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News-Sonderthema: 

Der Streit um die Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an Peter Handke

Stimmen zur Preisverleihung, Hintergründe und die Chronologie
 

 
Unsere Beiträge:

Düsseldorfer Stadtrat wehrt sich gegen Vorwürfe
Handke lehnt auch Alternativpreis ab - Sammlung für Serben
Initiative «Berliner Heinrich-Heine-Preis für Peter Handke»
Düsseldorfs Liberale: Heine-Preisgeld für die Künstlerhilfe
Chronologie des Streits
Handkes Brief im Wortlaut
Wie bei Handke: Bremer Senat verhinderte Auszeichnung von Grass
Schaden für Heinrich-Heine-Preis befürchtet
Juroren sehen «Hetzkampagne» gegen Handke
«Süddeutsche»: Im Streit um Handke treten Juroren zurück
PEN-Zentrum Deutschland bestürzt über Debatte
Die Antwort Peter Handkes
Peter Handke hat von jeher polarisiert
Stimmen zur Preisverleihung
Zwischen Literatur und Politik: Der Streit um Handke
 

 

23.06. Düsseldorfer Stadtrat wehrt sich gegen Vorwürfe im Fall Handke

Düsseldorf (dpa) - Die großen Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat haben sich am Donnerstag gegen Vorwürfe von Unterstützern des Schriftstellers Peter Handke im Streit um den Heinrich-Heine-Preis gewehrt. Es handele sich nach den Bestimmungen auch um einen politischen Preis, heißt es in einer gemeinsamen Resolution der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen. Die Auszeichnung werde für den Einsatz für die Grundrechte und die Völkerverständigung verliehen. Die Auszeichnung sei damit kein reiner Literaturpreis.

Die Mehrheit des Rates sei der Meinung, dass Handke unter diesen Kriterien kein würdiger Preisträger sei, heißt es in der Resolution, die am Donnerstagabend verabschiedet werden sollte, aus Zeitgründen aber nicht mehr behandelt wurde. Sie soll voraussichtlich nach der Sommerpause wieder auf die Tagesordnung kommen.

Die Satzung des Preises gebe dem Rat das Recht, eine andere Auffassung zu vertreten als die Preis-Jury, hieß es. Von einem «Angriff auf die Freiheit der Kunst» könne somit keine Rede sein. Der Preis werde in diesem Jahr nicht vergeben, sondern wieder turnusgemäß im Jahr 2008. Bis dahin behalte der Rat sich Satzungsänderungen vor. Nobelpreisträger Günter Grass hat angeregt, den Vergabe-Modus für den Düsseldorfer Heine-Preis zu überdenken.

Der Österreicher Handke (63) ist wegen seines Einsatzes für das frühere serbische Regime des im März gestorbenen Ex-Diktators Slobodan Milosevic umstritten. Der Schriftsteller war auch zur Beerdigung Milosevics am 18. März nach Belgrad gekommen. Handke hatte auf den mit 50 000 Euro dotierten Preis verzichtet, den ihm die Jury zugesprochen hatte, nachdem sich im Stadtrat eine Mehrheit gegen die Vergabe an ihn abzeichnete. Begründet hatte er dies damit, sich nicht weiter «Pöbeleien» von Lokalpolitikern aussetzen zu wollen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Handke auch den «Berliner Heinrich Heine Preis» nicht annehmen will, der ihm alternativ zum Düsseldorfer Preis angeboten wurde. Er plädiert aber dafür, ein eventuelles Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro «serbischen Enklaven» im Kosovo zur Verfügung zu stellen. Das teilten die Initiatoren des Berliner Preises, darunter die Schauspieler Käthe Reichel und Rolf Becker, am Donnerstag im Berliner Ensemble (BE) mit.

Handke zeigte sich in einem Schreiben an die Berliner Initiatoren «berührt von Ihrer Geste», möchte aber doch «beiseitestehen» und
betonte: «Bitte, kein Preis oder Alternativpreis für mich». Das eventuelle Preisgeld solle aber den serbischen Enklaven gegeben werden, die, wie die Berliner Initiatoren betonten, «von Stacheldraht umgeben sind und von Panzern geschützt werden müssen». Sie wollen versuchen, den Vorschlag umzusetzen, wie sie am Donnerstag betonten. Bisher seien schon über 18 700 Euro an Spenden für das Preisgeld eingangen.

Die Berliner Initiatoren des Alternativpreises erneuerten den Vorwurf, dass es sich bei der gescheiterten Vergabe des Heine-Preises an Handke und der Haltung des Düsseldorfer Stadtrates um einen «Angriff auf die Freiheit der Kunst» handele.

BE-Intendant Claus Peymann unterstützt das Berliner Projekt ebenso wie unter anderem auch die Schauspieler Ben und Meret Becker, die Schriftsteller Gerhard Zwerenz und Daniela Dahn, der Kabarettist Dietrich Kittner sowie der Brecht-Schüler und frühere BE-Intendant Manfred Wekwerth. Peymann hat neun Handke-Stücke seit der «Publikumsbeschimpfung» vor 40 Jahren uraufgeführt.

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22.06. Handke lehnt auch Alternativpreis ab - Sammlung für Serben

Berlin/Düsseldorf (dpa) - Der Schriftsteller Peter Handke will auch den «Berliner Heinrich Heine Preis» nicht annehmen, der ihm alternativ zum Düsseldorfer Preis angeboten wurde. Er plädiert aber dafür, ein eventuelles Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro «serbischen Enklaven» im Kosovo zur Verfügung zu stellen. Das teilten die Initiatoren des Berliner Preises, darunter die Schauspieler Käthe Reichel und Rolf Becker, am Donnerstag im Berliner Ensemble (BE) mit.

