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News-Sonderthema:

Die 57. Frankfurter Buchmesse
vom 19. - 23. Oktober 2005

Berichte und Hintergrundinformationen auch zum Gastland Korea

 

24.10. Buchmesse geht mit Besucherplus zu Ende

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einem leichten Besucherplus ist die 57.
Frankfurter Buchmesse am Sonntag zu Ende gegangen. Die Organisatoren zählten nach einer ersten Schätzung insgesamt rund 280 000 Besucher und damit 10 000 mehr als im Vorjahr, sagte Messe-Sprecher Holger Ehling. Rund 7200 Aussteller aus mehr als 100 Ländern hatten bei der größten Bücherschau der Welt fünf Tage lang ihre rund 100 000 Neuerscheinungen präsentiert. In den fünf Messehallen herrschte am Sonntag, an dem Bücher verkauft werden durften, nochmals dichtes Gedränge.

Insgesamt erwies sich die Buchmesse in diesem Jahr nach dem Urteil vieler Aussteller als konzentrierte Fachmesse ohne spektakuläre Höhepunkte. Besondere Aufmerksamkeit richtete sich auf den in seinem Heimatland angefeindeten türkischen Autor Orhan Pamuk, der am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Gastland der Messe war Korea, dessen Präsentation die Organisatoren als sehr erfolgreich bewerteten. Mehr als 25 000 Menschen kamen nach Angaben der Organisatoren in die Gastland-Halle.
Der kommunistische Norden fehlte allerdings bei dem Auftritt und war lediglich Thema in Diskussionsforen zur Frage der Menschenrechte.
Indien - Gastland der Buchmesse im nächsten Jahr - kündigte an, sich als moderne Industrienation zu präsentieren. 2007 ist Katalonien an der Reihe.

Mehr als 1000 Autoren - davon 40 aus Korea - waren zum Treffen der internationalen Bücherwelt nach Frankfurt gereist, darunter so bekannte wie Ken Follett, Nick Hornby, Cees Nooteboom oder Asterix- Macher Albert Uderzo, Peter Härtling, Ingo Schulze, Uwe Timm und Nachwuchs-Star Daniel Kehlmann. Das größte Interesse der Besucher zogen aber schreibende Pop- und Filmstars auf sich, darunter Sängerin Nena, der Musiker Chris Rea und Schauspieler wie Heike Makatsch, Isabella Rossellini, Gudrun Landgrebe oder Mario Adorf.
 

 

Arno Geigers prämiertes Buch verkauft sich prächtig

Frankfurt/Main (dpa) - Für Autor Arno Geiger und den Hanser Verlag hat sich Geigers Auszeichnung mit dem Deutschen Buchpreis als enorm verkaufsfördernd erwiesen. Allein seit der Prämierung des Geiger- Buchs «Es geht uns gut» habe man 20 000 Exemplare abgesetzt, sagte eine Hanser-Sprecherin am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse.
Zeitweise sei das Buch sogar vergriffen gewesen. Der Österreicher Geiger hatte am Montag zum Auftakt der Buchmesse den erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis für die beste literarische Neuerscheinung im deutschsprachigen Raum bekommen. Hanser hat nach eigenen Angaben seit Erscheinen des Buchs 50 000 Exemplare verkauft.
 

 

Rummel um Nena auf der Buchmesse - Hunderte Fans blockierten Stand

Frankfurt/Main (dpa) - Popstar Nena (45) hat am Freitag hunderte Fans und Neugierige an den Lübbe-Stand auf der Frankfurter Buchmesse gelockt. Dort stellte sie ihre Autobiografie «Willst du mit mir gehn» vor und plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. Sie erzählte, wie sie einmal Haschplätzchen backte und sich damit selbst außer Gefecht setzte, wie sie sich zum ersten Mal verliebte und dass sie früher gern das Testbild im Fernsehen sah: «Das hatte was sehr Beruhigendes.» Das Gedrängel und Geschubse um die besten Fotos war bei Journalisten und Publikum so groß, dass mehrere Sicherheitsleute eingreifen mussten.

An die 300 Schaulustige blockierten den gesamten Stand, knipsten Erinnerungsbilder und schimpften, dass sie wegen der Pressemeute kaum etwas sehen konnten. Zum Trost gab es anschließend Autogramme von Nena. An dem 300-Seiten-Buch hat die Sängerin gemeinsam mit der Journalistin Claudia Thesenfitz drei Jahre lang - mit Unterbrechungen - geschrieben.
 

 

Wilde Tiger und drollige Monster - Koreanische Kinderbücher suchen Verleger für deutschen Markt

Frankfurt/Main (ddp). Mit leuchtenden Augen und gefletschten Zähnen umrundet der Tiger das kleine Dorf in Korea, die Menschen verharren in ihren Hütten bis die Gefahr vorbei ist. Das mächtige Tier, aus dem täglichen Leben des Landes längst durch Ausrottung verschwunden, lebt unvermindert fort in der Kinderliteratur. Auf der Frankfurter Buchmesse, die sich in diesem Jahr Korea als Gastland eingeladen hat, ist die Fülle der neuen Kinderliteratur unübersehbar.
« Die Eltern bei uns legen sehr viel Wert auf die Erziehung ihrer Kinder. Das bedeutet auch, dass sie ihren Nachwuchs zum Lesen anregen und Bücher kaufen», sagt Youn-Sin Kim vom Koreanischen Institut für Literaturübersetzungen.

Bislang gibt es nur wenige Titel, die auch auf Deutsch erschienen sind. Einer davon ist «Reiseintopf beim Frosch», eine kleine Geschichte über Frösche und ihre Leidenschaft für die koreanische Nationalspeise Reis. «Das Buch ist bei einem koreanischen Verlag erschienen, denn einen deutschen Verleger hat es nicht gefunden», sagt Youn-Sin. Auf der Messe in Frankfurt solle auch ausprobiert werden, welche Geschichten Interesse bei den deutschen Lesern finden.

Dabei gibt es auch in den Kinderbüchern viel zu erfahren über die Mythen und die Geschichte Koreas. Männer und Frauen in traditionellen Trachten zelebrieren das Leben von gestern, steif und förmlich geht es da zuweilen auch in der Familie zu. «In unseren Büchern erzählen wir alte Geschichten auf neue Art», sagt Verlegerin Moon Jeong Sil.
Dafür würden bekannte Autoren des Landes engagiert. Ganz wichtig seien in Korea auch die Illustrationen. "Sie sind oft sehr anspruchsvoll und werden ebenfalls von bekannten Künstlern gefertigt», sagt Moon Jeong Sil.

Die in koreanischen Kinderbüchern so beliebten dunklen Monster verlören aber spätestens durch die nette Geschichte ihren Schrecken.
« Der Stil unserer Kinderbücher ist jedoch insgesamt weniger niedlich und lieblich, als man sie vielleicht aus anderen Ländern kennt», sagt Moon Jeong.

Doch nicht nur koreanische Geschichte findet sich in den Kinderbüchern zuhauf wieder. «Ich bin mit den Märchen von Hans Christian Andersen aufgewachsen und habe so meinen Zugang zu Europa gefunden», sagt Youn-Sin. Und so spielten natürlich Astrid Lindgren und ihre Heldin Pippi Langstrumpf eine wichtige Rolle in ihren Kindertagen. Gerade lässt das Institut ein Buch für den deutschen Markt übersetzen, in dem die Welt der Autorin Lindgren dem täglichen Leben eines koreanischen Kindes gegenübergestellt wird.
 

 

Leichter Talk mit Asterix' Vater - Albert Uderzo chattet auf der Frankfurter Buchmesse mit Fans über den jüngsten Comic-Band

Frankfurt/Main (ddp). Wenn er singt, fühlt er sich wie der Barde Troubadix. Rein körperlich beobachtet Albert Uderzo bei sich dagegen
- zu seinem ausdrücklichen Bedauern - eine zunehmende Ähnlichkeit mit Obelix. Zur Verdeutlichung strich sich der 78-jährige Asterix-Erfinder am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse über seinen Bauch, der vom Umfang seines Comic-Helden freilich noch ein ganzes Stück entfernt ist. Ausgelöst hatte dieses öffentliche Eingeständnis die Frage der 17-jährigen Natalia aus Costa Rica: «Welcher Figur gleichen Sie am meisten?», wollte sie vom Autor und Zeichner des Erfolgs-Comics wissen.

Uderzos Antworten dazu blieben dann aber auch die einzigen Schwächen, die bei diesem «ersten weltweiten Asterix-Chat» (so die
Veranstalter) zur Sprache kamen. Keine Spur von «Enttäuschung», «Schock» oder «Blödsinn», jenen Reaktionen, die der 33. Asterix-Band am vergangenen Freitag bei eingefleischten Lesern in den Fan-Foren ausgelöst hatte. Von «Verflachung» und «Lächerlichkeit» war gar in der Presse die Rede gewesen.

«Gallien in Gefahr» kam vor einer Woche mit einer Startauflage von acht Millionen Stück zeitgleich in 27 Ländern in die Verkaufsregale.
Dass die pfiffigen Gallier in ihrem neuesten Abenteuer von Außerirdischen, Superman-Klonen und Kampf-Robotern heimgesucht wurden, sorgte bei vielen Anhängern für Entsetzen. Derartige Beschwerden mussten die sieben «Asterix-Übersetzer», unter anderem aus England, Finnland und den Niederlanden, am Freitag auf der Buchmesse nicht ins Französische übertragen.

Die Fragen, die bereits zwischen dem 14. und 19. Oktober online eingesendet worden waren und letztlich für den Chat ausgewählt wurden, lauteten dagegen zum Beispiel: «Malen Sie immer mit dem Stift zwischen Zeigefinger und Daumen?» (Ja, das hat Uderzo sich mit der Zeit angewöhnt, weil seine Hand von der üblichen Haltung müde geworden sei.), «Wird sich Obelix verlieben?» (Uderzo hätte nichts dagegen, die Fans allerdings würden gegen eine Heirat protestieren, meint er.), «Wie erklären Sie sich Ihren riesigen Erfolg?» (Das frage Uderzo sich seit vielen Jahren selbst.).

Einzig Eddi (41) aus Frankreich merkte an, dass ihn die aktuelle Geschichte etwas «verwirrt» habe, wie er denn auf die Idee mit den Außerirdischen gekommen sei? Ganz einfach, antwortete Uderzo: «Ich habe überlegt, warum könnte es Außerirdische nicht schon in einer ganz anderen Epoche gegeben haben?»

Moderiert wurde die Veranstaltung vom hessischen Übersetzer Jürgen Leber. Dass er wirklich der Vater von Asterix, Obelix und Idefix ist, bewies Uderzo mit Zeichnungen seiner Helden, die zum Leidwesen anwesender Anhänger nicht verschenkt, sondern dem RTL-Spendenmarathon zur Verfügung gestellt wurden. Ende November sollen die signierten Skizzen dort für einen guten Zweck versteigert werden.

Keinen Zweifel ließ Uderzo am Freitag an dem Fakt, dass weitere Asterix-Bände folgen werden. Vielleicht stehe dem Barden Troubadix ja endlich eine große Sanges-Karriere bevor, griff er die Idee eines griechischen Fans auf. Ob er sie umsetzt, wird man erst in Band 34 zu sehen bekommen.

