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News-Sonderthema:
Die 58. Frankfurter Buchmesse
vom 04. - 08. Oktober 2006
Täglich aktuelle Berichte und Hintergrundinformationen auch zum
Gastland Indien
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Unsere Beiträge:
08.10.
Vom Lizenzhandel zum Kulturfest - Gute Stimmung auf
Buchmesse
Teilnehmer zufrieden : «Stimmung gut,
Aussichten gut»
Schlangestehen für Indien - Gastland zufrieden
mit Buchmesse
NRW-Verlage besetzen bei
Buchmesse viele Felder
Trauer auf der Buchmesse - Solidarität für
Mordopfer Politkowskaja
07.10.
Publikumstag auf der Buchmesse: Besucher belagerten
Prominente
Biolek: Moderatoren nehmen sich keine Zeit zum Leben
Deutscher Jugendliteraturpreis 2006 für Illustratorin
Berner
Übersetzer führen
bei Buchmesse ihre Kunst vor
Ungewöhnliche Einblicke: Blogger auf der Buchmesse
Türkei will Buchmessen-Auftritt für Moderisierung
des Landes nutzen
Köhler bei Buchmesse: Eltern müssen beim
Lesen Vorbild sein
06.10.
Katharina Hacker: Reaktionen der Leser geben Kraft zum
Schreiben
Deutsch-indischer Autorenaustausch
05.10.
Zweiter Tag auf der Buchmesse - Katalonien präsentiert
sich
Für Indiens Verlage ist die Buchmesse ein
Basar der Kontakte
Trend im Handel: Olivenöl zum Kochbuch, Stofftier
zum Kinderbuch
Martin Walser erlebt manchmal «Schmerzenszustände» bei
seiner Stimme
04.10.
Keine Zeit für die Hängematte
- Besucher eilen durch Gänge
Kleinstverlage auf der Buchmesse
03.10.
Steinmeier ruft zum Interesse an fremden
Kulturen auf
«Land der Vielfalt»: Indien
zum Anfassen auf der Buchmesse
8. Frankfurter Buchmesse wird eröffnet
- Ausgebucht
Wirtschaftsmacht Indien: Optimismus
und mahnende Worte
Buchwissenschaftler: Romane eignen sich nicht
zum Online-Lesen
01.10. Hintergrundberichte:
Frankfurter Buchmesse ausgebucht
58. Frankfurter Buchmesse: Zahlen, Daten,
Fakten
Von Bombay bis Berlin: Bücher aus Indien
bieten reiche Vielfalt
Von Rushdie bis Roy: Mancher indische Literaturstar
lebt im Ausland
Bollywood, Börse, Bücher: Indien
ist in
Gigant Indien: 1,1 Milliarden Menschen, 24 Sprachen,
80 000 Bücher
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08.10. Vom Lizenzhandel zum Kulturfest
- Gute Stimmung auf
Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Die Buchbranche stagniert, doch die Frankfurter
Buchmesse boomt. «Es ist toll gelaufen», sagt Messesprecher
Thomas Minkus. Am Sonntag ist die Großveranstaltung mit mehr
Aussteller denn je und erneut knapp 300 000 Besuchern zu Ende gegangen.
Die spürbar gute Stimmung auf der weltgrößten Bücherschau
ist nicht zuletzt den Auftritten zahlreicher Prominenter sowie einer
Ausweitung des Angebots zu verdanken. Immer mehr inszeniert sich die
Messe als «Kulturfest».
Auf die anhaltende Flaute in der Branche reagieren die Messe- Organisatoren
mit einem überbordenden Programm. Eine Rekordzahl von rund 2300 «Akteuren» -
vom Schriftsteller bis zum Fernsehmoderator - tummelt sich auf fast
2800 Veranstaltungen in Frankfurt. Auffällig dabei ist die wachsende
Zahl von Prominenten und weniger Prominenten aus Gesellschaft und Politik,
die Bücher schreiben oder eher schreiben lassen.
Alfred Biolek («Bio») ist es am Samstag auf der Messe
kein bisschen peinlich, dass seine Memoiren ein «Ghostwriter» verfasst
hat. Auch das Publikum nimmt keinen Anstoß daran. Aus dem Fernsehen
bekannte Kritiker und Autoren wie Marcel Reich-Ranicki oder Elke Heidenreich
werden auf der Messe vor hunderten Zuhörern wie Popstars gefeiert.
Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der sich der Kritik
mit seinem Umgang zur Vergangenheitsbewältigung stellt, schart
ebenfalls Menschentrauben um sich.
Beigetragen zum Publikumserfolg hat auch das Gastland Indien mit
seinem Bollywood-Feeling und hochgelobten Neuerscheinungen, die sich
nach Aussagen von Verlagen auch gut verkaufen. Shashi Taroor, redegewandter
UN-Diplomat und Schriftsteller («Bollywood»), gehört
in Frankfurt zu den gefeierten indischen Autoren.
Der Messe geht es jedoch nicht nur ums Lesepublikum, sondern vor
allem um die Fachbesucher und Aussteller. Für sie wurden ebenfalls
neue Angebote geschaffen. Mit dem Thema «Elektronisches Publizieren»,
das bei Wissenschaftsverlagen das Buch längst abgelöst hat,
wurden Abtrünnige zum Teil wieder zurückgewonnen. Der gesamte «Non-Book»-
Bereich wie Spiele als Ergänzung zu Kinderbüchern nimmt auf
der Messe einen immer größeren Raum ein. Allerdings birgt
eine solche Expansion immer auch die Gefahr einer Verzettelung.
Für die internationalen Verlage - zahlenmäßig an
der Spitze sind weiterhin Großbritannien und die USA - bleibt
die Messe vor allem die weltweit wichtigste Tauschbörse für
den Lizenzhandel. So wird in Frankfurt - meist hinter den Kulissen
- um die Rechte von begehrten Bestsellern gefeilscht. In den vergangenen
Tagen ging es um den auf Französisch schreibenden Amerikaner Jonathan
Littell.
Der 39-Jährige hat in seinem fast 1000 Seiten starken Debüt-Roman
den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht eines SS-Offiziers beschrieben
und damit in Frankreich für Furore gesorgt. Die deutschen Rechte
hat der Berlin Verlag erworben, wie ein Sprecher auf der Messe bestätigte.
Spekuliert wird über eine Summe von 400 000 Euro.
Insgesamt, so ist auf der Messe zu hören, seien politische Themen
in Verbindung mit historischen Themen wieder stärker gefragt.
Dies gelte vor allem auch für die Verknüpfung mit dem Thema
Terrorismus und Islam.
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08.10. Teilnehmer zufrieden mit Buchmesse: «Stimmung
gut, Aussichten gut»
Frankfurt/Main (dpa) - «Stimmung gut, Aussichten gut.» Suhrkamp-
Sprecher Thomas Sparr formuliert am prägnantesten die Bilanz der
meisten Verlage am Ende der 58. Frankfurter Buchmesse. Indien sei als
Gastland wunderbar angekommen finden vor allem jene Verlagshäuser,
die das Glück haben, indische Autoren in ihrem Programm zu führen.
Auch die zahlreichen auf der Messe vergebenen Preise kurbelten sofort
den Umsatz der Bücher an, berichten die siegreichen Verlage.
Suhrkamp hat vor allem von der Verleihung des Deutschen Buchpreises
an Katharina Hacker kurz vor Beginn der Messe profitiert.
Innerhalb von drei Tagen seien 25 000 Exemplare der «Habenichtse» verkauft
worden. «Wir kommen mit dem Drucken gar nicht nach», sagt
Sparr.
Letztlich seien es die Leser und ihre Lust auf immer neue Bücher,
die den Markt für die Zukunft sichern, meinen viele Verlage. «Ich
bin als Fußgänger auf der Messe an mehreren Rolltreppen
nicht weitergekommen. Daraus ziehe ich den Schluss, dass das Buch die
nächsten drei Jahre überleben wird», sagt Helge Malchow
von Kiepenheuer & Witsch schmunzelnd.
Es gebe Lebenslagen, in denen das Buch einfach unersetzlich sei,
ist auch Karlheinz Jungbeck von der Verlagsgruppe Lübbe überzeugt:
«Zum Anfassen, zum Mitnehmen an den Strand, am Feierabend zu
Hause, da hat das Buch seinen Platz. Und wenn Ihnen mal Sand hineingerät,
lieben Sie Ihr Buch immer noch - Ihren Laptop lieben Sie dann nicht
mehr.»
Die Zeit der Vermarktung über Niedrigpreise sei vorbei, bilanziert
Urs Erdle, Vertriebsleiter beim DuMont Literatur und Kunst Verlag:
«Man kann wieder vermitteln, dass Popularität nicht auf
Kosten der Qualität geht.» Den Kunden sei hochwertige Ware
wichtiger als ein Ramschpreis.
Für den Carl Hanser Verlag lief die Buchmesse 2006 - abgesehen
vom Tod Oscar Pastiors - sehr glücklich. «Unsere Autoren
haben viele Preise bekommen», freut sich Hanser-Sprecherin Christina
Knecht. Wolf Lepenies soll heute (Sonntag) den Friedenspreis des Deutschen
Buchhandels erhalten, zwei Kinderbücher wurden mit dem Jugendliteraturpreis
ausgezeichnet, Pastior bekommt posthum den Büchner-Preis.
Auch die S. Fischer Verlage berichten von Rekorden: «Wir hatten
noch nie so viele Autoren auf der Messe wie in diesem Jahr»,
ist Heidi Borhau stolz. Harte Verhandlungen stünden auf der Buchmesse
nicht im Vordergrund. «Das hier ist eher wichtig für die
Atmosphäre - und die Stimmung war in diesem Jahr sehr gut.»
Auch Claudia Limmer von der Verlagsgruppe Random House, zu der unter
anderem Goldmann, Heyne, Blessing, Luchterhand, Manesse und DVA gehören,
ist mit der Messe zufrieden. Das zeige das große Interesse des
Publikums: «Die Leute fragen schon: Wann kommt der Folgeband,
wann kommt das nächste Buch von diesem Autor?»
Eichborn nutzt die Publikumstage der Messe als Test, was beim Leser
ankommt. «Wir sehen, welche Cover die Leute aus dem Regal nehmen
und welche nicht», berichtet Dieter Muscholl. Als «Testballon» lag
am Eichborn-Stand ein Anti-Eva-Herman-Buch aus, das zwar bereits ein
Cover, aber noch leere Seiten hatte.
Beim Berliner Aufbau-Verlag misst man das Lese-Interesse an der Tätigkeit
der Langfinger. Wenn es nach den Dieben geht, ist vor allem der Bombay-Krimi
von Vikram Chandra gefragt. «Chandra wird wahnsinnig viel geklaut»,
sagt Aufbau-Sprecherin Barbara Stang zu den Erfahrungen am Stand. Insgesamt
gehe der Trend bei neuen Büchern zu Themen Terrorismus/Islam und
auch zu essayistischen Reiseberichten.
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08.10. Schlangestehen für Indien - Gastland zufrieden mit Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Schlangestehen für Indien: Im Forum der
Frankfurter Buchmesse, wo sich das Gastland mit einer Ausstellung und
Lesungen präsentierte, reichten die Stühle oft nicht aus.
Im Gang mit den indischen Verlagsständen drängten sich an
den Publikumstagen so viele Menschen, dass zeitweise nichts mehr ging.
Verleger, Autoren und Organisatoren werteten den Gastland-Auftritt
Indiens als vollen Erfolg.
Es war nach 1986 bereits die zweite Präsentation des Riesenlandes
in Frankfurt - und in den 20 Jahren hat sich viel verändert. Indien
werde nicht mehr nur als Land von Yoga und Spiritualität wahrgenommen,
sagte Thomas Abraham von Penguin India: «Es ist ein breit gefächertes
Bild rübergekommen.» Auch Nuzhat Hassan, Direktorin des
indischen National Book Trust, ist dieser Ansicht: «Es ist gelungen,
den Besuchern die Vielfalt des modernen Indien abseits von jeder Exotik
zu zeigen.»
Aber ganz ohne Folklore ging es auch nicht: Die Leute hungerten nicht
nur nach geistiger Nahrung. Vor dem Restaurant mit indischen Gerichten
gab es lange Schlangen. Und sogar bei Jameela Khan mussten die Kundinnen
warten: Im Kunsthandwerkerzelt verzierte sie Frauenhände mit traditionellen
Mustern: «Die meisten machen das zum ersten Mal. Ich sage ihnen:
Ihr müsst die Henna-Paste 20 Minuten drauf lassen, damit die Linien
eine Woche halten.»
