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News-Sonderthema: 

Literatur und Fußball WM 2006, Teil 2

Veranstaltungshinsweise, Berichte und Meinungen über die Verbindung von Literatur und Kultur mit dem Fußball
 

 
Unsere Beiträge:

Abseits des Balls - Kultur während der WM
Kopfzerbrechen über amtliche Namen
Debatte um Nationalhymne zur WM
Kulturveranstaltungen bringen Fans und Muffel zusammen
Poesie-Automat bastelt Fußballlyrik zur WM
Public Viewing, City Dressing - Zur WM wird «Denglish» gesprochen
Ausstellung «Seitenwahl»: Der Ball im Buch
Verband wirbt zur Fußball-WM für das Lesen und Schreiben
«Ballazzo»: Kulturzentrum K4 im Zeichen von König Fußball
... aus der Tiefe des Raumes - Fußball als Lebensweisheit
Broschüre weist Weg zu WM-Kultur
Fußballfragen: Interviews mit Kulturschaffenden
zu unserem Fußball-Sonderthema, Teil 1
 

 

18.06. Abseits des Balls - Kultur während der WM

KULTURSCHUSS: Beim Fußball-Turnier des deutsch-niederländischen Jugendcamps in Hinterzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) wird der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) am kommenden Sonntag «anstößig». Der Wettbewerb, für den er den Start übernimmt, sei Höhepunkt des Camps, meinte Rau. 30 deutsche und 15 holländische Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren spielen an drei Tagen Fußball und verbringen gemeinsam die Freizeit unter anderem mit einem Ausflug zum Training der niederländischen Nationalmannschaft und zum Europa-Park in Rust.

KULTURGUT FUßBALL: Keinesfalls mit Abseits und Hattrick, sondern mit dem Fußball als «Kulturgut» will sich der Wissenschaftler Wolfram Pyta am kommenden Dienstag bei einem Vortrag in Stuttgart auseinander setzen. In seiner Rede zur «historischen Ursachenforschung über die atemberaubende Karriere des Fußballsports in Deutschland» sucht Pyta unter anderem die Gründe, «dass eine ganze Nation wie gebannt darauf starrt, wie 22 Spieler mit einem Ball auf einem grünen Rasen umzugehen pflegen».

PEEP-BOX: Mit dem Fotokunstprojekt «Peep in the box» können sich Fußballfans in Stuttgart bei der WM gemeinsam in Szene setzen. Bis zum Endspiel am 9. Juli können sich im WM-FAN-Camp und vor dem Rathaus werden jeweils zwei oder mehrere Menschen in einer schwach beleuchteten schwarzen Box von außen digital fotografiert. Die Aufnahmen werden im Laptop verarbeitet, gedruckt und in Form eines Ansteck-Buttons vergeben (www.bilder.youth2006.com).

HEIMSPIEL: Viele niederländische Fußballfans haben vor dem Spiel ihrer Elf gegen die Elfenbeinküste am Freitag das unweit des Stadions gelegene Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum besucht. «Das ist wie in Heimspiel», sagte ein Oranje-Fan dem Museums-Sprecher Enrico Müller.
Denn dass das wegen seiner Architektur viel bewunderte neue Museum vom Amsterdamer Architekten Ben van Berkel entworfen worden ist, hat sich auch in der Heimat herumgesprochen. Das Museum, das 160 Fahrzeuge präsentiert, war am 19. Mai eröffnet worden. Erwartet werden eine Million Besucher im Jahr.

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18.06. Kopfzerbrechen über amtliche Namen: «Ivorer» oder «Elfenbeiner»

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - «Ivorer» lautet die korrekte Bezeichnung für Menschen aus der afrikanischen Elfenbeinküste. Das Wort sei nämlich vom amtlichen Namen des Landes, «Cote d'Ivoire», hergeleitet, heißt es in der Duden-Sprachberatung. «Elfenbeinküste» sei die frühere, im allgemeinen Sprachgebrauch aber immer noch gängige Bezeichnung. Seit dem Beginn der Fußball-WM erreichen die Duden-Sprachberatung nach Angaben vom Freitag zahlreiche Anfragen zu den amtlichen Bezeichnungen von Ländern wie Togo, Elfenbeinküste, Ghana, Trinidad und Tobago oder Serbien und Montenegro.

Bei Costa Rica, Paraguay und Ghana ist der Fall nach Angaben der Sprach-Berater noch relativ klar. Amtlich korrekt müsse es heißen «Costa-Ricaner», «Paraguayer» und «Ghanaer». Schwieriger wird es schon bei Togo: Amtlich ist «Togoer», aber «Togolese» ist im Deutschen auch möglich. Ganz falsch ist lediglich «Toganer».

