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News-Sonderthema: 

Schriftsteller Robert Gernhardt im Alter von 68 Jahren gestorben

Ein Porträt, die wichtigsten Werke Gernhardts und Reaktionen
 

 
Unsere Beiträge:

Hochbegabtes Multitalent: Schriftsteller Robert Gernhardt ist tot
Die wichtigsten Werke von Robert Gernhardt
Zitate von Robert Gernhardt
Köhler: Mit Gernhardt verliert Literatur einen ihrer Größten
Karikaturist Hans Traxler: «Gernhardt hat Maßstäbe gesetzt»

 

 

01.07. Hochbegabtes Multitalent: Schriftsteller Robert Gernhardt ist tot

Frankfurt/Main (dpa) - Seine Gedichte sind auf Klowänden verewigt und werden in Uni-Seminaren erörtert: Robert Gernhardt hat mit seiner Lyrik - vom absurden Humor bis zum Sinnieren über den eigenen Tod - eine Breitenwirkung erzielt wie kaum ein anderer Autor im Deutschland der Nachkriegszeit. Der Dichter Gernhardt, der in Frankfurt am Freitag an Krebs im Alter von 68 Jahren starb, war ein hochbegabtes und seltenes Multitalent: Er war auch Zeichner, Karikaturist, Satiriker, Dramatiker, Essayist und schrieb Erzählungen. Spätestens seit der Verleihung des Heinrich-Heine-Preises vor zwei Jahren wurde Gernhardt in eine Reihe mit den größten deutschen Autoren gestellt.

Kalauer und Kunst: Dieser schwierige Spagat ist Gernhardt in seinem Schaffen mit über 40 Einzel- und zahlreichen Sammelbänden tatsächlich geglückt. Es hat bis in die 1990er Jahre gedauert, bis der in den 60er Jahren bei «Pardon» und «Titanic» groß gewordene Nonsens-Dichter, Satiriker und Herausgeber der Bücher von Otto Waalkes von der seriösen Literaturkritik gewürdigt wurde. Die Hymnen vor allem für seine späten Gedichtbände fielen dann umso überschwänglicher aus.

Zu Gernhardts Stärken gehörte die scheinbare Leichtigkeit, alles um sich herum poetisch niederschreiben zu können, auch wenn es manchmal banal wirkt. «Ich weiß nicht, was ich bin./Ich schreibe das gleich hin./Da hab'n wir den Salat:/Ich bin ein Literat.»

Gernhardts (Selbst-)Ironie hat sich immer mit Tiefsinn gepaart.
Zugleich hat er in schonungsloser Offenheit auch selbst Erlebtes in seinen Gedichten auf humoristische Weise verarbeitet. In seinem 1997 zum 60. Geburtstag erschienenen Band «Lichte Gedichte» verarbeitete Gernhardt seine Erfahrungen mit einer Operation nach einem Herzinfarkt.

Über seine spätere Krebserkrankung publizierte er die 2004 erschienen «K-Gedichte», in denen Verse und Reime sich mit Tumoren und Metastasen vermischen. Gernhardt äußerte sich darin aber auch zur
Tagespolitik: Neben Krankheit galt das «K» dem Protest des Dichters gegen den Irak-Krieg.

Der Mensch Gernhardt war Hedonist: Er liebte das Leben, guten Wein und gutes Essen. Seit den 70er Jahren besaß er ein Haus in der Toskana bei Arezzo, in dem er vier Monate im Jahr zu verbringen pflegte. Doch typisch Gernhardt: 1987 nahm er in dem Theaterstück «Die Toscana-Therapie» die deutsche «Toskana-Fraktion» satirisch aufs Korn. Der Traum-Urlaub eines Paares in Italien wird zum Albtraum.