Uderzo hatte Asterix gemeinsam mit Texter René Goscinny in den späten 50er Jahren geschaffen. Nach dem Tod seines Partners übernahm Uderzo 1977 die alleinige Verantwortung für Text und Zeichnungen. Bis heute wurden weltweit über 310 Millionen Exemplare der Asterix-Alben in 100 Sprachen verkauft.
 

 

Heike Makatsch gibt nicht gerne Autogramme

Frankfurt/Main (dpa) - Schauspielerin Heike Makatsch (34) gibt nicht gerne Autogramme. «Ich krampf mir da immer einen ab», sagte sie am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse bei der Vorstellung ihres Buches «Keine Lieder über Liebe». Sie habe bis heute nicht gelernt, damit umzugehen und fühle sich dabei als Produkt. «Ich begegne den Menschen lieber auf Augenhöhe», sagte die Schauspielerin. In dem Roman von Makatsch, der mit ihr in der Hauptrolle verfilmt wurde, geht es um eine Dreiecksgeschichte in Berlin. Trotz ihrer zuvor geäußerten Abneigung griff Makatsch am Ende der Präsentation zum Stift und signierte einige Exemplare ihres Buches.
 

 

Itchitaka statt Struppi - Mangas verdrängen europäische Comic-Kultur

Frankfurt/Main (dpa) - Manga-Held Itchitaka geht in grade mal drei Comic-Bildchen tauchen, bandelt mit einer Strand-Grazie an und reißt ihr den Bikini runter - der Zeichner von Tim und Struppi gibt seinen Figuren für ihre Erlebnisse deutlich mehr Platz. Für Experten ist dies der Hauptgrund dafür, dass der klassische Comic in Deutschland kaum noch Leser findet. «Mangas sind viel schneller, die belgisch- französischen Comics haben eine klassisch-behäbige Bildfolge», sagt der Programmchef des Carlsen-Verlages, Ralf Keiser.

Im Comic-Forum auf der Frankfurter Buchmesse haben die asiatischen Mangas mit ihren schwarz-weißen Bildchen, die an Filmsequenzen erinnern, den klassischen Comic in eine Nische gedrängt. Um ihn bemühen sich nur kleine Verlage. «Mangas machen bei Carlsen inzwischen 75 Prozent des gesamten Programmes aus», sagt Keiser. Im Jahr 2000 seien es erst 50 Prozent gewesen. 1990 waren die aasiatischen Bildchen im Programm des Verlages noch gar nicht existent. 1991 versuchte es Carlsen mit «Akira», Mitte der 90er Jahre löste er dann mit «Dragonball» die Manga-Welle in Deutschland aus.

«Die große franko-belgische Kultur ist am Aussterben, da kommt nichts Neues», sagt die Verlegerin Rossi Schreiber von Schreiber&Leser, die selbst solche Bände verkauft. Leider komme der Großteil der europäischen Comics aus dieser Region. Die neuen, für die Leser überraschenden Geschichten erzählten inzwischen die asiatischen Mangas. Auch junge europäische Zeichner wendeten sich in großer Zahl diesem Genre zu.

«Wir haben heute Probleme, junge Künstler außerhalb der Mangas für unser Verlagsprogramm zu finden», berichtet Keiser. 95 Prozent der Angebote seien nicht gut genug oder passten nicht ins Programm. Der Grund ist für den Mann von Carlsen einfach: In Deutschland gebe es fast nur noch Wettbewerbe und Foren zu den asiatischen Bildchen.
Neben den Zeichnern haben sich auch die Käufer verändert, meint Keiser. In den meisten Geschichten schmökerten Teenager, die Hälfte der Leser seien Mädchen.

«Der Comic-Markt wird insgesamt weiblicher», bestätigt Jutta Harms von den kleinen Verlagen Reprodukt und Edition Moderne. Ihre Unternehmen versuchten mit dem Erschließen von neuen Themen qualitativ hochwertige Comics zu machen. Beispielsweise beschreibt die Perserin Marjane Satrapi ihre Kindheit im Iran in Comicform.
« Meine Mutter war eine schöne Frau» handelt vom Leben einer weißen Familie in Südafrika gegen Ende der Apartheid.

Die Klage des Großverlages über zu wenig Nicht-Manga-Nachwuchs kann Harms nicht teilen: «Es gibt immer wieder tolle junge Künstler von den Hochschulen, die neue Felder wie autobiografische oder Reportage-Comics erschließen.» Die Nachwuchs-Zeichner beschäftigten sich immer mehr mit klassischen Literatur-Themen wie den eigenen Lebenszusammenhängen und dem Erwachsenwerden. Doch auch wenn sich die Geschichten von Reprodukt und Edition Moderne eher an erwachsene Romanleser wenden, haben es die Werke mit Auflagen zwischen 3000 und 12000 Exemplaren im Buchhandel schwer. «Es gibt immer noch viele Vorbehalte gegen Comics, und die Literaturkunden müssen schon erst einmal ihre Lesegewohnheiten umstellen.»
 

 

Der etwas andere Bestseller-Indikator - Für die Verlage ist Diebstahl auf der Buchmesse zum Normalfall geworden

Frankfurt/Main (ddp). Leseratten muss die Frankfurter Buchmesse wie der Himmel auf Erden erscheinen: In zwölf großen Messehallen gibt es Literatur soweit das Auge reicht. Viele Besucher fühlen sich auf der größten Bücherschau der Welt aber offenbar auch wie im
Selbstbedienungsladen: Jedes Jahr verschwinden unzählige Bücher aus den Ausstellungsregalen. «Es wird sehr, sehr viel gestohlen», sagt Gregor Möller, Marketingchef des Lübbe-Verlags. «Wir haben im Schnitt 30 bis 35 Prozent Verlust.» Regelmäßig müssen plötzlich auftauchende Lücken in den Regalen aufgefüllt werden - und die größte Herausforderung steht den Verlagen am Wochenende noch bevor.

Wenn am Samstag und Sonntag die Messehallen für jedermann offen stehen, sich Tausende Besucher durch die Hallen schieben, «ist es gar nicht möglich, sich vor Diebstahl zu schützen, das verdoppelt sich dann noch mal», sagt Möller. Nach den Worten der Sprecherin des Hörbuch-Verlags, Heike Völker-Sieber, wird der Verlust durch Dienstahl «von vornherein mit einkalkuliert, das ist der ganz normale Verlust bei der Messe».

Die Diebstahlsquote ist für die Verlage aber zugleich auch eine etwas unkonventionelle Marktforschung. Denn die Regel gilt: Was die Langfinger auf der Buchmesse besonders oft mitgehen lassen, wird auch im Laden ein Bestseller. Oder wie Brockhaus-Sprecher Klaus Holoch es
formuliert: «Wem am Ende die meisten Bücher weggekommen sind, hat auch die besten, das könnte man auch als Kompliment verstehen.»

Als Kavaliersdelikt sehen die Verlage die unerlaubte Mitnahme von
Lese- und Hörstoff dennoch nicht an. «Wenn ich jemanden dabei sehe, laufe ich ihm auch über mehrere Hallen nach», sagt Völker-Sieber. Die Ertappten werden sofort der Messe verwiesen. Hostessen und das Verlags-Personal sind vor allem am Wochenende angehalten, wachsam zu sein. «'Harry Potter' ist am Samstag und Sonntag sicher der kritischste Bereich», prophezeit Völker-Sieber.

Mit genauen Zahlen, wie viele Ausstellungsstücke verschwinden, tun sich die meisten Verlage schwer - auch weil einige Bücher im täglichen Messetrubel ja ganz legal an Autoren und Agenten verschenkt werden und darüber keine Übersicht geführt wird. «Wenn wir eine Lücke sehen, füllen wir sie auf», sagt dtv-Vertriebsmitarbeiterin Gabriele Mertl.

Lübbe hatte vor vier Jahren probeweise sogar Detektive am Stand.
Inzwischen sei man aber wieder dazu übergegangen, selbst zu kontrollieren, sagt Marketingchef Möller. Auch an den Ausgängen der Buchmesse wird immer stärker kontrolliert. Wer Bücher dabei hat, sollte eine Freiexemplar-Bestätigung oder eine Kaufquittung vorzeigen können.

Manchmal handle es sich tatsächlich einfach nur um ein Missverständnis von Besuchern, die im guten Glauben handelten, sagt Völker-Sieber vom Hörbuch-Verlag. Ein bisschen trüge der Verlag vielleicht sogar selbst dazu bei, räumt sie ein, weil am Stand auch kostenlose Promo-CDs verteilt werden.

Die «dumme Ausrede, dafür liegen die Bücher doch da», kann Möller inzwischen nicht mehr hören. «Die werden immer raffinierter, bringen zum Teil Tragetaschen mit verstärkter Kante mit und lassen die Bücher da ganz schnell reinfallen», erzählt er. Erstaunlich sei dabei immer wieder, dass die Ertappten aus allen Gesellschaftsschichten kommen.
Manchmal spielten sich dann kleine Dramen ab: Als Möller einmal eine ältere Dame beim Bücherklau zur Rede stellte, war deren Mann so wütend auf die Gattin, dass er der inzwischen Rausgeschmissenen anordnete, vor der Buchmesse auf ihn zu warten, bis er sich in Ruhe umgeschaut habe.

Weitgehend diebstahlsicher ist immerhin ein Werk auf der
Buchmesse: «Unsere 30-bändige Enzyklopädie ist noch nie verschwunden», schmunzelt Brockhaus-Sprecher Holoch.
 

 

Buchmessensplitter

Asterix-Macher entwickelten Geschichte in nur 15 Minuten

Frankfurt/Main (dpa) - Die Asterix-Macher Albert Uderzo und René Goscinny haben 1956 die Geschichte rund um den kleinen Gallier in nur einer Viertelstunde entwickelt. «Wir haben in 15 Minuten alle Hauptfiguren entwickelt», erinnerte sich Zeichner Uderzo am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. Es sei ihnen gleich klar gewesen, dass das streitlustige Volk der Gallier reisen müsse, deshalb hätten sie deren Dorf ans Meer verlegt. Inspiration für seinen ersten Solo-Band («Der große Graben») fand Uderzo nach eigenen Angaben in Deutschland:
« Die Geschichte fiel mir in Berlin ein, als ich die Mauer sah.»

Biograf sieht bei Angela Merkel Züge von Margaret Thatcher

Frankfurt/Main (dpa) - Angela Merkel ist nach Ansicht ihres Biografen Gerd Langguth zumindest «stückweise» mit Margaret Thatcher zu vergleichen. Merkel sei wie die britische «Eiserne Lady» Naturwissenschaftlerin. Wie Thatcher in Großbritannien sei Merkel in der CDU auch nicht aus dem Zentrum der Partei an die Macht gekommen, sagte Langguth am Freitag auf der Buchmesse. Als Kanzlerin werde Merkel aber versuchen, an die Helmut-Kohl-CDU anzuknüpfen, auch wenn sie wirtschaftspolitisch einen strikt marktwirtschaftlichen Kurs einschlagen wolle. «Ich denke, dass sie sich mehr zutraut als man ihr zutraut.»

