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Jahrhundertwerk geschrieben: James Joyce wurde vor 125 Jahren geboren (2.Februar)

Lebenswerk und Porträt des irischen Schriftstellers
 

 
Unsere Beiträge:

Jahrhundertwerk: Joyce wurde vor 125 Jahren geboren
Joyces Prosa erinnert Übersetzer Rathjen an Internet-Strukturen
James Joyces wichtigste Werke
Augenbeschwerden führten James Joyce auch nach Wiesbaden
 

 

03.02. Jahrhundertwerk geschrieben: James Joyce wurde vor 125 Jahren geboren

Hamburg (dpa) - Sein «Ulysses» gilt als Jahrhundertwerk, für seine Briefe und Manuskripte zahlen Sammler Millionen, und er war schon ein Kultautor, als es das Wort noch gar nicht gab. Der Ire James Joyce ist einer der wichtigsten Epiker des 20. Jahrhunderts, sein Einfluss auf den modernen Roman höchstens noch mit dem Marcel Prousts zu vergleichen. Und das obwohl Lästerer behaupten, dass die wenigsten Joyce-Titel in den Regalen von Bücherfreunden wirklich bis zum Ende gelesen sind. Am Freitag (2. Februar) vor 125 Jahren wurde Joyce in einem Vorort der irischen Hauptstadt Dublin geboren.

Sein Hauptvermächtnis an die Schriftsteller-Generationen nach ihm war die Darstellungstechnik des Bewusstseinsstroms («Stream of consciousness»). Zwar haben auch andere - etwa Virginia Woolf und Alfred Döblin - das innere Selbstgespräch ihrer Figuren um Gedankenfetzen und flüchtige Sinneseindrücke erweitert. Doch niemand tat das so akribisch und so vielschichtig wie Joyce. Pionier war er auch beim Mischen der Stil-Ebenen: Gerne stellte der umfassend gebildete Jesuitenzögling theologische Spekulationen neben obszöne Witze, Shakespeare-Zitate neben Werbesprüche.

Der Mann, der die moderne Literatur so sehr bereicherte, lebte die meiste Zeit seines Lebens in armen Verhältnissen. Zwei seiner zwölf Geschwister starben an Typhus, mit zehn musste er das Internat verlassen, weil sein Vater die Gebühren nicht mehr zahlen konnte. Eine Priesterausbildung schlug er aus; stattdessen studierte er Englisch, Französisch und Italienisch und ging mit 22 als Lehrer an die Berlitz-Sprachschule in Triest. Ständig in Geldnöten und von einer Augenkrankheit geplagt, zog Joyce später nach Zürich, dann nach Paris, von wo er vor den deutschen Truppen wieder nach Zürich floh. Dort starb er am 13. Januar 1941.

Ins dreieinhalb Jahrzehnte dauernde Exil ging jedoch nur der äußere Teil seiner Existenz, Joyces dichterische Imagination kam nie von zu Hause weg. Im «Ulysses» schildert er einen Tag in Dublin, wie er sich in den Gedanken und Eindrücken des Anzeigenverkäufers Leopold Bloom abbildet. Jedes noch so nebensächliche Detail ist dem realen Geschehen dieses 16. Juni 1904 entnommen - und gleichzeitig Mosaikstein eines Kunstwerks, in dem Joyce die Wege und Erlebnisse Blooms mit der Irrfahrt von Homers Odysseus durch die antike Mittelmeerwelt korrespondieren lässt. Darstellungsform, Sprachstil und Symbolik wechseln mit jedem Kapitel, Philologen zählen 30 000 verschiedene Vokabeln - das entspricht dem Wortschatz Goethes.

