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News-Sonderthema:
Günter Grass: Das Waffen-SS Eingeständnis
Chronologie der Ereignisse und Reaktionen,
Hintergründe
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Unsere Beiträge:
13.09.
Peter Handke: Grass ist «eine Schande für das Schriftstellertum»
12.09.
Günter Grass darf tschechischen Karel-Capek-Preis
behalten
07.09.
Danziger Ratschef an Grass: «Echte Freunde halten
zueinander»
06.09.
Grass bleibt trotz Absage Preisträger des Görlitzer
Brückepreises
Grass gibt Medien Mitschuld an Waffen-SS-Debatte
29.08.
Historiker Fest kritisiert «schrille Lebenslüge» bei
Grass
28.08.
Grass gibt Akten frei
Knobloch: Fall Grass erinnert an Ex-Republikaner-Chef Schönhuber
25.08.
Nach Grass-Bekenntnis - «Jetzt sollen die Nachgeborenen auspacken»
Grass-Titel auch auf Platz 1 der «Spiegel»-Bestsellerliste
24.08.
Tschechiens Staatspräsident Klaus kommentiert «Fall Grass»
23.08.
Gemischtes Echo auf Grass-Brief in Danzig - Kontroverse dauert an
John Le Carré kritisiert Autorenkollegen Grass für «Heuchelei»
Der Grass-Brief in Auszügen
22.08.
Wiesenthal-Center in Jerusalem stellt Fragen an Günter Grass
Grass schrieb an Danziger Bürgermeister - «Reihe
von Antworten»
Kultusministerium: Grass-Werke für Schüler weiter empfohlen
21.08.
Grass-Diskussion geht weiter - Ehefrau und Kollegen wussten Bescheid
Kanzlerin Merkel kritisiert Günter Grass' spätes Eingeständnis
20.08.
Mehrheit der Danziger will Grass als Ehrenbürger
behalten
Er oder ich - Danzig, Grass und der Streit um die Ehrenbürgerschaft
19.08.
Bundestagspräsident: Grass hat keinen Anspruch
auf Nachsicht
Grass im TV-Interview: Unbeugsam, selbstbewusst und
kontrolliert
18.08.
Steinbach: Grass sollte Bucheinnahmen für NS-Opfer in Polen spenden
Günter Grass zum Weltkriegsende: «Es war eine unüberschaubare Zeit»
Vatikan äußert sich nicht zu Grass-Vermutungen
17.08.
Phoenix setzt Themenschwerpunkt zu Grass und Waffen-SS
Martin Walser und Hellmuth Karasek im ZDF zum Grass-Bekenntnis
Görlitzer CDU gegen Brückepreis-Verleihung an Günter Grass
Grass im ARD-Interview mit Wickert: «War mir keiner Schuld bewusst»
16.08.
Sondersendung zur Diskussion um Grass im MDR-Kulturradio
Der Fall Grass und seine
Vorläufer
Bundestagspräsident warnt bei Grass-Kritik vor Selbstgerechtigkeit
SPD-Politiker Egon Bahr verteidigt Günter Grass
15.08.
«Spiegel»: Grass gestand schon als Gefangener
SS-Mitgliedschaft
Grass bei Wickert am Donnerstag in der ARD
Jüdischer Landesverband kritisiert spätes Bekenntnis
von Grass
14.08.
Günter Grass: Man will mich zur Unperson machen
Reaktionen vom Montag
Menasse nimmt Grass in Schutz - Nennt Kritiker «selbstgerecht»
13.08.
Grass und die Waffen-SS: «Ich habe das immer als Makel
empfunden»
Walesa fordert Grass zur Rückgabe von Ehrenbürgerschaft
auf
Günter Grass droht Entzug des tschechischen
Karel-Capek-Preises
Grass: Beim Häuten der Zwiebel wird Verschollenes
wieder lebendig
12.08.
Walter Jens: Grass verdient meinen Respekt
Literaturkritiker Karasek: «Grass hätte
Nobelpreis riskiert»
Ralph Giordano: «Bild von Günter Grass
hat sich nicht geändert»
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13.09. Peter Handke: Grass ist «eine Schande für das Schriftstellertum»
Wien/Paris (dpa) - Der österreichische Schriftsteller Peter Handke
nennt seinen Kollegen Günter Grass nach dessen spätem Eingeständnis,
der Waffen-SS angehört zu haben, «eine Schande für
das Schriftstellertum». Der österreichischen Info-Illustrierten «News»
(Donnerstag) sagte Handke: «Ich finde vor allem die Sprache,
mit der er das betreibt, völlig verfehlt. Bei ihm kommt nichts
von innen.»
Handke, der selbst wegen seines Engagements für Serbien und
seine Rede zum Begräbnis des ehemaligen Diktators Slobodan Milosevic
heftig von Kollegen und den Medien angegriffen worden war, kritisiert
weiter: «Sogar sein Outing, wie man das heute nennt, ist so selbstgerecht
wie er seit 50 Jahren: böser, selbstgerechter Formalismus.»
Der 63-jährige in Paris lebende Autor zweifelt zudem Grass'
angebliche Unkenntnis an: «Die Ausrede, dass man mit 17 nichts
weiß, ist eine der schlimmsten. (...) Das Nazitum, ob es in Danzig
war oder nicht, hat ein Volk zum Feind des Erdenlebens erklärt,
und das waren die Juden. Sogar ein Zwölfjähriger muss spüren:
Wenn ein anderes Volk als schlecht hingestellt wird, ist diese Ideologie
grundböse.» Grass habe das «gewusst und nicht demgemäß gehandelt.
Das ist ein ewiger Makel eines empörenden Menschen.»
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12.09. Günter Grass darf tschechischen Karel-Capek-Preis behalten
Warschau/Danzig (dpa) - Der Vorsitzende des Stadtrates von Danzig
(Gdansk), Bogdan Oleszek, hat Literaturnobelpreisträger Günter
Grass Unterstützung in «schwierigen Zeiten» zugesichert. «Echte
Freunde sind im Guten wie im Bösen zusammen», schrieb der
liberale Ratschef in einem Brief an den in Danzig geborenen Schriftsteller.
In dem Schreiben, das die polnische Nachrichtenagentur PAP am Mittwochabend
auszugsweise veröffentlichte, nannte Oleszek Grass einen «Freund» und «ausgezeichneten
Danziger». Nachdem bekannt geworden war, dass Grass als 17-jähriger
Mitglied der Waffen-SS war, hatten nationalkonservative Politiker in
Danzig zunächst die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des
Schriftstellers gefordert.
«Mit großem Interesse, aber auch mit Beunruhigung verfolgen
wir die öffentliche Diskussion im Zusammenhang mit Ihrem Buch "Beim
Häuten der Zwiebel"», schrieb Oleszek, dessen Brief
den Angaben zufolge mit den anderen Ratsfraktionen abgesprochen war.
Der Ratschef bedauerte, dass das Bekenntnis von Grass eine Kontroverse
ausgelöst hatte. Zugleich schloss er sich der Einladung des Danziger
Bürgermeisters Pawel Adamowicz an, Grass möge im kommenden
Jahr seine Heimatstadt besuchen: «Als gebürtiger Danziger
und Ehrenbürger sind Sie in Danzig immer zu Hause.»
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07.09. Danziger Ratschef an Grass: «Echte Freunde halten zueinander»
Warschau/Danzig (dpa) - Der Vorsitzende des Stadtrates von Danzig
(Gdansk), Bogdan Oleszek, hat Literaturnobelpreisträger Günter
Grass Unterstützung in «schwierigen Zeiten» zugesichert. «Echte
Freunde sind im Guten wie im Bösen zusammen», schrieb der
liberale Ratschef in einem Brief an den in Danzig geborenen Schriftsteller.
In dem Schreiben, das die polnische Nachrichtenagentur PAP am Mittwochabend
auszugsweise veröffentlichte, nannte Oleszek Grass einen «Freund» und «ausgezeichneten
Danziger». Nachdem bekannt geworden war, dass Grass als 17-jähriger
Mitglied der Waffen-SS war, hatten nationalkonservative Politiker in
Danzig zunächst die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des
Schriftstellers gefordert.
«Mit großem Interesse, aber auch mit Beunruhigung verfolgen
wir die öffentliche Diskussion im Zusammenhang mit Ihrem Buch "Beim
Häuten der Zwiebel"», schrieb Oleszek, dessen Brief
den Angaben zufolge mit den anderen Ratsfraktionen abgesprochen war.
Der Ratschef bedauerte, dass das Bekenntnis von Grass eine Kontroverse
ausgelöst hatte. Zugleich schloss er sich der Einladung des Danziger
Bürgermeisters Pawel Adamowicz an, Grass möge im kommenden
Jahr seine Heimatstadt besuchen: «Als gebürtiger Danziger
und Ehrenbürger sind Sie in Danzig immer zu Hause.»
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06.09. Grass bleibt trotz Absage Preisträger
des Görlitzer Brückepreises
Görlitz (dpa) - Der Dichter Günter Grass bleibt trotz seiner
Absage Preisträger des Internationalen Brückepreises von
Görlitz/ Zgorzelec. Dafür habe sich das Preisgericht einstimmig
entschieden, bestätigte der Sekretär der Gesellschaft zur
Verleihung des Preises, Michael Wieler, am Mittwoch einen Bericht des
3sat-Magazins
«Kulturzeit»: «Wir sind uns einig: Grass ist der
Preisträger des Jahres 2006. In den Annalen der Gesellschaft wird
das so stehen, zusammen mit dem Vermerk, dass Grass den Preis nicht
annimmt.»
Grass hatte Ende August mitgeteilt, den ihn im März zugesprochenen
Brückepreis nicht anzunehmen. Nach seinem Eingeständnis,
als Jugendlicher kurz vor Kriegsende zur Waffen-SS einberufen worden
zu sein, hatten sich CDU-Politiker gegen die Ehrung ausgesprochen.
Der Jury begründete Grass seine Absage unter anderm mit dem derzeit
angespannten Verhältnis zwischen Polen und Deutschland. Zudem
habe er den Preis nicht diskreditieren wollen und Proteste bei der
Verleihung befürchtet, sagte Jury-Präsident Willi Xylander.
Das Preisgericht tagte am Dienstag noch einmal, um über die
Lage zu beraten. Laut Wieler waren von den 14 Jurymitgliedern elf anwesend.
Die drei entschuldigten Mitglieder hätten aber bereits zuvor der
Verleihung an Grass zugestimmt. Unklar ist bislang, was mit dem Preisgeld
in Höhe von 2500 Euro geschieht. Darüber wolle sich die Jury
mit der Stadt Görlitz noch verständigen. Im Dezember soll
der Preisträger des Jahres 2007 ermittelt werden.
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06.09. Grass gibt
Medien Mitschuld an Waffen-SS-Debatte
Frankfurt/Main (dpa) - Literatur-Nobelpreisträger Günter
Grass hat den Medien eine Mitschuld an der Debatte über seine
Mitgliedschaft in der Waffen-SS am Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben. «Das
Leseexemplar dieses Buches lag den Redaktionsstuben der deutschen Zeitungen
seit Wochen vor», sagte Grass am Dienstag in Frankfurt bei der
zweiten öffentlichen Lesung aus seiner soeben erschienenen Autobiografie «Beim
Häuten der Zwiebel». Erst die Vorabveröffentlichung
in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) hatte des
Thema ins Rollen gebracht.
Grass betonte: «Ich habe nichts der "FAZ" gegenüber
gestanden, ich habe etwas in meinem Buch gestanden - die "FAZ" ist
nicht die Institution, die von einem Menschen Geständnisse verlangen
kann.» Grass erzählt in seiner Biografie erstmals davon,
dass er in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs als Jugendlicher
kurzzeitig der Waffe-SS angehört hatte. Dies hatte in den vergangenen
Wochen zu teils heftiger Kritik an dem Nobelpreisträger geführt.
Grass wurde vorgeworfen, im Nachkriegsdeutschland als «Moralapostel» aufgetreten
zu sein, ohne seine eigene Vergangenheit völlig aufzudecken.
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29.08. Historiker Fest kritisiert «schrille Lebenslüge» bei
Grass
Berlin (dpa) - Der Hitler-Biograf und NS-Experte Joachim Fest hat
seine Kritik an Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass verschärft.
Dessen spätes Bekenntnis, in jungen Jahren kurzzeitig der Waffen-SS
angehört zu haben, nannte er eine «schrille Lebenslüge». «Er
war immer unbarmherzig, wenn es um Jugendsünden ging», sagt
Fest in der neuen Ausgabe der Zeitschrift «Cicero», die
am Donnerstag erscheint.
«Er hat sich jahrzehntelang moralisch aufgespielt und Mitmenschen
gnadenlos kritisiert.» Grass' Eingeständnis komme nicht
nur viel zu spät, «es entlarvt eine hochfahrende Selbstgerechtigkeit
und Doppelmoral». Kein anderer habe so gern ethische Noten verteilt
wie Grass, «kein anderer saß auf einem so hohen Ross, kein
anderer fällt nun so tief».
Der Historiker und frühere Herausgeber der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» (FAZ), der am 8. Dezember 80 Jahre alt wird,
hat jetzt seine Kindheits- und Jugenderinnerungen mit dem Titel «Ich
nicht» geschrieben, die im September im Rowohlt Verlag erscheinen.
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28.08. Grass gibt Akten frei - Frühere Herausgabe war rechtswidrig
Berlin (dpa) - Die in der Berliner Wehrmachtsauskunftsstelle
(WASt) lagernden Belege über die Mitgliedschaft von Günter
Grass in der Waffen-SS hätten eigentlich unter Verschluss bleiben
müssen. Das sagte am Freitag der Datenschutzbeauftragte des Landes
Berlin, Alexander Dix, und bestätigte damit einen Bericht der «Netzeitung».