22 Bände zur Förderung arabischer Literatur vorgestellt

Frankfurt/Main (dpa) - 22 Bücher zur arabischen Literatur und Geschichte haben sechs deutsche Verlage auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Die Präsentation wurde vom Flug zweier Adler und zweier Falken auf der Agora des Messegeländes begleitet. Der Falke gilt als Wahrezeichen Arabiens. Die Bücher gehören zu einem im vergangenen Jahr auf der Bücherschau mit dem Gastland Arabische Welt gestarteten Projekt, das der Emir von Sharjah (Vereinigte Emirate) finanziell unterstützt.

Lafer bereitet Kalbsschnitzel zu - Pilaw aus dem Familienkochbuch

Frankfurt/Main (dpa) - Ein Duft von köstlichen Speisen wehte durch Halle 3.0 auf der Frankfurter Buchmesse: Am Stand von Dr. Oetker bereitete Spitzenkoch Johann Lafer am Freitag Kartoffel-Gurkensalat mit Kürbiskernöl zu. Dazu gab es für ausgesuchte Gäste Kalbsschnitzel. Gerd Eis vom Wiesbadener Edel-Restaurant «Ente» hatte am Tag zuvor am selben Stand seine Kochkünste unter Beweis gestellt.
Am Stand von Gräfe und Unzer gab es Möhren-Mandel-Pilaw mit Pute, ein Rezept aus dem neuen Buch «Kochen für die Familie».

Interviews von der Buchmesse als Podcasts für MP3-Player

Frankfurt/Main (dpa) - Mehr als 15 Interviews mit Autoren und Verlegern von der Frankfurter Buchmesse können MP3-Hörer als Podcasts herunterladen. Die bis zu 20 Minuten langen und nicht geschnittenen Gespräche sind unter www.literaturcafe.de zu finden, wie der Gründer des Literatur-Cafes, Wolfgang Tischer sagte. Zu hören sind unter anderem Elke Heidenreich, Roger Willemsen, mehrere junge Autoren und Vertreter von Hörbuchportalen. Das Wort Podcast ist eine Verschmelzung von iPod (tragbarer MP3-Player von Apple) und Broadcast (Rundfunk/Sendung).
 

 

22.10. Schormann: Buchmesse war befreit von den Events der Vorjahre

Frankfurt/Main (ddp-hes). Die Buchbranche ist nach Angaben des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, sehr zufrieden mit dem Verlauf der 57. Frankfurter Buchmesse. «Das Tal der schlechten Umsätze ist durchschritten», sagte Schormann am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Frankfurt am Main. «Wir bewegen uns in einer Umsatzplus-Situation von ein bis zwei Prozent», sagte er. Das sei noch kein großer Sprung auf den Berg, aber ein Anfang.

Die am Sonntag zu Ende gehende Buchmesse sei insgesamt ruhiger gewesen als in den Vorjahren. «Sie war befreit von den Events, die wir in den vergangenen Jahren zur Belebung des Buchmarktes versucht haben», betonte Schormann.

Viele Verlage hätten in den vergangenen Jahren dazugelernt und seien «trendiger» geworden. «Das sieht man zum Beispiel an den Papst-Büchern. Damit hat die Branche schnell auf Aktuelles reagiert», sagte Vorsteher des Börsenvereins. Insgesamt sei auch das Marketing bei den Verlagen und Händlern verbessert worden. Der Massenandrang am ersten Publikumstag der Buchmesse zeige die Begeisterung für das Buch auch bei jungen Leuten. Es gebe sehr viel Konkurrenz in der Freizeit- und der Wissensindustrie, der sich das Buch stelle. «Ein gutes Marketing und ein großer Name sind die Garanten für den Erfolg der Verlage», sagte Schormann, der den Börsenverein zum Ende dieses Jahres verlässt.

Die Zeit der großen Literaten auf der Messe ist nach Ansicht Schormanns vorbei: «Wenn sie nicht wirklich ein neues Buch vorzustellen haben, wird man etwa Günter Grass oder Martin Walser nicht mehr an den Verlangsständen finden», sagte er. Der «literarische Hauch», der die Buchmesse jahrzehntelang bestimmt habe, sei vorbei.<
 

 

Buchmessensplitter

Ingo Schulze freut sich über Interesse junger Leute an "Neue Leben"

Frankfurt/Main (dpa) - Erfolgsautor Ingo Schulze (42, «Simple
Storys») freut sich, dass auch viele junge Leute zu den Lesungen aus seinem neuen Roman «Neue Leben» kommen. Das sei «hoch beachtlich», sagte Schulze in Frankfurt. In dem Buch schildert er die Wendezeit aus ostdeutscher Sicht. Das Thema sei auch 15 Jahre nach der Wende noch nicht abgeschlossen. Gut sieben Jahre habe er mit dem Buch verbracht, davon die letzten drei bis vier am Schreibtisch. «Jetzt musste ich erstmal lernen, über das Buch zu reden.» Die Lesereise des Wahl-Berliners endet Mitte Dezember.

Intendant Ulrich Khuon: Schauspielerinnen immer noch unterbezahlt

Frankfurt/Main (dpa) - Schauspielerinnen werden nach Meinung des Intendanten des Hamburger Thalia Theaters, Ulrich Khuon, immer noch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. «Es gibt keine absolute Gleichheit» kritisierte der Theaterchef am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse bei der Präsentation des von ihm herausgegebenen Buches «Beruf: Schauspieler - Vom Leben auf und hinter der Bühne». Grund für die geringere Bezahlung sei, dass es viel mehr junge, begabte Darstellerinnen gebe als Darsteller.
Demgegenüber gebe es in den Stücken weitaus mehr Männer- als Frauenrollen.

Bücher als Grundnahrungsmittel: Diplomarbeiten auf langer Tafel

Frankfurt/Main (dpa) - Unter dem Motto «Bücher sind Grundnahrungsmittel» präsentiert die Fachhochschule Dortmund auf der Buchmesse Diplom- und Semesterarbeiten an einem langen schwarzen Tisch. Potenzielle Verleger und andere Interessenten können an der Tafel in Halle 4 auf 14 Stühlen Platz nehmen und sich die Unikate ansehen. Um die Bücher zu schonen, liegen an jedem Platz weiße Handschuhe für die Leser bereit.

Eine Million Zugriffe pro Tag auf Buchmessen-Webseite - Server lahmt

Frankfurt/Main (dpa) - Das weltweite Interesse an der Buchmesse hat schon mehrmals deren Internetauftritt lahm gelegt: Rund eine Million Zugriffe täglich gebe es auf www.buchmesse.de oder dem englischsprachigen Pendant www.book-fair.com, sagte Buchmessen- Sprecher Holger Ehling am Donnerstag - mehr als der Server zunächst verkraften konnte. Inzwischen sei dessen Leistungsfähigkeit erhöht worden. Auf der Webseite sind unter anderem Veranstaltungstipps und ein täglicher Newsletter mit aktuellen Bildern vom Messegeschehen zu finden.

Suhrkamp startet neue Reihe mit Neuübersetzung des Korans

Frankfurt/Main (dpa) - Eine Neuübersetzung des Korans gehört zu den ersten Projekten des Verlags der Weltreligionen, den der Frankfurter Suhrkamp Verlag im Herbst 2007 starten will. Das Wissen über die Grundlagen der Religionen solle mit etwa zehn Bänden pro Jahr «auf eine solide Basis» gestellt werden, sagte Suhrkamp-Sprecher Thomas Sparr am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse. «Damit wagen wir etwas Neues.» Als zweites Vorhaben ist - ebenfalls von Herbst 2007 an - die edition unseld mit ebenfalls zehn Titeln im Jahr als Forum für die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaften geplant.

Chris Rea: Krebs hat mich zu einfachen Dingen zurückgebracht

Frankfurt/Main (dpa) - Der krebskranke Musiker Chris Rea (54) hat durch seine Krankheit seinen Sinn für die einfachen Dingen des Lebens entdeckt. «Man braucht nicht alles, wofür in den Hochglanzmagazinen geworben wird. Heute schätze ich zum Beispiel ein gutes Essen, Wein, schöne Landschaften», sagte Rea, der früher für seine Autoleidenschaft und ausgiebige Einkaufstouren bekannt war, am Donnerstag auf der Buchmesse. Dort stellte er mit «Blue Guitars» sein erstes so genanntes EarBook vor. Es enthält elf CDs mit 137 neuen Blues-Stücken, eine DVD, 50 von Rea selbst gemalte Bilder und einen Begleittext. Rea waren in einer lebensgefährlichen Operation unter anderem die Bauchspeicheldrüse und ein Drittel des Magens entfernt worden.
 

 

Türkei möchte in einigen Jahren Gastland der Buchmesse sein

Istanbul/Frankfurt/Main (dpa) - Die Türkei möchte sich in drei oder vier Jahren als Gastland der Buchmesse präsentieren. «2008 oder
2009 werden wir Gastland der Frankfurter Buchmesse sein», sagte der türkische Kulturminister Atilla Koc am Donnerstag bei einem Besuch der weltgrößten Bücherschau, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Darüber werde er an diesem Freitag mit der Messeleitung sprechen. Nach Südkorea, ist die Reihe 2006 an Indien und 2007 an Katalonien.
 

 

Oase der Sammler - Erstmals Antiquariatsschau auf der Frankfurter Buchmesse - «Struwwelpeter» für einige tausend Euro

Frankfurt/Main (ddp). Am Eingang wird streng kontrolliert, Taschen und Mäntel müssen abgegeben werden. Dann empfängt den Besucher der Frankfurter Buchmesse in Halle vier eine Oase inmitten des hektischen
Messetreibens: Zum ersten Mal haben die Organisatoren Händler antiquarischer Bücher aus ganz Europa eingeladen, damit sie ihre Schätze präsentieren und verkaufen. Sie sorgen für ein ungewohntes Messeflair, denn dort laden dicke, dunkle Lederfauteuils zum Verweilen und Schmökern ein, üppige alte Bücher werden in Vitrinen hinter Glas präsentiert. Unter den Händlern herrscht am zweiten Messetag fast Einigkeit: Die Entscheidung zur 1. Frankfurter Antiquariatsmesse war goldrichtig. «Man fragt sich, warum der Veranstalter darauf nicht schon früher gekommen ist», sagt der Händler kostbarer alter Kinderbücher, Hans Lindner.

Das Highlight seiner Präsentation hat Lindner bereits am ersten Messetag verkauft: Clemens von Brentanos Buch «Des Knaben Wunderhorn» wechselte für 4000 Euro den Besitzer. Zahlreiche bunt bebilderte Ausgaben des «Struwwelpeter» von Heinrich Hoffmann warten neben anderen Kostbarkeiten noch auf die Sammler liebevoll gestalteter Kinderbücher. So auch der hebräische Bildband «Die Haggadah des Kindes» von 1936, der von einem jüdischen Fest erzählt. Der Antiquar aus Mainburg erhofft sich von dieser Ausgabe rund 2500 Euro. Auch Erbauliches für die ganz Kleinen hat er mit «Freund Purzel» und «Eia-popeia» im Angebot. Er hält die Messe auf der Messe für eine «Veranstaltung mit Zukunft».

