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News-Sonderthema: 

Die Bibliotheken-Umfrage

Ein Stimmungsbericht über den Zustand der Bibliotheken in verschiedenen Bundesländern

Unsere Beiträge:

Bibliotheken im Südwesten beklagen finanzielle Notlage
Sachsen bleibt ein Leseland - Nachfrage nach neuen Medien steigt
Finanznot: Viele Bibliotheken in Sachsen-Anhalt kämpfen um Existenz
Berlin: Bibliotheken werden Treffpunkte sozial benachteiligter Jugendlicher
Mecklenburg-Vorpommern: Zulauf zu Bibliotheken in Städten - Schließungen auf dem Lande
Brandenburg: Bibliotheken bieten mehr als Bücher
 

 

24.10. Bibliotheken im Südwesten beklagen finanzielle Notlage

Stuttgart (dpa/lsw) - Die baden-württembergischen Bibliotheken beklagen ihre finanzielle Notlage. Damit Bibliotheken weiterhin attraktive Lernorte bleiben, müssen die dazu notwendigen Bedingungen erhalten bleiben, wie der Bibliotheksverband des Landes am Montag in Stuttgart mitteilte. Anlass war der bundesweite «Tag der Bibliotheken» an diesem Dienstag. Gerade die Hochschulbibliotheken hätten 2003/2004 durchschnittlich 30 Prozent ihrer Etats eingebüßt. Auch in den öffentlichen Büchereien habe sich die Lage wegen der Finanzknappheit der Kommunen verschärft. So kritisierten die Leser häufig, dass das Medienangebot der Büchereien nicht aktuell sei.

Die SPD-Landtagsfraktion forderte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) auf, die Bedeutung der Bibliotheken nicht weiter durch Personaleinsparungen und Kürzungen bei den Beschaffungsetats zu schmälern. Rund 200 Bibliotheken in Baden-Württemberg gestatten ihren Lesern am «Tag der Bibliotheken» einen Blick hinter die Kulissen. Der steht unter dem Motto «Bibliotheken öffnen Welten». Die Leser können Literaturcafés, Bücherflohmärkte und Schreibwerkstätten besuchen. Im Mittelpunkt der zentralen Veranstaltung in Ravensburg steht das Thema «Bildung, Schule, Bibliothek». Den Aktionstag veranstalten die vier Fachstellen für das öffentliche Bibliothekswesen bei den Regierungspräsidien gemeinsam mit dem Landesverband Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband.

Die Bibliotheken in Baden-Württemberg

Stuttgart (dpa/lsw) - In Baden-Württemberg gibt es rund 1400 kommunale und kirchliche Bibliotheken. Zusätzlich haben die Hochschulen im Land noch mehr als 50 eigene Bibliotheken. Im vergangenen Jahr haben 1,8 Millionen Besucher rund 70 Millionen Bücher oder andere Medien ausgeliehen. Allein die kommunalen Büchereien verzeichneten 2005 mehr als 56,6 Millionen Entleihungen. Im Jahr zuvor waren es noch 55,6 Millionen, 2003 sogar nur 53 Millionen Entleihungen. Theoretisch wird damit im Südwesten im Schnitt alle zwei Sekunden ein Buch ausgeliehen.

Rund 41 Millionen Bücher, Zeitschriften und DVDs stehen in den Bibliotheksregalen. Für die Anschaffung von Medien haben die Bibliotheken im Jahr 2005 etwa 40 Millionen Euro ausgegeben. Zu den Lesern zählen hauptsächlich Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre. Jeder dritte Besucher ist Schüler, Student oder in der Ausbildung. Frauen benutzen die Bibliotheken häufiger als Männer. Die meisten Besucher kommen, um gezielt Bücher oder Musik auszuleihen. Etwa ein Drittel kommt nur zum Stöbern.

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22.10. Sachsen bleibt ein Leseland - Nachfrage nach neuen Medien steigt

Dresden (dpa/sn) - Sachsen bleibt auch im Zeitalter von DVD, Plasmabildschirm und iPod ein Leseland. In den Bibliotheken des Freistaates sind Bücher immer noch die Klassiker bei den Nutzern. Gleichwohl wächst die Nachfrage nach audiovisuellen Medien, ergab eine dpa-Umfrage. Den Einrichtungen ist es um ihre Zukunft nicht bange. «Die Bibliotheken werden mehr denn je benötigt werden als Orte des lebenslangen Lernens und als Navigator in der Informationsflut», sagte Ulrike Rosner von der Stadtbibliothek Chemnitz. Außerdem seien sie zur Vermittlung von Medienkompetenz und nicht zuletzt zur Leseförderung unabkömmlich.