Das Programm stand unter dem Motto «Today's India», das
Indien von heute. Aber egal ob beim Kulturprogramm «Dhwani» in
der Alten Oper, im indischen Forum oder bei den Lesungen - «alle
Künstler und Autoren kommen aus ihrer Geschichte», sagte
Grit Lauterbach, Sprecherin des Gastland-Auftritts. Der moderne Tanz
wurzelt im klassischen, der moderne Roman in der Jahrtausende alten
Erzählkunst Indiens. Und beide spiegeln den Wandel, den das Land
mit 1,1 Milliarden Menschen seit Beginn der wirtschaftlichen Liberalisierung
1991 durchmacht.
Dass englischsprachige Autoren wie Suketu Mehta («Bombay, Maximum
City»), Altaf Tyrewala («Kein Gott in Sicht») oder
Swati Kaushal («Hochzeit auf Indisch») mit diesem Indien
im Umbruch auf Interesse stoßen würden, hat niemanden überrascht.
Bei der Buchmesse waren aber
73 indische Autoren, von denen viele in Regionalsprachen schreiben.
Und auch sie fanden immer ihr Publikum. 250 Lesungen wurden auf der
Messe und außerhalb angeboten. Viele tausend Zuhörer kamen.
Schon das, was sie hörten, machte ihnen die Vielfalt der indischen
Sprachen und Literaturen bewusst. Die Autoren lasen auf Hindi und Urdu,
Oriya und Englisch. Manche waren enttäuscht, dass sie nur einige
Minuten hatten, bevor die deutsche Übersetzung folgte. Aber die
Abwechslung tat der Aufmerksamkeit gut. Indien schien in vielen Bildern
auf - und die verbanden sich bei ausdauernden Zuhörern zum Film.
Wer Indien begegnen wollte, war auf der Buchmesse genau richtig. Diese
Art von Austausch und Dialog sei der beste Weg Frieden herzustellen
auf der Welt, meinte Bundespräsident Horst Köhler.
Aber es ging nicht nur um Begegnung, sondern auch ums Geschäft.
Und auch damit waren viele der 173 indischen Verleger sehr zufrieden.
Anuj Bahri zum Beispiel war mit seiner Verlagsgruppe zum ersten Mal
in Frankfurt. Er kam vor allem, weil Indien Gastland war - und wurde
nicht enttäuscht. «Wir sind auf überwältigendes
Interesse gestoßen.» Das gilt nicht nur für seine
Bücher, sondern auch für seine Agentur, die indische Autoren
international vertritt.
Zum ersten Mal war auch Prateek Kathuria da, der seinen Hoffnungsträger,
ein Buch mit indischen Märchen und kunstvollen Illustrationen,
mitgebracht hatte. «Wir haben hier auf der Messe einen Kunden
in Südafrika gefunden», sagte er. Abraham von Penguin India
meinte, dass sich nicht alle in Frankfurt geweckten Hoffnungen seiner
Kollegen erfüllen werden. «Aber es ist wie immer: Wenn viel
geworfen wird, dann bleibt auch einiges hängen.»
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08.10. Krimi, Kochen, Kunst: NRW-Verlage
besetzen bei Buchmesse viele Felder
Frankfurt/Main (dpa/lnw) - Krimi und Kunst, Kochen und Kirche: Die
Verlage aus Nordrhein-Westfalen sind bei der Frankfurter Buchmesse
auf vielen Feldern vertreten. Kiepenheuer & Witsch präsentieren
Starautoren, der Dr. Oetker Verlag Spitzenköche, Bergmoser + Höller
fertige Predigten für den Sonntagsgottesdienst und der Grafit
Verlag den Privatdetektiv Wilsberg. Zu fehlen kann sich niemand leisten:
«Das ist der größte Buchmarkt der Welt», sagt
Karlheinz Jungbeck, Chef der Verlagsgruppe Lübbe in Bergisch Gladbach, «die
großen Deals sind zwar vor der Messe gelaufen, aber hier trifft
man sich.»
Das gilt nicht nur für die Giganten, sondern auch für die
Nischen- Verlage. Bergmoser + Höller zum Beispiel haben sich bei
anderen Spezialisten für Kirchenthemen angesiedelt. Der Aachener
Verlag ist bekannt für Materialien, die Lehrer und Kindergärtnerinnen,
aber auch katholische und evangelische Pfarrer direkt einsetzen können.
Das gilt auch für Predigttexte, die von etwa 100 praxiserfahrenen
Theologen zugeliefert werden. Nur wenige Pfarrer übernähmen
die Texte aber ein zu eins, meint Andreas Bergmoser: «Die Fleißigen
ziehen sich Ideen heraus.»
Das gilt so ähnlich für die Leser der Bücher, die
der Dr. Oetker Verlag aus Bielefeld anbietet. Auch sie können
sich inspirieren lassen von den Inhalten. Damit es nicht bei der Theorie
bleibt, hat Oetker seinen Stand in ein Gourmet-Restaurant integriert
- die Fachkunden können sich von bekannten Küchenmeistern
bekochen lassen.
Ein Spezialprogramm samt Kostproben bietet auch der Grafit Verlag
aus Dortmund, bekannt für seine Krimis. Seinen Ruf hat er mit
Autoren wie Jaques Berndorf, Jürgen Kehrer oder Horst Bieber nicht
nur bei den Lesern gefestigt, sondern auch bei Debüttanten. «Das
bereitet nicht nur wahre Freude», meint Lektorin Ulrike Rodi
zu jährlich 1200 unverlangt eingesandten Manuskripten. Andererseits
zählte einst auch Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer zu diesen
Einsendern. Dass Wilsberg Ecken, Kanten und Probleme hat, war nicht
auf Erfolg berechnet, sagt
Kehrer: «Beim ersten Buch überlegt man nicht: Wie kommt
das an. Und die Zeit der glatten Helden ist ohnehin längst vorbei.»
Heile Welt statt brutaler Verbrechen gibt es bei Coppenrath aus Münster.
Der Buchmesse-Stand wirkt mit verspielten Kronleuchtern, Felix und
Lillifee wie für Kinder designt. DuMont aus Köln zeigt auch
in der Standaufteilung seine Sparten Literatur und Kunst: Auf der einen
Seite steht der Neo-Rauch-Katalog im Mittelpunkt, auf der anderen Seite
fällt ein erfolgreiches Buch über die Wurst («Wurst»)
ins Auge. «Man kann wieder vermitteln, dass Popularität
nicht auf Kosten der Qualität geht», sagt Vertriebsleiter
Urs Erdle. Den Kunden sei hochwertige Ware wichtiger als ein Ramschpreis.
Aus Köln ist auch Kiepenheuer & Witsch angereist. Und dort
gehen Stars und Prominente wie Frank Schätzing, Dieter Hildebrandt,
Zadie Smith, Sönke Wortmann oder Heiner Geißler ein und
aus. Manche Autoren werden durch ihre Bücher zu Stars, andere
schreiben erfolgreiche Bücher, weil sie schon Stars sind. «Die
Personalisierung im öffentlichen Raum nimmt auch im Buchgeschäft
zu», sagt KiWi-Chef Helge Malchow. Solange aber die Prominentenbücher
nicht überhand nähmen, sei das kein Problem. Malchow ist
mit dem Verlauf der Messe
zufrieden: «Ich bin als Fußgänger auf der Messe an
mehreren Rolltreppen nicht weitergekommen. Daraus ziehe ich den Schluss,
dass das Buch die nächsten drei Jahre überleben wird.»
Natürlich ist auch Random House in Frankfurt, der Buchbereich
von Bertelsmann in Gütersloh. Random House in New York ist mit
9000 Neuerscheinungen pro Jahr die größte Buchverlagsgruppe
der Welt. Der deutsche Zweig Random House Verlagsgruppe sitzt in München
- und spiegelt auf der Buchmesse seine Unternehmensstruktur wider:
Verlage wie Goldmann, Heyne, Blessing, Luchterhand, Manesse oder DVA
präsentieren sich auf demselben Stand, aber der ist groß und
klar unterteilt. «Da hat jeder Verlag sein eigenen Auftritt»,
sagt Unternehmenssprecherin Claudia Limmer.
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08.10. Trauer auf der Buchmesse - Solidarität
für Mordopfer Politkowskaja
Frankfurt/Main (dpa) - Die Frankfurter Buchmesse hat der ermordeten
russischen Journalistin und Autorin Anna Politkowskaja
gedacht: Wegbegleiter würdigten am Sonntag bei einer spontanen
Trauerveranstaltung das entschiedene Engagement der Regierungskritikerin,
die am Wochenende in Moskau einem Auftragsmord zum Opfer gefallen war.
Politkowskaja hatte die Buchmesse im Jahr
2003 besucht, als Russland Gastland auf der weltgrößten
Bücherschau war.
«Wir wissen nicht, wer die Pistole gehalten hat, aber wir wissen,
wer dafür verantwortlich ist», sagte Kjell-Olav Jensen vom
norwegischen PEN-Zentrum. Ihr Tod sei nicht überraschend gekommen:
«Sie wusste, dass sie ermordet werden würde.» Russland
habe Politkowskaja schon vor langer Zeit «zum Staatsfeind Nummer
eins erklärt», zwei frühere Mordversuche seien gescheitert.
Jensen forderte die westlichen Länder zu Solidaritätskundgebungen
auf. Man könne zum Beispiel die Straßen vor den russischen
Botschaften und Konsulaten in Anna-Politkowskaja-Straße umbenennen.
«Anna Politkowskaja ist für ihre politischen Artikel umgebracht
worden», betonte der Vorstand der Menschenrechtsorganisation
Memorial, Arsenji Roginski. «Sie war für viele Leute unbequem,
sie wurde von vielen Leuten gehasst.» Die Lücke, die ihr
Tod in den russischen Journalismus reiße, könne nie gefüllt
werden, sagte Anna Schor-Tschudnovskaja von der Hessischen Stiftung
für Friedens- und Konfliktforschung:«Es gibt keinen zweiten
Journalisten in Russland, der mit ihr vergleichbar wäre.» Politkowskaja
sei «die mutigste und die tapferste» von allen gewesen.
Die 1958 geborene Mutter von zwei Kindern hatte sich durch ihre kritischen
Reportagen über den Tschetschenien-Krieg weltweit einen Namen
gemacht. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Journalistin schrieb
vor allem für die kleine regierungskritische Zeitung «Nowaja
Gaseta» in Moskau.
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07.10. Publikumstag auf der Buchmesse:
Besucher belagerten Prominente
Frankfurt/Main (dpa) - Menschentrauben an den Ständen, Gedränge
in den Gängen: Zehntausende Leser strömten am ersten Publikumstag
auf die 58. Frankfurter Buchmesse. Die Veranstalter rechneten am Samstag
mit rund 70 000 Besuchern. Die weltgrößte Bücherschau
geht an diesem Sonntag nach fünf Tagen zu Ende. Dann können
an vielen Ständen auch Bücher gekauft werden.
Regelrecht belagert waren vor allem jene Orte, an denen die Buchmessenbesucher
TV-Prominenz hautnah erleben konnten. Hunderte Zuhörer bedrängten
sich gegenseitig bei den Auftritten von Hape Kerkeling, Alfred Biolek,
Marianne Rosenberg, Eva Herman oder Marcel Reich-Ranicki. «Ich
sehe ihn!», riefen die einen, die anderen fotografierten mangels
freier Sicht die Bildschirme, auf denen die öffentlichen Interviews übertragen
wurden.
Für Behinderungen im Gewühl sorgten großformatige
Papiertaschen, in denen Nicht-Fachbesucher Verlagsprospekte horteten
und den Klagen der Verlage zufolge auch so manches geklaute Buch hinausschmuggelten.
Ruhiger ging es derweil im Congress Center zu, wo knapp 200 Pädagogen
am «1. Lehrerkongress» teilnahmen. Im Rahmen des neuen
Sonderschwerpunkts «Zukunft Bildung» der Buchmesse beschäftigten
sich die Teilnehmer unter anderem mit der Frage, ob Bücher Kindern
Werte mitgeben können oder wie Lesen in der Schule positiv vermittelt
werden kann.
Auch der Preise-Regen war am Samstag noch nicht versiegt: Zeichner
und Bestseller-Autor Walter Moers erhielt für seine Hitler-Persiflage «Adolf
- Der Bonker» den «Sondermann»-Preis für den
besten nationalen Comic-Zeichner. Zum besten internationalen Comic
wählte die Jury «Sin City» des Amerikaners Frank Miller,
einen der härtesten Comics der vergangenen Jahre.
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07.10. Biolek: Moderatoren nehmen sich
keine Zeit zum Leben
Frankfurt/Main (dpa) - Die heutigen Moderatoren nehmen sich nach Ansicht
des Talkmasters Alfred Biolek (72) keine Zeit zum Leben.
