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Norman Mailer ist gestorben

Ein Porträt des Autors, seine Werke und Zitate
 

 
Unsere Beiträge:

Reich-Ranicki: Mailer war bedeutend, aber kein großer Schriftsteller
Porträt: Norman Mailer ist tot - «Angry Old Man» der amerikanischen Literatur
Hintergrund: Werke von Norman Mailer - eine Auswahl
Norman Mailer mit 84 gestorben - «Der große Alte» der US-Literatur
 

 
 

Reich-Ranicki: Mailer war bedeutend, aber kein großer Schriftsteller

Frankfurt/Main (dpa) - Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat den verstorbenen US-Bestsellerautor Norman Mailer als «bedeutenden Autor» gewürdigt. Mailer sei allerdings «kein großer Schriftsteller» gewesen, sagte Reich-Ranicki am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. «Der künstlerische Wert seiner Bücher war gering.» Einzig Mailers erster Roman «Die Nackten und die Toten» mit seiner «radikalen Schilderung des Krieges» sei «ein ungewöhnlicher Erfolg» gewesen. «Er war der erste, der den Zweiten Weltkrieg so anschaulich und ausführlich beschrieben hat», sagte Reich-Ranicki. Persönlich kennengelernt habe er Mailer allerdings nie.

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Porträt: Norman Mailer ist tot - «Angry Old Man» der amerikanischen Literatur

New York (dpa) - Einer der sprachgewaltigsten und vielseitigsten Schriftsteller Amerikas ist tot: Norman Mailer starb am Samstag im Alter von 84 Jahren an akutem Nierenversagen in New York. Wegen seiner vielen Eskapaden einst das «enfant terrible» der US-Literatur, machte Mailer im Alter als «Angry Old Man» von sich reden. Seiner Empörung über die Bush-Regierung und den Irak-Krieg machte er erst kürzlich bei einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa wieder Luft: «Der schlimmste Krieg, den dieses Land je geführt hat!» sagte er, und: ein einmalig «dummer Kriegsführer». Schon im Jahr 2003 hatte Mailer die USA in seinem Buch «Heiliger Krieg: Amerikas Kreuzzug» als arrogante Supermacht mit faschistischen Tendenzen dargestellt und George W. Bush als einen von imperialistischen Verschwörern ferngesteuerten Ex-Trinker.

Dagegen sprang er dem deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass zur Seite, als dieser bei einem Besuch in New York im Sommer dieses Jahres zu seiner kurzen Mitgliedschaft als Jugendlicher in der Waffen-SS gefragt wurde. Klein und grau und schon sehr gebrechlich saß Mailer da mit auf dem Podium. Er konnte kaum mehr sehen und nur schwer hören, aber warf sich mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis für den Kollegen in die Bresche. «Wenn ich in Günters Schuhen gesteckt hätte, ... wäre ich ganz genauso bei der Waffen-SS gelandet», sagte er sehr bestimmt und forderte für einen Autor das Recht ein, über manche Erfahrungen auch nicht schreiben zu müssen.

Vor fast 60 Jahren hatte der damals gerade 25-jährige Mailer mit «Die Nackten und die Toten» den wohl bedeutendsten Roman über den Zweiten Weltkrieg geschrieben. Das Buch begründete seinen literarischen Ruhm weltweit. Seitdem beschäftigte sich der Autor immer wieder mit der Sinnlosigkeit von Kriegen und mit der tiefen Kluft zwischen dem Anspruch des «American Dream» auf individuelle Freiheit und der oft bitteren sozialen Wirklichkeit.

Mailers Werke decken eine Themenbreite ab, die nicht nur in den USA ihresgleichen sucht: Von der Apokalypse über Boxen, Dialektik, Drogen, Existenzialismus, Faschismus, Friedensbewegung, Furcht, Gewalt, Gott und den Teufel, Krebs und Krieg, Marilyn Monroe, Obszönität und Orgien, Paranoia und Politik, Revolution, das Sein und den Sex, Technologie und Totalitarismus bis hin zur Zeit.

Doch nie wieder wurde ihm der Beifall zuteil, den er für seinen Erstlingsroman geerntet hatte. Mailer schrieb Reportagen und große Essays, die längst Literaturgeschichte sind. «Supermann kommt in den Supermarkt» gehört dazu, sein Bericht über den demokratischen Parteikonvent in Los Angeles, bei dem John F. Kennedy zum Kandidaten für das Weiße Haus gekürt wurde. In «Heere aus der Nacht» (1968) schilderte er einen Friedensmarsch in Washington und wurde dafür 1969 mit seinem ersten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Den zweiten erhielt er 1980 für sein Buch «Gnadenlos - Das Lied vom Henker» über das Schicksal des 1977 hingerichteten Doppelmörders Gary Gilmore.