Sie bezeichneten die Vorgänge um die gescheiterte Vergabe des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preises an Handke und die Haltung des Düsseldorfer Stadtrates dazu als einen «Angriff auf die Freiheit der Kunst». Handke selbst hatte den Düsseldorfer Heine-Preis nach den politischen Auseinandersetzungen um seine Person abgelehnt. Er wolle weder seine Person noch sein Werk weiterhin den «Pöbeleien» von Lokalpolitikern ausgesetzt sehen. Kritiker hatten Handkes Parteinahme für Serbien im Balkan-Krieg und insbesondere seine Haltung zum serbischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic angeprangert. Der Schriftsteller war auch zur Beerdigung Milosevics am 18. März nach Belgrad gekommen.

Der Düsseldorfer Stadtrat wollte auf seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag über den Fall und die Zukunft des Heine-Preises noch einmal debattieren. Nobelpreisträger Günter Grass hat angeregt, den Vergabe-Modus zu überdenken. Bislang behält sich der Stadtrat vor, die Entscheidung der Preisjury noch zu bestätigen.

Reichel nannte Handke einen «großen Schriftsteller und Sprachschöpfer», der von Düsseldorf jetzt für unwürdig gehalten werde, den Heine-Preis zu empfangen. «Das ist ein heuchlerisches Fußballspiel, ein Foulen.»

BE-Intendant Claus Peymann unterstützt das Berliner Projekt ebenso wie unter anderem auch die Schauspieler Ben und Meret Becker, die Schriftsteller Gerhard Zwerenz und Daniela Dahn, der Kabarettist Dietrich Kittner sowie der Brecht-Schüler und frühere BE-Intendant Manfred Wekwerth. Peymann hat neun Handke-Stücke seit der «Publikumsbeschimpfung» vor 40 Jahren uraufgeführt.

Handke zeigte sich in einem Schreiben an die Berliner Initiatoren «berührt von Ihrer Geste», möchte aber doch «beiseitestehen» und betonte: «Bitte, kein Preis oder Alternativpreis für mich». Das eventuelle Preisgeld solle aber den serbischen Enklaven gegeben werden, die, wie die Berliner Initiatoren betonten, «von Stacheldraht umgeben sind und von Panzern geschützt werden müssen». Sie wollen versuchen, den Vorschlag umzusetzen, wie sie am Donnerstag betonten. Bisher seien schon über 18 700 Euro an Spenden für das Preisgeld eingangen.

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17.06. Initiative «Berliner Heinrich-Heine-Preis für Peter Handke»

Berlin (dpa/bb) - Eine Gruppe von Schauspielern und Publizisten hat eine Initiative zur Verleihung eines «Berliner Heinrich-Heine- Preises für Peter Handke» gestartet. Das teilte das von Claus Peymann geleitete Berliner Ensemble am Samstag mit, wo auf einer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag auch Einzelheiten dazu mitgeteilt werden sollen. Zu den Initiatoren gehören die Schauspieler Käthe Reichel und Rolf Becker sowie der Journalist und Publizist Eckart Spoo.

Sie bezeichnen die Vorgänge um die gescheiterte Vergabe des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preises an den Schriftsteller Peter Handke und die Haltung des Düsseldorfer Stadtrates dazu als einen «Angriff auf die Freiheit der Kunst». Die Jury, die Handke den Preis zuerkannt habe, «besitzt selbst genügend künstlerische, ästhetische und politisch-moralische Kompetenz und bedarf nicht der Korrektur durch politische Instanzen; ihr Urteil allein muss ausschlaggebend bleiben, sonst fallen wir zurück in die Zustände, die Deutschland seit Heines Zeiten des öfteren zu beklagen hatte». Es sei «nicht die Sache der Kunst, die Primitivität der Argumentationskette: Hitler- Milosevic-Handke zu diskutieren», heißt es in dem Aufruf.

Der Preis gehöre Peter Handke, «nicht der Preis der Stadt Düsseldorf, der entwertet ist, sondern der Berliner Heinrich-Heine- Preis». Daher werde auch der geplante «Berliner Heinrich-Heine- Preis», verbunden mit einem Preisgeld von 50 000 Euro, «verliehen von allen, die Peter Handke einer Auszeichnung im Namen Heinrich Heines für würdig halten». Der Aufruf ist verbunden mit der Bitte um Unterstützung durch Solidaritätsunterschriften und Beteiligung an der Finanzierung des Preisgeldes.

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, hatte kürzlich eine Veranstaltung zu dem «Fall Handke» in der Akademie angekündigt, da er grundsätzliche Fragen des Verhältnisses von Künstlern zur Politik und Gesellschaft berühre. Handke selbst hat inzwischen den Düsseldorfer Heine-Preis nach den politischen Auseinandersetzungen um seine Person abgelehnt.

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15.06. Düsseldorfs Liberale: Heine-Preisgeld für die Künstlerhilfe

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die FDP im Düsseldorfer Stadtrat möchte die 50 000 Euro, die ursprünglich der Autor Peter Handke als Heine-Preis bekommen sollte, für die Deutsche Künstlerhilfe spenden. Ein entsprechender Antrag der Liberalen solle auf der kommenden Ratssitzung am 22. Juni diskutiert werden, sagte ein FDP-Sprecher am Mittwoch in Düsseldorf. Außerdem sei eine Resolution der Ratsfraktionen zu dem Thema Heine-Preis in Vorbereitung.

Der als Preisträger von der Jury des Heine-Preises vorgeschlagene Handke hatte nach zweiwöchigem erbitterten Streit, der bundesweit für große Aufmerksamkeit gesorgt hatte, auf die Auszeichnung verzichtet.
Dem prominenten Schriftsteller aus Österreich war von Kritikern vorgeworfen worden, wegen seiner Sympathien für den serbischen Ex- Diktator Slobodan Milosevic nicht des literrisch-politischen Preises würdig zu sein, der ausdrücklich für Verdienste um die Völkerverständigung vergeben wird.