Dass Joyce seine Figuren bis auf ihre sexuellen Tagträume entblößte, schockierte manche Zeitgenossen. 1922 in Paris erschienen, blieb «Ulysses» in England und den USA lange verboten. Seiner Verbreitung schadete das nicht. Noch heute feiern Joyce-Fans in aller Welt jedes Jahr am 16. Juni den «Bloomsday», der in Dublin immer mehr zur touristischen Attraktion wird. 1998 wählten amerikanische Autoren und Literaturwissenschaftler den «Ulysses» zum besten englischsprachigen Werk des Jahrhunderts.

Ein Jahr zuvor hatte es eine juristische Kontroverse um den Roman gegeben, als ein Londoner Verlag eine angebliche Urfassung veröffentlichte. Eine «schändliche Fehlinterpretation», schimpfte Joyces Enkel Stephen James als einziger lebender Nachkomme und Nachlassverwalter.

Noch rätselhafter als der «Ulysses» ist «Finnegans Wake», an dem Joyce 15 Jahre - bis kurz vor seinem Tod - arbeitete. Hatte er im «Ulysses» den Tag beschrieben, so nahm er sich nun die Nacht vor. Zigtausende eng verwobene mehrsprachige Wortspiele sollten wiedergeben, was die Hauptfigur Humphrey Chimpden Earwicker in dieser Nacht träumt - ein schwer zugänglicher Text, an dem die Literaturwissenschaft noch manches zu erschließen hat. Der Züricher Joyce-Spezialist Fritz Senn sagt: «Wir stehen da noch nicht auf gesichertem Boden. Wobei ich nicht meine, dass sich das Ganze jemals auf eine Formel bringen lassen wird.»

Doch nicht immer stellt Joyce so hohe Ansprüche an seine Leser.
Die 1914 erschienene Novellen-Sammlung «Dubliners» und der zwei Jahre später veröffentlichte Roman «Porträt des Künstlers als junger Mann» sind vergleichsweise konventionell geschrieben - und gelten doch als Meisterwerke.

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03.02. Joyces Prosa erinnert Übersetzer Rathjen an Internet-Strukturen

Hamburg (dpa) - Die avantgardistische Prosa von James Joyce nimmt nach Ansicht des Übersetzers Friedhelm Rathjen Strukturen des Internets vorweg. «Daran erinnert die Art und Weise, auf Wissen zuzugreifen, Wissen quasi zu verlinken», sagte Rathjen in einem dpa- Gespräch. Er verwies auf Joyces vor 85 Jahren erschienenen Roman «Ulysses», der an manchen Stellen Details nennt, auf die der Text erst hunderte Seiten später Bezug nimmt. «Das ist ein Aufbrechen der Linearität. Wenn man das einfach Seite für Seite liest, entgeht einem etwas. Eigentlich müsste man an solchen Stellen einen Link setzen.»

Eine Internet-Ausgabe des Romans wird nach Rathjens Einschätzung aber noch auf sich warten lassen. Als Grund nannte der Joyce-Experte die schwierige Rechte-Situation. Der Enkel des Schriftstellers wache streng über das Werk seines Großvaters. Die Rechte für die bereits veröffentlichten Schriften würden erst in fünf Jahren frei: «Es ist schon so, dass die Joyce-Gemeinde diesen 1.1.2012 als nächsten großen Festtag erwartet.» Ab dann seien neue Ausgaben und Übersetzungen ohne Furcht vor juristischem Streit möglich.

Die derzeitigen Fassungen von Joyces Büchern seien höchst unzuverlässig, sagte Rathjen. Seit ihrer Veröffentlichung seien viele vorher unbekannte Entwürfe und Manuskripte aufgetaucht, so dass kaum noch zu entscheiden sei, ob es einen letztgültigen Wortlaut gebe. Dies gelte vor allem für Joyces Spätwerk «Finnegans Wake», in dem beinahe jedes Wort eine Neuschöpfung sei. Eine abschließende Fassung werde sich wohl gar nicht mehr erschließen lassen, sagte Rathjen: «Im Grunde kann man da nur die verschiedenen Möglichkeiten nebeneinander stellen.»