«Eine Einwilligung von Grass lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
vor eineinhalb Wochen nicht vor. Deswegen war das Verhalten der WASt
eindeutig rechtswidrig und unzulässig», sagte Dix. Mehrere
Zeitungen hatten Akten aus der Wehrmachtsauskunftsstelle dokumentiert
und daraus zitiert.
Nach gleich lautenden Berichten von «Netzeitung» und «Spiegel
Online» hat Grass sich am Freitag nachträglich mit der Weitergabe
seiner Dokumente einverstanden erklärt. «Spiegel Online» berichtet
zudem, dass damit jetzt auch die Wehrmachts-Krankenakte des Literatur-Nobelpreisträgers
einzusehen sei. In der WASt war dazu am Freitagnachmittag keine Stellungnahme
zu erhalten.
Die jüngst freigegebene Wehrmachts-Krankenakte von Grass nährt
nach Angaben von «Spiegel Online» Zweifel an der Zuverlässigkeit
der biografischen Angaben, die Grass in seinen Erinnerungen «Beim
Häuten der Zwiebel» gemacht hat. So widerlege sie die Aussage
von Grass, er sei bereits im September 1944 Soldat der Waffen-SS geworden
und habe während der Ausbildung - am 16. Oktober 1944 - seinen
17. Geburtstag gefeiert. Dem Eintrag zufolge sei Grass erst am 10.
November 1944 eingerückt.
Weiter berichtet «Spiegel Online», als Einheit sei im
Krankenbuch die Panzerjäger-Ausbildungs- und Ersatzabteilung 3
vermerkt. Eine solche habe es in der Tat bei der Waffen-SS gegeben.
Sie sei nur nach bisheriger Kenntnis nicht der 10. SS-Panzerdivision «Frundsberg» unterstellt,
zu der Grass nach eigener Aussage gehörte.
Die unzulässige Veröffentlichung der Dokumente über
Grass wird für für die Wehrmachtsauskunftsstelle vorläufig
ohne Folgen bleiben. Nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen
habe man auf eine mögliche offizielle Beanstandung verzichtet,
sagte Dix.
Nach Angaben des Datenschutzbeauftragten handelt es sich bei der
WASt um eine Informationssammlung, die dazu dient, Einzelfall- Schicksale
und versorgungsrechtliche Fragen zu klären. Eine Auskunft an Dritte
- vor allem an Medien - sei nicht vorgesehen. Auch die Tatsache, dass
Grass eine Person der Zeitgeschichte sei, ändere nichts daran.
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28.08. Knobloch: Fall Grass erinnert an Ex-Republikaner-Chef Schönhuber
München (dpa) - In der Diskussion um Günter Grass' spätes
Eingeständnis seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS hat die Präsidentin
des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, einen
Vergleich mit dem ehemaligen Republikaner-Chef Franz Schönhuber
gezogen. Der Fall des Literatur-Nobelpreisträgers erinnere sie
an Schönhuber, sagte Knobloch der «Abendzeitung» (Montagausgabe).
«Dessen SS-Bekenntnis stand auch im Zusammenhang mit der Veröffentlichung
seiner Autobiografie.» Dies finde sie ein sehr billiges Niveau. «All
seine bisherige Kritik, die Grass ja immer sehr selbstgefällig
formuliert hat, ist damit komplett obsolet geworden.»
Ihre Bilanz nach fast 100 Tagen als Präsidentin des Zentralrats
der Juden fällt gemischt aus. «Mein Optimismus ist in keinster
Weise geschmälert», sagte sie. Allerdings habe es im Zusammenhang
mit dem Nahost-Krieg viele antisemitische Beschimpfungen gegeben, teilweise
seien jüdische Menschen sogar mit Hitler verglichen worden. Chancen
auf Frieden im Nahen Osten sehe sie kaum, hoffe aber trotzdem, dass
es der Diplomatie gelingt, die libanesische Regierung zu stärken.
Als vordringlichste Aufgabe sieht sie den Kampf gegen den Rechtsextremismus
an. «Unterstützt durch Anwälte und Gesetze bekommen
Neonazis immer mehr Möglichkeiten, sich einen Platz zu verschaffen.
Das dürfen wir nicht zulassen.»
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25.08. Nach Grass-Bekenntnis - «Jetzt sollen die Nachgeborenen
auspacken»
Hamburg/Tel Aviv (dpa) - Für die eher gelangweilten Jungen ist
er «Opa Grass», für die wütende Generation der
68er ein demontiertes Vorbild, für viele seiner Alters- und Kriegsgenossen
einer, dem man verständnisvoll zur Seite springt. Die Debatte
um den Literatur- Nobelpreisträger Günter Grass und sein
nach 61 Jahren gebrochenes Schweigen über seine kurze Mitgliedschaft
in der Waffen-SS geht durch die Generationen. Manche sehen in der Diskussion
nicht mehr als die x-te Auflage deutscher Vergangenheitsbewältigung,
namhafte Psychologen wie der Israeli Dan Bar-On erhoffen sich davon
neue Impulse für eine intensive familiengeschichtliche Aufarbeitung
der Nazi-Zeit.
«Immer mehr Kinder und Enkel der deutschen Kriegsgeneration
arbeiten das Thema jetzt auf, indem sie Therapien beginnen und in der
eigenen Familie hartnäckig nach Spuren der Vergangenheit forschen.
Ich sehe das als Teil eines Erholungs- und Gesundungsprozesses der
deutschen Gesellschaft», sagt Bar-On in einem dpa-Gespräch.
Der Professor an der Ben Gurion Universität (Beer Sheva) und Co-Direktor
des Instituts für Friedensforschung im Mittleren Osten erforscht
seit Mitte der 80er die Nachwirkungen des Holocaust auf die nachfolgenden
Generationen von Tätern und Opfern. Dabei wurde das Story-Telling,
das Erzählen persönlicher Geschichten, zur friedenstiftenden
Therapie.
«Grass hat lange geschwiegen, vielleicht aus Angst, dass sonst
alles für ihn zerbrochen wäre. Erst jetzt fühlte er
sich sicher genug, damit herauszurücken. Das sagt mehr über
die deutsche Gesellschaft als über ihn», meint Bar-On («Die
Last des Schweigens»).
Noch vor 20 Jahren sei es tabu gewesen, über die Nazivergangenheit
der eigenen Familie zu sprechen. «Das war eine enorme Belastung
für Nachgeborene von NS-Tätern. Erst nach der deutschen Einheit
und mit der großen Wehrmacht-Ausstellung des Hamburger Instituts
für Sozialforschung Mitte der 90er sowie der Welle, auch eigene,
deutsche Verluste zu betrauern, entstand eine Öffnung und die
Bereitschaft, die politische Debatte in die eigene Familie hineinzutragen.»
Davor habe es in den Familien das Phänomen der «doppelten
Mauer»
gegeben: «Die Eltern bauten eine Mauer um ihre Gefühle zu
den Gräueltaten, die sie miterlebt oder begangen hatten, die Kinder
errichteten als Reaktion darauf ihre eigene schützende Mauer,
weil sie fühlten, dass etwas verschwiegen wird.» Diese Atmosphäre
des Wissens und doch nicht Wissens habe Fantasien befördert, die
oft «schlimmer sind als die Realität». Die Folgen:
Depressionen, ein Gefühl der Hilflosigkeit, Selbstzerstörungstriebe
und das starke Verdrängen von Gefühlen durch ständiges
Tätigsein.
«Das alles wurde durch das Grass-Bekenntnis wieder aufgewühlt»,
meint Autorin Sabine Bode («Die deutsche Krankheit - German Angst»).
«Die Kinder der Kriegsgeneration sind auf dünnem Eis gelaufen. Das
ist kein Boden, auf dem man sich stabil entwickeln kann. Das Grass- Geständnis
erinnert daran, wie wenig verlässlich die Aussagen der Eltern waren»,
sagt die Autorin. Darüber hinaus habe es einen Bruch in der Erzähltradition
in den Familien gegeben: «Gewisse Zeiten waren nur ein weißer Fleck.
Es gab keine stärkenden Botschaften darüber, wie man alles überlebt
hat, sondern nur Andeutungen über Schrecken und Grauen.» Diese unbewussten,
unverarbeiteten Ängste aus der Kriegszeit pflanzten sich über Generationen
fort und hätten in Deutschland einen kollektiven Zustand von Mutlosigkeit
und Schwarzmalerei geschaffen, eben «German Angst» (deutsche Angst).
Bode findet: «Jetzt sollen die Nachgeborenen auspacken. Wie
war es, mit solchen Schatten fertig werden zu müssen? Es wird
Zeit, noch viel mehr über eigene Erfahrungen als Kinder der Kriegsgeneration
zu schreiben, nicht nur über die verstrickten Väter oder
Onkel.»
Die Abwehr vieler heute junger Menschen erklärt die Autorin
mit einem gewissen Übersättigungseffekt. «Die Enkel
wurden mit Holocaust- Aufklärung überschüttet. Sie erkennen
jetzt mit Recht die Hysterie, die auch hinter der Debatte um Grass
steckt. Aber auch sie können ihrer Familiengeschichte nicht davonlaufen.» Und
Bar-On betont: «Die Jungen haben zwar viel Information bekommen,
sind zu Hause aber weiterhin auf die Schweigemauer gestoßen.
Da hat sich nicht viel verändert.»
Die Psychoanalytikerin Christiane Walesh-Schneller sieht es so:
«Wir müssen jetzt Geschichtsbuch und Familienalbum zusammenbringen,
um auf einer festen Grundlage stehen zu können.» Für Menschen,
die sich der Vergangenheit stellten und bei der Familienrecherche erschütternde
Entdeckungen machten, gebe es noch immer zu wenig Hilfe. «Ideal wäre
eine Organisation, die Hilfesuchenden psychologisch und historisch Unterstützung
bietet», sagt Walesh- Schneller, die sich in einem Aufarbeitungsprojekt
engagiert. Ein Wahlspruch auf dessen Website ist ein Zitat des US-Philosophen
George Santayana: «Wer nicht fähig ist, seiner Vergangenheit in
die Augen zu sehen, ist dazu verurteilt, sie ewig zu wiederholen.»
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25.08. Grass-Titel auch auf Platz 1 der «Spiegel»-Bestsellerliste
München (dpa) - Die Autobiografie von Günter Grass hat auf
Anhieb Platz 1 der Bestsellerliste des Nachrichtenmagazins «Der
Spiegel» belegt. In dem Buch mit dem Titel «Beim Häuten
der Zwiebel» berichtet der Literatur-Nobelpreisträger auch über
seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Das späte Bekenntnis des
Autors hatte eine internationale Debatte ausgelöst. Auch auf der
Liste des «Focus» gelangte der Titel in der vergangenen
Woche auf den ersten Platz. Auf beiden Rangfolgen verdrängte Grass
damit Ildiko von Kürthys «Höhenrausch» auf Platz
2.
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24.08. Tschechiens Staatspräsident Klaus kommentiert «Fall
Grass»
Prag (dpa) - Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus (65)
hat die Kritik an Schriftsteller Günter Grass (78) verurteilt,
aber auch Zweifel an dessen Darstellung seiner Zeit bei der Waffen-SS
geäußert. «Das Moralisieren über die Jahre 1940
bis 1945 in der Idylle des August 2006 ist ohne die Fähigkeit,
die damalige Realität zu verstehen, gefährlich und anstößig»,
schrieb Klaus in einem Beitrag für die Prager Tageszeitung «Lidove
noviny» (Mittwoch). Der Nazi-Ideologie seien weitaus reifere
Menschen unterlegen als der damalige Schüler Grass.
Er glaube dem Autor aber nicht, dass dieser als Jugendlicher den
Unterschied zwischen Wehrmacht und SS nicht gekannt habe. Auch der
Hinweis auf die familiäre Enge, der Grass habe entkommen wollen, überzeuge
ihn nicht, kritisierte das konservative Staatsoberhaupt:
«Warum sagt er nicht, dass er schlicht seinem gefährdeten Vaterland
helfen wollte? (...) Auch der Zeitpunkt der jetzigen Aussage war wahrscheinlich
kein Zufall.» Er schließe zwar nicht aus, dass Grass einfach «reinen
Tisch» machen wollte. Vielleicht stecke aber auch «ein Gefühl
der Überordnung dahinter, mit dem ein großer Intellektueller probieren
will, was alles er sich erlauben darf».
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23.08. Gemischtes Echo auf Grass-Brief in Danzig - Kontroverse dauert
an
Warschau/Danzig (dpa) - Der Brief von Literatur-Nobelpreisträger
Günter Grass an seine Geburtsstadt Danzig (Gdansk) mit Erklärungen
zu seiner Zeit in der Waffen-SS hat in der nordpolnischen Hafenstadt
gemischte Reaktionen ausgelöst. «Für mich ist die Angelegenheit
damit abgeschlossen», sagte der liberale Stadtratsvorsitzende
Bogdan Oleszek der Zeitung «Gazeta Wyborcza». Er vermutet
hinter den Erklärungen nationalkonservativer und nationalistischer
Politiker vor allem Wahlkampf-Taktik. «Es geht ihnen offensichtlich
nicht um Ergebnisse, sondern darum, sich vor den (Kommunal-) Wahlen
aufzuspielen.»
«Der Brief enthält nichts Neues», meinte dagegen
Kazimierz Koralewski von der nationalkonservativen Partei Recht und
Gerechtigkeit (PiS). Seine Partei bleibe bei ihrer Forderung, Grass
solle die Danziger Ehrenbürgerwürde aberkannt werden. Auf
einer Sitzung des Ältestenrates von Danzig am Dienstag hatte allerdings
auch der Vertreter der PiS keinen Antrag auf Aufhebung der Ehrenbürgerschaft
gestellt.
