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News-Sonderthema:
Die umstrittene Rechtschreibreform
Änderungen im Detail, Hintergründe, Chronologie
der Ereignissse und aktuelle Informationen zur Gesetzänderung
zum
01. August 2006
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26.07. Hoffen auf den Rechtschreibfrieden - Politik will sich heraushalten
Berlin (dpa) - Zehn Jahre lang ging es mit der deutschen Sprache
drunter und drüber: Ob groß oder klein, zusammen oder getrennt
- die
Politik hatte 1996 mit der großen Rechtschreibreform ein Wirrwarr
ausgelöst, das Schüler, Lehrer, Dichter und Denker nachhaltig
verunsicherte. Nun werden zum 1. August in Schulen und Behörden
wieder bundesweit einheitliche Regelungen eingeführt. Die «Reform
der
Reform» soll den lange ersehnten Rechtschreibfrieden
wiederherstellen. Und die Politik gibt sich geläutert und verspricht,
sich künftig aus dem leidigen Thema herauszuhalten.
«Die jetzt gefundenen Regelungen sind eine gute Basis für
einen
Rechtschreibfrieden. Da sie nicht nur von der Politik, sondern auch
von einer breiten Mehrheit der Fachleute unterstützt werden, hoffe
ich sehr, dass die Akzeptanz auch außerhalb der Schulen weiter
wachsen wird», sagt die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz
(KMK)
der Länder, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave
(SPD).
Die Ministerpräsidenten der 16 Länder hatten Ende März
einstimmig
die Korrekturen beschlossen, die vom Rat für deutsche Rechtschreibung
empfohlen worden waren. Sie betreffen vor allem Groß- und
Kleinschreibung sowie Zusammen- und Getrenntschreibungen. So werden
unter anderem Eigennamen wie «der Runde Tisch» wieder großgeschrieben
und Wörter wie «eislaufen» wieder zusammengeschrieben.
Reformiert wurde auch das Trennen am Zeilenende. So soll es
verwirrende Trennungen wie «Urin-stinkt» und «E-sel» nicht
mehr
geben. In vielen Fällen sind variable Schreibweisen zulässig,
wie bei
«Grafik» und «Graphik». Die Regeln gelten für
Schulen und Behörden,
der einzelne Bürger muss sich nicht daran halten. «Sie sind
vielmehr
frei, wie bisher zu schreiben», entschied das
Bundesverfassungsgericht.
Der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, Hans
Zehetmair, sieht gute Chancen für einen weitgehenden «Sprachfrieden».
In der Sprachwissenschaft solle die Debatte bewusst weitergehen. «Wir
wollen ja die Sprache beobachten und dann sehen wir, ob sich
Orthographie oder Orthografie, Spaghetti oder Spagetti durchsetzen
und ob man creditcard groß, getrennt oder zusammen schreibt.»
«Einheitlichkeit per se war auch gar nicht das Ziel», sagt
er. Es sei
gewollt, dass Zusammensetzungen wie «sitzen bleiben» mal
zusammen und
mal auseinander geschrieben werden, «und zwar nach ihrem Sinninhalt».
Nach Ansicht der Lehrerverbände wird die Reform zum neuen
Schuljahr Lehrer und Schüler kaum verunsichern. Das Textverständnis
der Schüler leide unter den Änderungen nicht, sagt die
stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer. Welche Varianten sich in der
Praxis bewährten, werde sich in den ein- bis zweijährigen
Übergangsfristen zeigen.
Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter
Meidinger, erwartet ebenfalls keine praktischen Probleme. «Die
Lehrer
sind einfach froh, dass in den Klassenzimmer Ruhe einkehrt.» Die
Änderungen beträfen nur einen Promille-Bereich des Wortschatzes. «Und
die Welt geht nicht unter, wenn der Lehrer einmal nachschlagen muss»,
sagt der Vertreter der Gymnasiallehrer. Nach dem Ende des Reformchaos
könnten sich die Schulen nun wieder stärker darum kümmern,
dass sich
verschlechternde Rechtschreibniveau der Schüler zu verbessern.
In fünf Jahren wird der Rechtschreibrat seinen nächsten
Reformbericht vorlegen. Die Lehrerverbände sind optimistisch,
dass
die Ministerpräsidenten dann der Versuchung widerstehen, noch
einmal
an der ganz großen Reformschraube zu drehen. «Ich bin mir
sicher, die
Fehler werden nicht noch einmal gemacht. Es wird nur noch um sehr
behutsame Änderungen gehen, die sich am praktischen Sprachgebrauch
orientieren», meint Lehrer Meidinger. Die Schulbuchverlage, die
die
neuen Regeln schnell umsetzen wollen, hoffen, dass in den Medien
künftig genauso geschrieben wird wie in den Schulbüchern,
wie Rino
Nikolic vom Verband deutscher Schulbuchverlage sagt.
Die meisten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wollen die zum 1.
August in Kraft tretenden Änderungen der deutschen Rechtschreibung
umsetzen. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen werden die Änderungen
ebenfalls anwenden und - als Ergebnis einer Befragung ihrer Kunden
- künftig bei Varianten die klassischen Schreibweisen
wählen.
Auch der Verlag Axel Springer, der zu den Kritikern der
reformierten Rechtschreibung gehörte, hat eine Umstellung
entsprechend dem Beschluss der Kulturminister zum 1. August
angekündigt. Der Verlag war im August 2004 zur alten Rechtschreibung
zurückgekehrt.
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26.07. Korrektur der Rechtschreibreform auch in Österreich und Schweiz
Wien/Genf (dpa) - Auch die deutschsprachigen Nachbarländer
schließen sich der Korrektur der Rechtschreibreform an. In Österreich
tritt nach Auskunft des Bildungsministeriums die neue Schreibweise
am
1. August offiziell in Kraft. An den Schulen wird ab
Schuljahresbeginn nach den überarbeiteten Regeln gelehrt. Es gilt
jedoch noch eine Übergangsfrist von zwei Jahren, in der die alte
Reformschreibweise nicht als Fehler gerechnet wird.
Das «Österreichische Wörterbuch» mit den korrigierten
Schreibweisen liegt bereits vor. Auf Vorschriften zur Schreibweise
im
offiziellen Schriftverkehr wurde verzichtet. Auch der Verband der
österreichischen Zeitungsherausgeber gibt nach Auskunft einer
Sprecherin keine Empfehlung ab. Jene Blätter, die die erste
Rechtschreibreform übernommen hatten, werden über die Einführung
der
Änderungen selbst entscheiden.
In der Schweiz tritt nach einem Beschluss der
Erziehungsdirektorenkonferenz ebenfalls am 1. August die modifizierte
Rechtschreibung offiziell in Kraft. An den Schulen wird die alte
Reformschreibweise noch drei Jahre lang toleriert. Der
Rechtschreibleitfaden für den offiziellen Schriftverkehr werde
noch
überarbeitet, sagte eine Sprecherin. Im Herbst soll eine Neuauflage
des Schweizer Schülerdudens erscheinen. Auch hier entscheiden
nach
Angaben des Verbands der Schweizer Presse die Zeitungsverlage selbst
über die künftig verwendete Schreibweise.
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30.03. Rechtschreibreformen künftig
wirklich ganz ohne Politik?
