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News-Sonderthema:
Die 57. Frankfurter Buchmesse
vom 19. - 23. Oktober 2005
Berichte und Hintergrundinformationen auch zum Gastland Korea
24.10. Buchmesse geht mit Besucherplus zu Ende
Frankfurt/Main (dpa) - Mit einem leichten Besucherplus ist
die 57.
Frankfurter Buchmesse am Sonntag zu Ende gegangen. Die Organisatoren
zählten nach einer ersten Schätzung insgesamt rund
280 000 Besucher und damit 10 000 mehr als im Vorjahr, sagte
Messe-Sprecher Holger Ehling. Rund 7200 Aussteller aus mehr als
100 Ländern hatten bei der größten Bücherschau
der Welt fünf Tage lang ihre rund 100 000 Neuerscheinungen
präsentiert. In den fünf Messehallen herrschte am Sonntag,
an dem Bücher verkauft werden durften, nochmals dichtes
Gedränge.
Insgesamt erwies sich die Buchmesse in diesem Jahr nach dem
Urteil vieler Aussteller als konzentrierte Fachmesse ohne spektakuläre
Höhepunkte. Besondere Aufmerksamkeit richtete sich auf den
in seinem Heimatland angefeindeten türkischen Autor Orhan
Pamuk, der am Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
erhielt.
Gastland der Messe war Korea, dessen Präsentation die
Organisatoren als sehr erfolgreich bewerteten. Mehr als 25 000
Menschen kamen nach Angaben der Organisatoren in die Gastland-Halle.
Der kommunistische Norden fehlte allerdings bei dem Auftritt
und war lediglich Thema in Diskussionsforen zur Frage der Menschenrechte.
Indien - Gastland der Buchmesse im nächsten Jahr - kündigte
an, sich als moderne Industrienation zu präsentieren. 2007
ist Katalonien an der Reihe.
Mehr als 1000 Autoren - davon 40 aus Korea - waren zum Treffen
der internationalen Bücherwelt nach Frankfurt gereist, darunter
so bekannte wie Ken Follett, Nick Hornby, Cees Nooteboom oder
Asterix- Macher Albert Uderzo, Peter Härtling, Ingo Schulze,
Uwe Timm und Nachwuchs-Star Daniel Kehlmann. Das größte
Interesse der Besucher zogen aber schreibende Pop- und Filmstars
auf sich, darunter Sängerin Nena, der Musiker Chris Rea
und Schauspieler wie Heike Makatsch, Isabella Rossellini, Gudrun
Landgrebe oder Mario Adorf.
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Arno Geigers prämiertes Buch verkauft sich prächtig
Frankfurt/Main (dpa) - Für Autor Arno Geiger und den Hanser
Verlag hat sich Geigers Auszeichnung mit dem Deutschen Buchpreis
als enorm verkaufsfördernd erwiesen. Allein seit der Prämierung
des Geiger- Buchs «Es geht uns gut» habe man 20 000
Exemplare abgesetzt, sagte eine Hanser-Sprecherin am Freitag
auf der Frankfurter Buchmesse.
Zeitweise sei das Buch sogar vergriffen gewesen. Der Österreicher
Geiger hatte am Montag zum Auftakt der Buchmesse den erstmals
verliehenen Deutschen Buchpreis für die beste literarische
Neuerscheinung im deutschsprachigen Raum bekommen. Hanser hat
nach eigenen Angaben seit Erscheinen des Buchs 50 000 Exemplare
verkauft.
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Rummel um Nena auf der Buchmesse - Hunderte Fans blockierten
Stand
Frankfurt/Main (dpa) - Popstar Nena (45) hat am Freitag hunderte
Fans und Neugierige an den Lübbe-Stand auf der Frankfurter
Buchmesse gelockt. Dort stellte sie ihre Autobiografie «Willst
du mit mir gehn» vor und plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen.
Sie erzählte, wie sie einmal Haschplätzchen backte
und sich damit selbst außer Gefecht setzte, wie sie sich
zum ersten Mal verliebte und dass sie früher gern das Testbild
im Fernsehen sah: «Das hatte was sehr Beruhigendes.» Das
Gedrängel und Geschubse um die besten Fotos war bei Journalisten
und Publikum so groß, dass mehrere Sicherheitsleute eingreifen
mussten.
An die 300 Schaulustige blockierten den gesamten Stand, knipsten
Erinnerungsbilder und schimpften, dass sie wegen der Pressemeute
kaum etwas sehen konnten. Zum Trost gab es anschließend
Autogramme von Nena. An dem 300-Seiten-Buch hat die Sängerin
gemeinsam mit der Journalistin Claudia Thesenfitz drei Jahre
lang - mit Unterbrechungen - geschrieben.
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Wilde Tiger und drollige Monster - Koreanische Kinderbücher
suchen Verleger für deutschen Markt
Frankfurt/Main (ddp). Mit leuchtenden Augen und gefletschten
Zähnen umrundet der Tiger das kleine Dorf in Korea, die
Menschen verharren in ihren Hütten bis die Gefahr vorbei
ist. Das mächtige Tier, aus dem täglichen Leben des
Landes längst durch Ausrottung verschwunden, lebt unvermindert
fort in der Kinderliteratur. Auf der Frankfurter Buchmesse, die
sich in diesem Jahr Korea als Gastland eingeladen hat, ist die
Fülle der neuen Kinderliteratur unübersehbar.
«
Die Eltern bei uns legen sehr viel Wert auf die Erziehung ihrer
Kinder. Das bedeutet auch, dass sie ihren Nachwuchs zum Lesen
anregen und Bücher kaufen», sagt Youn-Sin Kim vom
Koreanischen Institut für Literaturübersetzungen.
Bislang gibt es nur wenige Titel, die auch auf Deutsch erschienen
sind. Einer davon ist «Reiseintopf beim Frosch»,
eine kleine Geschichte über Frösche und ihre Leidenschaft
für die koreanische Nationalspeise Reis. «Das Buch
ist bei einem koreanischen Verlag erschienen, denn einen deutschen
Verleger hat es nicht gefunden», sagt Youn-Sin. Auf der
Messe in Frankfurt solle auch ausprobiert werden, welche Geschichten
Interesse bei den deutschen Lesern finden.
Dabei gibt es auch in den Kinderbüchern viel zu erfahren über
die Mythen und die Geschichte Koreas. Männer und Frauen
in traditionellen Trachten zelebrieren das Leben von gestern,
steif und förmlich geht es da zuweilen auch in der Familie
zu. «In unseren Büchern erzählen wir alte Geschichten
auf neue Art», sagt Verlegerin Moon Jeong Sil.
Dafür würden bekannte Autoren des Landes engagiert.
Ganz wichtig seien in Korea auch die Illustrationen. "Sie
sind oft sehr anspruchsvoll und werden ebenfalls von bekannten
Künstlern gefertigt», sagt Moon Jeong Sil.
Die in koreanischen Kinderbüchern so beliebten dunklen
Monster verlören aber spätestens durch die nette Geschichte
ihren Schrecken.
«
Der Stil unserer Kinderbücher ist jedoch insgesamt weniger
niedlich und lieblich, als man sie vielleicht aus anderen Ländern
kennt», sagt Moon Jeong.
Doch nicht nur koreanische Geschichte findet sich in den Kinderbüchern
zuhauf wieder. «Ich bin mit den Märchen von Hans Christian
Andersen aufgewachsen und habe so meinen Zugang zu Europa gefunden»,
sagt Youn-Sin. Und so spielten natürlich Astrid Lindgren
und ihre Heldin Pippi Langstrumpf eine wichtige Rolle in ihren
Kindertagen. Gerade lässt das Institut ein Buch für
den deutschen Markt übersetzen, in dem die Welt der Autorin
Lindgren dem täglichen Leben eines koreanischen Kindes gegenübergestellt
wird.
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Leichter Talk mit Asterix' Vater - Albert Uderzo chattet
auf der Frankfurter Buchmesse mit Fans über den jüngsten
Comic-Band
Frankfurt/Main (ddp). Wenn er singt, fühlt er sich wie
der Barde Troubadix. Rein körperlich beobachtet Albert Uderzo
bei sich dagegen
- zu seinem ausdrücklichen Bedauern - eine zunehmende Ähnlichkeit
mit Obelix. Zur Verdeutlichung strich sich der 78-jährige
Asterix-Erfinder am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse über
seinen Bauch, der vom Umfang seines Comic-Helden freilich noch
ein ganzes Stück entfernt ist. Ausgelöst hatte dieses öffentliche
Eingeständnis die Frage der 17-jährigen Natalia aus
Costa Rica: «Welcher Figur gleichen Sie am meisten?»,
wollte sie vom Autor und Zeichner des Erfolgs-Comics wissen.
Uderzos Antworten dazu blieben dann aber auch die einzigen
Schwächen, die bei diesem «ersten weltweiten Asterix-Chat» (so
die
Veranstalter) zur Sprache kamen. Keine Spur von «Enttäuschung», «Schock» oder «Blödsinn»,
jenen Reaktionen, die der 33. Asterix-Band am vergangenen Freitag
bei eingefleischten Lesern in den Fan-Foren ausgelöst hatte.
Von «Verflachung» und «Lächerlichkeit» war
gar in der Presse die Rede gewesen.
«Gallien in Gefahr» kam vor einer Woche mit einer
Startauflage von acht Millionen Stück zeitgleich in 27 Ländern
in die Verkaufsregale.
Dass die pfiffigen Gallier in ihrem neuesten Abenteuer von Außerirdischen,
Superman-Klonen und Kampf-Robotern heimgesucht wurden, sorgte
bei vielen Anhängern für Entsetzen. Derartige Beschwerden
mussten die sieben «Asterix-Übersetzer», unter
anderem aus England, Finnland und den Niederlanden, am Freitag
auf der Buchmesse nicht ins Französische übertragen.
Die Fragen, die bereits zwischen dem 14. und 19. Oktober online
eingesendet worden waren und letztlich für den Chat ausgewählt
wurden, lauteten dagegen zum Beispiel: «Malen Sie immer
mit dem Stift zwischen Zeigefinger und Daumen?» (Ja, das
hat Uderzo sich mit der Zeit angewöhnt, weil seine Hand
von der üblichen Haltung müde geworden sei.), «Wird
sich Obelix verlieben?» (Uderzo hätte nichts dagegen,
die Fans allerdings würden gegen eine Heirat protestieren,
meint er.), «Wie erklären Sie sich Ihren riesigen
Erfolg?» (Das frage Uderzo sich seit vielen Jahren selbst.).
Einzig Eddi (41) aus Frankreich merkte an, dass ihn die aktuelle
Geschichte etwas «verwirrt» habe, wie er denn auf
die Idee mit den Außerirdischen gekommen sei? Ganz einfach,
antwortete Uderzo: «Ich habe überlegt, warum könnte
es Außerirdische nicht schon in einer ganz anderen Epoche
gegeben haben?»
Moderiert wurde die Veranstaltung vom hessischen Übersetzer
Jürgen Leber. Dass er wirklich der Vater von Asterix, Obelix
und Idefix ist, bewies Uderzo mit Zeichnungen seiner Helden,
die zum Leidwesen anwesender Anhänger nicht verschenkt,
sondern dem RTL-Spendenmarathon zur Verfügung gestellt wurden.
Ende November sollen die signierten Skizzen dort für einen
guten Zweck versteigert werden.
Keinen Zweifel ließ Uderzo am Freitag an dem Fakt, dass
weitere Asterix-Bände folgen werden. Vielleicht stehe dem
Barden Troubadix ja endlich eine große Sanges-Karriere
bevor, griff er die Idee eines griechischen Fans auf. Ob er sie
umsetzt, wird man erst in Band 34 zu sehen bekommen.