Deshalb wirkten sie trotz ihrer hohen fachlichen Qualifikation oft
farblos, sagte Biolek am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse bei
der Vorstellung seiner Biografie «Bio. Mein Leben». «Sie
machen zu viel, vier oder fünf Sendungen die Woche. Da fragt man
sich: Wann gehen sie mal ins Konzert oder ins Theater.» Fernsehen
verkomme damit immer mehr zum Fast Food.
Er selbst habe nie einen Schreibtisch besessen und alle Produktionstätigkeiten
delegiert, sagte Biolek. «Damit hatte ich Zeit zu leben und all
das zu tun, was ich für meinen Beruf für wichtig erachtet
habe: Feste feiern, mit Leuten reden, Theater und Konzerte besuchen.» Auch
sein Buch habe er nicht selbst verfasst, sondern mit dem 34 Jahre alten
Co-Autor Veit Schmidinger. Er habe extra einen jungen Mitstreiter ausgesucht,
der einen ungetrübten Blick auf seine Zeit im Fernsehen werfen
könne.
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07.10. Deutscher Jugendliteraturpreis 2006 für Illustratorin Berner
Frankfurt/Main (dpa) - Die Illustratorin Rotraut Susanne Berner und
fünf Autoren sind am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse mit
dem Deutschen Jugendliteraturpreis geehrt worden. Berner erhielt den
mit 10 000 Euro dotierten Sonderpreis für ihr zeichnerisches
Gesamtwerk. Sie habe «neue Maßstäbe der Illustration
und Gestaltung» gesetzt, hieß es in der Begründung
der Jury. «Mit ihren Einfällen hält sie die Welt in
Bewegung; denn was sie zeichnet braucht auf wunderbare Weise keine
Schwerkraft.» Von Berner stammen unter anderem verschiedene «Wimmelbücher» und
die Illustrationen zu den Geschichten des Hasen «Karlchen».
Je 8000 Euro gab es für das beste Bilder-, Kinder-, Jugend-
und Sachbuch. Als bestes Bilderbuch prämierte die Jury «Gehört
das so??!» von Peter Schössow, «ein ungewöhnliches,
ausnehmend gelungenes Trauerbuch, das endlich einmal Wut als Gefühl
zulässt». Sieger in der Sparte Kinderbuch wurde «Lilis
Leben eben» von Valérie Dayre, ein Roman, der «die
Befindlichkeiten beim Übergang zur Pubertät in ein irritierend
bedrückendes Szenario fasst».
Den Preis für das beste Jugendbuch erhielt Dolf Verroen für «Wie
schön weiß ich bin», das «mit einfältiger
Unbedarftheit vom Leben auf einer Plantage und vom Umgang mit den Sklaven
erzählt». Als bestes Sachbuch zeichnete die Jury «Denk
nicht, wir bleiben hier!» von Anja Tuckermann aus, der mit der
Lebensgeschichte eines Sinto-Jungen «ein tief berührender
Text über ein lange tabuisiertes Thema» gelungen ist.
Der ebenfalls mit 8000 Euro dotierte Preis der Jugendjury ging an
den englischen Autor Kevin Brooks. Sein Roman «Lucas» ist
die Geschichte einer Ausgrenzung und einer Hetzjagd auf Leben und Tod.
«Ein bemerkenswertes Buch, das uns die tiefen Abgründe menschlichen
Verhaltens herzerrgreifend vor Augen führt.» Der Deutsche
Jugendliteraturpreis wurde in diesem Jahr zum 51. Mal verliehen.
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07.10. «Der zweite Autor»: Übersetzer
führen bei Buchmesse ihre Kunst vor
Frankfurt/Main (dpa) - Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es ein Regal,
das nur auf den ersten Blick aussieht wie alle anderen. Die Bücher
sind zwar alphabetisch geordnet - aber nicht nach Autoren, sondern
nach Übersetzern. Das Regal steht im «Übersetzerzentrum».
«Der Übersetzer ist der zweite Autor», sagt Peter
Klöss. In Frankfurt können die Messebesucher diesem «zweiten
Autor» bei der Arbeit über die Schulter schauen - die Übersetzer
führen ihre Kunst live vor.
In einer Ecke zweier Stellwände steht ein Schreibtisch mit Computer,
einer Tastatur und zwei Bildschirmen, daneben Wörterbücher
für Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch. An der
Wand über dem Schreibtisch klebt ein großes Foto, als ob
ein Fenster aufginge über einer sonnenbeschienenen Idylle am Meer.
An der Wand daneben hängen zwei Großbildschirme. Das ganze
ist das Büro des «gläsernen Übersetzers».
Claudia Feldmann tritt gerade ihre Schicht an, auf orangefarbenen
Hockern um sie herum sammelt sich das Publikum. Lampenfieber habe sie
nicht, sagt sie. «Aber es ist schon ein komisches Gefühl,
wenn mir Leute dabei zuschauen, wie ich die richtigen Worte suche.»
Auf dem linken Bildschirm vor ihrer Tastatur erscheint das englische
Original, auf dem rechten tippt sie ihre deutsche Fassung ein. Und
auf den großen Schirmen an der Wand können die Zuschauer
das verfolgen. «Ich schreibe soweit es geht sofort ins Reine»,
sagt Feldmann, «aber danach feile ich natürlich noch am
Text.»
Wie viel Zeit sie in dieses Feilen investiert, muss sie sich genau überlegen.
Einerseits muss sie Top-Qualität abliefern, um ihre Auftraggeber
zufrieden zu stellen. Andererseits wird sie nicht für ihren Aufwand,
sondern nach Seiten bezahlt. 15 bis 20 Euro pro Seite sind der gängige
Satz, es kann aber auch weniger sein.
«Wenn ich viel Rechercheaufwand habe, bestehe ich allerdings
auch auf einem Zuschlag», sagt Feldmann. Für das Publikum
arbeitet sie an einem tatsächlichen Auftrag, «Heretic» von
Bernard Cornwell. Da es der dritte Teil einer Triologie über die
Suche nach dem Heiligen Gral ist und sie auch die ersten Teile übersetzt
hat, haben sich ihre historischen Recherchen gelohnt. Sie kann nur
prägnant übersetzen, wenn sie die Kleidung und die Waffen,
die Essgewohnheiten und die Ortsnamen der Zeit kennt, in der der Roman
spielt.
Wer in der Unterhaltungsliteratur gut im Geschäft sei, könne
vom Übersetzen leben, meint Klöss. «Die anderen werden
entweder von ihrem Partner subventioniert oder subventionieren sich
selbst.» Viele dolmetschen zum Beispiel. Das Übersetzerzentrum
auf der Buchmesse bietet deshalb nicht nur Seminare zur richtigen Wortwahl
in der modernen Literatur an, sondern auch zum «Dolmetschen in
polizeilichen Ermittlungsverfahren». Organisiert wird das Zentrum
vom Verband deutschsprachiger Übersetzer VdÜ und dem Bundesverband
der Dolmetscher und Übersetzer BDÜ.
Die Wege zum Beruf sind unterschiedlich. Feldmann, Spezialistin für
Englisch und Französisch, studierte Literaturübersetzung
in Düsseldorf. Klöss dagegen hatte während seines Italienischstudiums
nicht geplant, Literatur zu übersetzen. «Das bot sich dann
nach dem Studium an.»
Beide plädieren dafür, dass Übersetzer und Texte zusammenpassen
müssen. Es komme vor, dass ausländische Bestseller sofort
auf Deutsch erscheinen sollen und deshalb gleich mehrere Übersetzer
für verschiedene Teile engagiert werden. «Das kann nicht
gut gehen», meint Feldmann.
(Internet: www.literaturuebersetzer.de)
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07.10. Ungewöhnliche Einblicke: Blogger
auf der Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Jürgen Matthes beschreibt seine Eindrücke
im Internet aus Frankfurt so: «Wenig Erfahrung heißt nicht
unbedingt wenig Wissen und so rüstete ich mich für diese
meine erste Buchmesse mit gut eingelaufenen Schuhen aus.» Das
gute Schuhwerk braucht Matthes, da er täglich zusammen mit einem
Team von «Bloggern» auf der weltgrößten Bücherschau
stundenlang unterwegs ist. In einem interaktiven elektronischen Tagebuch
(Weblog) berichten Literatur- Liebhaber erstmals aus ihrer ganz persönlichen
Perspektive über die größte Bücherschau der Welt.
«Okay, ich weiß also, jede Messe besteht aus weitläufigen
Hallen und die interessanten Sachen finden meist im Abstand von zehn
Minuten an entgegengesetzten Ecken des Geländes statt»,
hat Matthes herausgefunden. Die neun Blogger aus ganz Deutschland,
zu denen auch ein Autor und eine Lektorin gehören, stellen ihre
Texte auf die Internet-Seite der Buchmesse.
Dort können die Einträge von Interessierten auf der ganzen
Welt gelesen werden. «Das Projekt ist für uns ein Experiment»,
sagt Buchmessen-Sprecherin Anne Eckert. «Die Digitalisierung
wird immer wichtiger, dieses Themas nimmt sich auch die Buchmesse an.»
Die Journale, in denen im Internet von Großereignisse wie Messen,
Tagungen oder auch Parteitagen berichtet wird, liegen nach Ansicht
des Bamberger Kommunikationssoziologen Jan Schmidt seit dem vergangenen
Jahr im Trend. «Es gehört noch nicht zum Standard, aber
es wird immer mehr damit experimentiert», sagt der 33-Jährige,
der die Auswirkungen von Blogs als neue Kommunikationsform untersucht.
«Blogger können Einblicke geben, die man sonst auf keinem
anderen Weg bekommen kann.»
Im deutschsprachigen Raum gibt es seinen Angaben zufolge etwa eine
Million Weblogs, von denen etwa die Hälfte regelmäßig
geführt wird.
Den Buchmessen-Blog pflegt und koordiniert Oliver Gassner. Seine Leidenschaften
sind das Internet und die Literatur. Zur Buchmesse- Zeit streift der
42-Jährige durch die Hallen, auf der Suche nach spannenden Menschen,
Geschichten oder Kuriositäten. Mitten im Getümmel klappt
er seinen Laptop auf, schreibt seine Eindrücke auf und stellt
die Texte ins Internet. «Ich blogge das» - so nennt er
es im Fachjargon und das steht auch auf seinem feuerroten T-Shirt.
«Die Blogger sind Menschen, die die Buchmesse ganz unvoreingenommen
sehen», sagt Anne Eckert. «Wir erhoffen uns davon ganz
neue Eindrücke.» Das Team wird von der Buchmesse nicht für
seine Arbeit bezahlt, bekommt aber freien Eintritt und darf die Arbeitsplätze
im Pressezentrum nutzen. Anreise- und Übernachtungskosten der
Blogger werden mit Sponsorengeldern finanziert.
«Die Blogger haben alle Freiheit der Welt, sie können
schreiben, was sie wollen», sagt Eckert. Geschrieben werden darf
alles, was nicht gegen das Gesetz verstößt. Die 32-Jährige
hat in dieser Woche selbst ihr Debüt als Bloggerin gegeben und
berichtete als Insiderin von ihrem Arbeitsalltag auf der Buchmesse.
Seine Themen sucht sich jeder Buchmessen-Blogger selbst aus und entscheidet
was und wieviel er darüber schreibt. «Ein Blog-Text kann
zwei Zeilen lang sein oder mehrere Seiten», sagt Gassner. «Wir
können hier Dinge thematisieren, die eigentlich unter jeder Mitteilungsschwelle
liegen, Dinge, die sonst das Papier nicht wert wären, aber einfach
schön die Atmosphäre transportieren.»
(Internet: www.buchmesse.de/blog)
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07.10. Türkei will Buchmessen-Auftritt
für Moderisierung des Landes nutzen
Frankfurt/Main (dpa) - Die Türkei will ihren Gastland-Auftritt
auf der Frankfurter Buchmesse 2008 für Verbesserungen im eigenen
Land nutzen. Derzeit werde die Buchbranche modernisiert, sagte der
türkische Kulturminister Atilla Koç am Freitag in Frankfurt.
Alle Aktivitäten seien darauf angelegt, über 2008 hinaus
zu wirken.
Das staatliche Publikationswesen werde neu strukturiert, öffentliche
Bibliotheken würden ausgebaut, es laufe ein Förderprogramm
für Übersetzungen. «Auch der Schutz des geistigen Eigentums
genießt nun höhere Bedeutung», sagte Koç. Das
Raubkopieren werde eingedämmt.
