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News-Sonderthema: 

Frankfurter Buchmesse (14. bis 18.10.2009)

Fakten, Stimmen und Hintergrundberichte. Täglich aktuelle Informationen von der Messe
 

 
Unsere Beiträge:

20.10.
Lesemarathon auf der Frankfurter Buchmesse
Erneuter Eklat: Buchmesse feuert China-Projektleiter

Wortlauszüge aus der Rede von Claudio Magris
Verlage mit Buchmesse zufrieden - Konsolidierung angesagt
Unabhängige Verlage planen eigenen Buchpreis
200 000 Ausgaben von «Atemschaukel» im Handel - Nachdruck

19.10.
Buchmesse mit positiver Bilanz bei weniger Besuchern
Magris kritisiert neuen Populismus in Europa
Herta Müller weint auf der Buchmesse um Co-Autor Pastior
Kein Eklat - aber viel Kritik an Ehrengast China
Grass feiert auf der Messe doppelten Geburtstag

16.10.
China bei Buchmesse im Dauerfeuer der Kritiker
Beuys-Bildband ist schönstes Buch des Jahres
Download von «Atemschaukel» - Server bricht zusammen
Hirschhausen im Glück: «Froh, dass man mir zuhört»
Ausstellung chinesischer Kinderbuchillustrationen

15.10.
Zweiter Tag der Buchmesse beginnt
Streit um China-Berichterstattung deutscher Medien
E-Book-Reader: Die neue Vielfalt
«Das Leben ist keine Waldorfschule» ist kuriosester Titel
Dai Qing: Herta Müller ist ein Vorbild

14.10.
Merkel eröffnet Frankfurter Buchmesse: «Keine Tabus»
Prominente China-Autoren bei der Buchmesse
Die 61. Frankfurter Buchmesse in Zahlen
Herta Müller will Termine einhalten - «nur leichter Infekt»
Buchmarkt wächst - doch Buchmesse kleiner
 

 

20.10. Lesemarathon auf der Frankfurter Buchmesse

Frankfurt am Main (hdl) – Einen spannenden Lesemarathon veranstaltete die Frankfurter Verlagsgruppe auch in diesem Jahr wieder auf der Frankfurter Buchmesse (14.10. bis 18.10.). Am Messestand drängten sich die Zuhörer, als sich die in Messelesungen schon geübten Autoren mit schriftstellerischen Debütanten abwechselten. Die Auftritte der Autoren hielt das Deutsche Literaturfernsehen (www.deutsches-literaturfernsehen.de) fest, so dass die Lesungen auch für die Zukunft erhalten bleiben.

Von Lyrik bis Prosa war alles dabei: So las der Autor Oswald Blassnig aus seinem Erzählband «Zusammenläuten» vor. Seine zuweilen nachdenklichen Essays, Briefe und Kurzgeschichten unterhielten die Zuhörer prächtig. Die Schriftstellerin Maria Kurka dagegen ließ in ihrem Roman «Anna» frei nach dem Zitat Heraklits «alles fließen». Kurka verfolgt die Idee eines Menschenlebens, die sie immer wieder mit der Realität verschwimmen lässt. Großen Applaus erntete auch Lyrikerin Nicole Tentrus mit der Lesung aus ihrem Gedichtband «Gedichte, die das Herz öffnen». Tentrus trug ihre Verse in einer leidenschaftlichen Weise vor: Ihre Worte berührten tatsächlich die Herzen der Zuhörer.

Diese und noch viele weitere Lesungen bereicherten die Messetage am Stand der Frankfurter Verlagsgruppe. Unter http://www.autoren-tv.de/inhalt/buchmessefrankfurt09.html sind die Lesungen anzusehen.

www.frankfurter-verlagsgruppe.de
www.deutsches-literaturfernsehen.de

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20.10. Erneuter Eklat: Buchmesse feuert China-Projektleiter

Frankfurt/Main (dpa) - Nach einer erneuten Konfrontation mit zwei chinesischen Dissidenten beim Abschluss der Frankfurter Buchmesse haben die Organisatoren die Zusammenarbeit mit Projektleiter Peter Ripken sofort beendet. Die Buchmesse, eine Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, begründete am Montag den Schritt mit «anhaltenden Abstimmungsschwierigkeiten» beim diesjährigen Ehrengast China. Ripken hatte auf dem Abschiedsempfang des Auswärtigen Amtes (AA) am Sonntagnachmittag auf der Messe eine Rede der chinesischen Umweltaktivistin Dai Qing nicht zugelassen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte dazu in Berlin, man habe die beiden Dissidenten zu keinem Zeitpunkt eingeladen. «Wir hatten bis kurz vor Beginn der Veranstaltung auch keine Kenntnis davon, dass es eine Einladung von dritter Seite gibt.»

Ripken habe kurz vor der Veranstaltung ihr gesagt, sie dürfe nicht sprechen, sagte Dai Qing der «Frankfurter Rundschau» (FR). Der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte Ripken, der Empfang habe «mit China überhaupt nichts zu tun» gehabt. Auch der exil-chinesische Lyriker Bei Ling wollte ursprünglich beim Abschied sprechen, wie er der dpa am Montag bestätigte.

Ripken war bereits vier Wochen vor der Messe in die Kritik geraten, weil er Dai Qing und Bei Ling bei einem China-Symposium in Frankfurt unter dem Druck chinesischer Offizieller ausgeladen hatte. Beide durften dann nach heftiger öffentlicher Kritik doch teilnehmen. Sie wurden dann auch von der Buchmesse zur Messe selbst eingeladen.

Beim Abschiedsempfang habe sie sich bei der Buchmesse bedanken wollen, «dass sie die Plattform dafür geboten hat, dass sich offizielle und inoffizielle Stimmen aus China zur Wort melden konnten», sagte Dai Qing, die zu den schärfsten Kritikern des Drei- Schluchten-Staudamms in China gehört, der «FR». Dass sie bei der Veranstaltung reden dürfe, sei ihr von den Organisatoren bereits im September in Aussicht gestellt worden.

Bei Ling meinte, das AA habe vermutlich mit Rücksicht auf den Ehrengast beim Abschied keine Reden von China-Kritikern mehr gewollt. Ursprünglich sollte Bei Ling nach seinen Angaben auf Vorschlag Ripkens beim Empfang Gedichte lesen.

Der Abschiedsempfang wird gemeinsam vom Auswärtigen Amt und der Buchmesse organisiert. Während der fünftägigen Messe war es dort auch um das Thema Meinungsfreiheit im China gegangen. Beim Abschiedsempfang sprach ein Vertreter des Auswärtigen Amtes sowie eine Verlegerin aus Indien.

Der 67-jährige Ripken hatte bei der Buchmesse einen Honorarvertrag. Die Buchmesse selbst wollte am Montag keine weitere Stellungnahme abgeben.

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20.10. Wortlauszüge aus der Rede von Claudio Magris

Frankfurt/Main (dpa) - Der italienische Schriftsteller und Germanist Claudio Magris ist am Sonntag in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert Auszüge aus seiner Dankesrede:

(...) «Der dritte Weltkrieg hat stattgefunden, auch wenn die meisten Europäer das Glück hatten, nicht den Blutzoll zahlen zu müssen. Ungefähr 20 Millionen Tote nach 1945 - die, im Unterschied zu denen des Zweiten Weltkriegs, so gut wie unbekannt geblieben und einem brutalen Vergessen anheimgegeben sind. Wir wiegen uns in der Illusion, ohne Krieg zu leben, weil der Rhein keine von Hunderttausenden von Soldaten umkämpfte Grenze mehr ist, oder weil auf dem Karst hinter Triest nicht mehr diese Grenze verläuft, die der unüberwindbare Eiserne Vorhang war und ein Pulverfass zugleich. Diese Grenze meiner Kindheit und Jugend trennte nicht nur zwei politische Welten, sondern auch eine Mauer, um den Osten auszuschließen, den immer verachteten und gefürchteten Osten, oder, wie man sagte, "das andere Europa". Heute ist diese Grenze nicht aufgehoben, sondern nur verschoben, um einen anderen, noch östlicheren Osten auszuschließen. Eine Grenze, die nicht als Durchgang, sondern als Mauer, als Bollwerk gegen die Barbaren, erlebt wird, bildet ein latentes Kriegspotenzial.

