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News-Sonderthema:
Der Fall Hegemann
Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zu den Plagiatsvorwürfen an die 17-jährige Bestsellerautorin Helene Hegemann
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Unsere Beiträge:
08.03.
Helene Hegemann fällt bei Online-Voting durch
05.03.
Hegemann bestürzt über Debatte - Axolotl Verkaufshit
05.03.
Zoo-Verband: Erfolg von «Axolotl Roadkill» fördert Verkauf der Tiere
22.02.
Ohne Diskussion: Hegemann liest aus «Axolotl»
18.02.
Hegemann listet ihre Quellen auf
Aus Alt mach Neu: Helene Hegemann und der Remix
12.02.
Nachträgliche Abdruckrechte für Hegemann-Buch
Literaturexperte verteidigt Hegemann
11.02.
Helene Hegemann für Leipziger Buchpreis nominiert
Leipziger Jury-Chefin lobt Helene Hegemanns Roman
Hegemann: Jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken
Bestohlener Blogger Airen: «Mir fehlt nichts»
Neue Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann
09.02.
Ideenklau oder neu gestrickt? Streit um fremde Federn
08.02.
Plagiatsvorwurf gegen 17-jährige Bestsellerautorin
08.03. Helene Hegemann fällt bei Online-Voting durch
Leipzig (dpa/sn) - Helene Hegemann (18) ist mit ihrem umstrittenen Roman-Debüt «Axolotl Roadkill» bei einem Online-Voting der Leipziger Buchmesse glatt durchgefallen. In der Umfrage sollten die Leser angeben, welches der fünf für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Belletristik-Werke ihnen am besten gefällt. Von den rund 1000 Bücherfreunden, die sich beteiligten, sprachen sich fast 38 Prozent für «Die Zeitwaage» von Lutz Seiler aus, teilte die Messe am Montag mit. Auf den Plätzen folgen Georg Kleins «Roman unserer Kindheit» (23 Prozent) und «Luft und Liebe» von Anne Weber (20 Prozent).
Weit abgeschlagen scheiterten Jan Faktor mit «Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag» und Hegemanns «Axolotl Roadkill» an der Zehn-Prozent-Hürde. Die Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse wählt allerdings eine Jury aus - am 18. März auf der Frühjahrsschau der Bücher. Der Publikumsfavorit wurde erstmals ermittelt.
(Internet: http://dpaq.de/Publikumsvoting)
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05.03. Hegemann bestürzt über Debatte - Axolotl Verkaufshit
München (dpa) - Die Nachwuchsautorin Helene Hegemann hat sich bestürzt über das Ausmaß der öffentlichen Diskussion um ihr im Januar veröffentlichtes Erstlingswerk «Axolotl Roadkill» gezeigt. Durch «Presse-Exzesse» habe sie den «Glauben an die Kommunikation zwischen den Menschen verloren», sagte die 18-Jährige am Donnerstagabend bei einer Lesung in den Münchner Kammerspielen. «Ich versuche, so zu tun, also würde ich da komplett drüberstehen, aber das ist natürlich nicht so leicht. Eigentlich bin ich völlig fertig.»
Unterdessen entwickelt sich das Titel-Tier des Buches zu einem Verkaufsschlager. Der Erfolg des Romans werde «sehr förderlich sein für den Absatz der Axolotl», sagte Klaus Oechsner, Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe in Deutschland (ZZF) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Axolotl ist ein mexikanischer Schwanzlurch. Hegemann kommentierte, es sei «witzig, nur mit einem Buch so einen Zugriff auf ein Land zu haben».
Die Diskussion habe ihr aber auch gezeigt, dass es richtig gewesen sei, das Buch zu schreiben, sagte sie. «Wer so viel Hass auf sich zieht, scheint ja irgendetwas zu machen, was nicht als allgemeingültig abgehakt werden kann.» Derartig viele negative Reaktionen habe sie allerdings nicht erwartet. «Das Buch war doch als Unterhaltungsroman gedacht. Es hat einfach Spaß gemacht, es zu schreiben.» Auf die Plagiats-Vorwürfe zu ihrem Roman wollte Hegemann nicht näher eingehen. Dazu sei alles gesagt. Ein neues Buch plant Hegemann derzeit nicht. «Ich bin nicht mehr unbefangen.»
In «Axolotl Roadkill» erzählt Hegemann von einem 16 Jahre alten Mädchen, das sich durch eine kaputte Welt voller Sex, Drogen und Zynismus schlägt. Das Buch eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten.
Wenig später wurden Plagiats-Vorwürfe laut. Hegemann soll sich unter anderem in Internet-Blogs bedient haben.
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05.03. Zoo-Verband: Erfolg von «Axolotl Roadkill» fördert Verkauf der Tiere
München/Wiesbaden (dpa/lby) - Nach dem Erfolg des Romans «Axolotl Roadkill» der Nachwuchsautorin Helene Hegemann erwartet der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe in Deutschland (ZZF) einen erhöhten Absatz der Tiere. «Das wird sehr förderlich sein für den Absatz der Axolotl», der ein mexikanischer Schwanzlurch ist, sagte ZFF-Präsident Klaus Oechsner am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa, «eine sehr positive Werbung für das Tier.» Hegemann kommentierte, es sei «witzig, nur mit einem Buch so einen Zugriff auf ein Land zu haben».
Bislang sei der Axolotl, der sein Leben lang wie eine Larve aussieht, noch kein Verkaufsschlager gewesen, sagte ZFF-Präsident Oechsner, der selbst ein Zoo-Geschäft betreibt. «Wenn es hoch kommt, habe ich vielleicht 20 im Jahr verkaufen können. Dabei eignen sich die Tiere gut als Haustiere. Sie sind problemlos, brauchen keine Heizung, nur ein schönes Becken, je größer, desto besser.» Hegemanns Roman «Axolotl Roadkill» hatte direkt nach seiner Veröffentlichung im Januar die Bestsellerlisten gestürmt.