«Die Türkei hat durch ihre Rolle in der Geschichte der
Menschheit und ihre geographische Lage die Mission, eine interkulturelle
Brücke zu sein», sagte Koç. Er kündigte ein
umfangreiches Kulturprogramm an, das bereits im November dieses Jahres
beginnen soll. Im kommenden Jahr ist die autonome spanische Region
Katalonien auf der Buchmesse zu Gast.
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07.10. Köhler bei Buchmesse: Eltern
müssen beim Lesen Vorbild sein
Frankfurt/Main (dpa) - Eltern müssen nach den Worten von Bundespräsident
Horst Köhler ihren Kindern den Spaß am Lesen vorleben. «Wir
müssen dafür sorgen, dass schon die Kinder Freude haben am
Lesen - auch durch Vorbilder und Vorlesen», sagte Köhler
am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. Wenn dann noch gute Bücher
und Autoren hinzukämen, mache er sich um das Medium Buch keine
Sorgen:
«Trotz Internet und großem Wettbewerb hat das Buch eine
gute Zukunft.»
In den Urlaub nehme er unter anderem Krimis mit, sagte Köhler.
Zurzeit zum Beispiel Bücher von Henning Mankell. Aber auch sein
Amt bringe Anlässe zum Lesen mit sich, wie etwa eine Ehrung für
den amerikanischen Historiker Fritz Stern. Dafür habe er dessen «Five
Germanys I Have Known» gelesen: «Da wird es eben in den
Nächten spät.»
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06.10. Katharina Hacker: Reaktionen der
Leser geben Kraft zum Schreiben
Frankfurt/Main (dpa) - Die mit dem Deutschen Buchpreis 2006 ausgezeichnete
Schriftsellerin Katharina Hacker (39) zieht ihre Motivation zum Schreiben
aus den Reaktionen der Leser. «Man kriegt ein Gespür dafür,
ob das Buch in den Köpfen irgendetwas bewirkt hat», sagte
Hacker am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Dies gebe ihr die
Kraft, weiter zu schreiben. Nicht die Kritiker, sondern die Reaktionen
der Leser würden von Buch zu Buch wichtiger. Ihr Leben werde derzeit
von ihrer rund vier Wochen alten Tochter Philippa strukturiert. «Das
macht das Leben in gewisser Weise ziemlich einfach.» Hacker hatte
die 2005 ins Leben gerufene Auszeichnung am Montagabend für ihr
Buch «Die Habenichtse» erhalten.
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06.10. Viele Kinder und verstörende
Ruhe: Deutsch-indischer Autorenaustausch
Frankfurt/Main (dpa) - Indien ist ein junges Land: «Es ist am
auffälligsten, dass es so viele Kinder gibt», sagt die Autorin
Angela Krauß über ihre Eindrücke in Madras. Deutschland
ist ein stilles
Land: «Irgendwann hörte ich Kirchenglocken, und das gab
mir die Gewissheit zurück, dass ich nicht taub geworden war»,
erzählt der indische Dramatiker Mahesh Dattani aus dem lauten
Bombay über seinen ersten Tag in Stuttgart.
Die beiden haben - zusammen mit zwölf anderen Schriftstellern
- an einem deutsch-indischen Autorenaustausch teilgenommen. Als «Stadtschreiber» lebten
sie für jeweils einen Monat in der Fremde und führten darüber
Tagebuch. Auf der Frankfurter Buchmesse, bei der Indien diesmal Gastland
ist, werden die Autoren und ihre Texte vorgestellt.
«Akshar» heißt das Projekt, das Wort bedeutet Buchstabe,
aber zugleich auch die kleinstmögliche Einheit. Es geht also um
ein Grundbaustein, der nicht zertrümmert werden kann. Akshar sei
deshalb auch ein guter Name für das Austauschprogramm, meint Adyasha
Das aus dem indischen Bundesstaat Orissa: «Dies ist eine Erfahrung,
die noch lange Bestand haben wird, auch wenn wir längst abgereist
sind.»
Für die Erfahrungen über die Kulturgrenzen hinweg wären
nicht unbedingt Stadtschreiber nötig. Was die indischen und deutschen
Autoren beschreiben, erleben Touristen und Geschäftsleute ähnlich
- sie staunen über das Fremde und darüber, dass dieses Fremde
im anderen Land doch das Alltägliche ist.
Aber Schriftsteller sind nötig, um dieses Staunen in Worte zu
fassen. Zum Beispiel, wenn Dattani eine Reise im ICE nach Mannheim
beschreibt: «An den Vierertischen sitzt man sich gegenüber
und müsste sich in die Augen schauen, denke ich, aber ich unterschätze
die deutsche Fertigkeit, Augenkontakt zu vermeiden. Auch körperliche
Berührungen gibt es nicht, während die Laptops auf dem kleinen
Tisch um Platz kämpfen.» Die zwischenmenschliche Kälte
im Zug sei so spürbar, dass der Name ICE (ice heißt auf
Englisch Eis) sehr angemessen sei, meint Dattani.
Wenn man hört, wie andere einen wahrnehmen, kann das alle möglichen
Folgen haben. Man lacht oder weint gar über sich selbst.
Oder man staunt darüber, was ein Fremder beschreibenswert findet.
Guy Helminger zum Beispiel schildert eindruckvoll ein Armenkrankenhaus
in Hyderabad. «Es gibt Abteilungen für die unterschiedlichen
Leiden, eine für Nierenkranke etwa oder eine für Krebs. Diese
Abteilungen ähneln einer Halle mit 40 bis 50 Betten, eins neben
dem anderen, durch nichts von einander getrennt als durch die warm-schwüle
Luft, die wie eine Decke in die Freiräume gestopft zu sein scheint.»
Bhupinder Parihar aus dem Punjab, der in Köln zu Gast war, findet
Helmingers Schilderung völlig zutreffend. Aber was in deutschen
Lesern Beklemmung auslöst, sei für Inder völlig normal: «Das
ist das wahre Indien. Niemand dort wird darüber schockiert sein.»
Organisiert wurde das Projekt vom Goethe-Institut und den Literaturhäusern
in Deutschland. Die Tagebucheinträge sind auf Deutsch und auf
Englisch im Internet zu lesen, die Stadtschreiber haben ihre Schilderungen
durch Fotos ergänzt. Und bei manchen fließt das Erlebte
auch in die schriftstellerische Arbeit ein. Helminger hat schon eine
Erzählung verfasst und plant schon mehr.
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05.10. Zweiter Tag auf der Buchmesse - Katalonien präsentiert
sich
Frankfurt/Main (dpa) - Katalonien will seine tausend Jahre alte Kultur
als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2007 auch in rund 25 anderen
deutschen Städten vorstellen. In den kommenden zwölf Monaten
sind rund 100 Veranstaltungen - von literarischen Treffen bis zu Ausstellungen
- geplant. Dies kündigte der Kulturminister der autonomen spanischen
Region, Ferran Mascarell, am Donnerstag auf der Buchmesse in Frankfurt
an.
Der Minister betonte, dass die katalanische Kultur mit ihrer eigenständigen
Sprache «einzigartig und universell» sei. Die katalanische
Kultur sei jedoch nicht allein mit Katalonien und seinem Zentrum Barcelona
identisch. Zum katalanischen Sprach- und Kulturraum zählen die
knapp sieben Millionen Menschen in Katalonien, der reichsten spanischen
Region. Außerdem wird Katalanisch auch in angrenzenden spanischen
Regionen sowie in Andorra und Frankreich gesprochen.
Mascarell machte ebenfalls klar, dass Katalonien vor allem die auf
Katalanisch schreibenden Autoren in Frankfurt vorstellen wolle.
In den Auftritt integriert seien jedoch auch die auf Spanisch
(Castellano) schreibenden Schriftsteller. Zu den bekanntesten Schriftstellern
Kataloniens gehört die in Spanisch publizierenden Schriftsteller
Eduardo Mendoza und der Bestseller-Autor Carlos Ruiz Zafón («Der
Schatten des Windes»). Barcelona ist auch Sitz großer spanischer
Verlage.
Katalonien plant neben einer groß angelegten Repräsentation
auf der Buchmesse außerdem in Frankfurt zahlreiche Konzerte und
Ausstellungen. Renommierte katalanische Künstler und Orchester
werden erwartet. Der für seine spektakulären Theater-Inszenierungen
bekannte Regisseur Calixto Bieito aus Barcelona kommt ebenfalls nach
Frankfurt.
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05.10. Für Indiens Verlage ist Frankfurter Buchmesse ein Basar der
Kontakte
Frankfurt/Main (dpa) - Der indische Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse
erinnert an Basare in Neu Delhi, Bombay oder Bangalore: Die Größe
der Messeboxen entspricht der eines normalen Ladens in Indien.
Auch die Nachbarschaft so vieler Anbieter aus derselben Branche ist
nichts Ungewöhnliches: In Indien siedeln sich Konkurrenten oft
Tür an Tür an. Entscheidend ist die Kommunikation. Dafür
gehen Inder zum Basar, und dafür sind die indischen Verleger nach
Frankfurt gekommen.
«Es geht um den Kontakt von Angesicht zu Angesicht, der ist durch
nichts zu ersetzen», sagt Thomas Abraham von Penguin India.
Mehr als 170 Unternehmen aus Indien sind diesmal in Frankfurt dabei,
und da Indien nach 1986 diesmal wieder Gastland ist, erhoffen sie sich
besonders viel Aufmerksamkeit. Der kleine Verlag RadicalBooks zum Beispiel
schickt zwar schon seit Jahren einen Agenten nach Frankfurt, diesmal
aber ist die Firma aus Neu Delhi erstmals mit einem eigenen Stand dabei. «Wir
sind hier, um unser neues Buch zu verkaufen, das wir in diesem Monat
auf den Markt bringen», sagt Prateek Kathuria. Es ist eine Sammlung
indischer Märchen, ein schönes Kinderbuch mit Illustrationen
im Stil regionaler Volkskunst.
Zwar hat Kathuria auch noch andere Bücher aus seinem Sortiment
mitgebracht und in den Regalen seiner Box platziert. Im Geschäft
ist RadicalBooks in Indien aber vor allem mit Schulbüchern. Nun
hofft man wegen des stark angestiegenen Interesses an Indien, dass
nicht nur Bollywood-Filme im deutschen Fernsehen Erfolg haben, sondern
auch indische Märchen in deutschen Kinderzimmern. Bei der Buchmesse
geht es Kathuria aber bei weitem nicht nur um mögliche deutsche
Partnerverlage. Die ganze Welt sei schließlich in Frankfurt.
Genau das meint auch Gaurav Sabharwal von Prakash Books. Der Verlag
hat sich auf Bildbände spezialisiert, die den Couchtisch schmücken. «Früher
kamen wir, um Bücher aus dem Westen einzukaufen und sie in Indien
zu veröffentlichen», sagt Sabharwal. Vor allem Design, Mode
oder Architektur aus Europa und Amerika fanden in Indien viele Interessenten.
Seit auf Indiens Bürgersteigen aber westliche Illustrierte und
sogar der Ikea-Katalog zu haben sind, sind die Bildbände aus Europa
nicht mehr exotisch.
Prakash Books haben ihr Geschäftsmodell deshalb umgekehrt: «Was
haben wir in Indien, das im Westen auf Interesse stoßen könnte?»,
fragt sich Sabharwal heute. Der Verlag gibt jetzt Bildbände über
Indien heraus, Innenarchitektur mit indischen Möbeln, Stoffen
und Teppichen, aber auch indische Kochbücher mit opulenten Fotostrecken.
Dafür hofft Sabharwal auf internationales Interesse in Frankfurt.
Bei Thomas Abraham von Penguin India ist das ein wenig anders.
Mehrere Bücher, die er im Regal hat, gibt es auch schon auf Deutsch:
«Der Gott von Bombay» von Vikram Chandra, «Hochzeit
auf Indisch» von Swati Kaushal oder «Glitzernacht» von
Shobhaa De zum Beispiel. «Diese Arbeit wird schon lange im Vorfeld
der Buchmesse getan», sagt Abraham. Die Kontakte zu kleinen Verlagen
aus anderen Ländern ließen sich aber nur im direkten Kontakt
aufbauen, glaubt Abraham.
Auch er nutzt Frankfurt, um Autoren zu präsentieren, für
die sich noch kein deutscher Verlag interessiert. Der Schriftsteller
Upamanyu Chatterjee («Weight Loss») ist einer von ihnen.
Und Abraham hofft, dass die Autobiografie von Baby Halder nach einem überwältigenden
Erfolg in Indien nun auch im Deutschland auf Interesse stößt.
In «A Life Less Ordinary» beschreibt die indische Haushaltshilfe,
wie ihre Mutter die Familie verließ und Halder noch als Kind
verheiratet wurde.