Heute sind es andere Grenzen, die den Frieden bedrohen, bisweilen unsichtbare Grenzen im Innern unserer Städte, zwischen uns und den Neuankömmlingen aus allen Teilen der Welt, die wir kaum wahrnehmen, denn, wie es im Lied von Mackie Messer heißt: "die im Dunkeln sieht man nicht". Nicht nur an den italienischen Küsten landen Flüchtlinge, die man für räuberische Piraten hält. Die Reaktionen auf eine solche mit einer Invasion verwechselte Exilsuche sind hysterisch und symptomatisch in ihrer Brutalität. Im Jahr 2000 begab sich ein bekannter italienischer Politiker, der später Minister der Republik wurde, nach Lodi in der Lombardei, an den Ort, wo eine Moschee gebaut werden sollte. An einer Leine zog er ein Schwein hinter sich her, um die muslimischen Immigranten, die diese Moschee errichten wollten, zu beleidigen. Auch das ist ein kleiner kriegerischer Akt.

Als italienischer Patriot hoffe ich, dass mein - im übrigen bezauberndes - Land nicht noch einmal Vorkämpfer in negativem Sinn sein wird: Den Faschismus in Europa haben schließlich wir erfunden, auch wenn uns danach andere in ihrem Eifer weit übertroffen haben. Der neue Populismus, der heutzutage mehr oder weniger überall in Europa umgeht, schafft, wie ein Historiker schrieb, Demokratien ohne Demokratie. Er ist eine Gefahr für die Demokratie und für den Frieden - jede Bedrohung der Demokratie ist eine Gefahr für den Frieden, ganz gleich in welcher Form sie auftritt - auch wenn er nichts mit dem klassischen Faschismus zu tun hat: ein Terminus, der in diesem Fall so unangebracht ist wie ein alberner Refrain.

Dieser Populismus ist eine schwammige gesamtgesellschaftliche Erscheinung, welche die unverbrüchlichen Grundwerte, jedes Gefühl für Recht und Unrecht, jeden Bezug zwischen dem Wohl des einzelnen und dem Gemeinwohl aufgibt. Ein Gefühl, das zwar nicht ausreicht, aber das zu haben notwendig ist, um wenigstens hoffen zu können, dass man Gerechtigkeit schafft und damit Frieden. Ohne Gerechtigkeit ist kein Frieden möglich. Die wachsende Unduldsamkeit gegenüber dem Gesetz, das die Straftaten verfolgt, und die Beschneidung der Justiz, die sie verfolgt, bringen den düsteren Traum von einem Leben ohne Gesetz oder mit so wenig Gesetz wie möglich zum Ausdruck, also von einem Dschungel, einem Zustand von bellum omnium contra omnes, jeder gegen jeden, in dem die Starken auf wenig Widerstand stoßen, wenn es darum geht, die Schwachen zu unterdrücken. (...)

Es ist leicht und auch angebracht, die Unmenschlichkeit derjenigen zu kritisieren, welche die Einwanderer zurückweisen. Aber es könnte der Moment kommen, in dem die Anzahl unserer Mitmenschen auf der Welt, die mit Recht ihren unerträglichen Lebensumständen entfliehen wollen, derart zunimmt, dass sie buchstäblich keinen Platz mehr finden und damit untragbare Konflikte auslösen, in unvorhersehbaren Formen, die ebenfalls ganz anders sind als das, was wir traditionsgemäß Krieg nennen....

Angesichts der weltweiten Dimension solcher möglichen Katastrophen erscheint die gegenwärtige Schwäche und Zerrissenheit Europas doppelt schmerzlich und schuldhaft. Nur ein wirklich geeintes Europa, ein echter Staatenbund - natürlich dezentralisiert - könnte fähig sein (und wäre dazu verpflichtet), sich Problemen zu stellen, die über das Nationale hinausgehen. Auf Europa wartet die große und schwierige Aufgabe, sich den neuen Kulturen der "neuen Europäer" aus der ganzen Welt zu öffnen, die es durch ihre Mannigfaltigkeit bereichern. Es wird darum gehen, uns selbst infrage zu stellen und offen zu werden für den größtmöglichen Dialog mit anderen Wertsystemen, dabei jedoch Grenzen um ein winziges, aber präzises und nicht mehr verhandelbares Quantum an Werten zu ziehen, an für immer erworbenen und als absolut anzusehenden Werten, die nicht mehr zur Diskussion gestellt werden: wenige, aber eindeutige Werte, wie zum Beispiel die rechtliche Gleichstellung aller Bürger, unabhängig von Geschlecht, Religion oder Volkszugehörigkeit. Doch solange Europa noch eine Parallelaktion ist, wird unsere Realität wie die Musils "in der Luft stehen".

Viele Utopien von einem Paradies auf Erden sind verflogen, doch nicht verflogen ist die Forderung, dass die Welt nicht nur verwaltet, sondern vor allem auch verändert werden muss. "Ändere die Welt, sie braucht es!" forderte Bertolt Brecht.» (...)

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20.10. Verlage mit Buchmesse zufrieden - Konsolidierung angesagt

Frankfurt/Main (dpa) - Trotz Wirtschaftskrise ziehen viele Verlage zum Ende der Frankfurter Buchmesse eine positive Bilanz. Zahlreiche Verlage freuen sich über gutlaufende Titel und hoffnungsvolle Neuerwerbungen. Mit den Aussichten auf das für die Branche umsatzträchtigste vierte Quartal sind die von dpa befragten Verlage zufrieden. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diverse Häuser einen harten Sparkurs fahren müssen. «Konsolidierung ist angesagt», fasst Hoffmann & Campe-Chef Günter Berg in Frankfurt zusammen.

Berg lässt auch die Debatte über Chancen und Risiken des E-Books ziemlich unberührt: «Bei uns erscheint jedes Buch auch als E-Book.» Christina Knecht vom Hanser Verlag sieht das ähnlich. «Wir waren von Anfang an dabei. Es wäre fatal, hier zu zögerlich zu sein.» Der Münchner Verlag profitiert vom Nobelpreis-Glanz für Herta Müller, 200 000 Exemplare ihrer «Atemschaukel» sind bereits im Handel. Beim Lübbe-Verlagsstand freut man sich über den «Blockbuster» von Dan Brown («Das verlorene Symbol»), bereits in den ersten zwei Tagen seien etwa 120 000 Exemplare verkauft worden, berichtet Sprecherin Ricarda Witte-Masuhr.

«Bei uns ist die Wirtschaftskrise bislang nicht angekommen», sagte der Sprecher des Frankfurter S. Fischer Verlags, Martin Spieles. Allerdings sind auch bei Fischer alle Etatposten nach möglichen Einsparungen durchforstet werden. Beim Marketing und der PR werde aber nicht gespart. Auch bei den Investitionen zum Beispiel beim Einkauf großer Titel gebe keine Veränderungen. «Wir habe eine sehr gute Resonanz erlebt», sagt Georg Rieppel aus der Geschäftsführung von Klett-Cotta. Besonders Fantasy-Titel seien sehr gefragt. Der traditionsreiche Stuttgarter Verlag will sich künftig wieder stärker auch in der Literatur profilieren.

Von der Wirtschaftskrise profitieren können vor allem Fachverlage, die mit Büchern zu diesem Thema auf dem Markt sind. Die durch die Krise entfachte Aufmerksamkeit für Wirtschafts- und Finanzthemen sei weiter groß, heißt es etwa beim FinanzBuch Verlag. Neben den Büchern, die erklären, wie es zum Crash kommen konnte, seien zunehmend aber auch Sachbücher gefragt, die sich mit den Folgen der Krise beschäftigen: Arbeitslosigkeit, Armut oder Bewerbungsratgeber.

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20.10. Unabhängige Verlage planen eigenen Buchpreis

Frankfurt/Main (dpa) - Die kleinen Verlage in Deutschland wollen einen eigenen Buchpreis ins Leben rufen. Ein «publikumswirksamer Independent-Buchpreis» soll für Herbst 2010 erstmals ausgeschrieben werden, berichtete die Zeitung «Der Freitag». Im Vorgriff darauf wurde auf der Buchmesse der «Preis der Hotlist 2009» vergeben. Es siegte nach Mitteilung vom Samstag Alexander Schimmelbuschs Roman «Blut im Wasser», der bei Blumenbar erschienen ist. Das Preisgeld beträgt 5000 Euro. Für die Hotlist hatten deutschsprachige Independent-Verlage 20 Bücher ausgewählt, über die dann im Internet abgestimmt werden konnte. Mehr als ein Drittel der abgegebenen 10 000 Stimmen entfiel auf den Siegertitel.