Uderzo hatte Asterix gemeinsam mit Texter René Goscinny
in den späten 50er Jahren geschaffen. Nach dem Tod seines
Partners übernahm Uderzo 1977 die alleinige Verantwortung
für Text und Zeichnungen. Bis heute wurden weltweit über
310 Millionen Exemplare der Asterix-Alben in 100 Sprachen verkauft.
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Heike Makatsch gibt nicht gerne Autogramme
Frankfurt/Main (dpa) - Schauspielerin Heike Makatsch (34) gibt
nicht gerne Autogramme. «Ich krampf mir da immer einen
ab», sagte sie am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse
bei der Vorstellung ihres Buches «Keine Lieder über
Liebe». Sie habe bis heute nicht gelernt, damit umzugehen
und fühle sich dabei als Produkt. «Ich begegne den
Menschen lieber auf Augenhöhe», sagte die Schauspielerin.
In dem Roman von Makatsch, der mit ihr in der Hauptrolle verfilmt
wurde, geht es um eine Dreiecksgeschichte in Berlin. Trotz ihrer
zuvor geäußerten Abneigung griff Makatsch am Ende
der Präsentation zum Stift und signierte einige Exemplare
ihres Buches.
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Itchitaka statt Struppi - Mangas verdrängen europäische
Comic-Kultur
Frankfurt/Main (dpa) - Manga-Held Itchitaka geht in grade mal
drei Comic-Bildchen tauchen, bandelt mit einer Strand-Grazie
an und reißt ihr den Bikini runter - der Zeichner von Tim
und Struppi gibt seinen Figuren für ihre Erlebnisse deutlich
mehr Platz. Für Experten ist dies der Hauptgrund dafür,
dass der klassische Comic in Deutschland kaum noch Leser findet. «Mangas
sind viel schneller, die belgisch- französischen Comics
haben eine klassisch-behäbige Bildfolge», sagt der
Programmchef des Carlsen-Verlages, Ralf Keiser.
Im Comic-Forum auf der Frankfurter Buchmesse haben die asiatischen
Mangas mit ihren schwarz-weißen Bildchen, die an Filmsequenzen
erinnern, den klassischen Comic in eine Nische gedrängt.
Um ihn bemühen sich nur kleine Verlage. «Mangas machen
bei Carlsen inzwischen 75 Prozent des gesamten Programmes aus»,
sagt Keiser. Im Jahr 2000 seien es erst 50 Prozent gewesen. 1990
waren die aasiatischen Bildchen im Programm des Verlages noch
gar nicht existent. 1991 versuchte es Carlsen mit «Akira»,
Mitte der 90er Jahre löste er dann mit «Dragonball» die
Manga-Welle in Deutschland aus.
«Die große franko-belgische Kultur ist am Aussterben,
da kommt nichts Neues», sagt die Verlegerin Rossi Schreiber
von Schreiber&Leser, die selbst solche Bände verkauft.
Leider komme der Großteil der europäischen Comics
aus dieser Region. Die neuen, für die Leser überraschenden
Geschichten erzählten inzwischen die asiatischen Mangas.
Auch junge europäische Zeichner wendeten sich in großer
Zahl diesem Genre zu.
«Wir haben heute Probleme, junge Künstler außerhalb
der Mangas für unser Verlagsprogramm zu finden», berichtet
Keiser. 95 Prozent der Angebote seien nicht gut genug oder passten
nicht ins Programm. Der Grund ist für den Mann von Carlsen
einfach: In Deutschland gebe es fast nur noch Wettbewerbe und
Foren zu den asiatischen Bildchen.
Neben den Zeichnern haben sich auch die Käufer verändert,
meint Keiser. In den meisten Geschichten schmökerten Teenager,
die Hälfte der Leser seien Mädchen.
«Der Comic-Markt wird insgesamt weiblicher», bestätigt
Jutta Harms von den kleinen Verlagen Reprodukt und Edition Moderne.
Ihre Unternehmen versuchten mit dem Erschließen von neuen
Themen qualitativ hochwertige Comics zu machen. Beispielsweise
beschreibt die Perserin Marjane Satrapi ihre Kindheit im Iran
in Comicform.
«
Meine Mutter war eine schöne Frau» handelt vom Leben
einer weißen Familie in Südafrika gegen Ende der Apartheid.
Die Klage des Großverlages über zu wenig Nicht-Manga-Nachwuchs
kann Harms nicht teilen: «Es gibt immer wieder tolle junge
Künstler von den Hochschulen, die neue Felder wie autobiografische
oder Reportage-Comics erschließen.» Die Nachwuchs-Zeichner
beschäftigten sich immer mehr mit klassischen Literatur-Themen
wie den eigenen Lebenszusammenhängen und dem Erwachsenwerden.
Doch auch wenn sich die Geschichten von Reprodukt und Edition
Moderne eher an erwachsene Romanleser wenden, haben es die Werke
mit Auflagen zwischen 3000 und 12000 Exemplaren im Buchhandel
schwer. «Es gibt immer noch viele Vorbehalte gegen Comics,
und die Literaturkunden müssen schon erst einmal ihre Lesegewohnheiten
umstellen.»
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Der etwas andere Bestseller-Indikator - Für die Verlage
ist Diebstahl auf der Buchmesse zum Normalfall geworden
Frankfurt/Main (ddp). Leseratten muss die Frankfurter Buchmesse
wie der Himmel auf Erden erscheinen: In zwölf großen
Messehallen gibt es Literatur soweit das Auge reicht. Viele Besucher
fühlen sich auf der größten Bücherschau
der Welt aber offenbar auch wie im
Selbstbedienungsladen: Jedes Jahr verschwinden unzählige
Bücher aus den Ausstellungsregalen. «Es wird sehr,
sehr viel gestohlen», sagt Gregor Möller, Marketingchef
des Lübbe-Verlags. «Wir haben im Schnitt 30 bis 35
Prozent Verlust.» Regelmäßig müssen plötzlich
auftauchende Lücken in den Regalen aufgefüllt werden
- und die größte Herausforderung steht den Verlagen
am Wochenende noch bevor.
Wenn am Samstag und Sonntag die Messehallen für jedermann
offen stehen, sich Tausende Besucher durch die Hallen schieben, «ist
es gar nicht möglich, sich vor Diebstahl zu schützen,
das verdoppelt sich dann noch mal», sagt Möller. Nach
den Worten der Sprecherin des Hörbuch-Verlags, Heike Völker-Sieber,
wird der Verlust durch Dienstahl «von vornherein mit einkalkuliert,
das ist der ganz normale Verlust bei der Messe».
Die Diebstahlsquote ist für die Verlage aber zugleich
auch eine etwas unkonventionelle Marktforschung. Denn die Regel
gilt: Was die Langfinger auf der Buchmesse besonders oft mitgehen
lassen, wird auch im Laden ein Bestseller. Oder wie Brockhaus-Sprecher
Klaus Holoch es
formuliert: «Wem am Ende die meisten Bücher weggekommen
sind, hat auch die besten, das könnte man auch als Kompliment
verstehen.»
Als Kavaliersdelikt sehen die Verlage die unerlaubte Mitnahme
von
Lese- und Hörstoff dennoch nicht an. «Wenn ich jemanden
dabei sehe, laufe ich ihm auch über mehrere Hallen nach»,
sagt Völker-Sieber. Die Ertappten werden sofort der Messe
verwiesen. Hostessen und das Verlags-Personal sind vor allem
am Wochenende angehalten, wachsam zu sein. «'Harry Potter'
ist am Samstag und Sonntag sicher der kritischste Bereich»,
prophezeit Völker-Sieber.
Mit genauen Zahlen, wie viele Ausstellungsstücke verschwinden,
tun sich die meisten Verlage schwer - auch weil einige Bücher
im täglichen Messetrubel ja ganz legal an Autoren und Agenten
verschenkt werden und darüber keine Übersicht geführt
wird. «Wenn wir eine Lücke sehen, füllen wir
sie auf», sagt dtv-Vertriebsmitarbeiterin Gabriele Mertl.
Lübbe hatte vor vier Jahren probeweise sogar Detektive
am Stand.
Inzwischen sei man aber wieder dazu übergegangen, selbst
zu kontrollieren, sagt Marketingchef Möller. Auch an den
Ausgängen der Buchmesse wird immer stärker kontrolliert.
Wer Bücher dabei hat, sollte eine Freiexemplar-Bestätigung
oder eine Kaufquittung vorzeigen können.
Manchmal handle es sich tatsächlich einfach nur um ein
Missverständnis von Besuchern, die im guten Glauben handelten,
sagt Völker-Sieber vom Hörbuch-Verlag. Ein bisschen
trüge der Verlag vielleicht sogar selbst dazu bei, räumt
sie ein, weil am Stand auch kostenlose Promo-CDs verteilt werden.
Die «dumme Ausrede, dafür liegen die Bücher
doch da», kann Möller inzwischen nicht mehr hören. «Die
werden immer raffinierter, bringen zum Teil Tragetaschen mit
verstärkter Kante mit und lassen die Bücher da ganz
schnell reinfallen», erzählt er. Erstaunlich sei dabei
immer wieder, dass die Ertappten aus allen Gesellschaftsschichten
kommen.
Manchmal spielten sich dann kleine Dramen ab: Als Möller
einmal eine ältere Dame beim Bücherklau zur Rede stellte,
war deren Mann so wütend auf die Gattin, dass er der inzwischen
Rausgeschmissenen anordnete, vor der Buchmesse auf ihn zu warten,
bis er sich in Ruhe umgeschaut habe.
Weitgehend diebstahlsicher ist immerhin ein Werk auf der
Buchmesse: «Unsere 30-bändige Enzyklopädie ist
noch nie verschwunden», schmunzelt Brockhaus-Sprecher Holoch.
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Buchmessensplitter
Asterix-Macher entwickelten Geschichte in nur 15 Minuten
Frankfurt/Main (dpa) - Die Asterix-Macher Albert Uderzo und
René Goscinny haben 1956 die Geschichte rund um den kleinen
Gallier in nur einer Viertelstunde entwickelt. «Wir haben
in 15 Minuten alle Hauptfiguren entwickelt», erinnerte
sich Zeichner Uderzo am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse.
Es sei ihnen gleich klar gewesen, dass das streitlustige Volk
der Gallier reisen müsse, deshalb hätten sie deren
Dorf ans Meer verlegt. Inspiration für seinen ersten Solo-Band
(«Der große Graben») fand Uderzo nach eigenen
Angaben in Deutschland:
« Die Geschichte fiel mir in Berlin ein, als ich die Mauer
sah.»
Biograf sieht bei Angela Merkel Züge von Margaret Thatcher
Frankfurt/Main (dpa) - Angela Merkel ist nach Ansicht ihres
Biografen Gerd Langguth zumindest «stückweise» mit
Margaret Thatcher zu vergleichen. Merkel sei wie die britische «Eiserne
Lady» Naturwissenschaftlerin. Wie Thatcher in Großbritannien
sei Merkel in der CDU auch nicht aus dem Zentrum der Partei an
die Macht gekommen, sagte Langguth am Freitag auf der Buchmesse.
Als Kanzlerin werde Merkel aber versuchen, an die Helmut-Kohl-CDU
anzuknüpfen, auch wenn sie wirtschaftspolitisch einen strikt
marktwirtschaftlichen Kurs einschlagen wolle. «Ich denke,
dass sie sich mehr zutraut als man ihr zutraut.»
