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Dichter Peter Rühmkorf tot

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen
 

 
Unsere Beiträge:

Trauerfeier für Peter Rühmkorf in der Hamburger St. Johannis-Kirche
Dichter Peter Rühmkorf tot - Köhler: «Einer der ganz Großen»
Peter Rühmkorf: Empfindsamer Poet und politischer Mahner
Köhler: «Deutsche Literatur verliert einen ganz Großen» -Reaktionen auf Rühmkorfs Tod
Termin der Beisetzung von Peter Rühmkorf noch nicht bekannt
Rühmkorf erhält Kasseler Literaturpreis postum
Peter Rühmkorfs wichtigste Werke
 

 
 

13.06. Trauerfeier für Peter Rühmkorf in der Hamburger St. Johannis-Kirche

Hamburg (dpa/lno) - Mit einer Trauerfeier in der Hamburger St. Johannis-Kirche wollen Freunde und Weggefährten am 20. Juni von dem am vergangenen Wochenende gestorbenen Dichter Peter Rühmkorf Abschied nehmen. Den Termin gab der Rowohlt Verlag am Freitag bekannt. Die Beisetzung solle im engsten Familienkreis stattfinden, sagte eine Verlags-Sprecherin. Der Büchnerpreisträger war am 8. Juni in einer Bauernkate in Schleswig-Holstein an Krebs gestorben. Hier hatte Rühmkorf in den letzten Monaten mit seiner Frau Eva-Maria gelebt. Ihr Haus am Elbstrand von Hamburg-Övelgönne hatten sie wegen der fortschreitenden Krankheit des Dichters verlassen müssen.

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10.06. Dichter Peter Rühmkorf tot - Köhler: «Einer der ganz Großen»


Hamburg (dpa) - Peter Rühmkorf, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, ist tot. Wie der Rowohlt Verlag gestern in Reinbek bei Hamburg mitteilte, starb der Büchnerpreisträger am Sonntag im Alter von 78 Jahren an Krebs. Der für seine virtuosen Wortspielereien bekannte Dichter, Essayist und Dramatiker wurde stets auch geschätzt als politischer Mahner mit wachem Blick für gesellschaftliche Missstände. Mit dem Tod Rühmkorfs verliert die deutsche Literatur der Gegenwart nach den Worten von Bundespräsident Horst Köhler «einen ganz Großen». Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte Rühmkorf «einen Schriftsteller von großer Lebensklugheit, einen Dichter von Rang und einen scharfzüngigen, politisch engagierten Chronisten».

Noch am Montag war Rühmkorf, der zuletzt in einer Bauernkate im Lauenburgischen in Schleswig-Holstein mit seiner Frau Eva-Maria lebte, der mit 10 000 Euro dotierte Literaturpreis für grotesken Humor der Stadt Kassel zuerkannt worden. Die Jury wollte den «roten Romantiker» für «seine wegweisende Gestaltungskraft auf dem Feld des Komischen» ehren. Zuletzt waren von Rühmkorf sein viel gelobtes Buch «Tabu II. Tagebücher 1971-1972» sowie im Frühjahr 2008 der Gedichtband «Paradiesvogelschiß» erschienen.

Rühmkorf hatte sein geliebtes Haus am Elbstrand in Hamburg- Övelgönne wegen der fortgeschrittenen Krankheit verlassen müssen. Seine Krebserkrankung sei «ein furchtbares Martyrium» gewesen, sagte Rühmkorf im März der Wochenzeitung «Die Zeit». Er habe ein Jahr im Krankenhaus gelegen. «Ich habe keine Angst vor dem Absprung in andere Welten», bekannte der Autor damals. «Der Tod ist ein interessantes Thema, aber er ist für mich nicht das böse Gespenst.» Seine ironische Art habe ihm geholfen mit dem Sterben umzugehen, sagte Rühmkorf.

Der 1929 in Dortmund als Sohn einer Lehrerin und eines Puppenspielers geborene Rühmkorf studierte in Hamburg Literaturwissenschaften und Psychologie. Während seiner Tätigkeit als Lektor beim Rowohlt Verlag von 1958 bis 1964 und 1966/67 entwickelte er sich zu einem Lyriker und Essayisten von Format. 1959 erschien der Gedichtband «Irdisches Vergnügen in g» und zwei Jahre später eine vielbeachtete Biografie über Wolfgang Borchert. Seit 1964 war Rühmkorf mit Eva-Maria kinderlos verheiratet. Die Diplom-Psychologin war von 1988 bis 1992 SPD-Landesministerin in Schleswig-Holstein.

