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News-Sonderthema: 

Kulturhauptstadt Europas 2010

Die deutschen Bewerberstädte Görlitz und Essen im Porträt, ein Hintergrund zum Titel und die Liste der Kulturhauptstädte bis zum Jahr 2010
 

 
Unsere Beiträge:

Kulturhauptstadt-Titel birgt Chancen und Riskiken
Was der Kulturhauptstadt-Titel bringt
Die Bewerberstadt Görlitz
Die Bewerberstadt Essen
Auflistung der Kulturhauptstädte von 1985 bis 2010
 

 

12.04. RWI: Kulturhauptstadt-Titel birgt Chancen und Risiken

Essen (dpa/lnw) - Als «große Chance für die Region» hat der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt, den Zuschlag für Essen als europäische Kulturhauptstadt 2010 bezeichnet. Im Vordergrund stünden dabei jedoch weniger konjunkturelle Effekte, sondern eine mögliche Aufwertung des vielfach noch immer nicht zeitgemäßen Images der Region, sagte Schmidt der dpa am Mittwoch in Essen.

«Das ist die Chance, sich in ein paar Jahren mit mehr Substanz zu präsentieren, als das derzeit noch vielfach wahrgenommen wird», sagte Schmidt. «Ökologische Verbesserungen verblüffen heute immer noch die Besucher der Region», sagte er. Nun gelte es jedoch, sich nicht auf den Lorbeeren der Entscheidung der europäischen Jury auszuruhen. «Wir müssen noch viel tun bis dahin», so der RWI-Präsident.

Die Chancen und Risiken eines solchen Titels lägen jedoch nah beieinander. In der Vergangenheit sei manche Stadt oder Region nach Großereignissen wie etwa Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften eher mit Pannen im Gedächtnis der Öffentlichkeit geblieben. Für die Region sei schon vieles gewonnen, wenn qualifizierte und leistungsbereite Arbeitskräfte gehalten oder für die Region gewonnen werden könnten.

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11.04. Neues Image, mehr Besucher: Was der Kulturhauptstadt-Titel bringt

Brüssel (dpa/sn) - Görlitz oder Essen: Wenn die EU-Jury an diesem Dienstag bekannt gibt, welche deutsche Stadt den Titel europäische Kulturhauptstadt 2010 tragen soll, entscheidet sie über mehr als eine ehrenvolle Bezeichnung. Der Beschluss bringt siegreichen Bewerbern mehr Besucher und bietet die Chance, einerseits ein neues Image und andererseits ein besseres lokales Zusammenleben zu entwickeln. Das legt zumindest eine Studie nahe, die im Auftrag der Europäischen Kommission die Veränderungen in den europäischen Kulturhauptstädten bis 2004 untersuchte.

Kultur lockt Touristen an. Bestes Beispiel ist Weimar, die jüngste deutsche EU-Kulturhauptstadt. 1999 schossen dort die Übernachtungszahlen um 56,3 Prozent in die Höhe. Im Jahr nach dem Spektakel verbuchten die Hoteliers dann einen Rückgang um fast 22 Prozent. Größere Kulturhauptstädte zogen zwar mehr Publikum an, doch blieb der Gesamteffekt dort vergleichsweise geringer. «Obwohl der stärkste Zuwachs bei den Übernachtungen in kleineren Städten wie Weimar und Graz zu erkennen war, sind die absoluten Besucherzahlen nicht so groß», stellt die Untersuchung fest.

Durchschnittlich stieg die Besucherzahl der Titelträger im jeweiligen Kulturjahr um 12,7 Prozent und ging danach um 3,9 Prozent zurück. Allerdings spielten auch viele Sondereinflüsse eine Rolle, schränken die Verfasser der 600-Seiten-Studie ein: Einerseits nehme der Städtetourismus in Europa insgesamt zu, andererseits verzeichnete die Reisebranche nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einen deutlichen Rückgang. Und andere Ereignisse wie etwa eine Weltausstellung erweisen sich als stärkere Magneten.

Kulturhauptstädte ziehen ein gebildetes Publikum an. Mindestens 40 Prozent der Besucher haben einen höheren Bildungsabschluss, stellt die Studie fest: In Rotterdam und Salamanca lag das Bildungsniveau der Interessierten im Veranstaltungsjahr 2001 sogar um 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Dazu trugen in Rotterdam 2001 die wichtigsten Ausstellungen wie jene über Hieronymus Bosch und andere Angebote klassischer Kultur bei. In Salamanca hätten die Besucher inklusive Anreise durchschnittlich 80,47 Euro ausgegeben.