Aus London angereist ist Clare Spiller von Sims Reed Ltd. Das Antiquariat hat sich auf alte Kunstbände spezialisiert. Im Angebot hat sie zum Beispiel opulente Bildbände von Wassily Kandinsky, aber auch von der Künstlervereinigung Blauer Reiter. «Der Kandinsky kostet
11 000 Euro», sagt die britische Händlerin. Die Nachfrage sei erfreulich gut, und die Reise von London nach Frankfurt scheine sich zu lohnen, schätzt sie am zweiten Messetag ein.

Etwas skeptischer gibt sich Dieter Schierenberg aus Amsterdam.
« Die Leute schauen und interessieren sich sehr, aber gekauft haben sie bisher bei mir nur wenig», sagt der auf naturwissenschaftliche Bücher spezialisierte Antiquar. Dabei bietet er eine prächtige, in Leder gebundene 20-bändige Ausgabe von A. Seits' «Die Groß-Schmetterlinge der Erde» vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts an. «Das ist das umfangreichste Standardwerk, das je über Schmetterlinge erschienen ist», sagt er stolz. Mit seinen farbenfrohen Lithographien kostet die Ausgabe auch stolze 10 600 Euro.

Noch kostbarer ist ein Band, den er nur mit Vorsicht aus dem Regal
zieht: «Ectypa Vegetabilium» von Ludwig aus den Jahren 1760 bis 1764.
Der 15 900 Euro teuere Band enthält gepresste Pflanzen, die später von Hand einkoloriert wurden.

Nur gute Erfahrungen mit der neuen Messe hat Sabine Schulten vom Antiquariat Voerster aus Stuttgart gemacht. Sie handelt mit allem rund um die Musik: Noten, Porträts und Briefen von Musikern. Ein besonders kostbares Stück ist ein Brief des Komponisten Christoph Willibald Gluck aus dem Jahr 1780, für den sie 20 000 Euro erzielen will. Ein 1773 in Darmstadt erschienener Erstdruck von Johann Wolfgang von Goethes «Götz von Berlichingen» sollte 12 000 Euro einbringen. «Diese Antiquariatsmesse ist wirklich eine Bereicherung», meinte die Händlerin.
 

 

Vertane Chance: Wenig Fußballfieber auf der Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Die Stehkurve als letztes Männer-Reservat und die sexistischen Gesänge der Fans im Stadion: Fußballbegeisterte Frauen haben ein kritisches Buch «Gender kicks» («Geschlechterkicks») geschrieben, das am Donnerstag auf dem Fußballforum der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. «Es kann sich keiner richtig vorstellen, dass Frauen Männermannschaften trainieren könnten», kritisiert die Autorin Antje Hagel die immer noch große Kluft zwischen den beiden Geschlechtern im Fußball. Hagel betreut ein städtisches Fanprojekt in Offenbach.

Die durchaus provokanten Thesen des Buchs interessieren jedoch nur wenige im Forum. Vom großen Fußballfieber, das die Veranstalter im Vorfeld der WM im kommenden Jahr auf der weltgrößten Bücherschau inszenieren wollten, ist kaum etwas zu spüren. In Halle 1.2 - größer als ein Fußballfeld - sind recht lieblos rund 200 Fußball-Bücher auf Tischen ausgelegt. Neben vielen Fotos und Ständen von FIFA- und DFB- Sponsoren sorgen einige Tisch-Kicker und ein zum Spielen gedachter «Fußball-Käfig» für etwas Leben.

Zum Thema Buch und Fußball werden zwar bis Sonntag neue Bücher vorgestellt, zum Beispiel zum Fall des Skandal-Schiedsrichters Robert Hoyzer. Doch dass unzählige prominente Schriftsteller von Peter Handke («Die Angst des Tormanns beim Elfmeter») bis Ror Wolf («Das nächste Spiel ist immer das schwerste») auch über das runde Leder philosophiert haben, wird im Fußball-Forum nicht gewürdigt. Der englische Kult-Autor Nick Hornby, der über seinen Lieblingsverein Arsenal London ein viel gelobtes Buch («Fever Pitch») geschrieben hat, ist zwar mehrere Tage lang auf der Buchmesse - jedoch nicht im Fußball-Forum.

«Wir finden das hier etwas dürftig», sagt Henning Horl vom Rotbuch Verlag in Hamburg, einem der Sponsoren des Fußball-Forums. Mit einem KopfBall, auf dem Fußball-Sprüche von Schriftstellern und Trainern stehen, bietet Rotbuch das wohl originellste Produkt des Forums an.
Ernst Happels Spruch «Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag» oder Albert Camus' Weisheit «Alles was ich über Moral weiß, habe ich vom Fußball», sind auf dem aus Kunstleder gefertigten Ball verewigt.
Die erste Auflage mit den 6000 Bällen, die über den Buchhandel vertrieben werden, ist nach den Worten Horls bereits verkauft.

Nicht zufrieden mit dem Angebot auf dem Forum Fußball sind auch zwei Schülerinnen aus der Südpfalz, die mit ihrer Deutsch-Klasse auf die Buchmesse gefahren sind. «Es ist ein bisschen ruhig hier. Ich habe mir das doch viel größer vorgestellt», sagt die 17-jährige Christine Rehmund, die wie ihre Freundin eingefleischter Fan des 1.
FC Kaiserslautern ist. Obwohl sich immer mehr Frauen für Fußball interessierten und in die Stadien gingen, nehme man sie immer noch nicht richtig ernst, beklagen die Jugendlichen und bestätigen damit eine These des Frauen-Buchs «Gender kicks». Der Sport verändere sich eben nur langsam, urteilt Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte, die das Gender-Buch herausgegeben hat.
 

 

21.10. Buchmesse zählt am ersten Besuchertag mehr Gäste als 2004

Frankfurt/Main (ddp-hes). Die am Mittwoch gestartete Frankfurter Buchmesse hat sich bereits am ersten Besuchertag als Publikumsmagnet erwiesen. 44 074 Fachbesucher drängten auf das Messegelände, wie die Veranstalter in Frankfurt am Main mitteilten. Das seien 489 oder 1,1 Prozent mehr gewesen als am ersten Messetag im vergangenen Jahr.
Prominente Gäste waren neben den Autoren Ken Follett und Nick Hornby der scheidende Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sowie der an einer schweren Krankheit leidende Physiker Stephen Hawking.

Insgesamt erwarten die Organisatoren bis Sonntagabend 270 000 Besucher. Ihnen präsentieren sich über 7200 Aussteller, so viele wie nie zuvor. An den ersten drei Tagen bleibt die Messe den Fachbesuchern vorbehalten. Am Samstag und Sonntag können dann auch alle übrigen Interessierten auf das Gelände der weltgrößten Bücherschau.
 

 

Albert Uderzo chattet auf der Buchmesse mit Fans aus aller Welt

Frankfurt/Main (ddp). Asterix-Erfinder Albert Uderzo beantwortet am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse Fragen von Fans aus aller Welt zu seinem neuesten Comic-Band. Freunde des pfiffigen Galliers können sich bei einem Live-Chat unter www.asterix.com von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr direkt an den Zeichner und Autor wenden. Acht Asterix-Übersetzer sorgen dafür, dass die Fragen und Antworten unter anderem auch auf Finnisch, Portugiesisch und Griechisch verstanden werden. Moderiert wird die Veranstaltung vom hessischen Asterix-Übersetzer Jürgen Leber.

Der 33. Band «Gallien in Gefahr» war am vergangenen Freitag mit einer Startauflage von acht Millionen Stück zeitgleich in 27 Ländern in die Verkaufsregale gekommen. Viele Fans und Kritiker reagierten allerdings enttäuscht. Im neuesten Abenteuer werden die Gallier von Außerirdischen und Robotern heimgesucht.

Uderzo hat Asterix gemeinsam mit Texter René Goscinny in den späten 50er Jahren geschaffen. Nach dem Tod Goscinnys 1977 übernahm der heute 78-jährige Franzose die alleinige Verantwortung für Text und Zeichnungen. Von den Asterix-Alben wurden bis heute über 310 Millionen in 100 Sprachen verkauft.
 

 

Ann-Kathrin Kramer stellt ihr erstes Kinderbuch auf Buchmesse vor

Frankfurt/Main (ddp). Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer feiert ihr Debüt als Kinderbuchautorin. Auf der Frankfurter Buchmesse stellt sie am Freitag ihr erstes Werk «Matilda - Oder die aus dem Haus ohne Fenster» vor. Darin schildert sie Abenteuer aus dem Leben der fünfjährigen Heldin, die allerhand Unsinn anstellt und damit eben «ein ganz normales Mädchen ist», wie Kramer betont. Ab 16.00 Uhr wird die 39-Jährige auf der Buchmesse einige ihrer Geschichten über Freundschaft, Vertrauen, Ängste und Geduld vorlesen.

Kramer hat das Buch ihrem Sohn Leonard gewidmet. Es richtet sich an Kinder ab vier Jahren und ist bei Edition Riesenrad erschienen.
 

 

Bis zu eine Million Zugriffe pro Tag auf Buchmessen-Webseite

Frankfurt/Main (dpa) - Bis zu eine Million Zugriffe pro Tag registriert die Frankfurter Buchmesse seit Montag auf ihrer Webseite.
Zeitweise sei der Internetauftritt schon lahmgelegt gewesen, sagte Buchmessen-Sprecher Holger Ehling am Donnerstag. «Es kann sein, dass der Zugriff deswegen manchmal etwas langsam ist.» Unter www.buchmesse.de und www.book-fair.com (englischsprachig) sind unter anderem Veranstaltungstipps und ein täglicher Newsletter mit aktuellen Bildern vom Messegeschehen zu finden.
 

 

Korea-Schwerpunkt auf der Buchmesse bietet Chance für Kleinverlage

Frankfurt/Main (dpa) - Für zwei Nischenverlage ist das Schwerpunktthema Korea auf der Frankfurter Buchmesse ein
Glücksfall: Der Pendragon Verlag in Bielefeld und der Peperkorn Verlag im ostfriesischen Thunum leisten seit Jahren mit ihrem koreanischen Programm wichtige Aufbauarbeit. Schon vor Ende der Messe am kommenden Sonntag erfreuen sich die Verleger Günther Butkus und Günter Peperkorn einer größeren Medienaufmerksamkeit als jemals zuvor, von der auch die koreanische Literaturszene profitieren will. Bücher koreanischer Autorinnen und Autoren fristen in Deutschland und im übrigen Europa nach wie vor ein Schattendasein.

Allerdings warnen die Verleger vor zu großen Erwartungen auf koreanischer Seite. Die Verkaufszahlen würden mit der Präsentation auf der Buchmesse nicht sensationell in die Höhe schnellen. «Das wird sich so nicht einlösen», sagt Butkus. «Ich fürchte, da wird es noch große Frustrationen geben.» Es sei schon ein Erfolg, wenn der Gastland-Auftritt dazu beitrage, dass nicht immer das Exotische einer fremden Literatur im Mittelpunkt stehe, sondern über Inhalte von Büchern gesprochen werde.