Dem Vernehmen nach sehe die Resolution der Fraktionen von SPD, CDU, FDP und Grünen im Düsseldorfer Stadtparlament vor, sich nicht weiter mit der Person Handkes und den Modalitäten der gescheiterten Preis-Übergabe zu beschäftigen. Zum Inhalt dieses Schreibens, das kommenden Woche veröffentlicht werde, wolle er nichts sagen, erklärte der FDP-Sprecher: «Das kann ich weder bestätigen noch dementieren.»

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09.06. Chronologie des Streits um den Heinrich-Heine-Preis für Peter Handke

23. Mai 2006: Die Jury des Heinrich-Heine-Preises kündigt an, dass sie auf Vorschlag von Sigrid Löffler die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke verleihen will.

27. Mai 2006: Die Jury-Entscheidung stößt auf geteilte Reaktionen.
Handkes literarisches Schaffen wird einmütig gewürdigt, seine politische Haltung während des Balkankrieges und sein Einsatz für das serbische Regime sind jedoch umstritten. Der Grünen- Bundestagsfraktionschef Fritz Kuhn bezeichnet die Preisvergabe als Verhöhnung der Opfer des Milosevic-Regimes und eine Verhöhnung Heinrich Heines. Juror Christoph Stölzl (CDU) distanziert sich von dem Votum für Handke.

28. Mai 2006: Auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) distanziert sich von der Vergabe des Preises an Handke. Drei Tage später sagt er im Landtag, dass «für den Heine-Preis nicht preiswürdig ist, wer den Holocaust relativiert».

30. Mai 2006: Handke schreibt in einem Artikel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Ich habe nie eins der Massaker in den Jugoslawienkriegen 1991-95 geleugnet, oder abgeschwächt, oder verharmlost, oder gar gebilligt. Nirgendwo bei mir kann man lesen, ich hätte Slobodan Milosevic als "ein" oder "das Opfer" bezeichnet.»
- Die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen im Düsseldorfer Stadtrat teilen mit, dass sie die Vergabe des Preises an Handke verhindern wollen. Auch in der CDU-Fraktion ist eine Mehrheit für Handke fraglich.
- Handkes Schriftstellerkollegen, die Österreicher Robert Menasse und Marlene Streeruwitz, verwahren sich dagegen, dass Stadtpolitiker die von der unabhängigen Jury getroffene Entscheidung aufheben. Einige Tage später stellen sich auch Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Theaterintendant Claus Peymann und Regisseur Wim Wenders auf Handkes Seite.
- Mehrere Publizisten plädieren gegen den Heine-Preis für Handke, darunter Tilman Spengler, Ralph Giordano, Literaturkritiker Hellmuth Karasek und der deutsche PEN-Präsident Johano Strasser.

31. Mai 2006: Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz nennt die Diskussion um ihren Autor Handke einen «beispiellosen Akt». Wenn es keinen öffentlichen Aufschrei gebe, «dass einer der größten Dichter derart geächtet wird, ist das ein Zeichen für den drohenden Bankrott unserer Kultur.» - Handke wehrt sich erneut gegen die Kritik, diesmal in einem Artikel in der «Süddeutschen Zeitung». Darin zeigt er sich unter anderem über den Vorwurf der Holocaust-Relativierung verwundert. Seinen kritisierten Satz, «die Serben sind noch größere Opfer als die Juden», habe er 1999 sofort korrigiert.

1. Juni 2006: Nordrhein-Westfalens Kulturstaatssekretär Hans- Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) kündigt an, dass es in diesem Jahr voraussichtlich keinen Heine-Preisträger geben wird.

2. Juni 2006: Die Jury-Mitglieder Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefèbvre erklären ihren Austritt aus der Heine-Preis-Jury: «Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören. Einer Stadt, die unabhängige Fach-Juroren beruft und sie dann politisch desavouiert, können wir nicht mehr zur Verfügung stehen.»

6. Juni 2006: Ein Düsseldorfer Stadt-Sprecher kündigt an, es werde in der Frage Handke keine eindeutigen Rats-Mehrheiten und keinen Fraktionszwang geben. Damit ist der Ausgang der für den 22. Juni geplanten Abstimmung offen.

8. Juni 2006: Handke teilt dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Erwin mit, auf den Preis zu verzichten. Der OB verkündet daraufhin, dass der Heine-Preis 2006 nicht vergeben wird.

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08.06. Handkes Brief: «Nicht wieder und wieder Pöbeleien» ausgesetzt sein

Düsseldorf (dpa) - Der österreichische Schriftsteller Peter Handke verzichtet auf den Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Der bei Paris lebende Autor teilte dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) seine Entscheidung in einem Brief mit. Die dpa dokumentiert das Schreiben im Wortlaut:

«Lieber Joachim Erwin, lieber Oberbürgermeister -

ihre freundliche Stimme noch im Ohr, möchte ich ihnen sagen, welch gute Überraschung dieser Heinrich-Heine-Preis war, erst einmal für mich, der sich überhaupt keinen Preis mehr erwartet hatte, und wie er solch eine Überraschung weiterhin ist, gut vielleicht weniger für mich persönlich als für ein endliches allgemeines Auftauen, so scheint es inzwischen zumindest, der gefrorenen Blicke und Sprache in Hinsicht auf das jugoslawische Problem, einschließlich des Prozesses gegen Slobodan Milosevic, wie das ja wohl auch Sie sich gewünscht haben.

Doch ich schreibe Ihnen heute zusätzlich, um Ihnen (und der Welt) die Sitzung des Düsseldorfer Stadtrats (heißt das so?) zu ersparen, womit der Preis an mich für nichtig erklärt werden soll, zu ersparen auch meiner Person, nein, eher dem durch die Öffentlichkeit (?) geisternden Phantom meiner Person, und insbesondere zu ersparen meinem Werk, oder meinetwegen Zeug, welches ich nicht wieder und wieder Pöbeleien solcher wie solcher Parteipolitiker ausgesetzt sehen möchte.

