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News-Sonderthema: 

Die 58. Frankfurter Buchmesse
vom 04. - 08. Oktober 2006

Täglich aktuelle Berichte und Hintergrundinformationen auch zum Gastland Indien
 

 

Unsere Beiträge:

08.10.
Vom Lizenzhandel zum Kulturfest - Gute Stimmung auf Buchmesse
Teilnehmer zufrieden : «Stimmung gut, Aussichten gut»
Schlangestehen für Indien - Gastland zufrieden mit Buchmesse NRW-Verlage besetzen bei Buchmesse viele Felder
Trauer auf der Buchmesse - Solidarität für Mordopfer Politkowskaja

07.10.
Publikumstag auf der Buchmesse: Besucher belagerten Prominente
Biolek: Moderatoren nehmen sich keine Zeit zum Leben
Deutscher Jugendliteraturpreis 2006 für Illustratorin Berner
Übersetzer führen bei Buchmesse ihre Kunst vor
Ungewöhnliche Einblicke: Blogger auf der Buchmesse
Türkei will Buchmessen-Auftritt für Moderisierung des Landes nutzen
Köhler bei Buchmesse: Eltern müssen beim Lesen Vorbild sein

06.10.
Katharina Hacker: Reaktionen der Leser geben Kraft zum Schreiben
Deutsch-indischer Autorenaustausch

05.10.
Zweiter Tag auf der Buchmesse - Katalonien präsentiert sich
Für Indiens Verlage ist die Buchmesse ein Basar der Kontakte Trend im Handel: Olivenöl zum Kochbuch, Stofftier zum Kinderbuch
Martin Walser erlebt manchmal «Schmerzenszustände» bei seiner Stimme

04.10.
Keine Zeit für die Hängematte - Besucher eilen durch Gänge
Kleinstverlage auf der Buchmesse

03.10.
Steinmeier ruft zum Interesse an fremden Kulturen auf
«Land der Vielfalt»: Indien zum Anfassen auf der Buchmesse
8. Frankfurter Buchmesse wird eröffnet - Ausgebucht
Wirtschaftsmacht Indien: Optimismus und mahnende Worte
Buchwissenschaftler: Romane eignen sich nicht zum Online-Lesen

01.10. Hintergrundberichte:
Frankfurter Buchmesse ausgebucht
58. Frankfurter Buchmesse: Zahlen, Daten, Fakten
Von Bombay bis Berlin: Bücher aus Indien bieten reiche Vielfalt
Von Rushdie bis Roy: Mancher indische Literaturstar lebt im Ausland
Bollywood, Börse, Bücher: Indien ist in
Gigant Indien: 1,1 Milliarden Menschen, 24 Sprachen, 80 000 Bücher
 

 

08.10. Vom Lizenzhandel zum Kulturfest - Gute Stimmung auf
Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Die Buchbranche stagniert, doch die Frankfurter Buchmesse boomt. «Es ist toll gelaufen», sagt Messesprecher Thomas Minkus. Am Sonntag ist die Großveranstaltung mit mehr Aussteller denn je und erneut knapp 300 000 Besuchern zu Ende gegangen. Die spürbar gute Stimmung auf der weltgrößten Bücherschau ist nicht zuletzt den Auftritten zahlreicher Prominenter sowie einer Ausweitung des Angebots zu verdanken. Immer mehr inszeniert sich die Messe als «Kulturfest».

Auf die anhaltende Flaute in der Branche reagieren die Messe- Organisatoren mit einem überbordenden Programm. Eine Rekordzahl von rund 2300 «Akteuren» - vom Schriftsteller bis zum Fernsehmoderator - tummelt sich auf fast 2800 Veranstaltungen in Frankfurt. Auffällig dabei ist die wachsende Zahl von Prominenten und weniger Prominenten aus Gesellschaft und Politik, die Bücher schreiben oder eher schreiben lassen.

Alfred Biolek («Bio») ist es am Samstag auf der Messe kein bisschen peinlich, dass seine Memoiren ein «Ghostwriter» verfasst hat. Auch das Publikum nimmt keinen Anstoß daran. Aus dem Fernsehen bekannte Kritiker und Autoren wie Marcel Reich-Ranicki oder Elke Heidenreich werden auf der Messe vor hunderten Zuhörern wie Popstars gefeiert. Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der sich der Kritik mit seinem Umgang zur Vergangenheitsbewältigung stellt, schart ebenfalls Menschentrauben um sich.

Beigetragen zum Publikumserfolg hat auch das Gastland Indien mit seinem Bollywood-Feeling und hochgelobten Neuerscheinungen, die sich nach Aussagen von Verlagen auch gut verkaufen. Shashi Taroor, redegewandter UN-Diplomat und Schriftsteller («Bollywood»), gehört in Frankfurt zu den gefeierten indischen Autoren.

Der Messe geht es jedoch nicht nur ums Lesepublikum, sondern vor allem um die Fachbesucher und Aussteller. Für sie wurden ebenfalls neue Angebote geschaffen. Mit dem Thema «Elektronisches Publizieren», das bei Wissenschaftsverlagen das Buch längst abgelöst hat, wurden Abtrünnige zum Teil wieder zurückgewonnen. Der gesamte «Non-Book»- Bereich wie Spiele als Ergänzung zu Kinderbüchern nimmt auf der Messe einen immer größeren Raum ein. Allerdings birgt eine solche Expansion immer auch die Gefahr einer Verzettelung.

Für die internationalen Verlage - zahlenmäßig an der Spitze sind weiterhin Großbritannien und die USA - bleibt die Messe vor allem die weltweit wichtigste Tauschbörse für den Lizenzhandel. So wird in Frankfurt - meist hinter den Kulissen - um die Rechte von begehrten Bestsellern gefeilscht. In den vergangenen Tagen ging es um den auf Französisch schreibenden Amerikaner Jonathan Littell.

Der 39-Jährige hat in seinem fast 1000 Seiten starken Debüt-Roman den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht eines SS-Offiziers beschrieben und damit in Frankreich für Furore gesorgt. Die deutschen Rechte hat der Berlin Verlag erworben, wie ein Sprecher auf der Messe bestätigte. Spekuliert wird über eine Summe von 400 000 Euro.

Insgesamt, so ist auf der Messe zu hören, seien politische Themen in Verbindung mit historischen Themen wieder stärker gefragt. Dies gelte vor allem auch für die Verknüpfung mit dem Thema Terrorismus und Islam.

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08.10. Teilnehmer zufrieden mit Buchmesse: «Stimmung gut, Aussichten gut»

Frankfurt/Main (dpa) - «Stimmung gut, Aussichten gut.» Suhrkamp- Sprecher Thomas Sparr formuliert am prägnantesten die Bilanz der meisten Verlage am Ende der 58. Frankfurter Buchmesse. Indien sei als Gastland wunderbar angekommen finden vor allem jene Verlagshäuser, die das Glück haben, indische Autoren in ihrem Programm zu führen. Auch die zahlreichen auf der Messe vergebenen Preise kurbelten sofort den Umsatz der Bücher an, berichten die siegreichen Verlage.

Suhrkamp hat vor allem von der Verleihung des Deutschen Buchpreises an Katharina Hacker kurz vor Beginn der Messe profitiert. Innerhalb von drei Tagen seien 25 000 Exemplare der «Habenichtse» verkauft worden. «Wir kommen mit dem Drucken gar nicht nach», sagt Sparr.

Letztlich seien es die Leser und ihre Lust auf immer neue Bücher, die den Markt für die Zukunft sichern, meinen viele Verlage. «Ich bin als Fußgänger auf der Messe an mehreren Rolltreppen nicht weitergekommen. Daraus ziehe ich den Schluss, dass das Buch die nächsten drei Jahre überleben wird», sagt Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch schmunzelnd.

Es gebe Lebenslagen, in denen das Buch einfach unersetzlich sei, ist auch Karlheinz Jungbeck von der Verlagsgruppe Lübbe überzeugt: «Zum Anfassen, zum Mitnehmen an den Strand, am Feierabend zu Hause, da hat das Buch seinen Platz. Und wenn Ihnen mal Sand hineingerät, lieben Sie Ihr Buch immer noch - Ihren Laptop lieben Sie dann nicht mehr.»

Die Zeit der Vermarktung über Niedrigpreise sei vorbei, bilanziert Urs Erdle, Vertriebsleiter beim DuMont Literatur und Kunst Verlag: «Man kann wieder vermitteln, dass Popularität nicht auf Kosten der Qualität geht.» Den Kunden sei hochwertige Ware wichtiger als ein Ramschpreis.

Für den Carl Hanser Verlag lief die Buchmesse 2006 - abgesehen vom Tod Oscar Pastiors - sehr glücklich. «Unsere Autoren haben viele Preise bekommen», freut sich Hanser-Sprecherin Christina Knecht. Wolf Lepenies soll heute (Sonntag) den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten, zwei Kinderbücher wurden mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, Pastior bekommt posthum den Büchner-Preis.

Auch die S. Fischer Verlage berichten von Rekorden: «Wir hatten noch nie so viele Autoren auf der Messe wie in diesem Jahr», ist Heidi Borhau stolz. Harte Verhandlungen stünden auf der Buchmesse nicht im Vordergrund. «Das hier ist eher wichtig für die Atmosphäre - und die Stimmung war in diesem Jahr sehr gut.»

Auch Claudia Limmer von der Verlagsgruppe Random House, zu der unter anderem Goldmann, Heyne, Blessing, Luchterhand, Manesse und DVA gehören, ist mit der Messe zufrieden. Das zeige das große Interesse des Publikums: «Die Leute fragen schon: Wann kommt der Folgeband, wann kommt das nächste Buch von diesem Autor?»

Eichborn nutzt die Publikumstage der Messe als Test, was beim Leser ankommt. «Wir sehen, welche Cover die Leute aus dem Regal nehmen und welche nicht», berichtet Dieter Muscholl. Als «Testballon» lag am Eichborn-Stand ein Anti-Eva-Herman-Buch aus, das zwar bereits ein Cover, aber noch leere Seiten hatte.

Beim Berliner Aufbau-Verlag misst man das Lese-Interesse an der Tätigkeit der Langfinger. Wenn es nach den Dieben geht, ist vor allem der Bombay-Krimi von Vikram Chandra gefragt. «Chandra wird wahnsinnig viel geklaut», sagt Aufbau-Sprecherin Barbara Stang zu den Erfahrungen am Stand. Insgesamt gehe der Trend bei neuen Büchern zu Themen Terrorismus/Islam und auch zu essayistischen Reiseberichten.

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08.10. Schlangestehen für Indien - Gastland zufrieden mit Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Schlangestehen für Indien: Im Forum der Frankfurter Buchmesse, wo sich das Gastland mit einer Ausstellung und Lesungen präsentierte, reichten die Stühle oft nicht aus. Im Gang mit den indischen Verlagsständen drängten sich an den Publikumstagen so viele Menschen, dass zeitweise nichts mehr ging. Verleger, Autoren und Organisatoren werteten den Gastland-Auftritt Indiens als vollen Erfolg.

Es war nach 1986 bereits die zweite Präsentation des Riesenlandes in Frankfurt - und in den 20 Jahren hat sich viel verändert. Indien werde nicht mehr nur als Land von Yoga und Spiritualität wahrgenommen, sagte Thomas Abraham von Penguin India: «Es ist ein breit gefächertes Bild rübergekommen.» Auch Nuzhat Hassan, Direktorin des indischen National Book Trust, ist dieser Ansicht: «Es ist gelungen, den Besuchern die Vielfalt des modernen Indien abseits von jeder Exotik zu zeigen.»

Aber ganz ohne Folklore ging es auch nicht: Die Leute hungerten nicht nur nach geistiger Nahrung. Vor dem Restaurant mit indischen Gerichten gab es lange Schlangen. Und sogar bei Jameela Khan mussten die Kundinnen warten: Im Kunsthandwerkerzelt verzierte sie Frauenhände mit traditionellen Mustern: «Die meisten machen das zum ersten Mal. Ich sage ihnen: Ihr müsst die Henna-Paste 20 Minuten drauf lassen, damit die Linien eine Woche halten.»