Die kleinere Gruppe der weit angereisten Gäste schaut sich vor allem die großen Ausstellungen an. Einheimische nehmen eher auch das Angebote an Theatern, Konzerten und anderen Aufführungen wahr. In jedem Fall locken wenige Hauptereignisse die größten Besucherströme an. In Thessaloniki 1997 habe sich fast die Hälfte der 1,5 Millionen Kultur-Interessierten die «Schätze des Berges Athos» angesehen. «Dies deutet auf einen "Pareto-Effekt" bei den Besuchern hin, wo 20 Prozent der Ereignisse 80 Prozent der Zuschauer anziehen», heißt es.

Manche Städte versuchten, mit einzelnen Mammutveranstaltungen «für jeden etwas» zu bringen und hohe Aufmerksamkeit zu erzielen. «In Thessaloniki beispielsweise zog das U2-Konzert 50 000 Menschen an, aber die Aufführung kostete 3,2 Millionen Euro», warnen die Autoren der Studie. Umgekehrt stifte eine Vielfalt kleiner Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten häufig Verwirrung bei auswärtigen Besuchern.
Zugleich zeigt das Beispiel von Brüssel oder Rotterdam, dass ein breites Angebot auch neues Publikum anlocken und Brücken in die Stadtteile und zu sozialen Randgruppen bauen kann.

Bleibende Wirkung entwickelt der Titel zudem für das Image mancher Kulturhauptstadt. Brügge behielt 2002 trotz einer neuen Konzerthalle sein Bild eines großen Museumsdorfes. Aber das nordfranzösische Lille wertete 2004 nicht nur industriell geprägte Nachbarorte mit kulturellen Dauerbrennern auf. Die Veranstalter verstanden es auch, die weithin unbekannte Altstadt attraktiv in Szene zu setzen. An den Stadtführungen nahmen doppelt so viele Menschen teil wie zuvor. Mit Hinweisschildern an den Autobahnen nach Lille verweisen die Veranstalter auch heute noch stolz auf Europas Kulturhauptstadt 2004.

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Görlitz wirbt mit der Idee vom zusammenwachsenden Europa

Görlitz (dpa/lnw) - Görlitz präsentiert sich bei seiner Bewerbung als «Kulturhauptstadt Europas 2010» als Modellfall für ein zusammenwachsendes Europa. Die Lage an der Grenze zu Polen wird da mit ins Feld geworfen. Gemeinsam mit der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec wird um die Ernennung gerungen. Im Mittelpunkt der Bewerbung stehen fünf Projekte, in denen grenzüberschreitende Infrastruktur und Verkehr, Kultur, Architektur sowie Landschaftsgestaltung thematisiert werden.

So soll als Infrastrukturvorhaben rechts und links der Neiße der so genannte Brückenpark mit kulturellen Einrichtungen entstehen. Die Via Regia, eine alte Handelsstraße, steht für Globalisierung und Mobilität. Das Projekt «Grenzgänge» hat moderne Kunst zum Inhalt. Zudem wirbt Görlitz mit seiner Architektur. Am Berzdorfer See soll die gelungene Sanierung eines ehemaligen Braukohletagebau gezeigt werden. Im Frühjahr 2001 hatten die Stadtparlamente von Görlitz und Zgorzelec die gemeinsame Kandidatur zur Kulturhauptstadt beschlossen.

Die Bewerbung von Görlitz steht unter dem Motto «From the middle of nowhere to the heart of Europe» (Aus dem Nirgendwo ins Herz von Europa). Zentrales Element ist der so genannte Brückenpark, ein gemeinsames Projekt mit dem polnischen Nachbarn Zgorzelec. Beidseits des Grenzflusses Neiße soll in den kommenden Jahren ein kulturell- wissenschaftliches Zentrum beider Städte entstehen.

Die Europa- und Brückenstadt Görlitz in Ostsachsen liegt etwa 2,5 Zugstunden südlich von Berlin und 1,5 Zugstunden östlich von Dresden.
1071 als Dorf «villa gorelic» erstmals erwähnt, entwickelte sie sich nach 1220 zur Stadt. Im Mittelalter kreuzten sich hier die bedeutenden Handelswege zwischen West und Ost sowie von Süd nach Nord. Geprägt wurde die Metropole in der Oberlausitz durch Einflüsse aus Böhmen, Schlesien, Brandenburg und Sachsen. Bevölkerung und Geschichte vereinen deutsche und slawische Kultur und Lebensart.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Industriestadt 1945 geteilt, die Oststadt zum polnischen Zgorzelec. Über Jahrzehnte lag sie zuerst an der DDR-, später an der EU-Außengrenze. Die Einwohnerzahl ging um ein Drittel zurück. Der politische Umschwung 1990 bot Möglichkeiten für eine Rolle als Mittlerin zwischen West und Ost. 1998 wurde die Europastadt Görlitz/Zgorzelec proklamiert, seit der EU-Osterweiterung im Mai 2004 liegt sie im Herzen des größer gewordenen Europa. Derzeit leben knapp 61 000 Menschen in Görlitz.

