Die Regierung in Schilda erklärt seinen Einwohnern den Krieg:
Ein
aktueller Streich des Börsenvereins unter Vorsteher
Gottfried Honnefelder
(HDL) - Was eine Mitgliedschaft im Börsenverein für Tollheiten
mit sich bringen
kann, das erfuhr jüngst die Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG,
die sich
als Dienstleisterverlag um neue Autoren bemüht. Immer schon fanden
sich
Männer des Börsenvereins berufen, in den Medien Herablassendes
oder gar
Abschätziges über diesen Verlagstypus zu sagen, dem vorgehalten
wird, dass
er die vom Establishment der Suhrkamps und Rowohlts abgelehnten No-Names
herausbringt und sich dafür bezahlen lässt. Goethe nutzte
diese
Dienstleistung, Schiller, Hesse und viele andere taten dies, die wir heute
im Bücherregal nicht missen möchten. Sie wären heute möglicherweise
unbekannt, hätten sich nicht Verlage gekümmert, die die damaligen
Hobbyschreiber gegen Entgelt herausbrachten.
Das aber gilt heute nicht mehr als schick, denn ein Autor, auch ein völlig
Unbekannter, soll ja sogleich ein Honorar oder vielleicht sogar ein festes
Gehalt bekommen. Verkündete Heinrich Böll nicht einstens (vor
der
Gewerkschaft), dass die Autoren keine Karnickel mehr seien?
Wenn Ullstein und Bertelsmann ein Honorar im Einzelfall nicht zahlen
können und auf Autoren und Bücher verzichten müssen, wie
aber sollen dann
die naturgemäß kleineren, kapitalschwächeren (Dienstleister-)
Verlage es?
Die Realität ist Männern wie dem jetzt leider verrenteten Pressesprecher
Jürgen Emmerling aber wohl immer schon nicht so wichtig gewesen. Starke
Pressestatements auf Kosten kleinerer Mitglieder und mehr oder weniger
hilflose Selbstinszenierung, das ist der Geist, der im Großen Hirschgraben
von jeher umgeht, wo der heruntergewirtschaftete, vor kurzem vom Ruin
konkret bedrohte Verein residiert.
Unausgesprochene, aber eiserne Gesetze
Dieser muntere Geist prägt natürlich auch das „Börsenblatt“,
das Hausorgan
des Verbandes, das den gesamten Buchhandel und das deutsche Verlagswesen
repräsentieren sollte. In infamer Weise werden allerdings auch hier
die
Interessen der kleineren Verlage mit Füßen getreten und zwar
so
offensichtlich, dass diese sich in regelmäßigen Abständen
darüber in
Leserbriefen beschweren.
So bewerben sich neue Mitglieder, nichtsahnend, auch mitunter um eine
(teuer zu bezahlende) Anzeige auf der Titelseite – nicht wissend,
dass die
Titelseite, einem unausgesprochenen, dafür aber eisernen Gesetz
zufolge,
nur den Großen und besonders geschätzten Verlagen vorbehalten
zu sein
scheint. Oder hat man jemals einen engagierten, aber kleinen Verlag die
Frontseite des Blattes nutzen sehen?
Entsprechend finden sich auch laufend Berichte oder Notizen über
alle
marginalen Programmänderungen und über die Personalüberlegungen
auf
Abteilungsleiterebene jedes wohlgelittenen Hauses, aber Wesentliches
aus
kleineren Verlagen, die es sowieso besonders schwer haben und für
die die
Mitgliedschaft besonders wichtig sein könnte, wird konsequent ignoriert.
Aus der Borniertheit der Redaktion heraus entstanden so deutliche Defizite
im Fachinformationsmarkt für den Buchhandel, dass Konkurrenten
auftraten
und sich seit Jahrzehnten erfolgreich behaupten können. Voller
Schadenfreude heißt es dort in Presseverlautbarungen, es sei ja
schade,
dass das Börsenblatt so „muffig“ sei. Das aber
stört im Börsenverein recht
wenig, denn man hat ja eine monopolartige Stellung, auch dank der hohen
Mitgliedsbeiträge.