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20.10. 200 000 Ausgaben von «Atemschaukel» im Handel - Nachdruck

Frankfurt/Main (dpa) - Von Herta Müllers neuem Buch «Atemschaukel» sind bereits 200 000 Exemplare im Handel. Schon am Donnerstag sei das Buch der Literaturnobelpreisträgerin vergriffen gewesen, sagte Christina Knecht vom Hanser-Verlag am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse. «Wir schieben jetzt noch mal in 50 000er-Etappen nach», Auch die anderen Werke Müllers, die bei dem Münchner Verlag erschienenen sind, wie «Herztier» oder «Der Fuchs war damals schon der Jäger» verkauften sich bestens. Müller wird wohl auch das Weihnachtsgeschäft beflügeln. Auf der neuen Spiegel-Bestsellerliste liegt es bereits auf Platz zwei.

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19.10. Buchmesse mit positiver Bilanz bei weniger Besuchern

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einem leichten Besucherrückgang ist am Wochenende die 61. Frankfurter Buchmesse zu Ende gegangen. Dennoch zogen Organisatoren und Aussteller am Sonntag eine positive Bilanz der weltgrößten Bücherschau. «Das Geschäft mit den Lizenzen hat gebrummt wie nie zuvor», sagte der Sprecher der Buchmesse, Thomas Minkus. Von der Krise sei nichts zu spüren. Zum Abschluss meldeten sich mit den Vertretern der Tibeter und Uiguren nochmals die Kritiker des Gastlandes China massiv zu Wort. Zu den prominenten Autoren am Sonntag, die Bücher vorstellten, gehörte der Schauspieler Ben Becker und die US-Bestsellerautorin Donna Cross.

Insgesamt kamen zur Buchmesse 290 469 Besucher - 9000 weniger als im vergangenen Jahr. Dennoch ist es das zweitbeste Ergebnis in der 60-jährigen Geschichte der Bücherschau. Die Messe war am Wochenende - nach drei Tagen für Fachbesucher - für das Lesepublikum geöffnet.

Rund 7300 Aussteller (Vorjahr: 7373 Anbieter) aus 100 Ländern hatten mehr als 400 000 Titel angeboten, darunter 124 000 Neuerscheinungen. Die vermietete Ausstellungsfläche lag um zwei Prozent niedriger, da vor allem Verlage aus den USA und Osteuropa sich wegen der Rezession verkleinert hatten.

Die Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren, Rebiya Kadeer, sagte am Sonntag, es sei nicht richtig gewesen, «China, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, als Ehrengast zu empfangen und zu belohnen». In den vergangenen Tagen seien sechs Uiguren wegen der blutigen Unruhen im Sommer zum Tode verurteilt worden. Der Sondergesandte des tibetischen Oberhauptes, des Dalai Lama, kritisierte, viele demokratische Regierungen zeigten kein Rückgrat in ihrer Haltung zu Peking. «Was unterdrückte Menschen am meisten brauchen, ist Hoffnung», sagte Kelsang Gyaltsen.

Kadeer und Gyaltsen beklagten die Unterdrückung von Schriftstellern in ihrer Heimat. «Es gibt keine richtige uigurische Literatur», sagte die Uiguren-Führerin. Jeder Menschenrechtler werde als «Terrorist» oder «Separatist» verfolgt. «Unsere Schuld besteht darin, dass wir Einheimische in diesem Land sind.»

Die Buchmesse zog ein gemischtes Fazit zum Gastland: «Ich hätte mir mehr Offenheit gewünscht», sagte Sprecher Minkus. Er wies jedoch zugleich darauf hin, dass sich China erstmals im Ausland so umfassend kulturell präsentiert und sich auch mit seinen Kritikern konfrontiert habe. Im Vorfeld war die Buchmesse, die vom Dachverband der deutschen Buchbranche organisiert wurde, wegen zu großer Rücksicht auf die Interessen der Pekinger Verwaltung für Presse und Publikationen (GAPP) - der obersten chinesischen Zensurbehörde - kritisiert worden.

Donna Cross und Regisseur Sönke Wortmann berichteten am Sonntag über ihre gemeinsame Zusammenarbeit auf der Messe. Wortmann, der nur den Titel des Buches kannte, hat den Cross-Bestseller «Die Päpstin» verfilmt. Der Historienstreifen kommt am 22. Oktober in die Kinos. Nach seinem Kollegen Til Schweiger stellte am Sonntag auch Schauspieler Ben Becker sein erstes Kinderbuch auf der Messe vor.

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19.10. Magris kritisiert neuen Populismus in Europa

Frankfurt/Main (dpa) - Der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Claudio Magris, hat vor einem neuen Populismus und neuen Barrieren in Europa gewarnt. Diese in ganz Europa zu beobachtende Entwicklung schaffe «Demokratien ohne Demokratie», kritisierte der italienische Schriftsteller am Sonntag bei der Entgegennahme der Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche. «Jede Bedrohung der Demokratie ist eine Gefahr für den Frieden, ganz gleich in welcher Form sie auftritt», sagte Magris, der sich in seiner Dankesrede sehr kritisch mit seinem eigenen Land auseinandersetzte. Der zum Abschluss der Buchmesse verliehene Friedenspreis - mit 25 000 Euro dotiert - gehört seit 1950 zu den wichtigsten deutschen Kulturauszeichnungen.

Der in Triest lebende Germanistik-Professor beklagte «bisweilen unsichtbare Grenzen» zwischen Einheimischen und Einwanderern in den europäischen Großstädten. Die Reaktionen in Italien auf die aus Afrika kommenden Bootsflüchtlinge seien «hysterisch und symptomatisch in ihrer Brutalität».

Magris geißelte ein neues Gesetz, das Bürgern erlaube, selbst die Ordnung und Sicherheit im Einwandererland Italien zu kontrollieren. «Als italienischer Patriot hoffe ich, dass mein - im übrigen bezauberndes - Land nicht noch einmal Vorkämpfer in negativem Sinn sein wird: Den Faschismus in Europa haben schließlich wir erfunden, auch wenn uns danach andere in ihrem Eifer weit übertroffen haben.»

Der Essayist und Romancier kritisierte die «Beschneidung der Justiz» in seinem Land, ohne Ministerpräsident Silvio Berlusconi direkt zu nennen. Damit rücke der «düstere Traum von einem Leben ohne Gesetz oder mit so wenig Gesetz wie möglich» näher. Berlusconi hatte nach der vom Verfassungsgericht Anfang Oktober beschlossenen Aufhebung seiner Immunität die Richter scharf angegriffen.

Magris, der seit Jahren auch als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gilt, beklagte die «gegenwärtige Schwäche und Zerrissenheit Europas». Nur ein «wirklich geeintes Europa» als dezentralisierter echter Staatenbund sei fähig, sich den Problemen zu stellen. «Auf Europa wartet die große und schwierige Aufgabe, sich den neuen Kulturen der neuen Europäer aus der ganzen Welt zu öffnen, die es durch ihre Mannigfaltigkeit bereichern.» Voraussetzung sei jedoch, dass in Europa Werte wie die rechtliche Gleichstellung aller Bürger - unabhängig von Geschlecht, Religion oder Volkszugehörigkeit - nicht mehr infrage gestellt würden.

Magris, der mit Werken wie «Donau. Biografie eines Flusses» (1988) oder dem Roman «Blindlings» (2007) bekannt wurde, wurde mit dem Preis für seine Bemühungen um das Zusammenleben und Zusammenwirken verschiedener Kulturen in Europa gewürdigt.

In seiner Laudatio sagte der Historiker Karl Schlögel, dass Magris Europa Zuversicht und Schönheit gegeben habe. Das gesamte Werk des 70-Jährigen sei «Aufklärungsarbeit, die mit Leidenschaft gepaart ist». Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, bezeichnete Magris als «engagierten Visionär der kulturellen Identität eines zukünftigen Europa».

Der Friedenspreis wurde vom Dachverband der deutschen Buchbranche zum 60. Mal vergeben. Zu den Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978), Siegfried Lenz (1988), Jürgen Habermas (2001) oder Orhan Pamuk (2005). Im vergangenen Jahre hatte mit Anselm Kiefer erstmals ein Bildender Künstler den Preis erhalten.