Internet: www.goerlitz2010.de

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Essen bewirbt sich stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet

Essen (dpa) - «Kultur durch Wandel - Wandel durch Kultur» - mit diesem Leitmotiv überschreibt die Stadt Essen ihre Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt 2010. Stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet präsentiert sich die Region in modernem Gewand: Stillgelegte Zechen und Hochöfen wurden zu kulturellen Vorzeigeinstitutionen einer Region, die sich nach dem Ende der Bergbau- und Montan-Industrie zunehmend als Kulturmetropole begreift.

Da sich das Ruhrgebiet als Region nicht bewerben durfte, geht Essen voran, stellvertretend für das ganze Revier mit seinen 5,3 Millionen Menschen in elf kreisfreien Städten und vier Kreisen. Das Motto der Ruhrgebiets-Bewerbung: «Entdecken. Erleben. Bewegen.»

Neben der von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichneten Zeche und Kokerei Zollverein in Essen steht insbesondere die Bochumer Jahrhunderthalle für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Einst die Gaskraftzentrale der Gussstahlfabrik «Bochumer Verein», wurde die Maschinenhalle zum Hauptspielort des Kulturfestivals Ruhrtriennale.
Auf Zollverein soll in der «zweiten Stadt», einem Stollen in 1000 Metern Tiefe, ein weiterer Spielort entstehen.

Mit der Kultur als Motor für den Strukturwandel nach dem Niedergang der Schwerindustrie will das gesamte Ruhrgebiet eine Beispiel-Region für Europa werden. Essen wirbt in Brüssel auch mit dem Revier als Einwanderungsregion und seiner zentralen Lage in Europa. Zu den weiteren Projekten zählen «Die Zweite Stadt» in 1000 Meter Tiefe in Schacht XII des Weltkulturerbes Zeche Zollverein und Lichtkunst entlang der zentralen Verkehrsader, der Autobahn 40.

Zur Internationalen Bau-Ausstellung Emscherpark entstand aus einem alten Stahlwerk in Duisburg der «Landschaftspark Nord» - ein Freizeitpark für Kletterer und Taucher. Nachts wird die gesamte Anlage mit ihren Hochöfen mit einer Lichtinstallation des Videokünstlers Nam June Paik in Szene gesetzt. Einen guten Ruf genießen die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Schauspielhaus Bochum. 2002 startete das Theater-Festival Ruhrtriennale, das jedes Jahr europäische Hochkultur in die alten Industriebauten bringt.

Internet: www.kulturhauptstadt-europas.de

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Die EU-Kulturhauptstädte von 1985 bis 2010

Hamburg (dpa) - Jährlich erhält mindestens eine europäische Stadt den Titel «Kulturhauptstadt Europas». Der Europäische Rat verleiht ihn auf Empfehlung der Europäischen Kommission. Um die zehn neu hinzugekommenen EU-Länder einzubinden, werden von 2009 bis 2019 jährlich zwei Titelträger, jeweils aus einem alten und einem neuen Mitgliedstaat, ernannt. 2010 stellt deshalb neben Deutschland mit Pécs auch Ungarn eine Kulturhauptstadt. Unabhängig davon haben sich auch Istanbul und Kiew für 2010 beworben. Das Europäische Parlament hatte 1999 beschlossen, dass von 2005 an auch «europäische Drittländer» teilnehmen können.

Die Titelträger bis 2010 sind:

1985: Athen (Griechenland)

1986: Florenz (Italien)

1987: Amsterdam (Niederlande)

1988: Berlin (Deutschland)

1989: Paris (Frankreich)

1990: Glasgow (Großbritannien)

1991: Dublin (Irland)

1992: Madrid (Spanien)

1993: Antwerpen (Belgien)

1994: Lissabon (Portugal)

1995: Luxemburg (Luxemburg)

1996: Kopenhagen (Dänemark)

1997: Thessaloniki (Griechenland)

1998: Stockholm (Schweden)

1999: Weimar (Deutschland)

2000: Avignon (Frankreich)
         Bergen (Norwegen)
         Bologna (Italien)
         Brüssel (Belgien)
         Helsinki (Finnland)
         Krakau (Polen)
         Prag (Tschechien)
         Reykjavik (Island)
         Santiago de Compostela (Spanien)

2001: Porto (Portugal)
         Rotterdam (Niederlande)

2002: Salamanca (Spanien)
         Brügge (Belgien)

2003: Graz (Österreich)

2004: Lille (Frankreich)
         Genua (Italien)

2005: Cork (Irland)

2006: Patras (Griechenland)

2007: Luxemburg (Luxemburg)
         Sibiu (Rumänien)

2008: Liverpool (Großbritannien)
         Stavanger (Norwegen)

2009: Linz (Österreich)
         Vilnius (Litauen)

2010: Pécs (Ungarn)
         Essen (Deutschland)
         Istanbul (Türkei)

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