Anschwärzungen und Denunziationen
Doch zurück zu den starken Statements, derentwegen der
Vorstand schon
einmal hilflos zurückrudern, Abbitte leisten und sub rosa um Einstellung
der juristischen Verfolgung durch die in der Öffentlichkeit Geschädigten
bitten musste. Gelernt hat man im Großen Hirschgraben wohl
nichts daraus.
Im Gegenteil, Dr. Gottfried Honnefelder, jahrzehntelanger
Suhrkamp-Geschäftsführer, attackiert als Vorsteher des Vereins
die
mittelständische Frankfurter Verlagsgruppe. Der Hintergrund?
1998 fragte der Fouqué Literaturverlag, heute ein Imprint einer
GmbH, in
der die Gruppe Mehrheitsgesellschafter ist, beim Börsenverein an,
ob denn
die Vertriebsmaßnahmen, für die die Autoren schließlich
bezahlen, dem
Standard der Branche entsprächen? Antwort des Börsenvereins:
Jawohl, wenn
die genannten Maßnahmen im Einzelnen voll ausgeschöpft und
die übliche
Werbung betrieben würde, dann übererfülle der Fouqué Literaturverlag
sogar
das Soll. Diese Bestätigung wurde zur Vorlage in einer Auseinandersetzung
verwendet, in der die Gewerkschaft gegen die unabhängigen Autorenverlage
ankämpfte.
Nun werden die Dinge in Schilda, und so auch im Hause des Börsenvereins,
immer auf eine überraschende Weise rund. Um die Klientel der
verlagsuchenden Neuautoren bewirbt sich nämlich auch ein Kleinstverlag,
der den Dienstleisterverlagen die Autoren abspenstig zu machen sucht,
um
diesen seine Ratgeber zu verkaufen „Wie schreibe und veröffentliche
ich?“.
Der agile, für seine dubiosen Geschäftspraktiken im Internet
mehrfach
erwähnte Manfred Plinke verfolgt insbesondere die Frankfurter
Verlagsgruppe, die von ihm als Marktführer angesehen wird, mit allerhand
Sensationsberichten, die ihm regelmäßig wegen ihres verleumderischen
Charakters von den Gerichten verboten werden. Das stört aber Gottfried
Honnefelder und die Mannen in der Börsenblattredaktion nicht im
Geringsten; man nimmt gerne die Lockung des raffinierten Ratgebermachers
auf.
Honnefelder und die Dieter-Bohlen-Verlage
Im Börsenverein hört man auf die Denunziationen und
Anschwärzungen des
Herrn Plinke, zu deren Repertoire illegal beschaffte persönliche
Papiere
der Mitarbeiter à la Liebesbriefe und Geburtsurkunden ebenso zählen
(Datenschutz, was war das gleich?), wie persönliche Beleidigungen
und
farbenfrohe Diskreditierungen in breiter Skalierung usw. Jene Bestätigung
aus dem Jahre 1998 über die Richtigkeit und Seriosität des
Verlagsvertriebs muss dem konkurrierenden Ratgebermann, der selber
vorgibt,
den Weg zur Veröffentlichung aller Manuskripte zu kennen und dafür
an die
60 (sechzig!) Ratgebertitel zum Verkauf bereithält, natürlich
ein Dorn im
Auge sein – und der „Länderrat“ des Börsenvereins
und Gottfried
Honnefelder folgten jetzt den Anträgen des Denunzianten und untersagten
dem Verlag, diesen Brief, dessen inhaltliche Richtigkeit vom Börsenverein
bis heute nicht bestritten wird, für die Abwehr der erfundenen
Behauptungen des Ratgeberkleinverlags vor Gericht einzusetzen.
Als der
Verlag den Brief kürzlich noch einmal vorlegen musste, um zu
bestätigen,
dass die Autoren einen richtigen und ordnungsgemäßen
Vertrieb erhalten,
beschließt der Börsenverein, die Frankfurter Verlagsgruppe
schändlich
auszuschließen, es sei denn (bei strengem Verbot, jenes Schreiben
weiter
zu benutzen) ... es strömten schlappe 20.000 Euro in die Vereinskassen!