Keine amtliche Bezeichnung im Deutschen gibt es für Staatsangehörige von Trinidad und Tobago sowie Serbien und Montenegro. Offiziell ist in diesen Fällen nur Umschreibung erlaubt: «Spieler/Einwohner von Trinidad und Tobago» oder «Spieler/Einwohner von Serbien und Montenegro». Als Behelfslösungen sind laut Duden- Sprachberatung Formen wie «Trinidader (und Tobagoer)» oder «Serben und Montenegriner» erlaubt. (Internet: www.duden.de/Sprachberatung)
 

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18.06. WM-Kultur in Nürnberg: Japanischer Tee zum fränkischen Frühschoppen

Nürnberg (dpa/lby) - Schweigend sitzen fünf Männer und fünf Frauen auf schwarzen Meditationsmatten. Ab und zu dringen Fetzen von Fan- Gesängen durch das geschlossene Fenster. Im Nürnberger «Ballazzo» ist japanischer Tag. Die Meditierenden schnuppern eine halbe Stunde lang Zen-Übungen. «Wir wollten ein Programm für die Schnittmenge aus Fußball- und Kultur-Interessierten», erklärt Projektleiterin Kiki Schmidt am Tag des Spieles Japan-Kroatien. Schriftsteller Wolfgang Winkel macht sich indes im Nebenraum laut Gedanken über Fantreue, Abseitsregeln für Frauen oder Scheidungsraten in WM-Jahren.

Die Stadt Nürnberg bietet begleitend zur Weltmeisterschaft ein umfangreiches Kulturprogramm, zentraler Anlaufpunkt ist das Kulturzentrum K4 direkt am Hauptbahnhof. Unter dem WM-Namen «Ballazzo» ist das K4 Haupteinfallschneise für ankommende Fans, Informationszentrum, Presselounge und eben auch Kulturtreff. Daher gibt es am Sonntag zum fränkischen Frühschoppen eine japanische Teezeremonie, ein Meister im Kimono bläst traditionell Bambusflöte.

«Ich interessiere mich nicht so sehr für Fußball, aber das finde ich gut», lobt Ulrike Bernd. Die Schwabacherin nutzt öfters das Kulturprogramm. Jeden Tag spielen Bands der Länder, die in Nürnberg zu Gast sind, Dauerausstellungen mit ironischem Unterton sind zu sehen und Kabarett aus Franken, das live für die ausländischen Gäste zur Stand-Up-Comedy übersetzt wird. Dazwischen liegt eine so genannte Wohlfühloase, in der die Gesichter für zehn Euro in den gewünschten Landesfarben geschminkt werden. Notfalls gibt es als Ausgleich zum harten Sitzen auf Biergarten- oder Stadionbänken eine Rückenmassage.

«Schon am ersten Wochenende waren hier über 5 000 Besucher, und wir sind ja nur ein kleines Haus», freut sich Kiki Schmidt über den Kulturhunger von Einheimischen und Gästen. «Alles, was unter freiem Himmel stattfindet, ist voll besucht», zieht Schmidt Zwischenbilanz. Bei abendlichen 25 Grad ist der «Kulturbiergarten» zum Renner geworden. «Angeblich gibt es hier die besten Lichtverhältnisse für die Sechs-Uhr-Spiele», hat Kiki Schmidt von den Volunteers gehört. Weniger gut besucht sind dagegen Konzerte und die tägliche Disco.

Wenige Meter weiter hat sich Sachiko Mochida ein japanisches Mannschaftstrikot als Minikleid übergezogen. Die 28-Jährige aus Yokohama hört in der Lorenzkirche andächtig zu, was der Kirchenführer erzählt. «Mich beeindrucken die alten Gebäude hier und die Kirchen. Ich will auch das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände sehen», sagt die leidenschaftliche Fußball-Anhängerin.

Ihr Landsmann Akio Lee, Pfarrer aus Kyoto, erklärt Gästen geschnitzte Altäre und den berühmten Engelsgruß von Veit Stoß. Als er an diesem Kunstwerk die frühere Theologen-Meinung erläutert, dass Maria durchs zuhören schwanger wurde, können sich die japanischen Fans in ihren blauen Trikots ein unterdrücktes Kichern kaum verkneifen. Sachiko Mochida ist zwar nur eine Woche in Deutschland, aber sie ist begeistert von der Kultur rund um die WM in Nürnberg. «Ich würde am liebsten hier wohnen,» lacht sie und läuft weiter, jetzt will sie erst mal deutsches Essen probieren.

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18.06. Debatte um Nationalhymne zur WM - Minister kritisieren Gewerkschaft

Hannover (dpa/lni) - In der Debatte um die deutschen Nationalhymne mitten in der Fußball-WM-Euphorie hat Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) die Haltung der Lehrer-Gewerkschaft GEW kritisiert. «Über die Aktion der GEW kann ich nur den Kopf schütteln, die GEW bleibt sich treu und ist fern der Lebenswirklichkeit», sagte Busemann der dpa am Freitag in Hannover. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht gegen die Hymne vor.

In Hessen wurden zur Fußball-WM Broschüren mit «Argumenten gegen das Deutschlandlied» an die Schulen verschickt. Die GEW kritisierte, die Hymne transportiere eine Stimmung des Nationalismus und der «deutschen Leitkultur».

Kultusminister Busemann sagte auch, es sei sinnvoll, wenn an Schulen im Deutsch- und Musikunterricht die Gelegenheit genutzt werde, über die Nationalhymne zu diskutieren und «das Singen zu üben». Mit Blick auf die vielen Fans mit schwenkenden Fahnen sagte der Minister, dies sei eine «sympathische Form, sich über den Sport mit der eigenen Identität auseinander zu setzen.

Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte der dpa, er habe nicht die Befürchtung, dass durch die Hymne eine Stimmung entstehe, die den Rechtsradikalen Vorschub leiste. Der Text der Hymne solle unangetastet bleiben. Das «Lied der Deutschen» wurde 1841 vom Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) verfasst.

Zu der Verständigung auf das Lied kam es am 2. Mai 1952 in einem offizielle Briefwechsel zwischen Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer. Anders als etwa die amerikanische Nationalhymne oder die französische Marseillaise ist das Deutschlandlied bis heute nicht in der Verfassung oder per Gesetz verankert. Es gilt aber offiziell auf Grund der Übereinkunft zwischen Adenauer und Heuss als deutsche Nationalhymne - seit 1991 allerdings nur mit der dritten Strophe des Texts und der Eingangszeile «Einigkeit und Recht und Freiheit».

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16.06. Kulturveranstaltungen zum Fußball bringen Fans und Muffel zusammen

Hannover/Lüneburg/Göttingen (dpa/lni) - Kultur und Fußball scheinen auf den ersten Blick nicht recht zusammen zu passen. Anlässlich der Fußball-WM im eigenen Land aber bieten Bühnen und Museen in Niedersachsen mit großem Erfolg zahlreiche Stücke und Ausstellungen rund um das Fußballspiel. Die Veranstaltungen werden sowohl von klassischen Kulturfreunden als auch Fußballfans besucht, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Während der Fußball-WM sind im Schauspielhaus Hannover auch
Schlager- und Stadiongesänge zu hören. Der Liederabend «Männer 06» von Franz Wittenbrink wird im Foyer des Hauses gezeigt und ist eingebettet in die Live-Übertragung der WM-Spiele der deutschen Nationalelf. «Die Auslastung ist sehr gut», sagte eine Sprecherin.

Mit dem Stück werde nicht nur das sonst klassische Theaterpublikum erreicht. «Männer 06» beginnt nach dem Abpfiff: Fußballfans wollen nach einer Heimniederlage im Stadion nicht nach Hause gehen und singen über Liebe, Frauen und Fußball.

Auf den Spuren des Fußballs wandelt auch das Roemer- und Pelizaeusmuseum in Hildesheim. Die Ausstellung zeigt die Anfänge des Fußballspiels, außerdem sind unter anderem alte Dokumente und Vereinsfahnen aus dem Fundus des Bundesligisten Hannover 96 zu sehen.
«In der Ausstellung sind Fans und Fußballmuffel gleichermaßen vertreten», sagte Sprecherin Kristina Zappen.

Wegen des Bilderbuchwetters der vergangenen Tage sei der Besucheransturm aber etwas weniger geworden. Dabei kommen vor allem Familien mit Kindern, auch Schulklassen zeigen Interesse. Die Ausstellung ist noch nach dem Ende der WM bis zum 17. September zu sehen.

Im Historischen Museum Hannover zieht eine Ausstellung zur Fußballleidenschaft in den heimischen vier Wänden vor allem Kinder und Jugendliche an. «Man kann auch Kickern und Tipp-Kick spielen», erklärte eine Sprecherin. Aber auch Fußball-Fans aus Mexiko seien ins Museum gekommen. Zudem hätten sich Fernsehteams aus Südkorea und China angemeldet.

Das Theater Lüneburg hat zur WM eine Revue unter dem Titel «Alles Fußball - oder was?» ins Programm seiner Studiobühne genommen. Darin entdecken zwei zunächst getrennte Fernsehabend-Gruppen von männlichen
Fußball- und weiblichen «Traumschiff»-Fans nach und nach, dass die andere schönste Nebensache der Welt gar nicht so unversöhnlich mit dem runden Leder ist wie zunächst vermutet.

Der Untertitel kündigt das Projekt als «Eine musikalische Alternative zum Fußballplatz» an, und entsprechend schätzte Chefdramaturg Kurt-Achim Köweker das Publikum ein: «Das waren natürlich Leute, die auch mal auf Fußball verzichten können.» Die Reaktionen seien begeistert gewesen, berichtete Köweker, schränkte jedoch ein: «An dem Abend war allerdings auch kein wichtiges Spiel.» Der Erfolg sei jedenfalls groß genug gewesen, um die Revue in der nächsten Spielzeit ins reguläre Programm zu nehmen.

Im Deutschen Theater (DT) in Göttingen läuft seit Monaten mit riesigem Erfolg die Kabarett-Show «Der Ball ist ein Sauhund - mentales Warmlaufen für die WM». «Es kommen nicht nur Fußballfans, sondern auch das klassische Kulturpublikum», sagte eine DT- Sprecherin. Die Vorstellungen auf der Kellerbühne seien ständig ausverkauft. Die selbst entwickelte Show mit viel Musik solle deshalb unter leicht abgewandeltem Titel in der kommenden Spielzeit weiter gespielt werden.