Neben den Wortspielen und Parodien gehörte die zeichnerische Kunst zu den Markenzeichen Gernhardts, der nach seinem Studium der Malerei und Germanistik 1964 nach Frankfurt gekommen war. Dort wurde er zum Mitbegründer der «Neuen Frankfurter Schule», wie der Kreis der Karikaturisten um die Zeitschrift «Pardon» genannt wurde, die in Deutschland eine neue Humorschule begründeten. Neben Gernhardt gehörten dazu F.K. Waechter, F.W. Bernstein, Chlodwig Poth oder Hans Traxler. Von ihnen leben nur noch Bernstein und Traxler - die beiden anderen sind in den vergangenen Jahren ebenfalls noch relativ jung gestorben.

Mit der unaufhörlichen Betriebsamkeit Gernhardts gingen zahlreiche Preise einher: der Erich-Kästner-Preis (1999) oder der Bert-Brecht- Preis der Stadt Augsburg (1998). 2004 erhielt er den Heinrich-Heine- Preis als «kritischer Beobachter, Dichter und Karikaturist der deutschen Zustände», wie es treffend hieß. Der Laudator und Autor Michael Maar würdigte Gernhardt «als Rigoristen der Wahrheit», der «ein würdiger Nachfahr» von Heinrich Heine sei.

Doch Preise und der große literarische Erfolg haben Gernhardt nie allzuviel bedeutet. Aber wie immer gab es auch dabei zwei Seiten, die der Dichter selbst am besten auf den Punkt gebracht hat: «Lieber Gott, nimm es hin/dass ich was Besond'dres bin/Und gib ruhig einmal zu/dass ich klüger bin als du/Preise künftig meinen Namen/denn sonst setzt es etwas/Amen.»

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01.07. Die wichtigsten Werke von Robert Gernhardt

Hamburg (dpa) - Der Dichter und Satiriker Robert Gernhardt wurde für seine Werke mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Es folgt eine Auswahl seiner Arbeiten:

- «Die Wahrheit über Arnold Hau» (1966, S. Fischer): Das Buch ist eine fiktive Monografie über das Leben und Arbeiten eines Dichters und entstand als Gemeinschaftswerk mit Fritz Weigle und Karl Waechter.

- «Besternte Ernte» (1976, S. Fischer): In Wort-, Bild- und Fotogedichten aus fünfzehn Jahren behandeln Gernhard und Weigle gesellschaftskritische Themen.

- «Wörtersee» (1981, S. Fischer): Der Autor parodiert in seinem ersten eigenständigen Gedichtband andere bekannte Autoren und kommentiert seine eigenen Zeichnungen und Fotos.

- «Hier spricht der Dichter» (1985, Rowohlt): Unter diesem Titel wurden im inzwischen eingestellten «Zeitmagazin» Cartoons des Dichters gedruckt. In dem Band sind die Bildgedichte zusammengefasst.

- «Körper in Cafés» (1987, S. Fischer): Eine Sammlung von Gedichten.

- «Reim und Zeit» (1990, Reclam): Gedichte aus 30 Jahren seines Schaffens, in denen sich Gernhardt mit dem Thema Zeit befasst hat.

- «Weiche Ziele» (1994, S. Fischer): Gedichtband.

- «Lichte Gedichte» (1997, S. Fischer): Hierin verarbeitet der Dichter poetisch seine Erfahrungen mit einem Herzinfarkt und Operationen.

- «Herz in Not» (2004, S. Fischer): Dieser Zyklus mit hundert Gedichten entstand noch im Krankenbett und ist ein Tagebuch über eine Bypass-Operation des Autors.

- «K-Gedichte» (2004, S. Fischer): In dem Gedichtband behandelt Gernhardt existenzbedrohende Themen wie Krankheit und Krieg.

