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News-Sonderthema: 

Literatur-Nobelpreisträger Nagib Mahfus ist gestorben

Ein Porträt des Autors, seine Werke und Zitate
 

 
Unsere Beiträge:

31.08.
Zürcher Unionsverlag will weitere Mahfus-Werke herausbringen

30.08.
Literatur-Nobelpreisträger Mahfus stirbt in Kairo
Ein Porträt von Nagib Mahfus
Die wichtigsten Werke von Nagib Mahfus
Zitate von Nagib Mahfus
 

 

31.08. Zürcher Unionsverlag will weitere Mahfus-Werke herausbringen

Zürich (dpa) - Der Unionsverlag in Zürich, bei dem zahlreiche Werke des am Mittwoch gestorbenen Literatur-Nobelpreisträgers Nagib Mahfus auf Deutsch erschienen sind, hat weitere Werke des Autors angekündigt. «Wir machen weiter, es gibt noch viel zu übersetzen», sagte Verlagsleiter Lucien Leitess am Mittwoch. Bereits für kommendes Jahr geplant sei ein Buch über Träume, das 2005 im Original erschienen ist.

Erst im vergangenen Juli hat der Unionsverlag «Radubis» herausgebracht. Die Kurtisane gleichen Namens ist in dem Werk von Mahfus die zentrale Figur in einem groß angelegten Panorama des alten Ägypten.

Derzeit seien rund zwei Dutzend Bücher des Autors lieferbar, sagte Leitess. Dazu gehörten sein Erstlingswerk «Cheops» und die «Kairoer Trilogie». Von einigen vergriffenen Büchern seien Nachdrucke in Arbeit. «Cheops», «Echnaton» und «Die Midaq-Gasse» sind zudem als Hörbücher erschienen.

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30.08. Literatur-Nobelpreisträger Mahfus stirbt in Kairo - Mann der Toleranz

Kairo (dpa) - Die arabische Welt hat einen ihrer bedeutendsten Intellektuellen verloren. Am Mittwochmorgen ist der ägyptische Literatur-Nobelpreisträger Nagib Mahfus im Alter von 94 Jahren in einem Kairoer Krankenhaus gestorben. Das teilten seine Ärzte mit. In der Klinik war der Schriftsteller seit Juli behandelt worden. Die Ursache für seine zuletzt zahlreichen gesundheitlichen Probleme sei letztlich Altersschwäche, hieß es. Als erster und bislang einziger Araber hatte Mahfus, der als Altmeister des arabischen Romans galt, 1988 den Nobelpreis erhalten. Er wird bereits am Donnerstag in Kairo mit militärischen Ehren beigesetzt. Das Totengebet soll in einer großen Moschee außerhalb seines letzten Wohnviertels Aguza abgehalten werden.

Ägyptens Präsident Husni Mubarak sprach der Familie sein Beileid aus und lobte den Verstorbenen als großen Literaten, der immer für Toleranz geworben habe. Die Arabische Liga erklärte, Mahfus sei «die Nummer eins unter den arabischen Romanautoren» gewesen. Der Münchner Schriftsteller Tilman Spengler bezeichnete Mahfus als politisches Vorbild. Der Ägypter habe auf der eigenen Kultur bestanden, ohne andere Kulturen schlecht zu machen. «Für die Ägypter ist sein Tod ein Verlust wie Émile Zola für die Franzosen.»

Nach Angaben der Ärzte war Mahfus zu schwach, um zur Behandlung ins Ausland gebracht zu werden. Das hätte der Schriftsteller, der das Reisen nie gemocht hat, vermutlich auch nicht gewollt. Er war im Juli nach einem Sturz ins Krankenhaus gekommen, hatte sich davon jedoch zunächst etwas erholt. Doch dann verschlechterte sich sein Gesundheitszustand Anfang August.

Ägypten hat Mahfus zeit seines Lebens kaum verlassen. Den Nobelpreis nahmen 1988 seine Töchter für ihn entgegen. Seine Inspiration suchte er in Büchern und in den Straßen seiner Heimatstadt Kairo. Bekannt wurde der Schriftsteller besonders durch seine Romane, die dem sozialen Realismus zuzurechnen sind. Dazu zählt auch seine berühmte Kairo-Trilogie von 1956/1957, deren drei Romane wie viele andere Werke des Ägypters auch ins Deutsche übersetzt wurden.