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13.06 Jedes Tor ein Reim - Poesie-Automat bastelt Fußballlyrik zur WM

München/Berlin (dpa) - Deutschland startet mit Hurra-Fußball und einem 4:2-Sieg in die Weltmeisterschaft. Die «Bild»-Zeitung titelte dazu am Samstag nach dem Eröffnungsspiel in München: «Traumtore! Aber unsere Abwehr ist ein Alptraum». Nach zwei Toren von Stürmer Miroslav «Miro» Klose gegen Costa Rica kann man es aber auch anders
ausdrücken: «Transatlantisches Treffen! Risiko in der Versicherungsarena. Miro - ein surrealistischer Künstler? Man trinkt den Siegersekt mit Schuss. Alle Welt schaut auf ein Rechteck. Es weltmeistert!» Ein Stück Fußballlyrik, wie sie der Poesie-Automat des WM-Kulturprogramms direkt nach jedem Spiel massenhaft ausspuckt.

Denn solche Verse stammen nicht etwa von professionellen Dichtern, auch nicht von Spielern, Zuschauern oder Trainern, sie kommen aus einem Automaten. Dieser Automat, ein Computer mit einer entsprechenden Text-Software, «steht» im Fußballglobus in Berlin und ist über das Internet von überall her zu erreichen (http://poesieautomat.zeit.de).

Ursprünglich stammt die Idee für einen Poesie-Automaten von dem Dichter und Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Schon 1974 hatte er die Maschine in einem Aufsatz vorgeschlagen. Und obwohl Deutschland im selben Jahr Fußballweltmeister wurde, hatte seine Idee nichts damit zu tun. «Ich bin der totale Fußball-Analphabet», bekennt Enzensberger, «ich wollte lediglich eine Art Spielzeug erfinden - eine Maschine, die beliebig viele Gedichte erfinden kann und auf einem kleinen mathematischen Modell mit den Gesetzen der Kombinatorik beruht».

André Heller, Kulturkoordinator der Fußball-Weltmeisterschaft und langjähriger Freund von Enzensberger, gefiel die Idee und so wurde sie Teil des offiziellen Kunst- und Kulturprogramms zur WM. Für jedes der 64 Spiele entstehen mit Hilfe einer Software Gedichte, theoretisch mehrere Millionen verschiedene. Der Computer greift dabei auf verschiedene Datenbanken zurück, die von etlichen jungen Kreativen - Dichtern und Textern - mit Satzteilen und Worten bestückt wurden und kombiniert diese mit Texteingaben, die das aktuelle Spielgeschehen reflektieren: Wer hat das entscheidende Tor geschossen, wer die rote Karte bekommen und welcher Torwart einen Elfmeter gehalten? Die Ereignisse auf und um den Platz werden so zum Inhalt des Gedichts.

«Wir wollen damit Menschen erreichen, die sich sonst nicht so mit kulturellen Dingen beschäftigen», sagt Volker Bartsch, Geschäftsführer der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Das scheint gelungen: Schon am zweiten WM-Tag seien im Internet mehr als 20 000 Gedichte und Statements aus dem Automaten abgerufen worden, im Durchschnitt alle zwei Sekunden eines, verkünden die Macher des Automaten stolz. Ihre Vision geht allerdings noch einen Schritt weiter. Die Gedichte sollen die Wahrnehmung der Spiele begleiten, auf Zugtickets am Bahnhof und Kassenzetteln im Supermarkt sollen die Deutschen während der Weltmeisterschaft ihr tägliches Gedicht zum Spiel lesen können.

Wer es individueller mag, geht ins Internet. Einfach das gewünschte Spiel und die gewünschte Gedichtform eingeben, ein Klick und fertig ist die Fußballlyrik. «Was dabei herauskommt, ist natürlich Glückssache», sagt Hans Magnus Enzensberger, «aber der Automat ist auch ein bisschen als Prüfung gedacht: Wen jemand nicht besser ist als die Maschine, dann kann er das Dichten eigentlich bleiben lassen.»

(Internet: http://poesieautomat.zeit.de)

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12.06. Public Viewing, City Dressing - Zur WM wird «Denglish» gesprochen

Berlin (dpa) - Fußball gucken auf Großbildleinwand heißt «Public Viewing», Flagge hissen «City Dressing». Der Bereich für die Reichen und Schönen nennt sich «Hospitality Zone», freiwillige Helfer sind «Volunteers» und der Hamburger Hauptbahnhof ist seit neuestem die «FIFA Railway Station Hämbörg». Die Fußball-Weltmeisterschaft ist, um im Marketingdeutsch zu bleiben, ein «Event». Mancher Deutsche hat das Großereignis auch zum Anlass genommen, sein Englisch aufzupolieren, darunter die Polizisten in Leipzig oder rund 1000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn.

Zur WM kursieren viele Anglizismen aus der globalen Marketingsprache. Auf der offiziellen FIFA-Internetseite wird für das «kommerzielle Incentive-Programm "Hospitality"» geworben. Die Zielgruppe wird vermutlich verstehen, dass damit noble WM-Angebote für Firmen gemeint sind. Beim Kartenverkauf («Ticketing») heißt es «First come, first served», der Wiederverkauf läuft unter «Resale» beim «Customer Self Service». Der bayerische Kabarettist Gerhard Polt hätte seine Freude daran, schließlich hat er einmal über Freizeitaktivitäten wie «freshair snapping», «mushroom searching» und «televisioning» sinniert.

