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News-Sonderthema: 

Wolf Lepenies erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2006

Ein Porträt des Preisträges und des Preises
 

 
Unsere Beiträge:

Neumann und Berliner Akademie der Künste hocherfreut
Wolf Lepenies erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Kein Mann für den Elfenbeinturm: Der Soziologe Wolf Lepenies
Stichwort: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
 

 

13.06. Neumann und Berliner Akademie der Künste hocherfreut

Berlin - Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und die Berliner Akademie der Künste begrüßten die Entscheidung des Börsenvereins zur Preisverleihung an Lepenies. Unter Lepenies Leitung habe das Wissenschaftskolleg zu Berlin beispielgebende internationale Wissenschaftshilfe für Osteuropa geleistet, betonte der Staatsminister. Ein weiterer Verdienst Lepenies sei, bereits Mitte der neunziger Jahre den Forschungsschwerpunkt «Moderne und Islam» aufgebaut zu haben. Der Soziologe und Autor sei «einer der klügsten, beweglichsten und folgenreichsten Mittler zwischen der Kultur- Geistes- und Literaturwissenschaft.

Die von Klaus Staeck geleitete Akademie der Künste in Berlin nahm die Nachricht über die geplante Preisverleihung «mit großer Freude und auch mit Stolz» auf. Lepenies ist Mitglied der Sektion Literatur der Akademie. «Mit Wolf Lepenies wird einer der bedeutendsten Denker unserer Zeit geehrt, einer der es wie kaum ein zweiter verstanden hat, Wissenschaft, Kunst und Moral miteinander in Einklang zu bringen.» Hier werde ein im besten Sinne engagierter Intellektueller ausgezeichnet, der zudem «die hohe Kunst beherrscht, seine große Gelehrsamkeit anschaulich und verständlich zu vermitteln». Dies zeichne auch sein neuestes, Ende August erscheinendes Buch «Kultur und Politik» aus, das er am 30. August in der Akademie der Künste am Pariser Platz in einer Lesung und im Gespräch mit Adolf Muschg der Öffentlichkeit vorstellen werde.

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12.06. Wolf Lepenies erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Frankfurt/Main (dpa) - Der Autor und Soziologe Wolf Lepenies erhält den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Als früherer Rektor habe der 65-Jährige das Berliner Wissenschaftskolleg «zu dem vielleicht anregendsten und freiesten Ort Europas» und einer «Begegnungsstätte von westlicher Rationalität und östlicher Weisheit» gemacht, hieß es zur Begründung am Montag. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergibt den renommierten Kulturpreis seit 1950. Die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 8. Oktober in der Paulskirche überreicht.

Zwischen 1986 und 2001 habe Lepenies am Wissenschaftskolleg nach dem Fall der Mauer «den Samen dieses freiheitlichen Denkens» auch in andere Städte und Institutionen gepflanzt. «An die Stelle des Drohbildes vom "Zusammenprall der Kulturen" hat er das Hoffnungsbild kultureller Lerngemeinschaften gesetzt und solche Gemeinschaften in seinem Umkreis beispielhaft begründet.» Damit habe der Soziologe dem Frieden unter den Völkern einen «Wurzelgrund» gegeben, hieß es weiter. Als «wissenschaftlicher Schriftsteller, anschaulich schreibender Biograph und stilsicherer Essayist» habe Lepenies zugleich gezeigt, «dass zwischen Verhalten und Wissen, zwischen Moral und Wissenschaft ein unauflöslicher Zusammenhang besteht».

Der 1941 im ostpreußischen Deuthen (Allenstein) geborene Lepenies wuchs in Koblenz auf. Nach dem Studium der Soziologie 1967 in Münster habilitierte er sich 1971 an der FU Berlin, an der er bis 2006 als Professor lehrte. Nach Auslandsaufenthalten unter anderem am Institute for Advanced Study in Princeton/USA wurde Lepenies 1986 Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin, das fünf Jahre zuvor der damalige Wissenschaftssenator Peter Glotz (SPD) gegründet hatte. Das Kolleg ist eine internationale Forschungseinrichtung, an der Wissenschaftler aus aller Welt Gelegenheit bekommen, selbstgewählte Projekte zu verfolgen.

Lepenies initiierte 1994 ein breit angelegtes Forschungsprogramm zum Islam und intensivierte den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch vor allem mit den osteuropäischen Nachbarn durch die Einrichtung von Wissenschaftszentren.

Mit seinen Werken «Melancholie und Gesellschaft» (1969) und «Das Ende der Naturgeschichte» (1976) lieferte Wolf Lepenies wichtige Beiträge zum modernen gesellschaftlichen Selbstverständnis. Nach der vierbändigen «Geschichte der Soziologie» brachte er 1985 die Studie «Die drei Kulturen. Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft» heraus, das als sein Hauptwerk gilt. Es geht dabei um die Sozialwissenschaften und ihre nationaltypischen Besonderheiten in England, Frankreich und Deutschland. Sein neuestes Buch «Kultur und Politik. Deutsche Geschichten» erscheint im Juli dieses Jahres.

Lepenies wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem mit dem Alexander-von-Humboldt-Preis (1984), dem Leibniz-Ring (1998), dem Joseph-Breitbach-Preis (1998) und dem Theodor-Heuss-Preis für sein Engagement für die Demokratie (2000). 1994 hielt er in der Frankfurter Paulskirche die Laudatio auf den damaligen Friedenspreisträger Jorge Semprún. Im vergangenen Jahr hatte der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk den Friedenspreis erhalten.

