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Bestseller-Autor Johannes Mario Simmel gestorben

Porträt, Hintergrund, Stimmen
 

 
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Millionenfach gelesen, oft geschmäht: Bestseller-Autor Simmel ist tot
Johannes Mario Simmel: Als Bestseller-Autor immer am Zeitgeist
Bücher von Johannes Mario Simmel - viel geschmäht und oft gelesen
Zitate von Johannes Mario Simmel
 

 

02.01. Millionenfach gelesen, oft geschmäht: Bestseller-Autor Simmel ist tot

Hamburg/Zug (dpa) - Der Schriftsteller Johannes Mario Simmel ist tot. Er starb nach Angaben seines Anwalts Bruno Bitzi vom Freitag am 1. Januar im Alter von 84 Jahren in einer Seniorenresidenz in der Nähe der Schweizer Stadt Zug. Berühmt wurde der Österreicher unter anderem mit den von Kritikern zumeist als trivial eingestuften Romanen wie «Es muss nicht immer Kaviar sein» (1960), «Jimmy ging zum Regenbogen» (1970) und «Der Stoff, aus dem die Träume sind» (1971). Seine rund 35 Romane und Erzählungen erschienen weltweit in 33 Sprachen in einer Auflage von 73 Millionen. Zahlreiche seiner Werke wurden zudem verfilmt. Simmel zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern, der stets engagiert Themen der Zeit verarbeitet hat.

Wie Bitzi mitteilte, will die Familie nichts Näheres zur Todesursache des Schriftstellers sagen. Sie plane eine Beisetzung im engsten Familienkreis. «Herr Simmel war seit einiger Zeit pflegebedürftig und lebte in einer Altersresidenz bei Zug», sagte der Anwalt.

Simmel wurde am 7. April 1924 in Wien als Sohn eines Chemikers und einer Filmverlags-Lektorin geboren. Die Eltern stammten aus Hamburg. Simmel verbrachte seine Kindheit in Österreich und England. In der österreichischen Hauptstadt machte er Abitur und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Chemieingenieur. Als Heilmittelchemiker arbeitete er ab 1943 in einem kriegswichtigen Betrieb.

Bereits als 17-Jähriger legte er seinen ersten Novellenband «Begegnung im Nebel» vor, der 1947 im Zsolnay Verlag erschien. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Dolmetscher für die US- Militärregierung in Österreich und schrieb nebenher seinen ersten Roman «Mich wundert, daß ich so fröhlich bin», der 1949 erschien und Zeitungs- wie Filmleute auf ihn aufmerksam machte. Das Debüt basiert auf eine wahre Begebenheit aus dem Zweiten Weltkrieg und begründete Simmels Ruf als Autor dokumentarisch untermauerter Romane. Nahezu zeitgleich wurde er Österreichs jüngster Kulturredakteur und wenig später Drehbuchautor beim Film. Ein Jahr später zog er nach Deutschland, wo er für die Zeitschrift «Quick» als Reporter durch die ganze Welt reiste.

Seinen Durchbruch als Romanautor feierte Simmel mit dem Agentenroman «Es muss nicht immer Kaviar sein», der zunächst als Fortsetzung in einer Illustrierten erschien und später ebenso verfilmt wurde wie «Lieb Vaterland, magst ruhig sein» (1965) (1965), «Und Jimmy ging zum Regenbogen» (1970), «Der Stoff, aus dem die Träume sind» (1971), oder «Liebe ist nur ein Wort» (1971). Insgesamt 18 verfilmte Simmel-Romane kamen immerhin im deutschsprachigen Raum in die Kinos.

Simmel widmete sich stets aktuellen und brisanten Themen. Nachkriegsdeutschland oder die Berliner Mauer thematisierte er ebenso wie Alkoholmissbrauch, Drogen, Gen-Manipulation, Rechtsradikalismus und Organspende. Dabei recherchierte er die Geschichten bis ins Detail und reicherte sie oft mit einer Portion Erotik an. Dabei wollte er seine Leser aufklären. «Schönschreiberei» führte seiner Meinung nach zu nichts.

Die literarische Anerkennung seines Werkes blieb ihm dennoch versagt. «Bestenfalls als gehobene Trivialliteratur» stuften die meisten Kritiker seine Romane ein. Immerhin zollte ihm Literatur- Papst Marcel Reich-Ranicki einiges Lob: «Simmel hat wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor einen fabelhaften Blick für Themen, Probleme, Motive».