Das Buch erschien zuerst in indischen Regionalsprachen, dann auf
Englisch bei Zubaan, dem Verlag der feministischen Publizistin Urvashi
Bhutalia. Und mit dem kleinen Haus Zubaan hat die große Firma
Penguin India eine Partnerschaft - ein Ergebnis der indischen Kontaktfreude
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05.10. Trend im Handel: Olivenöl zum Kochbuch und Stofftier zum
Kinderbuch
Frankfurt/Main (dpa) - Olivenöl und Nudeln zum Kochbuch, Schlüsselanhänger
oder Teetasse zum Gedichtband, Stofftiere und Bastelspiele zum Kinderbuch:
Die Angebotspalette deutscher Buchhandlungen wird immer breiter. Postkarten,
Geschenkpapier und Notizbücher haben sich seit langem einen festen
Platz erobert, aber längst ist nicht alles Papier, was in den
Buchhandlungen verkauft wird. Die Frankfurter Buchmesse hat den Trend
aufgegriffen und bietet erstmals zwei Gemeinschaftsstände für
das so genannte «nonbook»- Sortiment.
Designartikel oder Spielzeug zu verkaufen hat für Buchhändler
allerhand Vorteile, meint Nina Röder, die eine kleine Buchhandlung
in Neuss betreibt: Die Gewinnmargen sind höher, weil die Produkte
nicht wie Bücher der Preisbindung unterliegen. «Mitnahmeartikel,
die keiner braucht, aber jeder gerne hätte» sind für
Buchhändler reines Zusatzgeschäft. Und sie stärken das
persönliche Profil des Ladens, denn «man kann damit Akzente
setzen.»
Es sind nicht nur kleine Läden wie der von Nina Röder,
die auf diesen Zug aufgesprungen sind, auch große Geschäfte
wie das Berliner Kulturkaufhaus Dussmann bieten immer mehr «nonbooks».
Und so ist in diesem Jahr auch die Buchmesse bunter geworden. In Halle
vier werben
25 Firmen um Kunden. Sie alle wollen eine Ecke für ihre Produkte
in der Buchhandlung um die Ecke. Es gibt Hängematten und Filztaschen,
hochwertiges Porzellan und schrillen Nippes.
Angelika Niestrath, die den «nonbook»-Gemeinschaftsstand
organisiert hat, sieht «absolut» ein verstärktes Interesse
des Handels an diesem Zusatzgeschäft. «Das ist sicher ein
starker und langlebiger Trend.» Allerdings warnt sie vor einer «Verwarenhausung» des
Buchhandels. Das Sortiment dürfe nicht beliebig werden.
«Buchhandelstauglich» werde ein Produkt vor allem durch
die Qualität:
«Nachgefragt wird das anspruchsvolle Produkt für Menschen
mit Geschmack.»
Schon angekommen ist der «nonbook»-Trend im Kinderbuchregal.
Auf einem Gemeinschaftsstand der Spielwarenindustrie zeigen 19 Firmen
ihre «buchnahen» Produkte. Sie bieten Mikroskopier-Sets
zum Wissenschafts-Kinderbuch, Holztraktoren zu einem Bauernhofbuch
oder Plüschtiere, die gleichzeitig Hauptfigur eines Bilderbuches
sind.
«Die Buchhändler sind sehr offen für eine Sortimentserweiterung
gerade im Kinderbuchbereich», sagt Kyra Mende von der Nürnberger
Spielwarenmesse, die den Buchmessenstand organisiert hat. «Auch
die Großhändler ordern verstärkt Spiele für den
Buchhandel.»
Manche Verlage bieten Spielzeug und Lesestoff aus einer Hand wie
der Coppenrath Verlag aus Münster. Die hauseigene «Edition
Spiegelburg» bereichert die Buchhandlungen mit unzähligen
Produkten rund um die Hauptfiguren der Coppenrath-Bücher. Mit
Prinzessin Lillifee kann man komplett das Kinderzimmer einrichten und
die Tochter auch von Kopf bis Fuß einkleiden. Coppenrath macht
die Hälfte seines Umsatzes mit Spielwaren. Anfangs sei dieser
Weg durchaus kritisch beäugt worden, berichtet Coppenrath-Sprecher
Thomas Rensing.
Aber der Kunde habe das Zusatzsortiment «sofort sehr gut angenommen».
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05.10. Martin Walser erlebt manchmal «Schmerzenszustände» bei
seiner Stimme
Frankfurt/Main (dpa) - Martin Walser (79) erlebt manchmal «Schmerzenszustände»,
wenn er seine Stimme im Radio oder auf Band hört. Mit der von
ihm gelesenen Hörbuch-Version seines neuen Bestsellers «Angstblüte» sei
er jedoch «akustisch» so zufrieden wie nie zuvor, sagte
Walser am Mittwoch auf dem «Forum Hörbuch» der Frankfurter
Buchmesse. Der alemannische Schriftsteller vom Bodensee glaubt, dass
sich seine Stimme im Gegensatz zu seinem Schreiben im Laufe der Jahre
verändert hat. Der gelernte Rundfunkredakteur meinte, er sei nie
ein «guter Reporter» gewesen. Ich war jedes Mal so aufgeregt
wir vor einer Hinrichtung», beschrieb er sein Lampenfieber vor
dem Mikrofon.
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04.10. Keine Zeit für die Hängematte
- Buchmesse-Besucher eilen durch Gänge
Frankfurt/Main (dpa) - Bereits am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse
hetzen die Fachbesucher durch die Hallen, als wäre es der letzte
Ausstellungstag. In den Gängen herrscht großes Gedränge
- die Veranstaltungen sind aber am Mittwoch nur mäßig besucht.
Schließlich ist die weltgrößte Bücherschau zuerst
einmal Arbeitsmesse. «Kommen Sie doch näher, hier sind noch
Plätze frei», wirbt ein Arte-Moderator um Publikum für
sein Gespräch mit einem indischen und einem deutschen Autor.
So unübersehbar wie auf der Weltkarte ist Indien auch als Buchmesse-Gastland
in Halle sechs. Mehr als 170 indische Verlage haben ihre Bücher
nach Frankfurt geschickt, eine der größten Gastlandpräsentationen
der vergangenen Jahrzehnte. Das Thema Vielfalt zieht sich wie ein roter
Faden durch alle Indien- Veranstaltungen - Vielfalt der Religionen,
Sprachen, Literaturen.
Im Indien-Pavillon kommt die verlegerische Vielfalt hinzu.
Schulbuchverlage sind vertreten, Wissenschaftsverlage, Bildband- Spezialisten,
und natürlich Verlage mit Bestsellern, die jetzt auch auf Deutsch
vorliegen. Dazu zählen zum Beispiel die «Glitzernacht» von
Shobhaa De, «Kein Gott in Sicht» von Altaf Tyrewala oder «Hochzeit
auf Indisch» von Swati Kaushal. Aber auch indische Werke, die
noch keinen deutschen Verleger gefunden haben, sind in Frankfurt.
Bei der Eröffnung des indischen Pavillons erinnerte Bildungsminister
Arjun Singh trotz des Gastland-Mottos «Today's India» («Das
Indien von heute») an die uralten Nationalepen Mahabharata oder
Ramayana: «Wir haben auch Bücher in Indien, die nicht massenproduziert,
sondern auf Blätter und Baumrinde geschrieben wurden, und sie
repräsentieren die Weisheit der damaligen Ära.»
Zuhörertrauben bildeten sich vor allem an Ständen, an denen
prominente Autoren interviewt wurden. Auf dem «Blauen Sofa» des
ZDF nahmen am Mittwoch der Niederländer Cees Nooteboom, die Britin
Zadie Smith und der Inder Amitav Gosh Platz. Moderator Johannes B.
Kerner bekam einen Preis, «Tagesthemen»-Anchorman Tom Buhrow
stellte zusammen mit seiner Frau ein Buch vor, Comicautor Ralph König
signierte seine Werke, Grünen-Politikerin Claudia Roth ließ sich
interviewen. Langenscheidt feierte auf der Messe 150. Geburtstag und
verschenkte 5000 englisch-deutsche Wörterbücher an Messegäste.
Es gibt auch die Buchmesse zum Hören: Auf www.buchmesse.de/podcast/
kann man sich «Podcasts» mit Terminen oder Interviews aus
dem Internet «herunterladen». «Blogger» berichten
erstmals bis Sonntag unter www.buchmesse.de/blog/ von ihren persönlichen
Messe-Eindrücken.
Neu auf der Messe ist auch das «Forum Wissenschaft»,
eine Veranstaltungsplattform für Fachbuchverlage. In einer Ecke
der Halle vier präsentieren sich erstmals Produkte, die nur entfernt
mit Büchern zu tun haben: Geschenkartikel, Papierwaren und Designartikel
aller Art drängen vermehrt in den Buchhandel. Auch bunte Hängematten
für die gemütliche Lektüre zu Haus gehören zum
Sondersortiment. Aber Zeit für die Hängematte hatte am Mittwoch
keiner der Fachbesucher.
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04.10. Kleinstverlage auf der Buchmesse: «Im
Schatten der Bestsellertürme»
Frankfurt/Main (dpa) - Vier Quadratmeter misst der Stand des Berliner
Verbrecher Verlags. Das ist nicht groß und doch Luxus für
eine so kleine Firma. Andere wie der nur drei Titel umfassende Firwitz
Verlag aus Köln müssen sich mit noch weniger begnügen.
Eingekeilt zwischen Riesen wie Suhrkamp oder Rowohlt haben es Miniverlage
auf der Frankfurter Buchmesse schwer, Aufmerksamkeit zu finden.
Und trotzdem finden die Minis nach Jahren des Rückzugs wieder
häufiger den Weg nach Frankfurt. Kleine und mittlere Verlage seien
in diesem Jahr wieder verstärkt dabei, berichtet Buchmessen-Direktor
Juergen Boos. Sonderkonditionen für Kleinverlage gibt es nicht.
Der kleinste Vier-Quadratmeter-Einzelstand kostet nach Angaben der
Messe gut 700 Euro - Wände kosten extra.
42 Verlage präsentieren sich auf dem Gemeinschaftsstand des «Arbeitskreises
kleinerer unabhängiger Verlage» (AkV) in Halle drei.
Hier hat ein Verleger wenigstens noch einen Meter Bretterwand für
sich allein. Nebenan bei der «Gemeinschaftspräsentation
von Klein- und Selbstverlagen» stehen nur Einzeltitel in Reihe
und Glied.
Zum Kleinverleger-Dasein gehört viel Idealismus und ein Gespür
für die richtige Nische. Beim Berliner Tropen Verlag bekommen
nur vier Mitarbeiter Geld. «Die anderen profitieren auf andere
Weise», sagt Tom Kraushaar. Der Kleinverlag profiliert sich einerseits
mit hochwertiger Buchgestaltung, andererseits mit Büchern rund
ums Thema Skateboard. Der in Amsterdam angesiedelte Verlag Castrum
Peregrini wird laut Marinus Pütz von einer Stiftung «mit
viel Not über Wasser gehalten».
Denn nicht jeder hat so viel Glück wie der A1 Verlag aus München.
Seit «Die weiße Massai» von Corinne Hofmann und «Gottes
kleine Krieger» des indischen Schriftstellers Kiran Nagarkar
Kassenschlager wurden, «ist die Zeit der schonungslosen Selbstausbeutung
vorbei», wie Albert Völkmann von A1 es formuliert. Mit nur
fünf Mitarbeitern und zehn Büchern pro Jahr schreibt er schwarze
Zahlen. Die meisten seiner Kollegen würden auf der Messe wie im
Handel «vom Schatten der Bestsellertürme erschlagen»,
witzelt Völkmann.
Was die Kleinverleger aufrecht erhält, ist die Hoffnung auf
einen durchschlagenden Erfolg. «Wir hoffen alle auf "Das
Parfüm"», sagt Jörg Sundermeier vom Verbrecher
Verlag. Der Name gehe zurück auf einen «studentischen Scherz»,
berichtet er. Er und seine Kollegen bauen aber darauf, «dass
der Name hängen bleibt» und damit Messebesucher auf das
ironisch angehauchte Verlagsprogramm aufmerksam werden.
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03.10. Steinmeier ruft zum Interesse an fremden Kulturen auf
Frankfurt/Main (dpa) - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) hat bei der Eröffnung der 58. Frankfurter Buchmesse zum
Interesse an fremden Kulturen aufgerufen. Indien könne als Ehrengast
der weltgrößten Bücherschau mit seinen 20 Nationalsprachen
und fast einer Milliarde Menschen zur kulturellen Vielfalt in einem
einheitlichen Staat ermutigen, sagte Steinmeier am Dienstag in Frankfurt
laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript.
Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren sich von Mittwoch
an mehr Anbieter als je zuvor. 7272 Aussteller aus 113 Länder
zeigen fast 400 000 Titel. Rund 1000 Autoren werden erwartet. 2500
Veranstaltungen machen die Buchmesse nach den Worten ihres Direktors
Juergen Boos zu «einem Kulturevent der Superlative».
Steinmeier wies darauf hin, dass der indische Präsident ein
Moslem, der Regierungschef ein Sikh und die Vorsitzende der Kongresspartei,
Sonia Gandhi, christlicher Herkunft ist. «Vielleicht sollten
wir uns diese Dimensionen öfter in Erinnerung rufen, wenn wir
an unseren nationalen oder europäischen Aufgaben zu verzagen drohen»,
sagte der Außenminister.
«Innen und außen sind in einer globalisierten Welt nicht
zu trennen. Das Eigene ist ohne das Fremde nicht zu begreifen»,
sagte der Außenminister weiter. Das Buch sei das früheste
und das weltweit am meisten verbreitete Medium einer Kultur des Dialogs. «Bücher
waren und sind die geborenen Grenzgänger zwischen Kulturen und
Künsten.»
Kultur lebe mehr als jede andere gesellschaftliche Sphäre vom
freien Austausch und von der Diskussion. Das sollte gerade auch in
Deutschland nicht vergessen werden, mahnte Steinmeier, «wo Kultur
oft als Mittel der Ausgrenzung hat herhalten müssen». Steinmeier
setzte sich für mehr Investitionen in auswärtige Kultur-
und Bildungspolitik
ein: «Investitionen in die Kultur sind Investitionen in die Zukunft.»
Indien - nach 1986 zum zweiten Mal Gastland der Messe - ist nach
den Worten Steinmeiers in Deutschland so präsent wie nie zuvor.
«Indien weckt Neugier und findet Interesse bei den Deutschen
- und das inzwischen nicht nur als eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen
der Welt.» Auch die politischen Beziehungen würden immer
enger. «Noch weitgehend ungehobene Schätze liegen im Bereich
der wissenschaftlichen und kulturellen Kontakte.» Der Blick auf
Indien wecke Verständnis «für eine ältere Kultur
als unsere eigene, für eine Kultur und ein Land, das zugleich
in vielen Bereichen weit moderner ist, als wir das oft wahrnehmen».
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03.10. «Land der Vielfalt»: Indien zum Anfassen auf Frankfurter
Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Von Frankfurt aus sind es normalerweise acht
Flugstunden bis Indien. In den kommenden Tagen geht es viel
schneller: Indien ist von Mittwoch bis zum Sonntag Gastland der Frankfurter
Buchmesse - zum zweiten Mal seit 1986. Fast alles haben wirtschaftliche Öffnung,
Software-Boom und Verwestlichung in den vergangenen zwei Jahrzehnten
auf den Kopf gestellt in Indien, aber eines ist gleich geblieben: «Wir
sind ein Land der Vielfalt», sagt der südindische Autor
U.R. Ananthamurthy. Und das zeigt sich auch im Forum, in dem sich die
Buchmesse-Gastländer traditionell präsentieren.
Fast zwei Dutzend indische Sprachen sind über Kopfhörer
zu erleben, ihre Schriftzeichen zu sehen. Fotos zeigen die bunte Obstpyramide,
die auf jedem indischen Markt zu bewundern ist - und in der Mitte steht
die digitale Waage. Reisfelder und startende Raketen, ayurvedische Ölmassage
und Bildschirmarbeitsplätze in der Software- Schmiede - die Gegensätze
sind heute in Indien überall spürbar und im Buchmessen-Forum
sichtbar. Am besten vielleicht in den Nachbildungen steinerner Schriftsäulen,
wie Kaiser Ashoka sie vor mehr als 2000 Jahren aufstellen ließ:
Die uralten Brahmi-Schriftzeichen wurden gescannt und mit computergesteuerten
Meißeln in die Steine graviert, die in Frankfurt aufgestellt
wurden.
Aber nicht nur aus Indien stammende Schriften sind zu sehen, sondern
auch persisch-arabische Buchstaben: So schreiben in Kaschmir die Menschen.
Aber auch Urdu, die dem Hindi sehr ähnliche Sprache der indischen
Moslems, wird so geschrieben. Hindus und Muslime, Buddhisten und Sikhs,
Christen und Juden - in Indien leben sie alle zusammen, und das ganz überwiegend
friedlich. So verschieden wie die Religionen und Sprachen sind die
Literaturen. «Wenn wir uns nur der Unterschiede bewusst sind,
fangen wir an zu kämpfen. Wenn wir nur die Einheit betonen, verlieren
wir die Vielfalt», sagte Ananthamurthy bei der Präsentation
des Forums.
Er hatte auch ein kleines aber vielsagendes Beispiel parat: Seine
Muttersprache Kannada und das benachbarte Telugu - zwei südindische
Sprachen - haben eine ähnliche Schrift. Es gab den Vorschlag,
diese beiden Schriften zu vereinheitlichen, damit man auf dem Computer
eine Variante weniger braucht. Aber dazu kam es nicht. «Das ist
Indien.
Wir wollen die Unterschiede bewahren», sagte Ananthamurthy.
Daran hat auch die Orientierung der Elite am Englischen nichts geändert. «Englisch
ist auch eine indische Sprache», sagte Sudeep Banerjee vom Erziehungsministerium
in Neu-Delhi, und die Lyrikerin Mamang Dai aus dem Nordosten des Landes
fügte hinzu: «Es gibt bei uns Sprachen ohne Schrift.» Autoren
aus solchen Minderheiten greifen dann gerne zum Englischen. Und treffen
sich darin mit Autoren wie Salman Rushdie, Arundhati Roy, Vikram Seth
oder Rohinton Mistry, die Indien auf Englisch beschreiben und damit
auch im Westen viele Leser finden.
Viele indische Autoren sind auf Foto-Bannern im Buchmessen-Forum
zu sehen, samt ihren biografischen Daten. Und ihre Bücher stehen
in Vitrinen und Regalen. Bücher, Fotos, Steinsäulen, Schrifttafeln
und ein paar akustische Eindrücke - das sind die Mittel, mit denen
sich das Gastland im Forum präsentiert. Aber eine Treppe tiefer
gibt es im Innenhof der Messe einen Basar, der aus Delhi eingeflogen
wurde:
Kunsthandwerker zeigen Produkte aus vielen Gegenden des Landes.
Und im Kongresszentrum der Messe geht es um das Indien am anderen
Ende der Skala: Um mehr als acht Prozent Wachstum, die Software- Industrie
und die Fortsetzung der Reformen. Dabei kommen auch die ungelösten
Probleme zur Sprache: Immer noch leben mehr als 20 Prozent der Inder
unter der Armutsgrenze, immer noch beendet jedes fünfte Kind keine
Schule. Das könne sich nur ändern, wenn man Bildung und Ausbildung
in den Mittelpunkt stelle, mahnte der indische Softwarepionier Narayana
Murthy vom IT-Konzern Infosys.
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03.10. 8. Frankfurter Buchmesse wird eröffnet - Ausgebucht
Frankfurt/Main (dpa) - Mit mehr als 7000 Ausstellern aus 111 Ländern
wird an diesem Dienstag die 58. Frankfurter Buchmesse eröffnet.
Die weltgrößte Bücherschau ist nach eigenen Angaben
mit
172 000 Quadratmetern verkaufter Ausstellungsfläche ausgebucht.
Gastland ist in diesem Jahr Indien. Zum Abschluss wird am Sonntag in
der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an den
Soziologen und Wissenschaftsmanager Wolf Lepenies verliehen.
Etwa 400 000 Bücher und Multimedia-Produkte werden auf
der Messe präsentiert. Zu rund 2500 Veranstaltungen sind etwa
1000 Schriftsteller eingeladen. Nach den Fachbesuchern hat am Wochenende
auch das allgemeine Lesepublikum Zutritt. Am Sonntag werden viele Verlage
an den Ständen wieder Bücher verkaufen. Die Organisatoren
rechnen mit insgesamt rund 280 000 Besuchern.
Indien wird seine Kultur mit rund 70 Autoren und rund 200 Verlagen
in Frankfurt präsentieren. Zu den prominentesten gehören
Vikram Seth («Zwei Leben»), Amitav Ghosh und Amit Chaudhuri.
Erwartet wird auch der indische Schriftsteller und UN-Diplomat Shashi
Tharoor, der als Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan
im Gespräch ist. Tharoor wird seinen neuen Roman «Bollywood» vorstellen.
Zu den prominentesten deutschen Autoren auf der Messe gehören
Nobelpreisträger Günter Grass, Martin Walser oder Frank Schätzing.
Viele Prominente wie Eva Herman, Hape Kerkeling oder James Last werden
ihre neuen Bücher präsentieren. Zu den ausländischen
Bestseller-Autoren zählen die in Venedig lebende amerikanische
Krimi- Schreiberin Donna Leon und Zadie Smith aus Großbritannien.
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03.10. Wirtschaftsmacht Indien bei Buchmesse: Optimismus und mahnende
Worte
Frankfurt/Main (dpa) - Wirtschaftliche Zuversicht und Sorge um die
junge Generation: Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien stand am
Dienstag im Mittelpunkt der Konferenz «India on the Rise» (Aufsteiger
Indien) zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse. Wenn es Wachstumsraten
von acht Prozent und mehr wie in den vergangenen Jahren auch künftig
geben solle, müsse man die Menschen aus der Landwirtschaft holen
und ihnen Jobs in den Städten anbieten, sagte der Software-Pionier
Narayana Murthy vom IT-Konzern Infosys. «Und wenn man das tun
will, muss man sich auf die Ausbildung konzentrieren.»
Auch der Unternehmensberater Arun Maira aus Bombay beklagte, dass
mehr als ein Fünftel der indischen Kinder über fünf
Jahre nicht zur Schule gehen und ein noch größerer Anteil
mangelernährt sei. Indien öffnete seine Wirtschaft vor 15
Jahren, ließ Konkurrenz durch Importe aus dem Ausland und ausländische
Investitionen zu. Die Reformen werden angesichts der Wachstumsraten
und des steigenden Wohlstands für die Mittelschicht allgemein
als Erfolg gewertet. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Entwicklung
am ärmsten Fünftel der Bevölkerung vorbeigegangen sei.
Nach Expertenansicht sind Lesen und Schreiben Grundvoraussetzung, um
am Aufschwung teilhaben zu können.
Die Privatwirtschaft habe sich als sehr dynamisch erwiesen, sagte
Maira. Die indische Regierung sei nun verantwortlich dafür, auch
in den Bereichen Bildung, Wasserversorgung oder Abwasserbeseitigung
die Reformen voranzutreiben. Auch die Planungsexpertin Isher Judge
Ahluwalia betonte beim Indien-Kongress der Buchmesse, nur bessere weiterführende
Schulen könnten dafür sorgen, dass die wachsende Wirtschaft
genug qualifizierte Arbeitskräfte finde.
Insgesamt bezeichnete Ahluwalia die wirtschaftliche Liberalisierung
als Erfolgsgeschichte. «Die Reformen sind in das Bewusstsein
eingesunken. Egal welche Regierung an der Macht war - sie hat die Sprache
der Reform gesprochen.» Edward Luce von der «Financial
Times» wies darauf hin, dass Indien die Veränderungen demokratisch
und friedlich bewerkstelligt habe.
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03.10. Buchwissenschaftler: Romane eignen
sich nicht zum Online-Lesen
Frankfurt/Main (dpa) - Das Lesen von Romanen im Internet wird sich
nach Einschätzung des Buchwissenschaftlers Stephan Füssel
nicht durchsetzen. «Für die Belletristik stellt das Internet
auch auf längere Sicht keine Gefährdung dar», sagte
der Professor an der Universität Mainz und Leiter des dortigen
Instituts für Buchwissenschaft in einem dpa-Gespräch. Die
Erfahrung zeige, dass für den Leser zum entspannenden wie auch
zum konzentrierten Lesen das Buch weiterhin viel vergnüglicher
und praktikabler sei.
Beim Sachbuch sei inzwischen sogar eine gegenläufige Tendenz
festzustellen: Nach der Euphorie der 90er Jahre kehrten die Verlage
bei Kochbüchern und Reiseführern von der CD-ROM wieder
zum Buch zurück. «Eine Landkarte zum Einstecken hat sich
längst ebenso wieder durchgesetzt wie das mit Notizen zu versehende
Kochbuch neben der Arbeitsplatte in der Küche.»