Berlin (dpa) - Eigentlich wollte keiner der 16 Ministerpräsidenten
noch etwas von der leidigen Rechtschreibreform wissen. Sichtlich genervt
vom jahrelangen Dauerstreit winkten die Länder- Regierungschefs
am Donnerstag bei ihrem Treffen in Berlin eine Vorlage der Kultusminister
einstimmig und ohne weitere Aussprache durch, nach der die missglückte
Reform von 1996 in wesentlichen Punkten wieder korrigiert wird.
«Die Politik sollte sich zukünftig aus der Weiterentwicklung
der deutschen Rechtschreibung heraushalten», ließ Niedersachsen
Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verlauten. «Viel
Chaos», ja «ein einziges Fiasko» sei angerichtet
worden und die «orthografische Krise» in Deutschland trotz
des Kompromisses immer noch nicht überwunden.
Dabei hatte gerade der Politiker Wulff selbst nicht unwesentlich
bei dem Streit mitgemischt und sich noch im vergangenen Jahr wochenlang
als Reformrebell feiern lassen. Mit der alten Indianerweisheit «Steige
ab, bevor das Pferd tot ist» hatte Wulff dann wieder geschickt
seinen Rückzug eingeleitet - wohl wissend, dass im Fahrwasser
der anderen 15 Bundesländer lediglich eine kleine Reform der Reform
- nicht eine Totalrevision - durchzusetzen war.
Auch der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers
(CDU) zeigte sich mit den kleinen, aber doch sichtbaren Korrekturen
an den Schreibregeln halbwegs zufrieden. Noch als Oppositionsführer
hatte Rüttgers vollmundig angekündigt, dass im Fall eines
CDU- Wahlsieges das bevölkerungsreichste Bundesland wieder vollständig
zu den alten Schreibweisen zurückkehren werde. Ohne weitere
Kommentare verließ Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber (CSU)
das Treffen in Berlin. Stoiber hatte 1996 den umstrittenen Beschluss
mitgetragen.
Die vom Rat für deutsche Rechtschreibung und Leitung des früheren
bayerischen Wissenschaftsministers Hans Zehetmair (CSU) in einjähriger
Arbeit gefundenen Kompromisse werden nun zweifelsohne den aktuellen
Streit deutlich entkrampfen - auch wenn die Reformgegner immer noch
nicht zufrieden sind und ihre Proteste fortsetzen wollen.
Ein wesentliches Ziel wurde aber erreicht: Mit Start des neuen Schuljahrs
im Herbst gelten in allen Bundesländern bei der Korrektur von
Klassenarbeiten wieder die gleichen Regeln. Der Kultusministerkonferenz
bleibt weiterer Gesichtsverlust erspart. Das Tauziehen um die Rechtschreibreform
war für sie wahrlich kein Vorzeigestück eines selbstbewussten
Länder-Bildungs-Föderalismus.
Der von den Kultusministern eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung
- bestückt mit Gegnern wie Reformbefürwortern - wird nun
nach Abschluss der Reform der Reform auch auf Dauer die Rolle eines
neuen deutschen Sprachwächters einnehmen - wie einst der privat-wirtschaftliche
organisierte Duden Verlag. Doch ob es bei den denkbaren weiteren Änderungen
so ganz ohne die Politik zugehen wird, ist fraglich. In fünf Jahren
wird der Rechtschreibrat seinen nächsten Reformbericht vorlegen.
Nach den bisherigen Absprachen soll dieser dann erneut vor seinen Umsetzung
von den Kultusministern und auch den Ministerpräsidenten gebilligt
werden.
Vor 50 Jahren hatte sich dies die «Ständige Konferenz
der Kultusminister der Länder» noch sehr leicht gemacht:
Unter der Rubrik «Sonstiges» im Bundesanzeiger vom 15.
Dezember 1955 hatte die KMK damals lapidar mitgeteilt, dass fortan
in Zweifelsfällen der Sprache «die im Duden gebrauchten
Schreibweisen und Regeln verbindlich sind». Mit dieser kleinen
amtlichen Mitteilung wurde zugleich ein Verlags-Monopol begründet,
das gut 40 Jahre halten sollte - nämlich bis zur Verabschiedung
der Zwischenstaatlichen Vereinbarung über die Rechtschreibreform
von Deutschland, Österreich und der Schweiz vom Juli 1996.
Dabei funktionierte das Duden-Verfahren in der Praxis recht
simpel: Tauchten in Medien oder im öffentlichen Sprachgebrauch
extrem oft abweichende Schreibweisen auf, wurde dies im wissenschaftlichen
Beirat des Verlages eingehend geprüft. In vielen Fällen tauchten
dann die abweichende Schreibweisen in der nächsten oder übernächsten
Duden-Ausgabe als neue, zulässige Variante auf - und wurden so
peu à peu auch in den regulären Sprachgebrauch eingeführt.
Gerade mit dieser Praxis wollte die Rechtschreibreform aber brechen.
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04.03. Gewerkschaft GEW hofft auf Schlussstrich
Berlin (dpa) - Nach der Korrektur der Rechtschreibreform durch die
Kultusminister hofft die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW) auf ein Ende der Debatte. Die Rechtschreibung werde zwar nicht
leichter und eindeutiger, aber die Schulen hätten so viel wichtigere
Probleme, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer
am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Sie sprach sich dagegen aus,
zur neuen Schreibweise auch die alte Rechtschreibung zu erlauben.
«Für die Schule ist das keine Lösung», sagte
sie. Es dürfe kein Nebeneinander von zwei oder drei Schreibweisen
geben: «Da werden alle verrückt.»
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04.03. Lammert kritisiert Umgang der Politik
mit der Rechtschreibreform
Berlin (dpa) - Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Korrektur
der Rechtschreibreform durch die Kultusministerkonferenz als mehr als überfällig
bezeichnet. Für ihn sei das Verfahren «ein famoses Beispiel
dafür, wie mühsam die Politik gelegentlich Lösungen
für Probleme sucht, die sie selbst ohne Not geschaffen hat»,
sagte der CDU-Politiker dem am Donnerstagabend ausgestrahlten 3sat-Magazin «Kulturzeit». «Schon
vor Beginn dieser jahrelangen quälenden Debatte habe man wissen
können, dass die Sprache eines Volkes, eines Landes und folgerichtig
auch deren Schreibung sich schlechterdings politischen Kommandos entzieht»,
sagte Lammert. Die Uneinigkeit sei besonders für die Schulen eine
Zumutung gewesen. Er würde sich gerne überraschen lassen,
wenn jetzt die Debatte um die Rechtschreibung endgültig vom Tisch
wäre, meinte der Bundestagspräsident.
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04.03. Bayerische Lehrer- und Elternverbände
begrüßen Rechtschreibreform
München (dpa/lby) - Bayerische Eltern- und Lehrerverbände
haben das Ende der Diskussion um die Rechtschreibreform begrüßt. «Wir
brauchen Sicherheit, was denn jetzt an den Schulen gelten soll»,
sagte Philologenchef Max Schmidt am Freitag in München. Das ständige
Hin und Her bringe nichts. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte
am Donnerstag in Berlin einstimmig beschlossen, die umstrittene Rechtschreibreform
von 1996 in mehreren Punkten zu korrigieren.
