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News-Sonderthema: 

Fjodor Dostojewski - 125. Todestag am 09. Februar

Ein Porträt des russischen Schriftstellers, sein Lebenswerk und Hintergründe
 

 
Unsere Beiträge:

Porträt des Schriftstellers
Dostojewski-Verleger Ammann
Wichtige Werke
Wichtige Lebensdaten
Dostojewski und die Deutschen
Dostojewskis «Spieler»: Wiesbaden oder Bad Homburg?
 

 

«Es gibt kein Russland ohne Dostojewski» - 125. Todestag

Moskau/St. Petersburg (dpa) - Auf Fjodor Dostojewskis Schreibtisch in St. Petersburg steht auch 125 Jahre nach seinem Tod immer ein frisches Glas Tee. «Unsere Museumswärterinnen sorgen dafür», sagt Natalja Aschimbajewa, die Direktorin des Museums in Dostojewskis letzter Wohnung. «Es erinnert daran, dass Fjodor Michailowitsch gern nachts gearbeitet und sich mit Tee gestärkt hat.»

Die Sechszimmerwohnung in einem lebendigen Handelsviertel von Russlands nördlicher Metropole strahlt bürgerliche Behaglichkeit aus.
Hier ist der russische Schriftsteller nach Gefangenschaft, Krankheit, Spielsucht und Armut gegen Ende seines Lebens zur Ruhe gekommen. An diesem Schreibtisch entstand sein letzter Roman «Die Brüder Karamasow». Hier an seinem Arbeitsplatz ist Dostojewski vor 125 Jahren am 9. Februar 1881 gestorben.

Mehr noch als Lew Tolstoi (1828-1910) hat Dostojewski in der Welt das Bild der russischen Literatur geprägt. Seine Romane erforschten tiefschürfend alle Regungen der menschlichen Seele bis in Extremsituationen. Er beeinflusste so unterschiedliche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts wie Hermann Hesse, Albert Camus, Ernest Hemingway oder Gabriel Garcia Marquez.

Dostojewski war ein tief gläubiger, konservativer Philosoph, ein Chronist des gesellschaftlichen Verfalls, ein Schriftsteller für unruhige Zeiten. «Man darf alles von der Weltgeschichte sagen, alles, was der perversesten Fantasie in den Sinn kommen mag, nur eines
nicht: dass sie vernünftig sei», schrieb Dostojewski.

Vor 185 Jahren wurde Dostojewski am 11. November 1821 als Sohn eines Arztes aus verarmter Adelsfamilie in Moskau geboren. Bereits als 24-Jähriger errang er mit seinem Erstlingswerk «Arme Leute» Anerkennung als Schriftsteller. Vier Jahre später wurde er wegen seiner Kontakte zu linksgerichteten Zarengegnern zum Tode verurteilt.
Er musste eine Scheinhinrichtung über sich ergehen lassen, der Schock ließ die schlummernde Epilepsie ausbrechen. Das Urteil wurde in zehn Jahre Haft unter Schwerverbrechern in Sibirien abgewandelt.

Auch nach der Rückkehr nach St. Petersburg blieb Dostojewskis Leben ein ständiger Kampf gegen seine Krankheit, gegen die Spielsucht, gegen drückende Schulden. Die Not zwang ihn zu langen Reisen ins Ausland. In Deutschland machte er in Berlin, Dresden, Wiesbaden und Baden-Baden Station. Erst in den letzten Lebensjahren erlaubten seine Bücher ihm ein auskömmliches Leben. Als Höhepunkt seiner öffentlichen Anerkennung hielt er ein Jahr vor seinem Tod 1880 die Rede zur Einweihung des Puschkin-Denkmals in Moskau.

   Dostojwskis Romanfiguren leben bis heute: der Student Raskolnikow aus «Schuld und Sühne» mit einem Mord auf seinem Gewissen, der hilflos naive «Idiot» Fürst Myschkin, der herzensgute Klosternovize Aljoscha als jüngster der Karamasow-Brüder. «Dostojewski konnte Seelenzustände in Krisensituationen beschreiben», sagt die Museumsdirektorin Aschimbajewa. Sein Roman «Die Dämonen» über die Anfänge der terroristischen Bewegung in Russland sei höchst aktuell.
«Er schreibt über die inneren Mechanismen in solchen Menschen.»