Butkus hat seit etwa sieben Jahren einen Korea-Schwerpunkt und derzeit 30 Titel im Programm. Durch die Konzentration auf moderne Romane, Erzählungen und Gedichte setzt sein Verlag andere Akzente als Peperkorn. Letzterer hat außer Belletristik auch ein kulturgeschichtlich ausgerichtetes Programm. «Literatur erfordert schon ein wesentliches Einlassen auf die Fremdheit einer anderen Kultur», meint Peperkorn. Zwar lasse sich die koreanische Literatur auch ohne Landeskenntnis lesen. «Es sollte jedoch schon Interesse an der koreanischen Kultur da sein.» Peperkorn brachte zum Buchmesse-Jahr sieben koreanische Bücher heraus. Normalerweise kommt der Verlag vielleicht auf drei oder vier Titel im Jahr.
Insgesamt stellt er in Frankfurt etwa 40 Titel vor.

Beide Verlage, die sich schon im Erscheinungsbild voneinander absetzen, sind auf der weltgrößten Bücherschau mit kleinen Ständen in verschiedenen Hallen vertreten. Einen Austausch zwischen beiden Verlagen gibt es laut Butkus schon wegen der geographischen Distanz zwischen Bielefeld und Thunum nicht in dem gewünschten Ausmaß. Als Konkurrenten sähen sich beide Seiten aber nicht.

Als ungewöhnlich wie zweischneidig empfinden beide Verleger die Förderung der Übersetzungen koreanischer Literatur ins Deutsche.
Die Auswahl treffen fast ausschließlich koreanische Stiftungen.
« Man bekommt eigentlich die fertig übersetzten Bücher», sagt Peperkorn. «Ich glaube, das geht vollkommen am Markt vorbei, weil die Stiftungen keine Vorstellung vom deutschen Buchmarkt haben.» Allerdings könnten es sich kleine Verlage wie Peperkorn ohne die finanzielle Förderung für Lizenzen, Übersetzerhonorare und Herstellung kaum leisten, koreanische Bücher zu veröffentlichen.
 

 

20.10. Hörbücher aus dem Automaten - Hoffnungsträger der Branche

Frankfurt/Main (dpa) - Hörbücher aus dem Automaten: Wenn es nach zwei Ausstellern der Frankfurter Buchmesse geht, sind Romane, Lyrik und Fachliteratur bald nicht mehr nur im Buchhandel und über die Internet-Portale zu haben. Auch an Bahnhöfen, Flughäfen, Tankstellen und in den Cafeterien von Krankenhäusern oder großen Firmen könnten die Titel rund um die Uhr erstanden werden.

Der «BuyoMat» und die fast zwei Meter große gelbe MP3-Zapfsäule spucken Hörbücher aus - der eine im handelsüblichen Format, der andere als Download für Computer, MP3-Player und Handy. Die Hersteller wollen mit den Automaten, die sich auch in die Schaufenster von Buchläden einbauen lassen, von dem Hörbuchmarkt profitieren. Dieser wächst zweistellig, allerdings auf niedrigem Niveau.

Auf der Messe hat angesichts des stagnierenden Buch-Geschäfts «der Hoffnungsträger» Hörbuch noch nie so viel Raum eingenommen wie dieses Jahr: 70 Aussteller präsentieren sich an einem Gemeinschaftsstand. Den derzeitigen Marktanteil beziffern die Veranstalter der Buchmesse auf rund vier Prozent. 2005 liege der Umsatz mit Hörbüchern voraussichtlich um 20 Prozent über dem Vorjahreswert, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch schätzte. Am stärksten legte die Belletristik zu. Absolute Zahlen nennt der Branchenverband allerdings nicht; Schätzungen schwanken zwischen etwa 100 und 150 Millionen Euro.

Etwa 13 000 Titel zum Hören haben rund 500 Verlage dem Börsenverein zufolge derzeit im Angebot. Die Preise seien stabil.
Zu den Literatur-Hörern zählen sie gut sechs Millionen Bundesbürger. Das Medium für die Ohren spreche einer Umfrage zufolge vor allem «eine junge multimedial erfahrene Zielgruppe an».
Der Imagewechsel vom Nischenprodukt für Sehbehinderte und Kinder zum Medium für alle sei vollzogen.

Hauptabnehmer ist nach wie vor der traditionelle Buchhandel, berichtet Marc Sieper von dem Arbeitskreis Hörbücher des Branchenverbands. Knapp 65 Prozent der Titel gingen dort über die Theken. Etwa ein Viertel der Verlage vertreibe die Literatur zum Hören aber auch über die wachsenden Download-Portale im Internet.

Nach dem Pionier soforthoren.de mit fast 100 Verlagen folgten audible.de und ohrbuch.net als Hörbuch-Portale. Auf der Buchmesse starteten der Focus Magazin Verlag und der Hörbuchverlag am Mittwoch das Portal claudio.de (700 Titel). An diesem Donnerstag soll hoerbie.de für Kinder mit 400 Angeboten folgen. Außerdem finden sich im Netz diadopo.de und als Spezialist für Sachbücher hoerkiosk.de. Der Internet-Medienhändler libri.de will bis März
2006 mehr als 1000 MP3-Bücher anbieten.

Hörbuch-Spezialistin Claudia Gehre meint, die Zuwächse beim Umsatz pendelten sich in den nächsten Jahren bei 10 bis 20 Prozent ein. Weltleitmarkt für die Literatur zum Hören sind die USA, wo der Anteil allerdings trotz eines völlig anderen Nutzerverhaltens nicht über zehn Prozent hinausgekommen ist. In Europa hat Großbritannien dank der BBC die Nase vorn. Ost-Europa hingegen gilt noch als Entwicklungsland. In manchen südeuropäischen Ländern gebe es noch nicht einmal ein Wort für Hörbuch, sagt Gehre.

Der Verkauf der Hörbücher schmälert den des gedruckten Buches nicht, wie die Umfrage des Börsenvereins zeigt. «Auch bei Downloads werden wir den Handel immer brauchen», glaubt Sieper. «Die meisten Kunden informieren sich online und kaufen offline», ergänzt Gehre.
Mit der wachsenden Nutzung der Download-Portale steige allerdings auch die illegale Nutzung von Hörbüchern, berichtet Barbara Dietz vom Arbeitskreis Piraterie. Über die Höhe der Schäden gebe es jedoch noch nicht einmal Schätzungen.
 

 

Buchmessensplitter

Aufbau-Verleger kritisiert «Dumping-Preise» im Buchhandel

Frankfurt/Main (dpa) - Aufbau-Verleger Bernd Lunkewitz hat die «Dumping-Preise» im Buchhandel kritisiert. Die von Zeitungsverlagen gestarteten Billig-Sondereditionen machten sich bemerkbar, sagte der Chef der Berliner Verlagsgruppe an Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. Dennoch ist der Aufbau-Verlag, der dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, nach den Worten von Lunkewitz auf dem Weg zu mehr Profitabilität. 2005 erwarte die Gruppe bei Reduzierung der Titelzahl mit 16,7 Millionen Euro ein Umsatzplus von drei Prozent.

Stephen Hawking hält den Blick in die Vergangenheit für möglich

Frankfurt/Main (dpa) - Der Physiker und Bestsellerautor Stephen Hawking hält den Blick in die Vergangenheit grundsätzlich für möglich. Der gelähmte britische Wissenschaftler besuchte am Mittwoch die Frankfurter Buchmesse und beantwortete die Frage eines Fans nach der Möglichkeit von Zeitreisen per Computerstimme mit «maybe» (vielleicht). Der 63-Jährige leidet an der Nervenkrankheit ALS und kann sich nur mit Hilfe eines Sprachcomputers verständlich machen, den er mit den Augenlidern bedient. «Er hält es für wahrscheinlich, dass man die Vergangenheit sehen kann, Zeitreisen sind schwieriger», erläuterte sein Assistent später.

Datenbank hilft Amalia-Bibliothek nach Brand bei Bücher-Suche

Frankfurt/Main (dpa) - Die größte deutsche Online-Datenbank für antiquarische Bücher sucht für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar nach Ersatz-Ausgaben für die verbrannten Werke. Von den rund 50 000 Büchern, die bei dem Brand der Bibliothek im Spätsommer
2004 zerstört wurden, könnten rund 70 Prozent wieder beschafft werden, sagte Bibliotheks-Direktor Michael Knoche am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) kann auf rund 3700 Antiquariate mit weltweit 16 Millionen Titeln zugreifen.

Bild» und Weltbild starten «Goldbibel»

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Verkaufserfolg mit der «Volksbibel» bringen die «Bild»-Zeitung und die Verlagsgruppe Weltbild zu Weihnachten 2005 eine «Goldbibel» heraus. Der Band werde in der Tradition von Prachtbibeln als einmalige und limitierte Ausgabe erscheinen, kündigten beide Unternehmen am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse an. Das mehr als 2,5 Kilogramm schwere Buch werde 19,95 Euro kosten. Zur Höhe der Auflage wurden keine Angaben gemacht. Von der «Volksbibel» war die Gesamtauflage von 250 000 Exemplare in wenigen Wochen verkauft worden.

Auswärtiges Amt will mit neuer Webseite junge Ausländer ansprechen

Frankfurt/Main (dpa) - Mit eigenwilliger Sprache und ungewöhnlichem Design will das Auswärtige Amt mit einem englischsprachigen Internetangebot Werbung für Deutschland machen.
Die Webseite, die am Mittwoch offiziell auf der Frankfurter Buchmesse gestartet wurde, will vor allem junge Ausländer informieren. «Unter jungen Menschen (im Ausland) gilt Deutschland nicht gerade als cool», sagte der zuständige Projektleiter beim Auswärtigen Amt, Hinrich Thölken.

Nach Nobelpreis für Pinter: «Überwältigende Nachfrage» bei Rowohlt

Frankfurt/Main (dpa) - Der Literatur-Nobelpreis für den englischen Dramatiker Harold Pinter hat bei dessen deutschem Verlag Rowohlt eine «überwältigende Nachfrage» ausgelöst. Der Verlag drucke auf die Schnelle rund 120 000 Exemplare von den vier Büchern des Autors nach, sagte Rowohlt-Sprecherin Ursula Steffens am Mittwoch auf der Buchmesse. Rowohlt verlegt einen Roman und drei Dramensammlungen des 75-Jährigen.

Bestsellerautor Ken Follett: Erfolg dank Fernsehverbots als Kind

Frankfurt/Main (dpa) - Bestsellerautor Ken Follett (56) hat seinen Erfolg auch einem früheren Fernsehverbot zu verdanken. Seine Eltern hätten ihm als Kind aus religiösen Gründen sowohl Fernsehen als auch Kino und Popmusik verboten, erzählte Follett am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. «Ich hatte also nur Bücher und habe damit eine Menge über das Leben gelernt. All das Lesen hat mir bei meinem Start als Autor sehr geholfen.» Als nächstes Buch nach seinem aktuellen Roman «Eisfieber» (Lübbe) plane er eine Fortsetzung von «Die Säulen der Erde».