«Das Thema ist an den Schulen keines», sagte Elternvorsitzende
Ursula Walther. «Ihre Rechtschreibfehler machen die Kinder nur
selten bei den Wörtern, um die die Experten zehn Jahre lang erbittert
gestritten hatten.» Die Änderungen beträfen nur etwa
zwei Prozent des deutschen Wortschatzes. Der Philologenverband geht
davon aus, dass sich die Rechtschreibung in den kommenden Jahren noch
weiterentwickeln wird. «Wir müssen mit weiteren Reformen
rechnen», sagte Schmidt.
Die bayerischen Schüler müssen sich ab 1. August an die
neuen Rechtschreibregeln halten. Für das erste Schuljahr ist eine Übergangsfrist
geplant. In dieser Zeit werden die Fehler angestrichen, aber nicht
bewertet. Während in den 14 anderen Bundesländern die unstrittigen
Teile der Reform bereits seit dem 1.
August 2005 verbindlich waren, hatten Bayern und Nordrhein-Westfalen
die Umsetzung zunächst nicht mitgemacht.
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04.03. Verlage arbeiten an neuen Schulbüchern
- Medien warten noch ab
Hamburg (dpa) - Nach der Korrektur der umstrittenen Rechtschreibreform
sollen neue Schulbücher bereits zum neuen Schuljahr Anfang September
erscheinen. «Das kostet uns wieder einen Haufen Geld. Aber ab
morgen werden wir die ersten Deutsch-Bücher korrigieren»,
sagte Programm-Geschäftsführer Peter Schell vom Verlag Westermann/Schroedel/Diesterweg
am Freitag in Braunschweig; der Verlag gibt knapp 10 000 unterschiedliche
Schulbücher heraus. Auch der Ernst Klett Verlag in Stuttgart will
Zug um Zug die Änderungen umsetzen, die die Kultusministerkonferenz
(KMK) am Vortag beschlossen hatte.
Inwieweit die Zeitungen und Zeitschriften sich der geänderten
Rechtschreibung anschließen, ist noch offen. Die Nachrichtenagenturen,
die an der Erarbeitung der modifizierten Regeln beteiligt waren, wollen
sich noch im März treffen, um über ihre künftigen Schreibweisen
zu beraten. Danach wollen sie ihren Kunden einen gemeinsamen Vorschlag
vorlegen.
Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hatte bereits zum
Jahreswechsel die Empfehlungen des Rates für Rechtschreibung umgesetzt.
Der größte Teil der Printmedien und die Nachrichtenagenturen
in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten 1999 die wesentlichen
Teile der neuen Rechtschreibung eingeführt, allerdings mit einigen
Besonderheiten. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» kehrte
ein Jahr später zur alten Rechtschreibung zurück, 2004 folgte
der Axel-Springer-Verlag diesem Beispiel.
Springer will bis Ende März prüfen, ob nach der KMK-Entscheidung
etwas geändert wird. Über den künftigen Kurs des Verlags
sagte Sprecherin Edda Fels am Freitag: «Die Entscheidung ist
noch nicht gefallen.» Am 30. März trifft sich die Ministerpräsidenten-
Konferenz, die dem KMK-Beschluss noch formell zustimmen muss.
Der Verband VdS Bildungsmedien - früher Verband der Schulbuchverlage
- hält die Korrektur der Rechtschreibung für eine «richtige
Entscheidung». «Sie wird hoffentlich lange Bestand haben»,
sagte Geschäftsführer Andreas Baer der dpa in Frankfurt.
Der Verband vertritt die Interessen der Firmen, die Medien für
das Bildungswesen produzieren und war im Rat für deutsche Rechtschreibung
vertreten, der die Änderungen nach einjähriger Arbeit vorgeschlagen
hatte.
Der Aufwand sei überschaubar, weil die Schulen mit den bestehenden
Büchern weiter machen könnten - ergänzt durch einige
Materialien vor allem zur Getrennt- und Zusammenschreibung, sagte Baer. «Wir
sind nicht mehr in der Situation wie 1996, dass wir wirklich mit Kraft
neue Schulbücher- und Mediengenerationen entwickeln müssen.» Der Übergang
könne jetzt schrittweise erfolgen und «sprengt den Kostenrahmen
nicht». Pro Schulbuch, das nicht mehr einfach nachgedruckt, sondern überarbeitet
werden muss, rechnet Baer mit Kosten von rund 6000 Euro. «Wie
viele Titel das sind, kann man jetzt aber noch nicht sagen.»
Die KMK hatte am Donnerstag die Änderungen an der umstrittenen
Rechtschreibreform von 1996 beschlossen. Ab August können damit
wieder bundesweit an allen Schulen die gleichen Rechtschreibregeln
gelten. Auch Bayern und Nordrhein-Westfalen, die vor einem Jahr zunächst
die weitere Umsetzung der Reform zurückgestellt hatten, sind dabei.
Schulbuchverlage, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
(GEW) und Politiker äußerten die Hoffnung, das Thema Rechtschreibreform
nun abschließen zu können. Die Rechtschreibung werde zwar
nicht leichter und eindeutiger, aber die Schulen hätten so viel
wichtigere Probleme, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne
Demmer am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Sie sprach sich dagegen
aus, zur neuen Schreibweise auch die alte Rechtschreibung zu erlauben.
Es dürfe kein Nebeneinander von zwei oder drei Schreibweisen geben: «Da
werden alle verrückt.»
Nach Ansicht von Bundestagspräsident Norbert Lammert war die
Rechtschreibreform «ein famoses Beispiel dafür, wie mühsam
die Politik gelegentlich Lösungen für Probleme sucht, die
sie selbst ohne Not geschaffen hat.» Niedersachsens Kultusminister
Bernd Busemann
(CDU) sagte: «Wir sind am eher beruhigenden Ende eines qualvollen
Weges. Jetzt kehrt endlich wieder Ruhe und Verbindlichkeit in der Rechtschreibung
ein.»
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03.03. Verlag will zügige Korrektur von Deutschbüchern - Minister
zufrieden
Hannover/Braunschweig (dpa/lni) - Niedersachsens Kultusminister Bernd
Busemann (CDU) hat die Korrektur zur Rechtschreibreform mit Erleichterung
aufgenommen. Der Schulbuchverlag Westermann - Schroedel
- Diesterweg in Braunschweig beginnt nun zügig mit den Änderungen
in Deutsch-Büchern. «Das kostet uns wieder einen Haufen
Geld. Aber ab morgen werden wir die ersten Deutsch-Bücher korrigieren»,
sagte der Programm-Geschäftsführer der Verlages, Peter Schell,
am Freitag in Braunschweig.
Kultusminister Busemann sagte: «Wir sind am eher beruhigenden
Ende eines qualvollen Weges. Jetzt kehrt endlich wieder Ruhe und Verbindlichkeit
in der Rechtschreibung ein.» Es sei wichtig gewesen, mit dem
Rat für Rechtschreibung wieder den Experten die Sorge um die Entwicklung
der Sprache anzuvertrauen, sagte der Minister. «Die Politik sollte
sich künftig da heraushalten und weiter dem Rat und seinen Empfehlungen
vertrauen.» Mit den Korrekturen der Rechtschreibung wollen die
Kultusminister einen Schlussstrich unter die seit mehr als zehn Jahren
erbittert geführten Auseinandersetzungen ziehen.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte am Donnerstag Änderungen
an der umstrittenen Rechtschreibreform von 1996 beschlossen. Sie folgt
mit ihrer Entscheidung den Empfehlungen des Rates für deutsche
Rechtschreibung, der die Änderungen der besonders strittigen Teile
der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung,
der Zeichensetzung und Silbentrennung erarbeitet hat.