Die drückenden Lebensumstände Dostojewskis und die Erregung, in der die meisten seiner Figuren handeln, könnten nahelegen, dass auch seine Bücher ähnlich fieberhaft geschrieben wurden. Doch Dostojewski plante seine Romane sehr genau. Er ließ seine Figuren, jede einzelne Trägerin einer bestimmten Geisteshaltung, in einen Dialog miteinander treten, in dem der Autor wenig mehr als ein Moderator war. «Polyphon» wie in der Musik nennen Literaturwissenschaftler diese Struktur, in der die Figuren «die Widersprüchlichkeit in sich selbst als auch die widersprüchliche Wirkung nach außen» bloßlegen (Wolfgang Kasack).

In der atheistischen Sowjetunion war der religiöse Anti- Revolutionär Dostojewski über Jahrzehnte verpönt. Erst 1972 erschien eine Gesamtausgabe. Für Schüler im heutigen Russland gehört «Schuld und Sühne» zum Unterrichtsstoff. «Dostojewski - das ist Russland. Es gibt kein Russland ohne Dostojewski», schrieb der russische Autor Alexej Remisow 1927 im Pariser Exil. Als Dostojewski 1881 starb, gaben ihm 60 000 Menschen das Geleit. Sein Grab liegt auf dem Friedhof des Alexander-Newski-Klosters in St. Petersburg.

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Dostojewski-Verleger Ammann: «Es geht um die menschlichen Dramen»

Zürich/Hamburg (dpa) - 125 Jahre nach seinem Tod haben Dostojewskis Werke nach Ansicht des Verlegers Egon Ammann nichts an Aktualität verloren. «Es geht um die menschlichen Dramen, die Themen, die immer gelten», sagte Ammann im Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur (dpa). «Menschliches Versagen, das Bestehen gegen das Böse, die Armen, die Elenden und die Reichen.» Jede Generation stoße aufs Neue auf Dostojewski. «Das ist wie Shakespeares Hamlet - das bleibt immer aktuell.» Im Ammann-Verlag sind in den vergangenen Jahren von Kritikern hoch gelobte Neuübersetzungen Dostojewskis erschienen.

Seine Leidenschaft für den russischen Autor habe in seinem 18.
Lebensjahr begonnen, als er «Schuld und Sühne» gelesen habe, sagte Amman. «Das war damals wie Zuckerwasser, das habe ich nur so weggeschleckt.» Die alten deutschen Fassungen hätten dem Werk aber viel von seiner Wirkung genommen. «Da wurde viel weggelassen von dem, was an Brutalität und Härte in Dostojewski ist.» Die Übersetzer hätten sprachlich zu sehr geglättet. «Wir Deutschen sind ja immer so moralisch.» Im Ergebnis hätten die Romane wie «platte Musik» geklungen. «Was wir jetzt lesen ist eine ganze Symphonie.»

Die mehrfach ausgezeichnete Karlsruher Übersetzerin Swetlana Geier übertrug für den Verlag in den vergangenen 20 Jahren fünf Dostojewski-Romane neu ins Deutsche, darunter auch «Schuld und Sühne», dem sie den neuen Titel «Verbrechen und Strafe» gab.

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Wichtige Werke von Fjodor Dostojewski

Hamburg (dpa) - Diese Romane zählen zu Fjodor Dostojweskis wichtigsten Werken:

- «Arme Leute» (1846): Sein Erstlingswerk über eine unglückliche Liebe in einem Petersburger Armenviertel machte Dostojweski mit einem Schlag berühmt.

- «Schuld und Sühne» (1866): Der mittellose Petersburger Student Raskolnikow hält sich für auserwählt und begeht deshalb einen Mord.
Sein Gewissen zwingt Raskolnikow jedoch, seine Weltsicht radikal zu ändern. (Deutsche Titel auch: «Raskolnikow», «Verbrechen und Strafe»)

- «Der Spieler» (1868): In dem erfundenen Kurort Roulettenburg muss ein verschuldeter General zusehen, wie seine Großmutter das erhoffte Erbe verspielt. Wiesbaden und Bad Homburg werben damit, der eigentliche Schauplatz des Kurzromans mit seinen detaillierten Beschreibungen der Spielsucht zu sein.