«Wenn es keinen Antrag gibt, kann auch nicht darüber abgestimmt
werden», sagte ein Sprecher der Stadt, der damit die «Sache
Grass» für abgeschlossen hält. Der Stadtrat will am
31. August über Grass und eine mögliche Aberkennung seiner
Ehrenbürgerwürde diskutieren.
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23.08. John Le Carré kritisiert Autorenkollegen Grass für «Heuchelei»
Kopenhagen (dpa) - Der britische Schriftsteller John le Carré (74)
hat seinen deutschen Kollegen Günter Grass (78) der «Heuchelei» beim
Umgang mit der deutschen und seiner persönlichen Vergangenheit
bezichtigt. Der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» sagte
der weltweit erfolgreiche Thriller-Autor über das erst jetzt gebrochene
Schweigen von Grass zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS: «Ich
weiß nicht, ob es Berechnung, Scham oder Verdrängung war.
Aber in jedem Fall geht es nicht.»
Le Carré meinte weiter: «Man stelle sich vor, jemand
hat sein Leben lang gegen die Homosexualität gepredigt, und dann
zeigt sich, dass er einen Jungen als Geliebten gehabt hat. Das ist
dann nicht Scham oder Verdrängung, sondern Heuchelei.» Für
Grass habe «die Bombe getickt», seit er 1958 «Die
Blechtrommel» geschrieben habe. Er verstehe seinen Kollegen auch
deshalb nicht, weil es immer Leute gegeben habe, die von seiner Mitgliedschaft
in der Waffen-SS gewusst hätten. «Als er 1999 den Nobelpreis
entgegennahm, muss er auch gewusst haben, dass er ihn nie bekommen
hätte und auch nie Ehrenbürger von Danzig geworden wäre,
wenn das bekannt gewesen wäre.»
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23.08. Der Brief in Auszügen - Grass: Kontroverse hat «für
mich existentiell bedrohliche Ausmaße»
Hamburg (dpa) - In einem Brief an den Danziger Bürgermeister
Pawel Adamowicz hat der Literatur-Nobelpreisträger Günter
Grass zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS Stellung genommen.
Gleichzeitig beschreibt er seine Haltung zu seiner Heimatstadt Danzig
(Gdansk), deren Stadtrat am 31. August über die Aberkennung der
Ehrenbürgerschaft von Grass beraten will. dpa dokumentiert das
Schreiben vom 20. August in Auszügen (in der von Grass gewählten
Rechtschreibung):
«Sehr geehrter Herr Adamowicz,
ich danke Ihnen für Ihren Brief und für das Vertrauen,
das Sie mir gegenüber auch in der gegenwärtigen Situation
beweisen. Bevor mein jüngstes Buch, «Beim Häuten der
Zwiebel», öffentlich zur Kenntnis genommen werden konnte,
hat die Meldung über eine zwar gewichtige, aber nicht den Inhalt
des Buches dominierende Episode im Verlauf meiner jungen Jahre eine
Kontroverse ausgelöst, die unter anderem die Bürger der Stadt
Gdansk verunsichert und die zugleich für mich existentiell bedrohliche
Ausmaße angenommen hat.
(...)
In den Jahren und Jahrzehnten nach dem Krieg habe ich, als mir die
Kriegsverbrechen der Waffen-SS in ihrem schrecklichen Ausmaß bekannt
wurden, aus Scham diese kurze, aber lastende Episode meiner jungen
Jahre für mich behalten, doch nicht verdrängt. Erst jetzt,
im Alter, fand ich die Form, davon in größerem Zusammenhang
zu berichten.
Dieses Schweigen kann als Fehler gewertet und - wie es gegenwärtig
geschieht - verurteilt werden. Auch muß ich akzeptieren, daß durch
mein Verhalten meine Ehrenbürgerschaft von vielen Bürgern
der Stadt Gdansk in Frage gestellt wird. Es steht mir nicht zu, in
dieser Situation auf all das hinzuweisen, was während fünf
Jahrzehnten mein Lebenswerk als Schriftsteller und gesellschaftlich
engagierter Bürger der Bundesrepublik Deutschland ausmacht, doch
möchte ich für mich beanspruchen, die harten Lektionen, die
mir in meinen jungen Jahren erteilt worden sind, begriffen zu haben:
meine Bücher zeugen davon und mein politisches Handeln.
Ich bedaure es, Ihnen und den Bürgern der Stadt Gdansk, mit
der ich als gebürtiger Danziger zutiefst verbunden bin, eine Entscheidung
aufgebürdet zu haben, die gewiß leichter und auch gerechter
zu fällen wäre, wenn mein Buch bereits in polnischer Übersetzung
vorläge.
(...)
Ich sah viele Gründe, auf meine ehemalige Heimatstadt stolz
zu sein, ging doch von ihr eine geistige Haltung aus, die europaweit
wirksam wurde, als es darum ging, diktatorische Herrschaft gewaltfrei
zu beenden, so auch zum Fall der Berliner Mauer beizutragen und die
Möglichkeiten für wahre Demokratie zu öffnen. Das alles
machte mir Mut, das immer wieder stockende Gespräch zwischen Polen
und Deutschen, Deutschen und Polen fortzusetzen, auf daß wir
alle aus der Geschichte, so schmerzhaft sie war, eine Lehre ziehen,
die wechselseitiges Verständnis erlaubt.»
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22.08.Wiesenthal-Center in Jerusalem stellt
Fragen an Günter Grass
Jerusalem (dpa) - Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Centers in Jerusalem,
Efraim Zuroff, verlangt von Günter Grass mehr Details bei der
Aufklärung seiner SS-Vergangenheit. In einem Offenen Brief stellte
Zuroff dem Schriftsteller am Dienstag eine Reihe von Fragen etwa zu
seiner Rolle in der Waffen-SS. Grass hatte kürzlich zugegeben,
als 17-Jähriger Mitglied der ehemaligen Elitetruppe gewesen zu
sein. Das Wiesenthal-Center gestehe Grass zu, dass er sich seiner Vergangenheit
stelle, hieß es in dem Schreiben. Da aber sein Bekenntnis «so
spät» erfolgt sei, «haben die Medien die Nachricht
begierig aufgegriffen, Recherchen angestellt und Berichte veröffentlicht,
die neue Fragen aufwerfen».
Grass habe zwar angegeben, er könne den Angaben in seinem jüngsten
autobiografischen Buch «Beim Häuten der Zwiebel» nichts
hinzufügen.
Das Wiesenthal Center bitte ihn aber darum, sich zu erinnern, schrieb
Zuroff. Insbesondere wolle man wissen, in welchem Truppenteil der Waffen-SS-Division «Frundsberg» der
spätere Literatur- Nobelpreisträger diente und an welche
Offiziere und Unteroffiziere er sich erinnern könne. Das Center
fragt weiter nach Einsatzorten, Einsatzzeiten und nach Dokumenten darüber.
Nach Meinung Zuroffs sind Grass' Ausführungen in dem Buch zu
den Ereignissen im Jahr 1945 «eher dünn». Als renommierter
Schriftsteller sei gerade Grass dazu berufen, mehr über seine
Zeit bei der Waffen-SS zu berichten. Das Center bittet Grass außerdem
um eine Einverständniserklärung zur Auswertung von Archivdokumenten,
um dieses Kapitel der deutschen Geschichte besser aufarbeiten zu können.
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22.08. Grass schrieb an Danziger Bürgermeister
- «Reihe von Antworten»
Warschau/Danzig (dpa) - Literaturnobelpreisträger Günter
Grass hat einen Brief an den Bürgermeister seiner Heimatstadt
Danzig (Gdansk) geschrieben, in dem er wohl auch Stellung zu seiner
Mitgliedschaft in der Waffen-SS nimmt. Das Schreiben enthalte «Antworten
auf eine Reihe von Fragen», sagte Bürgermeister Pawel Adamowicz
dem Nachrichtensender TVN 24. «Der Brief ist sehr interessant,
teilweise sehr rührend.» Zu Einzelheiten wollte er nichts
sagen, da die offizielle Übersetzung des Schreibens noch in Arbeit
sei. Ob der Brief des Autors der «Blechtrommel» veröffentlicht
wird, hänge von der Spitze der Bürgerschaft ab.
Am Dienstagnachmittag sollte in Danzig der Ältestenrat zusammentreten,
um über eine mögliche Aberkennung der Ehrenbürgerschaft
von Grass zu diskutieren. Sollten sich die Vorsitzenden der Ratsparteien
entschließen, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, könnte
eine Entscheidung in der kommenden Woche auf der Sitzung des Stadtrates
fallen. Adamowicz hatte bereits öffentlich betont, er hoffe, das
Thema sei nach der Sitzung am Dienstag erledigt. In einer am Sonntag
veröffentlichten Umfrage hatten sich 72 Prozent der Danziger gegen
eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft ausgesprochen.
Friedensnobelpreisträger Lech Walesa dagegen hatte Grass aufgefordert,
seine Ehrenbürgerschaft aufzugeben. Andernfalls wolle Walesa seine
Danziger Ehrenbürgerschaft niederlegen.
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22.08. Kultusministerium:
Grass-Werke für Schüler weiter empfohlen
Stuttgart (dpa/lsw) - Trotz der Debatte um die frühere Zugehörigkeit
des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass zur Waffen-SS
werden seine Werke im Südwesten weiterhin für Schüler
im Deutschunterricht empfohlen. Nach Angaben des Kultusministeriums
bleibt etwa «Die Blechtrommel» Orientierungshilfe zur Auseinandersetzung
mit der NS-Zeit. Minister Helmut Rau (CDU) sagte am Montag in Stuttgart: «Der
Stellenwert des literarischen Werkes von Günter Grass wird von
der gegenwärtigen Debatte nicht geschmälert.»
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21.08. Grass-Diskussion geht weiter -
Ehefrau und Kollegen wussten Bescheid
Hamburg (dpa) - Die Diskussion um Literatur-Nobelpreisträger
Günter Grass dauert auch mehr als eine Woche nach dessen Eingeständnis,
Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, an. Während Altbundespräsident
Richard von Weizsäcker Grass' Verdienste um die deutsch-polnischen
Beziehungen würdigte, attackierte Literaturkritiker Hellmuth Karasek
ihn erneut. Grass' vom Verlag vorgezogene Autobiografie «Beim
Häuten der Zwiebel» sprang unterdessen auf Anhieb auf Platz
eins der Bestsellerliste des Nachrichtenmagazins «Focus».
Die Bestsellerliste wird wöchentlich von media control GfK international
auf der Basis von Verkaufszahlen in repräsentativ ausgewählten
Buchhandlungen ermittelt.
Grass selbst sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»,
die in einer Beilage am Samstag Auszüge aus seinem Buch veröffentlichte,
vor dem Schreiben habe er seiner Frau und zudem einigen Kollegen seine
Waffen-SS-Mitgliedschaft gestanden. Ihm sei jedoch nicht mehr bewusst
gewesen, dass er 1990 schon einmal im kleinen Kollegenkreis über
seine Zeit bei der Waffen-SS gesprochen habe. «Das hatte ich
tatsächlich völlig vergessen», sagte Grass (78) der
Zeitung.
Der 31-jährige Schriftsteller Daniel Kehlmann («Die Vermessung
der
Welt») sagte der «Frankfurter Rundschau» (Samstag)
mit Bezug auf Grass' Waffen-SS-Zeit: «Mich würde allerdings
interessieren, wie es möglich war, dass das all die Jahre kein
Biograf und kein Journalist herausgefunden hat. Das ist eigentlich
das Unheimliche, das Rätsel in dieser Geschichte.»
Literaturkritiker Hellmuth Karasek (72) attackierte den 78- Jährigen
erneut. Hier habe sich «ein Moralist selber zu Grunde gerichtet»,
sagte er in der ARD-Sendung «Beckmann», die am Montag ausgestrahlt
wird. «Er war ja das Staatstragendste, was wir in Deutschland
haben. Der ist ja gar nicht mehr aus den Wolken 'runtergekommen.» Er
könne Grass nur raten: «Runter vom Sockel. Jede Woche eine
Resolution - das war schon ein bisschen anstrengend.» Karasek
hatte Grass kürzlich bereits vorgeworfen, sich den Nobelpreis
erschlichen zu haben, indem er bewusst seine SS-Vergangenheit verschwiegen
habe.
Altbundespräsident von Weizsäcker (86), selbst im Zweiten
Weltkrieg Infanterie-Hauptmann, sagte der «Bild am Sonntag»,
dafür, dass derzeit «alle Steinewerfer» über
ihn herfielen, sei Grass selbst verantwortlich. An der Kraft seiner
Literatur und seinen prägenden Leistungen für das deutsch-polnische
Verhältnis nach dem barbarischen Krieg ändert das nichts!» Zur
Diskussion in Grass' polnischer Geburtsstadt Danzig, die kommende Woche über
die mögliche Aberkennung seiner Ehrenbürgerschaft entscheiden
will, sagte von Weizsäcker: «Das bleibt ein vorübergehender
Ausdruck einer gegenwärtigen polnischen Suche nach Distanz zum
deutschen Nachbarn.» Er wisse aus langer Erfahrung, wie viel
Grass persönlich zur Verbesserung des deutsch- polnischen Verhältnisses
beigetragen habe.
Die britische Tageszeitung «The Times» ging am Samstag
noch einmal mit Grass wegen seines späten Bekenntnisses hart ins
Gericht. Grass habe in der Vergangenheit «seine Themen von Schuld
und moralischer Abrechnung für parteiliche politische Zwecke ausgenutzt».
Daher solle «man ihm seine Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit
(...) zurück ins Gesicht schleudern», schrieb das Blatt.