Als Redakteur des später in «konkret» umbenannten «Studentenkurier» zog Rühmkorf in den 50er Jahren in zahlreichen Artikeln gegen die «Restauration» der Adenauer-Ära zu Felde und engagierte sich Ende der 60er Jahre in der Studentenbewegung. Mit seinem Freund Klaus Rainer Röhl, dem späteren «konkret»-Herausgeber, rief er das Studentenkabarett «Die Pestbeule» ins Leben. Beide betrieben eine Zeit lang auch den Jazz- und Lyrikkeller «Die Anarche». Der Dichter Rühmkorf schaffte schnell den Durchbruch, als Dramatiker blieb er umstritten. Sein Theaterstück «Was heißt hier Volsinii?» (1969) hatte, wie die folgenden, wenig Erfolg.

In seiner Lyrik spielte der Dichter mit herkömmlichen Gedichtformen, parodierte sie oder kombinierte Schrift- mit Umgangssprache. Rühmkorf experimentierte mit der Sprache und arrangierte seine Verse sorgfältig: Für eine halbe Gedichtseite beschriftete er oft 200 bis 300 Blätter. Hervorstechendes Merkmal vieler Rühmkorf-Gedichte sind feiner Witz und subtile Ironie. Doch auch vor drastischen Worten schreckte der Wortkünstler nicht zurück: «...diese Bavaria im Fernsehen gestern, / die die Dürrekatastrophe von Äthiopien ansagte, / wie fanden Sie die? / Allmächtige Teletitten / aufgeboten gegen die hohlen Arschbacken des Todes...» heißt es in einem Poem.

Als politischer Agitator hat sich Rühmkorf, der sich für die SPD im Wahlkampf engagierte, in seinen Gedichten allerdings nie begriffen. Politische Themen blieben stets den Essays vorbehalten. Immer wieder sprach sich der Schriftsteller gegen eine Vermischung von Poesie und Politik aus, so etwa im «Mailied für junge Genossin»: «Gestern Kommunist - morgen Kommunist, / aber doch nicht jetzt, / beim Dichten?!» Unter dem Titel «Tabu I» erschienen 1995 seine Tagebücher 1989-1991, die von der Literaturkritik mit Begeisterung aufgenommen wurden und sich «wie ein Schlüsselroman» lasen.

Zahlreiche Gastdozenturen an deutschen, britischen und amerikanischen Universitäten verhalfen Rühmkorf auch zu internationalem Ansehen. 1993 erhielt der vielfach ausgezeichnete Dichter den renommierten Büchner-Preis. Im Februar 2000 gründete er gemeinsam mit Günter Grass die Wolfgang-Koeppen-Stiftung zur wissenschaftlichen Aufbereitung des Nachlasses von Koeppen. Anfang 2005 trafen sich die ehemaligen Mitglieder der «Gruppe 47» - Günter Grass, Hans-Magnus Enzensberger und Peter Rühmkorf - nach 38 Jahren zu ihrer ersten gemeinsamen Lesung nach 38 Jahren in Lübeck, es wurde eine Sternstunde der Literatur, schwärmten Besucher.

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10.06 Peter Rühmkorf: Empfindsamer Poet und politischer Mahner

Hamburg (dpa) - Er war stets empfindsamer Poet und politischer Mahner zugleich. Seine Werke bewegten sich im «Spannungsfeld von politischer Wirkungs- und persönlicher Ausdrucksästhetik», befanden einst die Juroren des Büchnerpreises. «Schizografie» nannte der Autor Peter Rühmkorf, der am Sonntag im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Hamburg starb, einmal seine beiden Schreibantriebe. Von sich selber sagte er: «Ich bin eine bröcklige Existenz, die sich aufgerufen fühlt, sich jeden Tag neu zu verfassen. Das ist geradezu triebhaft bei mir. Ich versuche, in einem Hochspannungsfeld die Balance zu halten. Zwischen Himmel und Erde spanne ich mir selber ein Seil und bemühe mich, nicht herunter zu fallen.»

Rühmkorfs letzte größere Veröffentlichung erschien 2004 mit seinen Tagebüchern aus der Zeit von 1971 bis 1972 unter dem Titel «Tabu II».
Im Jahr 2008 veröffentlichte er, bereits sterbenskrank, noch einmal Gedichte und Gedankensplitter: «Paradiesvogelschiß». Vieles darin kreiste um die Vergänglichkeit: «Es hat sich ausgepsaltert,/ nicht nur das Herz, das Hirn, die Seele altert.»