Nach der Wende sah es für viele Büchereien zunächst nicht rosig aus. Sinkende Zuschüsse führten zur Entlassung von Personal, vielerorts gingen die Besucherzahlen zurück. In Chemnitz gab es 1992 noch elf Zweigstellen der Stadtbibliothek, heute sind es nur noch vier. In Dresden gingen zwischen 2002 und 2004 vier Filialen im Bestand der Städtischen Bibliothek verloren. Auch Leipzig berichtet von Einbußen. Allerdings haben Einrichtungen oft aus der Not eine Tugend gemacht. «Im Idealfall verlieren wir an Quantität, gewinnen jedoch an Qualität durch die Konzentration von mehr Personal auf weniger Bibliotheken», sagte der Leipziger Amtsleiter Arne Ackermann.

Dass der Erfolg kein Selbstläufer ist, belegen die Bemühungen um Kundschaft. Mit Online-Angeboten, Internet-Zugang, Buchtipps im Regionalfernsehen, Ausstellungen, Vorlese-Wettbewerben, Lesecafés oder Autoren zum Anfassen werden die Leseratten bei Laune gehalten.
Dabei ist kein Bücherwurm für Angebote zu klein: Dresden sorgt dafür, das jährlich 80 Prozent der Kindergärten und ein Drittel der Schulklassen zu einer Veranstaltung in den Büchertempeln erscheinen. In Kommunen wie Bautzen und Dresden gibt es spezielle Kinder- und Jugendbibliotheken. Auch die zu DDR-Zeiten beliebte Fahrbücherei hat mancherorts überlebt.

Ackermann sieht in einem «aktuellen Bestand an allen Medien» den besten Garant dafür, dass Leser Dauergäste werden. Die Mittweidaer Bibliothekarin Simone Berndt nennt hohe Buchpreise als Motiv: «Wir bleiben auf alle Fälle die preiswertere Variante.» Görlitz weist darauf hin, dass eine Bücherei nicht allein auf den Zeitgeschmack fixiert sein darf. «Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist und hinterlasse eine Spur», zitierte die Leiterin der städtischen Bibliothek, Ines Thoermer, den Dichter Jean Paul. In Bautzen geht man davon aus, dass keine andere Kultureinrichtung so viele Leute erreicht wie eine Bibliothek.

Unisono melden alle Büchereien ein wachsendes Interesse für neue Medien wie CD-ROM, DVD, Musikvideos und Hörbücher. Während Inkunabeln aus dem Mittelalter nur einem erlesenen Kreis von Lesern erreichen, ist die Robbie-Williams-CD Massenware. In Dresden machen Tonträger und Filmmedien bereits 40 Prozent des Gesamtbestandes von rund 727 000 Medieneinheiten aus. In Bautzen waren im Vorjahr knapp die Hälfte (48 Prozent) der Entleihungen audiovisuelle Medien. In Görlitz nutzen sie bei weitem nicht nur junge Leute. Manchmal avancieren sie sogar zur bibliophilen «Einstiegsdroge»: Der Musikfreak sieht dann, was eine Bücherei sonst noch zu bieten hat.

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22.10. Finanznot: Viele Bibliotheken in Sachsen-Anhalt kämpfen um Existenz

Magdeburg (dpa/sa) - Viele Bibliotheken in Sachsen-Anhalt kämpfen angesichts knapper Kassen um ihre Existenz. Erhebliche finanzielle Einschnitte in der Landesförderung und bei den Kommunen haben dazu geführt, dass sich die Bibliothekendichte im Land in den vergangenen Jahren stark verringert hat, wie eine dpa-Umfrage ergab. Nach Auskunft des Landesverbandes Deutscher Bibliotheken sank allein die Zahl der hauptamtlich geführten Einrichtungen von 138 (1996) auf jetzt 94. Hinzu kommen rund 260 kleine Bibliotheken, die meist ehrenamtlich geführt werden. Auch ihre Anzahl ist rückläufig. An diesem Dienstag wird bundesweit der Tag der Bibliotheken begangen.