Der Schulbuchverlag Westermann - Schroedel - Diesterweg will bis
zum Beginn des Schuljahres 2006/2007 am 1. September die Deutsch- Bücher
in der neuesten Form vorlegen. Am stärksten betroffen von den
Rechtschreib-Korrekturen seien vor allem die Deutsch-Titel für
die Klassen 7 und 8, sagte Programm-Geschäftsführer Schell.
Der Verlag gibt knapp 10 000 unterschiedliche Schulbücher
heraus. Von den Änderungen bei der Rechtschreibung seien rund
500 Deutsch-Werke in größerem Maße betroffen.
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03.03. Die geänderte Rechtschreibreform: einige Beispiele
Hamburg (dpa) - Die Kultusministerkoferenz hat am Donnerstag in Berlin Änderungen
der Rechtschreibreform beschlossen. Die Empfehlungen des Rats für
deutsche Rechtschreibung wurden komplett übernommen. Die Änderungen
bedeuten teilweise eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung. Einige
Beispiele:
| Alte Rechtschreibung |
Rechtschreibreform |
Empfehlung des Rats für Deutsche
Rechtschreibung |
|
eislaufen
leid tun
recht haben
radfahren
näherkommen
richtigstellen
kennenlernen
Essen warm machen
Wand rot streichen
schwerkrank
das Schwarze
Brett
angst und bange
bis auf weiteres
für jung und alt
sich zu eigen machen
gelbe Karte
Du (im Brief)
daß
Schiffahrt
Bio-müll |
Eis laufen
Leid tun/leidtun
Recht haben
radfahren
näher kommen
richtig stellen
kennen lernen
Essen warm machen
Wand rot streichen
schwer krank
das schwarze Brett
Angst und Bange
bis auf Weiteres
für Jung und Alt
sich zu Eigen machen
gelbe Karte
du
dass
Schifffahrt
Bi-o-müll |
eislaufen
leidtun
auch: recht haben
Rad fahren
näherkommen
richtigstellen
auch: kennenlernen
auch: Essen warmmachen
auch: Wand rotstreichen
auch: schwerkrank
das Schwarze Brett
angst und bange
auch: bis
auf weiteres
für Jung und Alt
sich zu eigen machen
Gelbe Karte
auch: Du
dass
Schifffahrt
Bio-müll |
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02.03. Chronologie: Der jahrelange Streit um die Rechtschreibreform
Hamburg (dpa) - Wichtige Etappen im jahrelangen Streit um die
Rechtschreibreform:
1. Juli 1996: Nach mehr als zehnjähriger Beratung einer Expertenkommission
unterzeichnen Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein
und die Länder mit deutschsprachiger Minderheit eine Erklärung
zur Rechtschreibreform.
6. Oktober 1996: Auf der Frankfurter Buchmesse unterschreiben 100
Schriftsteller und Wissenschaftler die «Frankfurter Erklärung» für
einen Stopp der Reform.
14. Juli 1998: Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Reform
für rechtmäßig und weist eine Klage als unbegründet
ab.
1. August 1998: Die neue Rechtschreibung tritt für alle Schulen
und Behörden in Kraft. Die Übergangszeit, während der
auch die alte Schreibweise erlaubt ist, endet zum 1. August 2005.
31. Juli 1999: Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen setzen
die Reform um - allerdings mit einigen Besonderheiten.
1. August 1999: Nahezu alle Zeitungen in Deutschland, Österreich
und der Schweiz erscheinen nach den neuen Regeln.
1. August 2000: Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» kehrt
zur alten Schreibweise zurück. Vier Jahre später folgt der
Axel-Springer- Verlag weitgehend.
3. August 2000: Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
appelliert an Zeitungen, Verlage, Betriebe und staatliche Stellen,
zur alten Rechtschreibung zurückzukehren.
10. September 2000: 64 Prozent der Deutschen lehnen laut einer Umfrage
des Allensbacher Instituts für Demoskopie die Rechtschreibreform
ab.
29. Juli 2004: Die Mehrzahl der 16 Ministerpräsidenten plädiert
dafür, die neuen Regeln wie von der Kultusministerkonferenz (KMK)
beschlossen zum 1. August 2005 verbindlich einzuführen.
17. Dezember 2004: Der Rat für deutsche Rechtschreibung konstituiert
sich in Mannheim. Die Expertengruppe soll Empfehlungen zu besonders
strittigen Punkten geben.
8. April 2005: Der Rat plädiert dafür, die Reform teilweise
rückgängig zu machen und etwa wieder mehr Verben zusammenzuschreiben.
2. Juni 2005: Die unstrittigen Teile sollen wie geplant zum 1.
August für Schulen und Behörden verbindlich werden, beschließt
die KMK.
16. Juli 2005: Bayern und Nordrhein-Westfalen kündigen an, dass
sie entgegen dem früheren Ministerpräsidenten-Beschluss die
verbindliche Einführung der neuen Rechtschreibregeln bis auf weiteres
verschieben.
1. August 2005: In Schulen und Behörden werden die als weitgehend
unstrittig geltenden Teile der Rechtschreibreform endgültig verbindlich.
3. Februar 2006: Der Rat für deutsche Rechtschreibung beschließt Änderungen
für die Groß- und Kleinschreibung. Zuvor hatte er bereits Änderungsvorschläge
für die Bereiche Getrennt- und Zusammenschreibung sowie Silbentrennung
und Zeichensetzung vorgelegt.
27. Februar 2006: Der Rechtschreibrat übergibt nach einjähriger
Arbeit seine Korrekturvorschläge an die Kultusministerkonferenz.
2. März 2006: Die Kultusminister entscheiden in Berlin über
die Änderungen der Reform, etwa bei Getrennt- und Zusammenschreibung,
Groß- und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung und Silbentrennung.
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01.03. Kultusminister wollen Rechtschreibreform ändern
Berlin (dpa) - Die Kultusminister wollen an diesem Donnerstag bei
einem zweitägigen Treffen in Berlin die umstrittene Rechtschreibreform
von 1996 in mehreren Bereichen ändern. Dazu gehören Teile
der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung,
der Zeichensetzung und Silbentrennung. Der von den Kultusministern
eingesetzte Rat für Rechtschreibung hat dazu in einjähriger
Arbeit einen Katalog mit Empfehlungen erstellt, der Grundlage für
den Beschluss ist. Es wird auf der Ministersitzung mit Zustimmung gerechnet.
Der Vorsitzende des Bundeselternrates, Winfried Steinert, begrüßte
am Mittwoch die sich abzeichnenden Korrekturen. Steinert sprach von «behutsame Änderungen».
In diesem Stil sollte die Rechtschreibreform auch künftig weiterentwickelt
werden. Dadurch werde deutlich, «dass Sprache ein lebendiger
Prozess ist», sagte Steinert der dpa.
An den Schulen werden die neuen Schreibweisen bereits seit Herbst
1996 unterrichtet. In 14 von 16 Bundesländern wie auch in den
deutschsprachigen Nachbarländern ist die Rechtschreibreform seit
dem 1. August 2005 verbindlich. Abweichungen von den neuen unstrittigen
Teilen des Regelwerks werden in den Schulen dort auch als Fehler gewertet.