Ursprünglich wollte der Börsenverein den Träger des Friedenspreises 2006 erst an diesem Dienstag bekannt geben. Wegen einer Indiskretion wurde der Termin jedoch vorgezogen.

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12.06. Kein Mann für den Elfenbeinturm: Der Soziologe Wolf Lepenies

Frankfurt/Berlin (dpa) - Wolf Lepenies, der in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, gehört nicht nur zu bedeutendsten Soziologen in Deutschland. Als Publizist und Essayist war es ihm immer auch ein Anliegen, gesellschaftspolitische Zusammenhänge einem größeren Publikum näher zu bringen. Diese in Deutschland eher seltene Mischung aus Wissenschaftler und engagiertem Intellektuellem hat sich vor allem für das Wissenschaftskolleg in Berlin als Glücksfall erwiesen. Als Rektor dieses Anfang der 80er Jahre gegründeten internationalen Zentrums hat Lepenies Forscher aus aller Welt an die Spree gebracht und den Ruf des Kollegs begründet.

Dem 65-jährigen Lepenies scheint deshalb der renommierte Kulturpreis, der die Verknüpfung von Literatur und Engagement für die Gesellschaft auszeichnet, gut auf den Leib geschnitten. Lepenies habe das Berliner Kolleg während seiner Rektorentätigkeit von 1986 bis
2001 «zu dem vielleicht anregendsten und freiesten Ort Europas» gemacht, würdigte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Soziologen.

Bereits 1994 initiierte Lepenies am Wissenschaftskolleg den Forschungsschwerpunkt «Moderne und Islam» - und erkannte damit schon Jahre vor den Anschlägen des 11. September 2001 die Zeichen der Zeit.
Doch an Stelle des Drohbildes vom «Zusammenprall der Kulturen» habe Lepenies das Hoffnungsbild kultureller Lerngemeinschaften gesetzt, betonte der Stiftungsrat des Friedenspreises und spielte damit auf das vieldiskutierte Buch des amerikanischen Politologen Samuel Huntington «Kampf der Kulturen» an, das Mitte der 90er Jahre für Furore sorgte.

Lepenies verstärkte am Wissenschaftskolleg auch den Austausch vor allem mit den osteuropäischen Nachbarn durch die Einrichtung von Wissenschaftszentren. An der in Deutschland einzigartigen Einrichtung kommen jährlich rund 40 weltweit anerkannte Gelehrte und jüngere Wissenschaftler zusammen. Unbelastet vom universitären Alltag können sie dort neun Monate lang als «Fellows» eigene Projekte verfolgen.
Vorbild ist das Institute for Advanced Studies in Princeton an der US-Ostküste. Dort war Lepenies von 1981 bis 1983 tätig.

Der in Ostpreußen geborene und in Koblenz aufgewachsene Wissenschaftler hatte sich dem Soziologie-Studium in Münster 1971 an der FU Berlin habilitiert. Dort lehrte Lepenies, der verheiratet ist und drei Kinder hat, auch bis 2006. Als Soziologe sieht sich Lepenies in seinen Werken immer auch als Anthropologe: Er geht der Frage nach, was die moderne Gesellschaft angesichts der immer stärkeren Individualisierung zusammenhält und welchen Stellenwert noch Moral und Verantwortung haben.

«Ein Intellektueller der Mitte» nannte die Wochenzeitung «Die Zeit» einmal Lepenies, der selbst für renommierte Zeitungen immer wieder publiziert hat. Die Nähe des Soziologen zum Tagesgeschäft hat ihn auch für die Politik interessant gemacht. 1999 war der parteilose Lepenies - unterstützt von über 200 kulturellen Institutionen der Stadt - als Berliner Kultursenator unter dem damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) im Gespräch. Daraus ist dann doch nichts geworden. Vielleicht auch ein Glücksfall für den Wissenschaftler Lepenies: Denn als Politiker hätte er den Friedenspreis wohl kaum erhalten.

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12.06. Stichwort: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

GFrankfurt/Main (dpa) - Der seit 1950 vergebene Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland. Mit dem Preis soll eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland geehrt werden, die vor allem auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat. Verliehen wird die Auszeichnung jedes Jahr zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse im Oktober vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Dachverband der deutschen Buchbranche. Das Preisgeld wurde im vergangenen Jahr von 15 000 auf 25 000 Euro aufgestockt.

Ort der Preisübergabe ist die Frankfurter Paulskirche. Dort tagte 1848 die Frankfurter Nationalversammlung, die für die demokratische Entwicklung Deutschlands von historischer Bedeutung war. Die Preisträger werden von einem Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit gewählt. Der Rat setzt sich aus Mitgliedern des Börsenvereins und Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft zusammen. Vorschläge für den Preisträger kann jedermann machen.

Um die Preisträger hat es wiederholt Auseinandersetzungen gegeben.
So war 1995 das Votum für die Orientalistin Annemarie Schimmel umstritten, der Kritiker mangelnde Distanz zu fundamentalistischen Positionen des Islams vorwarfen. Eine Kontroverse löste der Schriftsteller Günter Grass 1997 aus, als er in seiner Laudatio auf den türkischen Preisträger Yasar Kemal die Kurdenpolitik der Bundesrepublik kritisierte. 1998 entbrannte nach der Rede des Preisträgers Martin Walser eine monatelange Diskussion über den Umgang mit der deutschen Vergangenheit.

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