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22.02. Ohne Diskussion: Hegemann liest aus «Axolotl»
Berlin (dpa) - Eigentlich habe sie sich vorgenommen, nie vorzulesen, sagt Helene Hegemann. Aber an diesem Abend tut es die umstrittene Nachwuchsautorin dann doch. Es ist ihr 18. Geburtstag.
Und die Berlinerin stellt mit dem Ullstein Verlag ihren mit Plagiatsvorwürfen konfrontierten Roman «Axolotl Roadkill» am Freitagabend offiziell vor.
Das Buch ist schon einige Wochen auf dem Markt, steht seither auf den Bestsellerlisten und hat eine große Debatte über die Originalität von Kunst ausgelöst. Anders als Ullstein-Geschäftsführerin Siv Bublitz geht Hegemann an diesem Abend mit keinem Wort auf das Trommelfeuer ein, das seit Wochen auf sie einprasselt. Keine Entschuldigung, keine Verteidigung.
Stattdessen stellt sie sich im wummernden Berliner Techno-Club Tresor vor rund 1000 geladenen Gästen ganz leise ans Mikrofon und liest mit der Schauspielerin und Freundin Laura Tonke (35) aus dem Roman vor. Klein und ein bisschen schüchtern steht sie in ihrem Blumenröckchen da, immer wieder fallen die Haare wie ein Schleier übers Gesicht. Und die Freundin muss ihr mit einem Küsschen Mut zum Loslegen machen.
Es ist eine kraftvolle und scharfe Sprache, in der sie von den Befreiungsversuchen ihrer 16 Jahre alten Erzählerin Mifti schreibt - hart, wild und zynisch. Unkommentiert liest sie auch eine der etwa 20 Passagen vor, die sie aus dem Roman «Strobo» des unter Pseudonym schreibenden Bloggers Airen übernommen hat.
«Schlussendlich liegt auf dem Mahagonitisch eine Messerspitze bräunlichen Pulvers, das wie Instanttee aussieht und nach einer Mischung aus Zigarettenkippen, Müll und Essig riecht», lesen die beiden vor. «Als sie ein Feuerzeug unter die Folie hält, schmilzt das Heroin und zieht eine kleine Rauchschwade hinter sich her.»
Verlegerin Bublitz hat zuvor wortmächtig das Recht auf die «freie Benutzung» von Quellen verteidigt. «Dieses Recht erlaubt es einem Künstler, Quellen auch ungenannt zu verwenden, wenn er daraus Neues und Eigenständiges schafft», sagt sie. Dennoch habe es Ullstein nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, damit endlich wieder über den Roman selbst und seine Qualität geredet werde.
Der vierten Auflage, die von Montag an ausgeliefert wird, ist deshalb ein gut fünfseitiger Anhang beigefügt, der übernommene Passagen akribisch auflistet. «Anhand des Quellenverzeichnisses kann sich nun jeder Leser selbst ein Urteil darüber bilden, ob die Wellen, die (das Buch) in den vergangenen Wochen geschlagen hat, dem Anlass eigentlich angemessen waren», sagt sie und entschwindet.
Eine Diskussion, die Fortsetzung des öffentlichen Diskurses, ist an diesem Abend nicht vorgesehen. Auch Hegemann wird sofort nach ihrem Vortrag von einem schwarzen Bodyguard weggeführt. Sie kann wie schon vor ihrem Auftritt nur noch durch das riesige Eisengitter vor dem DJ-Platz beobachtet werden - wie in einem Zoo. Die Gäste, die zuvor in Nieselregen und Schneematsch bis zu zwei Stunden anstehen mussten, verlieren sich langsam in den stroboskopisch blinkenden Geistergängen des ehemaligen Heizkraftwerks.
«Ich bin überrascht, wie gut sie das alles verkraftet. Sie geht sehr cool mit der ganzen Sache um», sagt Freundin Tonke später. Zur Rückenstärkung ist auch ihr Vater gekommen, der ehemalige Volksbühnen-Chefdramaturg Carl Hegemann.
Ebenfalls geladen war Blogger Airen, der aber allenfalls incognito erschien. Er wolle sich bewusst nicht in die Öffentlichkeit begeben, hieß es bei Ullstein. Ob das Traditionshaus als Teil des Deals mit Airen tatsächlich dessen bisher nur in einem Szeneverlag erschienenen Roman «Strobo» neu herausbringen will, war an dem Abend nicht zu klären. «Ich muss jetzt leider gehen», sagt Bublitz.
(Internet: Ullstein: http://dpaq.de/HNtir;
Sukultur:
http://dpaq.de/XU0tu)
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18.02. Hegemann listet ihre Quellen auf
Berlin (dpa) - Die des Plagiats beschuldigte Bestseller-Autorin Helene Hegemann hat die Quellen für ihren Roman «Axolotl Roadkill» offengelegt. Danach übernahm die 17-Jährige zwanzig Zitate aus dem Blogger-Buch «Strobo» mehr oder weniger wörtlich für ihre eigene Geschichte. Etwa zwanzig weitere Zitate stammen aus anderen Texten oder sind zumindest davon inspiriert.
Das neue Quellenverzeichnis werde der im Druck befindlichen vierten Auflage des Bestsellers beigefügt, teilte der Ullstein Verlag am Mittwoch in Berlin mit. «Es ist bewusst ausführlich und enthält auch zahlreiche Quellen, die im Zuge einer freien Benutzung im Sinne des Urheberrechts nicht genehmigungspflichtig sind.»