Nach den jetzt geplanten Änderungen wollen auch Bayern und Nordrhein-Westfalen
nachziehen, so dass zum neuen Schuljahr ab Herbst
2006 wieder eine bundeseinheitliche Rechtschreibung gilt. Für
Korrekturen gilt in den Schulen erneut eine einjährige Übergangs-
Toleranzfrist.
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28.02. Kritiker: Alte Schreibweisen nicht
ins «Rotstrichmilieu» abdrängen
Kiel (dpa) - Die schleswig-holsteinische Bürgerinitiative «Wir
gegen die Rechtschreibreform» hat trotz der am Montag veröffentlichten Änderungsvorschläge
die Rückkehr zu den alten Schreibweisen gefordert. Durch die Absicht
der Kultusminister, Anfang März die neuen Schreibweisen für
allein gültig zu erklären, werde die bisher gedruckte Literatur
ins «Rotstrichmilieu» abgedrängt, teilte die Initiative
am Dienstag in Kiel mit. Unterstützt wird die Initiative von Germanisten,
Deutschlehrern und Schriftstellern. |
28.02. Schriftstellerin Zeh für Ende der Debatte über Rechtschreibreform
Leipzig (dpa/sn) - Die Leipziger Schriftstellerin Juli Zeh («Adler
und Engel», «Stille ist ein Geräusch») hat sich
für die verbindliche Annahme der von der Kultusministerkonferenz
vorgeschlagenen Korrekturen der Rechtschreibreform ausgesprochen. Sie
forderte, endlich die Diskussion über die Reform zu beenden. «Ich
fände es am besten, wenn man das jetzt vorliegende Regelwerk akzeptieren
und sich beruhigen würde», sagte die 31-jährige Erfolgsautorin
der dpa am Montag. In wenigen Jahren würden sich alle an die neue
Rechtschreibung gewöhnt haben und diese als völlig normal
empfinden.
Die Aufregung um die Rechtschreibreform bezeichnete Zeh als «Sturm
im Wasserglas». Die Sprache sei ein lebendiges Wesen, das ohnehin
mache, was es wolle. Generell habe sie den Großteil der ursprünglichen
Rechtschreibreform wie die Eindeutschung von Fremdwörtern oder
die «Beliebigkeit» bei der Zeichensetzung abgelehnt.
Am Montag hatte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz
Ute Erdsiek-Rave (SPD) Änderungsvorschläge des Rates für
deutsche Rechtschreibung entgegen genommen. Der mit Experten aus dem
gesamten deutschsprachigen Bereich besetzte Rat unter Vorsitz des früheren
bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) hatte in einjähriger
Arbeit Korrekturvorschläge für die besonders strittigen Bereiche
der
1996 beschlossenen Reform erstellt. Dazu zählen Teile der Getrennt-
und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung
und Silbentrennung.
Die erneut reformierten neuen Regeln wertete Zeh als weitere «lobenswerte» Deregulierung.
Schwierige Fragen der Rechtschreibung würden der Entscheidung
des Einzelnen überlassen werden. Allerdings habe der Ansatz mit
Einfachheit und Klarheit bei Regelgebung wenig zu tun. Sie halte es
ohnehin für sinnlos, der Sprache neue Regeln aufzuzwingen, um
eine Vereinfachung zu erreichen. Dafür sei Sprache ein viel zu
komplexes Gebilde.
Die Literatin hat sich selbst nach eigener Aussage einen individuellen
Schreibstil angeeignet, in dem eine «gepflegte Anarchie» herrsche. «Ich
habe mir aus allen Regelvorschlägen das herausgesucht, was mir
am besten gefiel, und verwende jetzt eine Mischung aus alter, neuer
und selbst erfundener Rechtschreibung. Sehr zum Leidwesen aller Korrektoren
und Lektoren!»
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27.02. Sprachakademie: «Das
läuft wieder auf die alte Rechtschreibung zu»
Darmstadt/Potsdam (dpa) - Die Deutsche Akademie für Sprache und
Dichtung begrüßt die vorgelegten Änderungsvorschläge
zur umstrittenen Rechtschreibreform. «Praktisch alles, was gemacht
wurde, folgt dem Kompromissvorschlag der Akademie», sagte deren
Vertreter im Rat für deutsche Rechtschreibung, Peter Eisenberg,
am Montag der Deutschen Presse-Agentur. «Das läuft wieder
auf die alte Rechtschreibung zu», sagte der Potsdamer Germanist. «Was
wir jetzt erreicht haben, sind substanzielle Schritte in die richtige
Richtung.»
Dies gelte insbesondere für die Änderungsvorschläge
zur Getrennt- und Zusammenschreibung. Mit den Änderungsvorschlägen
sei hier «weitgehend die alte Schreibung wiederhergestellt».
Als zu zaghaft kritisierte der Germanist die Änderungsvorschläge
zur Zeichensetzung.
Auch bei der Groß- und Kleinschreibung seien wegen des Widerstands
der Kultusminister nur «ein paar wenige Änderungen» gelungen. «Da
hätten wir gerne mehr gemacht.»
Eine Empfehlung an die Akademie-Mitglieder, nach den vorgeschlagenen Änderungen
die neue Rechtschreibung zu befolgen, wollte Eisenberg nicht abgeben. «Ich
würde da niemandem eine Vorschrift machen und niemanden überreden
wollen».
Als völlig offen bezeichnete Eisenberg die Frage, wie der Rat
seine künftige Aufgabe einer permanenten Sprachbeobachtung erfüllen
solle. «Der Rat, so wie er ist, kann das nicht», sagte
er. Dies liege vor allem daran, dass ihn die Kultusminister mit keinerlei
Ressourcen ausgestattet habe. «Da muss unbedingt ganz schnell
eine Lösung gefunden werden.»
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27.02. Die Empfehlungen des Rates für
deutsche Rechtschreibung
Berlin (dpa) - Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am Montag
in Berlin seine Empfehlungen zur Überarbeitung der Rechtschreibreform
der Kultusministerkonferenz (KMK) überreicht. Die KMK will auf
ihrer Sitzung am 2./3. März in Berlin einen Beschluss über
das Inkrafttreten und die Regelung der Übergangszeit fassen. dpa
dokumentiert die in einer Pressemitteilung zusammengefassten «wichtigsten
Vorschläge» des Rates für deutsche Rechtschreibung:
«Die Vorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung
betreffen die Bereiche der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß-
und Kleinschreibung, der Zeichensetzung und der Worttrennung am Zeilenende.
1. Getrennt- und Zusammenschreibung:
Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung wird der den Traditionen
des Deutschen entsprechenden Tendenz zur Zusammenschreibung Rechnung
getragen. Als wichtiges Kriterium wird das Akzentmuster benannt:
Zusammenschreibung korreliert mit (einem zusammenfassenden) Wortakzent.
Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:
a) Schreibung von Partikel + Verb
Partikeln werden mit Verben grundsätzlich zusammengeschrieben.