Dagegen halte die Online-Revolution bei wissenschaftlichen Büchern
und Fachbüchern an. «In den Naturwissenschaften und in der
Medizin werden jetzt schon bis zu 90 Prozent online publiziert»,
berichtet Füssel.
Anders als beim Hörbuch ist nach Füssels Einschätzung
auch der Markt für Podcasts in der Belletristik begrenzt. «Der
Hörbuch-Kunde ist nicht unbedingt der iPod-Kunde. Da gibt es zum
einen immer noch einen deutlichen Generationenunterschied in der Mediennutzung,
zum anderen stehen die Download-Zeiten bei 3- bis 10-stündigen
Lesungen immer noch in keinem vernünftigen Verhältnis»,
sagte der Wissenschaftler. Mit Podcasts - eine Zusammensetzung aus
dem englischen Begriff «broadcast» (Rundfunk) und dem mp3-Player
iPod - können Nutzer Audiodateien aus dem Internet herunterladen.
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01.10. Von Grass bis «Bollywood»:
Frankfurter Buchmesse ausgebucht
Frankfurt/Main (dpa) - Günter Grass hat die Buchbranche rechtzeitig
zu ihrem alljährlichen Gipfeltreffen wieder ins Gespräch
gebracht. Auf der Frankfurter Buchmesse (4. bis 8. Oktober) wird sich
der Literatur-Nobelpreisträger mit seiner viel diskutierten Jugend-
Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» den Lesern
stellen. Grass ist aber nur einer von 1000 Autoren auf der weltgrößten
Bücherschau. Zu etwa 2500 Veranstaltungen werden zum Beispiel
auch Donna Leon, Martin Walser, Frank Schätzing oder die junge
britische Starautorin Zadie Smith erwartet. «Promis» wie
Eva Herman, Karl Dall, James Last oder Hape Kerkeling werden ihre neuen
Bücher vorstellen.
Doch die 58. Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Indien ist nicht
nur Literaturfest: Mehr als 7000 Aussteller aus 111 Ländern zeigen
den Fachbesuchern fast 400 000 Bücher und verwandte Produkte.
Damit will die Messe ihren Rekord aus dem Vorjahr übertreffen.
Für die Buchmesse, die von einer Tochter des Börsenvereins
des Deutschen Buchhandels organisiert wird, ist aber noch wichtiger:
Es wurden fast vier Prozent mehr Fläche vermietet. Die 13 Hallen-Ebenen
sind auf
172 000 Quadratmetern ausgebucht.
Die Messe scheint ungebrochen attraktiv, obwohl der Buchmarkt in
den großen Industriestaaten stagniert und sich die Konzentration
der Verlage fortsetzt. Ein Grund für die anhaltende Anziehungskraft
ist der forcierte Umbau der Buchmesse zur Medienmesse. Unter den rund
100 000 Neuerscheinungen sind immer mehr Hörbücher,
Drehbücher oder auf Büchern basierende DVDs und mp3-Formate. «Beim
Thema Buch geht es heute um Inhalte insgesamt», umschreibt Juergen
Boos, seit April vergangenen Jahres für die Buchmesse verantwortlich,
die neue Zielrichtung.
Zugleich versucht die Buchmesse, Frankfurt für den Fernen Osten
als zentrale Plattform zu präsentieren. China, der Lizenz-Markt
der Zukunft und designiertes Buchmessen-Gastland im Jahr 2009, hat
seine Fläche in Frankfurt fast verdoppelt. Zweistellige Zuwächse
gibt es auch bei Taiwan, Thailand und Japan. Mit Indien - nach 1986
zum zweiten Mal Gastland - scheint die Messe voll im Trend zu liegen.
Das Riesenland erlebt derzeit weltweit wirtschaftlich und auch kulturell
einen Boom.
In Frankfurt will sich Indien mit rund 40 Autoren - darunter international
bekannte wie Vikram Seth oder Amit Chaudhuri - als aufstrebende Industriemacht
mit einer ungeheuren literarischen Vielfalt darstellen. Zusätzlich
soll das Thema «Bollywood» - die inzwischen auch international
erfolgreiche Filmindustrie aus Bombay - der Messe Glanz verleihen.
Der indische Schriftsteller und Diplomat Shashi Tharoor, der als Nachfolger
von UN-Generalsekretär Kofi Annan im Gespräch ist, wird seine
gerade auf Deutsch erschienene Roman- Satire «Bollywood» vorstellen.
Nüchterner geht es beim Thema «Elektronisches Publizieren» zu.
Dahinter verbirgt sich eine der größten Umwälzungen
in der Branche:
Wissenschaftsverlage steigen verstärkt aufs Internet um. «Das
Buch wird in diesem Segment zunehmend überflüssig»,
sagt Experte Stephan Füssel, Leiter des Instituts für Buchwissenschaft
an der Universität Mainz. Große Wissenschaftsverlage stellten
jetzt schon zwei Drittel ihrer Publikationen ins Internet.
Die Buchmesse will sich dieser Herausforderung stellen. Mit speziellen
Angeboten sollen abgewanderte Wissenschaftsverlage zurückgeholt
werden. Auf einem «Digital Market Place» können sie
mit Software-Häusern ihre Multimedia-Produkte vorstellen. Auch
Indien, das inzwischen weltweit zu den Softwaregiganten zählt,
ist dabei vertreten.
Ein wichtiges Thema wird auf der Messe auch wieder die Debatte um
Google sein. Der amerikanische Suchmaschinenbetreiber will gegen den
Widerstand von Verlagen künftig eine Online-Volltextsuche ermöglichen.
Ganze Buchseiten sollen dabei für den Aufbau einer weltweiten
Bibliothek ins Netz gestellt werden.
Auch politisch will die Buchmesse wieder stärker öffentlich
wahrgenommen werden: Mit dem neuen Schwerpunkt «Zukunft Bildung» will
sich die Messe erstmals im weltweiten Kampf gegen den Analphebetismus
engagieren. Weltweit gibt es derzeit über 700 Millionen Menschen,
die nicht lesen können. Der Einsatz ist nicht uneigennützig
und geht weiter über die Dritte Welt hinaus: Auch in Deutschland
können vier Millionen Bürger nicht lesen. Viele andere sind
nur noch in der Lage, kurze Texte zu lesen. Für ein Buch reicht
es da oft nicht mehr.
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01.10. 58. Frankfurter Buchmesse: Zahlen,
Daten, Fakten
Frankfurt/Main (dpa) - Die 58. Frankfurter Buchmesse in Zahlen:
- Dauer: 4. bis 8. Oktober
- Eröffnung: 3. Oktober, 17.00 Uhr
- Gastland: Indien, Motto: «Today's India»
- Aussteller: über 7000 aus 111 Ländern, rund 3200 aus
Deutschland
- Vermietete Fläche: ca. 172 000 Quadratmeter
- Zu sehen: rund 380 000 Bücher, Hörbücher, CD-ROMS,
Comics etc.
- Erwartete Besucher: rund 180 000 Fachbesucher, rund 100 000
private Besucher
- Veranstaltungen und Lesungen: rund 2500
- Publikumstage: Samstag (7. Oktober) 9.00 bis 18.30 Uhr, Sonntag
(8. Oktober) 9.00 bis 17.30 Uhr
- Eintrittspreise: Tageskarte für Privatbesucher: 9,50 Euro
Schüler: 5,00 Euro (Tageskasse), Gruppentarif (ab 20 Personen):
8,50 Euro
- Internetadresse: www.buchmesse.de
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01.10. Von Bombay bis Berlin: Bücher
aus Indien bieten reiche Vielfalt
Frankfurt/Main (dpa) - Von Bombay bis Berlin, vom Anfang des vergangenen
Jahrhunderts bis in die Jetztzeit, von Poesie bis
Glamour: Die Neuerscheinungen aus dem Buchmesse-Gastland Indien bieten
eine große Vielfalt. Sie reicht von einer Sammlung neu übersetzter
Gedichte und Dramen des Literatur-Nobelpreisträgers Rabindranath
Tagore («Das goldene Boot») über das Bilderbuch «Eins,
zwei, drei!» unter anderem von Durga Bai, die zu einem Ureinwohnervolk
gehört, bis zum Schwindel erregend schnellen Debütroman «Kein
Gott in Sicht», in dem Altaf Tyrewala den Wandel und den Rhythmus
der Megastadt Bombay spürbar werden lässt.
Zu den neuen Werken zählt auch eine deutsch-indische Geschichte.
Vikram Seth («Eine gute Partie», «Verwandte Stimmen»)
legt zwar diesmal keinen Roman vor, aber seine Doppelbiografie «Zwei
Leben» schreibt er wie einen Roman, spannend, unter die Haut
gehend, über große Strecken bedrückend, aber auch heiter:
Es die wahre Geschichte seines Großonkels Shanti Seth, der 1931
aus seinem Dorf in Indien nach Berlin geht, um dort Zahnmedizin zu
studieren. Er erlebt, wie die Nazis an die Macht kommen, und verliebt
sich in die Jüdin Henny Caro. Im Zweiten Weltkrieg kämpft
Shanti auf Seiten der Briten gegen die Deutschen, während Henny
in letzter Minute nach England fliehen kann und ihre Familie während
des Völkermordes an den Juden verliert.
Bombay ist nicht nur durch Tyrewalas Roman bei den neuen Büchern
vertreten. Die Börse der Hafenstadt brummt, hier fließen
die Geldströme zusammen, die Indiens Wirtschaftsboom steuern,
hier entstehen die mittlerweile auch in Deutschland bekannten Bollywood-
Filme. Bombay heißt in Indien Mumbai - die Umbenennung soll die
Abkehr von der britischen Kolonialzeit und die Rückbesinnung auf
die indischen Wurzeln anzeigen - während zugleich die Verwestlichung
der Elite so schnell voranschreitet wie kaum irgendwo sonst in Indien.
So schillernd wie die Stadt ist das Angebot an Büchern über
sie.
Großes Aufsehen hat Suketu Mehta mit seinen Reportagen über
die Stadt der Superlative («Bombay - Maximum City») erregt.
Aus New York kehrt er nach 21 Jahren zurück und beschreibt die
Veränderungen, lässt Straßenkinder, Polizisten und
Filmstars zu Wort kommen. Ex-Model und Bestsellerautorin Shobhaa De
führt in ihrem Roman «Glitzernacht» hinter die Kulissen
von Bollywood. Und Vikram Chandra bedient mit dem Aufbäumen seines
Kriminalkommissars Sartaj Singh gegen die Midlife Crisis das Krimi-Genre
(«Der Gott von Bombay»).
Bis auf Tagore wurden all diese Autoren aus dem Englischen übersetzt.
Aber es gibt auch Bücher, die zunächst in einer der indischen
Sprachen erschienen. Dazu zählt Alka Saraogis Roman «Umweg
nach Kalkutta» über den Patriarchen Kishore Babu, der nach
einem Unfall durch Kalkutta und durch seine eigene Vergangenheit irrt
und damit seine reiche Familie verunsichert. Und Nirmal Verma schildert
in «Ausnahmezustand» die Starre, in die Delhi verfiel,
als Indira Gandhi in den 70er Jahren einen Ausnahmezustand verhängte.
Wer möglichst viele Autoren in kürzeren Texten kennen lernen
möchte, findet in den beiden von Claudia Wenner («Die Geister
Indiens») und Cornelia Zetzsche («Zwischen den Welten»)
zusammengestellten Erzählungen, Gedichten und Geschichten eine
große Auswahl.
Die bibliographischen Angaben:
Vikram Chandra: Der Gott von Bombay
Aufbau
Verlag, Berlin
850
S., Euro 24,90
ISBN
3-351-03091-6
Shobhaa De: Glitzernacht
dtv
Premium, München
260
S., Euro 12,00
ISBN
3-423-24567-0
Suketu Mehta: Bombay, Maximum City
Suhrkamp
Verlag, Frankfurt/Main.
744
S., Euro 26,80
ISBN
3-518-41842-4
Anushka Ravishankar/Sirish Rao/Durga Bai: Eins, zwei drei!
Hanser,
München
48
S., Euro 12,90
ISBN
3-446-20636-1
Alka Saraogi: Umweg nach Kalkutta
Insel
Verlag, Frankfurt/Main
360
S., Euro 22,80
ISBN
3-458-17313-7
Vikram Seth: Zwei Leben
S.
Fischer, Frankfurt/Main
533
S., Euro 22,90
ISBN
3-100-72521-2
Rabindranath Tagore: Das goldene Boot
Artemis & Winkler,
Düsseldorf.