Das Programm stand unter dem Motto «Today's India», das Indien von heute. Aber egal ob beim Kulturprogramm «Dhwani» in der Alten Oper, im indischen Forum oder bei den Lesungen - «alle Künstler und Autoren kommen aus ihrer Geschichte», sagte Grit Lauterbach, Sprecherin des Gastland-Auftritts. Der moderne Tanz wurzelt im klassischen, der moderne Roman in der Jahrtausende alten Erzählkunst Indiens. Und beide spiegeln den Wandel, den das Land mit 1,1 Milliarden Menschen seit Beginn der wirtschaftlichen Liberalisierung 1991 durchmacht.

Dass englischsprachige Autoren wie Suketu Mehta («Bombay, Maximum City»), Altaf Tyrewala («Kein Gott in Sicht») oder Swati Kaushal («Hochzeit auf Indisch») mit diesem Indien im Umbruch auf Interesse stoßen würden, hat niemanden überrascht. Bei der Buchmesse waren aber 73 indische Autoren, von denen viele in Regionalsprachen schreiben. Und auch sie fanden immer ihr Publikum. 250 Lesungen wurden auf der Messe und außerhalb angeboten. Viele tausend Zuhörer kamen.

Schon das, was sie hörten, machte ihnen die Vielfalt der indischen Sprachen und Literaturen bewusst. Die Autoren lasen auf Hindi und Urdu, Oriya und Englisch. Manche waren enttäuscht, dass sie nur einige Minuten hatten, bevor die deutsche Übersetzung folgte. Aber die Abwechslung tat der Aufmerksamkeit gut. Indien schien in vielen Bildern auf - und die verbanden sich bei ausdauernden Zuhörern zum Film. Wer Indien begegnen wollte, war auf der Buchmesse genau richtig. Diese Art von Austausch und Dialog sei der beste Weg Frieden herzustellen auf der Welt, meinte Bundespräsident Horst Köhler.

Aber es ging nicht nur um Begegnung, sondern auch ums Geschäft.
Und auch damit waren viele der 173 indischen Verleger sehr zufrieden.
Anuj Bahri zum Beispiel war mit seiner Verlagsgruppe zum ersten Mal in Frankfurt. Er kam vor allem, weil Indien Gastland war - und wurde nicht enttäuscht. «Wir sind auf überwältigendes Interesse gestoßen.» Das gilt nicht nur für seine Bücher, sondern auch für seine Agentur, die indische Autoren international vertritt.

Zum ersten Mal war auch Prateek Kathuria da, der seinen Hoffnungsträger, ein Buch mit indischen Märchen und kunstvollen Illustrationen, mitgebracht hatte. «Wir haben hier auf der Messe einen Kunden in Südafrika gefunden», sagte er. Abraham von Penguin India meinte, dass sich nicht alle in Frankfurt geweckten Hoffnungen seiner Kollegen erfüllen werden. «Aber es ist wie immer: Wenn viel geworfen wird, dann bleibt auch einiges hängen.»

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08.10. Krimi, Kochen, Kunst: NRW-Verlage besetzen bei Buchmesse viele Felder

Frankfurt/Main (dpa/lnw) - Krimi und Kunst, Kochen und Kirche: Die Verlage aus Nordrhein-Westfalen sind bei der Frankfurter Buchmesse auf vielen Feldern vertreten. Kiepenheuer & Witsch präsentieren Starautoren, der Dr. Oetker Verlag Spitzenköche, Bergmoser + Höller fertige Predigten für den Sonntagsgottesdienst und der Grafit Verlag den Privatdetektiv Wilsberg. Zu fehlen kann sich niemand leisten: «Das ist der größte Buchmarkt der Welt», sagt Karlheinz Jungbeck, Chef der Verlagsgruppe Lübbe in Bergisch Gladbach, «die großen Deals sind zwar vor der Messe gelaufen, aber hier trifft man sich.»

Das gilt nicht nur für die Giganten, sondern auch für die Nischen- Verlage. Bergmoser + Höller zum Beispiel haben sich bei anderen Spezialisten für Kirchenthemen angesiedelt. Der Aachener Verlag ist bekannt für Materialien, die Lehrer und Kindergärtnerinnen, aber auch katholische und evangelische Pfarrer direkt einsetzen können. Das gilt auch für Predigttexte, die von etwa 100 praxiserfahrenen Theologen zugeliefert werden. Nur wenige Pfarrer übernähmen die Texte aber ein zu eins, meint Andreas Bergmoser: «Die Fleißigen ziehen sich Ideen heraus.»

Das gilt so ähnlich für die Leser der Bücher, die der Dr. Oetker Verlag aus Bielefeld anbietet. Auch sie können sich inspirieren lassen von den Inhalten. Damit es nicht bei der Theorie bleibt, hat Oetker seinen Stand in ein Gourmet-Restaurant integriert - die Fachkunden können sich von bekannten Küchenmeistern bekochen lassen.

Ein Spezialprogramm samt Kostproben bietet auch der Grafit Verlag aus Dortmund, bekannt für seine Krimis. Seinen Ruf hat er mit Autoren wie Jaques Berndorf, Jürgen Kehrer oder Horst Bieber nicht nur bei den Lesern gefestigt, sondern auch bei Debüttanten. «Das bereitet nicht nur wahre Freude», meint Lektorin Ulrike Rodi zu jährlich 1200 unverlangt eingesandten Manuskripten. Andererseits zählte einst auch Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer zu diesen Einsendern. Dass Wilsberg Ecken, Kanten und Probleme hat, war nicht auf Erfolg berechnet, sagt Kehrer: «Beim ersten Buch überlegt man nicht: Wie kommt das an. Und die Zeit der glatten Helden ist ohnehin längst vorbei.»

Heile Welt statt brutaler Verbrechen gibt es bei Coppenrath aus Münster. Der Buchmesse-Stand wirkt mit verspielten Kronleuchtern, Felix und Lillifee wie für Kinder designt. DuMont aus Köln zeigt auch in der Standaufteilung seine Sparten Literatur und Kunst: Auf der einen Seite steht der Neo-Rauch-Katalog im Mittelpunkt, auf der anderen Seite fällt ein erfolgreiches Buch über die Wurst («Wurst») ins Auge. «Man kann wieder vermitteln, dass Popularität nicht auf Kosten der Qualität geht», sagt Vertriebsleiter Urs Erdle. Den Kunden sei hochwertige Ware wichtiger als ein Ramschpreis.

Aus Köln ist auch Kiepenheuer & Witsch angereist. Und dort gehen Stars und Prominente wie Frank Schätzing, Dieter Hildebrandt, Zadie Smith, Sönke Wortmann oder Heiner Geißler ein und aus. Manche Autoren werden durch ihre Bücher zu Stars, andere schreiben erfolgreiche Bücher, weil sie schon Stars sind. «Die Personalisierung im öffentlichen Raum nimmt auch im Buchgeschäft zu», sagt KiWi-Chef Helge Malchow. Solange aber die Prominentenbücher nicht überhand nähmen, sei das kein Problem. Malchow ist mit dem Verlauf der Messe zufrieden: «Ich bin als Fußgänger auf der Messe an mehreren Rolltreppen nicht weitergekommen. Daraus ziehe ich den Schluss, dass das Buch die nächsten drei Jahre überleben wird.»

Natürlich ist auch Random House in Frankfurt, der Buchbereich von Bertelsmann in Gütersloh. Random House in New York ist mit 9000 Neuerscheinungen pro Jahr die größte Buchverlagsgruppe der Welt. Der deutsche Zweig Random House Verlagsgruppe sitzt in München - und spiegelt auf der Buchmesse seine Unternehmensstruktur wider: Verlage wie Goldmann, Heyne, Blessing, Luchterhand, Manesse oder DVA präsentieren sich auf demselben Stand, aber der ist groß und klar unterteilt. «Da hat jeder Verlag sein eigenen Auftritt», sagt Unternehmenssprecherin Claudia Limmer.

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08.10. Trauer auf der Buchmesse - Solidarität für Mordopfer Politkowskaja

Frankfurt/Main (dpa) - Die Frankfurter Buchmesse hat der ermordeten russischen Journalistin und Autorin Anna Politkowskaja gedacht: Wegbegleiter würdigten am Sonntag bei einer spontanen Trauerveranstaltung das entschiedene Engagement der Regierungskritikerin, die am Wochenende in Moskau einem Auftragsmord zum Opfer gefallen war. Politkowskaja hatte die Buchmesse im Jahr 2003 besucht, als Russland Gastland auf der weltgrößten Bücherschau war.

«Wir wissen nicht, wer die Pistole gehalten hat, aber wir wissen, wer dafür verantwortlich ist», sagte Kjell-Olav Jensen vom norwegischen PEN-Zentrum. Ihr Tod sei nicht überraschend gekommen: «Sie wusste, dass sie ermordet werden würde.» Russland habe Politkowskaja schon vor langer Zeit «zum Staatsfeind Nummer eins erklärt», zwei frühere Mordversuche seien gescheitert. Jensen forderte die westlichen Länder zu Solidaritätskundgebungen auf. Man könne zum Beispiel die Straßen vor den russischen Botschaften und Konsulaten in Anna-Politkowskaja-Straße umbenennen.

«Anna Politkowskaja ist für ihre politischen Artikel umgebracht worden», betonte der Vorstand der Menschenrechtsorganisation Memorial, Arsenji Roginski. «Sie war für viele Leute unbequem, sie wurde von vielen Leuten gehasst.» Die Lücke, die ihr Tod in den russischen Journalismus reiße, könne nie gefüllt werden, sagte Anna Schor-Tschudnovskaja von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung:«Es gibt keinen zweiten Journalisten in Russland, der mit ihr vergleichbar wäre.» Politkowskaja sei «die mutigste und die tapferste» von allen gewesen.

Die 1958 geborene Mutter von zwei Kindern hatte sich durch ihre kritischen Reportagen über den Tschetschenien-Krieg weltweit einen Namen gemacht. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Journalistin schrieb vor allem für die kleine regierungskritische Zeitung «Nowaja Gaseta» in Moskau.

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07.10. Publikumstag auf der Buchmesse: Besucher belagerten Prominente

Frankfurt/Main (dpa) - Menschentrauben an den Ständen, Gedränge in den Gängen: Zehntausende Leser strömten am ersten Publikumstag auf die 58. Frankfurter Buchmesse. Die Veranstalter rechneten am Samstag mit rund 70 000 Besuchern. Die weltgrößte Bücherschau geht an diesem Sonntag nach fünf Tagen zu Ende. Dann können an vielen Ständen auch Bücher gekauft werden.

Regelrecht belagert waren vor allem jene Orte, an denen die Buchmessenbesucher TV-Prominenz hautnah erleben konnten. Hunderte Zuhörer bedrängten sich gegenseitig bei den Auftritten von Hape Kerkeling, Alfred Biolek, Marianne Rosenberg, Eva Herman oder Marcel Reich-Ranicki. «Ich sehe ihn!», riefen die einen, die anderen fotografierten mangels freier Sicht die Bildschirme, auf denen die öffentlichen Interviews übertragen wurden.

Für Behinderungen im Gewühl sorgten großformatige Papiertaschen, in denen Nicht-Fachbesucher Verlagsprospekte horteten und den Klagen der Verlage zufolge auch so manches geklaute Buch hinausschmuggelten.

Ruhiger ging es derweil im Congress Center zu, wo knapp 200 Pädagogen am «1. Lehrerkongress» teilnahmen. Im Rahmen des neuen Sonderschwerpunkts «Zukunft Bildung» der Buchmesse beschäftigten sich die Teilnehmer unter anderem mit der Frage, ob Bücher Kindern Werte mitgeben können oder wie Lesen in der Schule positiv vermittelt werden kann.

Auch der Preise-Regen war am Samstag noch nicht versiegt: Zeichner und Bestseller-Autor Walter Moers erhielt für seine Hitler-Persiflage «Adolf - Der Bonker» den «Sondermann»-Preis für den besten nationalen Comic-Zeichner. Zum besten internationalen Comic wählte die Jury «Sin City» des Amerikaners Frank Miller, einen der härtesten Comics der vergangenen Jahre.