- «Der Idiot» (1868): Der gutmütige und tugendhafte, aber naive Fürst Myschkin scheitert am Intrigenspiel der Petersburger Gesellschaft. Kritiker vergleichen Myschkin mit tragisch-komischen Helden wie Cervantes' Don Quijote und Dickens' Mr. Pickwick.

- «Die Dämonen» (1872): Das Leben in einer russischen Provinzstadt gerät aus den Fugen, als ein machtgieriger Revolutionär einen Studenten ermordet. Dabei prallen die christlich-orthodoxe Vorstellungswelt der Alten und die westlich-orienierte der jungen, so genannten Dämonen aufeinander.

- «Der Jüngling» (1875): Der junge Arkadi sucht in Petersburg seinen unbekannten Vater und taucht dabei in einen neuen Kosmos von Salons, Elendsvierteln und revolutionären Zirkeln ein.

- «Die Brüder Karamasow» (1879/80): Drei Brüder - ein Soldat, ein Intellektueller und ein Mönch - streiten mit ihrem habgierigen und lüsternen alten Vater. Der Mord am Vater und ein Justizirrtum leiten einen packenden Krimi ein, der zugleich ein umfassendes Sozial- und Sittengemälde zeichnet. Gefeiert wurde 2003 die neue Übersetzung des nicht vollendeten Romans durch Swetlana Geier. Sie übertrug auch «Verbrechen und Strafe» und «Der Idiot» neu ins Deutsche, «Der Jüngling» folgt im Herbst unter dem Titel «Der grüne Junge».

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Die wichtigsten Daten im Leben des Fjodor Dostojewski

Hamburg (dpa) - Wichtige Stationen seines Lebens:

1821: Fjodor Michailowitsch Dostojewski wird am 11. November in Moskau als Sohn eines Arztes aus verarmter Adelsfamilie geboren.

1838: Der 17-Jährige wird nach St. Petersburg auf eine Militärakademie für Bauingenieure geschickt.

1843: Er bricht sein Studium ab, um als freier Schriftsteller zu leben.

1846: Das Erstlingswerk «Arme Leute» macht ihn mit einem Schlag berühmt.

1847: Dostojewski tritt einer utopisch-sozialistischen Geheimorganisation bei.

1849: Er wird zum Tode verurteilt und erst auf dem Richtplatz begnadigt. Dostojewski wird bis 1854 nach Sibirien verbannt, anschließend Militärdienst. Er wandelt sich zum überzeugten Christen.

1859: Dostojewski wird wegen epileptischer Anfälle aus der Armee entlassen und kehrt nach St. Petersburg zurück.

1861: Gemeinsam mit seinem Bruder gründet er die Zeitschrift «Die Zeit» (Vremja), nach ihrem Verbot 1864 den Nachfolger «Epoche».

1863: Auf einer Reise nach Westeuropa verfällt Dostojewski der Spielleidenschaft, die ihn wiederholt in tiefe Geldnot stürzt.

1866: Dostojewski diktiert seiner späteren zweiten Frau Anna Snitkina in nur 24 Tagen den «Spieler». «Schuld und Sühne» erscheint.
Auf der Flucht vor den Gläubigern entstehen in den folgenden Jahren die Romane «Der Idiot» und «Die Dämonen».

1871: Dostojewski kehrt endgültig nach St. Petersburg zurück.

1880: Als Höhepunkt seiner öffentlichen Anerkennung hält er die Rede zur Einweihung des Puschkin-Denkmals in Moskau. «Die Brüder Karamasow» erscheint.

1881: Der Schriftsteller stirbt am 9. Februar im Alter von 59 Jahren. An der Trauerfeier nehmen 60 000 Menschen teil.