Zsuzsanna Gahse erhält Chamisso-Preis

Frankfurt/Main (dpa) - Die aus Ungarn stammende Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse erhält den mit 15 000 Euro dotierten Adelbert-von- Chamisso-Preis 2006. Die im schweizerischen Kanton Thurgau lebende Gahse habe als Autorin, Essayistin und Übersetzerin der deutschen Literatur neue Farben und Töne geschenkt, begründete die Robert- Bosch-Stiftung am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse die Auszeichnung. Mit dem Preis würdigt die Stiftung seit 1985 die Leistung von Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht Deutschland ist.
 

 

Zitate

«Ich fühle mich von starken, unabhängigen Frauen angezogen. Ich muss gestehen, das ist eine Schwäche von mir.»

(Bestseller-Autor Ken Follett über seine Vorliebe für weibliche
Romanheldinnen)


«Unter jungen Menschen (im Ausland) gilt Deutschland nicht gerade als cool.»

(Projektleiter Hinrich Thölken vom Auswärtigen Amt zu einem englischsprachigen Internetangebot, mit dem Werbung für Deutschland gemacht werden soll)


«Ich komme meist sehr bescheiden, klein und still von den großen Bergen zurück.»

(Extrembergsteiger Reinhold Messner über sein Image als Held und
Abenteurer)
 

 

19.10. Die 57. Frankfurter Buchmesse ist eröffnet - Korea hofft auf intensiven Kulturaustausch

Frankfurt/Main (ddp-hes). Die Literaturwelt blickt in den kommenden Tagen wieder an den Main. Dort läuft seit Dienstag die 57.
Frankfurter Buchmesse. Offiziell eröffnet wurde sie am Nachmittag von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und dem Premierminister des diesjährigen Gastlandes Südkorea, Lee Hae-Chan. Der Regierungschef des asiatischen Landes äußerte die Hoffnung, dass der intensive kulturelle Austausch auf der Messe Ost und West einander näher bringt.

Leider stehe bislang noch immer eine feste Wand zwischen dem Orient und dem Okzident, sagte der Premierminister. Die Buchmesse biete die Möglichkeit, dass sich die unterschiedlichen Kulturen begegnen - so wie einst auf der Seidenstraße. Ministerpräsident Koch hob in seiner Rede die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Korea hervor. Die Deutschen wüssten, welch schweres Schicksal die Teilung eines Landes bedeute.

Der Gastland-Pavillon Koreas sollte am Abend eröffnet werden. Ab Mittwoch stehen die Messehallen dann zunächst dem Fachpublikum offen.
Den Besuchern präsentieren sich über 7200 Aussteller - so viele wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der vertretenen Verlage und Händler noch einmal um sechs Prozent gestiegen, die Ausstellungsfläche hat sich um vier Prozent vergrößert.

Zum Auftakt der Messe schöpft die deutsche Buchbranche vorsichtig Optimismus - nach vier Jahren mit sinkenden oder stagnierenden Umsätzen. In diesem Jahr sei ein Umsatzplus mit einer Eins, eventuell sogar mit einer Zwei vor dem Komma möglich, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann.

Nach seinen Angaben verzeichnete die Branche in ihren drei großen Vertriebswegen - Sortimentsbuchhandel, Warenhäuser und E-Commerce - von Januar bis September bereits ein Umsatzplus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die unklare politische Lage nach der Bundestagswahl habe das Konsumklima dann jedoch wieder eingetrübt.
Vom Verkauf des neuen Harry-Potter-Bandes sowie von der Buchmesse erhofften sich die Händler nun neue Impulse.

In den Jahren ohne Umatzwachstum habe die Branche dazugelernt, betonte Schormann. So versuchten die Händler jetzt, schneller auf neue Trends zu reagieren. Auch das Ladendesign sei verbessert worden.
Viele Händler hätten erkannt, dass Buchhandlungen ein Erlebnis- und Wohlfühlort sein müssten.

Bis einschließlich Sonntag werden in Frankfurt rund 270 000 Besucher erwartet. Bis Freitag bleibt die Messe nur dem Fachpublikum vorbehalten. Am Samstag und Sonntag ist sie dann für jedermann geöffnet. Am letzten Messetag verwandelt sich die Messe in einen riesigen Buchladen. Über 350 000 Titel können dann zum gebundenen Ladenpreis gekauft werden.
 

 

Buchmesse wird mit Südkoreas Ministerpräsidenten eröffnet

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - In Frankfurt wird heute (Dienstag) offiziell die 57. Buchmesse eröffnet. Zum Auftakt der weltgrößten Bücherschau spricht der südkoreanische Ministerpräsident Lee Hae Chan. Korea ist das diesjährige Gastland der Messe. Die literarische Einführung hält der Schriftsteller Ko Un, der als Südkoreas bedeutendster Lyriker gilt.

Von Mittwoch bis Sonntag beteiligen sich an der Messe in Frankfurt über 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern, die rund 100 000 Neuerscheinungen vorstellen. Rund 1000 Autoren werden erwartet, darunter fast 40 Schriftsteller aus dem Gastland Korea.

Insgesamt rechnet die Messe mit etwa 270 000 Besuchern. Am kommenden Wochenende ist auch das allgemeine Lesepublikum zugelassen.
Zum Abschluss der Buchmesse wird am Sonntag (23. Oktober) in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk verliehen.
 

 

Lese-Marathon an den Ständen der Frankfurter Verlagsgruppe

Frankfurt (hdl) - Die Autoren der Frankfurter Verlagsgruppe werden auf der Frankfurter Buchmesse täglich von 10 Uhr an bis in die Abendstunden aus ihren literarischen Werken vortragen. Jeweils 20 Minuten lesen die Schriftsteller an den beiden Ständen in Halle 4.1, Stand A 100 und Halle 3.1, Stand K 132. Für den Besucher bietet sich hier die Möglichkeit aus 25 Autorenlesungen zu wählen und „Literatur kompakt“ zu erleben. Der Verlag präsentiert dem Zuhörer somit einen Querschnitt aus der neuen deutschsprachigen Literatur.

Den Besucher erwartet das Spektrum aktueller Literatur unter anderem aus dem August von Goethe Literaturverlag und Fouqué-Literaturverlag. Beide Verlage widmen sich neuen Autoren und beherbergen ein weites Spektrum am Literatur in ihrem Programm: Die Verlage veröffentlichen Belletristik, Prosa, Lyrik, Lebenserinnerungen und Kinderbücher.
Das jeweils aktuelle Lesungsprogramm wird an den Ständen der Lesungen in Halle 4.1, Stand A 100 und Halle 3.1, Stand K 132 publiziert.
 

 

Von Gelber Karte bis Fußpilz: Gerhard Delling schreibt Fußballbuch

Frankfurt/Main (dpa) - Von der Gelben Karte bis zum Fußpilz: ARD- Sportmoderator Gerhard Delling schreibt ein kleines ABC rund um das Thema Fußball «Es macht mir Spaß», meinte Delling am Dienstag auf der Frankfurter Buchmesse. In seinem Buch gehe es auch um Frauen und Fußball und das Verhältnis von Fußball und Politik. Angesichts seiner vielen Verpflichtungen habe er fürs Schreiben «einige Nachtschichten eingelegt», sagte der gelernte Zeitungsjournalist. Der Band soll im Dezember - ein halbes Jahr vor der Fußball-WM - bei Langenscheidt erscheinen. Das Unternehmen, mit Marken wie Brockhaus oder Meyers Branchenführer bei Wörterbüchern in Deutschland, wird im kommenden Jahr 150 Jahre alt.
 

 

Dichter Ko Un hofft auf neue Wahrnehmung der koreanischen Literatur

Seoul (dpa) - Die Frankfurter Buchmesse bietet dem diesjährigen Gastland Korea nach Ansicht des bedeutendsten südkoreanischen Gegenwartslyrikers Ko Un eine gute Gelegenheit, sich einen neuen Platz auf der literarischen Weltkarte zu verschaffen. «Die westliche Literatur hat lange Zeit die moderne Literatur bestimmt,» sagte Ko (72), der bei der weltgrößten Bücherschau (18.-23.10.) aus seinem Werk vorlesen wird, in einem dpa-Gespräch in Seoul. «Wir werden diese fest gefügte Struktur am besten aufbrechen, wenn wir die verschiedenen Seiten der koreanischen Literatur zeigen.»

Die koreanische Dichtung lässt sich nach Kos Darstellung mit westlichen Kategorien nur schwer erfassen. «Die koreanische Poesie kommt aus dem Schamanismus.» In diesem Punkt lasse sich die koreanische Gegenwartslyrik nicht nur mit modernistischen Kriterien erklären. Wie ein schamanistischer Priester, der sich in Ekstase bringt, habe sein Vater früher aus sinnloser Freude wie ein Kranich getanzt. «Ich habe diese Tollheit von meinem Vater geerbt, und ich glaube, diese ist der Antrieb meines Schreibens,» sagte Ko, der seit Jahren zum Kreis der aussichtsreichen Anwärter auf den Literatur- Nobelpreis gehört.

Die Koreaner seien sehr emotional, sagte Ko. Dies könne auch eine Erklärung dafür sein, weshalb der Lyrik in der Landes-Literatur traditionell ein so hoher Stellenwert zukommt. «Koreaner sagen nicht einfach, ein Vogel singt, sondern ein Vogel weint, wenn er singt.» Er selbst kenne keine Vorbilder. «Ich werde eher durch Wind, Fluss und die Zeit inspiriert.»

Sein künstlerisches Schaffen beschreibt der Vielschreiber Ko heute als eine Mischung aus Realität und Verzweiflung. Dabei sieht er in der Poesie als ein Mittel der Weltschöpfung. «Heute schreibe ich Gedichte, die eine neue Welt erschaffen. Ich bin ein Träumer.» Seine Dichtung sei aus den Ruinen des Korea-Kriegs (1950-1953) entstanden.
Die Werke seiner frühen Schaffensphase seien angesichts der Kriegserfahrung von Verzweiflung geprägt.

Einen Bruch in seinem Leben gab es zur Zeit der Militärdiktatur unter Park Chung Hee. Ko nennt die öffentliche Selbstverbrennung des Textilarbeiters Chon Tae Il im November 1970 in Seoul als einschneidendes Erlebnis, das ihn aus seinen damaligen Selbstzweifeln aufgeschreckt habe. Chon hatte sich aus Protest gegen die Verhinderung eines Arbeitsgesetztes durch die Regierung selbst angezündet. «Ich sah auf mich selbst zurück, wer ich bin,» sagt Ko heute. Danach habe eine Schaffensphase eingesetzt, die vor allem durch ein politisch engagiertes, realistisches Schreiben gekennzeichnet sei.
 

 

Die weltgrößte Bücherschau treibt den Umbau zur Medienmesse voran

Frankfurt/Main (dpa) - Joanne K. Rowling hat es nicht nötig, auf der Frankfurter Buchmesse für den sich gigantisch verkaufenden neuen Harry-Potter-Band zu werben. Doch auch ohne die britische Erfolgsautorin kann die weltgrößte Bücherschau mit einem Superlativ aufwarten. Mit mehr als 7000 Ausstellern aus über als 100 Ländern erwartet die Messe vom 19. bis 23. Oktober eine Rekordbeteiligung.