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07.10. Biolek: Moderatoren nehmen sich keine Zeit zum Leben

Frankfurt/Main (dpa) - Die heutigen Moderatoren nehmen sich nach Ansicht des Talkmasters Alfred Biolek (72) keine Zeit zum Leben.
Deshalb wirkten sie trotz ihrer hohen fachlichen Qualifikation oft farblos, sagte Biolek am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse bei der Vorstellung seiner Biografie «Bio. Mein Leben». «Sie machen zu viel, vier oder fünf Sendungen die Woche. Da fragt man sich: Wann gehen sie mal ins Konzert oder ins Theater.» Fernsehen verkomme damit immer mehr zum Fast Food.

Er selbst habe nie einen Schreibtisch besessen und alle Produktionstätigkeiten delegiert, sagte Biolek. «Damit hatte ich Zeit zu leben und all das zu tun, was ich für meinen Beruf für wichtig erachtet habe: Feste feiern, mit Leuten reden, Theater und Konzerte besuchen.» Auch sein Buch habe er nicht selbst verfasst, sondern mit dem 34 Jahre alten Co-Autor Veit Schmidinger. Er habe extra einen jungen Mitstreiter ausgesucht, der einen ungetrübten Blick auf seine Zeit im Fernsehen werfen könne.

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07.10. Deutscher Jugendliteraturpreis 2006 für Illustratorin Berner

Frankfurt/Main (dpa) - Die Illustratorin Rotraut Susanne Berner und fünf Autoren sind am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis geehrt worden. Berner erhielt den mit 10 000 Euro dotierten Sonderpreis für ihr zeichnerisches Gesamtwerk. Sie habe «neue Maßstäbe der Illustration und Gestaltung» gesetzt, hieß es in der Begründung der Jury. «Mit ihren Einfällen hält sie die Welt in Bewegung; denn was sie zeichnet braucht auf wunderbare Weise keine Schwerkraft.» Von Berner stammen unter anderem verschiedene «Wimmelbücher» und die Illustrationen zu den Geschichten des Hasen «Karlchen».

Je 8000 Euro gab es für das beste Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch. Als bestes Bilderbuch prämierte die Jury «Gehört das so??!» von Peter Schössow, «ein ungewöhnliches, ausnehmend gelungenes Trauerbuch, das endlich einmal Wut als Gefühl zulässt». Sieger in der Sparte Kinderbuch wurde «Lilis Leben eben» von Valérie Dayre, ein Roman, der «die Befindlichkeiten beim Übergang zur Pubertät in ein irritierend bedrückendes Szenario fasst».

Den Preis für das beste Jugendbuch erhielt Dolf Verroen für «Wie schön weiß ich bin», das «mit einfältiger Unbedarftheit vom Leben auf einer Plantage und vom Umgang mit den Sklaven erzählt». Als bestes Sachbuch zeichnete die Jury «Denk nicht, wir bleiben hier!» von Anja Tuckermann aus, der mit der Lebensgeschichte eines Sinto-Jungen «ein tief berührender Text über ein lange tabuisiertes Thema» gelungen ist.

Der ebenfalls mit 8000 Euro dotierte Preis der Jugendjury ging an den englischen Autor Kevin Brooks. Sein Roman «Lucas» ist die Geschichte einer Ausgrenzung und einer Hetzjagd auf Leben und Tod.
«Ein bemerkenswertes Buch, das uns die tiefen Abgründe menschlichen Verhaltens herzerrgreifend vor Augen führt.» Der Deutsche Jugendliteraturpreis wurde in diesem Jahr zum 51. Mal verliehen.

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07.10. «Der zweite Autor»: Übersetzer führen bei Buchmesse ihre Kunst vor

Frankfurt/Main (dpa) - Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es ein Regal, das nur auf den ersten Blick aussieht wie alle anderen. Die Bücher sind zwar alphabetisch geordnet - aber nicht nach Autoren, sondern nach Übersetzern. Das Regal steht im «Übersetzerzentrum». «Der Übersetzer ist der zweite Autor», sagt Peter Klöss. In Frankfurt können die Messebesucher diesem «zweiten Autor» bei der Arbeit über die Schulter schauen - die Übersetzer führen ihre Kunst live vor.

In einer Ecke zweier Stellwände steht ein Schreibtisch mit Computer, einer Tastatur und zwei Bildschirmen, daneben Wörterbücher für Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch. An der Wand über dem Schreibtisch klebt ein großes Foto, als ob ein Fenster aufginge über einer sonnenbeschienenen Idylle am Meer. An der Wand daneben hängen zwei Großbildschirme. Das ganze ist das Büro des «gläsernen Übersetzers».

Claudia Feldmann tritt gerade ihre Schicht an, auf orangefarbenen Hockern um sie herum sammelt sich das Publikum. Lampenfieber habe sie nicht, sagt sie. «Aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn mir Leute dabei zuschauen, wie ich die richtigen Worte suche.»

Auf dem linken Bildschirm vor ihrer Tastatur erscheint das englische Original, auf dem rechten tippt sie ihre deutsche Fassung ein. Und auf den großen Schirmen an der Wand können die Zuschauer das verfolgen. «Ich schreibe soweit es geht sofort ins Reine», sagt Feldmann, «aber danach feile ich natürlich noch am Text.»

Wie viel Zeit sie in dieses Feilen investiert, muss sie sich genau überlegen. Einerseits muss sie Top-Qualität abliefern, um ihre Auftraggeber zufrieden zu stellen. Andererseits wird sie nicht für ihren Aufwand, sondern nach Seiten bezahlt. 15 bis 20 Euro pro Seite sind der gängige Satz, es kann aber auch weniger sein.

«Wenn ich viel Rechercheaufwand habe, bestehe ich allerdings auch auf einem Zuschlag», sagt Feldmann. Für das Publikum arbeitet sie an einem tatsächlichen Auftrag, «Heretic» von Bernard Cornwell. Da es der dritte Teil einer Triologie über die Suche nach dem Heiligen Gral ist und sie auch die ersten Teile übersetzt hat, haben sich ihre historischen Recherchen gelohnt. Sie kann nur prägnant übersetzen, wenn sie die Kleidung und die Waffen, die Essgewohnheiten und die Ortsnamen der Zeit kennt, in der der Roman spielt.

Wer in der Unterhaltungsliteratur gut im Geschäft sei, könne vom Übersetzen leben, meint Klöss. «Die anderen werden entweder von ihrem Partner subventioniert oder subventionieren sich selbst.» Viele dolmetschen zum Beispiel. Das Übersetzerzentrum auf der Buchmesse bietet deshalb nicht nur Seminare zur richtigen Wortwahl in der modernen Literatur an, sondern auch zum «Dolmetschen in polizeilichen Ermittlungsverfahren». Organisiert wird das Zentrum vom Verband deutschsprachiger Übersetzer VdÜ und dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer BDÜ.

Die Wege zum Beruf sind unterschiedlich. Feldmann, Spezialistin für Englisch und Französisch, studierte Literaturübersetzung in Düsseldorf. Klöss dagegen hatte während seines Italienischstudiums nicht geplant, Literatur zu übersetzen. «Das bot sich dann nach dem Studium an.»

Beide plädieren dafür, dass Übersetzer und Texte zusammenpassen müssen. Es komme vor, dass ausländische Bestseller sofort auf Deutsch erscheinen sollen und deshalb gleich mehrere Übersetzer für verschiedene Teile engagiert werden. «Das kann nicht gut gehen», meint Feldmann.

(Internet: www.literaturuebersetzer.de)

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07.10. Ungewöhnliche Einblicke: Blogger auf der Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Jürgen Matthes beschreibt seine Eindrücke im Internet aus Frankfurt so: «Wenig Erfahrung heißt nicht unbedingt wenig Wissen und so rüstete ich mich für diese meine erste Buchmesse mit gut eingelaufenen Schuhen aus.» Das gute Schuhwerk braucht Matthes, da er täglich zusammen mit einem Team von «Bloggern» auf der weltgrößten Bücherschau stundenlang unterwegs ist. In einem interaktiven elektronischen Tagebuch (Weblog) berichten Literatur- Liebhaber erstmals aus ihrer ganz persönlichen Perspektive über die größte Bücherschau der Welt.

«Okay, ich weiß also, jede Messe besteht aus weitläufigen Hallen und die interessanten Sachen finden meist im Abstand von zehn Minuten an entgegengesetzten Ecken des Geländes statt», hat Matthes herausgefunden. Die neun Blogger aus ganz Deutschland, zu denen auch ein Autor und eine Lektorin gehören, stellen ihre Texte auf die Internet-Seite der Buchmesse.

Dort können die Einträge von Interessierten auf der ganzen Welt gelesen werden. «Das Projekt ist für uns ein Experiment», sagt Buchmessen-Sprecherin Anne Eckert. «Die Digitalisierung wird immer wichtiger, dieses Themas nimmt sich auch die Buchmesse an.»

Die Journale, in denen im Internet von Großereignisse wie Messen, Tagungen oder auch Parteitagen berichtet wird, liegen nach Ansicht des Bamberger Kommunikationssoziologen Jan Schmidt seit dem vergangenen Jahr im Trend. «Es gehört noch nicht zum Standard, aber es wird immer mehr damit experimentiert», sagt der 33-Jährige, der die Auswirkungen von Blogs als neue Kommunikationsform untersucht. «Blogger können Einblicke geben, die man sonst auf keinem anderen Weg bekommen kann.»

Im deutschsprachigen Raum gibt es seinen Angaben zufolge etwa eine Million Weblogs, von denen etwa die Hälfte regelmäßig geführt wird. Den Buchmessen-Blog pflegt und koordiniert Oliver Gassner. Seine Leidenschaften sind das Internet und die Literatur. Zur Buchmesse- Zeit streift der 42-Jährige durch die Hallen, auf der Suche nach spannenden Menschen, Geschichten oder Kuriositäten. Mitten im Getümmel klappt er seinen Laptop auf, schreibt seine Eindrücke auf und stellt die Texte ins Internet. «Ich blogge das» - so nennt er es im Fachjargon und das steht auch auf seinem feuerroten T-Shirt.

«Die Blogger sind Menschen, die die Buchmesse ganz unvoreingenommen sehen», sagt Anne Eckert. «Wir erhoffen uns davon ganz neue Eindrücke.» Das Team wird von der Buchmesse nicht für seine Arbeit bezahlt, bekommt aber freien Eintritt und darf die Arbeitsplätze im Pressezentrum nutzen. Anreise- und Übernachtungskosten der Blogger werden mit Sponsorengeldern finanziert.

«Die Blogger haben alle Freiheit der Welt, sie können schreiben, was sie wollen», sagt Eckert. Geschrieben werden darf alles, was nicht gegen das Gesetz verstößt. Die 32-Jährige hat in dieser Woche selbst ihr Debüt als Bloggerin gegeben und berichtete als Insiderin von ihrem Arbeitsalltag auf der Buchmesse.

Seine Themen sucht sich jeder Buchmessen-Blogger selbst aus und entscheidet was und wieviel er darüber schreibt. «Ein Blog-Text kann zwei Zeilen lang sein oder mehrere Seiten», sagt Gassner. «Wir können hier Dinge thematisieren, die eigentlich unter jeder Mitteilungsschwelle liegen, Dinge, die sonst das Papier nicht wert wären, aber einfach schön die Atmosphäre transportieren.»

(Internet: www.buchmesse.de/blog)

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07.10. Türkei will Buchmessen-Auftritt für Moderisierung des Landes nutzen

Frankfurt/Main (dpa) - Die Türkei will ihren Gastland-Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2008 für Verbesserungen im eigenen Land nutzen. Derzeit werde die Buchbranche modernisiert, sagte der türkische Kulturminister Atilla Koç am Freitag in Frankfurt. Alle Aktivitäten seien darauf angelegt, über 2008 hinaus zu wirken.

Das staatliche Publikationswesen werde neu strukturiert, öffentliche Bibliotheken würden ausgebaut, es laufe ein Förderprogramm für Übersetzungen. «Auch der Schutz des geistigen Eigentums genießt nun höhere Bedeutung», sagte Koç. Das Raubkopieren werde eingedämmt.

«Die Türkei hat durch ihre Rolle in der Geschichte der Menschheit und ihre geographische Lage die Mission, eine interkulturelle Brücke zu sein», sagte Koç. Er kündigte ein umfangreiches Kulturprogramm an, das bereits im November dieses Jahres beginnen soll. Im kommenden Jahr ist die autonome spanische Region Katalonien auf der Buchmesse zu Gast.