An die Stelle der formalen Regel, nach der Elemente wie z.B. aufeinander
und abwärts immer getrennt vom folgenden Verb zu schreiben sind,
tritt das Kriterium des einheitlichen Wortakzents. Liegt ein einheitlicher
Wortakzent vor, dann ist zusammenzuschreiben, zum
Beispiel: abhandenkommen, abwärtsfahren, anheimfallen, aufeinanderstapeln,
querlesen
Anderenfalls, d.h. bei adverbialem Gebrauch, ist getrennt zu schreiben,
zum Beispiel: aufeinander achten, quer (im Bett) liegen, rückwärts
einparken
b) Schreibung von Adjektiv + Verb
Die vorgeschlagene Hauptänderung besteht darin, dass bei einer
neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung generell Zusammenschreibung
eintritt. Formale Regeln, wie insbesondere die Regel, nach der Adjektive
auf -ig, -isch und -lich stets vom folgenden Verb getrennt zu schreiben
sind, entfallen.
Beispiele: müßiggehen, (sich) näherkommen, schwerfallen
(= Mühe verursachen), (jmdn.) zufriedenlassen (= in Ruhe lassen),
seligpreisen
Bei den sog. Resultativa (= Verbindungen, bei denen das Adjektiv
eine Eigenschaft des Objekts bezeichnet) ist grundsätzlich Zusammen-
wie Getrenntschreibung möglich, zum Beispiel:
(eine Wand) blau streichen/blaustreichen, (Zwiebeln) klein schneiden/kleinschneiden,
(Essen) warm machen/warmmachen
c) Schreibung von Substantiv + Verb
Der Rat schlägt vor, die Liste der Zusammensetzungen aus Substantiv
+ Verb, bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbständiger
Substantive weitgehend verloren haben, um eislaufen, kopfstehen und
nottun zu erweitern und leidtun entsprechend einzustufen (d.h. die
Variante Leid tun zu streichen).
Weiterhin sollen in vier Übergangsfällen Doppelschreibungen
zulässig sein: achtgeben/Acht geben, achthaben/Acht haben, haltmachen/Halt
machen, maßhalten/Maß halten.
Ansonsten gilt die Regel, nach der in Verbindungen aus Substantiv
+ Verb das Substantiv groß- und getrennt vom Verb geschrieben
wird
(z.B. Rad fahren).
d) Schreibung von Verb (Infinitiv) + Verb
Verbindungen aus Verb (Infinitiv) + Verb werden prinzipiell getrennt
geschrieben. Die Zusammenschreibung soll aber ermöglicht werden
bei übertragen gebrauchten Verbindungen mit zweitem Bestandteil
bleiben oder lassen (wie z.B. bei "in der Schule sitzenbleiben", "die
Freundin stehenlassen") sowie bei kennen lernen.
e) Schreibung von Verbindungen mit Adjektiven als ersten Bestandteilen
Bei Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv als graduierender
Bestimmung ist Getrennt- wie Zusammenschreibung möglich, zum Beispiel:
eng verwandt/engverwandt, schwer krank/schwerkrank.
f) Schreibung mehrgliedriger Anglizismen
Die Schreibung mehrgliedriger Anglizismen aus Adjektiv + Substantiv
wird an das Akzentmuster gekoppelt: Zusammenschreibung, wenn der Hauptakzent
auf dem adjektivischen Bestandteil liegt, Getrenntschreibung, wenn
beide Bestandteile einen Akzent tragen.
Beispiele: Freestyle, Hightech, Shootingstar; Golden Goal, Private
Banking, Round Table
Sind beide Akzentmuster möglich, dann kann getrennt- wie zusammengeschrieben
werden, zum Beispiel: Big Band/Bigband, Hot Pants/Hotpants, Small Talk/Smalltalk
2. Groß- und Kleinschreibung:
Die Änderungsvorschläge im Bereich der Groß- und
Kleinschreibung werden auf das systematisch Nötige (vor allem
im Hinblick auf
Getrennt- und Zusammenschreibung) beschränkt und beschreiben den
existierenden Gebrauch präziser.
Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:
a) Einzelne Schreibweisen
- zwecks Unterscheidung zwischen substantivischem und nichtsubstantivischem
Gebrauch ist in einigen Fällen Kleinschreibung
vorgesehen:
zu eigen machen, geben (versus sein Eigen nennen) jmdm. feind sein
versus jmds. Feind sein (er ist ihm feind versus er ist mein (ärgster,
größter, schlimmster ~) Feind; ebenso: freund, klasse, spitze,
not u.a. in Verbindung mit den Verben sein/bleiben/werden
- aufgrund des unklaren Wortartstatus:
Zusammenschreibung von bankrottgehen, pleitegehen (versus in den
Bankrott gehen)
Groß- wie Kleinschreibung bei recht/Recht und unrecht/Unrecht
in Verbindung mit Verben wie geben, haben, tun
b) Regeln
- Dem Schreibgebrauch entsprechend ist bei Verbindungen aus Adjektiv
+ Substantiv mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung die Großschreibung
des Adjektivs möglich, zum
Beispiel:
der Blaue Brief (= Mahnschreiben), der Runde Tisch (in der Politik),
das Schwarze Brett (= Anschlagtafel)
- Die Schreibung von Verbindungen mit fachsprachlichem oder terminologischem
Charakter richtet sich nach dem Gebrauch in dem jeweiligen Bereich,
zum Beispiel:
die Erste Hilfe (bei Unglücksfällen), die Rote Karte (im
Sport), die Große Kreisstadt; seltene Erden, die eiserne Lunge
- dem Wunsch nach einer "Höflichkeits"-Großschreibung
beim Pronomen Du und den dazugehörigen Fällen in Briefen
wird durch Zulassung der Großschreibung Rechnung getragen
In weiteren Bereichen (Pronomina/Zahlwörter) schien in dem vorgegebenen
Rahmen keine Lösung möglich, die weniger Variation erzeugt
hätte, so dass auf Änderungsvorschläge verzichtet wurde.
3. Zeichensetzung:
Bei der Zeichensetzung zielt der Vorschlag des Rats auf Änderungen
im Bereich der Kommasetzung, um das eindeutige Textverstehen zu sichern.
Die wesentlichen Änderungsvorschläge betreffen:
a) Komma bei selbständigen Sätzen, die mit "und", "oder" usw.
verbunden sind
Der Vorschlag des Rats bringt eine wesentliche Änderung mit
sich:
die Beschränkung auf "selbständige" Sätze.
Dies hat zur Folge, dass in Sätzen wie "Es war nicht selten,
dass er sie besuchte(,) und dass sie bis spät in die Nacht zusammensaßen,
wenn sie in guter Stimmung war" (amtliches Regelwerk 2004, § 73)
ein Komma nach "besuchte" nicht mehr zulässig ist.
b) Komma bei Infinitivgruppen
Der Rat bestätigt grundsätzlich die Regelung der Rechtschreibreform,
nach der Infinitivgruppen, die von einem Korrelat oder Verweiswort
abhängen, durch Komma abgesetzt werden (z.B. Anna hat es nie bereut,
diese Ausbildung gemacht zu haben).
Er schlägt aber vor, dieses Komma bei einem bloßen Infinitiv
freizustellen (z.B. Thomas dachte nicht daran(,) zu gehen).
Darüber hinaus spricht er sich für ein obligatorisches
Komma bei Infinitivgruppen aus, die mit "um", "ohne", "statt", "anstatt", "außer" oder "als" eingeleitet
sind (z.B. Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen)
bzw. von einem Substantiv abhängen und mehr als den bloßen
Infinitiv umfassen (z.B. Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken,
vom Nachtwächter überrascht).