Hegemann dankt in dem Verzeichnis zahlreichen Menschen für ihre Inspirationen. Weiter heißt es: «Dieser Roman folgt in Passagen dem ästhetischen Prinzip der Intertextualität und kann daher weitere Zitate enthalten.» Der Verlag habe sich bemüht, alle Rechteinhaber zu ermitteln. Sollte es weitere Ansprüche geben, könnten sich die Betroffenen mit dem Verlag in Verbindung setzen.
Hegemann stellt am Freitag, ihrem 18. Geburtstag, das umstrittene Buch in Berlin offiziell vor.
(Internet: www.ullstein-buchverlage.de)
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18.02. Aus Alt mach Neu: Helene Hegemann und der Remix
Hamburg (dpa) Kunst oder geistiger Diebstahl? Die Jungautorin Helene Hegemann hat mit der freizügigen Auslegung des Urheberrechts bei ihrem Debütroman für heftige Debatten gesorgt. Ganze Passagen aus einem Blog finden sich in «Axolotl Roadkill» wieder. An ihrem 18. Geburtstag am kommenden Freitag (19. Februar) stellt Hegemann ihren durchaus frei zusammengemixten Roman offiziell vor. Dabei ist die Einstellung der jungen Autorin nicht ungewöhnlich - zumindest nicht für die «Generation Internet». Das Kopieren liegt vielen Nutzern quasi im Blut, und auf ihren Rechnern zu Hause entsteht aus Texten, Bildern und Videos etwas Neues: ein Remix.
Dass Künstler sich bei anderen Kreativen Inspiration holen oder gar ganze Textpassagen übernehmen, ist nichts Neues. «Kopieren ist gängige kulturelle Praxis», sagt der Mediensoziologe Volker Grassmuck. Auch Geistesgrößen wie Goethe und Beethoven klauten ungeniert. Aus Alt mach Neu einige Künstler haben dieses Prinzip längst zur Kunstform erhoben, indem sie Collagen aus anderen Werken machten.
Heute ist das Kopieren und Bearbeiten jedoch einfacher denn je. «Im Internet entsteht eine virtuelle, multimediale, globale Gesamt- Bibliothek», sagt Grassmuck, der als Gast-Professor im brasilianischen São Paulo arbeitet. Immer mehr Texte, Bilder und Videos sind nur noch einen Klick entfernt. Und dank dem Computer als Universal-Werkzeug könne jeder Laie am Schreibtisch Texte, Musik und Videos erstellen oder eben herunterladen und bearbeiten. Dafür hat sich ein Begriff etabliert, der aus der lauten Welt der DJs stammt:
Remix.
Der Remix hat die Diskotheken und Ateliers dieser Welt längst verlassen. «Für die neue Generation von Internet-Nutzern ist kennzeichnend, dass sie Inhalte mit großer Selbstverständlichkeit zusammenwürfelt und rekonfiguriert», sagt der Forscher Urs Gasser, der an der Universität Harvard das Zentrum für Internetforschung leitet. An den Rechnern weltweit wird gemixt, was Tastatur und Maus hergeben.
Manchmal entstehen dabei echte Kunstwerke. Der Hip-Hop-Produzent Danger Mouse mischte 2004 das «White Album» der Beatles mit dem «Black Album» des Rappers Jay-Z zum «Grey Album» - urheberrechtlich nicht sauber, aber künstlerisch auf höchstem Niveau. Der israelische Musiker Kutiman spielte virtuos mit privat erstellten Musik-Videos von YouTube und erstellte daraus neue funkige Songs, die auf dem Portal thru-you.com zu finden sind.
Viele Mischer sind nicht unbedingt Künstler, sondern Liebhaber. Fans der «Star Wars»-Saga schnitten etwa den Film «Episode I - Die dunkle Bedrohung» (original: «Phantom Menace») neu. Begründung: Das Original habe sich vom ursprünglichen Stil des Regisseurs George Lucas entfernt. Andere dichten ihren fiktiven Stars ein Sexualleben an was die Originalautoren oft aussparen. Selbst der düstere Zauberlehrer Severus Snape aus den «Harry Potter»-Büchern kommt so zu romantischen Momenten.
Oft dient der Remix auch als politisches Kampfmittel. Das erlebte beispielsweise Wolfgang Schäuble, heute Finanzminister, in seiner Zeit als Chef des Innenressorts. Als ein Wahlkampfplakat mit dem CDU- Politiker erschien, rief der Blog Netzpolitik.org dazu auf, «schönere Slogans abseits der Partei-PR zu bauen». Einer der rund 1000 Vorschläge: «Wir zur Vorratsdatenspeicherung: Yes, We Scan!»
Längst nicht alle «Mashups» - so der gängige Begriffe für die Mix- Inhalte sind aber künstlerisch oder kreativ. Zahlreiche YouTube-Videos haben einen neuen Soundtrack verpasst bekommen - mehr nicht. Und im berüchtigten Internetforum 4chan montieren die Besucher hin und wieder im Schutz der Anonymität die Köpfe bekannter Menschen auf die Körper von Pornodarstellern.
Die Gesetze sind den meisten Mischern entweder egal oder nicht bekannt. «Wenn man junge Menschen nach Urheberrechtsregeln befragt, herrscht ein großes Unwissen», sagt Urs Gasser. Dennoch gebe es durchaus ein Gerechtigkeitsempfinden, hat der Mitautor des Buches «Generation Internet» beobachtet: «Die Mehrheit findet es in Ordnung, Inhalte zu verwenden und zu verändern. Aber es gilt als fair, die Quelle zu nennen.»
Helene Hegemanns Verhalten passt zu diesem «Copy & Paste»-Ethos:
Sie berief sich auf das «Recht zum Kopieren und zur Transformation», bedauerte allerdings, dass sie so «gedankenlos und egoistisch» war, die Quellen nicht zu nennen. Das Remixen seiner Texte findet auch der plagiierte Blogger Airen nicht so schlimm - im Gegenteil: «Das Buch entspricht meinem literarischen Stilempfinden und hat seinen Erfolg verdient», sagte er dem Magazin «Stern». Nur auf sein Urheberrecht wolle er nicht verzichten.