Mahfus war ein extrem kreativer und fleißiger Schriftsteller. Neben seiner Arbeit als Beamter im Ministerium für islamische Stiftungen und im Kulturministerium schrieb er mehr als 40 Romane, Drehbücher und Kurzgeschichten. Noch bis kurz vor seinem Tod veröffentlichte die ägyptische Zeitung «Al-Ahram» Mahfus' Kolumnen zu politischen, literarischen und gesellschaftlichen Themen, die ein Freund für den greisen Schriftsteller zu Papier brachte.

Sein umstrittenstes Werk war der Roman «Die Kinder unseres Viertels» von 1959. Das Werk über Glauben und falsche Heilslehren wurde nicht nur auf den Index gesetzt. Islamistische Kritiker stuften den Roman als blasphemisch ein. 1994 stach ein religiöser Fanatiker Mahfus nieder, der selbst ein liberaler und toleranter Muslim war. Unter den gesundheitlichen Folgen dieser Messerattacke litt der Schriftsteller sehr.

Der Unionsverlag in Zürich, bei dem zahlreiche Werke Mahfus' auf Deutsch erschienen sind, will weitere Werke von ihm veröffentlichen. «Wir machen weiter, es gibt noch viel zu übersetzen», sagte Verlagsleiter Lucien Leitess am Mittwoch. Bereits für kommendes Jahr sei ein Buch über Träume geplant, das 2005 im Original erschienen ist.

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30.08. Nagib Mahfus verkörperte alles, was an Ägypten liebenswert ist

Kairo (dpa) - Der Ägypter Nagib Mahfus war nicht nur ein großer Romancier und der erste Araber, der den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Der kleine Mann mit der großen Brille verkörperte auch all das, was an seinem Heimatland Ägypten liebenswert ist. Nagib Mahfus, der am Mittwoch 94-jährig in Kairo gestorben ist, war bescheiden, kreativ, hatte einen großartigen Sinn für Humor und liebte die Gesellschaft anderer Menschen. Seine Neugierde auf die Menschen, die ihn umgaben, war letztlich auch der Schlüssel zu seinem Erfolg. Denn mit seiner Beobachtungsgabe und seiner Art, die Emotionen und Schwächen von Menschen aus verschiedenen Milieus darzustellen, eröffnete er dem arabischen Roman, der bis dato ein Stiefkind neben der Poesie war, neue Dimensionen.

Für seinen Freund und Schriftstellerkollegen Gamal al-Ghitani war er die Verkörperung des «guten Mannes», der die Menschen durch Weisheit und Bescheidenheit für sich einnimmt. Auch, wenn die internationale Anerkennung erst Jahrzehnte später kam: Seine wichtigsten Werke verfasste Mahfus in den 50er und 60er Jahren. Dazu zählen die Kairo-Trilogie und «Miramar». Sein umstrittenster Roman ist «Die Kinder unseres Viertels» (1959), in dem es um den Konflikt zwischen Wissen, Glauben und falschen Heilsversprechen geht.

Das Al-Azhar Islam-Institut in Kairo verbot die Veröffentlichung des angeblich gotteslästernden Werkes. Doch der Streit holte Mahfus, der selbst ein liberaler Muslim war, 35 Jahre nach der Vollendung des Romans ein: Ein fanatischer Islamist, der das Buch angeblich nicht einmal gelesen hatte, lauerte dem greisen Schriftsteller auf und stach ihn mit einem Messer in den Hals. Mahfus überlebte den Attentatsversuch schwer verletzt.

Mahfus, der 1911 in der Kairoer Altstadt als siebtes Kind einer Familie aus kleinbürgerlichem Milieu geboren wurde, war ein typischer Ägypter, der seine Heimat über alles liebte und kaum jemals einen Fuß auf ausländischen Boden setzte. Anstatt durch die Welt zu reisen, suchte er lieber Inspiration in Büchern, in den Straßen von Kairo, im Teehaus oder bei seinen regelmäßigen Treffen mit anderen Intellektuellen. Selbst den Nobelpreis mussten 1988 seine Töchter für ihn abholen. Von dem Preisgeld stiftete Mahfus einen Teil für Hilfsprojekte in den Palästinensergebieten, den Rest erhielt seine Familie.