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Botschafter der «russischen Seele» - Dostojewski und die Deutschen

Hamburg (dpa) - Tief und geheimnisvoll ist die russische Seele.
Schwer und träumerisch, widersprüchlich und irrational, melancholisch, aber auch unruhig und empfindsam - so beschreiben Deutsche immer wieder die Russen. Oft scheint dabei Fjodor Dostojewski durch. Denn der Autor aus dem Zarenreich war hier nicht nur außerordentlich erfolgreich, sondern er hat in deutschen Köpfen tiefe Spuren hinterlassen - auch wenn er selbst bei seinen Besuchen in Deutschland zuweilen kräftig über seine Gastgeber her zog.

«Ein Buch, das wirklich anrührt und die russische Seele eindrucksvoll beschreibt», hat ein Leser von «Erniedrigte und Beleidigte» auf der Seite des Internet-Buchhändlers Amazon notiert. «Wenn wir uns ihm überlassen, erahnen wir etwas von der Weite der Landes und von der Verlorenheit der Menschen», schwärmt der Dostojewski-Verleger Egon Ammann.

Der tiefsinnige Russe, der aufmüpfige Student, Sehnsüchte und Wahnvorstellungen - das sind Motive aus Dostojewskis Büchern, die im heutigen Bild der Deutschen von der russischen Seele weiter präsent sind, meint Horst-Jürgen Gerigk, der Ehrenpräsident der Internationalen Dostojewski-Gesellschaft. «"Verbrechen und Strafe", "Der Idiot", "Die Dämonen", "Die Brüder Karamasow" und das sibirische "Totenhaus" gehören längst zum festen Bestand unserer Kultur.»

«Viele Deutsche, die im 19. Jahrhundert nach Russland gingen, brachten den Begriff von der "russischen Seele" herüber», erklärt der Potsdamer Slavist Norbert Franz. Die junge russische Nation stritt unter diesem Schlagwort über ihre Identität zwischen den kulturellen Polen Europa und Asien. Dieser innere Kampf spiegele sich in Dostojewskis Romanen. Doch vom Kitt für den Vielvölkerstaat ist die «russische Seele» inzwischen zum Werbefaktor geworden. «Heute wirbt man mit dem Slogan "Erleben sie die russische Seele" für CD- Sammlungen», sagt Franz. «Die russische Seele ist ein eingeführtes Markenzeichen.»

Während die Welt bei Dostojewski die deutschen Leser fasziniert, lernte dieser Deutschland, sein mehrmaliges Gastland, nie richtig schätzen. Sein Kurort Bad Ems schien im «scheußlich», Berlin erst «sauertöpfisch», dann immerhin «süßsauer». Auch in Baden-Baden und Bad Homburg wurde Dostojewski nicht glücklich. In Briefen nach Russland schimpft der kranke Autor über die Deutschen, die er für dumm, kleinlich und niederträchtig hält, für roh und hundsgemein. Er stellt den Deutschen ein leuchtendes Bild des einfachen Russen aus dem Volk gegenüber.

Doch die Zeit in Deutschland war wichtig für Dostojewskis Werk. Hier quälte ihn die Spielsucht, hochverschuldet musste er sich erniedrigen lassen. In Wiesbaden kam das erste Kapitel von «Schuld und Sühne» aufs Papier, Dostojewskis Casino-Erfahrungen in Deutschland führten zu «Der Spieler». In Dresden entstanden große Teile von «Die Dämonen», «Der Jüngling» im Kurort Bad Ems an der Lahn.

Der Einfluss des Russen auf deutsche Schriftsteller ist groß. «Nietzsche vermerkt, Dostojewski sei der einzige Psychologe, von dem er etwas zu lernen hatte», erklärt Gerigk. Dostojewski strahle aus auf Franz Kafka, Hermann Hesse, Alfred Döblin, Martin Walser und Thomas Bernhard. Norbert Franz merkt sogar ironisch an: «Wenn sie erst Dostojewski lesen und dann den Zauberberg von Thomas Mann, dann fragen sie sich: Was hat der Mann eigentlich selbst gemacht?»

Die Gelehrten zwischen Rhein und Oder faszinierte der «vertrackte Russe», wie Siegmund Freud ihn nannte und wie Gerigk sein Buch über Dostojewskis Wirkung in Deutschland betitelte. «Da verspürt man Lücken und zurückgelassene Rätsel», schrieb der Psychoanalytiker an den Schriftsteller Stefan Zweig. Dieser wiederum notierte verstört: «Dostojewski schreibt im Fieber, wie er im Fieber denkt, im Fieber lebt.» Unverändert ist, was nach Ansicht des Freiburger Buchhändlers Thomas Bader die Leser auch heute noch zu Dostojewski bringt: «Der legendäre Name und eine russische Welt, die ungeheuer faszinierend und auch irritierend ist.»