Der aktuelle Fall zeigt auch, wie die Ökonomie der Aufmerksamkeit im Zeitalter von Blogs, Facebook und Twitter funktioniert: Nachdem der Inhalte-Klau ruchbar wurde, war die Kleinstauflage von Airens Roman «Strobo» binnen kurzer Zeit ausverkauft, der Blogger kam in vielen Interviews zu Wort. So profitieren beide - Original und Remix.
Hintergrund
Übersetzungshilfen fürs Urheberrecht
Hamburg (dpa) Das Urheberrecht ist selbst für Juristen eine komplexe Materie Laien steigen meist gar nicht durch. Zudem ist die im deutschen Gesetz gültige Regel «Alle Rechte vorbehalten» zu starr fürs Internet-Zeitalter. Verschiedene Initiativen versuchen aber, das rechtliche Dickicht zu lichten.
Für Kreative ist das Lizenz-System «Creative Commons» gedacht. Ob Texte, Musik, Software oder Videos: Die Urheber können aus einer Art Baukasten auswählen, was andere mit ihren Werken tun dürfen. Diese Standards basieren auf den gültigen Landesgesetzen, sind aber leicht verständlich formuliert.
Während im deutschen Urheberrecht bislang das Credo «alle Rechte vorbehalten» galt, sind nun Abstufungen möglich. Die Schöpfer können zum Beispiel gezielt festlegen, ob ihr Werk kommerziell genutzt oder bearbeitet werden darf. Die Namensnennung ist immer obligatorisch. «Das war schon im Zeitalter des Buchdrucks so und ist im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie noch wichtiger geworden, weil man mit seinem Werk im öffentlichen Raum präsent sein muss - oder es gibt einen nicht», sagt der Medienforscher Volker Grassmuck.
Auf der Plattform iRights.info finden Surfer Erklärungen zu den gültigen Gesetzen. «Wir wollen das Urheberrecht so übersetzen, dass Laien es verstehen», sagt Mitarbeiter Philipp Otto. Privatkopien von CDs sind ebenso ein Thema wie der Schutz eigener Texte und das Remixen von Musik. «Die Unwissenheit ist riesig, nicht nur unter Jugendlichen», betont Otto.
(Infos zu Creative Commons: http://de.creativecommons.org; Plattform
iRights: iRights.info)
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12.02. Nachträgliche Abdruckrechte für Hegemann-Buch
Berlin (dpa) - Angesichts der Plagiatsvorwürfe an die junge Bestseller-Autorin Helene Hegemann (17) hat der Ullstein Verlag nachträglich die Abdruckrechte für bisher nicht genannte Quellen eingeholt. Ullstein-Geschäftsführerin Siv Bublitz entschuldigte sich am Donnerstag in einer Erklärung für die umstrittenen Übernahmen in dem Debüt-Roman «Axolotl Roadkill».
Nach Angaben des bestohlenen Bloggers Airen handelt es sich um mehr Stellen als bisher angenommen. Im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Online-Ausgabe) sagte er gleichwohl, wenn die Passagen künftig gekennzeichnet würden, sei für ihn das Thema «vom Tisch». Die Zeitung dokumentierte auf ihrer Internetseite zahlreiche Parallelstellen von «Axolotl» und Airens Roman «Strobo», in denen es vor allem um Sex und Drogenszenen geht.
Hegemann wurde trotz der Vorwürfe für den renommierten Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa wies die Nachwuchs-Autorin die Vorwürfe an ihrer Arbeitsweise zurück. «Da wird eine jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken ausgetragen. Wenn wir so anfangen, können wir den ganzen Literaturbetrieb gleich dichtmachen», sagte sie.
Hegemann hatte eingeräumt, für ihr Buch Passagen aus Airens Blog und Roman übernommen zu haben. Der Berliner Ullstein Verlag dankte am Donnerstag «allen Rechteinhabern» für die nachträglichen Abdruckgenehmigungen. Ein entsprechendes Quellenverzeichnis werde der nächsten Auflage beigefügt, hieß es. Um wieviel Text es geht, wurde nicht mitgeteilt.
«Die Quellen nicht schon in der ersten Auflage des Buches zu nennen, war ein Versäumnis, das Verlag und Autorin bedauern», schrieb Bublitz. «Deshalb den gesamten Roman unter den Generalverdacht des Plagiats zu stellen und seinen literarischen Wert zu bestreiten, halte ich jedoch für völlig inakzeptabel.» Dass die Autorin jung sei, gebe niemandem das Recht, ihr die Selbstbestimmtheit als Schriftstellerin abzusprechen.
Die Nominierung für den Leipziger Buchpreis war nach Angaben von Jury-Chefin Verena Auffermann intern bereits zu einem Zeitpunkt erfolgt, als die Vorwürfe noch nicht bekannt waren. Das Gremium bleibe jedoch bei dieser Entscheidung, sagte Auffermann der dpa. Der Ullstein Verlag habe bestätigt, dass die Urheberrechtsfragen geklärt würden.
Der Preis für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen wird auf der kommenden Leipziger Buchmesse (18. bis 21.
März) zum sechsten Mal vergeben. In der Kategorie Belletristik geht Hegemann gemeinsam mit den Autoren Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber ins Rennen.
Im dpa-Gespräch verteidigte Hegemann die Übernahme von Textteilen eines anderen Autors. «Ich habe das nicht einfach munter abgeschrieben», sagte sie. «Es geht hier nicht um Plagiarismus, sondern um Intertextualität - ein Arbeitsverfahren, das sehr viele Künstler benutzen.» Zudem handele es sich nur um einige wenige Stellen in ihrem Buch.