Am 31. Januar 1923 als Sohn einer aus Litauen eingewanderten jüdischen Bücherrevisorfamilie in New Jersey geboren, wuchs Mailer in Brooklyn auf. Er studierte Flugzeugbau an der Harvard Universität und lernte in Schriftstellerkursen, «wie man es nicht machen soll». Bevor er seine Ausbildung an der Pariser Sorbonne beenden konnte, musste er als GI auf die Philippinen und nach Japan - die letzten beiden Kriegsjahre.

Mailer heiratete sechs Mal und hatte neun Kinder, das jüngste mit dem ehemaligen Fotomodell Norris Church. Er nahm sie 1980 zur Frau und lebt mit ihr in Brooklyn und in einem Haus am Meer auf der Neuengland-Insel Cape Cod. Seiner zweiten Frau Adele Morales - die ein Buch über ihr Ehe-Martyrium mit Mailer füllte - stach er 1960, wie so oft schwer betrunken, ein Messer in den Bauch und drehte es genussvoll herum. Dank ihrer Weigerung, mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren, kam er mit einer Strafe auf Bewährung davon.

1967 wurde Mailer wegen seiner Rolle bei Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg eingesperrt. Zwei Jahre später versuchte er, mit einer Wahlkampagne unter dem Motto «Wählt die Schurken» vergeblich, Bürgermeister von New York zu werden. Seine Kandidatur mobilisierte die amerikanische Frauenbewegung gegen ihn. Sie beschimpfte den Schriftsteller als «größtes und reaktionärstes Schwein». Mailer rächte sich später mit der Auflistung all seiner Obsessionen. Sein Monolog «Gefangen im Sexus» in der elitären Zeitschrift «Harper's Bazaar» sorgte für einen Riesenaufruhr.

Ähnliche Aufmerksamkeit erwarb er mit der Autobiografie Jesus Christus, die er 1997 zum Entsetzen von Gläubigen in der Ich-Form veröffentlichte. In Deutschland erschien zuletzt sein Roman «Das Schloss im Wald» über die inzestuöse Familie von Adolf Hitler sowie die Kindheit und frühe Jugend des späteren «Führers». Eigentlich hatte er noch eine Fortsetzung schreiben wollen, bezweifelte beim Interview im August 2007 aber selbst, «ob mir die Zeit bleibt». Schon damals klagte der ehemalige Rebell, gesundheitlich sichtbar angeschlagen, über Kurzatmigkeit, die Folge von «Herzinsuffizienz», sowie schwere Probleme mit dem Sehen und Hören.

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Hintergrund: Werke von Norman Mailer - eine Auswahl

Hamburg (dpa) - Der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer schrieb über so viele Themen wie kaum ein Autor vor ihm. So beschäftigten ihn vor allem die düsteren Seiten des «American Dream», der Krieg, Sex, Politik und zuletzt auch der Glaube:

- «Über Gott» (2007): Das Buch gibt «ungewöhnliche Konversationen», so der Untertitel, zwischen dem Autor und seinem Biografen Michael Lennon wieder. Im Mittelpunkt steht die Haltung des früheren Atheisten Mailer zum Glauben.

- «Das Schloss im Wald» (2007): Der Roman beleuchtet auf der Suche nach den Wurzeln des Bösen die fiktive Jugend von Adolf Hitler.
Erzähler ist ein Gehilfe des Teufels namens Dieter.

- «Heiliger Krieg: Amerikas Kreuzzug» (2003): Mehr Kampfschrift als Sachbuch. Leitmotiv ist Mailers Zorn auf die Bush-Regierung und den Irak-Krieg.

- «Gnadenlos. Das Lied vom Henker» (1979): Für die Schilderung des Schicksals eines Doppelmörders bekommt Mailer seinen zweiten Pulitzerpreis.

- «Heere aus der Nacht» (1968): Der Roman mit Reportage-Charakter über eine Demonstration in Washington gegen den Vietnamkrieg verwischt die Grenzen zwischen Literatur und Journalismus. Er bringt Mailer einen Pulitzerpreis.

- «Die Nackten und die Toten» (1948): Gilt als einer der bedeutendsten Romane über den Zweiten Weltkrieg. Das von den Erlebnissen im Pazifikkrieg geprägte erste Buch des damals 25- jährigen Mailer blieb sein erfolgreichstes Werk.