Es ist klar, dass man die Dienstleisterverlage und insbesondere
die
Frankfurter Verlagsgruppe gerne loswerden möchte, weil man sich
im
Börsenverein mit Bertelsmann und Heyne zu Höherem berufen fühlt.
Dabei
vergisst man gerne, dass gerade dort die unsäglichen Unterleibsgeschichten
von Dieter Bohlen u.ä. peinlicher Schrott produziert werden.
Woher
also
die Abneigung? Brancheninsider vermuten, dass die industriellen
Großverlage
das unabhängige (von den Autoren subventionierte) Vorgehen der
Dienstleisterverlage als stillen Vorwurf und Affront ansehen, weil hier
literarisch sehr Hochwertiges produziert werden kann, während man
bei
Ullstein und Rowohlt (unsubventioniert) fürs Volk nach dem literarischen
Niederwertprinzip produzieren muss. Honnefelder, als Suhrkampmann,
wie von
ehemaligen Mitarbeitern zu hören ist, damit durchaus vertraut, dass Autoren
mindestens indirekt durch Verzicht auf Honorar zur Buchfinanzierung
herangezogen werden („bis die technischen Produktionskosten eingespielt
sind“) oder wurden, weiß, dass derlei bitte schön
nicht öffentlich werden
darf. Deshalb keult der Börsenverein diejenigen, die die Hand nach vorne aufhalten
statt nach hinten. Ob das verlogen ist? Das uralte Marktsegment der
Dienstleisterverlage, die ruhmreich in den Biographien Goethes, Heinrich
Manns und vieler anderer ihre Spuren hinterlassen haben, scheint heute
politisch inkorrekt geworden zu sein, jedenfalls wenn man dem
Dieter-Bohlen-Verlagen folgt, in deren Sinn Gottfried Honnefelder nun
seinen Bannstrahl geschleudert hat.
Vorauseilende Dienstfertigkeit zur Streitanfachung
In der Geschäftsführung der Frankfurter Verlagsgruppe
kann man es nicht
fassen. „Wenn die Verwendung einer inhaltlich korrekten Bestätigung,“
heißt es von dort, „die vom Börsenverein ausdrücklich
zur Vorlage bei
Gericht erlassen worden ist, nun vom Börsenverein unter Strafe gestellt
wird, dann ist das Vereinswillkür.“ Und: „Dr. Honnefelder
hatte auch
nichts Eiligeres zu tun gehabt, als unseren Prozessgegnern, also
völlig
Unbeteiligten, die ebenso verworrene wie ehrenrührige Ausschlussandrohung
zu übermitteln. Wir halten dies für missbräuchlich,
aus dem Gedanken heraus
uns wieder einmal Schaden zufügen zu können, und übrigens
auch, weil uns
nicht einmal rechtliches Gehör gegeben wurde, für dilettantisch.
Der
Dilettantismus der hohen Herren treibt überdies schöne Blüten:
Die Zahlung
der Strafe sollten wir bis spätestens 15. Dezember leisten, um den
Ausschluss unseres Hauses abzuwenden, aber seinen Brief hat Herr
Honnefelder an uns erst am 18. Dezember abgeschickt, so dass das
Ganze
rechtlich schon deshalb unwirksam ist und eine Farce.“
Ja, so ist das in Schilda: Dem Mitglied wird die Verwendung einer
korrekten Bestätigung bei Gericht (zur Abwehr von Verleumdungen)
verboten.
Den Prozessgegnern des Mitglieds Frankfurter Verlagsgruppe und die
teils
nicht einmal Mitglied des Vereins sind, wird dagegen die Verwendung der
schändlichen Ausschlussandrohung bei Gericht jedoch ausdrücklich
und ohne
danach gefragt zu sein vom Börsenverein in vorauseilender Dienstfertigkeit
gestattet. Tollhaus? Nein, Börsenverein!
Sippenhaft
Kann es, fragt sich der unbeteiligte Dritte, für das Mitglied,
das über
seine Beiträge ja immerhin den Verein finanziert, noch ärger
werden?