Der engagierte Linksintellektuelle, der neben virtuoser Poesie auch immer eine spitze politisch-polemische Feder führte, bezeichnete den Verlust von Hoffnungen als einen Antrieb zum Schreiben. «Das betrifft auch die politischen Hoffnungen und Illusionen. Immer wenn ein politisches Glaubensfeld für mich zusammenbrach, ist hinterher ein besonderer Sog daraus entstanden, aus dem sich dann neue Gedichte entwickelt haben», sagte er einmal in einem dpa-Gespräch. Das sei auch nach dem Zusammenbruch der APO so gewesen. «In der ganzen politisierten Zeit hatte ich Prosa, aber zehn Jahre keine Gedichte geschrieben. Und als die Zeit abgeschlossen war, und es war wenig Hoffnung übrig geblieben, da klammerten sich alle neuen Hoffnungswurzeln an neue Gedichte.»

Die politische Entwicklung nach der deutschen Einheit und der Umbruch in Osteuropa hatten dem Schriftsteller und Jazzliebhaber eine Zeit lang die «rhetorische Rednersuada» verschlagen. «Ich habe mich in Prosa fast überhaupt nicht zu den deutschen Dingen geäußert, weil diese irrationalen Vorgänge für mich in nüchterner Prosa nicht mehr zugänglich waren. Ich habe viel Zorn, Wut, Verzweiflung, Sarkasmus und Ironie auf Gedichte verwendet, die sich damit weniger ins Benehmen als ins Unbenehmen setzen», sagte der 1993 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnete Dichter. Rühmkorf war sicher: «Es hat das Verfassen von Kunst auf allen Ebenen etwas mit Therapie, vor allem aber etwas mit Kompensation zu tun.»

Der hagere Autor, der alle Nuancen der Sprache kannte, das Ordinäre ebenso wie das Bildungszitat, und in feinsinnig ausgetüftelten, oft schnodderig klingenden Wortspielen das Schwere leicht machte, litt als Jugendlicher unter pubertärer Magersucht. «Bestimmte Anfechtbarkeiten auf dem gesamten psychosomatischen Gebiet haben sich erhalten - der schwache Magen, schlechter Schlaf und Angst, die sich als Atemnot bis zu Erstickungsanfällen steigern kann», verriet der sensible Autor einmal. Rühmkorf selber nannte sich einen «autonom herausgebildeten Atheisten aus Widerstand gegen das christliche Mutterhaus».

Schreiben war für den unehelichen Sohn einer evangelischen Pfarrerstochter und eines reisenden Puppenspielers, den er nie kennengelernt hat, etwas Magisches. «Das Schreiben ist eine Art von Selbstverdoppelung. Man stellt Schatten von sich her, ein zweites Ich, an dem man sich auch aufrecht hält. Eigentlich möchte man immer ein ideales Ich von sich selbst verfassen.» Und so war ihm Schreiben wohl auch ein Mittel gegen Angst und Unsicherheitsgefühle: «Wenn man merkt, dass es wieder auf so ein ideales Ich zuläuft und ein Gedicht sich vervollständigt und ein Aufsatz sich rundet, dann ist man außerordentlich erhoben und hat gerade der Angst entgegengesetzte Grandiositätsgefühle.»

Gedichte waren für Rühmkorf «ein Klangkörper, der etwas ausdrückt, eine Naturgebärde, ein Naturprodukt wie eine Krankheit oder ein Traum». Der Autor, der sich selber gerne einen Jäger und Sammler nannte, hatte in seinem Arbeitszimmer mit Blick auf die Elbe Kisten voller Zettel mit spontan festgehaltenen Eindrücken. «Das eine ist die Inspiration. Auf die hat man keinen Einfluss. Da fliegt einem eben unberechenbar etwas zu, so wie Sternschnuppen aus dem Sternbild der Lyra.»

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10.06. Köhler: «Deutsche Literatur verliert einen ganz Großen» - Reaktionen auf Rühmkorfs Tod

Hamburg/Berlin (dpa) - Mit dem Tod Peter Rühmkorfs verliert die deutsche Literatur der Gegenwart nach den Worten von Bundespräsident Horst Köhler «einen ganz Großen». Seine Lyrik sei unverwechselbar, betonte das Staatsoberhaupt in seinem Kondolenzschreiben an die Witwe des Schriftstellers. Rühmkorf war am Sonntag in seinem Haus in Schleswig-Holstein im Alter von 78 Jahren an Krebs gestorben.