22 Bände zur Förderung arabischer Literatur vorgestellt
Frankfurt/Main (dpa) - 22 Bücher zur arabischen Literatur
und Geschichte haben sechs deutsche Verlage auf der Frankfurter
Buchmesse vorgestellt. Die Präsentation wurde vom Flug zweier
Adler und zweier Falken auf der Agora des Messegeländes
begleitet. Der Falke gilt als Wahrezeichen Arabiens. Die Bücher
gehören zu einem im vergangenen Jahr auf der Bücherschau
mit dem Gastland Arabische Welt gestarteten Projekt, das der
Emir von Sharjah (Vereinigte Emirate) finanziell unterstützt.
Lafer bereitet Kalbsschnitzel zu - Pilaw aus dem Familienkochbuch
Frankfurt/Main (dpa) - Ein Duft von köstlichen Speisen
wehte durch Halle 3.0 auf der Frankfurter Buchmesse: Am Stand
von Dr. Oetker bereitete Spitzenkoch Johann Lafer am Freitag
Kartoffel-Gurkensalat mit Kürbiskernöl zu. Dazu gab
es für ausgesuchte Gäste Kalbsschnitzel. Gerd Eis vom
Wiesbadener Edel-Restaurant «Ente» hatte am Tag zuvor
am selben Stand seine Kochkünste unter Beweis gestellt.
Am Stand von Gräfe und Unzer gab es Möhren-Mandel-Pilaw
mit Pute, ein Rezept aus dem neuen Buch «Kochen für
die Familie».
Interviews von der Buchmesse als Podcasts für MP3-Player
Frankfurt/Main (dpa) - Mehr als 15 Interviews mit Autoren und
Verlegern von der Frankfurter Buchmesse können MP3-Hörer
als Podcasts herunterladen. Die bis zu 20 Minuten langen und
nicht geschnittenen Gespräche sind unter www.literaturcafe.de
zu finden, wie der Gründer des Literatur-Cafes, Wolfgang
Tischer sagte. Zu hören sind unter anderem Elke Heidenreich,
Roger Willemsen, mehrere junge Autoren und Vertreter von Hörbuchportalen.
Das Wort Podcast ist eine Verschmelzung von iPod (tragbarer MP3-Player
von Apple) und Broadcast (Rundfunk/Sendung).
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22.10. Schormann: Buchmesse war befreit von den Events der
Vorjahre
Frankfurt/Main (ddp-hes). Die Buchbranche ist nach Angaben
des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels,
Dieter Schormann, sehr zufrieden mit dem Verlauf der 57. Frankfurter
Buchmesse. «Das Tal der schlechten Umsätze ist durchschritten»,
sagte Schormann am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur
ddp in Frankfurt am Main. «Wir bewegen uns in einer Umsatzplus-Situation
von ein bis zwei Prozent», sagte er. Das sei noch kein
großer Sprung auf den Berg, aber ein Anfang.
Die am Sonntag zu Ende gehende Buchmesse sei insgesamt ruhiger
gewesen als in den Vorjahren. «Sie war befreit von den
Events, die wir in den vergangenen Jahren zur Belebung des Buchmarktes
versucht haben», betonte Schormann.
Viele Verlage hätten in den vergangenen Jahren dazugelernt
und seien «trendiger» geworden. «Das sieht
man zum Beispiel an den Papst-Büchern. Damit hat die Branche
schnell auf Aktuelles reagiert», sagte Vorsteher des Börsenvereins.
Insgesamt sei auch das Marketing bei den Verlagen und Händlern
verbessert worden. Der Massenandrang am ersten Publikumstag der
Buchmesse zeige die Begeisterung für das Buch auch bei jungen
Leuten. Es gebe sehr viel Konkurrenz in der Freizeit- und der
Wissensindustrie, der sich das Buch stelle. «Ein gutes
Marketing und ein großer Name sind die Garanten für
den Erfolg der Verlage», sagte Schormann, der den Börsenverein
zum Ende dieses Jahres verlässt.
Die Zeit der großen Literaten auf der Messe ist nach
Ansicht Schormanns vorbei: «Wenn sie nicht wirklich ein
neues Buch vorzustellen haben, wird man etwa Günter Grass
oder Martin Walser nicht mehr an den Verlangsständen finden»,
sagte er. Der «literarische Hauch», der die Buchmesse
jahrzehntelang bestimmt habe, sei vorbei.<
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Buchmessensplitter
Ingo Schulze freut sich über Interesse junger Leute an "Neue
Leben"
Frankfurt/Main (dpa) - Erfolgsautor Ingo Schulze (42, «Simple
Storys») freut sich, dass auch viele junge Leute zu den
Lesungen aus seinem neuen Roman «Neue Leben» kommen.
Das sei «hoch beachtlich», sagte Schulze in Frankfurt.
In dem Buch schildert er die Wendezeit aus ostdeutscher Sicht.
Das Thema sei auch 15 Jahre nach der Wende noch nicht abgeschlossen.
Gut sieben Jahre habe er mit dem Buch verbracht, davon die letzten
drei bis vier am Schreibtisch. «Jetzt musste ich erstmal
lernen, über das Buch zu reden.» Die Lesereise des
Wahl-Berliners endet Mitte Dezember.
Intendant Ulrich Khuon: Schauspielerinnen immer noch unterbezahlt
Frankfurt/Main (dpa) - Schauspielerinnen werden nach Meinung
des Intendanten des Hamburger Thalia Theaters, Ulrich Khuon,
immer noch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. «Es
gibt keine absolute Gleichheit» kritisierte der Theaterchef
am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse bei der Präsentation
des von ihm herausgegebenen Buches «Beruf: Schauspieler
- Vom Leben auf und hinter der Bühne». Grund für
die geringere Bezahlung sei, dass es viel mehr junge, begabte
Darstellerinnen gebe als Darsteller.
Demgegenüber gebe es in den Stücken weitaus mehr Männer-
als Frauenrollen.
Bücher als Grundnahrungsmittel: Diplomarbeiten auf langer
Tafel
Frankfurt/Main (dpa) - Unter dem Motto «Bücher sind
Grundnahrungsmittel» präsentiert die Fachhochschule
Dortmund auf der Buchmesse Diplom- und Semesterarbeiten an einem
langen schwarzen Tisch. Potenzielle Verleger und andere Interessenten
können an der Tafel in Halle 4 auf 14 Stühlen Platz
nehmen und sich die Unikate ansehen. Um die Bücher zu schonen,
liegen an jedem Platz weiße Handschuhe für die Leser
bereit.
Eine Million Zugriffe pro Tag auf Buchmessen-Webseite - Server
lahmt
Frankfurt/Main (dpa) - Das weltweite Interesse an der Buchmesse
hat schon mehrmals deren Internetauftritt lahm gelegt: Rund eine
Million Zugriffe täglich gebe es auf www.buchmesse.de oder
dem englischsprachigen Pendant www.book-fair.com, sagte Buchmessen-
Sprecher Holger Ehling am Donnerstag - mehr als der Server zunächst
verkraften konnte. Inzwischen sei dessen Leistungsfähigkeit
erhöht worden. Auf der Webseite sind unter anderem Veranstaltungstipps
und ein täglicher Newsletter mit aktuellen Bildern vom Messegeschehen
zu finden.
Suhrkamp startet neue Reihe mit Neuübersetzung des Korans
Frankfurt/Main (dpa) - Eine Neuübersetzung des Korans
gehört zu den ersten Projekten des Verlags der Weltreligionen,
den der Frankfurter Suhrkamp Verlag im Herbst 2007 starten will.
Das Wissen über die Grundlagen der Religionen solle mit
etwa zehn Bänden pro Jahr «auf eine solide Basis» gestellt
werden, sagte Suhrkamp-Sprecher Thomas Sparr am Donnerstag auf
der Frankfurter Buchmesse. «Damit wagen wir etwas Neues.» Als
zweites Vorhaben ist - ebenfalls von Herbst 2007 an - die edition
unseld mit ebenfalls zehn Titeln im Jahr als Forum für die
neuesten Erkenntnisse der Wissenschaften geplant.
Chris Rea: Krebs hat mich zu einfachen Dingen zurückgebracht
Frankfurt/Main (dpa) - Der krebskranke Musiker Chris Rea (54)
hat durch seine Krankheit seinen Sinn für die einfachen
Dingen des Lebens entdeckt. «Man braucht nicht alles, wofür
in den Hochglanzmagazinen geworben wird. Heute schätze ich
zum Beispiel ein gutes Essen, Wein, schöne Landschaften»,
sagte Rea, der früher für seine Autoleidenschaft und
ausgiebige Einkaufstouren bekannt war, am Donnerstag auf der
Buchmesse. Dort stellte er mit «Blue Guitars» sein
erstes so genanntes EarBook vor. Es enthält elf CDs mit
137 neuen Blues-Stücken, eine DVD, 50 von Rea selbst gemalte
Bilder und einen Begleittext. Rea waren in einer lebensgefährlichen
Operation unter anderem die Bauchspeicheldrüse und ein Drittel
des Magens entfernt worden.
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Türkei möchte in einigen Jahren Gastland der Buchmesse
sein
Istanbul/Frankfurt/Main (dpa) - Die Türkei möchte
sich in drei oder vier Jahren als Gastland der Buchmesse präsentieren. «2008
oder
2009 werden wir Gastland der Frankfurter Buchmesse sein»,
sagte der türkische Kulturminister Atilla Koc am Donnerstag
bei einem Besuch der weltgrößten Bücherschau,
wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Darüber werde er an diesem Freitag mit der Messeleitung
sprechen. Nach Südkorea, ist die Reihe 2006 an Indien und
2007 an Katalonien.
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Oase der Sammler - Erstmals Antiquariatsschau auf der Frankfurter
Buchmesse - «Struwwelpeter» für einige tausend
Euro
Frankfurt/Main (ddp). Am Eingang wird streng kontrolliert,
Taschen und Mäntel müssen abgegeben werden. Dann empfängt
den Besucher der Frankfurter Buchmesse in Halle vier eine Oase
inmitten des hektischen
Messetreibens: Zum ersten Mal haben die Organisatoren Händler
antiquarischer Bücher aus ganz Europa eingeladen, damit
sie ihre Schätze präsentieren und verkaufen. Sie sorgen
für ein ungewohntes Messeflair, denn dort laden dicke, dunkle
Lederfauteuils zum Verweilen und Schmökern ein, üppige
alte Bücher werden in Vitrinen hinter Glas präsentiert.
Unter den Händlern herrscht am zweiten Messetag fast Einigkeit:
Die Entscheidung zur 1. Frankfurter Antiquariatsmesse war goldrichtig. «Man
fragt sich, warum der Veranstalter darauf nicht schon früher
gekommen ist», sagt der Händler kostbarer alter Kinderbücher,
Hans Lindner.
Das Highlight seiner Präsentation hat Lindner bereits
am ersten Messetag verkauft: Clemens von Brentanos Buch «Des
Knaben Wunderhorn» wechselte für 4000 Euro den Besitzer.
Zahlreiche bunt bebilderte Ausgaben des «Struwwelpeter» von
Heinrich Hoffmann warten neben anderen Kostbarkeiten noch auf
die Sammler liebevoll gestalteter Kinderbücher. So auch
der hebräische Bildband «Die Haggadah des Kindes» von
1936, der von einem jüdischen Fest erzählt. Der Antiquar
aus Mainburg erhofft sich von dieser Ausgabe rund 2500 Euro.