«Dieser Rückgang hat auch einen Bestandsrückgang zur Folge», sagte Gabriele Herrmann, Geschäftsführerin des Landesverbandes, dem derzeit
113 Bibliotheken von Arendsee bis Zeitz angehören. Gab es 1996 noch rund 5,9 Millionen Bücher und andere Medien in den Bibliotheken, so sind es aktuell nur noch etwa 4,5 Millionen. Bücher werden immer noch am meisten ausgeliehen. «Aber der Wandel in der Medienkultur ist spürbar», erklärte Herrmann. Heute bieten die Bibliotheken auch CDs, DVDs und Hörbücher an.

«Große Sorgen machen wir uns um die Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft», berichtete Herrmann. Für diese Einrichtungen seien weitere Geldkürzungen, Personalabbau und schlimmstenfalls auch die Schließung zu befürchten. Herrmann: «Ihre desolate Haushaltslage zwingt die Kommunen dazu, diese freiwilligen Ausgaben zu kürzen oder ganz einzustellen.»

Auch das Land hat die Förderung in den vergangenen Jahren stark gekürzt. «Für die kommunalen Bibliotheken werden in diesem Jahr rund 315 000 Euro zur Verfügung gestellt», sagte Brigitte Deckstein, Sprecherin des Kultusministeriums. Im Jahr 2000 seien es noch rund 1,6 Millionen Euro und 2004 etwa 556 000 Euro gewesen.

Die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek in Halle, Christine Müller, sah besonders beim Etat für den Kauf neuer Medien Engpässe. «Derzeit finanzieren wir solche Neuanschaffungen mit Hilfe der Gebühren.» Hinzu kämen geringe Fördermittel vom Land und der Stadt. Die Stadtbibliothek Halle unterhält derzeit je eine Haupt-, Musik- und Fahrbibliothek sowie drei Zweigstellen.

Der Tag der Bibliotheken am 24. Oktober wird in diesem Jahr zum elften Mal bundesweit vom Deutschen Bibliotheksverband veranstaltet. Ihm gehören eigenen Angaben zufolge 2750 Büchereien einschließlich ihrer Zweigstellen an.

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22.10. Berlin: Bibliotheken werden Treffpunkte sozial benachteiligter Jugendlicher

Berlin (dpa/bb) - Die Berliner Bibliotheken entwickeln sich immer stärker zu Treffpunkten für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Bibliotheken werden immer häufiger genutzt, um Kontakte zu pflegen, wie eine dpa-Umfrage zum Tag der Bibliotheken am 24. Oktober ergab. Die knapp 100 Bibliotheken in der Hauptstadt sehen darin eine Chance, um den Nachwuchs für Bücher zu begeistern.

«Zu uns kommen Kinder, denen es zu Hause zu eng ist, oder denen in der Familie die Ansprechpartner fehlen», sagte Susanne Metz, Leiterin der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg. Immer häufiger kämen Kinder und Jugendliche deshalb auch mit privaten Problemen zu den Bibliothekaren.

Inzwischen würden sogar Schulungen angeboten, um die Mitarbeiter auf solche Situationen vorzubereiten. «Dennoch bleiben wir natürlich in erster Linie Bibliothekare», betonte Metz. Bei schweren Problemen könne aber zumindest ein Kontakt zu professionellen Beratungsstellen vermittelt werden.

Thomas Gaudszun, als Bezirksstadtrat in Reinickendorf verantwortlich für die Kultur, unterstrich, dass die Bibliotheken «keine reinen Ausleihanstalten» sein dürften. «Natürlich kann man die Besucherzahlen hochtreiben, wenn man nur noch Spielfilme auslegt. Aber das kann ja nicht Ziel der Sache sein» betonte er. Junge Leute müssten in den Bibliotheken vielmehr an die deutsche Sprache herangeführt und für Literatur interessiert werden.

Auch der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg geht es zunächst vor allem darum, eine Anlaufstelle für Jugendliche zu sein. «Bei uns muss es nicht ganz ruhig sein», betonte Bibliotheksleiter Engelbrecht Boese. Die Jugendlichen könnten auch kommen, um sich zu unterhalten.

Wenn sie dann erst einmal da seien, machten viele aber auch gleich gemeinsam ihre Hausaufgaben in der Bibliothek. «Wir haben ja alles da», hob Boese hervor. Die Jugendlichen könnten auf Bücher und auf das Internet zugreifen, und zum Schreiben von Texten auch die Computer in der Bibliothek nutzen.