Wie beliebt und aktuell Simmels Themen noch heute sind, zeigten ZDF-Neuverfilmungen im vergangenen Jahr. «Gott schützt die Liebenden» mit Iris Berben und Peter Simonischek sahen im Dezember immerhin 5,22 Millionen Zuschauer. Noch mehr Menschen (5,5 Millionen) verfolgten im September die Neuverfilmung von «Und Jimmy ging zum Regenbogen».

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02.01. Johannes Mario Simmel: Als Bestseller-Autor immer am Zeitgeist

Zürich/Wien - Er war jahrzehntelang Deutschlands populärster Schriftsteller. Seine rund 35 Romane und Erzählungen erschienen weltweit in einer Auflage von mehr als 73 Millionen in 33 Sprachen, Millionen Menschen sahen auch die Verfilmungen. Und doch blieb Johannes Mario Simmel, der am Neujahrstag im Alter von 84 Jahren in der Schweiz gestorben ist, die literarische Anerkennung seines Werks bis zu seinem Lebensende versagt. «Bestenfalls gehobene Trivialliteratur», so beurteilten die meisten Kritiker seine Romane. Eine Einschätzung, die den gelernten Chemoingenieur und erfolgreichen Journalisten - wie er später einmal bekannte - durchaus gekränkt hat.

Immerhin attestierte ihm einst der Kritiker-Papst Marcel Reich-Ranicki: «Simmel hat wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor einen fabelhaften Blick für Themen, Probleme, Motive.» Fast 60 Jahre lang schrieb Simmel, was der Zeitgeist ihm vorgab; und seine Leser verschlangen förmlich, was sein Verlag - meist in der für Simmel- Romane üblichen grellen Aufmachung und Hunderte Seiten stark - in die Buchhandlungen stellte. Nachkriegsdeutschland oder Berliner Mauer, Alkohol, Drogen, Genmanipulation oder Organspenden; ja sogar die geheimen Gefahren durch die Welt des Cyberspace waren seine Themen. Sein vielleicht berühmtestes Werk aber blieb einer seiner frühen Romane: «Es muss nicht immer Kaviar sein».

Stets bis ins Detail sehr gut recherchiert und angereichert mit einer Portion Erotik, rissen sich seine Leser jahrzehntelang förmlich nach jedem «neuen Simmel». Insgesamt stand er mit elf seiner Romanen erheblich länger auf der Bestsellerliste des «Spiegel» als etwa die Nobelpreisträger Heinrich Böll oder Günter Grass. Dabei hatte die schriftstellerische Arbeit des gebürtigen Wieners ein Konzept. Sein Ziel war es, Menschen aufzuklären. «Schönschreiberei», so gestand er, führe letztlich zu Nichts.

Ursprünglich, so erzählte Simmel, habe er «gedacht, man müsse so schön schreiben wie Rimbaud, Verlaine und Rilke zusammen», doch dann sei ihm bewusstgeworden: «Man muss den Leuten erzählen, was geschehen ist, verpackt in Romane.» Er habe «das betrieben, was Norman Mailer "faction" genannt hat, eine Mischung aus Fiktion und Fakten». Vor allem politische Aufklärung war sein Ziel. Dafür erhielt er letztlich 1991 auch einen Preis der Vereinten Nationen. Sein ganzer Eifer richtete sich bis ins hohe Alter vor allem gegen den wiederaufkommenden Rechtsradikalismus. Sein Hass auf Neonazis schien mit jedem Lebensjahr zuzunehmen.

Simmel wurde am 7. April 1924 in Wien geboren, einer Stadt, zu der er bis zu seinem Tod ein zwiespältiges Verhältnis hatte. Sein aus Hamburg stammender Vater, ein Chemiker, war Jude, der im letzten Moment vor den Nazis nach London fliehen konnte, wo er jedoch kurz vor Kriegsende starb. Fast alle Verwandten väterlicherseits wurden von den Nazis ermordet. Simmel selbst blieb mit seiner Mutter, die als Lektorin in einem Filmverleih war, während des Kriegs in Wien.