Auch Erbauliches für die ganz Kleinen hat er mit «Freund
Purzel» und «Eia-popeia» im Angebot. Er hält
die Messe auf der Messe für eine «Veranstaltung mit
Zukunft».
Aus London angereist ist Clare Spiller von Sims Reed Ltd. Das
Antiquariat hat sich auf alte Kunstbände spezialisiert.
Im Angebot hat sie zum Beispiel opulente Bildbände von Wassily
Kandinsky, aber auch von der Künstlervereinigung Blauer
Reiter. «Der Kandinsky kostet
11 000 Euro», sagt die britische Händlerin. Die Nachfrage
sei erfreulich gut, und die Reise von London nach Frankfurt scheine
sich zu lohnen, schätzt sie am zweiten Messetag ein.
Etwas skeptischer gibt sich Dieter Schierenberg aus Amsterdam.
«
Die Leute schauen und interessieren sich sehr, aber gekauft haben
sie bisher bei mir nur wenig», sagt der auf naturwissenschaftliche
Bücher spezialisierte Antiquar. Dabei bietet er eine prächtige,
in Leder gebundene 20-bändige Ausgabe von A. Seits' «Die
Groß-Schmetterlinge der Erde» vom Anfang des vergangenen
Jahrhunderts an. «Das ist das umfangreichste Standardwerk,
das je über Schmetterlinge erschienen ist», sagt er
stolz. Mit seinen farbenfrohen Lithographien kostet die Ausgabe
auch stolze 10 600 Euro.
Noch kostbarer ist ein Band, den er nur mit Vorsicht aus dem
Regal
zieht: «Ectypa Vegetabilium» von Ludwig aus den Jahren
1760 bis 1764.
Der 15 900 Euro teuere Band enthält gepresste Pflanzen,
die später von Hand einkoloriert wurden.
Nur gute Erfahrungen mit der neuen Messe hat Sabine Schulten
vom Antiquariat Voerster aus Stuttgart gemacht. Sie handelt mit
allem rund um die Musik: Noten, Porträts und Briefen von
Musikern. Ein besonders kostbares Stück ist ein Brief des
Komponisten Christoph Willibald Gluck aus dem Jahr 1780, für
den sie 20 000 Euro erzielen will. Ein 1773 in Darmstadt erschienener
Erstdruck von Johann Wolfgang von Goethes «Götz von
Berlichingen» sollte 12 000 Euro einbringen. «Diese
Antiquariatsmesse ist wirklich eine Bereicherung», meinte
die Händlerin.
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Vertane Chance: Wenig Fußballfieber auf der Buchmesse
Frankfurt/Main (dpa) - Die Stehkurve als letztes Männer-Reservat
und die sexistischen Gesänge der Fans im Stadion: Fußballbegeisterte
Frauen haben ein kritisches Buch «Gender kicks» («Geschlechterkicks»)
geschrieben, das am Donnerstag auf dem Fußballforum der
Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde. «Es kann sich
keiner richtig vorstellen, dass Frauen Männermannschaften
trainieren könnten», kritisiert die Autorin Antje
Hagel die immer noch große Kluft zwischen den beiden Geschlechtern
im Fußball. Hagel betreut ein städtisches Fanprojekt
in Offenbach.
Die durchaus provokanten Thesen des Buchs interessieren jedoch
nur wenige im Forum. Vom großen Fußballfieber, das
die Veranstalter im Vorfeld der WM im kommenden Jahr auf der
weltgrößten Bücherschau inszenieren wollten,
ist kaum etwas zu spüren. In Halle 1.2 - größer
als ein Fußballfeld - sind recht lieblos rund 200 Fußball-Bücher
auf Tischen ausgelegt. Neben vielen Fotos und Ständen von
FIFA- und DFB- Sponsoren sorgen einige Tisch-Kicker und ein zum
Spielen gedachter «Fußball-Käfig» für
etwas Leben.
Zum Thema Buch und Fußball werden zwar bis Sonntag neue
Bücher vorgestellt, zum Beispiel zum Fall des Skandal-Schiedsrichters
Robert Hoyzer. Doch dass unzählige prominente Schriftsteller
von Peter Handke («Die Angst des Tormanns beim Elfmeter»)
bis Ror Wolf («Das nächste Spiel ist immer das schwerste»)
auch über das runde Leder philosophiert haben, wird im Fußball-Forum
nicht gewürdigt. Der englische Kult-Autor Nick Hornby, der über
seinen Lieblingsverein Arsenal London ein viel gelobtes Buch
(«Fever Pitch») geschrieben hat, ist zwar mehrere
Tage lang auf der Buchmesse - jedoch nicht im Fußball-Forum.
«Wir finden das hier etwas dürftig», sagt
Henning Horl vom Rotbuch Verlag in Hamburg, einem der Sponsoren
des Fußball-Forums. Mit einem KopfBall, auf dem Fußball-Sprüche
von Schriftstellern und Trainern stehen, bietet Rotbuch das wohl
originellste Produkt des Forums an.
Ernst Happels Spruch «Ein Tag ohne Fußball ist ein
verlorener Tag» oder Albert Camus' Weisheit «Alles
was ich über Moral weiß, habe ich vom Fußball»,
sind auf dem aus Kunstleder gefertigten Ball verewigt.
Die erste Auflage mit den 6000 Bällen, die über den
Buchhandel vertrieben werden, ist nach den Worten Horls bereits
verkauft.
Nicht zufrieden mit dem Angebot auf dem Forum Fußball
sind auch zwei Schülerinnen aus der Südpfalz, die mit
ihrer Deutsch-Klasse auf die Buchmesse gefahren sind. «Es
ist ein bisschen ruhig hier. Ich habe mir das doch viel größer
vorgestellt», sagt die 17-jährige Christine Rehmund,
die wie ihre Freundin eingefleischter Fan des 1.
FC Kaiserslautern ist. Obwohl sich immer mehr Frauen für
Fußball interessierten und in die Stadien gingen, nehme
man sie immer noch nicht richtig ernst, beklagen die Jugendlichen
und bestätigen damit eine These des Frauen-Buchs «Gender
kicks». Der Sport verändere sich eben nur langsam,
urteilt Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte,
die das Gender-Buch herausgegeben hat.
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21.10. Buchmesse zählt am ersten Besuchertag mehr Gäste
als 2004
Frankfurt/Main (ddp-hes). Die am Mittwoch gestartete Frankfurter
Buchmesse hat sich bereits am ersten Besuchertag als Publikumsmagnet
erwiesen. 44 074 Fachbesucher drängten auf das Messegelände,
wie die Veranstalter in Frankfurt am Main mitteilten. Das seien
489 oder 1,1 Prozent mehr gewesen als am ersten Messetag im vergangenen
Jahr.
Prominente Gäste waren neben den Autoren Ken Follett und
Nick Hornby der scheidende Außenminister Joschka Fischer
(Grüne) sowie der an einer schweren Krankheit leidende Physiker
Stephen Hawking.
Insgesamt erwarten die Organisatoren bis Sonntagabend 270 000
Besucher. Ihnen präsentieren sich über 7200 Aussteller,
so viele wie nie zuvor. An den ersten drei Tagen bleibt die Messe
den Fachbesuchern vorbehalten. Am Samstag und Sonntag können
dann auch alle übrigen Interessierten auf das Gelände
der weltgrößten Bücherschau.
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Albert Uderzo chattet auf der Buchmesse mit Fans aus aller
Welt
Frankfurt/Main (ddp). Asterix-Erfinder Albert Uderzo beantwortet
am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse Fragen von Fans aus
aller Welt zu seinem neuesten Comic-Band. Freunde des pfiffigen
Galliers können sich bei einem Live-Chat unter www.asterix.com
von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr direkt an den Zeichner und Autor
wenden. Acht Asterix-Übersetzer sorgen dafür, dass
die Fragen und Antworten unter anderem auch auf Finnisch, Portugiesisch
und Griechisch verstanden werden. Moderiert wird die Veranstaltung
vom hessischen Asterix-Übersetzer Jürgen Leber.
Der 33. Band «Gallien in Gefahr» war am vergangenen
Freitag mit einer Startauflage von acht Millionen Stück
zeitgleich in 27 Ländern in die Verkaufsregale gekommen.
Viele Fans und Kritiker reagierten allerdings enttäuscht.
Im neuesten Abenteuer werden die Gallier von Außerirdischen
und Robotern heimgesucht.
Uderzo hat Asterix gemeinsam mit Texter René Goscinny
in den späten 50er Jahren geschaffen. Nach dem Tod Goscinnys
1977 übernahm der heute 78-jährige Franzose die alleinige
Verantwortung für Text und Zeichnungen. Von den Asterix-Alben
wurden bis heute über 310 Millionen in 100 Sprachen verkauft.
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Ann-Kathrin Kramer stellt ihr erstes Kinderbuch auf Buchmesse
vor
Frankfurt/Main (ddp). Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer feiert
ihr Debüt als Kinderbuchautorin. Auf der Frankfurter Buchmesse
stellt sie am Freitag ihr erstes Werk «Matilda - Oder die
aus dem Haus ohne Fenster» vor. Darin schildert sie Abenteuer
aus dem Leben der fünfjährigen Heldin, die allerhand
Unsinn anstellt und damit eben «ein ganz normales Mädchen
ist», wie Kramer betont. Ab 16.00 Uhr wird die 39-Jährige
auf der Buchmesse einige ihrer Geschichten über Freundschaft,
Vertrauen, Ängste und Geduld vorlesen.
Kramer hat das Buch ihrem Sohn Leonard gewidmet. Es richtet
sich an Kinder ab vier Jahren und ist bei Edition Riesenrad erschienen.
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Bis zu eine Million Zugriffe pro Tag auf Buchmessen-Webseite
Frankfurt/Main (dpa) - Bis zu eine Million Zugriffe pro Tag
registriert die Frankfurter Buchmesse seit Montag auf ihrer Webseite.
Zeitweise sei der Internetauftritt schon lahmgelegt gewesen,
sagte Buchmessen-Sprecher Holger Ehling am Donnerstag. «Es
kann sein, dass der Zugriff deswegen manchmal etwas langsam ist.» Unter www.buchmesse.de und www.book-fair.com (englischsprachig)
sind unter anderem Veranstaltungstipps und ein täglicher
Newsletter mit aktuellen Bildern vom Messegeschehen zu finden.
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Korea-Schwerpunkt auf der Buchmesse bietet Chance für
Kleinverlage
Frankfurt/Main (dpa) - Für zwei Nischenverlage ist das
Schwerpunktthema Korea auf der Frankfurter Buchmesse ein
Glücksfall: Der Pendragon Verlag in Bielefeld und der Peperkorn
Verlag im ostfriesischen Thunum leisten seit Jahren mit ihrem
koreanischen Programm wichtige Aufbauarbeit. Schon vor Ende der
Messe am kommenden Sonntag erfreuen sich die Verleger Günther
Butkus und Günter Peperkorn einer größeren Medienaufmerksamkeit
als jemals zuvor, von der auch die koreanische Literaturszene
profitieren will. Bücher koreanischer Autorinnen und Autoren
fristen in Deutschland und im übrigen Europa nach wie vor
ein Schattendasein.
Allerdings warnen die Verleger vor zu großen Erwartungen
auf koreanischer Seite. Die Verkaufszahlen würden mit der
Präsentation auf der Buchmesse nicht sensationell in die
Höhe schnellen. «Das wird sich so nicht einlösen»,
sagt Butkus. «Ich fürchte, da wird es noch große
Frustrationen geben.» Es sei schon ein Erfolg, wenn der
Gastland-Auftritt dazu beitrage, dass nicht immer das Exotische
einer fremden Literatur im Mittelpunkt stehe, sondern über
Inhalte von Büchern gesprochen werde.