Rund 1000 Schriftsteller kommen. Darunter sind Altstar Ken Follett, der britische Kult-Autor Nick Hornby oder Asterix-Erfinder Albert Uderzo. Doch ihren Zuspruch verdankt die Bücherschau, die mit 270 000 Besuchern rechnet, schon lange nicht mehr dem eher stagnierenden klassischen Buchgeschäft.

Konsequent wird seit mehreren Jahren der Ausbau zur Medienmesse vorangetrieben. In einer Kooperation mit der Berlinale soll die Bücherschau auch zum Handelsplatz für Film- und Fernseh-Stoffe werden. Darüber wird Regisseur Wim Wenders auf der Messe diskutieren.
Die Schauspielerinnen Franka Potente und Heike Makatsch wiederum stellen sich als debütierende Buchautorinnen vor.

Zum ersten Mal gibt es auch eine Kooperation mit Spielwarenherstellern. Diese werden Spiele oder Lizenzprodukte zu Buchgestalten anbieten. Und sogar «König Fußball» hat es auf die Buchmesse geschafft: Ein halbes Jahr vor der WM in Deutschland geht es in Lesungen und Diskussionen um die Verbindung von Literatur, Kultur und Fußball.

Während die Buchmesse dieses Jahr ein Plus von über sechs Prozent bei den Ausstellern anvisiert, ist die Buchbranche insgesamt schon zufrieden, wenn sie 2005 ein leichtes Plus erzielt. Immerhin hat es von Januar bis September nach Zahlen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ein Umsatzplus von knapp über zwei Prozent gegeben - darin ist der Harry-Potter-Effekt von Anfang Oktober noch gar nicht berücksichtigt.

Allerdings öffnet sich im Buchhandel die Schere zwischen den florierenden Branchenführern wie Thalia, Weltbild oder Hugendubel und den eher darbenden kleinen Buchhandlungen immer weiter. Zum Symbol für den Strukturwandel wurde ausgerechnet der oberste Repräsentant der Buchbranche, Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann. Kürzlich wurde bekannt, dass Schormann seine fast 200 Jahre alte mittelständische Buchhandlung in Gießen aufgibt und unter das Thalia- Konzerndach schlüpft - in dessen neue Filiale in der hessischen Uni- Stadt.

Auch bei den Buchverlagen dreht sich das Konzentrations-Karussell weiter. Anfang September kaufte der zu Bertelsmann gehörende Branchenprimus Random House von der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» die traditionsreichen Buchverlage DVA, Manesse und Kösel. Im Gegenzug machen die Zeitungsverlage mit verbilligten Sondereditionen den Buchverlagen Konkurrenz. Besonders erfolgreich waren im vergangenen Jahr die «Süddeutsche Zeitung» und «Bild». Vor wenigen Tagen ist eine von Elke Heidenreich betreute «Brigitte»-Edition angelaufen. Die «FAZ» wiederum startete vor wenigen Wochen mit «Superman» und den «Peanuts» eine Comic-Edition.

Die Buchmesse kann angesichts der Konsolidierung der Branche im Inland praktisch nur noch im Ausland wachsen. Für den englischsprachigen Raum ist Frankfurt seit langem die wichtigste Adresse - angeführt von den USA und Großbritannien sind allein 1500 Verlage aus diesem Sprachraum vertreten. Potenzial gibt es dagegen noch in Fernost. Der neue Buchmessen-Chef Juergen Boos - er ist seit April im Amt - will Frankfurt deshalb auch für die asiatischen Länder zum unverzichtbaren Treffpunkt machen.

Deshalb ist die Messe mit ihrem diesjährigen Gastland Korea auch ganz glücklich. Zwar gilt die in Deutschland noch weitgehend unentdeckte koreanische Literatur als eher spröde. Doch der «Tigerstaat» - im internationalen Buchmarkt weltweit die Nummer sieben - ist für deutsche Bücher einer der wichtigsten Lizenzabnehmer geworden. Goethe und Schiller genießen dort einen exzellenten Ruf.

Die ehrgeizigen Südkoreaner - der kommunistische Norden wollte sich nicht beteiligen - sehen die Einladung als Herausforderung. Mit
15 Millionen Euro investieren sie mehr als jedes Gastland zuvor in Lesungen und Ausstellungen oder Konzerte, um sich als Kulturnation zu profilieren. Rund 40 koreanische Autoren, die schon seit mehreren Monaten durch Deutschland touren, sind in Frankfurt. Kaum bekannt ist, dass der Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern von buddhistischen Mönchen in Korea im 14. Jahrhundert und damit lange vor Gutenberg erfunden wurde.

Umgekehrt will die deutsche Buchbranche dafür sorgen, dass die aktuelle deutsche Literatur wieder stärker im Ausland Beachtung findet. Erstmals verleiht der Börsenverein am Vorabend der Buchmesse den Deutschen Buchpreis für die beste literarische Neuerscheinung im deutschsprachigen Raum. Die Auszeichnung soll an die großen nationalen Buchpreise in Frankreich oder Großbritannien anknüpfen.

(Internet: www.buchmesse.de)
 

 

Südkoreas Literaturwelt steht vor neuen Herausforderungen

Seoul (dpa) - Schriftsteller genießen im «Bildungsland» Südkorea nach wie vor hohes Ansehen. Die Wertschätzung für Dichtung und Philosophie hat in der Kulturtradition des Landes und in der ostasiatischen Region seit Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung. Die Hochachtung vor dem geschriebenen Wort wird schon durch die große Zahl von etwa 50 000 Büchern belegt, die jedes Jahr im «Land der Morgenstille» neu herausgegeben werden. Mit einem Buchmarktvolumen von 2,2 Milliarden Euro nimmt Südkorea weltweit den siebten Rang ein.
Hinzu kommt eine dynamische Literaturszene auf lokaler Ebene.

Im krassen Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass Korea auf der literarischen Weltkarte bis heute eine relativ untergeordnete Rolle spielt. Dabei wurden Lyriker wie Ko Un oder Romanautoren wie Yi Munyol, Hwang Sok-yong oder Jo Jong Rae seit Jahren als Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Der Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse soll deren Bekanntheitsgrad steigern, hoffen die koreanischen Organisatoren.

Die koreanische Gegenwartsliteratur bietet nicht nur, wie in anderen Ländern auch, einen Spiegel der sozialen und kulturellen Verhältnisse. Sie ist auch ein Zeugnis der schwierigen historischen Bedingungen, unter denen sich die moderne Literatur in Korea entwickelt hat.

Noch sind in der Literatur die Spuren der Traumata deutlich sichtbar, die Fremdherrschaft, Landesteilung, die Katastrophe des Bruderkriegs mit Nordkorea (1950-1953) und die Militärdiktaturen im 20. Jahrhundert hinterlassen haben. Literatur in Korea hatte seit der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft 1945 auch immer die Aufgabe, die Herausforderungen der Moderne vor dem Hintergrund der eigenen Tradition zu vermitteln.

Beispielhaft für die Thematisierung des Krieges und seinen Nachwirkungen stehen etwa Werke der Autorin Pak Wanso oder Autoren wie Kim Won Il, Jo Jong Rae oder Lim Chul-Woo, deren Namen bislang deutschen Lesern kaum etwas sagten. Dabei ergeben sich aus der Sicht von Literaturexperten wegen der geschichtlichen Parallele der Teilung in beiden Ländern spannende Vergleiche.

Die Literaturszene in Südkorea befindet sich heute angesichts der politischen und rasanten wirtschaftlich-sozialen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten in einer Phase der Neuorientierung.
Charakteristisch ist die große Zahl politisch engagierter Autoren, die sich in den 70er und 80er Jahren der Demokratisierungsbewegung angeschlossen haben. Vor nicht allzu langer Zeit landeten Autoren wie Hwang Sok-yong wegen unerlaubter Kontakte zum kommunistischen Nordkorea noch im Gefängnis. Doch nach dem Erfolg der Demokratisierung vollzog sich in den 90er Jahren eine Wende. Der Ton wurde allgemein privater. «Geschichten hielten sich, mit Ausnahmen, an den koreanischen Raum», sagt die in Seoul lebende Übersetzerin Heidrun Kang. Wichtige Themen sind Familie, Konfuzianismus, Urbanisierung, Generationsprobleme, Landflucht, Konsum.

Begleitet wurde diese Entwicklung vom Aufstieg junger koreanischer Schriftstellerinnen wie O Jeong Hui, So Yong Eun oder Kim Chae Won.
« Diese Autorinnen bringen Themen wie die Wiederbelebung des moralischen Gewissens und eines Wertesystems vor, die bei den gegenwärtigen Veränderungen in Vergessenheit geraten sind», sagt der Literaturwissenschaftler Kwon Youngmin von der Seouler Nationaluniversität.

Eine wichtige Stellung in der koreanischen Literatur nahm und nimmt die Poesie ein, die als deren Grundpfeiler gilt. Es gibt mehr als 20 000 Dichter. Vor allem jene der Nachkriegszeit wollten einen neuen «poetischen Geist» vermitteln und bedienten sich neuer Stilmittel.

Neue Herausforderungen resultieren für die Autoren im Hi-Tech- versessenen Südkorea heute nicht nur aus der allgegenwärtigen Vernetzung. Vor allem die Annäherung an Nordkorea in den vergangenen Jahren rückte verstärkt die Frage der Wiedervereinigung ins Bewusstsein. Im Juli vereinbarten Autoren aus beiden Ländern bei ihrem ersten Treffen nach 60 Jahren, den gerade erst begonnenen Dialog fortzusetzen. Doch wie schwierig dieser Weg zu begehen ist, machte im August ein von südkoreanischer Seite organisiertes «Poesietreffen für den Weltfrieden» im nordkoreanischen Geumgang- Gebirge deutlich: Poeten aus aller Welt folgten der Einladung, ein nordkoreanischer Schriftsteller wurde jedoch nicht geschickt.
 

 

Kurzporträts bedeutender zeitgenössischer koreanischer Autoren

Seoul (dpa) - Die meisten zeitgenössischen koreanischen Autoren sind in Deutschland weitgehend unbekannt. Es folgen Kurzporträts einiger bedeutender Schriftsteller:

PARK KYUNG RI (78) gilt als berühmteste südkoreanische Autorin.
Ihre 16-bändige Saga «Land« («Toji»), an der sie von 1969 an 25 Jahre lang schrieb, gilt als episches Schlüsselwerk der koreanischen Literatur im 20. Jahrhundert. Die Geschichte dreier Generationen einer Familie umfasst die Zeit von der letzten Phase der Joseon- Dynastie (1398-1910) bis zur Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft 1945. Sie schildert die Entwicklung des modernen Korea unter sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten. Pak wurde in den 60er Jahren mit ihren Romanen «Kim yakkuk ui ttal tul» («Die Töchter des Apothekers Kim», Pendragon Verlag, 1999) und «Shijang kwa chonjang» («Markt und Krieg», Secolo Verlag, 2002) bekannt. Sie gab auch eine renommierte Zeitschrift für zeitgenössische Literatur heraus. Für ihr umfangreiches Prosawerk wurde Pak mit vielen bedeutenden nationalen und internationalen Auszeichnungen geehrt. Heute lebt sie in der 120 Kilometer von Seoul entfernten Provinzstadt Wonju und hält an der dortigen Universität Literaturvorlesungen.