Ich bitte Sie - so das in Ihrer Macht steht -, die Sitzung oder Veranstaltung auf den Nimmerleinstag zu verschieben und stattdessen die Stadträte an die frische Luft zu entlassen, z.B. zu einem Picknick an den Rhein.

Schade ist vielleicht nur, dass ich im Dezember einiges hätte darlegen können zum Unterschied zwischen journalistischer und literarischer Sprache und dass ich nun in Düsseldorf-Rath sowie in der Gartenstraße beim Hofgarten meine Streunereien vor 35, 40 Jahren nicht wiederholen kann. Aber dafür werde ich bald wieder einmal vor dem Grab Heinrich Heines auf dem Friedhof von Montmartre stehen - der Friedhof ist nicht weit von meinem Kaff hier. Und seien Sie nochmals bedankt, lieber Joachim Erwin, für Ihre Aufgeschlossenheit - die Sie sich für Ihr Tun und Lassen bewahren mögen.

Herzlich, Ihr Peter Handke»

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06.06. Wie bei Handke: Bremer Senat verhinderte Auszeichnung von Grass

Für die Weigerung des Düsseldorfer Stadtrats, Peter Handke den Heinrich-Heine-Literaturpreis der Stadt zuzuerkennen, gibt es eine frühe Parallele im Nachkriegsdeutschland. Im Dezember 1959 lehnte es der Bremer Senat ab, Günter Grass für sein Werk «Die Blechtrommel» mit dem Literaturpreis der Freien Hansestadt auszuzeichnen. Eine Jury hatte zuvor die Preisvergabe an Grass empfohlen. In der offiziellen Begründung des Senats hieß es, eine Auszeichnung würde eine Diskussion hervorrufen, die «nicht den unbestrittenen literarischen Rang des Buches» im Auge habe. Sie würde eher «weite Bereiche des Inhalts nach außerkünstlerischen Gesichtspunkten kritisieren».

«Man war sich im Senat nicht sicher, ob man mit der "Blechtrommel" nicht ein pornografisches Werk auszeichnen würde», erklärte am Dienstag die Geschäftsführerin der 2001 in Bremen gegründeten Günter- Grass-Stiftung, Donate Fink. Aus der später nachhaltig kritisierten Entscheidung der Landesregierung zog man nach den Worten Finks bereits zwei Jahre später die Konsequenz: Die Vergabe des Literaturpreises wurde der eigens zu diesem Zweck gegründeten Rudolf- Alexander-Schröder-Stiftung übertragen. «Damit wurde eine bedeutende kulturelle Entscheidung unabhängig von politischen Konstellationen gemacht», sagte Fink.

Benannt ist die Stiftung nach dem Bremer Dichter Rudolf Alexander Schröder (1878-1962), zu dessen Geburtstag am 26. Januar der Bremer Literaturpreis jeweils vergeben wird. Lediglich das Preisgeld wird weiter von der Regierung zur Verfügung gestellt.

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03.06. Nach Streit um Handke: Schaden für Heinrich-Heine-Preis befürchtet

Düsseldorf (dpa) - Nach dem Rücktritt der Kritikerin Sigrid Löffler und des Professors Jean-Pierre Lefèbvre aus der Jury des Heinrich-Heine-Preises droht nun die renommierte Auszeichnung selbst beschädigt zu werden. Mit Blick auf den Eklat um die geplante Preisvergabe an den Autor Peter Handke (63) sprachen sie von einer «Hetzjagd gegen den Gekürten» und teils schlecht vorbereiteten Preisrichtern. Die negativen Folgen für die Stadt Düsseldorf und den Heine-Preis seien allerdings durch den Streit um die Vergabe an den Österreicher ohnehin schon «so groß, dass dieser Rücktritt auch nichts mehr ausmacht», sagte Marit von Ahlefeld, Vertreterin der Düsseldorfer Bündnisgrünen in der Jury, am Freitag der dpa.

Nach Ansicht von Jury-Mitglied Julius H. Schoeps werden Literaturpreise es nach dieser Auseinandersetzung «künftig generell sehr schwer haben». Löfflers und Lefèbvres Schritt sei «konsequent», sagte der Potsdamer Historiker der dpa am Freitag. Er selber habe nicht für Handke als Preisträger gestimmt. Es könne aber in «keinem Fall akzeptiert werden, dass die Entscheidung einer Jury, die berufen worden ist, von politischen Instanzen gekippt wird». Handke war die Auszeichnung der Stadt Düsseldorf am 20. Mai von der Jury zugesprochen worden.

Die Österreicherin Löffler und der Franzose Lefèbvre hatten in einem Schreiben, das die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag veröffentlichte, ihren Austritt mit dem «vorgefallenen Vertrauensbruch» begründet. «Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören.» Ohne Namen zu nennen, kritisierten sie Jury-Mitglieder, die sich öffentlich von der Entscheidung für Handke distanziert hatten. Die Düsseldorfer Ratsfraktionen hatten nach dem Eklat um die Zuerkennung des Preises an Handke angekündigt, ihre notwendige Zustimmung mehrheitlich zu verweigern. Nach Ansicht von Nordrhein-Westfalens Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) wird es in diesem Jahr nun keinen Preisträger geben.

Zwar würde «niemand Handkes bizarre Aktionen in Sachen Milosevic nachvollziehen oder gar billigen wollen», schrieben Löffler und der Literaturprofessor Lefèbvre. Die «blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot gemacht und in seinem Werk beschädigt werden soll», dürfe aber nicht unwidersprochen bleiben. «Die Hetzjagd gegen den Gekürten beweist ungewollt, wie sehr Peter Handke den Heine-Preis verdient hätte». Auch Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek forderte in der «Frankfurter Rundschau»: «Lesen und dann reden, aber nicht hetzen.»