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07.10. Köhler bei Buchmesse: Eltern müssen beim Lesen Vorbild sein

Frankfurt/Main (dpa) - Eltern müssen nach den Worten von Bundespräsident Horst Köhler ihren Kindern den Spaß am Lesen vorleben. «Wir müssen dafür sorgen, dass schon die Kinder Freude haben am Lesen - auch durch Vorbilder und Vorlesen», sagte Köhler am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. Wenn dann noch gute Bücher und Autoren hinzukämen, mache er sich um das Medium Buch keine Sorgen: «Trotz Internet und großem Wettbewerb hat das Buch eine gute Zukunft.»

In den Urlaub nehme er unter anderem Krimis mit, sagte Köhler. Zurzeit zum Beispiel Bücher von Henning Mankell. Aber auch sein Amt bringe Anlässe zum Lesen mit sich, wie etwa eine Ehrung für den amerikanischen Historiker Fritz Stern. Dafür habe er dessen «Five Germanys I Have Known» gelesen: «Da wird es eben in den Nächten spät.»

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06.10. Katharina Hacker: Reaktionen der Leser geben Kraft zum Schreiben

Frankfurt/Main (dpa) - Die mit dem Deutschen Buchpreis 2006 ausgezeichnete Schriftsellerin Katharina Hacker (39) zieht ihre Motivation zum Schreiben aus den Reaktionen der Leser. «Man kriegt ein Gespür dafür, ob das Buch in den Köpfen irgendetwas bewirkt hat», sagte Hacker am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. Dies gebe ihr die Kraft, weiter zu schreiben. Nicht die Kritiker, sondern die Reaktionen der Leser würden von Buch zu Buch wichtiger. Ihr Leben werde derzeit von ihrer rund vier Wochen alten Tochter Philippa strukturiert. «Das macht das Leben in gewisser Weise ziemlich einfach.» Hacker hatte die 2005 ins Leben gerufene Auszeichnung am Montagabend für ihr Buch «Die Habenichtse» erhalten.

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06.10. Viele Kinder und verstörende Ruhe: Deutsch-indischer Autorenaustausch

Frankfurt/Main (dpa) - Indien ist ein junges Land: «Es ist am auffälligsten, dass es so viele Kinder gibt», sagt die Autorin Angela Krauß über ihre Eindrücke in Madras. Deutschland ist ein stilles Land: «Irgendwann hörte ich Kirchenglocken, und das gab mir die Gewissheit zurück, dass ich nicht taub geworden war», erzählt der indische Dramatiker Mahesh Dattani aus dem lauten Bombay über seinen ersten Tag in Stuttgart.

Die beiden haben - zusammen mit zwölf anderen Schriftstellern - an einem deutsch-indischen Autorenaustausch teilgenommen. Als «Stadtschreiber» lebten sie für jeweils einen Monat in der Fremde und führten darüber Tagebuch. Auf der Frankfurter Buchmesse, bei der Indien diesmal Gastland ist, werden die Autoren und ihre Texte vorgestellt.

«Akshar» heißt das Projekt, das Wort bedeutet Buchstabe, aber zugleich auch die kleinstmögliche Einheit. Es geht also um ein Grundbaustein, der nicht zertrümmert werden kann. Akshar sei deshalb auch ein guter Name für das Austauschprogramm, meint Adyasha Das aus dem indischen Bundesstaat Orissa: «Dies ist eine Erfahrung, die noch lange Bestand haben wird, auch wenn wir längst abgereist sind.»

Für die Erfahrungen über die Kulturgrenzen hinweg wären nicht unbedingt Stadtschreiber nötig. Was die indischen und deutschen Autoren beschreiben, erleben Touristen und Geschäftsleute ähnlich - sie staunen über das Fremde und darüber, dass dieses Fremde im anderen Land doch das Alltägliche ist.

Aber Schriftsteller sind nötig, um dieses Staunen in Worte zu fassen. Zum Beispiel, wenn Dattani eine Reise im ICE nach Mannheim beschreibt: «An den Vierertischen sitzt man sich gegenüber und müsste sich in die Augen schauen, denke ich, aber ich unterschätze die deutsche Fertigkeit, Augenkontakt zu vermeiden. Auch körperliche Berührungen gibt es nicht, während die Laptops auf dem kleinen Tisch um Platz kämpfen.» Die zwischenmenschliche Kälte im Zug sei so spürbar, dass der Name ICE (ice heißt auf Englisch Eis) sehr angemessen sei, meint Dattani.

Wenn man hört, wie andere einen wahrnehmen, kann das alle möglichen Folgen haben. Man lacht oder weint gar über sich selbst. Oder man staunt darüber, was ein Fremder beschreibenswert findet. Guy Helminger zum Beispiel schildert eindruckvoll ein Armenkrankenhaus in Hyderabad. «Es gibt Abteilungen für die unterschiedlichen Leiden, eine für Nierenkranke etwa oder eine für Krebs. Diese Abteilungen ähneln einer Halle mit 40 bis 50 Betten, eins neben dem anderen, durch nichts von einander getrennt als durch die warm-schwüle Luft, die wie eine Decke in die Freiräume gestopft zu sein scheint.»

Bhupinder Parihar aus dem Punjab, der in Köln zu Gast war, findet Helmingers Schilderung völlig zutreffend. Aber was in deutschen Lesern Beklemmung auslöst, sei für Inder völlig normal: «Das ist das wahre Indien. Niemand dort wird darüber schockiert sein.»

Organisiert wurde das Projekt vom Goethe-Institut und den Literaturhäusern in Deutschland. Die Tagebucheinträge sind auf Deutsch und auf Englisch im Internet zu lesen, die Stadtschreiber haben ihre Schilderungen durch Fotos ergänzt. Und bei manchen fließt das Erlebte auch in die schriftstellerische Arbeit ein. Helminger hat schon eine Erzählung verfasst und plant schon mehr.

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05.10. Zweiter Tag auf der Buchmesse - Katalonien präsentiert sich

Frankfurt/Main (dpa) - Katalonien will seine tausend Jahre alte Kultur als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2007 auch in rund 25 anderen deutschen Städten vorstellen. In den kommenden zwölf Monaten sind rund 100 Veranstaltungen - von literarischen Treffen bis zu Ausstellungen - geplant. Dies kündigte der Kulturminister der autonomen spanischen Region, Ferran Mascarell, am Donnerstag auf der Buchmesse in Frankfurt an.

Der Minister betonte, dass die katalanische Kultur mit ihrer eigenständigen Sprache «einzigartig und universell» sei. Die katalanische Kultur sei jedoch nicht allein mit Katalonien und seinem Zentrum Barcelona identisch. Zum katalanischen Sprach- und Kulturraum zählen die knapp sieben Millionen Menschen in Katalonien, der reichsten spanischen Region. Außerdem wird Katalanisch auch in angrenzenden spanischen Regionen sowie in Andorra und Frankreich gesprochen.

Mascarell machte ebenfalls klar, dass Katalonien vor allem die auf Katalanisch schreibenden Autoren in Frankfurt vorstellen wolle. In den Auftritt integriert seien jedoch auch die auf Spanisch (Castellano) schreibenden Schriftsteller. Zu den bekanntesten Schriftstellern Kataloniens gehört die in Spanisch publizierenden Schriftsteller Eduardo Mendoza und der Bestseller-Autor Carlos Ruiz Zafón («Der Schatten des Windes»). Barcelona ist auch Sitz großer spanischer Verlage.

Katalonien plant neben einer groß angelegten Repräsentation auf der Buchmesse außerdem in Frankfurt zahlreiche Konzerte und Ausstellungen. Renommierte katalanische Künstler und Orchester werden erwartet. Der für seine spektakulären Theater-Inszenierungen bekannte Regisseur Calixto Bieito aus Barcelona kommt ebenfalls nach Frankfurt.

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05.10. Für Indiens Verlage ist Frankfurter Buchmesse ein Basar der Kontakte

Frankfurt/Main (dpa) - Der indische Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse erinnert an Basare in Neu Delhi, Bombay oder Bangalore: Die Größe der Messeboxen entspricht der eines normalen Ladens in Indien. Auch die Nachbarschaft so vieler Anbieter aus derselben Branche ist nichts Ungewöhnliches: In Indien siedeln sich Konkurrenten oft Tür an Tür an. Entscheidend ist die Kommunikation. Dafür gehen Inder zum Basar, und dafür sind die indischen Verleger nach Frankfurt gekommen. «Es geht um den Kontakt von Angesicht zu Angesicht, der ist durch nichts zu ersetzen», sagt Thomas Abraham von Penguin India.

Mehr als 170 Unternehmen aus Indien sind diesmal in Frankfurt dabei, und da Indien nach 1986 diesmal wieder Gastland ist, erhoffen sie sich besonders viel Aufmerksamkeit. Der kleine Verlag RadicalBooks zum Beispiel schickt zwar schon seit Jahren einen Agenten nach Frankfurt, diesmal aber ist die Firma aus Neu Delhi erstmals mit einem eigenen Stand dabei. «Wir sind hier, um unser neues Buch zu verkaufen, das wir in diesem Monat auf den Markt bringen», sagt Prateek Kathuria. Es ist eine Sammlung indischer Märchen, ein schönes Kinderbuch mit Illustrationen im Stil regionaler Volkskunst.

Zwar hat Kathuria auch noch andere Bücher aus seinem Sortiment mitgebracht und in den Regalen seiner Box platziert. Im Geschäft ist RadicalBooks in Indien aber vor allem mit Schulbüchern. Nun hofft man wegen des stark angestiegenen Interesses an Indien, dass nicht nur Bollywood-Filme im deutschen Fernsehen Erfolg haben, sondern auch indische Märchen in deutschen Kinderzimmern. Bei der Buchmesse geht es Kathuria aber bei weitem nicht nur um mögliche deutsche Partnerverlage. Die ganze Welt sei schließlich in Frankfurt.

Genau das meint auch Gaurav Sabharwal von Prakash Books. Der Verlag hat sich auf Bildbände spezialisiert, die den Couchtisch schmücken. «Früher kamen wir, um Bücher aus dem Westen einzukaufen und sie in Indien zu veröffentlichen», sagt Sabharwal. Vor allem Design, Mode oder Architektur aus Europa und Amerika fanden in Indien viele Interessenten. Seit auf Indiens Bürgersteigen aber westliche Illustrierte und sogar der Ikea-Katalog zu haben sind, sind die Bildbände aus Europa nicht mehr exotisch.

Prakash Books haben ihr Geschäftsmodell deshalb umgekehrt: «Was haben wir in Indien, das im Westen auf Interesse stoßen könnte?», fragt sich Sabharwal heute. Der Verlag gibt jetzt Bildbände über Indien heraus, Innenarchitektur mit indischen Möbeln, Stoffen und Teppichen, aber auch indische Kochbücher mit opulenten Fotostrecken. Dafür hofft Sabharwal auf internationales Interesse in Frankfurt.

Bei Thomas Abraham von Penguin India ist das ein wenig anders.
Mehrere Bücher, die er im Regal hat, gibt es auch schon auf Deutsch:
«Der Gott von Bombay» von Vikram Chandra, «Hochzeit auf Indisch» von Swati Kaushal oder «Glitzernacht» von Shobhaa De zum Beispiel. «Diese Arbeit wird schon lange im Vorfeld der Buchmesse getan», sagt Abraham. Die Kontakte zu kleinen Verlagen aus anderen Ländern ließen sich aber nur im direkten Kontakt aufbauen, glaubt Abraham.

Auch er nutzt Frankfurt, um Autoren zu präsentieren, für die sich noch kein deutscher Verlag interessiert. Der Schriftsteller Upamanyu Chatterjee («Weight Loss») ist einer von ihnen. Und Abraham hofft, dass die Autobiografie von Baby Halder nach einem überwältigenden Erfolg in Indien nun auch im Deutschland auf Interesse stößt. In «A Life Less Ordinary» beschreibt die indische Haushaltshilfe, wie ihre Mutter die Familie verließ und Halder noch als Kind verheiratet wurde.