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19.10. Herta Müller weint auf der Buchmesse um Co-Autor Pastior

Frankfurt/Main (dpa) - Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat auf der Frankfurter Buchmesse um ihren Freund und Mitautor Oskar Pastior getrauert. Müllers jüngstes Buch «Atemschaukel» haben beide gemeinsam zu schreiben begonnen, bevor Pastior vor drei Jahren während der Buchmesse starb. «Für mich ist das so traurig, dass ich jetzt alleine hier sitzen muss», gestand Müller am Mittwoch. «Ich muss ihm so dankbar sein», sagte sie unter Tränen. Müller zeigte sich nach einem leichten Infekt genesen. Entgegen anderslautender Berichte ist die 56-Jährige, die am Dienstag in Essen eine Lesung absagte, nicht schwer krank.

Der Tod Pastiors, der Georg-Büchner-Preisträger ist, sei für sie sehr überraschend gekommen: «Das war ja, wie wenn man das Licht ausschaltet.» Lange Zeit danach habe sie nicht an dem gemeinsamen Buch weiterarbeiten können, das auf den Erinnerungen an Pastiors Zeit in einem sowjetischen Arbeitslager basiert. «Ich konnte diese Notizen gar nicht an mich heranlassen.» Erst nach etwa einem dreiviertel Jahr sei es ihr gelungen, zu akzeptieren, «dass ich das jetzt alleine machen muss».

Müller berichtete von einer Reise in die Ukraine, auf der sie gemeinsam die Überreste des Arbeitslagers aufsuchten. Der Schriftsteller habe in der Nähe des Ortes, an dem er so viel Hunger gelitten habe, «unglaublich viel gegessen», obwohl er zuckerkrank gewesen sei und zu Hause immer sehr diszipliniert gegessen habe, berichtete Müller. «Er hat gesagt, er möchte dem Essen die Ehre erweisen.»

Müllers erster Auftritt auf der diesjährigen Buchmesse war mit Spannung erwartet worden. Die Nobelpreisträgerin hatte am Dienstag in Essen eine Lesung abgesagt. Danach hatte es unterschiedliche Meldungen über ihren Gesundheitszustand gegeben. Müller sei nicht ernsthaft erkrankt, betonte Christina Knecht, Sprecherin des Hanser Verlags. «Sie hat lediglich einen leichten Infekt und ist etwas mitgenommen durch die Aufregungen der vergangenen Tage.»

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19.10. Kein Eklat - aber viel Kritik an Ehrengast China

Frankfurt/Main (dpa) - Der befürchtete Eklat blieb aus. Doch der Ehrengast China steckte auf der Frankfurter Buchmesse viel Kritik ein. Immer wieder mussten chinesische Offizielle dieselben Fragen über sich ergehen lassen: Was ist mit der Zensur in China oder mit den Menschenrechten? Was ist mit Schriftstellern wie dem inhaftierten ehemaligen Präsidenten des unabhängigen chinesischen PEN, Liu Xiaobo?

Doch die Organisatoren von der staatlichen Verwaltung für Presse und Publikationen (GAPP) antworteten lieber auf Fragen von linientreuen chinesischen Journalisten - etwa wenn es um den Verkauf von Lizenzrechten oder Leseprojekte zur Bekämpfung des Analphabetismus auf den Dörfern ging. Solidaritätsbekundungen mit Tibet wurden ignoriert und stoisch hingenommen.

Internationale Journalisten wurden mit Standardsätzen abgefertigt. «Taiwan war immer ein Teil Chinas», sagte Chef-Organisator Zhang Fuhai etwa. Oder: «Es gibt keinen Zensurprozess in diesem Sinne, die Verlage entscheiden darüber, was veröffentlicht wird.» Dabei überwacht GAPP ganz genau, was in China gedruckt werden darf.

GAPP war der offizielle Partner für die Buchmesse, was bereits im Vorfeld für Kritik gesorgt hatte. Mehr als 600 Veranstaltungen bot China dem Publikum, darunter ein beeindruckendes Konzert mit Chinas internationaler Künstler-Elite wie dem Pianisten Lang Lang in der Frankfurter Alten Oper. Zur offiziellen Delegation zählten rund 150 Autoren. Zu ihnen gehörte auch Yu Hua, der in Interviews immer wieder kritische Worte für die Verhältnisse in dem Riesenreich findet.

Um diese «offiziellen» Schriftsteller gab es den größten Wirbel: Einige Medien berichteten, ihnen sei ein Maulkorb auferlegt worden, was die Offiziellen vehement bestritten. GAPP forderte daraufhin mehr «Respekt» ein. Die für das Gastland tätige deutsche PR-Agentur warb bei den Medienvertretern offensiv für Interviews mit den Autoren. Doch auch hier dasselbe Bild: Kritische Fragen - unerwünscht. «Sie reden zu viel von Politik. Davon haben Sie keine Ahnung», sagte etwa Wang Meng, der in China ein großer Star ist. Das ganze Gespräch mit Wang wurde von einem jungen Chinesen gefilmt - offenbar als Kontrolle. Auch die Dolmetscherin war überrascht, als er sich als Wangs Assistent vorstellte.

Einige wirklich unbequeme Autoren wie Yan Lianke («Der Traum meines Großvaters») oder Liao Yiwu («Fräulein Hallo und der Bauernkaiser») durften trotz Intervention aus dem Westen nicht ausreisen. Hinzu kamen Exilanten wie Bei Ling oder der in Frankreich lebende Nobelpreisträger Gao Xingjian.

Mit ihnen durften Yu Hua oder andere bekannte chinesische Autoren wie Mo Yan oder Li Er in Frankfurt aber nicht zusammentreffen - eine Hoffnung, die Menschenrechtler zuvor gehegt hatten. «Ein richtiger Dialog findet nicht statt», sagte Ulrich Delius, Asienreferent bei der Gesellschaft für bedrohte Völker. GAPP-Vertreter schoben hingegen den Dissidenten den «Schwarzen Peter» zu. «Die Menschen sind frei, wir können sie nicht zwingen», sagte Chef-Organisator Zhang.

So gab es in Frankfurt letztendlich zwei Chinas: Hier die offizielle Präsentation des Ehrengastes, von dem Künstler Li Jiwei im China-Pavillon beeindruckend in Szene gesetzt. Und auf der anderen Seite die Kritiker, die vor allem von Menschenrechtsorganisationen ein Podium geboten bekamen. «Es ist nicht richtig, China, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, als Ehrengast zu empfangen und zu belohnen», sagte Rebiya Kadeer, die Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren, am Sonntag. Für die Kommunistische Partei ist sie eine «Terroristin» - vom Frankfurter Publikum erntete sie minutenlangen Beifall.

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19.10. Grass feiert auf der Messe doppelten Geburtstag

Frankfurt/Main (dpa) - Literaturnobelpreisträger Günter Grass hatte am Freitag auf der Buchmesse doppelt Grund zu feiern: Der Schriftsteller wurde 82 Jahre alt und sein berühmtestes Werk «Die Blechtrommel» wurde vor genau 50 Jahren in Frankfurt vorgestellt. Statt in Frankfurt öffentlich Glückwünsche, Blumen oder Geschenke anzunehmen, beschenkte Grass sein Publikum und brachte die Blechtrommel zum Klingen. Während der Autor Auszüge aus dem berühmten Roman las, untermalte Percussionist Günter Sommer den Text mit Trommeln, Becken, Schellen, Gongs, Metallstäben und Schlagzeug.

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16.10. China bei Buchmesse im Dauerfeuer der Kritiker

Frankfurt/Main (dpa) - China steht als diesjähriger Ehrengast der Frankfurter Buchmesse weiter im Dauerfeuer der Kritik. Auch am zweiten Tag der weltgrößten Bücherschau geißelten prominente Schriftsteller, Organisationen und Verbände die Menschenrechtssituation in dem Land. Besonders vehement prangerten sie am Donnerstag die Arbeitsbedingungen von Schriftstellern und Journalisten an. Der deutsche PEN forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung von Liu Xiaobo, dem früheren Präsidenten des unabhängigen chinesischen PEN-Zentrums. Er wurde im Dezember 2008 verhaftet und im Juni dieses Jahres angeklagt.