Einem Teil der Preisrichter werfen Löffler und Lefèbvre in ihrer Austrittserklärung mangelnde Vorbereitung und unzureichende Kenntnis vor. Ein Vorwurf, den auch der Filmemacher Wim Wenders erhebt. «Wer sich nur aufs Hörensagen verlässt, auf anonyme Quellen oder Gerüchte, der mag Peter Handke schnell verteufeln», schrieb Wenders in der «Süddeutschen». Leser seiner Werke aber könnten nicht anders, «als dem Autor den Rücken zu stärken und sich zu solidarisieren».

In einer Solidaritäts-Aktion für Handke, dem pro-serbische Positionen vorgeworfen werden, plant das Theater Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) am 22. Juni, dem Tag der Entscheidung des Düsseldorfer Stadtparlaments, eine Handke-Lesung. Die Veranstaltung solle der «Diffamierung» des Autors durch die Politik entgegenwirken.

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02.06. Debatte um Heinepreis: Juroren sehen «Hetzkampagne» gegen Handke

Düsseldorf (dpa) - Der Austritt der Kritikerin Sigrid Löffler und des Literaturprofessors Jean-Pierre Lefèbvre aus der Jury des Heinrich-Heine-Preises ist nach Ansicht ihres Mitjurors Julius H. Schoeps eine «konsequente Entscheidung». Es könne in «keinem Fall akzeptiert werden, dass die Entscheidung einer Jury, die berufen worden ist, von politischen Instanzen gekippt wird», sagte der Potsdamer Historiker am Freitag der dpa. Schoeps, der nicht für Peter Handke als Preisträger gestimmt hatte, ließ offen, ob er der Jury weiter angehören will.

Löffler und Lefèbvre hatten in einem Schreiben, das die «Süddeutsche Zeitung» am Freitag veröffentlichte, ihren Austritt mit dem «vorgefallenen Vertrauensbruch» begründet. «Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören.» Ohne Namen zu nennen, kritisierten sie Jury-Mitglieder, die sich öffentlich von der Entscheidung für Handke distanziert hatten. Die Düsseldorfer Ratsfraktionen hatten nach dem Eklat um die Zuerkennung des Preises an Handke angekündigt, ihre notwendige Zustimmung mehrheitlich zu verweigern. Nach Ansicht von Nordrhein- Westfalens Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) werde es in diesem Jahr keinen Träger des Heinrich-Heine-Preises geben.

Löffler und Lefèbvre kritisierten eine «Hetzkampagne» gegen Handke. Die «blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot gemacht und in seinem Werk beschädigt werden soll», dürfe nicht unwidersprochen bleiben. Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek forderte in der «Frankfurter Rundschau» (Freitag): «Lesen und dann reden, aber nicht hetzen.»

Einem Teil der Preisrichter werfen Löffler und Lefèbvre in ihrer Austrittserklärung auch mangelnde Vorbereitung und unzureichende Kenntnis vor. Ein Vorwurf, den auch der Filmemacher Wim Wenders erhebt. «Wer sich nur aufs Hörensagen verlässt, auf anonyme Quellen oder Gerüchte, der mag Peter Handke schnell verteufeln», schreibt Wenders in der SZ (Freitag). Leser seiner Werke aber könnten nicht anders, «als dem Autor den Rücken zu stärken und sich zu solidarisieren»

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02.06. «Süddeutsche»: Im Streit um Handke treten Juroren zurück

Hamburg (dpa) - Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler und der Pariser Literaturprofessor Jean-Pierre Lefèbvre haben einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag-Ausgabe) zufolge ihren Austritt aus der Jury des Heinrich-Heine-Preises erklärt. Sie wollten damit gegen die Beschlüsse der Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat protestieren, der Jury-Entscheidung für den Schriftsteller Peter Handke die Zustimmung zu verweigern. In dem in der Zeitung abgedruckten Schreiben Löfflers und Lefèbvres betonen beide, dass Jury-Arbeit ohne Vertraulichkeit nicht möglich sei.

«In krasser Verletzung dieses Prinzips haben sich die meisten Juroren, kaum dass in der Öffentlichkeit erste Kritik an ihrem Votum laut wurde, sofort von einer Entscheidung distanziert, die sie selbst eben erst durch ihre Stimmen demokratisch mit herbeigeführt hatten», schreiben Löffler und Lefèbvre. «Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören. Einer Stadt, die unabhängige Fach-Juroren beruft und sie dann politisch desavouiert, können wir nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir treten hiermit aus der Jury des Heine-Preises aus», heißt es in der in der «Süddeutschen» abgedruckten Erklärung.

Bei der Arbeit der Jury habe sich rasch herausgestellt, «dass die meisten Juroren unvorbereitet waren und sich offenkundig nicht einmal mit den Dossiers vertraut gemacht hatten, die ihnen seit Tagen vorlagen, geschweige denn, dass sie Bücher» der vorgeschlagenen Autoren gelesen hätten. Alle bisherigen Preisträger seien ausdrücklich für ihr literarisches Werk «im Sinne Heinrich Heines» geehrt worden. «Aus dem Verhalten der Preis-Auslober im Fall Handke wird man folgern dürfen: Für die Kür von genehmen Kandidaten ist der Wortlaut der Statuten des Heine-Preises völlig ohne Belang; diese werden nur dann hervorgeholt, wenn es gilt, einen missliebigen Preisträger im Nachhinein zu sabotieren», schreiben Löffler und Lefèbvre.