Der Deutsche Philologenverband sieht die Anglizismen gelassen. Man habe «schon aufgehört, sich darüber aufzuregen», sagt der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Nach der WM werde wieder das «Normalmaß» einkehren.

Für Walter Krämer, den Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache, sind die englischen Ausdrücke dagegen ein rotes Tuch. «Die allermeisten Teilnehmer sprechen kein Englisch», kritisiert er mit Blick auf WM-Schwergewichte wie Argentinien und Brasilien. «Public Viewing! Die Franzosen finden das peinlich und sehen uns als Arschkriecher der USA und Englands», ereifert sich Krämer. Für ihn haben die Anglizismen zur WM ein «Übermaß» erreicht. «Ich bin nicht der einzige, dem das aufstößt.»

Die in Berlin lebende amerikanische Kabarettistin Gayle Tufts hat sich schon über die Durchsagen bei der Bahn gewundert. Erst ein «endloser Satz» zu den Stopps und den Umsteigemöglichkeiten, «dann kommt auf Englisch nur ganz knapp "Thank You for riding Deutsche Bahn". Das klingt gut, aber so wahnsinnig effektiv ist es nicht.» Zur WM wittert Tufts, die mit der Sprachmischung «Denglish» ihr Publikum unterhält, ein großes «Sprachchaos». Marketing-Ausdrücke wie «Public Viewing» oder «City Dressing» findet sie eher belustigend als informativ. «City Dressing - das klingt wie eine Salatsoße.»

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09.06. Ausstellung «Seitenwahl»: Der Ball im Buch

Offenbach/Frankfurt (dpa/lhe) - Das Runde muss ins Eckige und der Ball ins Buch: Großformatige, bunte Erinnerungsbände gehören zu fast jeder Weltmeisterschaft. Auch 2006 werden, kaum ist das Finale in Berlin abgepfiffen, die ersten Bücher auf den Markt kommen. Die Geschichte der WM-Bücher stellt die Doppelausstellung «Seitenwahl» seit Donnerstag vor. Das «Spielfeld» auf beiden Seiten des Mains bilden das Klingspor Museum Offenbach und die Deutschen Bibliothek in Frankfurt. Die rund 300 Exponate zu den 18 bisherigen Weltmeisterschaften kommen aus eigenen Beständen, sind Leihgaben der FIFA und eines privaten Sammlers. Für die Präsentation sind sie auf dem grünen Rasen platziert - hier auf duftendem frischem Heu, dort auf Kunstrasen.

Die Bände spiegeln den sozialen und gesellschaftlichen Wandel des Fußballs. Marksteine setzen parallel zu den für Deutschland besonders wichtigen Turnieren die Ausgaben von 1954, 1966 und 1974. Vor 1954 war die Zahl der WM-Bücher so klein wie die Beschwernisse des ersten Turniers 1930 groß waren. Allein 15 Tage Schiffreise nahmen die vier europäischen Teilnehmer- Mannschaft in Kauf, um überhaupt in Uruguay zu landen. Davon zeugt ein dürres Bändchen, in dem sich seitenlang die im Stil der Zeit gehaltenen pathetisch-staatstragenden Eröffnungs- und Tischreden der Funktionäre nachlesen lassen. Der in roten Stoff gebundene offizielle Bericht über das olympische Fußballturnier von 1928 zählt zu den Glanzstücken von «Seitenwahl». Uruguay wird darin bereits als Weltmeister tituliert, obwohl die erste WM erst zwei Jahre später ausgetragen wurde - Uruguay siegt tatsächlich.

«Die Wende zum Populären, Weltumspannenden kam mit der WM 1954 in der Schweiz. Noch vier Jahre vorher erschien im heute so fußballbegeisterten Brasilien zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kein einziges Buch», erzählt der Leiter des Klingspor Museums, Stefan Soltek. Angesichts des unerwarteten Titelgewinns der Herberger-Elf finden die 54er Bücher vor allem in Deutschland eine begeisterte Leserschaft. Zum ersten Mal gibt es ausführliche Hintergrundberichte und Bildstrecken, Texte über Städte und Stadien wechseln mit Spielberichten ab. «Das offizielle Erinnerungswerk des Schweizer Organisationskomitees ist beispielhaft und Vorbild für den Aufbau solcher Bücher», ordnet Soltek ein.

Ein Band ohne Zusatzinformationen ist heute aus Marketinggründen undenkbar. Soltek: «Auch nicht fußball-begeisterte Leser sollen ja kaufen.» Der Italien-Band 1990 ähnelt eher einem Reiseführer - erst kommen stimmungsvolle Fotos von Sonne, Strand und Kirche, Fußball folgt unter ferner liefen. Einen Kontrapunkt bilden Publikationen aus DDR-Verlagen. Sie setzen opulent ausgestatteten westlichen Werken kritische Aufsätze über soziale Probleme der Gastgeberländer entgegen. Fast symbolhaft in schwarz-weiß.