Als Autor und politischer Mahner sei er diskreditiert.
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21.08. Kanzlerin Merkel kritisiert Günter
Grass' spätes Eingeständnis
Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den späten
Zeitpunkt des Eingeständnisses von Günter Grass kritisiert,
als 17- Jähriger bei der Waffen-SS gewesen zu sein. «Ich
hätte mir gewünscht, wir wären über seine Biografie
von Anfang an in vollem Umfang informiert gewesen», sagte Merkel
am Montag in Berlin. Der Literatur- Nobelpreisträger habe bei
seinen «Stellungnahmen zu anderen Vorkommnissen» auch nie
mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten.
Daher wundere es sie nicht, «dass durch diese späte Offenlegung
dieser biografischen Gegebenheit jetzt eine Vielzahl von Kritik laut
wird». Was Grass' Einschätzungen zur Deutschen Einheit angehe,
habe sie schon seit 1990 eine «sehr unterschiedliche Meinung».
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20.08. Mehrheit der Danziger will Grass
als Ehrenbürger behalten
Warschau/Danzig (dpa) - Die Mehrheit der Danziger will, dass Literatur-Nobelpreisträger
Günter Grass Ehrenbürger seiner polnischen Geburtsstadt bleibt.
Mehr als 52 Prozent von 1000 Teilnehmern einer Repräsentativumfrage
sagten, Grass solle nicht auf die Ehrenbürgerschaft verzichten,
nachdem bekannt wurde, dass er als 17- Jähriger Mitglied der Waffen-SS
war. Das berichtete der polnische Rundfunk am Sonntag. Noch größer
ist der Anteil derjenigen, die dagegen sind, dass der Stadtrat Grass
die Ehrenbürgerschaft
aberkennt: Dies lehnten 72 Prozent der Befragten ab, sagte Bürgermeister
Pawel Adamowicz über die Ergebnisse der im Auftrag der Stadt durchgeführten
Umfrage.
Der Danziger Stadtrat berät am Dienstag, ob Grass wegen seiner
SS- Vergangenheit die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden soll.
Adamowicz sagte weiter, er wolle den Autor der «Blechtrommel» bitten,
den Danzigern selbst zu erklären, warum er so lange über
seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS geschwiegen habe. Grass ist seit
1993 Ehrenbürger der nordpolnischen Hafenstadt.
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20.08. Er oder ich - Danzig, Grass und
der Streit um die Ehrenbürgerschaft
Warschau/Danzig (dpa) - Die Sitzung des Stadtrates von Danzig
(Gdansk) am kommenden Dienstag dürfte den Mitgliedern des Stadtparlaments
schon jetzt Kopfschmerzen bereiten. Denn auf der Tagesordnung steht
die Ehrenbürgerschaft von Günter Grass. Mit seinem späten
Bekenntnis, er sei als 17-Jähriger Mitglied der Waffen-SS gewesen,
hat Grass in seiner heute polnischen Geburtsstadt und in ganz Polen
für erhebliche Aufregung gesorgt.
Nun droht der «Fall Grass» die Kommunalwahlen in diesem
Herbst zu beeinflussen. Als sei all das nicht genug, mischt sich mit
Lech Walesa ein weiterer Nobelpreisträger und Danziger Ehrenbürger
lautstark in die Debatte ein. «Er oder ich!», wiederholte
er am Samstag in der Zeitung «Dziennik» seine Drohung.
Er werde die Ehrenbürgerschaft zurückgeben, wenn sie Grass
nicht aberkannt werde.
Der liberale Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz betonte,
er respektiere Grass und seine Entscheidung, die Ehrenbürgerschaft
Danzigs nicht aufzugeben. Eine Entscheidung müsse der Stadtrat
treffen, sagte Adamowicz. «Der Rat sollte nicht die Rolle eines
Geschichtstribunals annehmen und menschliche Lebensläufe bewerten»,
meinte er.
Auch die Stadtverwaltung von Thorn (Torun) sieht keinen Anlass, Grass
den Bogumil-Linde-Preis abzuerkennen. Grass erhielt die Auszeichnung
1996 zusammen mit Wislawa Szymborska für seine Verdienste für
den deutsch-polnischen Dialog. «Der Dienst des Schriftstellers
in der SS war ein Jugendfehler», kommentierte ein Ratssprecher
vor wenigen Tagen.
Für die Verehrer der Literatur von Grass war die Enthüllung
des Schriftstellers ein Schock. Die Vergabe des Literatur-Nobelpreises
an Grass, der in seinen Werken immer wieder auch seine Geburtsstadt
Danzig beschrieben hat, erfüllte viele Polen mit Stolz. Jüngere
Danziger Schriftsteller berufen sich auf sein literarisches Vorbild,
etwa Stefan Chwin und Pawel Huelle. Zudem gehörte Grass zu den
Intellektuellen und Künstlern, die sich mit Beginn der sozialliberalen
Ostpolitik für einen deutsch-polnischen Dialog eingesetzt haben.
In Danzig errichtete die Stadt ein Denkmal - in einem Park jenes Stadtteils,
in dem Grass aufwuchs.
Der in Polen regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit
(PiS), die im Herbst auch das Danziger Rathaus erobern will, kommt
das Grass-Bekenntnis geradezu gelegen. Denn die PiS konnte im Wahlkampf
im vergangenen Jahr mit antideutschen Tönen Punkte bei den Wählern
sammeln, forderte in der Kontroverse um Entschädigungsklagen deutscher
Vertriebener Reparationen von Deutschland. Die Berliner Vertriebenen-Ausstellung «Erzwungene
Wege» ist für viele PiS-Politiker ein Beweis, dass die Deutschen
nicht zu ihrer historischen Schuld am Zweiten Weltkrieg stehen, sondern
sich einseitig als Opfer darstellen wollen.
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet der Danziger PiS-Politiker
Jacek Kurski Grass zum Verzicht auf die Danziger Ehrenbürgerschaft
aufgefordert hatte und nun ankündigte, seine Partei werde einen
Antrag auf Aberkennung der Ehrung einbringen. Im Präsidentschaftswahlkampf
im vergangenen Jahr war es Kurski gewesen, der den liberalen Kandidaten
Donald Tusk mit Familiengeschichte konfrontierte. Er lancierte, der
Großvater Tusks habe als Freiwilliger in der Deutschen Wehrmacht
gedient. In Polen, wo die Wunden des Zweiten Weltkriegs auch nach mehr
als 60 Jahren lebendig sind, erwies sich diese Art des Wahlkampfs als
erfolgreich:
Staatspräsident wurde nicht der damals in Umfragen führende
Tusk, sondern der PiS-Kandidat Lech Kaczynski.
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19.08. Grass im TV-Interview: Unbeugsam,
selbstbewusst und kontrolliert
Hamburg/Kopenhagen (dpa) - Günter Grass ist den Kritikern seines
späten Bekenntnisses zur Mitgliedschaft in der Waffen-SS im TV-
Interview für «Wickerts Bücher» nicht entgegengekommen.
Immerhin 1,48 Millionen Zuschauer (8,7 Prozent) verfolgten am Donnerstagabend
zu später Stunde in der ARD, wie der 78-jährige Schriftsteller
und Literatur-Nobelpreisträger mehrfach den selbstkritisch fragenden
Ansatz seiner neuen Jugenderinnerungen «Die Häutung der
Zwiebel» herausstellte. Ansonsten gab er sich unbeugsam und reagierte
mit manchmal mühsam unterdrückter Verärgerung auf die
Vorwürfe wegen seines langen Schweigens über die Zeit in
der Waffen-SS.
Beim 30-Minuten-Interview auf der dänischen Ostsee-Insel Møn,
wo der Dichter stets den Sommer verbringt, stellte Ulrich Wickert immer
wieder die Frage, warum denn Grass nicht früher als mit 61 Jahren
Verzögerung diesen Teil seiner Jugend öffentlich gemacht
hätte.
Einmal, eher beiläufig, meinte der gebürtige Danziger, der
als 17- Jähriger in der Waffen-SS war: «Dazu will ich nichts
Verteidigendes sagen. Das würde auch schwer fallen.»
Bei Wickerts Fragen nach möglicherweise berechtigter Enttäuschung
in Polen, wo die Waffen-SS mit Massenexekutionen und zahllosen anderen
Gräueltaten zu einem Symbol für mehr als fünf Jahre
Grauen unter der deutschen Besatzung geworden ist, gab sich Grass durchaus
selbstbewusst. Er sehe keinen Grund, die 1993 verliehene Danziger Ehrenbürgerschaft
zurückzugeben, meinte der Dichter: «Ich glaube, dass ich
diese Würde damals angetragen bekommen habe, weil ich in meinen
Büchern und in meinen politischen Bestrebungen als Bürger
meines Landes zu einem sehr frühen Zeitpunkt für einen Brückenschlag
zwischen beiden Ländern unter damals sehr schwierigen Umständen
eingetreten bin.»
Während der Versuch einer Reflexion zu seinem langen Schweigen
aus polnischer Sicht ausblieb, verwies Grass mehrfach auf das Bekenntnis
im neuen Buch als souveräne eigene, literarische Leistung. Er
habe ja nicht, wie «in der Presse dargestellt» der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» in einem Vorab-Interview die SS-Mitgliedschaft
gestanden:
«In diesem Buch ist es Thema. Ich habe drei Jahre daran gearbeitet.
Da steht alles, was ich zu der Sache sagen habe.»
Wickert stellte nicht die Frage, die bei der Debatte seit dem Bekenntnis
vor anderthalb Wochen für viele im Mittelpunkt stand: Wie Grass
einerseits seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS über mehr als
ein halbes Jahrhundert verschweigen und verdrängen konnte und
andererseits die Kritik am Verschweigen und Verdrängen der Nazi-
Vergangenheit durch Andere literarisch und politisch ins Zentrum seiner
Aktivitäten stellen konnte.
«Das werde ich mir sicher noch lange anhören müssen» sagte
Grass mit genervtem Unterton, aber auch spürbar um Mäßigung
bemüht, über die Kritik am eigenen Schweigen. Das gute Recht
dazu habe jeder.
Wenngleich: «Was ich jetzt zur Zeit erlebe, von einigen Leuten
jedenfalls, das hat mit sehr viel Selbstsicherheit zu tun und führt
zu einem Aburteilen, als sollte ich zu einer Unperson gemacht werden.
Als wollte man im Nachhinein alles in Frage stellen, was mein späteres
Leben ausgemacht hat.»
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19.08. Bundestagspräsident: Grass hat keinen Anspruch auf Nachsicht
Berlin (dpa) - Günter Grass verdient nach Meinung von Bundestagspräsident
Norbert Lammert keine Nachsicht. Nach dem Eingestehen seiner Mitgliedschaft
in der Waffen-SS reklamiere Grass für sich ein Verständnis,
das er anderen immer wieder verweigert habe, sagte Lammert im Deutschlandfunk
am Freitag. In vergleichbaren Situationen sei Grass «mit einem
scharfen, unnachsichtigen, geradezu unbarmherzigen moralischen Urteil» aufgetreten. «Ich
finde, dass das hoffentlich die Lektion ist, die er selber und auch
andere aus dieser Situation für die Zukunft ziehen.»
Gerade in Fragen politischer Moral reagiere Grass mit einer «in
der Regel alttestamentarischen Strenge». Immer wieder habe der
Literatur-Nobelpreisträger aus einer scheinbar abgehobenen Position
Zensuren und moralische Urteile erteilt, die individuellen Lebenssituationen
und historischen Verhältnissen nicht gerecht wurden.
Ihn störe nicht, dass Grass wie viele andere junge Leute «früh
begeistert war von einer Ideologie, die ihn offenkundig überrumpelt
hat», sagte Lammert. Was er nicht begreife, ist, «dass
er anderen gegenüber, die jedenfalls nach den objektiven Daten
sich in einer ähnlichen Situation befunden haben, mit einem so
unnachsichtigen moralischen Urteil aufgetreten ist und für sich
selber nun offenkundig andere Konditionen reklamiert».
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18.08. Steinbach: Grass sollte Bucheinnahmen für NS-Opfer in Polen
spenden
Hamburg (dpa) - Der Bund der Vertriebenen hat den Schriftsteller Günter
Grass aufgefordert, die Einnahmen aus seinem neuen Buch «Beim
Häuten der Zwiebel» vollständig an Opfer des NS-Regimes
in Polen zu spenden. Die Vorsitzende des Vertriebenenbundes, Erika
Steinbach (CDU), sagte der «Bild»-Zeitung (Freitag), Grass' überraschendes
Geständnis seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS komme zwar «dem
Verkauf seines neuen Buches zugute», beschädige aber das
Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. «Als Geste der
Versöhnung sollte er die Einnahmen aus dem Verkauf seines Buches
komplett für die Opfer des Nationalsozialismus in Polen spenden»,
meinte Steinbach.
Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok forderte Grass auf, auf die
geplante Verleihung des «Internationalen Brückepreises der
Europastadt Görlitz» zu verzichten. Brok sagte der «Bild»-Zeitung:
«Ich finde, Grass muss auf diesen Preis verzichten. Auch die
Jury sollte über die Verleihung noch einmal nachdenken.»
Der CDU-Politiker begründete seine Aufforderung mit Äußerungen
von Grass in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» in Bezug
auf die «Spießigkeit» und den «katholischen
Mief» der Adenauer-Ära.
«Dabei hat gerade Adenauer die Freiheit und die Einigung Europas
wie kaum ein anderer vorangetrieben. Das sollte Grass bedenken, ehe
er eine solche europäische Ehrung annimmt», sagte Brok.