Die frischgekürte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sagte, der wirtschaftliche Erfolg Chinas sei zum Bremsklotz bei der Entwicklung der Menschenrechte geworden. «Es ist leider so, dass China sich so rauschhaft entwickelt - in der Wirtschaft und in allen möglichen Bereichen. Aber dass es sich nicht Gedanken darüber macht, dass dabei die Menschenrechte beiseite liegen bleiben», sagte die Rumänien-Deutsche, die in ihrer Heimat lange Jahre von den Kommunisten verfolgt wurde.

Nach Angaben der Organisation «Reporter ohne Grenzen» hat sich Chinas Presse- und Internetfreiheit trotz offizieller Zusagen der Staatsführung nicht verbessert. Die Regierung müsse endlich Taten folgen lassen. Der Pekinger ZDF-Korrespondent Johannes Hano sagte: «Es gibt keine Institution, keine freie Presse, der man vertrauen kann.» Chinesischen Journalisten werde von der Kommunistischen Partei vorgegeben, über was und in welchem Tonfall sie zu berichten haben. Ausländische Korrespondenten dürften sich zwar seit den Olympischen Spielen in Peking frei im Land bewegen. Jedoch bekämen chinesische Interviewpartner häufig Probleme mit den Sicherheitsbehörden.

Auch das deutsche PEN-Zentrum kritisierte die Situation von Journalisten in China erneut scharf: «Die Welt wurde belogen», sagte Vizepräsident Dirk Sager bei der Vorstellung eines Berichtes über inhaftierte Autoren. Insgesamt seien derzeit mehr als 50 chinesische Schriftsteller und Journalisten in Haft. Vier von ihnen hat das deutsche PEN-Zentrum zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Der in Deutschland lebende chinesische Exilautor Shi Ming sagte, die chinesische Staatssicherheit beschränke sich nicht mehr auf die Zensur, sondern gehe selbst in die Offensive. So würden etwa tausende Schreiber beschäftigt, die eine Gegenöffentlichkeit mobilisieren und missliebige Themen verhindern sollten. Shi Ming forderte den Westen auf, stärker mit China in einen Diskurs zu treten. «Wir brauchen keinen Demokratieunterricht, wir brauchen gemeinsames demokratisches Handeln.»

Die offizielle Delegation Chinas verlangte am Donnerstag mehr Respekt für den Ehrengast. «Wir haben diese Reaktion nicht erwartet», sagte Zhao Haiyun von der staatlichen Verwaltung für Presse und Publikationen (GAPP). China habe ein tolles Konzept geliefert und eine beeindruckende Präsentation vorgestellt. Doch statt sich auf die Literatur zu konzentrieren, beschränke sich die Berichterstattung auf Fragen wie die Menschenrechtssituation. «Die deutschen Medien sind sehr einseitig», kritisierte Zhao.  Als oberste Zensurbehörde entscheidet GAPP, was in China veröffentlicht werden darf.

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16.10. Beuys-Bildband ist schönstes Buch des Jahres

Frankfurt/Main (dpa) - Ein Bildband über den Künstler Joseph Beuys ist das schönste Buch des vergangenen Jahres. Der Göttinger Steidl Verlag hat dafür am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse den ersten Preis der Stiftung Buchkunst (4000 Euro) erhalten. «Ein spannungsvolleres Layout ist bei der Materialfülle nicht denkbar», fand die Jury. In der Kategorie Literatur siegte die neue Reihe «Reclam Bibliothek», das schönste Sachbuch erschien bei Birkhäuser («Projekt Vitra»), bei den Kinderbüchern gefiel der Jury ein Sammelband von Kiplings «Dschungelbüchern» am besten.

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16.10. Download von «Atemschaukel» - Server bricht zusammen

Frankfurt/Main (dpa) - Das kostenlose Herunterladen des Romans «Atemschaukel» von Nobelpreisträgerin Herta Müller hat beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Server teilweise zusammenbrechen lassen. Die Web-Seite sei zeitweise nicht mehr erreichbar gewesen, sagte eine Sprecherin des Verbands. Auf der vom Börsenverein geschaffenen Online-Plattform www.libreka.de konnte Müllers neuer Roman am Donnerstag heruntergeladen werden. Der Hanser Verlag und der Spitzenverband der Buchbranche wollten damit deutschen Lesern das E-Book schmackhaft machen. Man werde das Buch jetzt nochmals am Freitag kostenlos anbieten, hieß es weiter.

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16.10. Hirschhausen im Glück: «Froh, dass man mir zuhört»

Frankfurt/Main (dpa) - Dem Glücklichen schlägt bekanntlich keine Stunde, daher wunderte es die Gäste nicht, dass Glücksbuch-Autor Eckart von Hirschhausen am Donnerstag leicht verspätet am Eichborn-Stand auf der Frankfurter Buchmesse erschien, nachdem er am Abend zuvor auf der Rowohlt-Messeparty gesichtet worden war. Er stecke bereits mitten in den Arbeiten für sein neues Bühnenprogramm «Liebesbeweise», verkündete «Deutschlands lustigster Arzt» aufgeräumt und wie immer unverschämt gut gelaunt.

Ihr Buch «Glück kommt selten allein» hält sich seit Monaten hartnäckig an der Spitze der Bestsellerliste. Bei Ihnen kommt zum Glück offenbar auch noch der Erfolg hinzu. Bedingen Glück und Erfolg sich eigentlich wechselseitig?

Hirschhausen: «Ja. Der Glückliche ist erfolgreich. Aber der Erfolgreiche ist nicht immer glücklich. Das hat etwas mit der Motivation zu tun. Wenn ich etwas gern und leidenschaftlich mache, wird es meist auch gut. Allerdings - ein gewisses Maß an Unglück ist auch nötig, um uns vor der Trägheit zu bewahren.»

Glücksbücher sind im Moment gefragt. Auch hier auf der Messe sind eine Menge Glückssucher unterwegs. Hat es etwas mit der Wirtschaftskrise zu tun?

Hirschhausen: «Das Streben nach materiellen Dingen hat sich als nicht richtig erwiesen. Jetzt ist man verstärkt auf der Suche nach anderen Werten. Und dazu habe ich etwas zu sagen. Ich habe lange geforscht und ich bin in der Lage, das Wissen aus der Medizin und der Psychologie den Menschen verständlich und erlebbar zu machen und ich bin froh, dass man mir zuhört. Und ich schreibe nichts, was ich nicht vorher selbst ausprobiert habe.»

Haben Sie eine kurze, prägnante Glücksformel für uns, sozusagen eine für die Handtasche?

Hirschhausen: «Es ist einfach glücklich zu sein, schwer ist nur einfach zu sein. Also der Weg zum Glück ist Einlassen auf das Einfache. Es gibt in Deutschland das Missverständnis, dass Humor etwas Oberflächliches ist. Das stimmt nicht. Wie Peter Ustinov schon sagte: "Humor ist nur eine komische Art, ernst zu sein."

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16.10. Ausstellung chinesischer Kinderbuchillustrationen

Mainz (dpa/lrs) - Chinesische Kinderbuchillustrationen werden von Freitag (16. Oktober) an im Mainzer Rathaus ausgestellt. Bis zum 27. Oktober zeigt das Kulturdezernat der Stadt Mainz in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Gutenberg-Museum und dem chinesischen Zhejiang-Verlag Arbeiten von 15 Illustratoren aus China, wie die Stadt am Mittwoch mitteilte. China ist in diesem Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse, auf der sich noch bis Sonntag weit über 7000 Aussteller aus 100 Ländern präsentieren.

Die in Mainz gezeigten Zeichnungen und Bücher vermittelten nicht nur Einblicke in die chinesische Kultur, sondern ließen auch Fortschritte im Layout chinesischer Kinderbücher erkennen, teilte die Stadt mit. «Bilder berühren Menschen oftmals mehr als Worte - sie sind für jeden frei interpretierbar, auch für jene, die nicht lesen können.» Daher seien Bilder bei Kindern besonders beliebt. Der mitveranstaltende Zhejiang-Verlag ist nach Angaben der Stadt Mainz der größte Kinder- und Bilderbuchverlag Chinas.

Das Gutenberg-Museum erhält vom Zhejiang-Verlag zudem die englische Erstausgabe der «Geschichte der chinesischen Druckerei». Im Jahr 2008 hatte der Verlag dem Museum bereits die chinesische Ausgabe geschenkt.