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01.07. Zitate von Robert Gernhardt

Hamburg (dpa) - Robert Gernhardt setzte sich in seinen Gedichten kritisch mit einer großen Vielzahl von Themen, darunter auch Krankheit, Tod und Tagespolitik, auseinander. Es folgen einige Zitate von Robert Gernhardt:

«Lieber Gott, nimm es hin/daß ich was Besond'dres bin/Und gib ruhig einmal zu/daß ich klüger bin als du/Preise künftig meinen Namen/denn sonst setzt es etwas/Amen.» (im Gedicht «Gebet» im Band «Besternte Ernte»)

«Paulus schrieb an die Apatschen:/Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen.» (im Gedicht «Weils so schön war» im Band «Wörtersee»)

«Wenn einer eine Chemo macht/dann kann er was erzählen/und seine Umwelt Tag und Nacht/mit Selbsterlittnem quälen.» (im Band «Die K-
Gedichte»)

«Mein liebes Kind, wir wollen dich befreien./Das heißt: Wir müssen dich zuvor beschießen./Wenn du das so verstehst: Als das Begießen/des Pflänzchens Freiheit, wirst du uns verzeihen.» (im «Sonett vom Versuch eines amerikanischen Pressesprechers, einem irakischen Kind den Krieg zu erklären» im Band «Die K-Gedichte»)

«Der Wal vollzieht den Liebesakt zumeist im Wasser. Und stets nackt.» (im Gedicht «Animalerotica» im Band «Besternte Ernte»)

«Die Basis sprach zum Überbau:? Du bist ja heut' schon wieder blau!'/Da sprach der Überbau zur Basis:? Was is?'» (im Gedichtband «Besternte Ernte»)

(Die Zitate stammen aus Bänden, die beim S. Fischer Verlag erschienen
sind.)

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01.07. Köhler: Mit Gernhardt verliert Literatur einen ihrer Größten

Berlin (dpa) - Mit dem Schriftsteller Robert Gernhardt verliert die deutsche Literatur nach den Worten von Bundespräsident Horst Köhler einen ihrer Größten. «Wer sonst in der Gegenwartsliteratur hat es geschafft, alle anzusprechen, zu berühren, ja zu begeistern: von der ernsten Literaturkritik bis hin zu Schülern, die zum ersten Mal Gedichte lesen», heißt es in einem in Berlin veröffentlichten Kondolenzschreiben an Gernhardts Witwe.

«Robert Gernhardt hatte ein untrügliches Gespür für Tonlagen und Rhythmen, für sämtliche Ausdruckmöglichkeiten der deutschen Sprache», so Köhler. «Vor allem aber hatte er einen Sinn für den Anspruch gehabt, den Komik stellt und für die Komik, die falsche Ansprüche auslösen.» Dass einer der besten deutschen Dichter auch der im umfassendsten Sinne komischste und humorvollste war, das habe ihm mehr als die Anerkennung - es habe ihm die Liebe seiner Leser eingebracht.

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01.07. Karikaturist Hans Traxler: «Gernhardt hat Maßstäbe gesetzt»

Frankfurt/Main (dpa) - Der Karikaturist Hans Traxler hat sich tief erschüttert über den Tod seines Freundes und Kollegen Robert Gernhardt gezeigt: «Ich habe es als großes Glück empfunden, dass ich sein Zeitgenosse war», sagte Traxler am Freitag in Frankfurt.
Gernhardt hätte ohne Frage Maßstäbe gesetzt und sei eine absolute Autorität in Sachen Humor. Die beiden Mitbegründer der Satire- Zeitschriften «Titanic» und «Pardon» kennen sich Traxler zufolge seit 44 Jahren und wohnten gemeinsam in einem Haus.

Auch nachdem beide beruflich eigene Wege einschlugen, hätten sie den Faden zueinander nicht verloren. «Wir hatten bis zum Schluss eine ungetrübte und sehr angeregte Freundschaft, was selten ist unter Künstlern.»

Der Leiter des Museums für Komische Kunst in Frankfurt, Achim Frenz, sagte: «Einer der ganz großen Künstler ist nicht mehr dabei.» Gernhardt habe als Karikaturist Generationen beeinflusst.

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