärte der Wissenschaftler. So habe er sich beispielsweise aus der Bibel, aus Shakespeare-Dramen und romantischen Gedichten bedient. Auch ökonomische und wissenschaftliche Texte flossen in die packenden Romane ein, die soziale Missstände im viktorianischen England anprangern.

Der Schriftsteller unterlief traditionelle Familienmuster. In seinen Werken gebe es auffallend viele Junggesellen-Väter, die sich der Erziehung der Kinder annehmen, sagte Lennartz. In dem kontrovers diskutierten Buch «Queer Dickens» (2009) sei sogar die These aufgestellt worden, dass Dickens sich homoerotischer Sprachcodes bedient. «Hinter der vermeintlichen Fassade des humoresken Dickens verbirgt sich auch ein Autor der Moderne und der Postmoderne», betonte der Anglist. Die Ergebnisse der Konferenz in Vechta sollen in einem Sammelband zusammengetragen werden.

An diesem Dienstag (7. Februar) wird weltweit der 200. Geburtstag des Londoner Schrifstellers gefeiert, der in seiner Heimat schon zu seinen Lebezeiten als Superstar verehrt wurde.

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