Nach Informationen der «Bild»-Zeitung will das aus Deutschen
und Polen zusammengesetzte Komitee des «Brückepreises» jetzt
auf einer Sondersitzung am 5. September erneut über die für
November geplante Verleihung beraten. nach oben
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18.08. Günter Grass zum Weltkriegsende: «Es war eine unüberschaubare
Zeit»
Mön (dpa) - Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass
hat in einem Exklusiv-Interview mit dpa über sein neues Buch,
die Jugend- Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» und über
sein Verhältnis zur Nazi-Diktatur gesprochen.
Frage: Handelt es sich um eine klassische Autobiografie?
Grass: «Es ist nicht in dem Sinne eine Autobiografie, die Fakten
an Fakten und Datum an Datum reiht. Es ist der Versuch, einen jungen
Menschen, der mir fremd ist, wieder zu entdecken und ihn zu befragen,
wie er sich in bestimmten Situationen verhalten hat. Warum, obgleich
von Natur her aufsässig und neugierig, er sich als Schüler
zum Beispiel nicht zu fragen entschlossen hat, was das nationalsozialistische
Regime und die dahinter verborgenen, für mich verborgenen Verbrechen
betraf? Das Buch beginnt am 1. September 1939.
Ich bin annähernd 12 Jahre alt, der Krieg bricht aus, und mein
Onkel, der zu den Verteidigern der Polnischen Post in Danzig gehörte,
wird standrechtlich erschossen. (...) Der war auf einmal weg. Die Familie
kam nicht mehr - und ich habe keine Fragen gestellt!»
Frage: Schlagzeilen und heftige Kontroversen hat es gegeben, weil
Sie jetzt erst Ihre Mitgliedschaft in der Waffen-SS öffentlich
gemacht haben. Warum erst so spät?
Grass: «Ich habe das, im Rückblick, immer als einen Makel
empfunden, der mich bedrückt hat und über den ich nicht sprechen
konnte. Das musste mal geschrieben werden. Und das ist jetzt keine
Entschuldigung und keine Erklärung: Ich habe mich nicht zur Waffen-SS
gemeldet. Ich habe mich mit 15 zur U-Boot-Waffe oder als Alternative
zu den Panzern gemeldet, was genauso verrückt war.»
Frage: Was empfanden Sie, als Sie zur Waffen-SS einberufen wurden?
Grass: «Das ist für mich nachträglich der Schock:
Für mich als Jugendlicher war die Waffen-SS eine Elite-Einheit.
In meiner damaligen beschränkten Sicht unterschied sie sich von
der Wehrmacht darin, dass der Adel nicht das Sagen hatte. Es waren
Einheiten, die an brenzligen Stellen eingesetzt wurden und die die
größten Verluste hatten. Und die Waffen-SS hatte - auch
dies wiederum aus meiner damaligen Sicht - einen europäischen
Zuschnitt: So gab es Verbände der Waffen-SS mit Schweden, Dänen,
Flamen, Wallonen...»
Frage: Sie wurden nach der schikanösen Ausbildung in einem Lager
in den böhmischen Wäldern Ende Februar 1945 vereidigt. Wie
ging es weiter?
Grass: «Es war eine unüberschaubare Zeit. Erst kam ich
in eine Marschkompanie, dann folgte ein dauerndes Verlegen. Die Division
Frundsberg, der ich zugeordnet war, habe ich nie gesehen. Immer wieder
wurden Verbände zusammengewürfelt, die schon wenige Tage
nach dem Einsatz auseinandergesprengt waren. Zwei Mal gehörte
ich in den wenigen Wochen als Soldat Spähtrupp-Unternehmen an,
auch Himmelfahrtskommandos genannt. Meine Existenz wurde bestimmt von
der ständigen Furcht, von der deutschen Feldgendarmerie ohne gültigen
Marschbefehl erwischt zu werden, was einem Todesurteil gleichkam. Die
ersten Toten, die ich gesehen habe, waren keine Russen, sondern Deutsche,
darunter viele meines Alters. Wenn man durch eine Ortschaft kam beim
Rückzug - es war immer Rückzug - hingen an den Dorflinden
oder an Kastanienbäumen Männer mit Schild vor der Brust "Feigling"
oder "Vaterlandsverräter", darunter auch ältere,
Offiziere, denen man die Klappen abgerissen hatte, und eben Jungs in
meinem Alter.»
Frage: Im Buch erwähnen Sie ausführlich Ihren «Kumpel
Joseph».
Hand aufs Herz, war es tatsächlich der heutige Papst Benedikt
XVI., den Sie im Gefangenlager trafen?
Grass: «Ich kann es nur vermuten. Diese Erkenntnis kam übrigens
erst während des Schreibens. Sicher ist, dass ich in Bad Aibling,
diesem Massenlager mit etwa 100 000 deutschen Kriegsgefangenen
unter freiem Himmel, mit einem jungen Burschen meines Alters - wir
waren beide 17 - in einem Erdloch hockte. Es regnete viel, wir saßen
dann immer unter seiner Zeltplane. Er war bayerischer Herkunft, war
intensiv bis fanatisch katholisch und war auch in der Lage, mit seinen
17 Jahren gelegentlich lateinische Zitate einzustreuen.(...) Er wollte
in der kirchlichen Hierarchie aufsteigen, ich wollte Künstler
und berühmt werden. (...)
...Und während ich das Manuskript für mein Erinnerungsbuch
schreibe, wird ein Deutscher Papst. Und dann lese ich - ich wusste,
wer Kardinal Ratzinger war, kannte seine konservative Einstellung,
sein leises beharrliches Auftreten aus dem Hintergrund heraus -, dass
der in Bad Aibling gewesen ist. Dieser Joseph, der kam mir bekannt
vor, auch die Art und Weise, dieses Schüchterne, Beharrliche,
Leise an ihm - ich kann nur vermuten, dass er es gewesen ist.»
Frage: Ihr Buch ist weit mehr als eine literarische Jugend- Autobiografie.
Was erwartet den Leser?
Grass: «Ich habe im Laufe der Jahrzehnte gelernt, dass Bücher,
so wie sie den Autor verlassen, erstmal den Autor enteignen. Sie machen
sich selbstständig, wechseln den Besitzer. Jeder Leser macht sich
ein Buch zu eigen und liest es auf seine Art. (...) So würde ich
auch diesmal erwarten, dass Leute meiner Generation, dann die mittlere
Generation und auch die meiner Kinder und Enkelkinder ihr jeweils eigenes
Leseerlebnis "Beim Häuten der Zwiebel" haben. Die Enkelkinder
werden etwas erfahren, was die Großvatergeneration sprachlos
gemacht hat, was sie dazu gebracht hat, bestimmte Dinge solange für
sich zu behalten und diese erst jetzt auszusprechen, auch das gehört
mit dazu.» nach oben
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18.08. Vatikan äußert sich nicht zu Grass-Vermutungen
Rom (dpa) - Der Vatikan wollte sich am Donnerstag nicht zu einem dpa-Interview
mit Günter Grass äußern, in dem der Schriftsteller
Vermutungen äußert, in einem Kriegsgefangenenlager viel
Zeit mit dem damals 17-jährigen Joseph Ratzinger verbracht zu
haben. «Er war bayerischer Herkunft, war intensiv bis fanatisch
katholisch und war auch in der Lage, mit seinen 17 Jahren gelegentlich
lateinische Zitate einzustreuen», hatte Grass in dem Interview
unter anderem gesagt.
«Hier geht es rein um das Privatleben des Heiligen Vaters»,
sagte eine Sprecherin der Vatikan-Pressestelle der dpa. Der Heilige
Stuhl wisse nichts von einer derartigen Bekanntschaft. Eine enge Mitarbeiterin
des Papstes habe zuletzt aber einigen Zeitungen erklärt, Benedikt
XVI. habe eine solche Bekanntschaft mit Grass nie erwähnt, erklärte
die Sprecherin weiter. nach oben
|
17.08. Phoenix setzt Themenschwerpunkt zu Grass und Waffen-SS
Hamburg (dpa) - Zur aktuellen Diskussion um die Mitgliedschaft des
Schriftstellers Günter Grass in der Waffen-SS setzt der Fernsehsender
Phoenix an diesem Freitag einen Themenschwerpunkt. Ab 17.30 Uhr strahlt
der öffentlich-rechtliche Dokumentationskanal zunächst den
Film «Der Trommler aus Danzig» aus, der anlässlich
des drei Jahre zurückliegenden 75. Geburtstages des Literaturnobelpreisträgers
entstand. Außerdem wird die Dokumentation «Die Waffen-SS
- Hitlers schwarzer Orden» gezeigt. Daneben sendet Phoenix das
ARD-Interview, das Ulrich Wickert mit Grass führte, und die am
Mittwoch vom ZDF gezeigte Sendung «Aspekte extra: Der Fall Grass».
Abgerundet wird der Themenschwerpunkt durch eine Diskussion mit dem
Schriftsteller Ralph Giordano.
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17.08. Martin Walser und Hellmuth Karasek im ZDF zum Grass-Bekenntnis
Hamburg/Mainz (dpa) - In einer «aspekte extra»-Sendung
des ZDF hat der Schriftsteller Martin Walser am Mittwochabend Verständnis
für das lange Schweigen seines Kollegen Günter Grass über
dessen Mitgliedschaft bei der Waffen-SS geäußert. «Es
herrscht hier kein Klima, das einlädt, mit sich selbst freimütig
abzurechnen und entspannt darüber zu sprechen, was einem passiert
ist. Es ist ein Klima der Vergiftungen, der schnellen Verdächtigungen
und des Rufmordes», sagte Walser. Das sei auch Grass bekannt
gewesen. «Ich verstehe, dass Günter Grass das nicht öffentlich
gemacht hat. Ich verstehe das sehr gut.»
Literaturkritiker Hellmuth Karasek forderte in der Sendung von Grass
persönliche Konsequenzen. «Ich fände es eigentlich
angemessen, dass er das Geld, das er für den Nobelpreis bekommen
hat, einer Wiedergutmachungs-Stiftung, die Opfer des Waffen-SS-Staates
betreut, anvertrauen sollte. Ich glaube sogar, er könnte sich
das leisten.»
Mit seinem Bekenntnis, als Siebzehnjähriger Mitglied der Waffen-SS
gewesen zu sein, sorgte Grass weltweit für Schlagzeilen. Seine
jetzt erschienene Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» geht
auf dieses Kapitel seiner Jugend näher ein.
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17.08. Görlitzer CDU gegen Brückepreis-Verleihung an Günter
Grass
Dresden (dpa) - Die Görlitzer CDU hat sich nach einem Bericht
der in Dresden erscheinenden «Sächsischen Zeitung» (Donnerstag)
gegen die Verleihung des Brückepreises der Stadt an Schriftsteller
Günter Grass ausgesprochen. Um Schaden für den internationalen
Preis abzuwenden, solle in diesem Jahr auf eine Verleihung verzichtet
werden, schrieb der Fraktionsvorsitzende Michael Hannich in einem Brief
an Willi Xylander, den Präsidenten der Gesellschaft zur Vergabe
des Preises.
Hintergrund ist das Eingeständnis des Literatur-Nobelpreisträgers,
Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Der Preis war Grass im März
zugesprochen worden.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Joachim Paulick (CDU) will
die Entscheidung der Gesellschaft überlassen, berichtet die «Sächsische
Zeitung» weiter. Die Mitglieder des Gremiums werden voraussichtlich
Anfang September darüber beraten. Der Preis, der als Beitrag zur
Völkerverständigung vergeben wird, sollte am 15. Dezember
in Görlitz überreicht werden.
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17.08. Grass im ARD-Interview mit Wickert: «War mir keiner Schuld
bewusst»
Hamburg (dpa) - Der wegen des späten Eingeständnisses seiner
Waffen-SS-Zugehörigkeit umstrittene Schriftsteller Günter
Grass hat sich in einem ARD-Interview ausführlicher zu seinem
langen Schweigen geäußert. Im Gespräch mit Moderator
Ulrich Wickert für die neue Sendung «Wickerts Bücher»,
die am Donnerstagabend (22.45 Uhr) ausgestrahlt werden soll, sagte
Grass, die Gründe für sein Verhalten könne er auch nicht
genau nennen. Er sei sich auch keiner Schuld bewusst gewesen: «Ich
bin zur Waffen-SS gezogen worden, war an keinem Verbrechen beteiligt,
hatte aber immer das Bedürfnis, eines Tages darüber in einem
größeren Zusammenhang zu berichten.» Dieser habe sich
erst jetzt beim Schreiben seiner Jugend-Autobiografie ergeben.
Zudem sei er der Meinung gewesen, «dass das, was ich tat, als
Schriftsteller, als Bürger dieses Landes, was all das Gegenteil
dessen bedeutet, was mich in meinen jungen Jahren während der
Nazi- Zeit geprägt hat, dass das ausreicht». Das Thema Waffen-SS
spiele in seinem Buch zwar eine Rolle, «die weit kritischeren
Fragen» stelle er sich jedoch «in einem ganz anderen Zusammenhang.
Dass ich zum Beispiel in meiner Verblendung als Jungvolk-Hitlerjunge
zu bestimmten Situationen im engeren Kreis, auch zum Beispiel im Familienkreis,
(...) nicht die richtigen Fragen gestellt habe.»
Zur Frage einer möglichen Aberkennung der Danziger Ehrenbürgerwürde,
wie sie Polens früherer Präsident und Friedens- Nobelpreisträger
Lech Walesa verlangt hatte, sagte Grass, er sehe von sich aus «keinen
Grund, diese Ehre zurückzuweisen». Sollte die Stadt Danzig
sich jedoch dazu entschließen, würde er die Entscheidung
akzeptieren.
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16.08. Sondersendung zur Diskussion um Grass im MDR-Kulturradio
Leipzig (dpa) - Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um Literatur-Nobelpreisträger
Günter Grass hat das Kulturradio MDR FIGARO sein Programm geändert.