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Bad Homburg und Wiesbaden wetteifern um Dostojewskis «Spieler»

Wiesbaden/Bad Homburg (dpa) - Fjodor Dostojewski war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein Spieler. Sein Glück versuchte der Russe, dessen Tod sich am 9. Februar zum 125. Mal jährt, auch in hessischen Casinos. Im Jahr 1865 soll er sein gesamtes Vermögen verspielt haben. Kurz darauf schrieb er den autobiografisch gefärbten Roman «Der Spieler», der im fiktiven Roulettenburg spielt. Unklar ist allerdings, ob er im Buch Wiesbaden oder Bad Homburg verewigt hat.

«Die Frage, ob Dostojewski in seinem Roman Bad Homburg oder Wiesbaden gemeint hat, ist aus unserer Sicht akademisch. Tatsache ist: Dostojewski hat Spuren in Bad Homburg hinterlassen, und unsere Stadt hat Eingang in das Werk des Dichters gefunden», sagt Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU).

Drei Aufenthalte im damaligen Homburg - «Bad» ist es erst seit
1912 - haben nach den Worten von Stadtsprecher Andreas Möring ihren Niederschlag in dem Roman gefunden. Zwar seien diese nicht mit Eintragungen in der Kur- und Badeliste nachzuweisen, aber anhand von Briefen an Freunde. «Dostojewski spielt bis heute im Leben der Kurstadt eine Rolle», sagt Möring. An einem der Gebäude, in denen er während seiner Aufenthalte wohnte, erinnert heute eine Tafel an ihn.

Der Laie könnte vielleicht denken, beim Namen Roulettenburg habe Dostojewski wegen der Endung «Burg» Homburg gemeint. Experten sind da anderer Meinung. «In Kapitel 16 des Romans wird der Gedanke geäußert, nach Homburg zu fahren, um dort zu spielen. Also kann Homburg definitiv nicht Handlungsort sein», sagt der Slawist und Dostojewski- Kenner Rainer Goldt von der Universität Mainz. Aber das heißt nicht, dass Wiesbaden im Buch besonders prominent vertreten ist. Der Roman bietet wenig Details mit Wiedererkennungseffekt. «Nur zwei Hotels, der Spielsaal und eine Kastanienallee dazwischen bilden die spärliche Kulisse des rein psychologisch ausgerichteten Spannungsdramas», erläutert Goldt.

Dennoch: Wiesbaden reicht das, um sich als Roulettenburg zu zelebrieren. In der hessischen Landeshauptstadt wird Dostojewski vielfach geehrt. Im Kurpark steht seit 1999 eine Büste des Dichters, ein Roulettekessel im Casino ist nach ihm benannt, und einmal im Jahr am Totensonntag halten Experten Vorträge über den Russen.

Ein besonderes Dostojewski-Gedenken organisiert der Wiesbadener Tourist Service. Seit Frühjahr 2005 werden Stadtführungen angeboten, bei denen der Schauspieler Oliver Klaukien als Dostojewski durch die Stadt führt. «Die sind sehr beliebt, auch bei den Einheimischen», sagt die Leiterin des Tourist Service, Katja Wiebking. Bei den Führungen kann es schon mal passieren, dass sich Passanten erschreckt umschauen, wenn Dostojewski alias Klaukien durch den beschaulichen Kurpark brüllt: «Es geht doch immer nur um Geld, Reichtum und Eitelkeit.»

Ob nun Roulettenburg oder nicht - auf alle Fälle hatte Dostojewski eine besondere Beziehung zu Wiesbaden, wie auch Literaturexperte Goldt sagt. «Die Stadt war für ihn Verhängnis und Rettung zugleich. Hier verlor er sich 1863 erstmals an das Roulette, und hier widerfuhr ihm acht Jahre später jenes bis heute nicht restlos geklärte Erlebnis, das ihn von der Spielsucht heilte.»

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