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01.06. PEN-Zentrum Deutschland bestürzt über Handke-Debatte

Darmstadt (dpa) - Das PEN-Zentrum Deutschland hat die Debatte um die Vergabe des Heine-Preises an den Schriftsteller Peter Handke als «unwürdiges Schauspiel» bezeichnet. Ungeachtet der Tatsache, dass die Parteinahme des Autors Handke für einen Kriegshetzer den in der Charta des PEN niedergelegten Prinzipien widerspreche, registriere der Schriftstellerverband das Niveau und den Verlauf der öffentlichen Diskussion mit Bestürzung. «Politiker gebärden sich als Literaturkritiker, ohne die strittigen Texte überhaupt zu kennen. Auf einem Minimum an Sachkenntnis sollte jedermann bestehen», forderte am Donnerstag in Darmstadt der Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, Wilfried F. Schoeller.

Der Autorenverband warf dem Stadtrat von Düsseldorf vor, sich in die Entscheidung einer unabhängigen Jury einzumischen, die von der Stadt selbst berufen worden ist. «Wer eine Jury bestellt, sollte ihre Entscheidungen auch dann hinnehmen, wenn sie ihm nicht passen», hieß es. Zudem schüre eine auf Skandale versessene Boulevardpresse die Erregung über einen Schriftsteller, nur weil er auf dem demokratischen Recht einer abweichenden Meinung bestehe. Nach Ansicht Schoellers ist eine genaue Diskussion aber gerade über die gesammelten Serbien-Texte Handkes sowie über deren Befremdlichkeiten erforderlich.

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01.06. Handke wehrt sich: Loyalität zu Milosevic war nicht das Motiv

Hamburg/München (dpa) - Im Streit um die geplante Vergabe des Heinrich-Heine-Preises an Peter Handke hat sich der österreichische Schriftsteller erneut persönlich zur Wehr gesetzt. Handke, dem in der Debatte um die Kriegsschuld auf dem Balkan eine pro-serbische Parteinahme vorgehalten wird, räumte in einem Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung» (Donnerstag) ein, dass alle Beteiligten der Jugoslawien-Kriege Verbrechen begangen hätten. Das serbische Massaker an Muslimen im Juli 1995 in Srebrenica bezeichnete er als «das schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das in Europa nach dem Krieg begangen wurde». Srebrenica sei eine «abscheuliche Rache der serbischen Streitkräfte» gewesen.

Zu seiner scharf kritisierten Teilnahme an der Beisetzung des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic im März sagte Handke, er habe gegen eine Vorverurteilung und die Sprache der Medien angehen wollen. Loyalität zu Milosevic sei nicht das Motiv gewesen. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hatte bereits am Dienstag eine Entgegnung Handkes veröffentlicht.

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler, die in der zwölfköpfigen Jury zu den Befürwortern der Heine-Preisverleihung an Handke zählte, kritisierte in der «Süddeutschen Zeitung» derweil die öffentlichen Äußerungen einiger Jury-Mitglieder. «Jury-Sitzungen müssen vertraulich bleiben. Es ist eine unglaubliche Verwahrlosung von guten Jury-Sitten, wenn Juroren diese Verschwiegenheit brechen», sagte sie.

Die «SZ» druckt in ihrer Donnerstag-Ausgabe eine ausführliche Stellungnahme Peter Handkes ab. Der Text sei eine bearbeitete, veränderte und ergänzte Fassung zweier Artikel, die in der französischen Tageszeitung «Libération» schienen sind und aus dem Französischen übersetzt wurden, hieß es.

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01.06. Peter Handke hat von jeher polarisiert - Wurzeln in Slowenien

Hamburg (dpa) - Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Peter Handke hat von jeher polarisiert. Seine Werke wurden gleichsam gelobt und verrissen. Er hat nicht nur literarische, sondern auch biografische Wurzeln im früheren Jugoslawien. Am 6. Dezember 1942 wurde er in dem Kärntner Dorf Griffen geboren, das damals noch österreichisch-slowenisch war. Der Büchner-Preisträger wurde vor allem wegen seiner pro-serbischen Haltung in der Debatte um die Kriegsschuld auf dem Balkan Zielscheibe massiver Kritik. dpa skizziert den Verlauf dieses Streits:

Juli 1991: Nach dem Abzug der jugoslawischen Bundesarmee aus Slowenien schreibt Handke in der «Süddeutschen Zeitung» unter dem Titel «Abschied des Träumers vom Neunten Land» über seine Erinnerungen und Reflexionen und erteilt der Loslösung der Republik Slowenien aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien eine Absage.

Januar 1996: In einer Feuilleton-Sonderbeilage der «Süddeutschen Zeitung» veröffentlicht Handke seine Streitschrift «Gerechtigkeit für Serbien». Seine Erfahrungen einer Reportage-Reise durch Serbien im November 1995, kurz vor dem Friedensschluss auf dem Balkan, nimmt der Autor zum Anlass, die seiner Meinung nach einseitige und Hass schürende Berichterstattung westlicher Medien über den Konflikt im früheren Jugoslawien anzuprangern. Journalisten und Publizisten hätten sich von ihrem «Auslandshochsitz» genauso zu «argen Kriegshunden gemacht wie jene im Kampfgebiet».

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnet Handkes Werk als «literarisch ohne Bedeutung und politisch töricht».

April/Mai 1996: Auch auf seiner Lesereise durch Europa gehen die Kritiker auf Handke los. Nach einem erregten Wortwechsel im Wiener Burgtheater empfiehlt er einem Journalisten: «Sie können sich ihre Leichen in den Arsch schieben!» Nach einer Lesung im Drama-Theater in Belgrad sagt Handke: «Ich bin ein Liebhaber Jugoslawiens, und wenn ein Volk an Jugoslawien gehangen hat, dann waren es die Serben.»

März 1999: In einem Brief an die Weltöffentlichkeit, der in der Belgrader Zeitung «Politika» veröffentlicht wird, setzt sich Handke gegen die NATO-Luftangriffe auf Serbien ein. Ebenfalls im März revidiert er seine im Februar im serbischen Staatsfernsehen gemachte Aussage, das Leid der Serben könne über das der europäischen Juden während des Nationalsozialismus gestellt werden. Er habe sich bei dem Interview auf Französisch «verhaspelt».