Das Buch erschien zuerst in indischen Regionalsprachen, dann auf Englisch bei Zubaan, dem Verlag der feministischen Publizistin Urvashi Bhutalia. Und mit dem kleinen Haus Zubaan hat die große Firma Penguin India eine Partnerschaft - ein Ergebnis der indischen Kontaktfreude

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05.10. Trend im Handel: Olivenöl zum Kochbuch und Stofftier zum Kinderbuch

Frankfurt/Main (dpa) - Olivenöl und Nudeln zum Kochbuch, Schlüsselanhänger oder Teetasse zum Gedichtband, Stofftiere und Bastelspiele zum Kinderbuch: Die Angebotspalette deutscher Buchhandlungen wird immer breiter. Postkarten, Geschenkpapier und Notizbücher haben sich seit langem einen festen Platz erobert, aber längst ist nicht alles Papier, was in den Buchhandlungen verkauft wird. Die Frankfurter Buchmesse hat den Trend aufgegriffen und bietet erstmals zwei Gemeinschaftsstände für das so genannte «nonbook»- Sortiment.

Designartikel oder Spielzeug zu verkaufen hat für Buchhändler allerhand Vorteile, meint Nina Röder, die eine kleine Buchhandlung in Neuss betreibt: Die Gewinnmargen sind höher, weil die Produkte nicht wie Bücher der Preisbindung unterliegen. «Mitnahmeartikel, die keiner braucht, aber jeder gerne hätte» sind für Buchhändler reines Zusatzgeschäft. Und sie stärken das persönliche Profil des Ladens, denn «man kann damit Akzente setzen.»

Es sind nicht nur kleine Läden wie der von Nina Röder, die auf diesen Zug aufgesprungen sind, auch große Geschäfte wie das Berliner Kulturkaufhaus Dussmann bieten immer mehr «nonbooks». Und so ist in diesem Jahr auch die Buchmesse bunter geworden. In Halle vier werben 25 Firmen um Kunden. Sie alle wollen eine Ecke für ihre Produkte in der Buchhandlung um die Ecke. Es gibt Hängematten und Filztaschen, hochwertiges Porzellan und schrillen Nippes.

Angelika Niestrath, die den «nonbook»-Gemeinschaftsstand organisiert hat, sieht «absolut» ein verstärktes Interesse des Handels an diesem Zusatzgeschäft. «Das ist sicher ein starker und langlebiger Trend.» Allerdings warnt sie vor einer «Verwarenhausung» des Buchhandels. Das Sortiment dürfe nicht beliebig werden. «Buchhandelstauglich» werde ein Produkt vor allem durch die Qualität: «Nachgefragt wird das anspruchsvolle Produkt für Menschen mit Geschmack.»

Schon angekommen ist der «nonbook»-Trend im Kinderbuchregal.
Auf einem Gemeinschaftsstand der Spielwarenindustrie zeigen 19 Firmen ihre «buchnahen» Produkte. Sie bieten Mikroskopier-Sets zum Wissenschafts-Kinderbuch, Holztraktoren zu einem Bauernhofbuch oder Plüschtiere, die gleichzeitig Hauptfigur eines Bilderbuches sind. «Die Buchhändler sind sehr offen für eine Sortimentserweiterung gerade im Kinderbuchbereich», sagt Kyra Mende von der Nürnberger Spielwarenmesse, die den Buchmessenstand organisiert hat. «Auch die Großhändler ordern verstärkt Spiele für den Buchhandel.»

Manche Verlage bieten Spielzeug und Lesestoff aus einer Hand wie der Coppenrath Verlag aus Münster. Die hauseigene «Edition Spiegelburg» bereichert die Buchhandlungen mit unzähligen Produkten rund um die Hauptfiguren der Coppenrath-Bücher. Mit Prinzessin Lillifee kann man komplett das Kinderzimmer einrichten und die Tochter auch von Kopf bis Fuß einkleiden. Coppenrath macht die Hälfte seines Umsatzes mit Spielwaren. Anfangs sei dieser Weg durchaus kritisch beäugt worden, berichtet Coppenrath-Sprecher Thomas Rensing. Aber der Kunde habe das Zusatzsortiment «sofort sehr gut angenommen».

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05.10. Martin Walser erlebt manchmal «Schmerzenszustände» bei seiner Stimme

Frankfurt/Main (dpa) - Martin Walser (79) erlebt manchmal «Schmerzenszustände», wenn er seine Stimme im Radio oder auf Band hört. Mit der von ihm gelesenen Hörbuch-Version seines neuen Bestsellers «Angstblüte» sei er jedoch «akustisch» so zufrieden wie nie zuvor, sagte Walser am Mittwoch auf dem «Forum Hörbuch» der Frankfurter Buchmesse. Der alemannische Schriftsteller vom Bodensee glaubt, dass sich seine Stimme im Gegensatz zu seinem Schreiben im Laufe der Jahre verändert hat. Der gelernte Rundfunkredakteur meinte, er sei nie ein «guter Reporter» gewesen. Ich war jedes Mal so aufgeregt wir vor einer Hinrichtung», beschrieb er sein Lampenfieber vor dem Mikrofon.

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04.10. Keine Zeit für die Hängematte - Buchmesse-Besucher eilen durch Gänge

Frankfurt/Main (dpa) - Bereits am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse hetzen die Fachbesucher durch die Hallen, als wäre es der letzte Ausstellungstag. In den Gängen herrscht großes Gedränge - die Veranstaltungen sind aber am Mittwoch nur mäßig besucht. Schließlich ist die weltgrößte Bücherschau zuerst einmal Arbeitsmesse. «Kommen Sie doch näher, hier sind noch Plätze frei», wirbt ein Arte-Moderator um Publikum für sein Gespräch mit einem indischen und einem deutschen Autor.

So unübersehbar wie auf der Weltkarte ist Indien auch als Buchmesse-Gastland in Halle sechs. Mehr als 170 indische Verlage haben ihre Bücher nach Frankfurt geschickt, eine der größten Gastlandpräsentationen der vergangenen Jahrzehnte. Das Thema Vielfalt zieht sich wie ein roter Faden durch alle Indien- Veranstaltungen - Vielfalt der Religionen, Sprachen, Literaturen.

Im Indien-Pavillon kommt die verlegerische Vielfalt hinzu. Schulbuchverlage sind vertreten, Wissenschaftsverlage, Bildband- Spezialisten, und natürlich Verlage mit Bestsellern, die jetzt auch auf Deutsch vorliegen. Dazu zählen zum Beispiel die «Glitzernacht» von Shobhaa De, «Kein Gott in Sicht» von Altaf Tyrewala oder «Hochzeit auf Indisch» von Swati Kaushal. Aber auch indische Werke, die noch keinen deutschen Verleger gefunden haben, sind in Frankfurt.

Bei der Eröffnung des indischen Pavillons erinnerte Bildungsminister Arjun Singh trotz des Gastland-Mottos «Today's India» («Das Indien von heute») an die uralten Nationalepen Mahabharata oder Ramayana: «Wir haben auch Bücher in Indien, die nicht massenproduziert, sondern auf Blätter und Baumrinde geschrieben wurden, und sie repräsentieren die Weisheit der damaligen Ära.»

Zuhörertrauben bildeten sich vor allem an Ständen, an denen prominente Autoren interviewt wurden. Auf dem «Blauen Sofa» des ZDF nahmen am Mittwoch der Niederländer Cees Nooteboom, die Britin Zadie Smith und der Inder Amitav Gosh Platz. Moderator Johannes B. Kerner bekam einen Preis, «Tagesthemen»-Anchorman Tom Buhrow stellte zusammen mit seiner Frau ein Buch vor, Comicautor Ralph König signierte seine Werke, Grünen-Politikerin Claudia Roth ließ sich interviewen. Langenscheidt feierte auf der Messe 150. Geburtstag und verschenkte 5000 englisch-deutsche Wörterbücher an Messegäste.

Es gibt auch die Buchmesse zum Hören: Auf www.buchmesse.de/podcast/ kann man sich «Podcasts» mit Terminen oder Interviews aus dem Internet «herunterladen». «Blogger» berichten erstmals bis Sonntag unter www.buchmesse.de/blog/ von ihren persönlichen Messe-Eindrücken.

Neu auf der Messe ist auch das «Forum Wissenschaft», eine Veranstaltungsplattform für Fachbuchverlage. In einer Ecke der Halle vier präsentieren sich erstmals Produkte, die nur entfernt mit Büchern zu tun haben: Geschenkartikel, Papierwaren und Designartikel aller Art drängen vermehrt in den Buchhandel. Auch bunte Hängematten für die gemütliche Lektüre zu Haus gehören zum Sondersortiment. Aber Zeit für die Hängematte hatte am Mittwoch keiner der Fachbesucher.

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04.10. Kleinstverlage auf der Buchmesse: «Im Schatten der Bestsellertürme»

Frankfurt/Main (dpa) - Vier Quadratmeter misst der Stand des Berliner Verbrecher Verlags. Das ist nicht groß und doch Luxus für eine so kleine Firma. Andere wie der nur drei Titel umfassende Firwitz Verlag aus Köln müssen sich mit noch weniger begnügen.
Eingekeilt zwischen Riesen wie Suhrkamp oder Rowohlt haben es Miniverlage auf der Frankfurter Buchmesse schwer, Aufmerksamkeit zu finden.

Und trotzdem finden die Minis nach Jahren des Rückzugs wieder häufiger den Weg nach Frankfurt. Kleine und mittlere Verlage seien in diesem Jahr wieder verstärkt dabei, berichtet Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Sonderkonditionen für Kleinverlage gibt es nicht. Der kleinste Vier-Quadratmeter-Einzelstand kostet nach Angaben der Messe gut 700 Euro - Wände kosten extra.

42 Verlage präsentieren sich auf dem Gemeinschaftsstand des «Arbeitskreises kleinerer unabhängiger Verlage» (AkV) in Halle drei.
Hier hat ein Verleger wenigstens noch einen Meter Bretterwand für sich allein. Nebenan bei der «Gemeinschaftspräsentation von Klein- und Selbstverlagen» stehen nur Einzeltitel in Reihe und Glied.

Zum Kleinverleger-Dasein gehört viel Idealismus und ein Gespür für die richtige Nische. Beim Berliner Tropen Verlag bekommen nur vier Mitarbeiter Geld. «Die anderen profitieren auf andere Weise», sagt Tom Kraushaar. Der Kleinverlag profiliert sich einerseits mit hochwertiger Buchgestaltung, andererseits mit Büchern rund ums Thema Skateboard. Der in Amsterdam angesiedelte Verlag Castrum Peregrini wird laut Marinus Pütz von einer Stiftung «mit viel Not über Wasser gehalten».

Denn nicht jeder hat so viel Glück wie der A1 Verlag aus München.
Seit «Die weiße Massai» von Corinne Hofmann und «Gottes kleine Krieger» des indischen Schriftstellers Kiran Nagarkar Kassenschlager wurden, «ist die Zeit der schonungslosen Selbstausbeutung vorbei», wie Albert Völkmann von A1 es formuliert. Mit nur fünf Mitarbeitern und zehn Büchern pro Jahr schreibt er schwarze Zahlen. Die meisten seiner Kollegen würden auf der Messe wie im Handel «vom Schatten der Bestsellertürme erschlagen», witzelt Völkmann.

Was die Kleinverleger aufrecht erhält, ist die Hoffnung auf einen durchschlagenden Erfolg. «Wir hoffen alle auf "Das Parfüm"», sagt Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag. Der Name gehe zurück auf einen «studentischen Scherz», berichtet er. Er und seine Kollegen bauen aber darauf, «dass der Name hängen bleibt» und damit Messebesucher auf das ironisch angehauchte Verlagsprogramm aufmerksam werden.

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03.10. Steinmeier ruft zum Interesse an fremden Kulturen auf

Frankfurt/Main (dpa) - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) hat bei der Eröffnung der 58. Frankfurter Buchmesse zum Interesse an fremden Kulturen aufgerufen. Indien könne als Ehrengast der weltgrößten Bücherschau mit seinen 20 Nationalsprachen und fast einer Milliarde Menschen zur kulturellen Vielfalt in einem einheitlichen Staat ermutigen, sagte Steinmeier am Dienstag in Frankfurt laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript.

Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren sich von Mittwoch an mehr Anbieter als je zuvor. 7272 Aussteller aus 113 Länder zeigen fast 400 000 Titel. Rund 1000 Autoren werden erwartet. 2500 Veranstaltungen machen die Buchmesse nach den Worten ihres Direktors Juergen Boos zu «einem Kulturevent der Superlative».

Steinmeier wies darauf hin, dass der indische Präsident ein Moslem, der Regierungschef ein Sikh und die Vorsitzende der Kongresspartei, Sonia Gandhi, christlicher Herkunft ist. «Vielleicht sollten wir uns diese Dimensionen öfter in Erinnerung rufen, wenn wir an unseren nationalen oder europäischen Aufgaben zu verzagen drohen», sagte der Außenminister.

«Innen und außen sind in einer globalisierten Welt nicht zu trennen. Das Eigene ist ohne das Fremde nicht zu begreifen», sagte der Außenminister weiter. Das Buch sei das früheste und das weltweit am meisten verbreitete Medium einer Kultur des Dialogs. «Bücher waren und sind die geborenen Grenzgänger zwischen Kulturen und Künsten.»

Kultur lebe mehr als jede andere gesellschaftliche Sphäre vom freien Austausch und von der Diskussion. Das sollte gerade auch in Deutschland nicht vergessen werden, mahnte Steinmeier, «wo Kultur oft als Mittel der Ausgrenzung hat herhalten müssen». Steinmeier setzte sich für mehr Investitionen in auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ein: «Investitionen in die Kultur sind Investitionen in die Zukunft.»

Indien - nach 1986 zum zweiten Mal Gastland der Messe - ist nach den Worten Steinmeiers in Deutschland so präsent wie nie zuvor. «Indien weckt Neugier und findet Interesse bei den Deutschen - und das inzwischen nicht nur als eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt.» Auch die politischen Beziehungen würden immer enger. «Noch weitgehend ungehobene Schätze liegen im Bereich der wissenschaftlichen und kulturellen Kontakte.» Der Blick auf Indien wecke Verständnis «für eine ältere Kultur als unsere eigene, für eine Kultur und ein Land, das zugleich in vielen Bereichen weit moderner ist, als wir das oft wahrnehmen».

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03.10. «Land der Vielfalt»: Indien zum Anfassen auf Frankfurter Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Von Frankfurt aus sind es normalerweise acht Flugstunden bis Indien. In den kommenden Tagen geht es viel
schneller: Indien ist von Mittwoch bis zum Sonntag Gastland der Frankfurter Buchmesse - zum zweiten Mal seit 1986. Fast alles haben wirtschaftliche Öffnung, Software-Boom und Verwestlichung in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf den Kopf gestellt in Indien, aber eines ist gleich geblieben: «Wir sind ein Land der Vielfalt», sagt der südindische Autor U.R. Ananthamurthy. Und das zeigt sich auch im Forum, in dem sich die Buchmesse-Gastländer traditionell präsentieren.

Fast zwei Dutzend indische Sprachen sind über Kopfhörer zu erleben, ihre Schriftzeichen zu sehen. Fotos zeigen die bunte Obstpyramide, die auf jedem indischen Markt zu bewundern ist - und in der Mitte steht die digitale Waage. Reisfelder und startende Raketen, ayurvedische Ölmassage und Bildschirmarbeitsplätze in der Software- Schmiede - die Gegensätze sind heute in Indien überall spürbar und im Buchmessen-Forum sichtbar. Am besten vielleicht in den Nachbildungen steinerner Schriftsäulen, wie Kaiser Ashoka sie vor mehr als 2000 Jahren aufstellen ließ: Die uralten Brahmi-Schriftzeichen wurden gescannt und mit computergesteuerten Meißeln in die Steine graviert, die in Frankfurt aufgestellt wurden.

Aber nicht nur aus Indien stammende Schriften sind zu sehen, sondern auch persisch-arabische Buchstaben: So schreiben in Kaschmir die Menschen. Aber auch Urdu, die dem Hindi sehr ähnliche Sprache der indischen Moslems, wird so geschrieben. Hindus und Muslime, Buddhisten und Sikhs, Christen und Juden - in Indien leben sie alle zusammen, und das ganz überwiegend friedlich. So verschieden wie die Religionen und Sprachen sind die Literaturen. «Wenn wir uns nur der Unterschiede bewusst sind, fangen wir an zu kämpfen. Wenn wir nur die Einheit betonen, verlieren wir die Vielfalt», sagte Ananthamurthy bei der Präsentation des Forums.

Er hatte auch ein kleines aber vielsagendes Beispiel parat: Seine Muttersprache Kannada und das benachbarte Telugu - zwei südindische Sprachen - haben eine ähnliche Schrift. Es gab den Vorschlag, diese beiden Schriften zu vereinheitlichen, damit man auf dem Computer eine Variante weniger braucht. Aber dazu kam es nicht. «Das ist Indien. Wir wollen die Unterschiede bewahren», sagte Ananthamurthy.

Daran hat auch die Orientierung der Elite am Englischen nichts geändert. «Englisch ist auch eine indische Sprache», sagte Sudeep Banerjee vom Erziehungsministerium in Neu-Delhi, und die Lyrikerin Mamang Dai aus dem Nordosten des Landes fügte hinzu: «Es gibt bei uns Sprachen ohne Schrift.» Autoren aus solchen Minderheiten greifen dann gerne zum Englischen. Und treffen sich darin mit Autoren wie Salman Rushdie, Arundhati Roy, Vikram Seth oder Rohinton Mistry, die Indien auf Englisch beschreiben und damit auch im Westen viele Leser finden.

Viele indische Autoren sind auf Foto-Bannern im Buchmessen-Forum zu sehen, samt ihren biografischen Daten. Und ihre Bücher stehen in Vitrinen und Regalen. Bücher, Fotos, Steinsäulen, Schrifttafeln und ein paar akustische Eindrücke - das sind die Mittel, mit denen sich das Gastland im Forum präsentiert. Aber eine Treppe tiefer gibt es im Innenhof der Messe einen Basar, der aus Delhi eingeflogen wurde: Kunsthandwerker zeigen Produkte aus vielen Gegenden des Landes.

Und im Kongresszentrum der Messe geht es um das Indien am anderen Ende der Skala: Um mehr als acht Prozent Wachstum, die Software- Industrie und die Fortsetzung der Reformen. Dabei kommen auch die ungelösten Probleme zur Sprache: Immer noch leben mehr als 20 Prozent der Inder unter der Armutsgrenze, immer noch beendet jedes fünfte Kind keine Schule. Das könne sich nur ändern, wenn man Bildung und Ausbildung in den Mittelpunkt stelle, mahnte der indische Softwarepionier Narayana Murthy vom IT-Konzern Infosys.

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03.10. 8. Frankfurter Buchmesse wird eröffnet - Ausgebucht

Frankfurt/Main (dpa) - Mit mehr als 7000 Ausstellern aus 111 Ländern wird an diesem Dienstag die 58. Frankfurter Buchmesse eröffnet. Die weltgrößte Bücherschau ist nach eigenen Angaben mit 172 000 Quadratmetern verkaufter Ausstellungsfläche ausgebucht. Gastland ist in diesem Jahr Indien. Zum Abschluss wird am Sonntag in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an den Soziologen und Wissenschaftsmanager Wolf Lepenies verliehen.

Etwa 400 000 Bücher und Multimedia-Produkte werden auf der Messe präsentiert. Zu rund 2500 Veranstaltungen sind etwa 1000 Schriftsteller eingeladen. Nach den Fachbesuchern hat am Wochenende auch das allgemeine Lesepublikum Zutritt. Am Sonntag werden viele Verlage an den Ständen wieder Bücher verkaufen. Die Organisatoren rechnen mit insgesamt rund 280 000 Besuchern.

Indien wird seine Kultur mit rund 70 Autoren und rund 200 Verlagen in Frankfurt präsentieren. Zu den prominentesten gehören Vikram Seth («Zwei Leben»), Amitav Ghosh und Amit Chaudhuri. Erwartet wird auch der indische Schriftsteller und UN-Diplomat Shashi Tharoor, der als Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan im Gespräch ist. Tharoor wird seinen neuen Roman «Bollywood» vorstellen.

Zu den prominentesten deutschen Autoren auf der Messe gehören Nobelpreisträger Günter Grass, Martin Walser oder Frank Schätzing. Viele Prominente wie Eva Herman, Hape Kerkeling oder James Last werden ihre neuen Bücher präsentieren. Zu den ausländischen Bestseller-Autoren zählen die in Venedig lebende amerikanische Krimi- Schreiberin Donna Leon und Zadie Smith aus Großbritannien.

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03.10. Wirtschaftsmacht Indien bei Buchmesse: Optimismus und mahnende Worte

Frankfurt/Main (dpa) - Wirtschaftliche Zuversicht und Sorge um die junge Generation: Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien stand am Dienstag im Mittelpunkt der Konferenz «India on the Rise» (Aufsteiger Indien) zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse. Wenn es Wachstumsraten von acht Prozent und mehr wie in den vergangenen Jahren auch künftig geben solle, müsse man die Menschen aus der Landwirtschaft holen und ihnen Jobs in den Städten anbieten, sagte der Software-Pionier Narayana Murthy vom IT-Konzern Infosys. «Und wenn man das tun will, muss man sich auf die Ausbildung konzentrieren.»

Auch der Unternehmensberater Arun Maira aus Bombay beklagte, dass mehr als ein Fünftel der indischen Kinder über fünf Jahre nicht zur Schule gehen und ein noch größerer Anteil mangelernährt sei. Indien öffnete seine Wirtschaft vor 15 Jahren, ließ Konkurrenz durch Importe aus dem Ausland und ausländische Investitionen zu. Die Reformen werden angesichts der Wachstumsraten und des steigenden Wohlstands für die Mittelschicht allgemein als Erfolg gewertet. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Entwicklung am ärmsten Fünftel der Bevölkerung vorbeigegangen sei. Nach Expertenansicht sind Lesen und Schreiben Grundvoraussetzung, um am Aufschwung teilhaben zu können.

Die Privatwirtschaft habe sich als sehr dynamisch erwiesen, sagte Maira. Die indische Regierung sei nun verantwortlich dafür, auch in den Bereichen Bildung, Wasserversorgung oder Abwasserbeseitigung die Reformen voranzutreiben. Auch die Planungsexpertin Isher Judge Ahluwalia betonte beim Indien-Kongress der Buchmesse, nur bessere weiterführende Schulen könnten dafür sorgen, dass die wachsende Wirtschaft genug qualifizierte Arbeitskräfte finde.

Insgesamt bezeichnete Ahluwalia die wirtschaftliche Liberalisierung als Erfolgsgeschichte. «Die Reformen sind in das Bewusstsein eingesunken. Egal welche Regierung an der Macht war - sie hat die Sprache der Reform gesprochen.» Edward Luce von der «Financial Times» wies darauf hin, dass Indien die Veränderungen demokratisch und friedlich bewerkstelligt habe.

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03.10. Buchwissenschaftler: Romane eignen sich nicht zum Online-Lesen

Frankfurt/Main (dpa) - Das Lesen von Romanen im Internet wird sich nach Einschätzung des Buchwissenschaftlers Stephan Füssel nicht durchsetzen. «Für die Belletristik stellt das Internet auch auf längere Sicht keine Gefährdung dar», sagte der Professor an der Universität Mainz und Leiter des dortigen Instituts für Buchwissenschaft in einem dpa-Gespräch. Die Erfahrung zeige, dass für den Leser zum entspannenden wie auch zum konzentrierten Lesen das Buch weiterhin viel vergnüglicher und praktikabler sei.

Beim Sachbuch sei inzwischen sogar eine gegenläufige Tendenz
festzustellen: Nach der Euphorie der 90er Jahre kehrten die Verlage bei Kochbüchern und Reiseführern von der CD-ROM wieder zum Buch zurück. «Eine Landkarte zum Einstecken hat sich längst ebenso wieder durchgesetzt wie das mit Notizen zu versehende Kochbuch neben der Arbeitsplatte in der Küche.»