Airen, ein knapp 30-jähriger früherer Unternehmensberater, der seinen Namen nicht nennen will, zeigte sich versöhnlich: «Helene Hegemann hat mir nichts getan, sie hat mich nicht angegriffen. Mir fehlt nichts, die Geschichte ist immer noch meine», sagte er.
Bei Autoren stieß Hegemanns Arbeitsweise auf unterschiedliche Reaktionen. «Diebstahl ist Diebstahl, da bin ich sehr konservativ», sagte der Schriftsteller Helmut Krausser dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitagausgabe). Ulla Hahn («Das verborgene Wort») kommentierte: «Der eigentliche Skandal liegt in der Verkommenheit von Teilen des Literaturbetriebs, dem ein Sensatiönchen mehr bedeutet als ein sorgfältig gearbeitetes Buch.»
(Internet: www.preis-der-leipziger-buchmesse.de)
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12.02. Literaturexperte verteidigt Hegemann
Leipzig/Berlin (dpa) - Der Chef des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig, Josef Haslinger, hat die Nominierung der umstrittenen Nachwuchs-Autorin Helene Hegemann (17) für den Preis der Leipziger Buchmesse verteidigt. Ihr Vergehen gegen das Urheberrecht sei für sie zwar blamabel, sagte Haslinger am Freitag im MDR Info-Radio. Allerdings werde die «Gesamtleistung des Buches nur unwesentlich geschmälert».
Hegemann hatte eingeräumt, für ihren Überraschungs-Bestseller «Axolotl Roadkill» Passagen aus dem Roman und Blog eines anderen Autors übernommen zu haben. Gleichwohl war sie für den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden.
Sollte sich herausstellen, dass Hegemann sich auch noch bei anderen Autoren bedient habe, bekomme der Fall «eine andere Dimension», schränkte Haslinger ein. Zugleich sprach er sich für eine moderate Linie bei Urheberrechtsfragen aus. «Wenn man Dinge zu viel schützt, dann können sie sich nicht verbreiten. Wenn man sie aber zu wenig schützt, dann wird sich keiner mehr Mühe geben, neue Ideen in die Welt zu setzen.»
(Internet: www.mdrinfo.de)
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11.02. Helene Hegemann für Leipziger Buchpreis nominiert
Leipzig/Berlin (dpa) - Die junge Bestseller-Autorin Helene Hegemann (17) ist trotz der Plagiatsvorwürfe gegen sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. Die Jury teilte am Donnerstag mit, dass Hegemann zusammen mit Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber in der Kategorie «Belletristik» ins Rennen um die begehrte Auszeichnung geht.
Die Nachwuchsautorin hatte eingeräumt, Passagen ihres Überraschungshits «Axolotl Roadkill» aus dem Roman oder Blog eines anderen Autors übernommen zu haben. Am Donnerstag wurden weitere Vorwürfe gegen sie laut.
Danach hat der junge deutsche Regisseur Benjamin Teske «frappierende Ähnlichkeiten» zwischen seinem Kurzfilm «Try a Little Tenderness» und einer im Szene-Magazin «Vice» abgedruckten Geschichte von Hegemann festgestellt. Wie das Magazin auf seiner Internetseite berichtete, hatte Hegemann vor der Veröffentlichung allerdings gebeten, den Text Benjamin Teske zu widmen. Dies war jedoch nicht geschehen.
Die Leipziger Preisrichter hatten Hegemann nach Angaben von Jury-Chefin Verena Auffermann bei einer internen Sitzung nominiert, als die Vorwürfe noch nicht bekannt waren. Das Gremium bleibe jedoch bei dieser Entscheidung, sagte Auffermann der Deutschen Presse-Agentur dpa. Hegemanns Verlag habe bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit «alles einen ordentlichen Weg geht».
Der Ullstein-Verlag, in dem «Axolotl» erschien, bemüht sich derzeit um eine nachträgliche Abdruckgenehmigung für die umstrittenen Passagen. Welchen Umfang die Übernahmen haben, ist noch nicht abschließend geklärt.
Auffermann sagte, bei der Diskussion um Hegemanns Debüt dürfe nicht vergessen werden, dass für den Buchpreis auch noch weitere «außerordentlich interessante und bemerkenswerte Neuerscheinungen» gewählt wurden. So sei «Die Zeitwaage» von Lutz Seiler ein «unglaubliches Buch von allerhöchster literarischer Qualität». «Luft und Liebe» von Anne Weber bezeichnete Auffermann als «leicht und geistreich».
Georg Klein habe mit seinem «Roman unserer Kindheit» ein monströses Werk geschaffen, das in der bekannt wuchtigen, grellen und zugleich dunklen Sprache des Autors verfasst sei. «Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag» von Jan Faktor schließlich seien 600 Seiten voller Schallkraft der Poesie mit «überschäumender Sprachlust und Komik», sagte die Jury-Chefin.
Der Preis für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen wird auf der kommenden Leipziger Buchmesse (18. bis 21.
März) zum sechsten Mal vergeben. Er ist mit 45 000 Euro dotiert. Die Summe wird auf die Gewinner der drei Kategorien - neben «Belletristik» noch «Sachbuch/Essayistik» und «Übersetzung» - aufgeteilt. 760 Werke wurden eingereicht.
(Internet: www.preis-der-leipziger-buchmesse.de)
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11.02. Leipziger Jury-Chefin lobt Helene Hegemanns Roman
Leipzig/Berlin (dpa) - Die Vorsitzende der Leipziger Buchpreis-Jury lobt den Roman «Axolotl Roadkill» der Jungautorin Helene Hegemann (17) ungeachtet der Plagiatsvorwürfe. Der Debütroman sei ein Produkt des gesellschaftlichen Wandels, sagte Verena Auffermann am Donnerstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Dieses Buch ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Wirklichkeit auflöst. Ich bin sehr froh, dass Hegemann nicht alles selbst erlebt hat». Die Schriftstellerin, die einräumte, teils Passagen aus einem anderen Buch übernommen zu haben, wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
Auffermann sieht die junge Berliner Autorin in einer Reihe etwa mit der Französin Françoise Sagan, die vor etwa 50 Jahren als 18-Jährige den Bestseller «Bonjour Tristesse» schrieb, sowie den früheren deutschsprachigen Jungautoren Christian Kracht mit «Faserland» und Benjamin Lebert mit «Crazy».