4. Worttrennung am Zeilenende
Für den Bereich der Worttrennung am Zeilenende empfiehlt der
Rat an der Oberfläche nur eine Änderung: die Abtrennung von
Einzelvokalen am Wortanfang und -ende prinzipiell auszuschließen
(nicht: E-sel, Feiera-bend, Bi-omüll; bisher bereits nicht zugelassen:
Klei-e).
Darüber hinaus plädiert er für eine Umstrukturierung
der Regeln, um deutlicher darauf hinzuweisen, dass es beim Trennen
um sinnvolles Trennen eines komplexen Wortganzen geht. Demnach soll
zuerst die Trennung nach Wortbestandteilen (z.B. voll-enden, Pro-gramm)
und dann die Trennung im Inneren von Wörtern (z.B. Bau-er, ros-ten)
dargestellt werden. Diese Regeln gelten auch für fremde Wörter;
wo das zu erwartende Wissen über die Wortteile von fremden Wörtern
enden soll, ist nicht auf der Regelebene zu klären.»
|
26.02. Die Vorschläge des Rates für deutsche Rechtschreibung
(dpa) Die Beispiele wurden vom Rat für deutsche Rechtschreibung
zur Verfügung gestellt.
RECHTSCHREIBREFORM
Bankrott gehen
jmdm. Freund sein
Klasse sein(sein Spiel ist Klasse)
Recht haben
sich zu Eigen machen
jenseits von gut und böse
das schwarze Brett
gelbe/Gelbe Karte
kleine/Kleine Anfrage
du (in Briefen auch:) |
|
EMPFEHLUNG DES RATS FÜR DEUTSCHE
RECHTSCHREIBUNG
bankrottgehen
jmdm. freund sein
klasse sein (sein Spiel ist klasse)
(auch:) recht haben
sich zu eigen machen
jenseits von Gut und Böse
(auch:) das Schwarze Brett
Gelbe Karte
Kleine Anfrage
Du |
|
26.02. GEW gegen vorschnelle Korrektur der Rechtschreibreform
Berlin (dpa) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat
die Kultusminister vor einer «voreiligen Korrektur der Rechtschreibreform» gewarnt.
Die jetzt vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Änderungen
zu Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung und Worttrennung
am Zeilenende stellten keine so wirklich bedeutsamen Verbesserungen
dar, «dass sie eine nochmalige kostspielige Korrektur der Lehr-
und Lernmittel und der Wörterbücher rechtfertigten»,
erklärte die GEW-Vize-Vorsitzende Marianne Demmer am Sonntag in
Berlin.
Vor diesem Hintergrund sollten deshalb die Kultusminister den Korrektur-Vorschlägen
des Rates nur dann folgen, «wenn zuvor von Seiten der maßgeblichen
Printmedien auch verbindlich erklärt wird, dass dann der vollständige
Regelstand einschließlich der geänderten 's-Schreibung'
auch übernommen wird», sagte Demmer. Denn der für die
Umsetzung der neuerlichen Reform notwendige Aufwand samt aller pädagogischen
und materiellen Folgen lasse sich «nur dann rechtfertigen, wenn
anschließend die Einheitlichkeit der Rechtschreibung auch tatsächlich
wieder hergestellt wird».
Sollten aber «einflussreiche Medien bei ihrem Sonderweg bleiben
oder eine neuerliche Umstellung verweigern», rate die GEW der
Kultusministerkonferenz davon ab, den Empfehlungen des Rates zu folgen,
sagte Demmer weiter. Bei Lehrern und Schülern führe «das
ewige Hin und Her nur noch zu Kopfschütteln». Die GEW-Vize
sagte, sie sei gespannt, «wen die Änderungen überhaupt
noch interessieren».
Demmer: «Es gibt wirklich wichtigere Probleme in der Schule.»
Der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans
Zehetmair, wird an diesem Montag in Berlin die Empfehlungen zur Korrektur
der Rechtschreibreform an die Kultusministerkonferenz übergeben.
Anfang Februar hatte sich das von den Kultusministern eingesetzte Expertengremium
auch auf Änderungsvorschläge zur Groß- und Kleinschreibung
verständigt.
|
26.02. Saar-Minister fordert neue Rechtschreibung in Tageszeitungen
Saarbrücken (dpa) - Der saarländische Bildungsminister Jürgen
Schreier (CDU) hat die deutschen Tageszeitungen aufgefordert, die neue
Rechtschreibung zu übernehmen. «Die Zeitungen haben durch
ihre ausführliche Berichterstattung über die Schreibreform
auch großen Anteil an den Veränderungen zum Guten. Nun müssen
sie aber Verantwortung übernehmen und den Empfehlungen des Rechtschreibrats
zur neuen Rechtschreibung folgen», sagte Schreier der «Saarbrücker
Zeitung» (Montag). Blätter, die an der alten Schreibweise
festhalten, kritisierte er. «Das kann so nicht bleiben.» |
25.02. Axel Springer AG begrüßt Reform-Korrektur
Berlin (dpa/bb) - Die Axel Springer AG hat die jüngsten Empfehlungen
zur Änderung der Rechtschreibreform begrüßt. Der Konzern
prüfe jetzt, wie er es bereits 2004 angekündigt habe, ob
mit diesen Änderungsvorschlägen «eine einheitliche
reformkonforme Rechtschreibung» in den Zeitungen und Zeitschriften
sowie den Onlinemedien des Verlages übernommen werden könne,
teilte Springer am Freitag mit.
Eine Entscheidung soll nach einem Beschluss zu den Änderungsempfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung
durch die Kultusministerkonferenz Anfang März erfolgen. Der Rat
wollte der Kultusministerkonferenz eine gesammelte Wörterliste
bis Ende Februar zusenden. Am 2. und 3. März tagt die KMK in Berlin.
Die Axel Springer AG war im Oktober 2004 bei allen Druckerzeugnissen
des Konzerns zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt.
|
04.02. Sprachexperten beschließen
letzte Änderungen für Rechtschreibreform
Mannheim (dpa) - Letzte Korrekturvorschläge für die umstrittene
Rechtschreibreform: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am
Freitag in Mannheim Änderungen für die Groß- und Kleinschreibung
beschlossen. Damit beendete das Gremium seine Arbeit an dem Regelwerk
zunächst. Der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair geht davon aus, dass
die Kultusministerkonferenz die Vorschläge nun bei ihrer Sitzung
Anfang März akzeptieren wird. «Ich rechne mit keinen großen
Widerständen», sagte der ehemalige bayerische Kultusminister
(CSU). Die Korrekturvorschlägen würden dann zum neuen Schuljahr
wirksam.
Die Rat sprach sich dafür aus, feststehende Begriffe wie «Schwarzer
Kontinent», «Hohes Haus», «Erste Bundesliga» und «Zweiter
Weltkrieg» künftig groß zu schreiben. Das «Schwarze
Brett» oder die «Graue Maus» können je nach
der Bedeutung im Satz groß oder klein geschrieben werden. Auch
beim «Du» im Brief ist nach Angaben von Zehetmair die Großschreibung
wieder möglich.
Nach den Vorschlägen des Expertengremiums aus dem gesamten deutschsprachigen
Raum sollen zusammenhängende Begriffe wie «pleitegehen» oder «bankrottmachen» klein
und zusammengeschrieben werden. Bei dem Satz: «Sein Spiel ist
klasse», soll «klasse» künftig genauso klein
geschrieben werden wie «eigen» bei dem Satz «sich
etwas zu eigen machen».