Butkus hat seit etwa sieben Jahren einen Korea-Schwerpunkt
und derzeit 30 Titel im Programm. Durch die Konzentration auf
moderne Romane, Erzählungen und Gedichte setzt sein Verlag
andere Akzente als Peperkorn. Letzterer hat außer Belletristik
auch ein kulturgeschichtlich ausgerichtetes Programm. «Literatur
erfordert schon ein wesentliches Einlassen auf die Fremdheit
einer anderen Kultur», meint Peperkorn. Zwar lasse sich
die koreanische Literatur auch ohne Landeskenntnis lesen. «Es
sollte jedoch schon Interesse an der koreanischen Kultur da sein.» Peperkorn
brachte zum Buchmesse-Jahr sieben koreanische Bücher heraus.
Normalerweise kommt der Verlag vielleicht auf drei oder vier
Titel im Jahr.
Insgesamt stellt er in Frankfurt etwa 40 Titel vor.
Beide Verlage, die sich schon im Erscheinungsbild voneinander
absetzen, sind auf der weltgrößten Bücherschau
mit kleinen Ständen in verschiedenen Hallen vertreten. Einen
Austausch zwischen beiden Verlagen gibt es laut Butkus schon
wegen der geographischen Distanz zwischen Bielefeld und Thunum
nicht in dem gewünschten Ausmaß. Als Konkurrenten
sähen sich beide Seiten aber nicht.
Als ungewöhnlich wie zweischneidig empfinden beide Verleger
die Förderung der Übersetzungen koreanischer Literatur
ins Deutsche.
Die Auswahl treffen fast ausschließlich koreanische Stiftungen.
« Man bekommt eigentlich die fertig übersetzten Bücher»,
sagt Peperkorn. «Ich glaube, das geht vollkommen am Markt
vorbei, weil die Stiftungen keine Vorstellung vom deutschen Buchmarkt
haben.» Allerdings könnten es sich kleine Verlage
wie Peperkorn ohne die finanzielle Förderung für Lizenzen, Übersetzerhonorare
und Herstellung kaum leisten, koreanische Bücher zu veröffentlichen.
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20.10. Hörbücher aus dem Automaten - Hoffnungsträger
der Branche
Frankfurt/Main (dpa) - Hörbücher aus dem Automaten:
Wenn es nach zwei Ausstellern der Frankfurter Buchmesse geht,
sind Romane, Lyrik und Fachliteratur bald nicht mehr nur im Buchhandel
und über die Internet-Portale zu haben. Auch an Bahnhöfen,
Flughäfen, Tankstellen und in den Cafeterien von Krankenhäusern
oder großen Firmen könnten die Titel rund um die Uhr
erstanden werden.
Der «BuyoMat» und die fast zwei Meter große
gelbe MP3-Zapfsäule spucken Hörbücher aus - der
eine im handelsüblichen Format, der andere als Download
für Computer, MP3-Player und Handy. Die Hersteller wollen
mit den Automaten, die sich auch in die Schaufenster von Buchläden
einbauen lassen, von dem Hörbuchmarkt profitieren. Dieser
wächst zweistellig, allerdings auf niedrigem Niveau.
Auf der Messe hat angesichts des stagnierenden Buch-Geschäfts «der
Hoffnungsträger» Hörbuch noch nie so viel Raum
eingenommen wie dieses Jahr: 70 Aussteller präsentieren
sich an einem Gemeinschaftsstand. Den derzeitigen Marktanteil
beziffern die Veranstalter der Buchmesse auf rund vier Prozent.
2005 liege der Umsatz mit Hörbüchern voraussichtlich
um 20 Prozent über dem Vorjahreswert, wie der Börsenverein
des Deutschen Buchhandels am Mittwoch schätzte. Am stärksten
legte die Belletristik zu. Absolute Zahlen nennt der Branchenverband
allerdings nicht; Schätzungen schwanken zwischen etwa 100
und 150 Millionen Euro.
Etwa 13 000 Titel zum Hören haben rund 500 Verlage
dem Börsenverein zufolge derzeit im Angebot. Die Preise
seien stabil.
Zu den Literatur-Hörern zählen sie gut sechs Millionen
Bundesbürger. Das Medium für die Ohren spreche einer
Umfrage zufolge vor allem «eine junge multimedial erfahrene
Zielgruppe an».
Der Imagewechsel vom Nischenprodukt für Sehbehinderte und
Kinder zum Medium für alle sei vollzogen.
Hauptabnehmer ist nach wie vor der traditionelle Buchhandel,
berichtet Marc Sieper von dem Arbeitskreis Hörbücher
des Branchenverbands. Knapp 65 Prozent der Titel gingen dort über
die Theken. Etwa ein Viertel der Verlage vertreibe die Literatur
zum Hören aber auch über die wachsenden Download-Portale
im Internet.
Nach dem Pionier soforthoren.de mit fast 100 Verlagen folgten
audible.de und ohrbuch.net als Hörbuch-Portale. Auf der
Buchmesse starteten der Focus Magazin Verlag und der Hörbuchverlag
am Mittwoch das Portal claudio.de (700 Titel). An diesem Donnerstag
soll hoerbie.de für Kinder mit 400 Angeboten folgen. Außerdem
finden sich im Netz diadopo.de und als Spezialist für Sachbücher
hoerkiosk.de. Der Internet-Medienhändler libri.de will bis
März
2006 mehr als 1000 MP3-Bücher anbieten.
Hörbuch-Spezialistin Claudia Gehre meint, die Zuwächse
beim Umsatz pendelten sich in den nächsten Jahren bei 10
bis 20 Prozent ein. Weltleitmarkt für die Literatur zum
Hören sind die USA, wo der Anteil allerdings trotz eines
völlig anderen Nutzerverhaltens nicht über zehn Prozent
hinausgekommen ist. In Europa hat Großbritannien dank der
BBC die Nase vorn. Ost-Europa hingegen gilt noch als Entwicklungsland.
In manchen südeuropäischen Ländern gebe es
noch nicht einmal ein Wort für Hörbuch, sagt Gehre.
Der Verkauf der Hörbücher schmälert den des
gedruckten Buches nicht, wie die Umfrage des Börsenvereins
zeigt. «Auch bei Downloads werden wir den Handel immer
brauchen», glaubt Sieper. «Die meisten Kunden informieren
sich online und kaufen offline», ergänzt Gehre.
Mit der wachsenden Nutzung der Download-Portale steige allerdings
auch die illegale Nutzung von Hörbüchern, berichtet
Barbara Dietz vom Arbeitskreis Piraterie. Über die Höhe
der Schäden gebe es jedoch noch nicht einmal Schätzungen.
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Buchmessensplitter
Aufbau-Verleger kritisiert «Dumping-Preise» im Buchhandel
Frankfurt/Main (dpa) - Aufbau-Verleger Bernd Lunkewitz hat
die «Dumping-Preise» im Buchhandel kritisiert.
Die von Zeitungsverlagen gestarteten Billig-Sondereditionen
machten sich bemerkbar, sagte der Chef der Berliner Verlagsgruppe
an Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. Dennoch ist der Aufbau-Verlag,
der dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, nach den Worten
von Lunkewitz auf dem Weg zu mehr Profitabilität. 2005 erwarte
die Gruppe bei Reduzierung der Titelzahl mit 16,7 Millionen Euro
ein Umsatzplus von drei Prozent.
Stephen Hawking hält den Blick in die Vergangenheit für
möglich
Frankfurt/Main (dpa) - Der Physiker und Bestsellerautor Stephen
Hawking hält den Blick in die Vergangenheit grundsätzlich
für möglich. Der gelähmte britische Wissenschaftler
besuchte am Mittwoch die Frankfurter Buchmesse und beantwortete
die Frage eines Fans nach der Möglichkeit von Zeitreisen
per Computerstimme mit «maybe» (vielleicht). Der
63-Jährige leidet an der Nervenkrankheit ALS und kann sich
nur mit Hilfe eines Sprachcomputers verständlich machen,
den er mit den Augenlidern bedient. «Er hält es für
wahrscheinlich, dass man die Vergangenheit sehen kann, Zeitreisen
sind schwieriger», erläuterte sein Assistent später.
Datenbank hilft Amalia-Bibliothek nach Brand bei Bücher-Suche
Frankfurt/Main (dpa) - Die größte deutsche Online-Datenbank
für antiquarische Bücher sucht für die Herzogin
Anna Amalia Bibliothek in Weimar nach Ersatz-Ausgaben für
die verbrannten Werke. Von den rund 50 000 Büchern,
die bei dem Brand der Bibliothek im Spätsommer
2004 zerstört wurden, könnten rund 70 Prozent wieder
beschafft werden, sagte Bibliotheks-Direktor Michael Knoche am
Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. Das Zentrale Verzeichnis
Antiquarischer Bücher (ZVAB) kann auf rund 3700 Antiquariate
mit weltweit 16 Millionen Titeln zugreifen.
Bild» und Weltbild starten «Goldbibel»
Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Verkaufserfolg mit der «Volksbibel» bringen
die «Bild»-Zeitung und die Verlagsgruppe Weltbild
zu Weihnachten 2005 eine «Goldbibel» heraus.
Der Band werde in der Tradition von Prachtbibeln als einmalige
und limitierte Ausgabe erscheinen, kündigten beide Unternehmen
am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse an. Das mehr als 2,5
Kilogramm schwere Buch werde 19,95 Euro kosten. Zur Höhe
der Auflage wurden keine Angaben gemacht. Von der «Volksbibel» war
die Gesamtauflage von 250 000 Exemplare in wenigen Wochen
verkauft worden.
Auswärtiges Amt will mit neuer Webseite junge Ausländer
ansprechen
Frankfurt/Main (dpa) - Mit eigenwilliger Sprache und ungewöhnlichem
Design will das Auswärtige Amt mit einem englischsprachigen
Internetangebot Werbung für Deutschland machen.
Die Webseite, die am Mittwoch offiziell auf der Frankfurter Buchmesse
gestartet wurde, will vor allem junge Ausländer informieren. «Unter
jungen Menschen (im Ausland) gilt Deutschland nicht gerade als
cool», sagte der zuständige Projektleiter beim Auswärtigen
Amt, Hinrich Thölken.
Nach Nobelpreis für Pinter: «Überwältigende
Nachfrage» bei Rowohlt
Frankfurt/Main (dpa) - Der Literatur-Nobelpreis für den
englischen Dramatiker Harold Pinter hat bei dessen deutschem
Verlag Rowohlt eine «überwältigende Nachfrage» ausgelöst.
Der Verlag drucke auf die Schnelle rund 120 000 Exemplare
von den vier Büchern des Autors nach, sagte Rowohlt-Sprecherin
Ursula Steffens am Mittwoch auf der Buchmesse. Rowohlt verlegt
einen Roman und drei Dramensammlungen des 75-Jährigen.
Bestsellerautor Ken Follett: Erfolg dank Fernsehverbots als
Kind
Frankfurt/Main (dpa) - Bestsellerautor Ken Follett (56) hat
seinen Erfolg auch einem früheren Fernsehverbot zu verdanken.
Seine Eltern hätten ihm als Kind aus religiösen Gründen
sowohl Fernsehen als auch Kino und Popmusik verboten, erzählte
Follett am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse. «Ich
hatte also nur Bücher und habe damit eine Menge über
das Leben gelernt. All das Lesen hat mir bei meinem Start als
Autor sehr geholfen.» Als nächstes Buch nach seinem
aktuellen Roman «Eisfieber» (Lübbe) plane er
eine Fortsetzung von «Die Säulen der Erde».