Nach England 1966 brachten West-Verlage kräftig Farbe ins Buch.
Bände von 1974 zeigen Fotos auf großformatigen Doppelseiten. «Der Einfluss des Fernsehens wird deutlich sichtbar», erläutert Museumsleiter Soltek. Leistungsfähige Kameraobjektive bringen die Spieler nicht nur großformatig auf den Bildschirm, sondern als intensive Nahaufnahme auch aufs Papier. Genau darin liegt für Soltek die Faszination der Kompendien: «Wenn wir sie in die Hand nehmen, holen wir uns die Erinnerung an Miterlebtes zurück. Wir erleben die guten wie schlechten Gefühle solcher Momente jedes Mal neu.» In der Rückbesinnung kommt «Seitenwahl» nicht ohne Torwand aus: In fotografischen Einzelaufnahmen kann jeder Fan das umstrittene Wembley-Tor nachvollziehen: Drin oder nicht? Nach der bisherigen Entwicklung dürfen die Leser zur WM 2006 Ball-Bücher mit vielen Bildern und wenig Text erwarten.

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09.06. Verband wirbt zur Fußball-WM für das Lesen und Schreiben

Gelsenkirchen (dpa/lnw) - Angesichts von mehr als vier Millionen Analphabeten in Deutschland will der Bundesverband Alphabetisierung während der Fußball-WM in den Spielorten für das Lesen und Schreiben werben. Erstmals macht das Projekt «FAN» am Freitag in Gelsenkirchen Station, wo etwa 13 000 Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben könnten, wie der Verband am Donnerstag in Münster mitteilte. Zu den Unterstützern zählten der FC Schalke 04 und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Die nächsten Stationen sind Dortmund und Köln.

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09.06. «Ballazzo»: Kulturzentrum K4 ganz im Zeichen von König Fußball

Nürnberg (dpa/lby) - Das Nürnberger Kulturzentrum K4 präsentiert sich während der Fußball-WM als «Ballazzo». Bis zum Finale am 9. Juli sorgt eine breite Palette aus Kabarett, Theater, Literatur, Kunst, Kino und Musik «für manchmal augenzwinkernde, aber auch ernsthafte kulturelle Ablenkung» zwischen den Spielen. Im idyllischen Biergarten mit Nürnberger Altstadt-Flair werden alle Partien live übertragen. Davor, dazwischen und danach solle ein vielfältiges Kulturprogramm rund um König Fußball zum Mitfiebern, Weiterdenken und Entspannen anregen, sagte Kulturreferentin Julia Lehner bei der Eröffnung am Donnerstag.

Vor dem Anpfiff trug eine Marching Band das «runde Leder» durch die Altstadt zum K4 am Hauptbahnhof. Der anschließende Festakt lieferte Kostproben aus dem «Ballazzo»-Programm der kommenden viereinhalb Wochen mit Filmen, Lesungen, fetziger Musik, DJing, Wellness und einer ausgefallenen Sportmodenschau. «Von 9.00 Uhr bis in den frühen Morgen können sie hier täglich schmökern, aktuelle und verpasste Spiele anschauen, frühstücken, Mittagessen, vespern, einen Cocktail schlürfen, tanzen, debattieren, Filme gucken, sich amüsieren, lachen, schimpfen und sich verwöhnen lassen», beschrieb Lehner das Angebot.

Bereits mittags liefert die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur «literarische Steilvorlagen» zu den Tagespaarungen. Nachmittags und spätabends sind im Filmhaus großes Kino aus den 13 WM-Jahren seit 1954 und Kurzfilme zum Thema Fußballfieber zu sehen. Auf die Abendspiele stimmen Kabarettisten wie Lizzy Aumeier, Mac Härder, Birgit Süß und Oliver Tissot sowie das «WM-Kompetenz-Team» des Staatstheaters ein. Zu den jeweiligen Spielen im Franken-Stadion präsentiert der WorldMusicCup musikalische Leckerbissen aus Mexiko, Iran, Trinidad und Tobago, Ghana, Serbien, Argentinen und dem nächsten WM-Gastgeber-Land Südafrika.

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09.06. Die Hand Gottes aus der Tiefe des Raumes - Fußball
als Lebensweisheit

Berlin (dpa) - Aus Bibel und «Faust» stammen die geläufigsten Zitate deutscher Sprache. Sie bieten Orientierung und Lebenshilfe.
Doch auch der Volkssport Fußball verbreitet mit ähnlicher Kraft ewige Weisheiten. Günter Netzer kam «aus der Tiefe des Raumes» und Jürgen Klinsmann sollte jetzt vielleicht diesen Spruch beherzigen: «Hinten dicht, und vorne hilft der liebe Gott». Kirchenmänner haben sogar auf der Kanzel über Maradonas «Hand Gottes» gepredigt. Für Fußballfans hat die Wahrheit aber nur einen Ort: «Auf'm Platz».

Ur-Vater der Fußball-Sprüche war Sepp Herberger. «Der Ball ist rund», antwortete der Nationaltrainer verschmitzt auf das 3:8- Desaster gegen Ungarn bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. Danach offenbarte der 3:2-Finalsieg für Deutschland die ganze tiefe Bedeutung des Herberger-Satzes: Im Fußball ist alles im Fluss. Bis dann eine sich überschlagende Rundfunk-Stimme aus dem Äther rief:
«Aus, aus, aus, das Spiel ist aus.» Kaum ein anderer Satz dürfte in diesem WM-Jahr häufiger im Radio und Fernsehen zu hören und in Zeitungen zu lesen sein. Selbst Kabarettisten kupferten den Ausrufe- Satz von Herbert Zimmermann zum Ende der Ära von Gerhard Schröder ab.