«Das Murren des Volkes hat zu dem neuen Nachdenken geführt»,
betonte der Ratsvorsitzende. «Die Arbeit hat sich letztendlich
doch gelohnt.» Der Rat will der Kultusministerkonferenz eine
gesammelte Wörterliste bis Ende Februar zusenden. Am 2. und 3.
März tagt die KMK in Berlin. «Danach werden wir uns wieder
unaufgeregter mit der Sprache befassen», kündigte Zehetmair
an. Die nächste Sitzung des Rates ist für September in Wien
geplant. Dann wollen die Sprachexperten ein erstes Resümee ihrer
Arbeit ziehen.
Die Sprachwächter hatten zuvor bereits Änderungsvorschläge
für die Bereiche Getrennt- und Zusammenschreibung sowie Silbentrennung
und Zeichensetzung vorgelegt. Eislaufen und fertigmachen sollen beispielsweise
künftig zusammengeschrieben werden. Das Abtrennen von Einzelbuchstaben
oder sinnentstellende Trennungen wie Urin- / -stinkt für das Wort
Urinstinkt sollen nicht mehr zulässig sein.
Ein großer Teil der neuen Sprachregeln war schon am 1. August
vergangenen Jahres in 14 der 16 Bundesländer verbindlich in Kraft
getreten. Nur in Bayern und Nordrhein-Westfalen gilt noch die Übergangsregelung.
Alte Schreibweisen werden allein in den Schulen dieser beiden Länder
auch jetzt noch nicht als Fehler gewertet.
Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache kritisierte die Änderungsvorschläge
als unzureichend. Der Rat für deutsche Rechtschreibung habe sich
lediglich bemüht, in unsystematischer Weise einige besondere eklatante
Mängel zu beheben - und nicht einmal das sei gelungen. Durch das
von den Kultusministern gewählte Verfahren bleibe die deutsche
Schriftsprache auf Jahre eine Wanderbaustelle, die kaum vorankomme.
(Internet: www.rechtschreibrat.com)
|
04.02. Forschungsgruppe Deutsche Sprache: Änderungsvorschläge
unzureichend
Jena (dpa) - Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache hält die Vorschläge
zur Überarbeitung der Rechtschreibreform für unzureichend.
Das gelte auch für die Empfehlungen zur Revision der reformierten
Groß- und Kleinschreibung, heißt es in einer am Freitag
in Jena veröffentlichten Stellungnahme des Vereins. Der Rat für
deutsche Rechtschreibung habe sich in Mannheim lediglich bemüht,
in unsystematischer Weise einige besondere eklatante Mängel zu
beheben - und nicht einmal das sei gelungen. Die Vorschläge seien
allenfalls ein Zwischenergebnis auf dem Weg zur Wiederherstellung einer
vernünftigen Rechtschreibung. Durch das von den Kultusministern
gewählte Verfahren bleibe die deutsche Schriftsprache auf Jahre
eine Wanderbaustelle, die kaum vorankomme.
Dem Beirat der Berliner Forschungsgruppe gehören unter anderem
die Autoren Walter Kempowski, Adolf Muschg uns Sten Nadolny, der Verleger
Michael Klett und der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler an.
|
04.02. Goebel: Schlussstrich unter lang
dauernde Entwicklung gezogen
Erfurt (dpa) - Thüringens Kultusminister Jens Goebel (CDU) hat
die vorerst letzten Korrekturvorschläge für die Rechtschreibreform
begrüßt. «Damit wird ein Schlussstrich unter eine
lang dauernde Entwicklung gezogen», sagte Goebel in Erfurt zu
den Änderungen für die Groß- und Kleinschreibung, die
der Rat für deutsche Rechtschreibung am Freitag beschlossenen
hat. Er gehe davon aus, dass die Kultusministerkonferenz Anfang März
den Vorschlägen folge. Das mache dann auch in der Schule wieder
eine sichere Bewertung von Rechtschreibung möglich. |
04.02. Rechtschreibrat legt vor - Kultusminister
müssen Farbe bekennen
Mannheim (dpa) - Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat den Rat für
deutsche Rechtschreibung ins Leben gerufen. Jetzt muss die KMK Farbe
bekennen. Die Sprachwächter nahmen am Freitag in Mannheim die
letzten Reparaturarbeiten an der umstrittenen Rechtschreibreform vor.
Damit hat das mit Experten aus dem gesamten deutschsprachigen Sprachraum
besetzt Gremium seinen Part erfüllt. Der Ball liegt nun im Feld
der Politik.
Am 2. und 3. März steht das jahrelange Aufregerthema auf der
Tagesordnung einer Sitzung in Berlin. Ein Ablehnen der Glättungsvorschläge
des Rechtschreibrates hätte ein gewaltiges Echo zur Folge. Nicht
nur, dass die Öffentlichkeit immer wohlwollender auf die Arbeit
des mit Gegnern und Befürwortern besetzten Teams um den ehemaligen
bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair reagiert. Auch die Kritikerfront
bewegte sich in den vergangenen Monaten.
So erklärte der Chefredakteur des «Spiegel», Stefan
Aust, zum Jahreswechsel, sein Blatt habe sich zu einer «Rückkehr
zur Vernunft» entschieden und wolle die Empfehlungen des Rates
umsetzen. Ob diesem Beispiel andere Häuser wie der Axel-Springer-Verlag,
die «Süddeutsche Zeitung» oder die «Frankfurter
Allgemeine Zeitung» folgen werden, ist nicht klar - das Bundesland
Bayern signalisierte jedoch bereits, die Rechtschreibreform auf Grundlage
der geplanten Neuerungen nun doch einzuführen.
Bis auf Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten die übrigen 14
Bundesländer große Teile der Reform am 1. August vergangenen
Jahres in Kraft gesetzt. Nur in den beiden Bundesländern gilt
seitdem noch eine Übergangsregelung. Alte Schreibweisen werden
allein in den Schulen dieser beiden Länder auch jetzt noch nicht
als Fehler gewertet.
Viel Munition haben die Gegner der neuen Schreibweisen inzwischen
nicht mehr. Der Rat setzte bei seinen Vorschlägen durchgängig
bei der Verständlichkeit der Sprache an. Nicht starre Regeln,
sondern der Sprachgebrauch der Menschen soll künftig im Vordergrund
stehen, lautete von der ersten bis zur letzten Sitzung des Rates der
Leitsatz von Zehetmair. Ende 2004 hatten die Sprachwächter ihre
Arbeit aufgenommen.
«Wir machen die Nachkorrekturen nicht, damit sich die Fehlerquellen
erhöhen», betonte der studierte Lehrer Zehetmair auch am
Freitag in Mannheim. «Die Leute sollen wieder Vertrauen in die
Sprache fassen und sich in ihr wohlfühlen.» Gerade die Schulen
sollten die Vorschläge des Rates als «erzieherische Chance» begreifen.
Dass es der äußerst heterogen besetzte Rat trotz seiner
Einigkeit nicht allen Recht machen wird, dessen ist sich Zehetmair
jedoch
bewusst: «Ich hätte gerne noch mehr gemacht. Aber auf einem
schwierigen Gelände haben wir eine große Mehrheit gefunden.»
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