An diesem Donnerstag (18.00 Uhr) wird ein Forum mit dem Titel «Günter
Grass und das Ende der moralischen Instanzen?» ausgestrahlt,
teilte der Sender am Mittwoch mit. Auslöser ist das Eingeständnis
von Grass, der Waffen-SS angehört zu haben.
Teilnehmer der Live-Diskussion sind unter anderen die Chefredakteurin
der Zeitschrift «Literaturen», Sigrid Löffler, und
der Wittenberger Theologe und Publizist Friedrich Schorlemmer.
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16.08. Nicht vergehende Vergangenheit:
Der Fall Grass und seine Vorläufer
Hamburg (dpa) - «Wie sollen wir der gefolterten und ermordeten
Widerstandkämpfer, wie sollen wir der Toten von Auschwitz und
Treblinka gedenken, wenn Sie, der Mitläufer von damals, es wagten,
heute hier die Richtlinien der Politik zu bestimmen?» Diese rigorose
Mahnung, am 1. Dezember 1966 in der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» veröffentlicht, stammt von Schriftsteller Günter
Grass. Gerichtet hat der sie vor 40 Jahren an Kurt Georg Kiesinger
(CDU) kurz vor dessen Wahl zum Bundeskanzler. Grass' Vorwurf war der
Höhepunkt einer Diskussion, die die Amtszeit des Ex-NSDAP-Mitglieds
Kiesinger überschattete.
Vier Jahrzehnte später geht die Öffentlichkeit mit den
schwärzesten Jahren der deutsche Geschichte allgemein sachlicher
um, versucht zu differenzieren. Auch im Fall Grass: Der Fakt allein,
dass er einige Monate lang Mitglied der Waffen-SS war, steht nicht
im Zentrum der Kritik - wohl aber der Umstand, dass Grass mehr als
60 Jahre lang zu diesem Aspekt seiner Vergangenheit schwieg. Noch in
jüngerer Vergangenheit war der Umgang mit Nazi-Enthüllungen
anders.
Seit 1945 werden immer wieder Politiker, Industrielle, Künstler
und selbst Sportler mit ihrer mehr oder weniger starken Verstrickung
in die Diktatur konfrontiert, meist unfreiwillig.
Der von Historikern wohl am meisten zitierte frühe Fall war
der von Kanzleramts-Staatssekretär Hans Globke. 1935 hatte er
einen Kommentar zu den NS-Rassengesetzen geschrieben, auch vom Holocaust
wusste er nach eigenen Worten. Andererseits wurde er nie Mitglied der
NSDAP und suchte Kontakt zum Widerstand. Als Staatssekretär unter
Konrad Adenauer (CDU) und bis zu seinem Tod 1973 war Globke Zielscheibe
scharfer Kritik. Politische Gegner und auch die DDR brandmarkten den
Fall Globke als Synonym für eine angeblich scheinheilige Vergangenheitsaufarbeitung
in der Adenauer-Zeit. Im Gegensatz zu Fällen wie Theodor Oberländer
- Teilnehmer am Münchner Hitlerputsch 1923, NSDAP-Mitglied seit
1933, Bundesvertriebenenminister von 1953 bis 1960 - haftete der Fall
Globke auch heute noch vielen im Gedächtnis.
Eine «meisterhaft konzentrierte Hetze» nannte der Historiker
Golo Mann später den Fall Hans Filbinger (CDU). 1978 wies der
Schriftsteller Rolf Hochhuth nach, dass der baden-württembergische
Ministerpräsident Ankläger und später Richter eines
Kriegsgerichts war, von dessen Todesurteilen mindestens eines vollstreckt
worden war
- sieben Wochen vor Kriegsende. Von einem «furchtbaren Juristen» sprach
Hochhuth, und die Wellen der Empörung schlugen hoch. So hoch,
dass selbst die CDU ihrem Vizevorsitzenden die Unterstützung
versagte: Filbinger trat von allen Ämtern zurück.
Beendet war die Affäre damit noch lange nicht: Auch als Filbinger
vor zwei Jahren von allen Parteien zum Abgeordneten der Bundesversammlung
gewählt wurde, war die Entrüstung groß. Hochhuth sprach
von einer «entsetzlichen Entscheidung», SPD und Grüne,
Zentralrat der Juden und auch ausländische Kommentatoren sahen
es ähnlich. Einer der Filbinger-Kritiker: Günter Grass.
Verständnis äußerte Grass hingegen, als im Dezember
2003 drei Literaturwissenschaftlern vorgeworfen worden war, NSDAP-Mitglied
gewesen zu sein. Walter Höllerer, Mitbegründer der «Gruppe
47», gestand seine Mitgliedschaft ein, der Germanist Peter Wapnewski
hielt sie für möglich, obwohl er nie ein Parteibuch gesehen
habe. Walter Jens hatte «keine Erinnerungsbilder» an eine
Mitgliedschaft. Grass wandte sich gegen den «Hämeton» der
Kritiker: Mit Enthüllungen dieser Art könne man «nicht
ein Leben zudecken», sagte der Nobelpreisträger damals der «FAZ».
Im Gegensatz zu seiner Kritik an Unionspolitikern erklärte Grass
im Fall dieser drei Intellektuellen seine Nachsicht - auch mit der
eigenen, in Jugendzeiten braun gefärbten Lebensgeschichte. Und
er bot damals auch eine Erklärung an, warum Jens und Wapnewski
fast 60 Jahre lang geschwiegen hatten - wie er nun selbst: «Scham!
Ich kann es nur von meiner eigenen Biografie her erklären. Diese
Befangenheit in der Ideologie des Nationalsozialismus ist eine Periode,
in der ich mich im Rückblick als eine völlig fremde Person
begreife und mir mein Verhalten nicht erklären kann.»
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16.08. Bundestagspräsident warnt
bei Grass-Kritik vor Selbstgerechtigkeit
Berlin (dpa) - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat in der
Debatte um das Bekenntnis von Günter Grass «vor Übertreibungen
und maßlosen Schlussfolgerungen» gewarnt. «Die späte
Auskunft über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS, die ihm nicht
leicht gefallen sein dürfte, ist kein Anlass zu Häme oder
Selbstgerechtigkeit - schon gar nicht bei denjenigen, die wie ich auf
Grund ihrer Biografie nicht erst in eine solche Versuchung haben geraten
können», sagte der 57- jährige CDU-Politiker
der dpa.
Zugleich seien der Vorgang selbst wie der Verlauf der Debatte «aber
gewiss ein Anlass, darüber nachzudenken, ob die gelegentliche
Neigung zum scharfen, erbarmungslosen moralischen Urteil über
das Verhalten anderer der historischen Erfahrung und der jeweils individuellen
Lebenssituation gerecht wird», sagte Lammert, der sich in der
Union auch als Kulturpolitiker einen Namen gemacht hat.
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16.08. SPD-Politiker Egon Bahr verteidigt
Günter Grass
Frankfurt/Main (dpa) - Der SPD-Politiker Egon Bahr (84) hat Literatur-Nobelpreisträger
Günter Grass gegen Vorwürfe wegen dessen Mitgliedschaft in
der Waffen-SS verteidigt. Grass' Lebenswerk werde durch die Waffen-SS-Mitgliedschaft
und sein langes Schweigen darüber «nicht berührt»,
schrieb Bahr in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Rundschau» (Mittwoch).
Auch an Grass' «politischen Einmischungen» wird sich nach
Meinung Bahrs «nichts ändern» - mit der Ausnahme,
dass er die «Rigorosität» seiner Äußerungen «künftig
etwas zurücknimmt». Grass hat in der Vergangenheit in Wahlkämpfen
häufig die SPD unterstützt. Zuletzt, zur Bundestagswahl 2005,
machte er sich für Rotgrün unter Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) stark.
Der 1922 geborene SPD-Politiker Bahr, der von 1942 bis 1944 in der
Wehrmacht diente, erklärte Grass' Schweigen damit, dass der Autor «diesen
Teil seiner Vergangenheit als Makel empfunden hat». Viele Menschen,
die während der Nazi-Zeit oder in der DDR gelebt hätten, «mögen
Gründe genug finden zu verdrängen, welche neuen Orientierungen
sie nach geschichtlichen Umbrüchen langsam finden», schrieb
Bahr weiter. «Wer nie im Glashaus saß, hat kein Recht,
Steine zu schmeißen.»
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15.08. «Spiegel»: Grass gestand schon als Gefangener SS-Mitgliedschaft
Hamburg (dpa) - Günter Grass hat nach Recherchen des Nachrichtenmagazins «Der
Spiegel» seine Mitgliedschaft in der Waffen- SS früher als
amerikanischer Kriegsgefangener schon einmal eingeräumt. Wie die
Online-Ausgabe des Blattes am Dienstag berichtete, sollen mehrere bislang
unbekannte Dokumente der US- Militärbehörden belegen, dass
der spätere Literatur-Nobelpreisträger sich unmittelbar nach
Kriegsende bei den Amerikanern zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS
bekannt hat.
Unter den Papieren finde sich ein Formular der Entlassungsstelle
der III. US Army, in deren Kriegsgefangenschaft Grass am 8. Mai 1945
im heute tschechischen Marienbad geraten war, schreibt das Blatt.
«Er hat das Papier unterschrieben.» Er werde darin als
Lade-Schütze der 10. SS-Panzer-Division "Frundsberg" geführt,
die Angabe zum Zivilberuf laute "Schüler-pupil". «Den
Papieren zufolge wurde Grass - Gefangenennummer 31G6078785 - am 24.
April 1946 mit einem Arbeitslohn von 107 Dollar und 20 Cents entlassen»,
heißt es in dem Online-Text.
«Es gibt die Unterschrift, es gibt aber kein protokolliertes
Geständnis», erläuterte der «Spiegel»-Autor
Klaus Wiegrefe der dpa.
Auf dem Dokument zu Grass sei das Datum 10. November 1944 vermerkt,
mit dem Zusatz «Waffen-SS», berichtet das Magazin. Die
Dokumente lägen in der Wehrmachtauskunftsstelle in Berlin.
Grass war in die Kritik geraten, nachdem er am vergangenen Freitag
in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» öffentlich
eingeräumt hatte, mit 17 Jahren Mitglied in der berüchtigten
Elitetruppe gewesen zu sein. Zu Grass' Rolle in der Waffen-SS seien
vermutlich keine Dokumente mehr vorhanden, schreibt das Blatt. Die
Waffen-SS habe einen Großteil ihrer Akten zu den Personalbeständen
bei Kriegsende vernichtet.
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15.08. Grass bei Wickert am Donnerstag in der ARD - Sendung vorgezogen
Hamburg (dpa) - Nach seinem überraschenden Geständnis, als
17- Jähriger Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, äußert
sich Nobelpreisträger Günter Grass an diesem Donnerstag im
ARD-Fernsehen.
Er beantwortet Fragen von «Tagesthemen»-Moderator Ulrich
Wickert, dessen neue TV-Reihe «Wickerts Bücher» aus
diesem Anlass vorgezogen wird. Ursprünglich war die erste Ausgabe
der Reihe, die sich ohnehin monothematisch der Autobiografie Grass'
widmen sollte, für den 7.
September vorgesehen. Wie die ARD am Montag mitteilte, wird das Interview
an diesem Dienstag aufgezeichnet und am Donnerstag um 22.45 Uhr ausgestrahlt.
«Wickerts Bücher» ist eine Koproduktion des Norddeutschen,
Westdeutschen und Bayerischen Rundfunks. In diesem Jahr sind drei weitere
Sendungen vorgesehen. Die nächste Ausgabe wird am 4. Oktober
(22.45 Uhr) zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse ausgestrahlt.
Wickert morderiert die «Tagesthemen» Ende August zum letzten
Mal.
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15.08. Jüdischer Landesverband kritisiert spätes Bekenntnis
von Grass
Hamburg (dpa) - Das Bekenntnis seiner einstigen Mitgliedschaft in
der Waffen-SS hat dem Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass
auch in der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland scharfe Kritik
eingebracht.
«Es ist ein merkwürdig spätes Bekenntnis, dass mir
keinerlei Hochachtung abnötigt», sagte der Vorsitzende der
jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, der «Netzeitung» (Dienstagausgabe).
«Es zeigt mir die Verstrickung einer Vielzahl von Menschen in
das nationalsozialistische Verbrechenssystem, die das über Jahrzehnte
hinweg entweder verdrängt oder verheimlicht haben.» Gleichwohl
nimmt Fürst Grass ab, dass er sich nach dem Krieg «sehr
schnell in einer andere Richtung orientiert» habe. «Das
zeigt wiederum, dass eine Verstrickung in jungen Jahren nicht unbedingt
eine tiefe Verwurzelung in das Nazi-System bedeutete», sagte
der Verbands-Vorsitzende. «Junge Menschen haben auch das Recht,
sich ideologisch zu irren.»
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14.08. Günter Grass: Man will mich
zur Unperson machen
Hamburg (dpa) - Der Schriftsteller Günter Grass hat das Medienecho
auf seine jetzt bekannt gewordene Mitgliedschaft in der Waffen-SS als
persönlich verletzend kritisiert. «Sicher ist es auch der
Versuch von einigen, mich zur Unperson zu machen», sagte der
Literatur- Nobelpreisträger (78) am Montag in einem dpa-Gespräch. «Deshalb
bin ich dankbar, dass es differenzierende Gegenstimmen gibt. Ich kann
nur hoffen, dass einige Kommentatoren jetzt mein Buch genau lesen.» In
seiner am 1. September erscheinenden Kindheits- und Jugend- Autobiografie «Beim
Häuten der Zwiebel» berichtet Grass unter anderem erstmals über
seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS.