Zsuzsanna Gahse erhält Chamisso-Preis
Frankfurt/Main (dpa) - Die aus Ungarn stammende Schriftstellerin
Zsuzsanna Gahse erhält den mit 15 000 Euro dotierten
Adelbert-von- Chamisso-Preis 2006. Die im schweizerischen Kanton
Thurgau lebende Gahse habe als Autorin, Essayistin und Übersetzerin
der deutschen Literatur neue Farben und Töne geschenkt,
begründete die Robert- Bosch-Stiftung am Mittwoch auf der
Frankfurter Buchmesse die Auszeichnung. Mit dem Preis würdigt
die Stiftung seit 1985 die Leistung von Autoren, deren Muttersprache
oder kulturelle Herkunft nicht Deutschland ist.
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Zitate
«Ich fühle mich von starken, unabhängigen Frauen
angezogen. Ich muss gestehen, das ist eine Schwäche von
mir.»
(Bestseller-Autor Ken Follett über seine Vorliebe für
weibliche
Romanheldinnen)
«Unter jungen Menschen (im Ausland) gilt Deutschland nicht
gerade als cool.»
(Projektleiter Hinrich Thölken vom Auswärtigen Amt
zu einem englischsprachigen Internetangebot, mit dem Werbung
für Deutschland gemacht werden soll)
«Ich komme meist sehr bescheiden, klein und still von den
großen Bergen zurück.»
(Extrembergsteiger Reinhold Messner über sein Image als
Held und
Abenteurer)
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19.10. Die 57. Frankfurter Buchmesse ist eröffnet -
Korea hofft auf intensiven Kulturaustausch
Frankfurt/Main (ddp-hes). Die Literaturwelt blickt in den kommenden
Tagen wieder an den Main. Dort läuft seit Dienstag die 57.
Frankfurter Buchmesse. Offiziell eröffnet wurde sie am Nachmittag
von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und dem
Premierminister des diesjährigen Gastlandes Südkorea,
Lee Hae-Chan. Der Regierungschef des asiatischen Landes äußerte
die Hoffnung, dass der intensive kulturelle Austausch auf der
Messe Ost und West einander näher bringt.
Leider stehe bislang noch immer eine feste Wand zwischen dem
Orient und dem Okzident, sagte der Premierminister. Die Buchmesse
biete die Möglichkeit, dass sich die unterschiedlichen Kulturen
begegnen - so wie einst auf der Seidenstraße. Ministerpräsident
Koch hob in seiner Rede die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland
und Korea hervor. Die Deutschen wüssten, welch schweres
Schicksal die Teilung eines Landes bedeute.
Der Gastland-Pavillon Koreas sollte am Abend eröffnet
werden. Ab Mittwoch stehen die Messehallen dann zunächst
dem Fachpublikum offen.
Den Besuchern präsentieren sich über 7200 Aussteller
- so viele wie noch nie. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl
der vertretenen Verlage und Händler noch einmal um sechs
Prozent gestiegen, die Ausstellungsfläche hat sich um vier
Prozent vergrößert.
Zum Auftakt der Messe schöpft die deutsche Buchbranche
vorsichtig Optimismus - nach vier Jahren mit sinkenden oder stagnierenden
Umsätzen. In diesem Jahr sei ein Umsatzplus mit einer Eins,
eventuell sogar mit einer Zwei vor dem Komma möglich, sagte
der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels,
Dieter Schormann.
Nach seinen Angaben verzeichnete die Branche in ihren drei
großen Vertriebswegen - Sortimentsbuchhandel, Warenhäuser
und E-Commerce - von Januar bis September bereits ein Umsatzplus
von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die unklare
politische Lage nach der Bundestagswahl habe das Konsumklima
dann jedoch wieder eingetrübt.
Vom Verkauf des neuen Harry-Potter-Bandes sowie von der Buchmesse
erhofften sich die Händler nun neue Impulse.
In den Jahren ohne Umatzwachstum habe die Branche dazugelernt,
betonte Schormann. So versuchten die Händler jetzt, schneller
auf neue Trends zu reagieren. Auch das Ladendesign sei verbessert
worden.
Viele Händler hätten erkannt, dass Buchhandlungen ein
Erlebnis- und Wohlfühlort sein müssten.
Bis einschließlich Sonntag werden in Frankfurt rund 270
000 Besucher erwartet. Bis Freitag bleibt die Messe nur dem Fachpublikum
vorbehalten. Am Samstag und Sonntag ist sie dann für jedermann
geöffnet. Am letzten Messetag verwandelt sich die Messe
in einen riesigen Buchladen. Über 350 000 Titel können
dann zum gebundenen Ladenpreis gekauft werden.
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Buchmesse wird mit Südkoreas Ministerpräsidenten
eröffnet
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - In Frankfurt wird heute (Dienstag)
offiziell die 57. Buchmesse eröffnet. Zum Auftakt der weltgrößten
Bücherschau spricht der südkoreanische Ministerpräsident
Lee Hae Chan. Korea ist das diesjährige Gastland der Messe.
Die literarische Einführung hält der Schriftsteller
Ko Un, der als Südkoreas bedeutendster Lyriker gilt.
Von Mittwoch bis Sonntag beteiligen sich an der Messe in Frankfurt über
7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern, die rund 100 000
Neuerscheinungen vorstellen. Rund 1000 Autoren werden erwartet,
darunter fast 40 Schriftsteller aus dem Gastland Korea.
Insgesamt rechnet die Messe mit etwa 270 000 Besuchern.
Am kommenden Wochenende ist auch das allgemeine Lesepublikum
zugelassen.
Zum Abschluss der Buchmesse wird am Sonntag (23. Oktober) in
der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk verliehen.
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Lese-Marathon an den Ständen der Frankfurter Verlagsgruppe
Frankfurt (hdl) - Die Autoren der Frankfurter Verlagsgruppe
werden auf der Frankfurter Buchmesse täglich von 10 Uhr
an bis in die Abendstunden aus ihren literarischen Werken vortragen.
Jeweils 20 Minuten lesen die Schriftsteller an den beiden Ständen
in Halle 4.1, Stand A 100 und Halle 3.1, Stand K 132. Für
den Besucher bietet sich hier die Möglichkeit aus 25 Autorenlesungen
zu wählen und „Literatur kompakt“ zu erleben.
Der Verlag präsentiert dem Zuhörer somit einen Querschnitt
aus der neuen deutschsprachigen Literatur.
Den Besucher erwartet das Spektrum aktueller Literatur unter
anderem aus dem August von Goethe Literaturverlag und Fouqué-Literaturverlag.
Beide Verlage widmen sich neuen Autoren und beherbergen ein weites
Spektrum am Literatur in ihrem Programm: Die Verlage veröffentlichen
Belletristik, Prosa, Lyrik, Lebenserinnerungen und Kinderbücher.
Das jeweils aktuelle Lesungsprogramm wird an den Ständen
der Lesungen in Halle 4.1, Stand A 100 und Halle
3.1, Stand K 132 publiziert.
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Von Gelber Karte bis Fußpilz: Gerhard Delling schreibt
Fußballbuch
Frankfurt/Main (dpa) - Von der Gelben Karte bis zum Fußpilz:
ARD- Sportmoderator Gerhard Delling schreibt ein kleines ABC
rund um das Thema Fußball «Es macht mir Spaß»,
meinte Delling am Dienstag auf der Frankfurter Buchmesse. In
seinem Buch gehe es auch um Frauen und Fußball und das
Verhältnis von Fußball und Politik. Angesichts seiner
vielen Verpflichtungen habe er fürs Schreiben «einige
Nachtschichten eingelegt», sagte der gelernte Zeitungsjournalist.
Der Band soll im Dezember - ein halbes Jahr vor der Fußball-WM
- bei Langenscheidt erscheinen. Das Unternehmen, mit Marken wie
Brockhaus oder Meyers Branchenführer bei Wörterbüchern
in Deutschland, wird im kommenden Jahr 150 Jahre alt.
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Dichter Ko Un hofft auf neue Wahrnehmung der koreanischen
Literatur
Seoul (dpa) - Die Frankfurter Buchmesse bietet dem diesjährigen
Gastland Korea nach Ansicht des bedeutendsten südkoreanischen
Gegenwartslyrikers Ko Un eine gute Gelegenheit, sich einen neuen
Platz auf der literarischen Weltkarte zu verschaffen. «Die
westliche Literatur hat lange Zeit die moderne Literatur bestimmt,» sagte
Ko (72), der bei der weltgrößten Bücherschau
(18.-23.10.) aus seinem Werk vorlesen wird, in einem dpa-Gespräch
in Seoul. «Wir werden diese fest gefügte Struktur
am besten aufbrechen, wenn wir die verschiedenen Seiten der koreanischen
Literatur zeigen.»
Die koreanische Dichtung lässt sich nach Kos Darstellung
mit westlichen Kategorien nur schwer erfassen. «Die koreanische
Poesie kommt aus dem Schamanismus.» In diesem Punkt lasse
sich die koreanische Gegenwartslyrik nicht nur mit modernistischen
Kriterien erklären. Wie ein schamanistischer Priester, der
sich in Ekstase bringt, habe sein Vater früher aus sinnloser
Freude wie ein Kranich getanzt. «Ich habe diese Tollheit
von meinem Vater geerbt, und ich glaube, diese ist der Antrieb
meines Schreibens,» sagte Ko, der seit Jahren zum Kreis
der aussichtsreichen Anwärter auf den Literatur- Nobelpreis
gehört.
Die Koreaner seien sehr emotional, sagte Ko. Dies könne
auch eine Erklärung dafür sein, weshalb der Lyrik in
der Landes-Literatur traditionell ein so hoher Stellenwert zukommt. «Koreaner
sagen nicht einfach, ein Vogel singt, sondern ein Vogel weint,
wenn er singt.» Er selbst kenne keine Vorbilder. «Ich
werde eher durch Wind, Fluss und die Zeit inspiriert.»
Sein künstlerisches Schaffen beschreibt der Vielschreiber
Ko heute als eine Mischung aus Realität und Verzweiflung.
Dabei sieht er in der Poesie als ein Mittel der Weltschöpfung. «Heute
schreibe ich Gedichte, die eine neue Welt erschaffen. Ich bin
ein Träumer.» Seine Dichtung sei aus den Ruinen des
Korea-Kriegs (1950-1953) entstanden.
Die Werke seiner frühen Schaffensphase seien angesichts
der Kriegserfahrung von Verzweiflung geprägt.
Einen Bruch in seinem Leben gab es zur Zeit der Militärdiktatur
unter Park Chung Hee. Ko nennt die öffentliche Selbstverbrennung
des Textilarbeiters Chon Tae Il im November 1970 in Seoul als
einschneidendes Erlebnis, das ihn aus seinen damaligen Selbstzweifeln
aufgeschreckt habe. Chon hatte sich aus Protest gegen die Verhinderung
eines Arbeitsgesetztes durch die Regierung selbst angezündet. «Ich
sah auf mich selbst zurück, wer ich bin,» sagt Ko
heute. Danach habe eine Schaffensphase eingesetzt, die vor allem
durch ein politisch engagiertes, realistisches Schreiben gekennzeichnet
sei.
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Die weltgrößte Bücherschau treibt den Umbau
zur Medienmesse voran
Frankfurt/Main (dpa) - Joanne K. Rowling hat es nicht nötig,
auf der Frankfurter Buchmesse für den sich gigantisch verkaufenden
neuen Harry-Potter-Band zu werben. Doch auch ohne die britische
Erfolgsautorin kann die weltgrößte Bücherschau
mit einem Superlativ aufwarten. Mit mehr als 7000 Ausstellern
aus über als 100 Ländern erwartet die Messe vom 19.
bis 23. Oktober eine Rekordbeteiligung.