(Ausstellung Chinesische Kinderbuchillustrationen: Montag bis Freitag, 08.00 Uhr bis 18.00 Uhr; Samstag: 09.00 Uhr bis 14.00 Uhr; sonn- und feiertags geschlossen. Ausstellungsort Rathausgalerie: Jockel-Fuchs-Platz 1, Mainz)

(Internet: Zhejiang-Verlag: www.zjcb.com/en2.aspx)

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15.10. Zweiter Tag der Buchmesse beginnt

Frankfurt/Main (dpa) - Am Donnerstag hat in Frankfurt der zweite Fachbesuchertag der Internationalen Buchmesse begonnen. China bleibt weiterhin zentrales Thema. Das PEN-Zentrum beispielsweise wollte am Nachmittag den Auftritt des Gastlandes auf der Messe kommentieren und einen Bericht über inhaftierte Autoren vorstellen. Am Vormittag sollte Argentinien als nächster Buchmessen-Ehrengast seine Pläne für die Messe 2010 vorstellen.

Am Mittwoch während des Eröffnungstages lag der Besucherandrang auf dem Niveau des Vorjahres, wie die Veranstalter mitteilten. Zum Start der weltgrößten Bücherschau waren 45 753 Gäste und damit nur 355 weniger als im Vorjahr in die Frankfurter Messehallen geströmt. Die ersten Tage der Buchmesse sind Ausstellern und Fachpublikum vorbehalten. Erst am Wochenende öffnet die 61. Auflage der Schau ihre Pforten auch für die Leser.

Zu den prominentesten Gästen des zweiten Messetags zählen die Autoren Margaret Atwood und Tim Parks, Jan Josef Liefers, Eckart von Hirschhausen und Elke Heidenreich. Zudem stehen viele Preisverleihungen an: Stephan Thome erhält den aspekte-Literaturpreis für das beste literarische Debüt. Die Übersetzerin Esther Kinsky wird mit dem Paul-Celan-Preis geehrt. Der ungarische Autor Imre Kertész bekommt den Jean-Améry-Preis für Essayistik. Und die Stiftung Buchkunst ehrt «die schönsten deutschen Bücher 2008»

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15.10. Streit um China-Berichterstattung deutscher Medien

Frankfurt/Main (dpa) - Die Berichterstattung deutscher Medien über China hat auf der Frankfurter Buchmesse für Streit gesorgt. Seit Ende der 1990er Jahre habe sich die Berichterstattung zu Ungunsten Chinas verändert, sagte Prof. Thomas Heberer, Politikwissenschaftler und China-Kenner von der Universität Duisburg-Essen, am Mittwoch. Dadurch herrsche in der deutschen Öffentlichkeit der Eindruck vor, dass in China jede anderslautende Meinung sofort unterdrückt werde. «Das ist ein einseitiges Bild», sagte Heberer. Nach Ansicht des ehemaligen ARD-Korrespondenten in Peking, Stefan Niemann, berichten die deutschen Zeitungen, Magazine, Fernseh- und Radiosender hingegen nicht unfairer über das «Reich der Mitte» als über andere Länder.

«Die Fokussierung auf die Menschenrechtsfrage während der Olympischen Spiele in Peking war richtig», sagte Niemann in der Diskussion, zu der die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen hatte. Vor allem im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2008 sowie den gewalttätigen Protesten wenige Monate zuvor in Tibet hatten sich deutsche und chinesische Medien gegenseitig einseitige Berichterstattung vorgeworfen. China ist dieses Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.

Heberer kritisierte, durch eine einseitige und undifferenzierte Berichterstattung sei es zu einem Schulterschluss der Bevölkerung mit der Staatsführung gekommen. Die politische Elite habe dadurch an Legitimität gewonnen.

«Das Hauptproblem ist die starke thematische Selektivität», sagte der Kommunikationswissenschaftler Prof. Kai Hafez von der Universität Erfurt. Statt über die Tagespolitik berichteten die deutschen Medien vor allem über «sensationalisierte Ausnahmen». Er forderte die Korrespondenten in China dazu auf, stärker das Gespräch mit der Bevölkerung zu suchen. Stattdessen würden immer dieselben Experten, Menschenrechtler oder Dissidenten interviewt.

Niemann verteidigte seine Kollegen. «Für Korrespondenten ist es nicht leicht, geeignete Gesprächspartner zu finden», sagte er. So werden Chinesen, die sich mit ausländischen Journalisten treffen, oft mit Besuchen des Geheimdienstes eingeschüchtert. «Die chinesische Regierung wird unsere Berichterstattung nie gut finden», sagte Niemann.

Derzeit untersucht die Böll-Stiftung in einer Studie, ob die Berichterstattung über China im vergangenen Jahr tatsächlich zu einseitig war. Dafür analysierte die Forschungsgruppe, zu der auch Heberer und Hafez gehören, rund 9000 Artikel. Das Ergebnis soll Anfang des kommenden Jahres vorgestellt werden.

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15.10. E-Book-Reader: Die neue Vielfalt

Frankfurt/Main (dpa) - Auch wenn die Leser bislang lieber zu bedrucktem Papier greifen: Die Verlagsbranche setzt auf E-Books. Einige Marktforscher gehen davon aus, dass elektronische Bücher schon in wenigen Jahren mehr Umsatz bringen als ihre klassischen Pendants. Auf der Frankfurter Buchmesse wollen daher etliche Hersteller den Besuchern Geschmack auf ihre Lesegeräte machen. In den vergangenen Tagen machte zwar Amazon mit seinem Kindle die meisten Schlagzeilen, deutschen Lesern sollen aber durchaus Alternativen schmackhaft gemacht werden.

Der Online-Händler aus den USA bringt den Kindle in Deutschland und 100 weiteren Ländern in den kommenden Wochen heraus. Der Lese-Flachmann ist in den USA ein Kassenschlager, hierzulande ist es bis dahin allerdings noch ein weiter Weg. Denn zum einen bietet Amazon bislang nur englischsprachige Bücher an. Das deutsche Zeitungsangebot ist mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», dem «Handelsblatt» und der «Wirtschaftswoche» schmal.

Zum anderen müssen Kunden das Gerät im US-Laden bestellen und daher hohe Versandkosten und Zoll in Kauf nehmen. Auf 360 Dollar (250 Euro) summieren sich die Ausgaben. Immerhin: Wer über eine UMTS-Verbindung neue Titel laden will, zahlt nichts extra, weder in Deutschland noch auf Auslandsreisen.

Dennoch traut Amazon-Manager Ian Freed dem Kindle einiges zu: «Die internationale Nachfrage nach englischsprachigen Büchern ist groß.» Anglophile Leser müssten nicht mehr zwei Wochen auf die Lieferung warten und auch keinen Preisaufschlag in Kauf nehmen, sondern könnten Fachliteratur und Schmöker binnen 60 Sekunden herunterladen. Der etwas höhere Preis als in den USA dürfte Fans nicht abschrecken: Ein Bestseller werde in Deutschland statt 10 zwischen 12 und 14 Dollar kosten, kündigte Freed an.

Handelsexperten warten gespannt, wie geschickt Amazon mit den deutschen Verlagen verhandelt. Da der US-Riese als einziger Anbieter nicht das bei den deutschen Online-Läden verbreitete EPUB-Format unterstützt, können Nutzer nicht einfach Titel aus Läden wie Libri.de oder Thalia.de herunterladen. Solange es keine Bücher für die breite Masse gibt, meint das Fachmagazin «Buchreport», sei Amazon mit dem Lesegerät ein «schlafender Riese».

Doch es geht auch ohne Amazon. In Deutschland ist Sony dank Kooperationen mit dem Handel in den Buchhandlungen und Elektromärkten präsent. Der japanische Elektronikkonzern ist seit Jahresanfang mit dem Reader 505 auf dem Markt, zur Buchmesse kommt eine «Touch Edition» heraus. Das 300-Euro-Gerät lässt sich über einen berührungsempfindlichen Bildschirm steuern.

Dieser ist einfach zu bedienen, hat aber Nachteile bei der Anzeige: Er spiegelt und ist weniger kontrastreich als andere Modelle. Auch eine Funkverbindung fehlt - wer Bücher laden will, muss das Gerät per USB an den PC anstöpseln. Dafür ist das Angebot an deutschen Titeln groß, Leser können ihre Lektüre beispielsweise von Libri.de oder Thalia.de herunterladen.