Dagegen halte die Online-Revolution bei wissenschaftlichen Büchern und Fachbüchern an. «In den Naturwissenschaften und in der Medizin werden jetzt schon bis zu 90 Prozent online publiziert», berichtet Füssel.

Anders als beim Hörbuch ist nach Füssels Einschätzung auch der Markt für Podcasts in der Belletristik begrenzt. «Der Hörbuch-Kunde ist nicht unbedingt der iPod-Kunde. Da gibt es zum einen immer noch einen deutlichen Generationenunterschied in der Mediennutzung, zum anderen stehen die Download-Zeiten bei 3- bis 10-stündigen Lesungen immer noch in keinem vernünftigen Verhältnis», sagte der Wissenschaftler. Mit Podcasts - eine Zusammensetzung aus dem englischen Begriff «broadcast» (Rundfunk) und dem mp3-Player iPod - können Nutzer Audiodateien aus dem Internet herunterladen.

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01.10. Von Grass bis «Bollywood»: Frankfurter Buchmesse ausgebucht

Frankfurt/Main (dpa) - Günter Grass hat die Buchbranche rechtzeitig zu ihrem alljährlichen Gipfeltreffen wieder ins Gespräch gebracht. Auf der Frankfurter Buchmesse (4. bis 8. Oktober) wird sich der Literatur-Nobelpreisträger mit seiner viel diskutierten Jugend- Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» den Lesern stellen. Grass ist aber nur einer von 1000 Autoren auf der weltgrößten Bücherschau. Zu etwa 2500 Veranstaltungen werden zum Beispiel auch Donna Leon, Martin Walser, Frank Schätzing oder die junge britische Starautorin Zadie Smith erwartet. «Promis» wie Eva Herman, Karl Dall, James Last oder Hape Kerkeling werden ihre neuen Bücher vorstellen.

Doch die 58. Frankfurter Buchmesse mit dem Gastland Indien ist nicht nur Literaturfest: Mehr als 7000 Aussteller aus 111 Ländern zeigen den Fachbesuchern fast 400 000 Bücher und verwandte Produkte.
Damit will die Messe ihren Rekord aus dem Vorjahr übertreffen. Für die Buchmesse, die von einer Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels organisiert wird, ist aber noch wichtiger: Es wurden fast vier Prozent mehr Fläche vermietet. Die 13 Hallen-Ebenen sind auf 172 000 Quadratmetern ausgebucht.

Die Messe scheint ungebrochen attraktiv, obwohl der Buchmarkt in den großen Industriestaaten stagniert und sich die Konzentration der Verlage fortsetzt. Ein Grund für die anhaltende Anziehungskraft ist der forcierte Umbau der Buchmesse zur Medienmesse. Unter den rund 100 000 Neuerscheinungen sind immer mehr Hörbücher, Drehbücher oder auf Büchern basierende DVDs und mp3-Formate. «Beim Thema Buch geht es heute um Inhalte insgesamt», umschreibt Juergen Boos, seit April vergangenen Jahres für die Buchmesse verantwortlich, die neue Zielrichtung.

Zugleich versucht die Buchmesse, Frankfurt für den Fernen Osten als zentrale Plattform zu präsentieren. China, der Lizenz-Markt der Zukunft und designiertes Buchmessen-Gastland im Jahr 2009, hat seine Fläche in Frankfurt fast verdoppelt. Zweistellige Zuwächse gibt es auch bei Taiwan, Thailand und Japan. Mit Indien - nach 1986 zum zweiten Mal Gastland - scheint die Messe voll im Trend zu liegen. Das Riesenland erlebt derzeit weltweit wirtschaftlich und auch kulturell einen Boom.

In Frankfurt will sich Indien mit rund 40 Autoren - darunter international bekannte wie Vikram Seth oder Amit Chaudhuri - als aufstrebende Industriemacht mit einer ungeheuren literarischen Vielfalt darstellen. Zusätzlich soll das Thema «Bollywood» - die inzwischen auch international erfolgreiche Filmindustrie aus Bombay - der Messe Glanz verleihen. Der indische Schriftsteller und Diplomat Shashi Tharoor, der als Nachfolger von UN-Generalsekretär Kofi Annan im Gespräch ist, wird seine gerade auf Deutsch erschienene Roman- Satire «Bollywood» vorstellen.

Nüchterner geht es beim Thema «Elektronisches Publizieren» zu.
Dahinter verbirgt sich eine der größten Umwälzungen in der Branche:
Wissenschaftsverlage steigen verstärkt aufs Internet um. «Das Buch wird in diesem Segment zunehmend überflüssig», sagt Experte Stephan Füssel, Leiter des Instituts für Buchwissenschaft an der Universität Mainz. Große Wissenschaftsverlage stellten jetzt schon zwei Drittel ihrer Publikationen ins Internet.

Die Buchmesse will sich dieser Herausforderung stellen. Mit speziellen Angeboten sollen abgewanderte Wissenschaftsverlage zurückgeholt werden. Auf einem «Digital Market Place» können sie mit Software-Häusern ihre Multimedia-Produkte vorstellen. Auch Indien, das inzwischen weltweit zu den Softwaregiganten zählt, ist dabei vertreten.

Ein wichtiges Thema wird auf der Messe auch wieder die Debatte um Google sein. Der amerikanische Suchmaschinenbetreiber will gegen den Widerstand von Verlagen künftig eine Online-Volltextsuche ermöglichen. Ganze Buchseiten sollen dabei für den Aufbau einer weltweiten Bibliothek ins Netz gestellt werden.

Auch politisch will die Buchmesse wieder stärker öffentlich wahrgenommen werden: Mit dem neuen Schwerpunkt «Zukunft Bildung» will sich die Messe erstmals im weltweiten Kampf gegen den Analphebetismus engagieren. Weltweit gibt es derzeit über 700 Millionen Menschen, die nicht lesen können. Der Einsatz ist nicht uneigennützig und geht weiter über die Dritte Welt hinaus: Auch in Deutschland können vier Millionen Bürger nicht lesen. Viele andere sind nur noch in der Lage, kurze Texte zu lesen. Für ein Buch reicht es da oft nicht mehr.

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01.10. 58. Frankfurter Buchmesse: Zahlen, Daten, Fakten

Frankfurt/Main (dpa) - Die 58. Frankfurter Buchmesse in Zahlen:

- Dauer: 4. bis 8. Oktober

- Eröffnung: 3. Oktober, 17.00 Uhr

- Gastland: Indien, Motto: «Today's India»

- Aussteller: über 7000 aus 111 Ländern, rund 3200 aus Deutschland

- Vermietete Fläche: ca. 172 000 Quadratmeter

- Zu sehen: rund 380 000 Bücher, Hörbücher, CD-ROMS, Comics etc.

- Erwartete Besucher: rund 180 000 Fachbesucher, rund 100 000
private Besucher

- Veranstaltungen und Lesungen: rund 2500

- Publikumstage: Samstag (7. Oktober) 9.00 bis 18.30 Uhr, Sonntag
(8. Oktober) 9.00 bis 17.30 Uhr

- Eintrittspreise: Tageskarte für Privatbesucher: 9,50 Euro
Schüler: 5,00 Euro (Tageskasse), Gruppentarif (ab 20 Personen):
8,50 Euro

- Internetadresse: www.buchmesse.de

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01.10. Von Bombay bis Berlin: Bücher aus Indien bieten reiche Vielfalt

Frankfurt/Main (dpa) - Von Bombay bis Berlin, vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts bis in die Jetztzeit, von Poesie bis Glamour: Die Neuerscheinungen aus dem Buchmesse-Gastland Indien bieten eine große Vielfalt. Sie reicht von einer Sammlung neu übersetzter Gedichte und Dramen des Literatur-Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore («Das goldene Boot») über das Bilderbuch «Eins, zwei, drei!» unter anderem von Durga Bai, die zu einem Ureinwohnervolk gehört, bis zum Schwindel erregend schnellen Debütroman «Kein Gott in Sicht», in dem Altaf Tyrewala den Wandel und den Rhythmus der Megastadt Bombay spürbar werden lässt.

Zu den neuen Werken zählt auch eine deutsch-indische Geschichte.
Vikram Seth («Eine gute Partie», «Verwandte Stimmen») legt zwar diesmal keinen Roman vor, aber seine Doppelbiografie «Zwei Leben» schreibt er wie einen Roman, spannend, unter die Haut gehend, über große Strecken bedrückend, aber auch heiter: Es die wahre Geschichte seines Großonkels Shanti Seth, der 1931 aus seinem Dorf in Indien nach Berlin geht, um dort Zahnmedizin zu studieren. Er erlebt, wie die Nazis an die Macht kommen, und verliebt sich in die Jüdin Henny Caro. Im Zweiten Weltkrieg kämpft Shanti auf Seiten der Briten gegen die Deutschen, während Henny in letzter Minute nach England fliehen kann und ihre Familie während des Völkermordes an den Juden verliert.

Bombay ist nicht nur durch Tyrewalas Roman bei den neuen Büchern vertreten. Die Börse der Hafenstadt brummt, hier fließen die Geldströme zusammen, die Indiens Wirtschaftsboom steuern, hier entstehen die mittlerweile auch in Deutschland bekannten Bollywood- Filme. Bombay heißt in Indien Mumbai - die Umbenennung soll die Abkehr von der britischen Kolonialzeit und die Rückbesinnung auf die indischen Wurzeln anzeigen - während zugleich die Verwestlichung der Elite so schnell voranschreitet wie kaum irgendwo sonst in Indien.

So schillernd wie die Stadt ist das Angebot an Büchern über sie.
Großes Aufsehen hat Suketu Mehta mit seinen Reportagen über die Stadt der Superlative («Bombay - Maximum City») erregt. Aus New York kehrt er nach 21 Jahren zurück und beschreibt die Veränderungen, lässt Straßenkinder, Polizisten und Filmstars zu Wort kommen. Ex-Model und Bestsellerautorin Shobhaa De führt in ihrem Roman «Glitzernacht» hinter die Kulissen von Bollywood. Und Vikram Chandra bedient mit dem Aufbäumen seines Kriminalkommissars Sartaj Singh gegen die Midlife Crisis das Krimi-Genre («Der Gott von Bombay»).

Bis auf Tagore wurden all diese Autoren aus dem Englischen übersetzt. Aber es gibt auch Bücher, die zunächst in einer der indischen Sprachen erschienen. Dazu zählt Alka Saraogis Roman «Umweg nach Kalkutta» über den Patriarchen Kishore Babu, der nach einem Unfall durch Kalkutta und durch seine eigene Vergangenheit irrt und damit seine reiche Familie verunsichert. Und Nirmal Verma schildert in «Ausnahmezustand» die Starre, in die Delhi verfiel, als Indira Gandhi in den 70er Jahren einen Ausnahmezustand verhängte.

Wer möglichst viele Autoren in kürzeren Texten kennen lernen möchte, findet in den beiden von Claudia Wenner («Die Geister Indiens») und Cornelia Zetzsche («Zwischen den Welten») zusammengestellten Erzählungen, Gedichten und Geschichten eine große Auswahl.