Rund 1000 Schriftsteller kommen. Darunter sind Altstar Ken
Follett, der britische Kult-Autor Nick Hornby oder Asterix-Erfinder
Albert Uderzo. Doch ihren Zuspruch verdankt die Bücherschau,
die mit 270 000 Besuchern rechnet, schon lange nicht mehr
dem eher stagnierenden klassischen Buchgeschäft.
Konsequent wird seit mehreren Jahren der Ausbau zur Medienmesse
vorangetrieben. In einer Kooperation mit der Berlinale soll die
Bücherschau auch zum Handelsplatz für Film- und Fernseh-Stoffe
werden. Darüber wird Regisseur Wim Wenders auf der Messe
diskutieren.
Die Schauspielerinnen Franka Potente und Heike Makatsch wiederum
stellen sich als debütierende Buchautorinnen vor.
Zum ersten Mal gibt es auch eine Kooperation mit Spielwarenherstellern.
Diese werden Spiele oder Lizenzprodukte zu Buchgestalten anbieten.
Und sogar «König Fußball» hat es auf die
Buchmesse geschafft: Ein halbes Jahr vor der WM in Deutschland
geht es in Lesungen und Diskussionen um die Verbindung von Literatur,
Kultur und Fußball.
Während die Buchmesse dieses Jahr ein Plus von über
sechs Prozent bei den Ausstellern anvisiert, ist die Buchbranche
insgesamt schon zufrieden, wenn sie 2005 ein leichtes Plus erzielt.
Immerhin hat es von Januar bis September nach Zahlen des Börsenvereins
des Deutschen Buchhandels ein Umsatzplus von knapp über
zwei Prozent gegeben - darin ist der Harry-Potter-Effekt von
Anfang Oktober noch gar nicht berücksichtigt.
Allerdings öffnet sich im Buchhandel die Schere zwischen
den florierenden Branchenführern wie Thalia, Weltbild oder
Hugendubel und den eher darbenden kleinen Buchhandlungen immer
weiter. Zum Symbol für den Strukturwandel wurde ausgerechnet
der oberste Repräsentant der Buchbranche, Börsenvereins-Vorsteher
Dieter Schormann. Kürzlich wurde bekannt, dass Schormann
seine fast 200 Jahre alte mittelständische Buchhandlung
in Gießen aufgibt und unter das Thalia- Konzerndach schlüpft
- in dessen neue Filiale in der hessischen Uni- Stadt.
Auch bei den Buchverlagen dreht sich das Konzentrations-Karussell
weiter. Anfang September kaufte der zu Bertelsmann gehörende
Branchenprimus Random House von der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» die traditionsreichen Buchverlage DVA, Manesse
und Kösel. Im Gegenzug machen die Zeitungsverlage mit verbilligten
Sondereditionen den Buchverlagen Konkurrenz. Besonders erfolgreich
waren im vergangenen Jahr die «Süddeutsche Zeitung» und «Bild».
Vor wenigen Tagen ist eine von Elke Heidenreich betreute «Brigitte»-Edition
angelaufen. Die «FAZ» wiederum startete vor wenigen
Wochen mit «Superman» und den «Peanuts» eine
Comic-Edition.
Die Buchmesse kann angesichts der Konsolidierung der Branche
im Inland praktisch nur noch im Ausland wachsen. Für den
englischsprachigen Raum ist Frankfurt seit langem die wichtigste
Adresse - angeführt von den USA und Großbritannien
sind allein 1500 Verlage aus diesem Sprachraum vertreten. Potenzial
gibt es dagegen noch in Fernost. Der neue Buchmessen-Chef Juergen
Boos - er ist seit April im Amt - will Frankfurt deshalb auch
für die asiatischen Länder zum unverzichtbaren Treffpunkt
machen.
Deshalb ist die Messe mit ihrem diesjährigen Gastland
Korea auch ganz glücklich. Zwar gilt die in Deutschland
noch weitgehend unentdeckte koreanische Literatur als eher spröde.
Doch der «Tigerstaat» - im internationalen Buchmarkt
weltweit die Nummer sieben - ist für deutsche Bücher
einer der wichtigsten Lizenzabnehmer geworden. Goethe und Schiller
genießen dort einen exzellenten Ruf.
Die ehrgeizigen Südkoreaner - der kommunistische Norden
wollte sich nicht beteiligen - sehen die Einladung als Herausforderung.
Mit
15 Millionen Euro investieren sie mehr als jedes Gastland zuvor
in Lesungen und Ausstellungen oder Konzerte, um sich als Kulturnation
zu profilieren. Rund 40 koreanische Autoren, die schon seit mehreren
Monaten durch Deutschland touren, sind in Frankfurt. Kaum bekannt
ist, dass der Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern von buddhistischen
Mönchen in Korea im 14. Jahrhundert und damit lange vor
Gutenberg erfunden wurde.
Umgekehrt will die deutsche Buchbranche dafür sorgen,
dass die aktuelle deutsche Literatur wieder stärker im Ausland
Beachtung findet. Erstmals verleiht der Börsenverein am
Vorabend der Buchmesse den Deutschen Buchpreis für die beste
literarische Neuerscheinung im deutschsprachigen Raum. Die Auszeichnung
soll an die großen nationalen Buchpreise in Frankreich
oder Großbritannien anknüpfen.
(Internet: www.buchmesse.de)
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Südkoreas Literaturwelt steht vor neuen Herausforderungen
Seoul (dpa) - Schriftsteller genießen im «Bildungsland» Südkorea
nach wie vor hohes Ansehen. Die Wertschätzung für Dichtung
und Philosophie hat in der Kulturtradition des Landes und in
der ostasiatischen Region seit Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung.
Die Hochachtung vor dem geschriebenen Wort wird schon durch die
große Zahl von etwa 50 000 Büchern belegt, die jedes
Jahr im «Land der Morgenstille» neu herausgegeben
werden. Mit einem Buchmarktvolumen von 2,2 Milliarden Euro nimmt
Südkorea weltweit den siebten Rang ein.
Hinzu kommt eine dynamische Literaturszene auf lokaler Ebene.
Im krassen Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass Korea auf
der literarischen Weltkarte bis heute eine relativ untergeordnete
Rolle spielt. Dabei wurden Lyriker wie Ko Un oder Romanautoren
wie Yi Munyol, Hwang Sok-yong oder Jo Jong Rae seit Jahren als
Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Der Gastlandauftritt
auf der Frankfurter Buchmesse soll deren Bekanntheitsgrad steigern,
hoffen die koreanischen Organisatoren.
Die koreanische Gegenwartsliteratur bietet nicht nur, wie in
anderen Ländern auch, einen Spiegel der sozialen und kulturellen
Verhältnisse. Sie ist auch ein Zeugnis der schwierigen historischen
Bedingungen, unter denen sich die moderne Literatur in Korea
entwickelt hat.
Noch sind in der Literatur die Spuren der Traumata deutlich
sichtbar, die Fremdherrschaft, Landesteilung, die Katastrophe
des Bruderkriegs mit Nordkorea (1950-1953) und die Militärdiktaturen
im 20. Jahrhundert hinterlassen haben. Literatur in Korea hatte
seit der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft 1945
auch immer die Aufgabe, die Herausforderungen der Moderne vor
dem Hintergrund der eigenen Tradition zu vermitteln.
Beispielhaft für die Thematisierung des Krieges und seinen
Nachwirkungen stehen etwa Werke der Autorin Pak Wanso oder Autoren
wie Kim Won Il, Jo Jong Rae oder Lim Chul-Woo, deren Namen bislang
deutschen Lesern kaum etwas sagten. Dabei ergeben sich aus der
Sicht von Literaturexperten wegen der geschichtlichen Parallele
der Teilung in beiden Ländern spannende Vergleiche.
Die Literaturszene in Südkorea befindet sich heute angesichts
der politischen und rasanten wirtschaftlich-sozialen Veränderungen
in den vergangenen Jahrzehnten in einer Phase der Neuorientierung.
Charakteristisch ist die große Zahl politisch engagierter
Autoren, die sich in den 70er und 80er Jahren der Demokratisierungsbewegung
angeschlossen haben. Vor nicht allzu langer Zeit landeten Autoren
wie Hwang Sok-yong wegen unerlaubter Kontakte zum kommunistischen
Nordkorea noch im Gefängnis. Doch nach dem Erfolg der Demokratisierung
vollzog sich in den 90er Jahren eine Wende. Der Ton wurde allgemein
privater. «Geschichten hielten sich, mit Ausnahmen, an
den koreanischen Raum», sagt die in Seoul lebende Übersetzerin
Heidrun Kang. Wichtige Themen sind Familie, Konfuzianismus, Urbanisierung,
Generationsprobleme, Landflucht, Konsum.
Begleitet wurde diese Entwicklung vom Aufstieg junger koreanischer
Schriftstellerinnen wie O Jeong Hui, So Yong Eun oder Kim Chae
Won.
«
Diese Autorinnen bringen Themen wie die Wiederbelebung des moralischen
Gewissens und eines Wertesystems vor, die bei den gegenwärtigen
Veränderungen in Vergessenheit geraten sind», sagt
der Literaturwissenschaftler Kwon Youngmin von der Seouler Nationaluniversität.
Eine wichtige Stellung in der koreanischen Literatur nahm und
nimmt die Poesie ein, die als deren Grundpfeiler gilt. Es gibt
mehr als 20 000 Dichter. Vor allem jene der Nachkriegszeit wollten
einen neuen «poetischen Geist» vermitteln und bedienten
sich neuer Stilmittel.
Neue Herausforderungen resultieren für die Autoren im
Hi-Tech- versessenen Südkorea heute nicht nur aus der allgegenwärtigen
Vernetzung. Vor allem die Annäherung an Nordkorea in den
vergangenen Jahren rückte verstärkt die Frage der Wiedervereinigung
ins Bewusstsein. Im Juli vereinbarten Autoren aus beiden Ländern
bei ihrem ersten Treffen nach 60 Jahren, den gerade erst begonnenen
Dialog fortzusetzen. Doch wie schwierig dieser Weg zu begehen
ist, machte im August ein von südkoreanischer Seite organisiertes «Poesietreffen
für den Weltfrieden» im nordkoreanischen Geumgang-
Gebirge deutlich: Poeten aus aller Welt folgten der Einladung,
ein nordkoreanischer Schriftsteller wurde jedoch nicht geschickt.
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Kurzporträts bedeutender zeitgenössischer koreanischer
Autoren
Seoul (dpa) - Die meisten zeitgenössischen koreanischen
Autoren sind in Deutschland weitgehend unbekannt. Es folgen Kurzporträts
einiger bedeutender Schriftsteller:
PARK KYUNG RI (78) gilt als berühmteste südkoreanische
Autorin.
Ihre 16-bändige Saga «Land« («Toji»),
an der sie von 1969 an 25 Jahre lang schrieb, gilt als episches
Schlüsselwerk der koreanischen Literatur im 20. Jahrhundert.
Die Geschichte dreier Generationen einer Familie umfasst die
Zeit von der letzten Phase der Joseon- Dynastie (1398-1910) bis
zur Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft 1945.