«Wenn Sie die ganze gewaltige Bloggerkultur betrachten, wie viele junge Leute sich nur noch da bewegen, dann ist das ein Ausdruck von einem großen Wechsel», sagte Auffermann. «Es ist wohl so, dass die frühe Jugend etwas die Zeit Überspringendes schreibt. Die Treppensprünge in der Literatur muss man wahrnehmen. Man kann sie moralisch ablehnen - aber man muss sie darstellen.» Zu den Plagiatsvorwürfen sagte die Jury-Chefin: «Es hat solche Fälle gegeben, solange es den Buchdruck gibt.»
«Wir haben uns beim Ullstein-Verlag sehr genau erkundigt nach dem Stand des Urheberrechts. Uns wurde glaubhaft bestätigt, dass es einen ordentlichen Weg geht: dass alle ihr Geld bekommen und alles hinten verzeichnet ist», sagte die einstige Kulturkorrespondentin der Süddeutschen Zeitung. In Hegemanns Debüt würden viele notwendige Themen behandelt. Dazu zähle auch das Urheberrecht in den Zeiten des total globalisierten Netzes. Es sei wichtig, dies ins Bewusstsein zu bringen.
(Internet: www.preis-der-leipziger-buchmesse.de)
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11.02. Hegemann: Jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken
Berlin/Leipzig (dpa) - Die mit Plagiatsvorwürfen konfrontierte Nachwuchs-Autorin Helene Hegemann hat sich gegen die Kritik an ihrer Arbeitsweise verteidigt. «Da wird eine jahrhundertealte Debatte auf meinem Rücken ausgetragen. Wenn wir so anfangen, können wir den ganzen Literaturbetrieb gleich dichtmachen», sagte die 17-jährige Berlinerin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Hegemann hatte eingeräumt, für ihren Überraschungshit «Axolotl Roadkill» Passagen aus dem Roman und Blog eines anderen Autors übernommen zu haben. «Ich habe das nicht einfach munter abgeschrieben», sagte sie. «Es geht hier nicht um Plagiarismus, sondern um Intertextualität - ein Arbeitsverfahren, das sehr viele Künstler benutzen.»
Zudem handele es sich nicht um einen komplett collagierten Roman, sondern um einige wenige Stellen in ihrem Buch. «Ich habe einige Versatzstücke organisch in meinem Text eingebaut und bin dadurch indirekt in Kommunikation mit dem Autor getreten», sagte Hegemann. «Das ist nicht genug, um mir meine literarische Eigenständigkeit und die Eigenständigkeit des Buches abzuerkennen.»
Nachdrücklich wies Hegemann auch den neuen Vorwurf zurück, sie habe zudem für eine Kurzgeschichte im Szene-Magazin «Vice» einen Film des jungen deutschen Regisseurs Benjamin Teske ausgeschlachtet. «Mein Text war eine Auseinandersetzung mit dem Film und sollte eine Hommage an Teske enthalten. Das Magazin hat diesen Hinweis einfach nicht mit abgedruckt, geschweige denn das Abdruckrecht für den Text bei mir eingeholt», sagte sie. «Da versucht jemand, auf den Zug aufzuspringen und von der Hetze gegen mich zu profitieren.»
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11.02. Bestohlener Blogger Airen: «Mir fehlt nichts»
Berlin (dpa) - Im Debüt-Roman der Nachwuchs-Autorin Helene Hegemann (17) sind nach Angaben des bestohlenen Bloggers Airen mehr Passagen von ihm übernommen als bisher gedacht. Weil er den Text seines Romans «Strobo» kenne, seien ihm «sehr viel mehr Stellen» aufgefallen, sagte der unter einem Pseudonym schreibende Autor der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Onlineausgabe). Sollten diese Stellen wie zugesagt in künftigen Ausgaben von Hegemanns Buch «Axolotl Roadkill» gekennzeichnet werden, sei für ihn das Thema vom Tisch. «Helene Hegemann hat mir nichts getan, sie hat mich nicht angegriffen. Mir fehlt nichts, die Geschichte ist immer noch meine», sagte Airen.
(Internet: http://dpaq.de/RLdT8)
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11.02. Neue Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann
Berlin (dpa) - Gegen die Bestsellerautorin Helene Hegemann (17) sind neue Plagiatsvorwürfe laut geworden. Wie das Szene-Magazin «Vice» auf seiner Internetseite berichtet, hat der junge deutsche Regisseur Benjamin Teske «frappierende Ähnlichkeiten» zwischen seinem Kurzfilm «Try a Little Tenderness» und einer in «Vice» abgedruckten Geschichte von Hegemann festgestellt.
Allerdings hatte Hegemann die Literaturausgabe des Magazins vor der Veröffentlichung gebeten, den Text Benjamin Teske zu widmen. «Da uns damals die Tragweite dieser Widmung nicht bewusst war (...), haben wir diese nicht abgedruckt», räumt das Magazin ein. Man habe den Regisseur jetzt nachträglich über die Zueignung informiert. Hegemann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Teskes Film lief im vergangenen Jahr beim Festival Max Ophüls Preis in Saarbrücken, an dem auch Hegemann teilnahm. Das Drehbuch basiert seinerseits auf der Kurzgeschichte «Un peu de tendresse» des französischen Schriftstellers Martin Page, der Teske allerdings die Filmrechte gegeben hatte und im Abspann ausdrücklich genannt wird.