Auch Herberger hatte überwiegend recht. «Das nächste Spiel ist immer das schwerste», sagte er stets treffsicher voraus. Mit dieser Weisheit irrte der alte Fuchs: «Ein Spiel dauert 90 Minuten.» Nicht nur der FC Bayern weiß seit dem 1:2-Drama im Champions-League-Finale gegen Manchester United, dass bis zur 94. Minute auch noch alles ganz anders kommen kann.

Viele banale, schlaue, aber auch ironische und manche kaum verständlichen Fußballer-Sprüche haben Eingang in die Alltagssprache gefunden. «Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu», lässt sich für jede Lebenslage verwenden. Manches klingt aber auch gaga: «Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien» oder die Forderung eines Spielers in Vertragsverhandlungen mit seinem Verein «Ich möchte lieber ein Viertel als ein Drittel verdienen», sind eher abschreckende Beispiele.

In jedem Fall war das gern genutzte TV-Phrasenschwein für die Strafgebühren bei den schlimmsten Fußball-Floskeln schon immer prall gefüllt. Da ist «Die Ecke, die nichts einbrachte», die «linke Klebe» von Lothar Emmerich, das typische Pokalspiel, das seine «eigenen Gesetze» hat, der Elfmeter, der erst ist, «wenn der Schiedsrichter pfeift», und, völlig unbegreiflich, da das Tor ja überall harmonische Rechtwinkligkeit aufweist, der Eckball «auf den kurzen und den langen Pfosten».

Dann sind da noch die Leute «mit Pferdelunge», die «Wasserträger», die «Wadenbeißer», die «elf Freunde», die sie längst nicht mehr sind und natürlich «die Deutschen, die am Ende immer gewinnen», falls sich der englische Ex-Stürmer Gary Lineker da diesmal nicht irrt. Ein anderer Brite, Bill Shankley, setzte das unumstößliche Fußball-Zitat in die Welt: «Manche Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich kann Ihnen versichern, es ist sehr viel wichtiger als das.»

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08.06 Der Fan lebt nicht vom Ball allein - Broschüre weist Weg zu WM-Kultur

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Fan lebt nicht vom Ball allein: Auch ein ebenso hochkarätiges wie facettenreiches Kulturprogramm bieten Bühnen und Museen, Veranstaltungshäuser und Marktplätze während der Fußball-WM in Nordrhein-Westfalen. Eine gerade erschiene Broschüre, die in den nächsten Wochen mit 1,3 Millionen Exemplaren auf Deutsch und Englisch unters Fan-Volk gebracht wird, weist als offizieller WM- Guide des Landes NRW nicht nur den Weg zu Spielstätten, Bahnhöfen und allerlei Wissens- und Sehenswertem zwischen Rhein und Weser.

Die 120 Seiten im praktischen Taschenformat sind ebenso ein Kulturkompass für den, der in der spielfreien Zeit zwischen dem Brauerei-Museum in Dortmund und der spektakulären Gemäldeschau des Romantikers Caspar David Friedrich in Essen, zwischen den Jazz Nights in Köln und archäologischen Schätzen Chinas in Bonn auf Entdeckungsreise zu kulturell «Hochkarätigem» gehen will. Schließlich soll die WM nicht nur für die erwartete eine Million Gäste aus aller Welt, sondern für das ganze Bundesland «zu einem stimmungsvollen Fest werden», lädt Landessport- und Innenminister Ingo Wolf (FDP) ein:
«Feiern Sie mit!».

Selbstverständlich wurde darauf geachtet, dass die kulturellen Top-Acts nicht am Ende dem Runden Leder die Schau stehlen und für jeden Geschmack etwas dabei ist, beschreibt der im Innenministerium zuständige Leiter der Projektgruppe WM 2006, Peter Landmann, die richtige Mischung. Und selbstverständlich stehen die «wortlosen» Künste wie Musik oder Ausstellungen angesichts vieler Fremdsprachler dabei im Mittelpunkt, sagt Landmann, dessen Team es verstanden hat, die sonst traditionell konkurrierenden, selbstbewussten NRW-Kommunen mit ihren Kultureinrichtungen an einen Programm-Tisch zu bringen.

Wem die 46 Bands aus 32 Ländern als reisender Rahmen der Public- Viewing-Wände zu lärmig sind, wer möglicherweise den Ball-Rausch des lieben Mitbewohners nicht mehr erträgt, den lockt das Kunstprojekt «DormArt» nach Dortmund, wo je eine von elf Künstlern geschaffene Rauminstallation zur Übernachtung gemietet werden kann (ÜF plus Bettzeug 95.- Euro). Erste Anmeldungen lägen schon vor, so «von einem kunstsinnigen Mann, dessen Frau viel Fußball schaut», sagten die Organisatoren. Hunderttausende wirkliche Nachtschwärmer erwartet am 17. Juni die Nacht der Industriekultur an 38 Orten im Revier mit Tanz und Party.

