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News-Sonderthema: 

Die Germanistin Inge Jens wird 80 (11.Februar)

Porträt über die Herausgeberin der Thomas-Mann-Tagebücher
 

 
Unsere Beiträge:

Ein Leben für den «wahren Thomas Mann»: Inge Jens wird 80
Ein Porträt über Inge Jens
Inge Jens wirbt für Archive
 

 

11.02. Ein Leben für den «wahren Thomas Mann»: Inge Jens
wird 80

Berlin/Tübingen (dpa) - Sie war keineswegs nur eine Spiegelfigur ihres Mannes, wie das Tübinger Ehepaar Inge und Walter Jens in seinem Bestseller-Porträt über «Frau Thomas Mann» fesselnd beschrieben und belegt hat. Nicht weniger treffend lässt sich auch die Rolle und Lebensleistung von Inge Jens, die am Sonntag (11. Februar) ihren 80. Geburtstag feiert, an der Seite ihres publizistisch wohl eleganter formulierenden, lauter trommelnden und auch redegewandteren Mannes beschreiben. «Spannend geschrieben durch meinen Mann - sauber erarbeitet durch mich», brachte Inge Jens die Arbeitsteilung einmal im Zusammenhang mit der gemeinsam geschriebenen Geschichte der Tübinger Universität auf den Punkt. Es sollte nicht nur für diesen Anlass gelten.

Die Germanistin Inge Jens, die eigentlich Ärztin werden wollte, hat in den bisher über 50 Jahren an der Seite ihres Mannes nicht nur als Chronistin und Literaturhistorikerin mit zahlreichen Publikationen auf sich aufmerksam gemacht, wie mit «Dichter zwischen rechts und links» (1971), was von manchen Kritikern als Schlüsselwerk über das literarische Leben in der Weimarer Republik angesehen wird. Und sie hat die Bedeutung des Wortes «Zivilcourage» an der Seite ihres Mannes auch im Alltag mit Leben erfüllt, ob bei den gemeinsamen Sitzblockaden vor dem amerikanischen Raketenstützpunkt in Mutlangen oder bei der Beherbergung von US-Deserteuren in ihrer Tübinger Wohnung. Vor allem aber hat sich Inge Jens große Verdienste um die Herausgabe und ungemein umfassende Kommentierung der Tagebücher Thomas Manns aus den Jahren von 1933 bis zu seinem Tod 1955 erworben.

Der S.Fischer Verlag hatte ihr 1982 diese Mammutaufgabe nach dem Tod des ersten Herausgebers Peter de Mendelssohn übertragen. 1995 war die auf zehn Bände angelegte, rund 5000 Seiten umfassende Tagebuch- Edition abgeschlossen, die sich nicht nur als einzigartige Fundgrube und erstrangiges Nachschlagewerk für alle Thomas-Mann-Anhänger erwies, sondern sich als eine faszinierend-irritierende «Ergänzung aus eigener Hand» zu Leben und Werk eines der bedeutendsten deutschen Schriftsteller erwies, wenn auch oft mit einer verblüffenden Vielzahl von banalsten alltäglichen Beobachtungen mit manchmal grotesken Verknüpfungen («ca. 1/2 5 Uhr Erdbeben mit Schwanken des Bettes...Keine Ruhe. Was mir fehlt, ist das Keilkissen. Sollte beschafft werden», notierte der Literaturnobelpreisträger zum Beispiel im kalifornischen Exil).

Inge Jens entdeckte und publizierte im jeweiligen Anhang zu den Tagebüchern eine wahre Schatzkammer bisher nicht oder nur unzureichend bekannter Dokumente, die die Tagebuch-Eintragungen Manns für den Leser nach Jahrzehnten oft erst wieder in den Zusammenhang rückten. Auch veröffentlichte Jens in den Anmerkungen und den Texten des Anhangs eine Reihe von Originalbriefen und -Aufzeichnungen Thomas Manns, die bis dahin als verschollen galten oder von deren Existenz nichts bekannt war. So verschaffte Jens diesen Tagebüchern eine doppelte Bedeutung als authentisches Zeugnis «aus eigener Hand» und literaturwissenschaftliche Dokumentation allerersten Ranges, die auch für den «normalen» Literaturfreund eine fesselnde Lektüre ist.