Hegemann hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil ihr Überraschungs-Bestseller «Axolotl Roadkill» passagenweise aus dem Roman und Blog eines anderen Autors übernommen sein soll. Hegemanns Verlag Ullstein bemüht sich derzeit um eine nachträgliche Abdruckgenehmigung für die umstrittenen Passagen. Welchen Umfang die Übernahmen haben, ist noch nicht abschließend geklärt. Trotz der Plagiatsvorwürfe wurde die junge Bestseller-Autorin inzwischen für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.
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09.02. Ideenklau oder neu gestrickt? Streit um fremde Federn
Berlin (dpa) - Bertolt Brecht hatte damit keine Probleme. Unumwunden räumte der große Autor «Laxheit in Fragen geistigen Eigentums» ein. Die junge Schriftstellerin Helene Hegemann (17) dagegen hat durch ihren sorglosen Umgang mit fremden Quellen in ihrem Überraschungsbestseller «Axolotl Roadkill» eine erregte Debatte ausgelöst. Wie weit darf sich ein Autor aus anderen Quellen bedienen? Wo liegt die Grenze zwischen Inspiration und Ideenklau? Gibt es im Zeitalter von Internet überhaupt noch ein Recht auf den eigenen Gedanken?
Hegemann hat, so der Vorwurf, für die wilde Geschichte ihrer Heldin Mifti ganze Passagen aus dem Roman «Strobo» übernommen, in dem es ebenfalls um verzweifelte Selbstfindung in einer Welt aus Sex, Drogen und Abhängigkeit geht. Eine wichtige Rolle spielt etwa der bekannte Berliner Techno-Club «Berghain», in den Hegemann als Minderjährige gar nicht hineindarf. «Ich selbst empfinde es nicht als geklaut, weil ich das ganze Material in einem völlig anderen und eigenen Kontext eingebaut habe», bekräftigte Hegemann am Dienstag in Interviews trotzig.
Der geschädigte Berliner Verlag Sukultur mag das so nicht durchgehen lassen. «Natürlich muss Helene Hegemann nicht Heroin nehmen, um über das Heroinnehmen zu schreiben», sagt Geschäftsführer Frank Maleu. «Wenn man einen Roman über das Mittelalter schreibt, muss man auch nicht ins Mittelalter reisen. Aber man darf auch nicht einfach aus anderen Mittelalter-Romanen abschreiben. Wir nennen das "sich mit fremden Federn schmücken"».
Dass Kunst nicht im luftleeren Raum entsteht, ist unbestritten. Jeder Autor, jeder Maler, jeder Dirigent schöpft aus einem Fundus von Erfahrung und Erleben, aus dem Neues entsteht. Und nicht nur bei Brecht, auch bei anderen Größen der Weltliteratur wie etwa Shakespeare und Goethe lassen sich mühelos Zitate und Anleihen bei anderen verdienten Kollegen nachweisen.
Die Allgegenwart des Internets hat den Prozess dramatisch verschärft. Der Züricher Literatur- und Kunstwissenschaftler Philipp Theisohn, der im vergangenen Jahr das Buch «Plagiat: Eine unoriginelle Literaturgeschichte» veröffentlichte, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Natürlich kann man von der postmodernen Idee ausgehen: Es ist alles schon gesagt. Es gibt keine Chance mehr, einen eigenen Gedanken zu fassen. Aber dann muss man diese Arbeitsweise auch im eigenen Werk reflektieren.»
Beispiele dafür liefern Theisohn zufolge etwa Autoren wie Thomas Meinecke oder Rainald Goetz. «Der Roman von Helene Hegemann hat mit diesem Schreibverfahren, mit einer neuen Netzkultur, eindeutig nichts zu tun», sagt er. Sie präsentiere sich selbst bewusst als Einzelautorin, und deshalb müsse auch für sie das Urheberrecht gelten. «Wenn es kein Urheberrecht gäbe, hätte sie keinen Verlag, der ihr Buch druckt, keine Bühne in den Feuilletons - sie wäre eine Bloggerin.»
Der Autor, von dem Hegemann zugegebenermaßen abgekupfert hat, hält sich derweil weiter bedeckt. Er ist nach Angaben seines Verlags ein 28 oder 29 Jahre alter Unternehmensberater, der lange Zeit seine Lebenserfahrungen in der Berliner Szene als Blogger Airen schilderte und die Geschichte im vergangenen Jahr zu einem Roman bündelte. Laut Geschäftsführer Maleu versucht Airen derzeit herauszufinden, was und wieviel in «Axolotl» von ihm stammt.
Der deutsche Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki warnt unterdes im Gespräch mit der dpa vor überzogener Aufregung. «Man sollte das nicht so hoch hängen», sagt er. «Die Übernahme von Motiven aus der vorhandenen Literatur gibt es seit Jahrtausenden. Brecht etwa hat so ganz fabelhafte Sachen geschrieben - und Gott sei Dank hat er's getan!»
(Internet: www.sukultur.de)
Hintergrund
Abschreiber? - Plagiatsvorwürfe in der Literatur
Hamburg (dpa) - Schon mehrfach sahen sich Schriftsteller in Deutschland mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Einige Fälle aus den vergangenen Jahrzehnten:
- Der Krimi-Bestseller «Tannöd» von Andrea Maria Schenkel ist kein Plagiat. Das Oberlandesgericht München wies im November 2009 die Klage des Sachbuchautors Peter Leuschner gegen die Schriftstellerin ab. Dieser hatte behauptet, Schenkel habe aus seinem Sachbuch «Der Mordfall Hinterkaifeck» vieles abgeschrieben. Thema beider Bücher ist ein bis heute ungeklärter sechsfacher Mord von 1922. Laut Gericht hat sich Schenkel auf allgemein zugängliche Ermittlungsakten und Zeitungsartikel gestützt. Für die Auswertung solcher Unterlagen könne aber kein Urheberrecht geltend gemacht werden.