«Deutlicher, genauer aus meiner Erinnerung habe ich nicht ausdrücken
können, wie ich mich im Alter von 16/17 Jahren verhalten habe.
Und dass ich diesen Makel, und ich habe das als Makel empfunden, über
60 Jahre lang zu spüren hatte und versucht habe, daraus meine
Konsequenzen zu ziehen. Dem entsprach mein späteres Verhalten
als Schriftsteller und als Bürger», sagte Grass.
Zu einzelnen Stimmen, er habe jede Glaubwürdigkeit als moralische
Instanz verloren und solle die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt
Danzig und den Nobelpreis zurückgeben, wollte Grass sich nicht äußern. «Ich
komme dann nicht mehr aus dem Kommentieren heraus.»
Der Schriftsteller betonte erneut, in der Zeit nach seiner Vereidigung
Ende Februar 1945 bis zu seiner Verwundung am 20. April
1945 keinen Schuss abgegeben zu haben. Er sei auch an keinem Verbrechen
beteiligt gewesen.
Auf die Frage, warum er dennoch so lange geschwiegen habe, sagte
Grass: «Erst als ich mich entschlossen habe, über meine
jungen Jahre zu schreiben, was mir als jungem Mann widerfahren ist,
fand ich diese literarische Form. Sie ermöglichte es mir, endlich
auch über die Mitgliedschaft in der Waffen-SS zu schreiben und
zu sprechen.» In der Summe sei für das Buch aber nicht das
Thema Waffen-SS entscheidend, sondern das quälende Hinterfragen
seiner Naivität als Jugendlicher in der NS-Zeit: «Wie konnte
ich so blauäugig dieser Ideologie hinterherlaufen? Warum habe
ich keine Fragen gestellt, als mein polnischer Onkel nach der Erstürmung
der polnischen Post 1939 in Danzig standrechtlich erschossen wurde.
Warum habe ich nicht nachgefragt, als mein Lateinlehrer, der Zweifel
am Endsieg äußerte, auf einmal verschwunden war?»
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14.08. Gesammelte Reaktionen vom Montag
PEN-Präsident Johano Strasser: Kritik an Grass «überzogen»
München (dpa) - Der Präsident der Schriftstellervereinigung
PEN- Zentrum Deutschland, Johano Strasser, hat Literatur-Nobelpreisträger
Günter Grass in der Diskussion um dessen Mitgliedschaft bei der
Waffen-SS in Schutz genommen. Im Bayerischen Rundfunk sagte Strasser
am Montag, er halte die teilweise heftige Kritik an Grass für «fürchterlich überzogen».
Viele seiner jetzigen Kritiker wollten Grass offenbar «etwas
heimzahlen», sagte Strasser. Grass sei keineswegs «nur
mit dem großen Zeigefinger durch die Welt gegangen».
Seine Vergangenheit habe Grass nie verheimlicht.
«Er hat immer deutlich gemacht, dass er ein überzeugter
Nazi war als junger Mann», sagte Strasser. Unbekannt gewesen
sei bislang «nur dieser eine Punkt» von Grass' Mitgliedschaft
bei der Waffen-SS als 17-Jähriger. Verwundert zeigte sich der
PEN-Präsident, dass Grass das Bekenntnis nun in hohem Alter nachgeholt
habe. Als moralische Autorität sei Grass dadurch aber nicht beschädigt.
Der jetzt bekannt gewordene Punkt der Grass-Biografie sei «ein
kleiner Kratzer, der ihn möglicherweise sogar menschlicher macht».
Autor Gustafsson: Grass-Eingeständnis «schreckliche Geschichte»
Stockholm (dpa) - Der schwedische Schriftsteller Lars Gustafsson
(70) hat das späte Bekenntnis seines deutschen Kollegen Günter
Grass zur Mitgliedschaft in der Waffen-SS am Montag in Stockholm als «schreckliche
Geschichte» eingestuft. Er sagte: «Man glaubt, man kennt
die Menschen, aber von dieser Neuigkeit bin ich völlig überrascht.
Man stelle sich vor: 60 Jahre Schweigen.» Immerhin sei die Waffen-SS
eine Freiwilligen-Organisation gewesen und beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess
als verbrecherisch eingestuft worden.
Der auch in Deutschland viel gelesene Gustafsson («Palast der
Erinnerungen») hatte persönlichen Kontakt zu Grass seit
Mitte der 60er Jahre und gehörte als im damaligen West-Berlin
lebender Autor zu einem Freundeskreis um Grass wie auch Uwe Johnson,
Max Frisch und Hans-Magnus Enzensberger. Gustafsson sagte weiter, ihm
falle zu dem späten Grass-Bekenntnis vor allem der Satz des Dramatikers
August Strindberg ein: «Man darf nicht mit Geheimnissen leben.»
Andererseits sei jedoch auch der Mut des Nobelpreisträgers zu
seinem Eingeständnis hervorzuheben. Die Verleihung des Literaturnobelpreises
an Grass 1999 habe damit nichts zu tun, weil diese Auszeichnung «literarisch
und nicht nach politisch- idealistischen Gesichtspunkten» vergeben
werde.
Müntefering: Grass-Aussage hätte früher kommen müssen
Berlin (dpa) - Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) hätte
es begrüßt, wenn Günter Grass seine Mitgliedschaft
in der Waffen-SS früher offenbart hätte. Dies sei aber kein
Grund, mit «Hochmut über ihn herzufallen», sagte Müntefering
am Montag dem Sender n-tv. Er sei froh, dass er als Jugendlicher nicht
selbst vor einer solchen Entscheidung gestanden hätte. Er habe
Respekt vor Grass. Dieser habe zum Gelingen der Demokratie in Deutschland
beigetragen und werde dies auch weiter tun, sagte Müntefering.
Steidl Verlag «überrascht» von Grass-Debatte
Göttingen (dpa) - Der Steidl Verlag hat erstaunt auf die öffentliche
Debatte um die Mitgliedschaft von Günter Grass in der Waffen-SS
reagiert. Dass Grass dieses Thema im Interview mit der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» ansprechen würde, sei zwar klar gewesen,
sagte eine Verlagssprecherin am Montag in Göttingen. «Aber
dass es diese Wendung kriegt, hat uns überrascht. Das war in keiner
Weise von uns lanciert.» Der Steidl Verlag bringt am 1. September
Grass' Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» heraus,
in der Grass über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS berichtet. «An
unserem Verhältnis zu Günter Grass ändert sich überhaupt
nichts», betonte die Sprecherin.
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14.08. Menasse nimmt Grass in Schutz - Nennt Kritiker «selbstgerecht»
Wien (dpa) - Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse
hat Verständnis für das späte Bekenntnis von Günter
Grass geäußert, er habe als 17-Jähriger kurz der Waffen-SS
angehört. «Wer als 17- Jähriger talentiert und sensibel
ist, obendrein von zu Hause weg will, der ist sehr leicht für
alles Mögliche verführbar», sagte Menasse der Wiener
Zeitung «Der Standard» vom Montag. «Grass'
Begründung, die Scham hätte ihn von einem früheren Bekenntnis
abgehalten, erscheint mir glaubwürdig und nachvollziehbar. Das
kann man doch bewundern: Dass ein alter Mann sagt: Ich habe einen Fehler
gemacht.»
«Grass' Mitgliedschaft bei der Waffen-SS wäre doch nur
dann unentschuldbar, wenn er später starrsinnig darauf bestanden
hätte, das Richtige getan zu haben. Wenn er, mit einem Wort, in
dem Geist von damals weitergelebt hätte», meinte der jüdische
Autor.
Kritik äußerte Menasse dagegen an den Kritikern des
Nobelpreisträgers: «Das größere Problem bei der
Geschichte habe ich eigentlich mit den Selbstgerechten wie Walter Kempowski.» Der
hatte zu Grass' Eingeständnis gemeint: Es sei «ein bisschen
spät gekommen».
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13.08. Grass und die Waffen-SS: «Ich
habe das immer als Makel empfunden»
Hamburg (dpa) - Die Nachricht, dass Günter Grass in den letzten
Kriegsmonaten zur Waffen-SS einberufen wurde, hat am Wochenende erheblichen
Wirbel ausgelöst. Ausgerechnet der «linke» Grass,
der als moralisches Gewissen gern Zunge zeigt, der politisch für
die Aussöhnung mit den einstigen Kriegsgegnern Polen und Russland
wie kaum ein anderer steht, sich für verfolgte Autoren in aller
Welt einsetzt und immer wieder eine tabufreie Aufarbeitung der NS-
Vergangenheit eingefordert und selber zum Thema gemacht hat.
In der Kürze mancher Schlagzeilen wurde eine «Enthüllung
nach 60 Jahren» gemeldet, oder es hieß, Grass habe die
Mitgliedschaft in der verbrecherischen Organisation «zugegeben»,
als wäre der Schriftsteller überführt worden. Tatsache
ist, dass Grass in seiner Anfang September erscheinenden Autobiografie «Beim
Häuten der Zwiebel» seine bisher nicht bekannte Mitgliedschaft
bei der Waffen-SS thematisiert. Er outet sich selbst und geht dabei
mit dem damaligen Jugendlichen namens Günter Grass scharf ins
Gericht.
Das 500 Seiten dicke Buch behandelt die Zeit vom Kriegsausbruch am
1. September 1939 bis zum Erscheinen von Grass' Welt-Bestseller «Die
Blechtrommel (1959), für den Grass 1999 den Nobelpreis erhielt.
Elf Kapitel hat das Buch, die ersten vier erzählen die Zeit vom
Kriegsausbruch bis zum Kriegsende. Im vierten Kapitel - es umfasst
etwa 60 Seiten - schildert Grass seine Einberufung, die von Schikanen
begleitete Ausbildung bei der Waffen-SS, seine Kriegserlebnisse und
seine Todesangst, die ihn im Schlaf noch Jahre später verfolgen
wird.
Warum hat Grass erst jetzt seine kurze Zeit bei der Waffen-SS öffentlich
gemacht? «Ich habe das, im Rückblick, immer als einen Makel
empfunden, der mich bedrückt hat und über den ich nicht sprechen
konnte. Das musste mal geschrieben werden», sagte Grass der dpa.
Und so schreibt er offen, dass er sich, als Kind und Jugendlicher in
der NS-Zeit aufgewachsen, damals hat ideologisch verführen lassen.
Rezensionen dürfen vor dem Erscheinen des Buches nicht publiziert
werden, doch Fakten: Als 15-Jähriger meldet sich Grass freiwillig
zur U-Boot-Waffe oder als Alternative zu den Panzern, er wird aber
nicht genommen, er ist zu jung. Im September 1944 - er ist da noch
16 - erhält er die Einberufung, «der Jahrgang 1927 war dran»,
wie Grass sagt. Statt zur Wehrmacht wird er zur Waffen-SS einberufen,
die im letzten Kriegsjahr nicht mehr nur Freiwillige nahm, sondern
sich allgemein an einem Jahrgang bediente. Grass kommt in die böhmischen
Wälder in ein Ausbildungslager, wird wie die anderen Rekruten
schikaniert und täuscht eine Gelbsucht vor, um ins Krankenlager
zu kommen. Ende Februar 1945, «bei Vollmond und in klirrender
Kälte», die Vereidigung.
In den etwa sieben Wochen von Anfang März bis zu seiner Verwundung
am 20. April 1945 wird der 17-Jährige offiziell der sich offenbar
in Auflösung befindlichen Division Frundsberg zugeordnet. Seine
größte
Angst: Als Versprengter ohne Marschbefehl von deutschen Feldgendarmen
aufgegriffen und gehängt zu werden wie jene Rekruten oder Offiziere,
die an Chausseebäumen hingen mit Schildern vor dem Bauch wie «Ich
bin eine Feigling» oder «Vaterlandsverräter».
Zwei Mal gerät er hinter die russische Front und überlebt
nur mit Glück. Er selbst habe keinen Schuss mit seiner Waffe abgegeben
und sei auch an keinen Verbrechen beteiligt gewesen, sagte Grass der
dpa.
Die Schlagzeilen zur Waffen-SS-Mitgliedschaft können auch als
Beispiel für ein in diesem Fall wenig geglücktes Buch-Marketing
herhalten, meinen Branchenkenner. Die «Frankfurter Allgemeine
Zeitung» (FAZ) machte den Fakt zum Aufmacher noch vor dem Libanon-
Krieg und den gescheiterten Terroranschlägen. Grass hatte der
renommierten Zeitung ein langes Interview gegeben, am nächsten
Samstag druckt die FAZ eine achtseitige Sonderausgabe mit Textpassagen
und Lithographien von Grass dazu. Interessierte Leser müssen sich
noch bis Anfang September gedulden, ehe sie das Buch kaufen können
- es sei denn, der Steidl Verlag zieht den Verkaufsbeginn jetzt vor.
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13.08. Walesa fordert Grass zur Rückgabe von Ehrenbürgerschaft
auf
Der polnische Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger
Lech Walesa forderte Grass zur Rückgabe seiner Ehrenbürgerschaft
der Stadt Danzig auf. «Wenn bekannt gewesen wäre, dass er
in der SS war, hätte er die Auszeichnung nicht bekommen. Das Beste
wäre, wenn er von selbst darauf verzichten würde»,
sagte Walensa, der selbst Ehrenbürger Danzigs ist, der «Bild»-Zeitung
(Montag).