Der 2001 gestorbene Literaturwissenschaftler Hans Mayer hatte schon nach Erscheinen des zweiten Bandes eine Prophezeiung gewagt:
«Es könnte sein, dass Thomas Manns Tagebücher, wenn sie einmal vollständig ediert sind, durchaus gleichberechtigt neben dem Gesamtwerk des Erzählers und Essayisten ihren Rang behaupten dürfen.» Er sollte Recht behalten, nicht zuletzt wegen der Leistung von Inge Jens, die damit Literaturgeschichte geschrieben hat.

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11.02. «Möchte schon noch was machen» - Ein Porträt über Inge Jens

Tübingen (dpa/lsw) - Bis zu ihrem 80. Geburtstag wollte Inge Jens vor allem ihren Schreibtisch freiräumen. «Ich muss Ordnung schaffen in meinem Arbeitszimmer, mehrere Müllsäcke füllen, ganz banales Zeug ist das.» Dann aber möchte die Literaturwissenschaftlerin und Herausgeberin sich wieder den Themen widmen, durch die sie bekannt wurde. «Ich möchte schon noch etwas machen, ich weiß aber noch nicht genau was», sagt Jens. Ihren 80. Geburtstag feiert sie am 11. Februar in Tübingen. Dort lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Rhetorikprofessor und Schriftsteller Walter Jens.

Vermutlich wird sich auch das nächste Buch von Inge Jens um die Schriftsteller-Familie Mann drehen. «Mein Lektor hat mir vorgeschlagen, mich mit der Konstellation der Geschwister Mann untereinander zu befassen, anhand von Briefen. Wir schauen gerade, was es da gibt», berichtet Jens. Es gebe aber mindestens eine zweite Möglichkeit: Ein Rechtsanwalt habe ihr geschrieben, dass er noch viele Briefe von Katia Mann habe. Jens hat sich noch nicht entschieden: «Ich kann es nicht sagen, ich muss mal sehen.»

Zuletzt hat Inge Jens gemeinsam mit ihrem Mann das Leben von Hedwig Pringsheim beschrieben, der Mutter von Katia Mann, die mit Thomas Mann verheiratet war. Bekannt wurde Inge Jens vor allem mit ihrer 1995 abgeschlossenen wissenschaftlichen Edition der Tagebücher Thomas Manns. Zum Andenken an die Münchner Widerstandsgruppe «Weiße Rose» publizierte sie 1984 Briefe und Aufzeichnungen der Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie des Mitverschwörers Willi Graf. Ihre 1979 erschienene Studie «Dichter zwischen rechts und links» zur Geschichte der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste am Ende der Weimarer Republik wurde ein Standardwerk.

Während der «Nachrüstung» beteiligte Inge Jens sich an Blockaden am Pershing-Raketenstandort Mutlangen (Ostalbkreis). Heute sei das Engagement weniger geworden, sagt Inge Jens. «Aber einfach, weil wir das nicht mehr schaffen. Man ist eben langsamer geworden.» Gelegentlich setzten sie und ihr Mann ihren Namen ein, «der zwar etwas abgeschwächt ist und gelegentlich etwas Ruß ansetzt. Aber eine Unterschrift ist vielleicht doch eine Willensbekundung, die die nicht ganz unbeachtet bleibt.»

Die Literaturwissenschaftlerin wurde mehrfach ausgezeichnet - unter anderem 1991 mit dem Ehrendoktor der Universität Gießen und
1995 mit der Thomas-Mann-Medaille. Zusammen mit ihrem Mann erhielt sie 1988 den Theodor-Heuss-Preis.