«Seine einzigartige Verbindung von Intelligenz und Humor, von Melancholie und Spielfreude, von privatesten Empfindungen und öffentlichen Anliegen hat die Leser immer wieder erstaunt und begeistert. Seine hohe Kunst, sich buchstäblich auf alles einen Reim zu machen, bringt auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Widersprüche des Lebens vielleicht doch versöhnbar sind», betonte Köhler und fügte hinzu: «Die Leser und Freunde großer Dichtkunst haben ihn nicht nur verehrt, sondern geliebt. Sie werden ihn nicht vergessen.»

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bezeichnete Rühmkorf als «einen Schriftsteller von großer Lebensklugheit, einen Dichter von Rang und einen scharfzüngigen, politisch engagierten Chronisten». Mit seinem Werk habe er «ein ebenso beeindruckendes wie schonungsloses Porträt unserer Zeit gezeichnet». Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck (SPD) würdigte Rühmkorf als «großen Schriftsteller» mit gesellschaftspolitischem Engagement. «Er hatte Stil, Witz und Eigensinn, seine Poesie konnte auch polarisieren. Er war ein sprachmächtiger Aufklärer, links und frei», sagte Beck.

Mit Trauer und tiefer Betroffenheit reagierten Schriftstellerkollegen auf den Tod von Rühmkorf. «Die deutsche Literaturszene verliert nicht nur einen ihrer streitbarsten Köpfe, sondern auch einen der großen Lyriker der Nachkriegszeit, Hamburg einen seiner bedeutendsten Schriftsteller», sagte der Sprecher der Hamburger Autorenvereinigung, Peter Schmidt. Die Schriftstellerin Ulla Hahn nannte Rühmkorf ein großes Vorbild: «Rühmkorf konnte wirklich alles. Er brauchte keine großen Themen, keine großen Worte, um große Gedichte zu schreiben.»

Die Akademien der Künste in Hamburg und Berlin trauerten um ihr Mitglied Peter Rühmkorf. «Er war ein Mensch ohne Attitüden, unglaublich sensibel. Aber wenn er sich geöffnet hat, ein wunderbarer Freund», sagte sein langjähriger Freund und Präsident der Hamburger Akademie der Künste, Armin Sandig, der dpa. «Mit Peter Rühmkorf haben die Akademie der Künste und ich selbst einen treuen und stets verlässlichen Freund verloren, der sich zeitlebens eingemischt hat, wenn er Unrecht witterte», betonte der Berliner Akademie-Präsident Klaus Staeck. «Wie kein zweiter hat er Poesie und gesellschaftliches Engagement auf wunderbare Weise verbunden».

Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) schätzte an Rühmkorf vor allem seine «kritischen Beobachtungen über die Gesellschaft», die er mit feiner Melancholie verband. Weil er - als man dem Reim nicht mehr über den Weg traute - die Tradition vom Barock bis Gottfried Benn reanimierte und Reime schuf, die in jedem «Creative Writing»-Kurs als Anschauungsmaterial dienen können. «Weil er sich für den früh verstorbenen Wolfgang Borchert einsetzte (...) Kurzum, mit ihm, der sich vorstellte, dereinst im Jenseits mit Ringelnatz und George Grosz eine Skatrunde zu bilden, ist ein ganz und gar unverwechselbarer Dichter von uns gegangen.»

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10.06. Termin der Beisetzung von Peter Rühmkorf noch nicht bekannt

Hamburg (dpa) - Der Termin für die Trauerfeier des gestorbenen Dichters Peter Rühmkorf steht noch nicht fest. «Wann Peter Rühmkorf beigesetzt wird und in welchem Rahmen, wissen wir noch nicht», sagte eine Sprecherin des Rowohlt Verlages heute auf Anfrage. Diese Angelegenheiten habe seine Witwe Eva Rühmkorf in der Hand und man habe ihr Zeit und Ruhe versprochen. Die Akademie der Künste in Hamburg wird mit einer Gedenkveranstaltung an ihr langjähriges Mitglied erinnern. «Aber so etwas braucht Zeit, sicherlich nicht vor dem Herbst», sagte Sprecher Marc-Andre Gustke. Die Hamburger Senatskanzlei hat bisher nichts geplant.