Mahfus war ein politischer Mensch. Er war weniger radikal als viele seiner arabischen Schriftstellerkollegen, die zum Großteil weiter links standen und in Bezug auf Israel eine kompromisslosere Linie vertraten. Selbst, als er wegen seines Augenleidens nicht mehr selbst schreiben konnte, verfasste er noch politische Kommentare, die sein Freund, der Journalist Mohammed Salmawi, für ihn zu Papier brachte. Darin war immer sein großer Sinn für Gerechtigkeit spürbar. Belastet hat ihn unter anderem, wie sich die Welt durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die amerikanische Reaktion auf den Terror veränderte.

Als alter Mann, der kaum noch sehen und hören konnte, verfasste Mahfus vorwiegend Kurzprosa. Unter anderem schrieb er mit Hilfe seines Freundes seine Träume auf. Fast schien es so, als wolle sich der wache Geist des ägyptischen Schriftstellers nicht von dem gebrechlichen Körper unterkriegen lassen. Mahfus war auch niemand, der sich sonderlich um den Rat seiner Ärzte scherte. Und seine Freunde hatten viel zu viel Respekt vor dem Altmeister des arabischen Romans, als dass sie es zum Beispiel gewagt hätten, ihn zu ermahnen, wenn er sich mit seinen mehr als 90 Jahren noch eine Zigarette ansteckte.

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30.08. Die wichtigsten Werke von Nagib Mahfus

Hamburg (dpa) - Der ägyptische Schriftsteller Nagib Mahfus hat mehr als 40 Romane, Kurzgeschichten und Novellen verfasst. Viele seiner Werke sind in deutscher Übersetzung im Unionsverlag (Zürich) erschienen. Zu den bekanntesten Romanen gehören:

- «Radubis», 1943 (deutsch 2006)

- «Die Midaq-Gasse», 1947 (1985)

- Kairo-Trilogie, 1956/57 (1992/94); bestehend aus «Zwischen den
Palästen», «Palast der Sehnsucht», «Das Zuckergäßchen»

- «Die Kinder unseres Viertels«, 1959 (1990)

- «Der Dieb und die Hunde«, 1961 (1980)

- «Das Lied der Bettler», 1965 (1995)

- «Das Hausboot am Nil», 1966 (1982)

- «Miramar», 1967 (1989)

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30.08. Nagib Mahfus: «Allein Demokratie ist die Lösung»

Hamburg (dpa) - Der ägyptische Schriftsteller Nagib Mahfus hat sich auch in Interviews und Kommentaren pointiert geäußert:

Über das Leben:

«Ob ein Mensch klug ist, erkennt man an seinen Antworten. Ob ein Mensch weise ist, erkennt man an seinen Fragen.» (undatiert)

«Der kleine Mann wird mit großen Worten gefüttert.» (undatiert)

«Frauen haben einen Instinkt, der, wenn's um persönliche Dinge geht, ihnen glatt den Verstand erspart.» (undatiert)

«Ich bin nur der Erzähler, die Helden kann man überall finden, jeder erkennt sich wieder.» (undatiert)

«Jetzt sehne ich mich nur noch nach Ruhe. Ich hätte nie gedacht, dass es so anstrengend würde.» (1989 im dpa-Gespräch über die Nobelpreisverleihung ein Jahr zuvor)

Über Politik:

«Unsere Lage erfordert volle Demokratie sofort, und nicht in kleinen Schritten.» (1987 in einem dpa-Gespräch über Ägypten)

«Ich glaube an die Meinungsfreiheit... Und ein Gedanke kann nur durch einen anderen berichtigt werden.» (1989 im «Kulturweltspiegel» zum Fall Salman Rushdie über den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini)

«Wenn jemand zum Verbrechen aufruft und dafür eine Belohnung verspricht, ist das wie bei der viel geschmähten Mafia. Das ist Terrorismus. Keine Religion und keine Politik lassen so etwas zu.»
(dito)

«Sprechen Sie bitte nicht von islamischen Terroristen, das bringt den Islam ungerechtfertigt in Verruf.» (1994 in einem «Spiegel»- Interview nach dem Messerattentat eines muslimischen Fanatikers, bei dem Mahfus schwer verletzt wurde)

«Die uneingeschränkte Meinungsfreiheit und der Respekt vor der Ansicht des anderen sind und bleiben meine Maximen. (...) Allein Demokratie ist die Lösung.» (Im Februar 2006 in einem «Spiegel»- Interview)

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