Inge Jens kam 1949 aus der Metropole Hamburg nach Tübingen, ursprünglich wollte sie ein Semester lang bleiben. Doch es kam anders: «Ich habe hier geheiratet und ich habe hier Kinder gekriegt. Ich habe mich hier wohl gefühlt, mich hat die Enge nie gestört», sagt Jens. Zusammen mit ihrem Mann Walter Jens hat sie eine Geschichte der Stadt und eine Universitätsgeschichte geschrieben. «Das hat mich sehr mit der Stadt verbunden. Seither bin ich hier zu Hause», sagt Jens. Ihre Herkunft hört man ihr aber immer noch an: Sie schwäbelt nicht, das «St» spricht sie hanseatisch deutlich, Einkaufen heißt bei ihr nach wie vor «Einholen».

Den Gang zum Supermarkt will sie sich in Zukunft aber ersparen. «Ich dachte, wenn ich 80 bin, kann ich mir eine zusätzliche Hilfe für den Haushalt holen», sagt Jens. «Ich bin ja Laie auf dem Gebiet und ich denke, wenn ich mir für den Haushalt eine Fachfrau ins Haus hole, habe ich wieder mehr Zeit für das, wofür ich Fachfrau bin.» Bewegung hat sie ohnehin genug: Morgens macht sie eine halbe Stunde Gymnastik und schwimmt eine halbe Stunde im Pool im Keller ihres Hauses. «Dann haben sie das Gefühl, schon was getan zu haben für den Tag.»

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11.02. Inge Jens wirbt für Archive - Trotz Digitalisierung von Dokumente

Tübingen (dpa/lsw) - Die Tübinger Literaturwissenschaftlerin Inge Jens hat angesichts der fortschreitenden Digitalisierung von historischen Dokumenten die Bedeutung von Archiven betont. «Jedenfalls in meinem Bereich der Geisteswissenschaften kommt man um Archive nicht herum», sagte Jens in einem dpa-Gespräch. «Es ist interessant, sich eine Handschrift anzusehen. Es ist interessant, den Duktus zu sehen. Verschreibt der sich viel, schreibt der flüchtig, stockt der? Sie können viel an der äußeren Form erkennen.»

Die gebürtige Hamburgerin wurde vor allem mit ihrer 1995 abgeschlossenen Edition der Tagebücher Thomas Manns bekannt. Besonderes Lob erhielt Jens für ihre besonders gründliche Auseinandersetzung mit dem historischen Hintergrund auf der Grundlage umfangreicher Recherchen. Am 11. Februar feiert Inge Jens ihren 80. Geburtstag. Sie ist mit dem Rhetorikprofessor und Schriftsteller Walter Jens verheiratet.

«Ich gehe gerne in Archive, es macht mir Spaß, ein bisschen Geschichte zu erkunden. Aber ich bin keine Nostalgikerin», sagte Jens. Einen technischen Fortschritt müsse man nutzen. «Ich genieße jetzt gelegentlich, dass viel digitalisiert ist und ich viel vom Schreibtisch aus machen kann. Aber man begibt sich dadurch auch vieler Möglichkeiten und schönen Entdeckungen, die das Ganze ungeheuer reizvoll machen.»

Bei den Arbeiten zu ihrem 2005 erschienenen Buch über Katia Manns Mutter, Hedwig Pringsheim, reiste Jens ins thüringische Meiningen, wo Pringsheim zwei Jahre lang lebte. «Die Archivare dort sind mit mir auf Dachböden gestiegen. Sie waren glücklich, dass sich jemand für ihre Schätze interessierte.»

Ohne die Reise nach Meiningen hätten ihr wichtige Eindrücke für das Buch gefehlt, sagt Jens. «Was ich ohne diese Reise nie gewusst hätte: Ein halbes Jahr bevor Hedwig Pringsheim nach Meiningen kam, ist die Stadt zu 99 Prozent abgebrannt.» Eine Archivarin im Stadtarchiv habe den Brand beiläufig erwähnt. «Dann habe ich geschaut, wo hat die junge Schauspielerin Hedwig Pringsheim gewohnt. Und dann sehen Sie, dass sie von ihrem Fenster eigentlich nur auf Trümmer geschaut haben kann», sagte Jens.

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