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News-Sonderthema:
Ein Rückblick auf das Literaturjahr 2006
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Unsere Beiträge:
Handke, Grass, Suhrkamp-Soap: 2006 war bewegtes
Literaturjahr
Kehlmann und Kerkeling die Jahresbestseller-Autoren
2006
«Focus»-Bestseller Sachbücher - Jahresbestenliste
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22.12. Handke, Grass und die Suhrkamp-Soap: 2006 war bewegtes Literaturjahr
Frankfurt/Main (dpa) - Bücher verkaufen sich immer dann am besten,
wenn über sie geredet wird. Das funktioniert auch dann, wenn wie
in diesem Jahr mehr über die Autoren geredet wird als über
deren Produkte. Unbestrittener Höhepunkt war die Auseinandersetzung
um Günter Grass: Sein spätes Eingeständnis, Mitglied
der Waffen-SS gewesen zu sein, ist in dem Mitte August erschienenen
autobiografischen Roman «Beim Häuten der Zwiebel» zwar
nur eine Episode. Doch das Outing von Grass, von ihm selbst nur als «Makel» empfunden,
entfachte weit über Deutschland hinaus eine Diskussion über
den Nobelpreisträger. Schließlich galt er als das moralische
Gewissen der Nation.
Für sein jahrzehntelanges Schweigen wurde Grass von den Feuilletons
und auch vielen Autoren heftig kritisiert. Dem Buch kam das aber zu
Gute - die Startauflage von 150 000 Exemplaren war in wenigen
Tagen verkauft. Und seine treuen Leser erwiesen sich auch als Rückhalt
für Grass. Bei öffentlichen Auftritten ließ der Autor
sich feiern und ging zum Gegenangriff über. Der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung» (FAZ) warf er vor, ihn als Schriftsteller
demontieren zu wollen. Die «FAZ» hatte Anfang August die
Debatte um Grass'
Kriegserinnerungen ins Rollen gebracht.
Zu den schärfsten Kritikern des Nobelpreisträgers gehörte
Peter Handke, der Grass eine «Schande für das Schriftstellertum» nannte.
Grass' spätes Geständnis sei nichts als «böser
selbstgerechter Formalismus», urteilte Handke, der selbst im
Frühjahr wegen seines Engagements für Serbien und seine Rede
zum Begräbnis des ehemaligen Diktators Slobodan Milosevic heftig
angegriffen worden war.
In der Folge kam es in Düsseldorf zum Streit, ob Handke wie
geplant den renommierten Heinrich-Heine-Preis der Stadt im Mai erhalten
darf. Der österreichische Schriftsteller verzichtete schließlich
selbst - was wiederum Grass «völlig richtig» fand. «Ich
lebe ungern damit, dass man Schriftstellern eine Art Geniebonus zuspricht,
der ihnen dann erlaubt, den größten und gemeingefährlichsten
Unsinn mitzumachen», sagte Grass der Wochenzeitung «Die
Zeit» im Juni. Damals ahnte er wohl noch nichts vom Sturm, der über
ihn selbst hereinbrechen sollte.
Schließlich gab es bei Suhrkamp, seit dem Tod von Übervater
Siegfried Unseld vor vier Jahren und der Machtübernahme durch
die attraktive Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz besonders im Blickpunkt,
neue Folgen in der Seifenoper um den in der Frankfurter Lindenstraße
ansässigen Verlag. Die Hamburger Unternehmer Claus Grossner und
Ernst Barlach kauften sich über die Schweiz als Minderheitengesellschafter
im Haus Suhrkamp ein, das trotz seiner eher bescheidenen wirtschaftlichen
Bedeutung immer noch die Ikone der deutschen Nachkriegsliteratur ist. Über
die Medien, von denen viele der eingeheirateten Verlagserbin schon
lange nicht grün sind, warfen die Quereinsteiger der Witwe Missmanagement
vor. Und Suhrkamp reagierte darauf - wie so oft in den vergangenen
Jahren - alles andere als souverän.
Dabei gab es in literarischer Hinsicht bei Suhrkamp seit langer
Zeit endlich mal wieder Grund zum Jubeln über einen Bestseller
einer jungen deutschen Autorin: Der zur Frankfurter Buchmesse Anfang
Oktober verliehene Deutsche Buchpreis für die junge Suhrkamp-Autorin
Katharina Hacker machte deren Buch «Die Habenichtse» zu
einem großen Verkaufserfolg. Was wiederum beweist, wie wichtig
dieser erst zum zweiten Mal vergebene Preis fürs Marketing geworden
ist. Das gilt auch für den im Frühjahr zur Leipziger Buchmesse
vergebenen Preis, mit dem der Roman «Der Weltensammler» des
Deutsch-Bulgaren Ilja Trojanow ausgezeichnet wurde.
Überhaupt ist der Erfolg der jüngeren deutschsprachigen
Autoren die für die Branche wohl erfreulichste Entwicklung im
bewegten Literaturjahr 2006. Daniel Kehlmanns Bildungsroman «Die
Vermessung der Welt» steht nun seit einem Jahr schon auf den
Bestseller-Listen ganz oben. Dorthin hat es auch die Biografie von
Gerhard Schröder geschafft, der nur ein Jahr nach seinem Abschied
aus dem Kanzleramt seine Memoiren vorlegte. Viele Kritiker waren sich
einig, dass darin kaum Neues zu entdecken ist. Eine perfekt inszenierte
Marketing- Kampagne mit dem «Medienkanzler», der vom Verlag
Hoffmann und Campe angeblich eine Million Euro für sein Werk erhalten
hat, war Ende Oktober dennoch Garant für einen reißenden
Absatz in den Buchhandlungen.