Die bibliographischen Angaben:

Vikram Chandra: Der Gott von Bombay
                Aufbau Verlag, Berlin
                850 S., Euro 24,90
                ISBN 3-351-03091-6

Shobhaa De: Glitzernacht
            dtv Premium, München
            260 S., Euro 12,00
            ISBN 3-423-24567-0

Suketu Mehta: Bombay, Maximum City
              Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main.
              744 S., Euro 26,80
              ISBN 3-518-41842-4

Anushka Ravishankar/Sirish Rao/Durga Bai: Eins, zwei drei!
                                          Hanser, München
                                          48 S., Euro 12,90
                                          ISBN 3-446-20636-1

Alka Saraogi: Umweg nach Kalkutta
              Insel Verlag, Frankfurt/Main
              360 S., Euro 22,80
              ISBN 3-458-17313-7

Vikram Seth: Zwei Leben
             S. Fischer, Frankfurt/Main
             533 S., Euro 22,90
             ISBN 3-100-72521-2

Rabindranath Tagore: Das goldene Boot
                     Artemis & Winkler, Düsseldorf.
                     669 S., Euro 24,90
                     ISBN 3-538-06988-3

Altaf Tyrewala: Kein Gott in Sicht
                Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main.
                180 S., Euro 19,80
                ISBN 3-518-41846-7

Nirmal Verma: Ausnahmezustand
              Draupadi Verlag, Heidelberg
              154 S., Euro 14,80
              ISBN 3-937-60306-9

Claudia Wenner (Hg.): Die Geister Indiens
                      Fischer Taschenbuch, Frankfurt/Main
                      320 S., Euro 9,95
                      ISBN 3-596-17224-1

Cornelia Zetzsche (Hg.): Zwischen den Welten
                         Insel Verlag, Frankfurt/Main
                         608 S., Euro 24,80
                         ISBN 3-458-17314-5

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01.10. Von Rushdie bis Roy: Mancher indische Literaturstar lebt im Ausland

Frankfurt/Main (dpa) - Ob Rushdie oder Roy, Mistry oder Seth - indische Autoren haben sich in der internationalen Literaturszene längst einen Namen gemacht. Aber viele von ihnen leben längst nicht mehr in Indien. Salman Rushdie (59), der in «Mitternachtskinder» Indiens Unabhängigkeit von den Briten zum Dreh- und Angelpunkt einer großen Geschichte machte und damit Weltruhm erlangte, wohnt schon seit Jahrzehnten in Großbritannien und den USA. Rohinton Mistry (56), der in «Gleichgewicht der Welt» den Blick auf Indiens Elend und Ungleichheit lenkte, ist Kanadier. Und Vikram Seth (56), der mit «Zwei Leben» gerade eine indisch-deutsche Doppel-Biografie vorgelegt hat, studierte in den USA und verbringt viel Zeit in England.

Auch einige Autoren, deren Werke auf der Frankfurter Buchmesse dem deutschen Publikum präsentiert werden, kennen Indien nicht nur von innen, sondern auch von außen: Suketu Mehta (43) lebt in New York und reiste in seine frühere Heimat Bombay, um hinter die glitzernden Kulissen der Finanzmetropole zu schauen. Shashi Tharoor (53), der als Diplomat seit fast 30 Jahren in der Schweiz, Singapur und den USA arbeitet, sagt von sich: «In diesen Berufen nehmen wir unsere Identität und unseren nationalen Hintergrund mit. Deshalb bin ich ein indischer Autor, der zufällig in New York lebt.»

Dieser Perspektivwechsel, die Chance, über das eigene Heimatland zu staunen, trägt möglicherweise zum Erfolg dieser Autoren bei. Sie kennen die Fragen im Westen und können sie beantworten. K.D. Singh, ein Buchhändler in Delhi, der sich mit dem jungen Bildungsbürgertum auskennt, ist aber sicher: «Indiens mündliche Überlieferung und ihre eigenen Erfahrungen fließen zu etwas Neuem zusammen. Sie stehen nicht einfach unter dem Einfluss westlicher Literatur. Wer indische Bücher liest, wird sie als typisch indisch erleben.»

Es gibt aber auch weltbekannte Namen indischer Autoren, die in ihrer Heimat blieben, allen voran Rabindranath Tagore (1861-1941). Er hat seine Wurzeln in der bengalischen Poesie. In Bengalen, ganz gleich ob auf der indischen Seite oder der von Bangladesch, gibt es kaum jemanden, der keine Texte verfasst. Selbst wer nicht lesen und schreiben kann, rezitiert Gedichte und singt Lieder, auch die von Tagore. Seine Sprache und Spiritualität beeindruckten den Westen so sehr, dass Tagore 1913 den Literaturnobelpreis bekam.

Über Nacht bekannt wurde im Westen auch Arundhati Roy (45) mit ihrem Roman «Der Gott der kleinen Dinge», in dem sie vor knapp zehn Jahren die Geschichte einer verbotenen Liebe in zugleich packender und poetischer Sprache erzählte. Seitdem engagiert sie sich für Umweltschutz und Menschenrechte und schreibt politische Essays.

Auch Chetan Bhagat (32) und Baby Halder (32) beschreiben Indien gleichsam von innen - wenn auch denkbar verschieden. In ihrer Heimat sind sie schon Bestseller-Autoren, auf Deutsch liegen ihre Bücher noch gar nicht vor. Bhagat beschreibt in «One Night @ The Call Center» das Leben junger Leute, die am Tag in Indien leben und nachts eine westliche Identität und einen englischen oder US-amerikanischen Akzent annehmen, um in Callcentern Anrufe aus Übersee zu beantworten.

Die literarische Sensation der vergangenen Monate in Indien ist aber Halders Autobiografie «A Life Less Ordinary» (Ein weniger gewöhnliches Leben). Halder wurde als Kind verheiratet, verließ ihren Mann, fand in der Nähe von Delhi eine Stelle als Haushaltshilfe - und wurde von ihrem Arbeitgeber zum Lesen und Schreiben ermutigt: «Womit soll ich anfangen? Damit, wie ich sieben Jahre alt war, als unsere Mutter uns plötzlich verließ (...)? Oder soll ich von meinem Mann erzählen, mit dem ich verheiratet wurde, als ich zwölf war?» Das schrieb Halder zunächst auf Bengali, wurde in andere indische Sprachen übersetzt und nun auch auf Englisch.

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01.10. Bollywood, Börse, Bücher: Indien ist in - nicht nur bei der Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Indien ist in - kräftige Wachstumsdaten im Wirtschaftsteil der Zeitung, Bollywood-Filme auf RTL II, bauchfreie Tops und Bindis in der Boutique. Und jetzt präsentiert sich auch noch die indische Literatur auf der Frankfurter Buchmesse. Genau 20 Jahre ist es her, seit das Land Buddhas und Gandhis, Tagores und Rushdies zuletzt Buchmesse-Gast war. Und nichts ist mehr wie damals, weder in Indien noch in Deutschland. 1986 ahnte noch kein Deutscher etwas von Mauerfall und Wiedervereinigung, und kein Inder konnte die Liberalisierung der Wirtschaft oder den Softwareboom vorhersehen.

Die Ursache für den Wandel war in beiden Ländern die gleiche: der Zerfall der Sowjetunion. Indien war seit seiner Unabhängigkeit von den Briten blockfrei geblieben, hatte seine Märkte aber abgeschottet.
Damit ist seit 15 Jahren Schluss. Westliche Autos, westliche Musik, westlich beeinflusste TV-Serien und Nachrichtenkanäle: «Niemand kann dem entkommen», meint die Romanautorin Anita Nair («Kathakali»).

Experten weisen zwar darauf hin, dass Schriftsteller, die bei uns bekannt sind, nur einen winzigen Teil der indischen Bevölkerung erreichen. Ein Drittel der erwachsenen Inder sind Analphabeten, und der Anteil derer, die englischsprachige Bücher lesen können, macht nur wenige Prozent aus. Anita Nair weist aber darauf hin, dass die Verwestlichung schon viel tiefer eingedrungen ist: «Überall gibt es
Kabel- und Satellitenfernsehen, egal wie abgelegen die Dörfer sind.»

Indien, das war für viele deutsche Leser einmal die Heimat Siddharthas, dessen Leben einst Hermann Hesse mit so viel Wissen über indische Philosophie und Religion beschrieb. Es war das Land Rabindranath Tagores, der für seine faszinierend fremde Dichtkunst
1913 den Literaturnobelpreis erhielt. Es war auch das Geburtsland von Salman Rushdie, der 1981 mit «Mitternachtskinder» für Furore sorgte und die vielfach verzweigte, ins Fantastische gehende, zugleich anrührende und humorvolle indische Erzählkunst bekannt machte.

Aber am grundsätzlichen Image Indiens änderte sich lange Zeit wenig. Exotische Baudenkmäler, farbenfrohe Saris, unfassbare Armut, das schwer verständliche Kastensystem prägten die Wahrnehmung. Das wurde in Deutschland spätestens vor sechs Jahren mit der Greencard anders, die auch indische Computerspezialisten anlocken sollte.
Mittlerweile gilt Indien als kommende Wirtschaftsmacht neben China, als Atommacht mit dem Segen der USA, als gern gesehenes Gastland beim Weltwirtschaftsforum in Davos oder bei der Hannover Messe. Es hat seine Märkte und seine Medien geöffnet. Die Börse in Bombay boomt.

All das spiegelt sich auch in der aktuellen Literatur. Nicht nur im Ausland lebende indische Autoren wie Rushdie, Rohinton Mistry oder Shashi Tharoor kommen in die Bestsellerlisten. «Auch Autoren, die in Indien leben, schauen sich solche Themen an, in fiktionalen wie nicht-fiktionalen Texten», sagt die Verlegerin Urvashi Butalia.

Anita Nair beschreibt die Affäre eines Europäers mit einer Inderin. Chetan Bhagat taucht in die Welt der Callcenter ein, Altaf Tyrewala in das Tempo der Megastadt Bombay. Und Arundhati Roy, die vor einem Jahrzehnt mit dem «Gott der kleinen Dinge» auf einen Schlag weltbekannt wurde, setzt sich in Essays und Interviews kritisch mit dem Wandel auseinander. Die Zahl der Armen wachse, warnt sie, und von der überlieferten Kultur bleibe am Ende nur die Stewardess, die die Hände vor der Brust zum indischen Gruß zusammenlege.

Trotz des Erfolges einiger Stars entstehen die meisten Bücher in Indien auch heute noch nach Feierabend: «Die Zahl derer, die hauptberuflich schreiben, muss sehr, sehr gering sein», sagt Upamanyu Chatterjee, der gerade seinen vierten Roman vorgelegt hat - und seinen Lebensunterhalt in der Sozialbehörde in Bombay verdient.

Besucher der Buchmesse werden viel Gelegenheit haben, über all diese Aspekte der indischen Literatur ins Gespräch zu kommen. 200 indische Verlage sind vertreten, 40 Autoren schickt Indiens «National Book Trust» NBT, mindestens noch einmal so viele kommen auf Einladung ihrer Verlage oder auf eigene Faust. Und die Buchmesse war Anlass, viele Übersetzungen direkt aus indischen Regionalsprachen zu fördern.

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01.10. Gigant Indien: 1,1 Milliarden Menschen, 24 Sprachen, 80 000 Bücher

Frankfurt/Main (dpa) - Indien, der Gast der Frankfurter Buchmesse, ist ein Land extremer Gegensätze. Einerseits präsentiert es sich als literarische Schatzkammer mit Autoren von Weltrang und als Markt mit 16 000 Verlagen sowie 80 000 Neuerscheinungen und mehr als einer Milliarde Euro Branchenumsatz pro Jahr. Andererseits ist Indien ein Kandidat für den Buchmessen-Schwerpunkt «Zukunft Bildung», denn ein Drittel der Menschen über 15 Jahre kann nicht lesen und schreiben.

Ähnlich krass sind die Kontraste in Wirtschaft und Gesellschaft. Seit Jahren wächst das indische Bruttoinlandsprodukt um jährlich acht Prozent - aber nach wie vor lebt fast ein Drittel der 1,1 Milliarden Menschen unter der Armutsgrenze. Hindus und Moslems, Christen und Juden, Jainas und Buddhisten, Sikhs und Parsen machen Indien zu einem Musterbeispiel religiöser Vielfalt - aber hin und wieder kommt es zu schockierenden Anschlägen und Ausschreitungen mit vielen Toten.

23 indische Sprachen sowie Englisch sind Amtssprachen in Indien, hinzu kommen zahlreiche weitere regionale Sprachen und Dialekte. Die indoarischen Sprachen im Norden sind so verschieden voneinander wie die europäischen Sprachen - und haben zum Teil sehr unterschiedliche Schriften. Die drawidischen Sprachen im Süden gehören sogar zu einer ganz anderen Sprachfamilie.

Die Sprachgrenzen, aber auch soziale und kulturelle Unterschiede sowie das Analphabetentum bewirken, dass im Westen bekannte indische Autoren in ihrer Heimat zum Teil nur von einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung gelesen werden. Zugleich hat Indien eine große Tradition mündlicher Erzählkunst. Auch, wer nicht lesen kann, kennt die Volksepen Mahabharata und Ramayana, die von Kathakali-Tänzern im Süden oder Ramlila-Theatergruppen im Norden in jedes Dorf gebracht werden - und seit fast 20 Jahren auch als TV-Serien zu sehen sind.

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