Jawohl: Der Verlag, der jenes, mittlerweile recht bekannte Schreiben
erhalten hatte und diesen zur Abwehr von Angriffen einsetzt, ist gar
nicht
die Frankfurter Verlagsgruppe, sondern die Frankfurter Literaturverlag
GmbH, die nicht einmal Mitglied des Börsenvereins ist. Die Anteile,
die
die Frankfurter Verlagsgruppe an dieser GmbH hält, sind das dürftige
Feigenblatt, das den Rauswurf der ganzen Gruppe rechtfertigen soll –
Sippenhaft à la Börsenverein.
Mitgliederdatenschutz für Gottfried Honnefelder eine unbekannte
Größe
Was treibt den geschäftserfahrenen Gottfried Honnefelder
um, sich auf
Denunzianten einzulassen, die sich nicht dafür genieren, von mehr
als
einem Dutzend gerichtlicher Verbotsverfügungen betroffen zu sein,
sondern
dreist, über Psychoterror lamentieren, den sie, die Verleumder anderer,
erlitten, die kreuz und quer Anzeigen und Beschuldigungen zum Schaden
der
Wettbewerber an Senderedaktionen, Anwaltskammern usw. und Privatpapiere
von Gegnern zur allgemeinen Belustigung versenden? Was ist in Gottfried
Honnefelder gefahren, negative Mitteilungen über Mitglieder, die
für jeden
Kegelverein selbstverständlich und im eigenen Interesse des Vereins,
Dritten nicht zugänglich gemacht werden dürfen, direkt nach
außen, sogar
an Nichtmitglieder zu versenden und die Verwendung im Gerichtsverfahren
gegen die Frankfurter Verlagsgruppe geradezu zu empfehlen?
Man erfährt es nicht. Nur soviel, dass die millionenschwere
Frankfurter
Verlagsgruppe, mit fast 400 Neuerscheinungen wirtschaftlich so stark
wie
nie zuvor, es gewagt hat, Börsenverein und Vorsteher Honnefelder
abzumahnen, künftig die Mitgliedschaft betreffende Mitteilungen
nicht mehr
in der Welt herumzuschicken. „Wir werden sofort eine einstweilige
Verfügung erwirken, wenn Herr Honnefelder den Unfug weitertreiben
will“,
poltert es in der Geschäftsführung der Frankfurter Verlagsgruppe.
Und:
„Das ganze Vorgehen ist juristisch laienhaft, nicht durchsetzbar
und
fernab von jeder Besonnenheit. Schon Siegfried Unseld mochte uns nicht
und
wollte unserem Haus vom Börsenverein dies und das verbieten lassen,
weil
er in seiner Freizeit selber gerne über Goethe fabulierte, wir aber
die
Goethe-Labels führen.“
Säuberung des Börsenvereins
Die Frankfurter Verlagsgruppe residiert seit 10 Jahren Haus
an Haus neben
dem Börsenverein im vornehmen Großen Hirschgraben, und diese
Nähe könnte
zu jenem blinden Ärger im Börsenverein beigetragen haben.
Dabei schädigt
der Börsenverein sich selbst und die Branche, wenn Mitgliedsverlage
mit
seiner Hilfe öffentlich beschädigt und bloßgestellt
werden. Das Ganze
dürfte deshalb aber mehr als ein juristischer Schildbürgerstreich
sein. Es
geht darum, ein unbequemes Mitglied loszuwerden und den Börsenverein
von
Unternehmen zu säubern, die dem eigenen, hohen kulturellen Anspruch
den
Spiegel der Bohlen-Realität vorhalten. Im Vorstand der Frankfurter
Verlagsgruppe ist man deshalb auch wieder gelassen und man werde das
Problem nötigenfalls mit den Vereinsherren ausdiskutieren, wenn
möglich
öffentlich, denn das trage erfahrungsgemäß allemal zu
Umsatzsteigerungen
bei.
Michael Ende schrieb dem Altverleger der Frankfurter Verlagsgruppe einmal:
„Wenn du den Drachen nicht töten kannst, mach ihn dir zum
Freund.“ Man muss
wohl Schriftsteller sein, um das Leben zu verstehen.
Detlef Trattner/21.12.2006
Weblink:
"Die Welt.de"-Presseartikel vom 02.01.07:
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