Zwischen den Großkonzernen aus Übersee mischt ein deutsches Startup mit: Die Txtr GmbH aus Berlin zeigt auf dem Branchentreff ihr erstes Lesegerät. Wie das Kindle lädt es per Mobilfunk Bücher herunter - bei kommerziellen Titeln kostenlos, sonst gegen Gebühr. Derzeit stehen laut Unternehmensangaben rund 20 000 deutsche Titel zur Auswahl, darunter auch kostenlose.

Die Berliner wollen sich mittels einer Lese-Community von den anderen abheben: Nutzer können selbst Texte veröffentlichen und sich mit Literatur-Begeisterten über Bücher austauschen. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft hat Txtr allerdings mit einer Verzögerung zu kämpfen: Das Gerät soll erst Mitte Dezember für 320 Euro kommen. Ein weiterer Nachteil im Wettbewerb mit den Großen: Der Verkauf zunächst nur über die eigene Website.

Wer nicht so lange warten möchte: Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe weiterer Alternativen, etwa das Cybook des französischen Herstellers Bookeen oder den iRiver vom gleichnamigen koreanischen Fabrikanten. Plastic Logic will angeblich Anfang 2010 an den Markt gehen. Und auch Apple soll an einem Tablet-PC arbeiten, der sich für digitale Bücher und Zeitungen hervorragend eignen würde. Jetzt müssen nur noch die Nutzer den Geschmack am Lesen auf dem Bildschirm finden.

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15.10. «Das Leben ist keine Waldorfschule» ist kuriosester Titel

Frankfurt/Main (dpa) - Mit der Auszeichnung kuriosester Buchtitel des Jahres darf sich seit Mittwoch die Kurzgeschichtensammlung «Das Leben ist keine Waldorfschule» schmücken. Eine Jury aus Bohlen- Biografin Katja Kessler sowie den Autoren Alexa Hennig von Lange und Eckart von Hirschhausen enthüllte den Sieger-Titel auf der Buchmesse in Frankfurt. In die letzte Runde hatten es weitere fünf Titel geschafft, darunter «Als ich meine Mutter im Sexshop traf», «Weisse Wanne - technisch und juristisch immer wieder problematisch?» und «"Gestatten, Bestatter!" Bei mir liegen Sie richtig». Im vergangenen Jahr hatte «Begegnungen mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer» als «Titelei-Kunst nahe am Wahnsinn» überzeugt.

Der Sieger-Autor Mischa-Sarim Vérollet finde die Auszeichnung für seine Sammlung absurder Kurzgeschichten «großartig», sagte eine Sprecherin seines Verlages Carlsen in seinem Namen. Sie werde einen Ehrenplatz neben seiner Urkunde für den ersten Platz bei Verkehrserziehung erhalten. Vérollet sei in Gibraltar aufgewachsen, habe eine wirre Biografie und und nehme den Preis sehr gerne an. Über Waldorfschulen erfahre man in dem Buch allerdings wenig: Vérollet habe nie eine besucht.

Buchhändler, Leser und Bibliothekare waren in diesem Jahr zum zweiten Mal aufgerufen, besonders skurrile und abstruse Titel von 2009 erschienenen Büchern einzusenden. Per Abstimmung und Internet- Votum von rund 5000 Buchfans schafften es schließlich 6 von 160 eingereichten Titeln in die letzte Runde. Den Wettbewerb schreiben die Redaktion von «Schotts Sammelsurium» und das Branchenblatt «BuchMarkt» aus.

(Internet: www.buchmesse.de; www.kuriosesterbuchtitel.de)

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15.10. Dai Qing: Herta Müller ist ein Vorbild

Frankfurt/Main (dpa) - Für die chinesische Autorin und Umweltaktivistin Dai Qing ist die diesjährige Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller ein Vorbild. «Sie hat selbst in einem Land gelebt, in dem sie unterdrückt wurde, sie weiß wie das ist», sagte sie anlässlich der Frankfurter Buchmesse in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Sie habe sich aufgelehnt und niemals aufgegeben. Ihr eigenes Land bezeichnet Dai Qing als Unterdrücker von Literaten und Literatur.

«In einem Land, in dem ein Schriftsteller sich nicht frei und ungestört entfalten kann, werden Sie keine Freude in seinen Werken finden und keine Freude an seinen Werken haben», sagte sie weiter. Es spiele dabei keine Rolle, welches Thema ein Autor wähle. Auch ein vollkommen unpolitischer Autor werde nicht gut schreiben können, solange er sich nicht frei äußern könne. Durch Zensur werde er schon in der Themenwahl beschränkt - und bei der Herausgabe seiner Werke behindert. Die Vergabe der ISDN-Nummern, die zur Veröffentlichung von Büchern nötig sei, befinde sich «vollständig in chinesischer Hand».

«Natürlich gibt es in China Zensur», sagte Dai Qing weiter und widersprach damit Politikern, Sinologen oder Übersetzern, die dieses Problem mitunter relativierten. Autoren sei es aber möglich, im Untergrund Werke privat zu verbreiten, außer Landes zu schmuggeln oder über das Internet an die Öffentlichkeit zu bringen.

Was China in naher Zukunft vor allem brauche, sei ein Medien- und Veröffentlichungsgesetz. «Wir haben eine jahrzehntealte Verfassung - und darin steht kein Wort davon», monierte sie. Sie selbst schreibe inzwischen kaum noch Literatur, sondern sei vor allem als Journalistin tätig - «um Missstände aufzudecken und mich gegen die chinesischen Autoritäten zu wehren». Die Umweltaktivistin hat in der Vergangenheit unter anderem vehement gegen das sogenannte Drei-Schluchten-Projekt gekämpft, bei dem wegen des Baus eines riesigen Staudammes am Jangtse-Strom mehr als eine Million Menschen umgesiedelt wurden.

Sie habe in China alles verloren und glaube nicht, dass ihr die chinesischen Behörden noch etwas anhaben könnten. «Das einzige, was ihnen noch bliebe, wäre, mir die Staatsbürgerschaft abzuerkennen», sagte sie. Für China wünsche sie sich langfristig «eine Gesellschaft, die nicht mehr so krank ist wie jetzt».

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14.10. Merkel eröffnet Frankfurter Buchmesse: «Keine Tabus»

Frankfurt/Main (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse alle Besucher aufgefordert, dem Gastland China mit «großer Neugier» zu begegnen. Der Ehrengast müsse sich jedoch auch kritischen Fragen stellen. «Es kann - und ich bin mir sicher - es wird keine Tabus in der Diskussion geben», sagte Merkel zum Auftakt der weltgrößten Bücherschau am Dienstagabend in Frankfurt. «Das ist nämlich der Kern der Meinungsfreiheit, für die kaum ein Genre der Kunst so sehr steht wie die Literatur.»

Veranstaltungen wie die Buchmesse böten «eine wunderbare Gelegenheit, sich ein genaueres Bild von China zu machen». «Ich fordere alle auf: Seien sie neugierig, haben Sie keine Vorurteile und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen», sagte Merkel beim Festakt zur Eröffnung, an dem neben chinesischen Schriftstellern auch Chinas Vizepräsident Xi Jinping teilnahm.

Das Buch sei ein unverzichtbares Kulturgut und «kein beliebiges Wirtschaftsgut». Merkel versprach, sowohl die Buchpreisbindung als auch den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Bücher nicht anzutasten: «An beidem wird die Bundesregierung festhalten.» Auch für digitale Bücher (E-Books) müsse die Buchpreisbindung beibehalten werden. Die Bundesregierung werde sich auch international für den Schutz des geistigen Eigentums und die Sicherung des Urheberrechts im elektronischen Zeitalter einsetzen.

Vizepräsident Xi Jinping bezeichnete die Buchmesse als Chance für sein Land, aber auch für das Ausland. Nach 30 Jahren Reformen sei China zur weiteren Öffnung gegenüber der Welt bereit. Sein Land erwarte aber beim Kulturaustausch «Verständnis und Respekt». Unterschiedliche politische Systeme dürften nicht Konfrontationen rechtfertigen. Er wies darauf hin, dass China an einer Modernisierung seiner Verlagsindustrie arbeite und dabei vom Westen lernen könne. Bereits jetzt komme ein Viertel aller jährlich neu erscheinenden Titel in China aus dem Ausland.