April 1999: Handke reist inmitten der NATO-Luftangriffe auf Jugoslawien demonstrativ nach Serbien. Zugleich kündigt er an, das Preisgeld für den 1973 erhaltenen Büchner-Preis an die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zurückzugeben.

Mai 1999: Handke greift mit seinem Buch «Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg» (Suhrkamp) erneut das Thema Balkankrieg auf und erntet wiederum heftige Verrisse für seine literarische Diagnose «Kriegsursache: Schlechte Nachbarschaft».

Juni 1999: Claus Peymann inszeniert das viel kritisierte Stück am Wiener Burgtheater. Der Regisseur sagt später über den Autor: «Das Spätwerk Handkes gleicht einem moralisierenden Entwurf, obwohl er das nicht hören mag.»

November 2002: In Paris wird das Filmporträt «Peter Handke. Der schwermütige Spieler» von Peter Hamm zum bevorstehenden 60.
Geburtstag des Autors uraufgeführt. Hamm sagt über die schwierige Zusammenarbeit mit Handke: «Habe ich ihn Biografisches gefragt, hat er die Antwort verweigert. Habe ich literarisch gefragt, kam Biografisches.»

März 2006: Handke hält beim Begräbnis des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic eine Rede. Er wird mit den Worten zitiert: «Die angebliche Welt weiß alles über Milosevic. Die angebliche Welt kennt die Wahrheit. Deswegen ist die angebliche Welt heute hier abwesend.»

Mai 2006: Weil Handke beim Milosevic-Begräbnis sprach, nimmt die Comédie Francaise das Stück «Spiel vom Fragen oder Die Reise ins sonore Land» vom Spielplan für 2007. Handke reagiert «angewidert». Der französischen Zeitung «Le Monde» sagt er: «Ich kenne die Wahrheit nicht, aber ich beobachte. Ich höre. Ich fühle. Ich erinnere mich. Ich hinterfrage. Warum schlägt man nicht meine Bücher auf, statt mich anzuklagen?»

Mai 2006: Zur Debatte um die geplante Vergabe des Heine-Preises entgegnet der Schriftsteller seinen Kritikern am 30. Mai in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Ich habe nie eins der Massaker in den Jugoslawienkriegen 1991-95 geleugnet, oder abgeschwächt, oder verharmlost, oder gar gebilligt. Nirgendwo bei mir kann man lesen, ich hätte Slobodan Milosevic als "ein" oder "das Opfer" bezeichnet.» Er wünsche, dass alle seine «Aufzeichnungen, Erzählungen, Berichte, Stücke der letzten fünfzehn Jahre zu Jugoslawien Wort für Wort gelesen würden».

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31.05. Stimmen zur Preisverleihung

Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Schriftsteller, Imre Török, nahm Handke am Dienstag in Schutz. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, die Empfehlung der Jury müsse respektiert werden: «So problematisch diese Entscheidung jetzt vor uns steht, sie ist gefallen, und ich würde sie jetzt nicht mehr rückgängig machen.»

Auch Handkes Schriftstellerkollegen und Landsleute Robert Menasse und Marlene Streeruwitz kritisierten die Ankündigung des Stadtrats. Menasse sagte der Nachrichtenagentur APA in Wien, der Streit sei ein «unglaublicher Skandal». Nach Meinung Streeruwitz' wäre eine Aberkennung der Auszeichnung «das Ende der Aufklärung» und «das Ende der Kunst, wie wir sie kennen».

Während Jury-Mitglieder wie die Literaturkritikerin Sigrid Löffler und der Rektor der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, Alfons Labisch, mit dem Hinweis auf die Unabhängigkeit der Jury und die Vertraulichkeit des Votums eine Stellungnahme kategorisch ablehnten, hatte sich Jury-Mitglied Christoph Stölzl (CDU) von der Entscheidung distanziert.

Auch der Dekan der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine- Universität in Düsseldorf, Bernd Witte, und der ehemalige Hochschulrektor Gert Kaiser kritisierten die Entscheidung in einem Brief an die früheren Heine-Preisträger Wolf Biermann, Elfriede Jelinek, Richard von Weizsäcker und Wladyslaw Bartoszewski. Die politischen Äußerungen des Schriftstellers ließen sich mit den Positionen Heines nicht vereinbaren.

Suhrkamp-Verlag kritisiert Handke-Diskussion - «Beispielloser Akt»

Die Verlegerin des politisch umstrittenen österreichischen Schriftstellers Peter Handke, Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz, hat die Diskussion um die Vergabe des Heinrich- Heine-Preises an Handke kritisiert. Der Beschluss des Düsseldorfer Stadtrats, Handke den mit 50 000 Euro dotierten Preis entgegen dem Jury-Votum nicht zu geben, sei «ein beispielloser Akt», sagte Unseld- Berkéwicz am Mittwoch. «Eine politische Institution beugt sich dem Druck einer Kampagne, die Peter Handke diffamiert. Wenn es nicht zu einem öffentlichen Aufschrei führt, dass einer der größten Dichter derart geächtet wird, ist das ein Zeichen für den drohenden Bankrott unserer Kultur.»

Auch der deutsche PEN-Präsident Johano Strasser, obwohl gegen eine Preisvergabe an Handke, lehnte das Vorhaben des Stadtrats als politische Einmischung ab.

Gesellschaft für bedrohte Völker begrüßt Entscheidung gegen Handke

Die Gesellschaft für bedrohte Völker begrüßt die Entscheidung des Düsseldorfer Stadtrats, die Vergabe des Heinrich-Heine-Preises an den umstrittenen Autor Peter Handke zu verhindern. Die Entscheidung habe man «mit Erleichterung» aufgenommen, teilte die Gesellschaft am Mittwoch in Göttingen mit. «Es ist unfassbar, dass die intellektuelle Unterstützung von Völkermord belohnt werden sollte», sagte Generalsekretär Tilman Zülch am Mittwoch. «Der Skandal ist umso größer, weil dafür der Name eines der bedeutendsten deutschen Dichter, des Juden Heinrich Heine, missbraucht werden sollte.»