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10.06. Rühmkorf erhält Kasseler Literaturpreis postum

Kassel/Hamburg (dpa/lno) - Der am Sonntag gestorbene Dichter Peter Rühmkorf wird den Literaturpreis für grotesken Humor der Stadt Kassel postum erhalten. «Wir wussten von der schweren Erkrankung. Herr Rühmkorf wird den Preis aber auf jeden Fall postum erhalten», sagte Friedrich Block von der Stiftung Brückner-Kühner, die den Preis kuratiert, am Montag in Kassel.

Die Stadt Kassel hatte nur wenige Stunden vor der Todesnachricht des Büchner-Preisträgers mitgeteilt, dass der mit 10 000 Euro dotierte Preis in diesem Jahr Rühmkorf zugesprochen wurde. «Peter Rühmkorf war schwer krank, die Nachricht von seinem Tod kommt nicht überraschend. Sie trifft deshalb nicht weniger hart», sagte Block.

Peter Rühmkorf gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Der für seine virtuosen Wortspielereien bekannte Dichter, Essayist und Dramatiker wurde auch als politischer Mahner mit Blick für gesellschaftliche Missstände geschätzt.

Die Jury des Literaturpreises für grotesken Humor wollte den «roten Romantiker» für «seine wegweisende Gestaltungskraft auf dem Feld des Komischen» ehren. Rühmkorf habe «mit seinem unübertroffen vielstimmigen Werk auch dem literarisch Komischen neue Wege» bereitet. «Virtuos erschließt er die literarische Überlieferung, bürstet sie parodierend gegen den Strich und lässt sie durch heutige Erfahrungen und Sprechweisen hindurch klingen.» Sein «poetischer Tanz auf dem Hochseil» kombiniere unterschiedlichste Stilebenen und Idiome in seiner Dichtung. «Unserer haltlosen Welt begegnet sie mit Ironie, Witz und Wut, mit Provokation und Lust; sie ist Anleitung zum politischen Widerspruch wie zu irdischem Vergnügen und ästhetischem Genuss.»

Der «Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor» wird seit 1985 vergeben. Erster Preisträger war Loriot. Zuletzt ging die Ehrung an den Zeichner und Schriftsteller F. W. Bernstein. Zu den Preisträgern gehörten auch Robert Gernhardt, George Tabori, Max Goldt, Hanns Dieter Hüsch und Gerhard Polt.

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10.06. Peter Rühmkorfs wichtigste Werke

Hamburg (dpa) - Peter Rühmkorf, am Sonntag im Alter von 78 Jahren an Krebs gestorben, gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der Gegenwart. Auch als Essayist und Herausgeber zahlreicher Anthologien hat sich der gebürtige Dortmunder einen Namen gemacht.
Eine Werkauswahl:

«Heiße Lyrik» (1956, Gedichte, zusammen mit Werner Riegel)

«Irdisches Vergnügen in g» (1959, Gedichte)

«Kunststücke. Fünfzig Gedichte nebst einer Anleitung zum Widerspruch»
(1962)

«Über das Volksvermögen. Exkurse in den literarischen Untergrund» (1967, Sammlung von Kinderversen und Graffitisprüchen)

«Walther von der Vogelweide, Klopstock und ich» (1975, Essays und
Gedichte)

«Haltbar bis Ende 1999» (1979, Gedichte)

«Bleib erschütterbar und widersteh. Aufsätze, Reden, Selbstgespräche» (1984, Essays und Reflexionen)

«Außer der Liebe nichts» (1986, Gedichte)

«Lass leuchten!» (1993, Erinnerungen und Gedichte)

«Tabu I» (1995, Tagebücher der Jahre 1989 bis 1991)

«Wenn - aber dann. Vorletzte Gedichte» (1999)

«Von mir - Zu euch - Für uns» (1999, Widmungen und Postalien an seine
Freunde)

«Mein lieber Freund und Kompanjung» (1999, Briefwechsel mit Horst
Janssen)

«In gemeinsamer Sache. Gedichte über Liebe und Tod, Natur und Kunst» (2001, zusammen mit Robert Gernhardt)

«Schachtelhalme. Schriften zur Poetik und Literatur» (2001, Essays und Reden)

«Tabu II» (2004, Tagebücher der Jahre 1971 und 1972)

«Wenn ich mal richtig ICH sag. ..» (2004, «Lese-Bilderbuch» und
Autobiografie)

«Aufwachen und Wiederfinden» (2007, Gedichte)

«Die Märchen» (2007, Märchen, Erzählungen, Entwürfe, Notizen)

«Paradiesvogelschiß» (2008, Gedichte)

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