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03.02. Pionier des experimentellen Romans - James Joyces wichtigste Werke

Hamburg (dpa) - Der irische Schriftsteller James Joyce hat mit seinem innovativen Sprachstil die Literatur des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst. Die wichtigsten Werke des Autors:

- «Dubliner», 1928 (engl. «Dubliners», 1914): In der Sammlung von 15 Kurzgeschichten porträtiert Joyce Dubliner Charaktere um die Wende zum 20. Jahrhundert. Dabei zeichnet er seine Heimatstadt als Inbegriff geistig-moralischer Lähmung.

- «Jugendbildnis», 1926 (engl. «A Portrait of the Artist as a Young Man», 1916): Joyces erster - stark autobiografisch gefärbter - Roman beschreibt zwei Jahre im Leben des Studenten und Künstlers Stephen Dedalus. Durch das Stilmittel der «erlebten Rede» bestimmt allein das Bewusstsein des Protagonisten die Erzählperspektive.

- «Verbannte», 1918 (engl. «Exiles», 1918): Das zentrale Thema des einzigen Dramas von Joyce ist das selbst gewählte Exil eines Künstlers, die freiwillige Abwendung von der «Heimat».

- «Ulysses», 1927 (engl. 1922): Joyce berühmtestes Werk gilt als Prototyp des modernen experimentellen Romans. Das Epos verfolgt in 18 Kapiteln die Ereignisse im Leben von drei Figuren am 16. Juni 1904 in Dublin. Joyce stellt als einer der ersten den Fluss von Eindrücken, Halbgedanken, Assoziationen und plötzlichen Impulsen des menschlichen Bewusstseins mit Hilfe der Sprache dar.

- «Finnegans Wake», 1989 (engl. 1939): Joyces letztes Werk, das ein umfassendes Epos der Menschheitsgeschichte sein will, gilt mit seinen vielsprachigen Experimenten und Verschlüsselungen neben «Ulysses» als einer der schwierigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Über 15 Jahre schrieb Joyce an der Geschichte einer schlafenden Familie.

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03.02. Augenbeschwerden führten James Joyce auch nach Wiesbaden

Wiesbaden (dpa/lhe) - Wo heute Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) residiert, logierte einst einer der bedeutendsten Schriftsteller der Moderne. Als James Joyce am 14. April 1930 im Grandhotel «Rose» am Wiesbadener Kranzplatz - der heutigen Staatskanzlei - abstieg, hatte er bereits den Jahrhundertroman «Ulysses» veröffentlicht und arbeitete am Nachfolger «Finnegans Wake».

Nach Wiesbaden führten ihn die Augenbeschwerden, die Joyce seit seiner Kindheit quälten und seine Sehfähigkeit bedrohten. In der Taunusstraße, vom Hotel aus bequem zu Fuß erreichbar, praktizierte damals der international renommierte Augenspezialist Hermann Pagenstecher, der auch schon die englische Königin Viktoria operiert hatte. Joyce suchte seinen Rat zu einer Behandlung, die ihm ein Arzt in Zürich empfohlen hatte.

Joyce blieb eine Woche und «war weise genug, sich quasi unbemerkt in Wiesbaden aufzuhalten», wie der Autor Jürgen Schneider in seiner Studie «James Joyce in Wiesbaden» schreibt. In der Provinzstadt habe damals schon «ein nationalsozialistischer Wind» geweht, fünf Monate vor Joyces Ankunft habe der Schriftsteller Kurt Tucholsky nur unter Polizeischutz einen Vortragssaal verlassen können.

Über das, was Joyce abseits der Konsultationen in der Kurstadt unternahm, ist kaum etwas bekannt. Sicher ist laut Schneider nur, dass der Musikliebhaber am Ostersonntag 1930 mit Frau und Tochter eine Aufführung der «Meistersinger» im Wiesbadener Staatstheater besuchte. Am folgenden Tag reiste die Familie nach Paris ab.

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