Die Fußball-WM für ausgesprochene Genießer mit Großleinwand und Melodien von Mozart bis Bossa-Nova bieten die Städte Essen zum zweiten Halbfinale am 5. Juli, Hamm beim Spiel um den 3. Platz am 8.
Juli und Wuppertal zum großen Finale am 9. Juli an. Auch «für gepflegte Getränke und schmackhafte Speisen zu moderaten Preisen» sei gesorgt. Den erstklassigen Musikgenuss garantiert an allen drei Orten der prominente Pianist und Mozart-Interpret Matthias Kirschnereit, der zu den fußballerischen Top-Terminen in die Tasten greifen will.

Andrang herrscht sicher auf dem Schlossplatz Siegen, wo Stargeiger und Fußballfan Nigel Kennedy am 7. Juli seine Europatournee startet.
Die WM des Theatersports gastiert an drei Tagen in Dortmund: Hier treffen sich die Meister des internationalen Improvisationstheaters, die auf Zuruf der Zuschauer etwa einen verschossenen Elfmeter im Endspiel in ein Drama im Stile Shakespeares verwandeln können. Wohl entschieden esoterischer dürfte ein Dichtertreffen im Mülheimer Theater werden: Hier lesen 32 Autoren aus dem WM-Teilnehmerländern erstmals in der Literaturgeschichte in jeweils ihrer Sprache Samuel Beckett - natürlich das Drama «Endspiel».

(Internet: www.wm2006.nrw.de)

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09.06. Interviews mit Kulturschaffenden zum Thema Fußball

Drei Fragen an MICHAEL KNOCHE,
Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar und begeisterter Freizeitfußballer

Weimar (dpa/th) -

Was erwarten Sie von der WM 2006?
Knoche: «Nationale Gefühlsaufwallungen, Randale auf den Straßen, aber
auch: die Offenbarung einer neuen Spielkultur durch die afrikanischen WM-Teilnehmer.»

Was sind Ihre stärksten Erinnerungen an die bisherigen WM-Turniere?
Knoche: «An die Tage der WM 1958 erinnere ich mich gut. Damals war ich Helmut Rahn - als siebenjähriger Dreikäsehoch auf einem Bolzplatz am Rhein. Helmut Rahn, Rechtsaußen bei Rot-Weiß Essen, war unser großes Idol.»

Wer hat diesmal die größten Chancen?
Knoche: «Polen. Die polnische Mannschaft ist mein Geheimfavorit. Das verlorene Testspiel vor wenigen Tagen war nur Bluff.»

 
Drei Fragen an WALTER JENS,
Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Fußballfan

Tübingen (dpa/lsw) -

Was erwarten Sie von der WM 2006?
«Es kann ein sehr freundliches Event werden mit einer Reihe von interessanten Mannschaften. Ich werde auch zu einem Spiel gehen und mir in Stuttgart Frankreich gegen die Schweiz ansehen. Was ich mir vor allem von dieser WM erhoffe sind souveräne und faire Verlierer, also keine Maradonnas mit "Gottes Hand", also Mannschaften, die mit Fair Play verlieren können. "Lernt mit Würde zu verlieren"» ist vielleicht die größte sportliche Leistung. Und vor allem: Das Spielerische muss im Vordergrund stehen, so dass man sagen kann: "Mein Gott, haben die gut gespielt!»

Was sind Ihre stärksten Erinnerungen an bisherige WM-Turniere?
«Das Jahrhundertspiel zwischen Italien und Deutschland bei der WM 1970 in Mexiko, das Italien 4:3 erst in der Verlängerung gewann, Brasilien siegte im Endspiel gegen Italien 4:1. Das skandalöseste Spiel ist für mich das 1:0 Deutschlands gegen Österreich bei der WM 1982 in Spanien gewesen, als beiden Mannschaften das Ergebnis zum Weiterkommen reichte und die Kicker über weite Strecken kaum noch spielten und nur noch den Ball hin und her bewegten. Beim berühmten Endspiel in Bern 1954 waren mir die anschließenden nationalen Emphasen mit dem Singen der ersten Strophe des Deutschlandliedes ("Deutschland, Deutschland über alles") zuwider.»

Wer hat diesmal die größten Chancen?
«Natürlich zunächst einmal die bekannten Größen mit Brasilien an der Spitze sowie Italien, England und Deutschland, mit einem kleinen Vorsprung für Brasilien. Aber es ist alles offen, auch für Deutschland natürlich. Wir haben ja aus dem letzten Spiel gegen Italien gelernt. Die Hintermannschaft muss wesentlich evaluiert werden. Und mit Stürmern wie Klose und Podolski kann sich einiges ergeben. Ich denke, dass sie die Vorrunde überstehen werden, danach kann es aber schon sehr leicht bergab gehen, man soll die Fans oder den Heimvorteil nicht überschätzen. Es kann aber auch ganz große Überraschungen bei dieser WM geben, manchmal wird im Fußball ja alles auf den Kopf gestellt, und es kommt eine Mannschaft, mit der niemand gerechnet hat, die bravourös auftrumpft.»

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