Auf dem hart umkämpften Buchmarkt hat sich in diesem Jahr die
wirtschaftliche Konzentration erneut beschleunigt: Die Buchhändler
Hugendubel (München) und die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild
gründeten im August einen Handelsverbund und sind damit die neue
Nummer eins in Deutschland. Der Umsatz in der Branche wird 2006 aber
wahrscheinlich sogar rückläufig sein, wie der Hamburger Branchenexperte
Boris Langendorf sagt. Auch ein hervorragendes Weihnachtsgeschäft
könne das bisherige Minus kaum wettmachen. «Es fehlt doch
der Harry Potter in diesem Jahr.»
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22.12. Kehlmann und Kerkeling die Jahresbestseller-Autoren 2006
München/Reinbek (dpa) - TV-Entertainer Hape Kerkeling und Schriftsteller
Daniel Kehlmann sind die Bestellerautoren des Jahres 2006. Mit 1,1
Millionen verkauften Exemplaren von «Ich bin dann mal weg»,
den Ende Mai erschienenen Erinnerungen an seine Pilgerreise auf dem
Jakobsweg, schaffte Kerkeling den Spitzenplatz im Sachbuch- Bereich.
Unter den Belletristik-Titeln ragt Kehlmanns Roman «Die Vermessung
der Welt heraus». Der Roman des 31-Jährigen sei bereits
850 000 Mal verkauft worden, teilte eine Sprecherin des Rowohlt
Verlags am Donnerstag in Reinbek bei Hamburg mit.
Der Erfolg basiere wohl darauf, dass das Kehlmanns Buch neben seiner
literarischen Qualität auch dem Leser Wissenswertes vermittle.
«Die Vermessung der Welt» erzählt die um Erfindungen
angereicherten Lebensgeschichten der beiden Forscher Alexander von
Humboldt und Carl Friedrich Gauß - ein Roman über die Entstehung
der modernen Wissenschaft, die deutsche Klassik und die Dialektik der
Aufklärung.
Der bereits im September 2005 erschienene Roman führt die im neuen «Focus» veröffentlichte
Jahresbestsellerliste 2006 und zudem unverändert die aktuelle
wöchentliche «Spiegel»-Bestellerliste an.
Zu Hape Kerkelings «gigantischem Erfolg» meinte eine
Sprecherin des Malik Verlags (München) am Donnerstag: «Es
hätte niemand geglaubt, das der beliebte Fernseh-Unterhalter eine
solche Pilgerreise machen würde und dann auch noch so ehrlich,
ernst und zugleich witzig seine Erlebnisse und persönlichen Empfindungen
reflektiert.» Im nächsten Jahr werde der Bestseller auch
in den Niederlanden erscheinen, Kerkeling werde im Sommer auf niederländisch
Lesungen halten.
Mit 300 000 verkauften Exemplaren belegt der satirische Unterhaltungsroman «Resturlaub» von
Tommy Jaud den zweiten Platz der «Focus»-Liste 2006. Auf
den dritten Platz im Bereich Belletristik kam Elizabeth George mit
dem Krimi «Wo kein Zeuge ist».
Bei den Sachbüchern schaffte es der Rechtschreib-«Duden» auf
Rang zwei der Jahresbesteller, gefolgt von Eva-Maria Zurhorst Beziehungs-
Ratgeber «Liebe dich selbst!».
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22.12. Jahresbestenliste der «Focus»-Bestseller Sachbücher
München (dpa) - Hape Kerkeling belegt mit seinem Bericht «Ich
bin dann mal weg» Platz 1 der Jahresbestenliste der «Focus»-Bestseller
in der Sparte Sachbuch. Das Buch ist im Malik Verlag erschienen. Auf
dem zweiten Platz liegt die neue Ausgabe des «Duden - Die deutsche
Rechtschreibung», herausgegeben vom Bibliographischen Institut
und F.A. Brockhaus.
1. Kerkeling, Hape
Ich bin dann mal weg
Malik, Euro 19,90
2. Der Duden
Duden - Die deutsche Rechtschreibung, Stand 2006
Bibliographisches Institut und F.A. Brockhaus,
Mannheim, Euro 20,00
3. Eva-Maria Zurhorst
Liebe dich selbst!
Goldmann, Euro 18,90
4. Tim Mälzer
Born to Cook II
Goldmann, Euro 19,90
5. Jamie Oliver
Genial Italienisch
Dorling Kindersley, Euro 24,90
6. Frank Schätzing
Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Kiepenheuer & Witsch, Euro 19,90
7. Gerhard Schröder
Entscheidungen. Mein Leben in der Politik
Hoffmann und Campe, Euro 25,00
8. Tim Mälzer
Born to Cook
Goldmann, Euro 19,90
9. Kathrin Dost
Weight Watchers, Der 4-Wochen-Power-Plan
Gräfe & Unzer, Euro 12,90
10. Joachim Fest
Ich nicht
Rowohlt, Euro 19,90
Die «Focus»-Bestsellerliste wird im Auftrag des Münchner
Magazins von dem Marktforschungsunternehmen media control GFK International
GmbH jede Woche ermittelt. Grundlage der Auswertung sind die verkauften
Bücher in bundesweit rund 750 erfassten Verkaufsstellen - Buchhandlungen,
Kaufhäuser und E-Commerce. Auf Basis der Verkaufszahlen der wöchentlichen
Listen errechnete media control die Jahresbestenliste.
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