Auf diese Weise könnten Bibliotheken einen wichtigen Beitrag zur Bildung von Kindern und Jugendlichen leisten. Boese hält sie außerdem für eines der besten Integrationsinstrumente in der Gesellschaft. Schließlich fänden dort alle Nutzer unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Arbeitsbedingungen vor.

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22.10. Mecklenburg-Vorpommern: Zulauf zu Bibliotheken in Städten - Schließungen auf dem Lande

Schwerin (dpa/mv) - Die Bibliotheken in den größeren Städten Mecklenburg-Vorpommerns werden immer stärker in Anspruch genommen. In Kleinstädten und auf dem Lande kämpfen dagegen viele ums Überleben.
«In den Ober- und Mittelzentren nimmt die Zahl der Ausleihen zu», sagte der Vorsitzende des Bibliotheksverbandes im Land, Thomas Beyer, in einer dpa-Umfrage vor dem Tag der Bibliotheken (24. Oktober). Bibliotheken gehören laut Beyer zur kulturellen «Grundversorgung» und verdienen in der öffentlichen Diskussion mehr Aufmerksamkeit. Zudem fungierten viele als Kulturzentren mit Lesungen und literarisch- musikalischen Veranstaltungen, vor allem für Kinder.

Die Zahl der Bibliotheken im Land hat sich von 1998 bis 2005 um 76 auf 146 verringert, sagte der Leiter der Rostocker Landes-Fachstelle für öffentliche Bibliotheken, Manfred Heckmann. «Es ist trotzdem erstaunlich, dass wir als Flächenland noch so viele Bibliotheken haben», äußerte er. Die Zahl der Mitarbeiter-Stellen sank seit 1998 von 366 auf 264. Die Mittel für neue Literatur bewegten sich seit 1998 zwischen 2 Millionen und 1,6 Millionen Euro jährlich - kaum ein Euro pro Einwohner. Bei den Ausleihen dominiert nach den Worten Heckmanns, der auch Leiter der Rostocker Bibliothek ist, die Sachliteratur. Da gerade dabei Aktualität über allem steht, müssten die Bücher ständig erneuert werden. Kleine Bibliotheken, die weniger Geld für den Ankauf hätten, würden rasch an Attraktivität verlieren.
 
Ohne Perspektive ist die Bibliothek in der 1300-Einwohner-Gemeinde Züssow (Ostvorpommern). Sie schließt zum 1. Januar, sagte die einzige Mitarbeiterin, Petra Amtsberg. Gelder für die Beschaffung von Büchern habe sie bis zuletzt gehabt, ebenso 350 regelmäßige Leser und zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr. Mit dem neuen Schuljahr habe schon die Schule geschlossen, kulturell gebe es jetzt in Züssow, das seinen Status als Zentralort verlor, gar nichts mehr. Nach Wolgast, wo am 10. November ein Bibliotheksneubau öffnet, seien es 18 Kilometer, ein Bus fahre nicht. Für Kinder, Jugendliche und alte Menschen ohne Auto sehe es daher schlecht aus. In Ostvorpommern erzielte die NPD bei der Landtagswahl ihren zweitgrößten Erfolg mit 11,8 Prozent der Stimmen.
 
Die Wolgaster Bibliothekschefin Angela Rambow ist glücklich über den Neubau, der nicht nur Platz für 35 000 Bücher und elektronische Medien bietet, sondern auch für eine intensive Veranstaltungsarbeit gemeinsam mit Musikschule und Jugendhaus. Ein Drittel der Leser komme aus dem Umland, sagte sie, so von der gesamten Insel Usedom. Darunter seien viele Schüler, die in Wolgast aufs Gymnasium gingen.

Auch die Bibliothek in Hagenow (Kreis Ludwigslust) sieht in der Arbeit mit Kindern einen Schwerpunkt, sagte Leiterin Silke Mittmann.
Sie hat mit einer Kita ein Projekt zur sprachlich-literarischen Frühförderung begonnen, in dem die Kinder bei fünf Besuchen die Welt der Schrift und Zeichen kennenlernen. Um Fahrschülern aus dem Umland den Besuch zu erleichtern, habe sie trotz Personalmangels über Mittag geöffnet. Ansonsten seien die Kinder darauf angewiesen, dass die Eltern sie zur Bücherausleihe fahren, bedauerte Mittmann.