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Norman Mailer mit 84 gestorben - «Der große Alte» der US-Literatur

New York (dpa) - Der weltbekannte US-Schriftsteller Norman Mailer ist tot. Der zweifache Pulitzer-Preisträger starb am Samstag in New York mit 84 Jahren an akutem Nierenversagen. Das bestätigte sein Assistent Dwayne Prickett der Deutschen Presse-Agentur dpa in New York.

Mailer war einer der innovativsten und vielseitigsten Autoren Amerikas. Mit seinen provokanten Romanen, Essays und journalistischen Arbeiten sorgte er immer wieder auch für Widerspruch und Kritik. Die «New York Times» nannte ihn zu seinem 80. Geburtstag den «großen Alten der amerikanischen Literatur». Mit zahlreichen privaten Skandalen galt der erbitterte Gegner von US-Präsident George W. Bush aber auch als «enfant terrible» der Schriftstellerzunft.

Der schon lange gebrechliche Mailer war Mitte Oktober wegen akuter Atemprobleme in New York ins Krankenhaus gebracht worden. Die Ärzte entfernten Narbengewebe an der Lunge, nach Angaben eines Sprechers hatte er sich zunächst gut erholt. Am Samstag teilte die Familie mit «großer Trauer» mit, Mailer sei am frühen Samstagmorgen im Mount Sinai Krankenhaus in New York gestorben. US-Medienberichten zufolge war die Familie am Vorabend noch bei ihm, einer seiner Söhne war am Krankenbett, als Mailer starb.

Noch im Sommer hatte der Schriftsteller bei einer Podiumsdiskussion in New York den deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass leidenschaftlich gegen Kritik an dessen kurzzeitiger Zugehörigkeit zur Waffen-SS verteidigt. Er könne sich vorstellen, dass er in einer vergleichbaren Situation ebenfalls zu dieser umstrittenen Einheit gegangen wäre, sagte er damals.

Der 1923 als Sohn jüdischer Einwanderer im Ostküstenstaat New Jersey geborene Mailer war schon mit seinem Erstlingsroman «Die Nackten und die Toten» (1948) weltberühmt geworden. Das Buch, in dem er seine Kriegserfahrungen verarbeitet, wurde in fast alle Sprachen übersetzt und war einer der größten internationalen Bestseller der Nachkriegszeit.

In den 1960er und 1970er Jahren setzte Mailer mit einer neuen Form des Journalismus Maßstäbe. Die Verknüpfung aktueller Ereignisse mit autobiografischem Material und politischen Kommentaren in der Reportage «Heere aus der Nacht» brachte ihm 1969 den ersten Pulitzer- Preis. Den zweiten erhielt er 1980 für seinen Bericht «Gnadenlos - Das Lied vom Henker» über den Doppelmörder Garry Gilmore. Bis zuletzt wurde er immer wieder als möglicher Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt.

Kaum ein anderer US-Autor hat ein so breites und vielseitiges Werk vorgelegt wie Mailer. Seine Themen waren Krieg und Frieden, Gott und Teufel, Sex und Gewalt - und immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit dem «Amerikanischen Traum» und seiner oft mangelhaften Umsetzung in der Praxis. Zu seinen bekanntesten Werken gehören «Der Albtraum» (1964), «Frühe Nächte» (1983) und «Gespenster. Die geheimen Mächte» (1992). Für Aufsehen sorgte seine Jesus- Biografie, in der er das Leben des Gottessohnes in Ich-Form erzählt. In Deutschland erschien zuletzt der Roman «Das Schloss im Wald» (2007) - ein Versuch, die Wurzeln des Bösen in der Natur von Adolf Hitler zu ergründen.

Immer wieder sorgte der polemische Rebell auch politisch für Furore. 1967 wurde er für seine Teilnahme an einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg verhaftet. Er legte sich lautstark mit der Frauenbewegung an, und kämpfte bis zuletzt entschieden gegen Präsident Bush und den Irak-Krieg.

Mailer war sechs Mal verheiratet und hatte neun Kinder. Seine zweite Frau verletzte er im Jahr 1960 schwer betrunken mit einem Messer. Nur weil sie bei der Polizei nicht gegen ihn aussagen wollte, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Über sein Lebenskonzept war er sich immer sicher: «Ich wusste, dass es eine Sache gibt, die ich wirklich will - und das war zu schreiben.»

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