- Erfolgsautor Frank Schätzing sah sich 2005 mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Ein Wissenschaftsjournalist hatte ihn angezeigt, weil Schätzing einen Teil seines Umwelt-Thrillers «Der Schwarm» aus Veröffentlichungen im Internet abgeschrieben haben soll. Die Kölner Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren wegen des Verdachts der Urheberrechtsverletzung ein. Es gebe «keinen Hinweis auf strafrechtlich relevantes Fehlverhalten».
- Walter Kempowski, einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller («Tadellöser & Wolff»), soll abgeschrieben haben. Der Vorwurf von 1990: Teile seines Bestsellers «Aus großer Zeit» stammen aus der Autobiografie des Rostocker Goldschmieds Werner Tschirch. Kempowski gab zu, die Tschirch-Vorlage als eine von mehreren Quellen benutzt zu haben. Er verwies auf seine Anlehnung an das zum Beispiel von Thomas Mann praktizierte und beschriebene Verfahren des «Einklebens» von Originaltexten, «deren Ränder man verwischt».
- «Enthüllungsautor» Günter Wallraff änderte 1986 die als Plagiat beanstandeten Stellen in seinem Bestseller «Ganz unten». Der Schriftsteller sagte, die aus anderen Werken übernommenen Passagen beträfen insgesamt nur ein Promille von «Ganz unten», es handele sich einmal um zehn und einmal um 20 Zeilen. «Ich habe mich bei diesen Stellen auf einen Mitarbeiter verlassen, der - wie sich später herausstellte - aus fremden Quellen geschöpft hat», sagte Wallraff.
- Im Jahr 1986 brachte der Schriftsteller Gerhard Zwerenz den Verlag der Autoren wegen des Bühnenstücks «Der Müll, die Stadt und der Tod» vor Gericht. Nach seiner Einschätzung geht das Drama von Rainer Werner Fassbinder auf den Zwerenz-Roman «Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond» zurück. Das Landgericht Frankfurt/Main wies die Klage in dem Urheberrechtsstreit allerdings ab.
- Auch beim FC Bayern wird offenbar abgeschrieben. Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung hat Karl-Heinz Rummenigge im November 2009 den Text der Ode an den scheidenden Vereinspräsidenten Franz Beckenbauer» bei der Internet-Reimerin Anette Pfeiffer-Klärle «geklaut». Man einigte sich ohne Gericht: Für Sätze wie «Ich danke Dir, danke Dir ganz toll. Weiß gar nicht, was ich alles sagen soll» zahlte der FC Bayern der «Dichterin» 1000 Euro.
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08.02. Plagiatsvorwurf gegen 17-jährige Bestsellerautorin
Berlin (dpa) - Diebstahl geistigen Eigentums? Helene Hegemann, die 17-jährige Autorin des Überraschungs-Bestsellers «Axolotl Roadkill», hat sich gegen Plagiatsvorwürfe verteidigt. «Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit», schrieb der Nachwuchsstar in einer vom Ullstein Verlag verbreiteten Erklärung. «Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen.»
Der Blogger Deef Pirmasens sieht das anders. Auf seiner Internetseite www.gefuehlskonserve.de hatte er Hegemann vorgeworfen, ganze Passagen ihres Buches aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Roman «Strobo - Technoprosa aus dem Berghain» von einem Autor Airen übernommen zu haben.
Hegemann räumte ein, sie sei «total gedankenlos und egoistisch» gewesen, weil sie nicht alle Menschen erwähnt habe, deren Gedanken und Texte ihr geholfen hätten. «Inhaltlich finde ich mein Verhalten und meine Arbeitsweise aber total legitim.»
Der Fall macht deutlich, wie schmal der Grat zwischen Ideenklau und gegenseitiger geistiger Befruchtung geworden ist. In Zeiten, in denen Copy & Paste, Kopieren & Einfügen zu einem der wichtigsten Handgriffe der Computerarbeit geworden ist, fällt die Abgrenzung oft schwer.
Hegemann erzählt in ihrem Buch aus der Perspektive eines 16 Jahre alten Mädchens, das sich durch eine kaputte Welt voller Sex, Drogen und Zynismus schlägt. Sie habe ihre Freunde, andere Autoren und auch sich selbst dabei total beraubt, schreibt sie. Von Airen habe sie eine Seite regelrecht abgeschrieben, habe damit aber auch in Kommunikation mit ihm treten wollen.
Der Ullstein Verlag, der stolz schon den Ausverkauf der ersten Auflage gemeldet hatte, schob indirekt der jungen Autorin den Schwarzen Peter zu. «Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz - wie etwa den Blog von Airen - nicht eingegangen», erklärte Geschäftsführerin Siv Bublitz.
Blogger Pirmasens, der «Axolotl» und «Strobo» Passage für Passage verglichen hatte, war mit den Erklärungen nicht zufrieden. «Was (Hegemann) aber nicht versteht oder verstehen will ist, dass Remixen, Samplen, Transformieren usw. vollkommen in Ordnung geht, so lange man sich nicht mit fremden Federn schmückt.» Und dem Verlag warf er vor, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben.
Die Geschichte ist deshalb besonders pikant, weil «Axolotl Roadkill» in der deutschen Kulturszene groß mit Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Das Buch eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten. Die «Zeit» sprach von einem «literarischen Kugelblitz», und die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» jubelte: «Ein deutsches Romandebüt mit einer solchen Kraft hat es lange nicht gegeben.» Die offizielle Vorstellung des Buches am 19. Februar in Berlin dürfte jetzt jedenfalls besondere Aufmerksamkeit finden.
(Internet: www.gefuehlskonserve.de)
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