Einen «enormen Zulauf» hat nach Angaben ihrer Leiterin Hannelore Melka die Bibliothek Neubrandenburg. 550 000 Entleihungen hatte sie im Vorjahr, in diesem Jahr werden es 30 000 mehr sein. «Das ist eine Frage der Attraktivität», sagte Melka. Die Einrichtung wurde erweitert, 200 Besucher passen jetzt bei Lesungen in den Saal mit rollbaren Regalen. Jährlich würden für 150 000 Euro etwa 13 000 neue Medien angekauft, die ständig ausgeliehen seien. Neben der Ausleihe betreuten die 30 Mitarbeiter rund 50 000 Bücher in der historischen und 20 000 in der regionalkundlichen Sammlung, einer Art kleinen Landesbibliothek. Hinzu kämen Fernleihen und Rechercheaufträge.

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22.10. Brandenburg: Bibliotheken bieten mehr als Bücher - zahlreiche Veranstaltungen

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Bibliotheken bieten Wissenshungrigen nicht nur Bücher, Zeitschriften und andere Medien. Sie sind zunehmend auch selbst Lern- und Arbeitsorte geworden, in denen zahlreiche Veranstaltungen kleine und große Leser anlocken. Zwei Drittel davon richten sich an Kinder und Jugendliche. Am weitesten verbreitet sind Lesungen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (DPA) ergab. Die Leseratten können dort außerdem Internetanschlüsse nutzen und mit der großen Welt kommunizieren.

«Nur noch 68 Prozent aller Ausleihen in den märkischen Bibliotheken sind Bücher und Zeitschriften», sagt Cornelia Stabrodt vom Landesverband Brandenburg im Deutschen Bibliotheksverband in Brandenburg/Havel. «Fast alle öffentlichen Bibliotheken des Landes verfügen über Internetzugänge und bieten zudem DVDs und CD-ROMs zur Ausleihe an.» Nach Verbandsangaben gibt es im Land 141 hauptamtlich und 83 nebenamtlich geführte Bibliotheken. Diese zählten im vergangenen Jahr 2,85 Millionen Besucher. Mehr als 9,6 Millionen Entleihungen wurden registriert und 9098 Veranstaltungen.

In diesem Jahr kamen bisher 31 000 Besucher in die Stadtbibliothek Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Pro Kopf sei die Bücherausleihe gestiegen, erzählt die Leiterin Marina Groschek. «Die Leser versorgen die gesamte Familie mit.» Die Bibliothek habe sich der Aktion «Deutschland liest» angeschlossen: Jeden Donnerstag lese jemand ehrenamtlich vor. Schreibende Kinder und Erwachsene träfen sich im Literaturlabor «Lila», andere kämen in das Literatur-Café.

Rund 1990 Leser seien in der Stadtbibliothek Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) angemeldet, berichtet die Leiterin Christine Grün. «Jährlich haben wir aber 30 000 Menschen hier, die nicht nur Bücher lesen, sondern die ganze Palette der Medien und Veranstaltungen nutzen.» Für Recherchen stünden fünf öffentliche Internetanschlüsse bereit. «Wir müssen die Hälfte des Sachkosten- Budgets selbst erwirtschaften», erläutert Grün. Deshalb gebe es kostenpflichtige Lesungen, einen Bücherflohmarkt und Veranstaltungen gemeinsam mit der Neuen Bühne Senftenberg.

Die Stadtbibliothek Bernau (Barnim) hat derzeit 3200 angemeldete Leser und damit etwas weniger als im Vorjahr. Wer nach Bernau zieht, erhält nach Auskunft der Bibliothekarin Ute Schindler eine Begrüßungsmappe mit einem Schein zur kostenlosen Nutzung der Bibliothek für ein halbes Jahr. Mit «Gespensternächten» und «Lesenächten» werde speziell bei den Kleinen das Interesse am Lernort Bibliothek wach gehalten.

Veranstaltungen organisiert die Stadtbibliothek Templin (Uckermark) vor allem in den Schulferien. Dies sei wegen des Personalabbaus nicht anders zu machen, bemerkt die Leiterin, Silke Behrens. In diesem Jahr habe es sich thematisch um Fußball und Dinosaurier gedreht. Kinder bis 18 Jahre könnten die Bibliothek kostenlos nutzen. Behrens: «Das ist wichtig in dieser Region mit hoher Arbeitslosigkeit.»

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