Sie schildert die Entwicklung des modernen Korea unter sozialen,
kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten. Pak wurde in den 60er
Jahren mit ihren Romanen «Kim yakkuk ui ttal tul» («Die
Töchter des Apothekers Kim», Pendragon Verlag, 1999)
und «Shijang kwa chonjang» («Markt und Krieg»,
Secolo Verlag, 2002) bekannt. Sie gab auch eine renommierte Zeitschrift
für zeitgenössische Literatur heraus. Für ihr
umfangreiches Prosawerk wurde Pak mit vielen bedeutenden nationalen
und internationalen Auszeichnungen geehrt. Heute lebt sie in
der 120 Kilometer von Seoul entfernten Provinzstadt Wonju und
hält an der dortigen Universität Literaturvorlesungen.
KO UN (72) gilt als bedeutendster lebender Lyriker seines Landes.
Seit Jahren wird er als aussichtsreicher Anwärter auf den
Literatur- Nobelpreis gehandelt. Sein Leben ist von einschneidenden
und manchmal abrupten Veränderungen geprägt. Er war
Mönch und politischer Aktivist, der sich für die die
Demokratisierung seines Landes einsetzte. Dafür landete
er im Gefängnis. Er hat in seinem Leben zwei Selbstmordversuche
und Jahre als Alkoholiker hinter sich. Während seiner Jahre
in einem buddhistischen Kloster von 1952 bis 1962 begann er zu
dichten. Der Zen-Buddhismus färbte auch auf seine Lyrik
ab. In den 70er Jahren wandte er sich von einer schwermütig
gestimmten, rätselhaften Lyrik immer mehr einem politisch
engagierten Schreiben zu. Sein Werk umfasst mehr als 120 Veröffentlichungen,
darunter auch Romane, Dramen und Essays. Einige liegen auch auf
Deutsch vor. Noch im Gefängnis Anfang der 80er Jahre beschloss
er, über jeden Menschen zu schreiben, der ihm in seinem
Leben begegnet ist. Von dem Gedichtzyklus «Maninbo» sind
bislang 20 Bände erschienen. Ko lebt heute mit seiner Frau
in Ansong, zwei Stunden Autofahrt von Seoul entfernt.
YI MUNYOL (57) ist einer der einflussreichsten lebenden Autoren
seines Landes und zudem einer der ersten Bestsellerautoren, dessen
Werke auch über die Grenzen Südkoreas bekannt wurden.
In seiner Heimat ist Yi wegen seiner politischen Ansichten jedoch
umstritten.
Vor vier Jahren entzündete er eine Debatte, als er Unterstützer
des als liberaler Reformpolitiker geltenden Präsidenten
Roh Moo Hyun in Anspielung auf die radikalen Studentengruppen
während der Kulturrevolution in China als «Rote Garden» bezeichnete.
Trotz seines nicht ungebrochenen Ruhms wird seine Schreibkunst
nach wie vor hoch eingeschätzt. Yis Roman «Der entstellte
Held», der die Geschichte eines Schulalltags erzählt,
gehört zur Schullektüre in Korea. Die auch auf Deutsch
erschienene Erzählung (Pendragon 1999, Unionsverlag
2004) ist eine Parabel über die Ausübung von Macht.
Als Meisterwerk gilt der biografische Roman «Shi-In» (Der
Poet) von 1992, in dem Yi das Leben eines Dichters nacherzählt.
HWANG SOK-YONG (61) ist nicht nur einer der bedeutendsten,
sondern auch einer der international bekanntesten koreanischen
Schriftsteller. Er lebt zurzeit in London. Hwang machte sich
auch mit seinem Eintreten für die Demokratisierung seines
Landes und die Annäherung an Nordkorea einen Namen. 1993
wurde er wegen unerlaubter Besuche in Nordkorea zu sieben Jahren
Gefängnis verurteilt. Im Zuge einer Amnestie des damals
neu gewählten südkoreanischen Präsidenten und
späteren Friedensnobelpreisträgers Kim Dae Jung wurde
Hwang 1998 freigelassen und später offiziell als Kulturvertreter
in den Norden geschickt. In seinen Büchern variiert Hwang
immer wieder das Thema der Entwurzelung, das der in der Mandschurei
geborene Autor am eigenen Leib gespürt hat. Sein erfolgreicher
Debütroman von 1972, «Die Geschichte des Herrn Han» (dtv,
2005), erzählt die erschütternde Geschichte eines nordkoreanischen
Arztes, der während des Korea- Kriegs in den Süden
flüchtet. 1984 veröffentlichte er den zehnbändigen
Roman «Dschang Gilsan».
PAK WANSO (74) bildet zusammen mit Park Kyung Ri das Duo der
großen alten Damen der koreanischen Gegenwartsliteratur.
In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des südkoreanischen
Rundfunks unter Verlegern wurde Pak als Autorin gewählt,
deren Büchern sie vor allen anderen den größten
Erfolg wünschten. Paks Werke werden von fast allen Generationen
gelesen. Ihr Debüt gab sie im Alter von fast 40 Jahren mit
dem Roman «Namok» («Der nackte Baum»).
Es folgten mehr als 20 Romane, Erzählungen und Essays.
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Südkoreanische Bücher auf Deutsch - Ausgewählte
Titel
Seoul (dpa) - Das einstige «Wirtschaftswunderland» Südkorea
wartet noch darauf, auch als Literaturland entdeckt zu werden.
Deutsche Verlage bieten eine Reihe von Übersetzungen, die
einen Eindruck von der Gegenwartsliteratur des Landes ermöglichen.
Die veränderte Lebenswelt im Zeitalter der Globalisierung
wird darin ebenso thematisiert wie die Nachwirkungen der Landesteilung,
des Korea- Kriegs und der Diktaturen im eigenen Land. Nachfolgend
einige ausgewählte Titel:
Hwang Sok-yong: «DIE GESCHICHTE DES HERRN HAN».
Der erfolgreiche Debütroman des preisgekrönten Schriftstellers
aus dem Jahr 1972 erzählt die erschütternde Geschichte
eines nordkoreanischen Arztes, der während des Korea-Kriegs
(1950-53) nach Südkorea flieht. Die Erzählung gilt
als Schlüsselwerk der koreanischen Literatur. Die Epoche
des Kriegs wird nicht wie in vielen früheren Fällen
in Form einer Heldengeschichte, sondern aus dem Blickwinkel des
geschundenen Individuums dargestellt. Das Schicksal der Hauptfigur
beleuchtet exemplarisch die Erfahrung der Trennung von Millionen
koreanischer Familien. (dtv, Euro 12,00)
Friedhelm Bertulies (Hg.): «DIE SYMPATHIE DER GOLDFISCHE».
Neue Erzählungen aus Südkorea. Für einige europäische
Leser mögen die Themen nicht so neu sein, doch koreanischen
Autoren und Lesern «brennen sie nach wie vor auf den Nägeln»,
schreibt der Herausgeber in seiner Einführung. «Befestigter
Gesang» von Yi Munyol spielt in den 60er Jahren um die
Zeit der Militärdiktatur von Park Chung Hee und schildert
die zum Teil heillosen Zustände im Militär. Den Rahmen
bilden die Geschehnisse eines Militärmanövers. In «Sympathie
der Goldfische» von 1992 hält Lee Chang Dong der Gesellschaft
den Spiegel vor. Ein Lehrer sieht seine Existenz durch seinen
Halbbruder bedroht, der wegen seiner politischen Aktivitäten
von der Polizei gesucht wird. In «Bruder!» von Choi
In Suk von 1997 lauert der Ich-Erzähler einer Bekannten
auf, die sich als Studentin für die «Revolution» einsetzte.
In einem Buch beschreibt sie später ihren Kampf von damals
als Illusion. Den Schluss des Sammelbands bildet «Die Gezeichnete» aus
dem Jahr 1981 von Pak Wanso. Eine Frau sieht dem Sterben ihrer
Mutter zu, die sich an den gescheiterten Versuch erinnert, ihren
Sohn zu retten, der während des Korea-Kriegs zu den «Roten» übergelaufen
war. (Suhrkamp, Euro 15,00)
Marion Eggert (Hg.): «WIND UND GRAS». Moderne koreanische
Lyrik.
«
Wenn es ein Land der Dichter gibt, dann ist das wohl Korea,» schreibt
die Herausgeberin in ihrem Vorwort zu dieser Anthologie. Die
Lyrik hat nach wie vor einen hohen Stellenwert in der koreanischen
Literatur und gilt als deren Fundament. Der Bogen des Sammelbands
spannt sich vom Anfang der japanischen Kolonialzeit 1910, als
der Modernismus auch in koreanischen Literaturkreisen Einzug
hielt, bis zur Lyrik der Gegenwart. (dtv, Euro 8,50)
Jo Jong Rae: «DAS SPIEL MIT DEM FEUER». Der 1982
veröffentlichte Roman des in seiner Heimat überaus
erfolgreichen Schriftstellers setzt sich mit den Nachwirkungen
des Korea-Kriegs auseinander. Ein erfolgreicher Geschäftsmann
wird eines Tages von einem anonymen Anrufer aufgeschreckt. Er
wird mit einer verdrängten Episode aus der Kriegszeit konfrontiert,
als er sich einer Bluttat schuldig gemacht hat. Sein Sohn erfährt
von der Geschichte seines Vaters. Der durch zahlreiche Bedeutungsebenen
strukturierte Roman zeigt, wie die Vergangenheit des Krieges
bis in die Gegenwart nachwirkt. In Jo Jong Raes viel gelesenen
Romanen fügt sich ein Bild der leidvollen Geschichte Koreas
im 20. Jahrhunderts zusammen. (Edition Peperkorn, Euro 19,00)
Hyok Kang: «IHR SEID HIER IM PARADIES!». Der Autor
lebt nach der Flucht aus seiner Heimat Nordkorea seit 2002 in
Südkorea. Aus dem Blickwinkel eines Kindes erzählt
er vom Leben im abgeschotteten Norden der geteilten koreanischen
Halbinsel. Die Erinnerungen sind ein erschütterndes Zeugnis
der Lebensbedingungen in einem Land, in dem die Bewohner der
größtmöglichen Kontrolle des Staates unterworfen
sind, der sie nicht einmal ausreichend ernähren kann. Co-Autor
des Buches ist der französische Journalist Philippe Grangereau,
der Kang während eines Aufenthalts in Prag im Frühling
2003 getroffen und zu den Aufzeichnungen ermutigt hatte. (Goldmann,
Euro 8,95)
Yi Munyol: «DER ENTSTELLTE HELD». In der inzwischen
berühmten Erzählung aus dem Jahr 1987 schildert der
Autor die Konflikte innerhalb einer Schulklasse vor dem Hintergrund
der Militärdiktatur nach 1960. Der mit viel psychologischem
Scharfsinn verfasste Text wird zur Metapher auf die Scheinheiligkeit
und Korruption in der damaligen Gesellschaft. Erschienen ist
das Buch im Bielefelder Pendragon Verlag, der sich als einziger
Verlag in Deutschland bisher systematisch um die koreanische
Literatur gekümmert hat. (Pendragon, 12,80 Euro)
Oh Jung-Hee: «VÖGEL». In ihrem Roman beobachtet
Oh die Welt durch die Augen eines zwölfjährigen Mädchens,
das zusammen mit seinem Bruder zu Verwandten abgeschoben wird.
Der Vater, ein Tagelöhner, holt die Kinder zurück,
ohne dass sich deren elendes Schicksal wirklich verändert.
Das einfühlsam geschriebene Buch, 2002 zuerst bei Pendragon
erschienen und ein Jahr später mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet,
wirft ein Licht auf die soziale Wirklichkeit in der koreanischen
Gesellschaft. (Unionsverlag Zürich, 9,90 Euro)
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