Gerade in Deutschland hätte man «eine feinere Antenne dafür haben müssen, dass Handkes "Poesie" Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern werden lässt», warf Zülch der Jury vor, die Handke für den mit 50 000 Euro dotierten Preis vorgeschlagen hatte. Handke habe sich «zum literarischen Sekundanten von extremem Chauvinismus, so genannter ethnischer Säuberung und Völkermord» gemacht, unter anderem weil er dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag das Recht abgesprochen habe, über den serbischen Diktator Slobodan Milosevic und andere zu urteilen.

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31.05. Zwischen Literatur und Politik: Der Streit um Handke

Düsseldorf (dpa) - Er wolle «grundsätzlich» keine Preise mehr: Seinen Überdruss an literarischem Lorbeer hatte der österreichische Schriftsteller Peter Handke (63) im März 2005 verkünden lassen. Treu geblieben ist Handke, der auch schon mal den renommierten Büchner- Preis zurückgegeben hat, seinem Abstinenz-Vorsatz nicht. In der vergangenen Woche akzeptierte er das Votum der Jury, die ihn in Düsseldorf zum Heinrich-Heine-Preisträger 2006 kürte.

Eine Auszeichnung, die der Schriftsteller nun wohl nicht erhalten wird, denn die Entscheidung hat für eine kontroverse Debatte um das Für und Wider der Preiswürdigkeit des wegen seiner pro-serbischen Äußerungen umstrittenen Handke gesorgt. Mit dem Ergebnis, dass der Düsseldorfer Stadtrat mehrheitlich seine notwendige Zustimmung zur Vergabe des mit 50 000 Euro dotierten Preises verweigern und so das unabhängige Jury-Urteil am 22. Juni kippen will.

Vorgeschlagen von Sigrid Löffler, einst Literaturkritikerin beim «Literarischen Quartett», heute Herausgeberin des Magazins «Literaturen», überstand Handke mehrere Wahldurchgänge gegen gut ein Dutzend Konkurrenten, unter ihnen Marcel Reich-Ranicki, Dieter Forte, Irene Dische, Wolfgang Büscher und Amos Oz.

Sieben von 11 Jury-Mitgliedern sollen am Schluss knapp für Handke gewesen sein, der im ersten Durchgang die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Stimmen nicht erreichte. Pikant und ein Fall für den Landtag: Der nordrhein-westfälische Kulturstaatsminister Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) war als 12. Juror der entscheidenden Sitzung fern geblieben.

«Demokratisch völlig legitim» sei es, dass der Stadtrat über die Preisvergabe entscheidet, sagt Jurymitglied Christoph Stölzl (CDU), ehemaliger Kultursenator in Berlin und heutiger Vizepräsident im Abgeordnetenhaus der Hauptstadt, der dpa. Zwar bedauere er die Absicht der Fraktionen, die Ehrung Handkes scheitern zu lassen. Das «Problem» liege aber in der starken Orientierung der politischen Vertreter am «Wortlaut» der «hochmoralischen, politisches Handeln prämierenden» Preisbestimmungen. Auszeichnungswürdig sind demnach Persönlichkeiten, die sich den Grundrechten des Menschen, dem sozialen und politischen Fortschritt, der Völkerverständigung und der Zusammengehörigkeit aller Menschen verpflichtet fühlen.

Die Jury aber vergebe den Preis in der Praxis mehr und mehr als Literaturauszeichnung, sagt Stölzl. Eine Diskrepanz, die die Frage aufwerfe, ob es «klug ist, mit Literatur und Politik "zwei in eins" zu vermischen». Er hätte sich gewünscht, so Stölzl, dass der Preis für den «kontroversen Fall Handke» dem Autor hätte Anlass geben können, seine Position zu klären.

«Mitgehangen, mitgefangen» kommentiert Preisrichter Julius Schoeps das Votum. Er habe für Oz gestimmt, berichtet der Historiker am Potsdamer Mendelssohn-Zentrum. Ein unabhängiger Jury-Entscheid müsse aber anerkannt werden. «Was jetzt in Düsseldorf passiert, ist nicht akzeptabel.» Schoeps, der gesteht, zunehmend den Eindruck zu gewinnen, in der Stadt würden «Rechnungen ausgetragen», hält die entbrannte Debatte um Handke für klassisch - zwischen den beiden Polen «Dichter und homo politicus».

Dass die Kür des Autors Diskussionen auslösen könne, habe die Jury erwartet, meint Marit von Ahlefeld, die als Vertreterin der Düsseldorfer Ratsfraktion der Bündnisgrünen in der Jury saß. Mit einem «Sturm» aber habe sie nicht gerechnet. Eine Falscheinschätzung, sagt Ahlefeld jetzt.

Schließlich hat Handke den wegen Kriegsverbrechen in Den Haag angeklagten serbischen Diktator Slobodan Milosevic nicht nur besucht, sondern auch bestimmte Äußerungen gemacht. So sind vom Autor Holocaust-Relativierungen überliefert wie «Damals waren es Gashähne und Genickschusskammern; heute sind es Computer-Killer aus 5000 Meter Höhe». Im März hatte Handke beim Milosevic-Begräbnis auch eine Rede gehalten.

Eine «Sympathiebekundung, die nicht geht», erläutert Ahlefeld ihre Handke-kritische Haltung. Mit der gleichen Begründung hatte erst im Mai die Comédie Francaise in Paris das Handke-Stück «Spiel vom Fragen» vom Spielplan genommen. Folge: Eine Debatte um Zensur.

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