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13.08. Günter
Grass droht Entzug des tschechischen Karel-Capek-Preises
Prag (dpa) - Schriftsteller Günter Grass droht wegen seiner einstigen
Mitgliedschaft in der Waffen-SS der Entzug des Karel-Capek- Preises
des tschechischen PEN-Clubs. «Wir werden das besprechen»,
sagte der PEN-Vorsitzende Jiri Stransky am Sonntag im tschechischen
Fernsehen. «Ich würde das nicht ohne Beachtung lassen.» Grass
ist Ehrenmitglied des tschechischen PEN-Clubs und hatte die Auszeichnung
1994 erhalten. Der Preis ist nach dem Schriftsteller Karel Capek
(1890-1938) benannt, zu dessen Werken «Der Krieg mit den Molchen»
(1937) gehört. Sein ebenfalls bekannter Bruder Josef Capek, Maler
und Autor, wurde im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet.
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13.08. Grass: Beim
Häuten der Zwiebel wird Verschollenes wieder lebendig (Dokumentation)
Hamburg (dpa) - Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass
(78) berichtet in seinem Erinnerungsbuch «Beim Häuten der
Zwiebel», das im September erscheint, erstmals über seine
Mitgliedschaft in der Waffen-SS. In einem Interview mit der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» vom Samstag schildert er unter anderem seine
Beweggründe, nach mehr als 60 Jahren nun darüber zu schreiben.
dpa dokumentiert einige Passagen in der im Original verwendeten Rechtschreibung.
Auf die Frage, warum er erst jetzt die Mitgliedschaft bekennt, antwortete
Grass:
«Das hat mich bedrückt. Mein Schweigen über all die
Jahre zählt zu den Gründen, warum ich dieses Buch geschrieben
habe. Das mußte raus, endlich. Die Sache verlief damals so: Ich
hatte mich freiwillig gemeldet, aber nicht zur Waffen-SS, sondern zu
den U-Booten, was genauso verrückt war. Aber die nahmen niemanden
mehr. Die Waffen-SS hingegen hat in den letzten Kriegsmonaten 1944/45
genommen, was sie kriegen konnte. (...) Und für mich, da bin ich
meiner Erinnerung sicher, war die Waffen-SS zuerst einmal nichts Abschreckendes,
sondern eine Eliteeinheit, die immer dort eingesetzt wurde, wo es brenzlig
war, und die, wie sich herumsprach, auch die meisten Verluste hatte.
Frage: Was mit Ihnen geschah, haben Sie ja sicher erst festgestellt,
als Sie bei Ihrer Einheit waren. Oder konnten Sie das schon am Einberufungsbefehl
erkennen?
Antwort: An der Stelle wird's undeutlich, weil ich nicht sicher bin,
wie es war: War es schon am Einberufungsbefehl zu erkennen, am Briefkopf,
am Dienstgrad des Unterzeichners? Oder habe ich es erst gemerkt, als
ich in Dresden ankam? Das weiß ich nicht mehr.
(...)
Frage: Warum haben Sie sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet?
Antwort: Mir ging es zunächst vor allem darum rauszukommen.
Aus der Enge, aus der Familie. (...) Auch das ist ja eine merkwürdige
Sache: Ich habe mich gemeldet, mit fünfzehn wohl, und danach den
Vorgang als Tatsache vergessen. So ging es vielen meines Jahrgangs:
Wir waren im Arbeitsdienst, und auf einmal, ein Jahr später, lag
der Einberufungsbefehl auf dem Tisch. Und dann stellte ich vielleicht
erst in Dresden fest, es ist die Waffen-SS.
Frage: Hatten Sie ein Schuldgefühl deswegen?
Antwort: Währenddessen? Nein. Später hat mich dieses Schuldgefühl
als Schande belastet. Es war für mich immer mit der Frage verbunden:
Hättest du zu dem Zeitpunkt erkennen können, was da mit dir
vor sich geht? (...) Man vergißt ja leicht, wie geschickt und
modern die Hitlerjugend und das Jungvolk als Vorstufe aufgezogen waren.
Hitlers Satz "Jugend muß von Jugend geführt werden" war
ungeheuer wirkungsvoll. Mein Fähnleinführer war ein prima
Kerl, und wir kamen uns viel besser vor als diese Parteiburschen. So
fühlten und dachten damals viele.
Frage: Sie haben sich als einer der ersten Ihrer Generation über
die eigene Verführbarkeit geäußert und waren immer
sehr offen im Umgang mit der deutschen Geschichte. Dafür sind
Sie oft gescholten worden.
Antwort: Ja, wir haben bis heute so viele Widerstandskämpfer,
daß man sich wundert, wie Hitler an die Macht hat kommen können.
(...) Es wurde so getan, als wäre das arme deutsche Volk von einer
Horde schwarzer Gesellen verführt worden. Und das stimmte nicht.
Ich habe als Kind miterlebt, wie alles am hellen Tag passierte. Und
zwar mit Begeisterung und Zuspruch. Natürlich auch durch Verführung,
auch das, ganz gewiß. (...) Und dieser Begeisterung und ihren
Ursachen wollte ich nachgehen, schon beim Schreiben der "Blechtrommel" und
auch jetzt wieder, ein halbes Jahrhundert später, bei meinem neuen
Buch.
(...)
Frage: Kann es sein, daß Sie in der Nachkriegszeit einfach
den richtigen Zeitpunkt verpaßt haben, um Ihre SS-Zugehörigkeit
zu thematisieren?
Antwort: Das weiß ich nicht. Es ist sicher so, daß ich
glaubte, mit dem, was ich schreibend tat, genug getan zu haben. Ich
habe ja meinen Lernprozeß durchgemacht und daraus meine Konsequenzen
gezogen.
Aber es blieb dieser restliche Makel. Es war deshalb immer klar für
mich, daß dieser Rest seinen Platz finden müßte, wenn
ich mich jemals dazu entschließen sollte, etwas Autobiographisches
zu schreiben. Aber das ist nicht das dominierende Thema meines Buches.
(...)»
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12.08. Walter Jens:
Grass verdient meinen Respekt
Tübingen (dpa) - Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
Walter Jens hat das Bekenntnis von Günter Grass, am Ende des Zweiten
Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, als «abgewogen,
präzise und vernünftig» bezeichnet. «Ein Meister
der Feder hält Einkehr und überlegt sich: Was hast du im
langen Leben zu berichten vergessen? Das hat er getan und er verdient
meinen Respekt», sagte der 83-Jährige am Samstag in Tübingen.
Die Stellungnahme möge spät erfolgt sein, aber gewiss nicht
zu spät. Es sei absurd, den Mann, damals nicht einmal 20 Jahre
alt, zur Rechenschaft zu ziehen. «Es ist für mich bezeichnend,
dass Grass gerade den richtigen Zeitpunkt gewählt hat. Vorher
wäre manches Besserwisserisch erschienen», sagte Jens.
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12.08. Literaturkritiker
Karasek: «Grass hätte Nobelpreis riskiert»
Hamburg - Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek ist der Ansicht,
dass Grass den Nobelpreis der Schwedischen Akademie riskiert hätte, «wenn
er es früher gesagt hätte». Karasek sagte dem Radiosender
NDR Info, «die Akademie, die ein sehr feines Sensorium hat, ...
, hätte den Nobelpreis nicht an jemanden verliehen, von dem bekannt
war, dass er in seiner Jugend in der Waffen-SS war, und das lange verschwiegen
hat». Für den Kritiker hat Grass die Auszeichnung wie kein
anderer deutscher Autor verdient. «Aber auf einmal kommt alles
in ein neues Licht.»
Die Tatsache, das Grass Mitglied der Waffen-SS war, wertete Karasek
als «Lappalie». «Ein Siebzehnjähriger: Gott
das ist alles verständlich.» Wenn nicht Grass später
immer wieder derjenige gewesen wäre, der die Moralkeule am häufigsten
geschwungen hätte, ergänzte der Publizist.
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12.08. Ralph Giordano: «Bild
von Günter Grass hat sich nicht geändert»
Köln (dpa/lnw) - Für den Schriftsteller Ralph Giordano hat
sich sein Bild von Günter Grass durch dessen Bekenntnis zur Mitgliedschaft
in der Waffen-SS nicht geändert. «Für mich verliert
er durch diese Öffnung nicht an moralischer Glaubwürdigkeit
- in keiner Weise - das möchte ich hier ganz klar und unmissverständlich
sagen», sagte Giordano der dpa am Samstag. Giordano betonte,
dass er nicht den Richter mimen wolle.
Es gebe so manches, was Grass betreffe, mit dem er nicht einverstanden
sei, sagte Giordano. Doch das ändere nichts daran, dass Grass
für ihn eine Person sei, die nach 1945 zu einem ganz anderen Menschen
geworden sei. Als Grass der Waffen-SS beitrat, habe dieser ein anderes
Bild davon gehabt als später. «Millionen von Deutschen haben
ihr Bild über die Nazi-Zeit korrigiert und Grass auch.»
Das Einzige, was Menschen, die Günther Grass nicht wohlwollten,
ihm vorwerfen könnten, sei, dass er so lange damit gewartet habe.
Nach Grass Bekundungen habe ihn das schwer belastet und das glaube
Giordano ihm auch. «Er hat sich selbst erlöst jetzt, indem
er die Wahrheit gesagt hat und man könnte sagen, endlich gesagt
hat, aber er hat sie gesagt», so Giordano. Zu spät sei dieser
Schritt von Grass auf keinen Fall gewesen. Schlimmer als einen Irrtum
zu begehen sei, keine Konsequenz daraus zu ziehen: «Und das hat
Grass ja schon lange vorher gemacht.»
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informationen
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Friedenspreis 2009 geht an Claudio Magris
Berichte, Stimmen und
Hintergrund-
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Pausewang erhält Preis
für Lebenswerk
Berichte und
Hintergrund-
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Welttag des Buches
2009
Berichte, Lesungen,
Hintergründe
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Christa Wolf -
80. Geburtstag
Berichte, Stimmen,
Hintergründe
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Leipziger
Buchmesse
2009
Täglich aktuelle News
aus den Messehallen
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John Updike
gestorben
Porträt &
Werkübersicht
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Johannes Mario Simmel
gestorben
Porträt, Hintergrund,
Stimmen
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Josef Winkler:
Büchner-Preis 2008
Berichte & Informationen
zur Verleihung
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Literatur-
nobelpreis
2008
Alles über den
Preisträger
J.M.G. Le Clézio
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Frankfurter
Buchmesse
2008
Täglich aktuelle News
aus den Messehallen
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Alexander Solschenizyn
gestorben
Porträt, Werkübersicht
und Reaktionen
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Franz Kafka –
125. Geburtstag
Porträt, Werke &
Interviews
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Bachmann-Preis an
Tilman Rammstedt
Porträt, Berichte
und Infos
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Büchner-Preis 2008:
Josef Winkler
Porträt und
Hintergrund-
informationen
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Dichter
Peter Rühmkorf
tot
Berichte, Stimmen
und
Hintergrund-
informationen
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Friedenspreis des
Deutschens
Buchhandels 2008:
Anselm Kiefer
Porträt und Hintergrund-
informationen
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10. Mai 1933:
Tag der
Bücher-
verbrennung
Informationen und
Veranstaltungen
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3. Mai: Tag der Pressefreiheit
Berichte und Hintergrund-
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Welttag des Buches 2008
Berichte und Hintergründe
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UNESCO-Welttag der Poesie 2008
Hintergründe und Berichte
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100 Jahre Rowohlt Verlag
Ein Porträt des Verlags
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Leipziger Buchmesse 2008
täglich aktuelle News aus den Messehallen
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Unwort des Jahres 2007
Alles über die "Herdprämie"
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Jan Kross gestorben
Ein ausführliches Portrait des Autors
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Astrid Lindgren - 100. Geburtstag
Ein ausführliches Portrait
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Norman Mailer ist gestorben
Porträt, Werke, Zitate
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Harry Potter -
die deutsche Ausgabe
Hintergrundberichte zum Verkaufsstart
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Tag der Bibliotheken 2007
Berichte, Umfragen und Hintergründe
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Günther Grass wird 80
Glückwünsche, Interview und Porträt
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Literatur- Nobelpreis 2007
Alles zur Preisträgerin Doris Lessing
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Frankfurter Buchmesse 2007
Täglich aktuelle News aus den Messehallen
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Rechtschreib- reform
tritt endgültig in Kraft
Die Änderungen ab 1. August 2007
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Zum Verkaufsstart von Harry Potter 7
Hintergrundberichte zum Erscheinen des letzten Bandes der
Reihe
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Leipziger Buchmesse 2007 (22.03.-25.03.)
Stimmen und Hintergründe
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80. Geburtstag von Martin Walser
Lebenswerk und Porträt
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175. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe (22.03.)
Lebenswerk und Hintergründe
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80. Geburtstag von Inge Jens (11.02.)
Herausgeberin der Thomas-Mann- Tagebücher
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125. Geburtstag von James Joyce (02.02.)
Autor des Jahrhundertwerks "Ulysses"
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125. Geburtstag von Virginia Woolf (25.01.)
Pionierin der Moderne und des Feminismus
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Autorenwerk, ZDF und WiSo
Wie das Autoren(werk) mit fingierten Reportagen das ZDF und das
ZDF die Zuschauer abkassiert
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Der Börsenverein unter Honnefelder
Die Regierung
in Schilda erklärt seinen Einwohnern den Krieg:
Ein aktueller Streich des Börsenvereins unter Vorsteher Gottfried Honnefelder
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Günter Grass: Das Waffen-SS Eingeständnis
Reaktionen und das Eingeständnis
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Zum 50. Todestag von
Gottfried Benn am 07.07.
Lebenswerk, Hintergründe und Zitate
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Zum Tod von Robert Gernhardt am 30.06.
Reaktionen, Stimmen und ein Kurzporträt
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150. Geburtstag von Sigmund Freud (06.05.)
Lebenswerk und Hintergründe
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100. Geburtstag von Samuel Beckett am 13.04.
Lebenswerk und Hintergründe
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