Der auch im Westen bekannte chinesische Schriftsteller Mo Yan wünscht sich in Frankfurt - der Geburtsstadt Goethes - einen kulturübergreifenden Dialog. Der Austausch sei wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wies auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit hin. «Wir wollen mit einem stolzen, großen China sprechen», sagte Koch zur Diskussion um den Ehrengast China. Nur so profitierten auch Minderheiten wie die Tibeter, mit deren Oberhaupt Koch befreundet ist.

Zuvor hatte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, gesagt, dass die Buchmesse dem Land «mit großem Respekt und im Wissen um seine Eigenart» begegne. Er forderte den chinesischen Vizepräsidenten jedoch zugleich auf, den Autoren und Verlegern in China «die notwendige Freiheit für ihr Tun und Sein» zu gewähren.

Die fünftägige Buchmesse startet an diesem Mittwoch kleiner als im
Vorjahr: Wegen der Wirtschaftskrise wurden zwei Prozent weniger Ausstellungsfläche vermietet. Vor allem englischsprachige und osteuropäische Verlage haben abgesagt oder ihre Stände verkleinert. Die Zahl der 7314 Aussteller aus 100 Ländern liegt jedoch nur knapp unter dem Vorjahresniveau (7373 Anbieter). Es werden mehr als 400 000 Titel angeboten, 124 000 davon sind Neuerscheinungen.

[Buchmesse: Messegelände, Frankfurt am Main]
(Internet: www.buchmesse.de)

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14.10. Prominente China-Autoren bei der Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - China schickt in seiner offiziellen Delegation etwa 40 Autoren zur Frankfurter Buchmesse. Einige wichtige Schriftsteller wie Yan Lianke oder Liao Yiwu dürfen nicht nach Frankfurt kommen. Exil-chinesische Autoren wie der Literaturnobelpreisträger Gao Xingjian, der Lyriker Yang Lian oder der Erzähler Ma Jian («Red Dust») sind von Verlagen oder anderen Organisationen zur Buchmesse eingeladen worden. Eine Auswahl von Autoren, die der offiziellen Delegation angehören:

ALAI: Alai, ein tibetisch-chinesischer Autor, wurde im Nordwesten der Provinz Sichuan geboren. Er begann als Lyriker. In seinen Romanen entfaltet er eine wundersam-geheimnisvolle Welt. Zu den bekanntesten Werken gehört «Roter Mohn», das 2004 ins Deutsche übersetzt wurde. Zur Buchmesse ist der poetische Band «Ferne Quellen» erschienen.

LI ER: Der in der Provinz Henan geborene Schriftsteller Li Er ist bemüht, mit leicht ironischem Einschlag ein lebendiges Bild der sich verändernden Welt in China zu zeichnen. Zu den wichtigsten Werken des in Peking lebenden Autors zählt «Koloratur», das in der Zeit vor der Gründung der Volksrepublik spielt und zur Buchmesse auf Deutsch erschienen ist.

MO YAN: Mo Yan, ein Bauernsohn, ist durch seine ungeschminkten Romane über das ländliche China auch im Westen bekannt geworden. Zur Frankfurter Buchmesse sind die Romane «Die Sandelholzstrafe», «Die Knoblauchrevolte» sowie «Der Überdruss» auf Deutsch herausgekommen.

YU HUA: Yu Hua, ein gelernter Zahnarzt, gilt auch international als großes Erzähltalent. Sein zur Buchmesse auf Deutsch erschienener Roman «Brüder» rechnet sowohl mit der Kulturrevolution als auch dem chinesischen Wirtschaftswunder ab. Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

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14.10. Die 61. Frankfurter Buchmesse in Zahlen

Frankfurt/Main (dpa) - Die 61. Frankfurter Buchmesse erwartet wie im Vorjahr über 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern. Die Messe in Zahlen:

- Eröffnung: 13. Oktober (17.00)
- Dauer: bis 18. Oktober
- Ehrengast: China
- Zahl der Aussteller: rd. 7100
- Beteiligte Länder: mehr als 100
- Ausstellungs-Bruttofläche (qm): 172 000
- Ausgestellte Produkte: rund 400 000
- Erwartete Besucher: rd. 280 000
- Publikumstage: 17./18. Oktober
- Eintrittspreise (Publikum): 14 Euro (Schüler 7 Euro)
- Öffnungszeiten: 09.00-18.30 Uhr (18.10. bis 17.30)

Die wichtigsten Länder auf der Buchmesse

Frankfurt/Main (dpa) - Die meisten Aussteller auf der Frankfurter Buchmesse stammen aus Deutschland. Mit großem Abstand folgen englischsprachige Verlage. 14 Länder sind mit einem einzelnen Aussteller vertreten.

Deutschland: 3312 Aussteller
Großbritannien: 809
USA: 624
Italien: 320
China: 274
Spanien: 265
Frankreich: 208
Schweiz: 178
Österreich: 135
Niederlande: 125

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14.10. Herta Müller will Termine einhalten - «nur leichter Infekt»

Frankfurt/Main/Berlin (dpa) - Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller ist entgegen anderslautender Berichte nicht schwer erkrankt. «Sie hat lediglich einen leichten Infekt und ist etwas mitgenommen durch die Aufregungen der vergangenen Tage», sagte Christina Knecht, Sprecherin des Hanser Verlags, auf der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch. Alles andere sei «absoluter Quatsch». Müller sei in einem Hotel in Frankfurt und werde versuchen, ihre Termine auf der bis zum Sonntag dauernden Messe einzuhalten.

Die frisch gekürte, in Berlin lebende 56-jährige Literaturnobelpreisträgerin hatte am Dienstagabend eine lange geplante Lesung in Essen kurzfristig abgesagt. Die Schriftstellerin sei «schwer erkrankt», hatten die Organisatoren von der Buchhandlung Proust erklärt. Müller sei am Montag «zusammengeklappt», hieß es.

Die aus Rumänien stammende deutschsprachige Schriftstellerin hatte am vergangenen Donnerstag den diesjährigen Literaturnobelpreis zugesprochen bekommen. Müller werde versuchen, ihre Termine zu den Lesungen aus ihrem neuen Roman «Atemschaukel» alle wahrzunehmen, sagte Knecht. Der Roman ist im Hanser Verlag erschienen.

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14.10. Buchmarkt wächst - doch Buchmesse kleiner

Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Buchmarkt trotzt der Krise - deren Folgen spürt aber die Frankfurter Buchmesse. Deutsche Verlage und Buchhändler haben bis zum Oktober ein Umsatzplus von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet. «2009 wird kein Jahr der wirtschaftlichen Einbrüche», sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, wenige Stunden vor Eröffnung der Messe am Dienstag. Die weltgrößte Bücherschau fällt dennoch kleiner aus als im Vorjahr: «Die Wirtschaftskrise geht nicht völlig spurlos an der Buchmesse vorbei», sagte Buchmessen-Direktor Juergen Boos.

Insgesamt wurden zwei Prozent weniger Ausstellungsfläche vermietet. Vor allem englischsprachige und osteuropäische Verlage haben abgesagt oder ihre Stände verkleinert. Die Zahl der 7314 Aussteller aus 100 Ländern liegt nur knapp unter dem Vorjahresniveau (7373 Anbieter). Es werden mehr als 400 000 Titel angeboten, 124 000 davon sind Neuerscheinungen. Als «zentrale Frage» für Verlage und Händler auf der Messe sieht Honnefelder das Thema neue Medien: «Wie können wir auch mit digitalen Inhalten Geld verdienen?»

Klare Worte richteten die Veranstalter an den diesjährigen Ehrengast China: «Wir verurteilen die Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Volksrepublik China auf das Schärfste», sagte Messechef Boos. Dennoch - oder gerade deswegen - sei China eine gute Wahl: «Man kann China bewundern, fürchten oder kritisieren, aber man kann es nicht ignorieren.» Die Buchmesse werde dazu beitragen, einen politischen Diskurs auszulösen, Ziel sei «Wandel durch Annäherung».

Boos warnte allerdings auch vor überzogenen Erwartungen an den Gastgeber. Die Buchmesse sei «nicht die UNO»: «Unser Thema ist die Literatur. Wir können Konflikte aufzeigen, aber wir können sie nicht lösen.»

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