669
S., Euro 24,90
ISBN
3-538-06988-3
Altaf Tyrewala: Kein Gott in Sicht
Suhrkamp
Verlag, Frankfurt/Main.
180
S., Euro 19,80
ISBN
3-518-41846-7
Nirmal Verma: Ausnahmezustand
Draupadi
Verlag, Heidelberg
154
S., Euro 14,80
ISBN
3-937-60306-9
Claudia Wenner (Hg.): Die Geister Indiens
Fischer
Taschenbuch, Frankfurt/Main
320
S., Euro 9,95
ISBN
3-596-17224-1
Cornelia Zetzsche (Hg.): Zwischen den Welten
Insel
Verlag, Frankfurt/Main
608
S., Euro 24,80
ISBN
3-458-17314-5
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01.10. Von Rushdie bis Roy: Mancher indische Literaturstar lebt im Ausland
Frankfurt/Main (dpa) - Ob Rushdie oder Roy, Mistry oder Seth - indische
Autoren haben sich in der internationalen Literaturszene längst
einen Namen gemacht. Aber viele von ihnen leben längst nicht mehr
in Indien. Salman Rushdie (59), der in «Mitternachtskinder» Indiens
Unabhängigkeit von den Briten zum Dreh- und Angelpunkt einer großen
Geschichte machte und damit Weltruhm erlangte, wohnt schon seit Jahrzehnten
in Großbritannien und den USA. Rohinton Mistry (56), der in «Gleichgewicht
der Welt» den Blick auf Indiens Elend und Ungleichheit lenkte,
ist Kanadier. Und Vikram Seth (56), der mit «Zwei Leben» gerade
eine indisch-deutsche Doppel-Biografie vorgelegt hat, studierte in
den USA und verbringt viel Zeit in England.
Auch einige Autoren, deren Werke auf der Frankfurter Buchmesse dem
deutschen Publikum präsentiert werden, kennen Indien nicht nur
von innen, sondern auch von außen: Suketu Mehta (43) lebt in
New York und reiste in seine frühere Heimat Bombay, um hinter
die glitzernden Kulissen der Finanzmetropole zu schauen. Shashi Tharoor
(53), der als Diplomat seit fast 30 Jahren in der Schweiz, Singapur
und den USA arbeitet, sagt von sich: «In diesen Berufen nehmen
wir unsere Identität und unseren nationalen Hintergrund mit. Deshalb
bin ich ein indischer Autor, der zufällig in New York lebt.»
Dieser Perspektivwechsel, die Chance, über das eigene Heimatland
zu staunen, trägt möglicherweise zum Erfolg dieser Autoren
bei. Sie kennen die Fragen im Westen und können sie beantworten.
K.D. Singh, ein Buchhändler in Delhi, der sich mit dem jungen
Bildungsbürgertum auskennt, ist aber sicher: «Indiens mündliche Überlieferung
und ihre eigenen Erfahrungen fließen zu etwas Neuem zusammen.
Sie stehen nicht einfach unter dem Einfluss westlicher Literatur. Wer
indische Bücher liest, wird sie als typisch indisch erleben.»
Es gibt aber auch weltbekannte Namen indischer Autoren, die in ihrer
Heimat blieben, allen voran Rabindranath Tagore (1861-1941). Er hat
seine Wurzeln in der bengalischen Poesie. In Bengalen, ganz gleich
ob auf der indischen Seite oder der von Bangladesch, gibt es kaum jemanden,
der keine Texte verfasst. Selbst wer nicht lesen und schreiben kann,
rezitiert Gedichte und singt Lieder, auch die von Tagore. Seine Sprache
und Spiritualität beeindruckten den Westen so sehr, dass Tagore
1913 den Literaturnobelpreis bekam.
Über Nacht bekannt wurde im Westen auch Arundhati Roy (45) mit
ihrem Roman «Der Gott der kleinen Dinge», in dem sie vor
knapp zehn Jahren die Geschichte einer verbotenen Liebe in zugleich
packender und poetischer Sprache erzählte. Seitdem engagiert sie
sich für Umweltschutz und Menschenrechte und schreibt politische
Essays.
Auch Chetan Bhagat (32) und Baby Halder (32) beschreiben Indien gleichsam
von innen - wenn auch denkbar verschieden. In ihrer Heimat sind sie
schon Bestseller-Autoren, auf Deutsch liegen ihre Bücher noch
gar nicht vor. Bhagat beschreibt in «One Night @ The Call Center» das
Leben junger Leute, die am Tag in Indien leben und nachts eine westliche
Identität und einen englischen oder US-amerikanischen Akzent annehmen,
um in Callcentern Anrufe aus Übersee zu beantworten.
Die literarische Sensation der vergangenen Monate in Indien ist aber
Halders Autobiografie «A Life Less Ordinary» (Ein weniger
gewöhnliches Leben). Halder wurde als Kind verheiratet, verließ ihren
Mann, fand in der Nähe von Delhi eine Stelle als Haushaltshilfe
- und wurde von ihrem Arbeitgeber zum Lesen und Schreiben ermutigt:
«Womit soll ich anfangen? Damit, wie ich sieben Jahre alt war,
als unsere Mutter uns plötzlich verließ (...)? Oder soll
ich von meinem Mann erzählen, mit dem ich verheiratet wurde, als
ich zwölf war?» Das schrieb Halder zunächst auf Bengali,
wurde in andere indische Sprachen übersetzt und nun auch auf Englisch.
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01.10. Bollywood, Börse, Bücher: Indien ist in - nicht nur
bei der Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Indien ist in - kräftige Wachstumsdaten
im Wirtschaftsteil der Zeitung, Bollywood-Filme auf RTL II, bauchfreie
Tops und Bindis in der Boutique. Und jetzt präsentiert sich auch
noch die indische Literatur auf der Frankfurter Buchmesse. Genau 20
Jahre ist es her, seit das Land Buddhas und Gandhis, Tagores und Rushdies
zuletzt Buchmesse-Gast war. Und nichts ist mehr wie damals, weder in
Indien noch in Deutschland. 1986 ahnte noch kein Deutscher etwas von
Mauerfall und Wiedervereinigung, und kein Inder konnte die Liberalisierung
der Wirtschaft oder den Softwareboom vorhersehen.
Die Ursache für den Wandel war in beiden Ländern die gleiche:
der Zerfall der Sowjetunion. Indien war seit seiner Unabhängigkeit
von den Briten blockfrei geblieben, hatte seine Märkte aber abgeschottet.
Damit ist seit 15 Jahren Schluss. Westliche Autos, westliche Musik,
westlich beeinflusste TV-Serien und Nachrichtenkanäle: «Niemand
kann dem entkommen», meint die Romanautorin Anita Nair («Kathakali»).
Experten weisen zwar darauf hin, dass Schriftsteller, die bei uns
bekannt sind, nur einen winzigen Teil der indischen Bevölkerung
erreichen. Ein Drittel der erwachsenen Inder sind Analphabeten, und
der Anteil derer, die englischsprachige Bücher lesen können,
macht nur wenige Prozent aus. Anita Nair weist aber darauf hin, dass
die Verwestlichung schon viel tiefer eingedrungen ist: «Überall
gibt es
Kabel- und Satellitenfernsehen, egal wie abgelegen die Dörfer
sind.»
Indien, das war für viele deutsche Leser einmal die Heimat Siddharthas,
dessen Leben einst Hermann Hesse mit so viel Wissen über indische
Philosophie und Religion beschrieb. Es war das Land Rabindranath Tagores,
der für seine faszinierend fremde Dichtkunst
1913 den Literaturnobelpreis erhielt. Es war auch das Geburtsland von
Salman Rushdie, der 1981 mit «Mitternachtskinder» für
Furore sorgte und die vielfach verzweigte, ins Fantastische gehende,
zugleich anrührende und humorvolle indische Erzählkunst bekannt
machte.
Aber am grundsätzlichen Image Indiens änderte sich lange
Zeit wenig. Exotische Baudenkmäler, farbenfrohe Saris, unfassbare
Armut, das schwer verständliche Kastensystem prägten die
Wahrnehmung. Das wurde in Deutschland spätestens vor sechs Jahren
mit der Greencard anders, die auch indische Computerspezialisten anlocken
sollte.
Mittlerweile gilt Indien als kommende Wirtschaftsmacht neben China,
als Atommacht mit dem Segen der USA, als gern gesehenes Gastland beim
Weltwirtschaftsforum in Davos oder bei der Hannover Messe. Es hat seine
Märkte und seine Medien geöffnet. Die Börse in Bombay
boomt.
All das spiegelt sich auch in der aktuellen Literatur. Nicht nur
im Ausland lebende indische Autoren wie Rushdie, Rohinton Mistry oder
Shashi Tharoor kommen in die Bestsellerlisten. «Auch Autoren,
die in Indien leben, schauen sich solche Themen an, in fiktionalen
wie nicht-fiktionalen Texten», sagt die Verlegerin Urvashi Butalia.
Anita Nair beschreibt die Affäre eines Europäers mit einer
Inderin. Chetan Bhagat taucht in die Welt der Callcenter ein, Altaf
Tyrewala in das Tempo der Megastadt Bombay. Und Arundhati Roy, die
vor einem Jahrzehnt mit dem «Gott der kleinen Dinge» auf
einen Schlag weltbekannt wurde, setzt sich in Essays und Interviews
kritisch mit dem Wandel auseinander. Die Zahl der Armen wachse, warnt
sie, und von der überlieferten Kultur bleibe am Ende nur die Stewardess,
die die Hände vor der Brust zum indischen Gruß zusammenlege.
Trotz des Erfolges einiger Stars entstehen die meisten Bücher
in Indien auch heute noch nach Feierabend: «Die Zahl derer, die
hauptberuflich schreiben, muss sehr, sehr gering sein», sagt
Upamanyu Chatterjee, der gerade seinen vierten Roman vorgelegt hat
- und seinen Lebensunterhalt in der Sozialbehörde in Bombay verdient.
Besucher der Buchmesse werden viel Gelegenheit haben, über all
diese Aspekte der indischen Literatur ins Gespräch zu kommen.
200 indische Verlage sind vertreten, 40 Autoren schickt Indiens «National
Book Trust» NBT, mindestens noch einmal so viele kommen auf Einladung
ihrer Verlage oder auf eigene Faust. Und die Buchmesse war Anlass,
viele Übersetzungen direkt aus indischen Regionalsprachen zu fördern.
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01.10. Gigant Indien: 1,1 Milliarden Menschen,
24 Sprachen, 80 000 Bücher
Frankfurt/Main (dpa) - Indien, der Gast der Frankfurter Buchmesse,
ist ein Land extremer Gegensätze. Einerseits präsentiert
es sich als literarische Schatzkammer mit Autoren von Weltrang und
als Markt mit
16 000 Verlagen sowie 80 000 Neuerscheinungen und mehr als
einer Milliarde Euro Branchenumsatz pro Jahr. Andererseits ist Indien
ein Kandidat für den Buchmessen-Schwerpunkt «Zukunft Bildung»,
denn ein Drittel der Menschen über 15 Jahre kann nicht lesen und
schreiben.
Ähnlich krass sind die Kontraste in Wirtschaft und Gesellschaft.
Seit Jahren wächst das indische Bruttoinlandsprodukt um jährlich
acht Prozent - aber nach wie vor lebt fast ein Drittel der 1,1 Milliarden
Menschen unter der Armutsgrenze. Hindus und Moslems, Christen und Juden,
Jainas und Buddhisten, Sikhs und Parsen machen Indien zu einem Musterbeispiel
religiöser Vielfalt - aber hin und wieder kommt es zu schockierenden
Anschlägen und Ausschreitungen mit vielen Toten.
23 indische Sprachen sowie Englisch sind Amtssprachen in Indien,
hinzu kommen zahlreiche weitere regionale Sprachen und Dialekte. Die
indoarischen Sprachen im Norden sind so verschieden voneinander wie
die europäischen Sprachen - und haben zum Teil sehr unterschiedliche
Schriften. Die drawidischen Sprachen im Süden gehören sogar
zu einer ganz anderen Sprachfamilie.
Die Sprachgrenzen, aber auch soziale und kulturelle Unterschiede
sowie das Analphabetentum bewirken, dass im Westen bekannte indische
Autoren in ihrer Heimat zum Teil nur von einem kleinen Prozentsatz
der Bevölkerung gelesen werden. Zugleich hat Indien eine große
Tradition mündlicher Erzählkunst. Auch, wer nicht lesen kann,
kennt die Volksepen Mahabharata und Ramayana, die von Kathakali-Tänzern
im Süden oder Ramlila-Theatergruppen im Norden in jedes Dorf gebracht
werden - und seit fast 20 Jahren auch als TV-Serien zu sehen sind.
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