KO UN (72) gilt als bedeutendster lebender Lyriker seines Landes.
Seit Jahren wird er als aussichtsreicher Anwärter auf den Literatur- Nobelpreis gehandelt. Sein Leben ist von einschneidenden und manchmal abrupten Veränderungen geprägt. Er war Mönch und politischer Aktivist, der sich für die die Demokratisierung seines Landes einsetzte. Dafür landete er im Gefängnis. Er hat in seinem Leben zwei Selbstmordversuche und Jahre als Alkoholiker hinter sich. Während seiner Jahre in einem buddhistischen Kloster von 1952 bis 1962 begann er zu dichten. Der Zen-Buddhismus färbte auch auf seine Lyrik ab. In den 70er Jahren wandte er sich von einer schwermütig gestimmten, rätselhaften Lyrik immer mehr einem politisch engagierten Schreiben zu. Sein Werk umfasst mehr als 120 Veröffentlichungen, darunter auch Romane, Dramen und Essays. Einige liegen auch auf Deutsch vor. Noch im Gefängnis Anfang der 80er Jahre beschloss er, über jeden Menschen zu schreiben, der ihm in seinem Leben begegnet ist. Von dem Gedichtzyklus «Maninbo» sind bislang 20 Bände erschienen. Ko lebt heute mit seiner Frau in Ansong, zwei Stunden Autofahrt von Seoul entfernt.

YI MUNYOL (57) ist einer der einflussreichsten lebenden Autoren seines Landes und zudem einer der ersten Bestsellerautoren, dessen Werke auch über die Grenzen Südkoreas bekannt wurden. In seiner Heimat ist Yi wegen seiner politischen Ansichten jedoch umstritten.
Vor vier Jahren entzündete er eine Debatte, als er Unterstützer des als liberaler Reformpolitiker geltenden Präsidenten Roh Moo Hyun in Anspielung auf die radikalen Studentengruppen während der Kulturrevolution in China als «Rote Garden» bezeichnete. Trotz seines nicht ungebrochenen Ruhms wird seine Schreibkunst nach wie vor hoch eingeschätzt. Yis Roman «Der entstellte Held», der die Geschichte eines Schulalltags erzählt, gehört zur Schullektüre in Korea. Die auch auf Deutsch erschienene Erzählung (Pendragon 1999, Unionsverlag
2004) ist eine Parabel über die Ausübung von Macht. Als Meisterwerk gilt der biografische Roman «Shi-In» (Der Poet) von 1992, in dem Yi das Leben eines Dichters nacherzählt.

HWANG SOK-YONG (61) ist nicht nur einer der bedeutendsten, sondern auch einer der international bekanntesten koreanischen Schriftsteller. Er lebt zurzeit in London. Hwang machte sich auch mit seinem Eintreten für die Demokratisierung seines Landes und die Annäherung an Nordkorea einen Namen. 1993 wurde er wegen unerlaubter Besuche in Nordkorea zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Im Zuge einer Amnestie des damals neu gewählten südkoreanischen Präsidenten und späteren Friedensnobelpreisträgers Kim Dae Jung wurde Hwang 1998 freigelassen und später offiziell als Kulturvertreter in den Norden geschickt. In seinen Büchern variiert Hwang immer wieder das Thema der Entwurzelung, das der in der Mandschurei geborene Autor am eigenen Leib gespürt hat. Sein erfolgreicher Debütroman von 1972, «Die Geschichte des Herrn Han» (dtv, 2005), erzählt die erschütternde Geschichte eines nordkoreanischen Arztes, der während des Korea- Kriegs in den Süden flüchtet. 1984 veröffentlichte er den zehnbändigen Roman «Dschang Gilsan».

PAK WANSO (74) bildet zusammen mit Park Kyung Ri das Duo der großen alten Damen der koreanischen Gegenwartsliteratur. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des südkoreanischen Rundfunks unter Verlegern wurde Pak als Autorin gewählt, deren Büchern sie vor allen anderen den größten Erfolg wünschten. Paks Werke werden von fast allen Generationen gelesen. Ihr Debüt gab sie im Alter von fast 40 Jahren mit dem Roman «Namok» («Der nackte Baum»). Es folgten mehr als 20 Romane, Erzählungen und Essays.
 

 

Südkoreanische Bücher auf Deutsch - Ausgewählte Titel

Seoul (dpa) - Das einstige «Wirtschaftswunderland» Südkorea wartet noch darauf, auch als Literaturland entdeckt zu werden. Deutsche Verlage bieten eine Reihe von Übersetzungen, die einen Eindruck von der Gegenwartsliteratur des Landes ermöglichen. Die veränderte Lebenswelt im Zeitalter der Globalisierung wird darin ebenso thematisiert wie die Nachwirkungen der Landesteilung, des Korea- Kriegs und der Diktaturen im eigenen Land. Nachfolgend einige ausgewählte Titel:

Hwang Sok-yong: «DIE GESCHICHTE DES HERRN HAN». Der erfolgreiche Debütroman des preisgekrönten Schriftstellers aus dem Jahr 1972 erzählt die erschütternde Geschichte eines nordkoreanischen Arztes, der während des Korea-Kriegs (1950-53) nach Südkorea flieht. Die Erzählung gilt als Schlüsselwerk der koreanischen Literatur. Die Epoche des Kriegs wird nicht wie in vielen früheren Fällen in Form einer Heldengeschichte, sondern aus dem Blickwinkel des geschundenen Individuums dargestellt. Das Schicksal der Hauptfigur beleuchtet exemplarisch die Erfahrung der Trennung von Millionen koreanischer Familien. (dtv, Euro 12,00)

Friedhelm Bertulies (Hg.): «DIE SYMPATHIE DER GOLDFISCHE». Neue Erzählungen aus Südkorea. Für einige europäische Leser mögen die Themen nicht so neu sein, doch koreanischen Autoren und Lesern «brennen sie nach wie vor auf den Nägeln», schreibt der Herausgeber in seiner Einführung. «Befestigter Gesang» von Yi Munyol spielt in den 60er Jahren um die Zeit der Militärdiktatur von Park Chung Hee und schildert die zum Teil heillosen Zustände im Militär. Den Rahmen bilden die Geschehnisse eines Militärmanövers. In «Sympathie der Goldfische» von 1992 hält Lee Chang Dong der Gesellschaft den Spiegel vor. Ein Lehrer sieht seine Existenz durch seinen Halbbruder bedroht, der wegen seiner politischen Aktivitäten von der Polizei gesucht wird. In «Bruder!» von Choi In Suk von 1997 lauert der Ich-Erzähler einer Bekannten auf, die sich als Studentin für die «Revolution» einsetzte. In einem Buch beschreibt sie später ihren Kampf von damals als Illusion. Den Schluss des Sammelbands bildet «Die Gezeichnete» aus dem Jahr 1981 von Pak Wanso. Eine Frau sieht dem Sterben ihrer Mutter zu, die sich an den gescheiterten Versuch erinnert, ihren Sohn zu retten, der während des Korea-Kriegs zu den «Roten» übergelaufen war. (Suhrkamp, Euro 15,00)

Marion Eggert (Hg.): «WIND UND GRAS». Moderne koreanische Lyrik.
« Wenn es ein Land der Dichter gibt, dann ist das wohl Korea,» schreibt die Herausgeberin in ihrem Vorwort zu dieser Anthologie. Die Lyrik hat nach wie vor einen hohen Stellenwert in der koreanischen Literatur und gilt als deren Fundament. Der Bogen des Sammelbands spannt sich vom Anfang der japanischen Kolonialzeit 1910, als der Modernismus auch in koreanischen Literaturkreisen Einzug hielt, bis zur Lyrik der Gegenwart. (dtv, Euro 8,50)

Jo Jong Rae: «DAS SPIEL MIT DEM FEUER». Der 1982 veröffentlichte Roman des in seiner Heimat überaus erfolgreichen Schriftstellers setzt sich mit den Nachwirkungen des Korea-Kriegs auseinander. Ein erfolgreicher Geschäftsmann wird eines Tages von einem anonymen Anrufer aufgeschreckt. Er wird mit einer verdrängten Episode aus der Kriegszeit konfrontiert, als er sich einer Bluttat schuldig gemacht hat. Sein Sohn erfährt von der Geschichte seines Vaters. Der durch zahlreiche Bedeutungsebenen strukturierte Roman zeigt, wie die Vergangenheit des Krieges bis in die Gegenwart nachwirkt. In Jo Jong Raes viel gelesenen Romanen fügt sich ein Bild der leidvollen Geschichte Koreas im 20. Jahrhunderts zusammen. (Edition Peperkorn, Euro 19,00)

Hyok Kang: «IHR SEID HIER IM PARADIES!». Der Autor lebt nach der Flucht aus seiner Heimat Nordkorea seit 2002 in Südkorea. Aus dem Blickwinkel eines Kindes erzählt er vom Leben im abgeschotteten Norden der geteilten koreanischen Halbinsel. Die Erinnerungen sind ein erschütterndes Zeugnis der Lebensbedingungen in einem Land, in dem die Bewohner der größtmöglichen Kontrolle des Staates unterworfen sind, der sie nicht einmal ausreichend ernähren kann. Co-Autor des Buches ist der französische Journalist Philippe Grangereau, der Kang während eines Aufenthalts in Prag im Frühling 2003 getroffen und zu den Aufzeichnungen ermutigt hatte. (Goldmann, Euro 8,95)

Yi Munyol: «DER ENTSTELLTE HELD». In der inzwischen berühmten Erzählung aus dem Jahr 1987 schildert der Autor die Konflikte innerhalb einer Schulklasse vor dem Hintergrund der Militärdiktatur nach 1960. Der mit viel psychologischem Scharfsinn verfasste Text wird zur Metapher auf die Scheinheiligkeit und Korruption in der damaligen Gesellschaft. Erschienen ist das Buch im Bielefelder Pendragon Verlag, der sich als einziger Verlag in Deutschland bisher systematisch um die koreanische Literatur gekümmert hat. (Pendragon, 12,80 Euro)

Oh Jung-Hee: «VÖGEL». In ihrem Roman beobachtet Oh die Welt durch die Augen eines zwölfjährigen Mädchens, das zusammen mit seinem Bruder zu Verwandten abgeschoben wird. Der Vater, ein Tagelöhner, holt die Kinder zurück, ohne dass sich deren elendes Schicksal wirklich verändert. Das einfühlsam geschriebene Buch, 2002 zuerst bei Pendragon erschienen und ein Jahr später mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet, wirft ein Licht auf die soziale Wirklichkeit in der koreanischen Gesellschaft. (Unionsverlag Zürich, 9,90 Euro)
 

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