Hier arbeitete er noch kurz vor Kriegsende in einem kleinen Chemiebetrieb an der Entwicklung von Batterien, die angeblich in deutschen Raketen zum Einsatz kommen sollten. Doch schon während dieser Jahre begann der junge Simmel zu schreiben: Bereits mit 17 veröffentlichte er seinen ersten Novellenband. Nach dem Krieg führte der Journalismus Simmel durch die ganze Welt. Als gut bezahlter Reportagenschreiber für die Illustrierte «Quick» sammelte er Eindrücke, die er später in seinen Romanen verwerten würde.

Er habe in dieser Zeit «viel Unrecht, Gemeinheit und Niedertracht gesehen», schrieb er später über diese Wanderjahre. Schon damals galt Simmel als absoluter Vielschreiber, der seine erfolgreichen Artikel gleich unter mehreren Synonymen veröffentlichte. «Nebenbei» verfasste er in den 1950er Jahren noch 17 Drehbücher; die Mehrheit eher trivial. Simmels Durchbruch kam mit seinem großen Agentenroman «Es muss nicht immer Kaviar sein» (1960), der ebenso verfilmt wurde wie «Lieb Vaterland, magst ruhig sein» (1965), «Und Jimmy ging zum Regenbogen» (1970), «Der Stoff, aus dem die Träume sind» (1971), oder «Liebe ist nur ein Wort» (1971). Insgesamt 18 verfilmte Simmel-Romane kamen immerhin im deutschsprachigen Raum in die Kinos.

Ob Gen-Manipulation, Drogenhandel, die globale Umweltzerstörung oder die durch Computer-Verbrechen ausgelöste weltweite Katastrophe: Simmel ließ kein Thema aus, das die Menschen beschäftigte. Insgesamt umfasst sein Werk 27 Romane, 5 Bände mit Erzählungen und sechs Kinder- und Jugendbücher. Sein einziges veröffentlichtes Drama, «Der Schulfreund» aus den Jahren 1958-60 (verfilmt mit Heinz Rühmann), blieb weitgehend unbekannt.

War Simmels Moral in den ersten Jahrzehnten seines Schaffens von Optimismus geprägt, so verdüsterte sich sein Weltbild zunehmend in den 1990er Jahren. Sein ursprüngliches Motto: «Tun wir unser Möglichstes, mehr als Scheitern kann der Mensch nicht» - wich mit jedem neuen Roman immer mehr offenerem Pessimismus. «Ich habe das Empfinden, dass es nur mehr eine Eiseskälte zwischen den Menschen gibt», meinte er 2001 in einem Interview mit einer Wiener Zeitung. «Ich will gar nicht von Liebe reden, aber von Nächstenliebe ist keine Spur mehr vorhanden. Es herrscht wirklich eine Ich-Bezogenheit, wie sie noch nie da war, die zu einer Katastrophe führen muss.»

2001 veröffentlicht er den Texte-Band «Die Bienen sind verrückt geworden», dessen Untertitel alles ausdrückte: «Reden und Aufsätze über unsere wahnsinnige Welt». Die Wandlung wirkte sich auch auf seinen Schreibrhythmus und die Themen aus. Mit seinem kleinen Erzählungsband «Der Mann, der die Mandelbäumchen malte» (1998) wich Simmel erstmals deutlich vom Erfolgsschema ab.

Produzierte der im schweizerischen Zug lebende Bestseller-Autor in den 1960er und 1970er Jahren fast jährlich einen Bestseller, so wurden die Abstände zwischen seinen neuen Romanen ab 1990 immer größer. Dabei behinderte ihn auch eine Verletzung, die er sich bei einem Sturz in seinem Garten zuzog. Simmel zog sich in der Folge immer mehr zurück, empfing nur noch wenige Besucher. Ja, Simmel schreibe noch, konnte man aus seinem Verlag bei Anfragen erfahren: «Aber wir wollen ihn nicht drängen!»

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02.01. Bücher von Johannes Mario Simmel - viel geschmäht und oft gelesen

Hamburg (dpa) - Die Bücher des österreichischen Erfolgsschriftstellers Johannes Mario Simmel sind in einer Gesamtauflage von mehr als 73 Millionen Exemplaren erschienen: Sie wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

Einige seiner Werke:

«Mich wundert, dass ich so fröhlich bin» (1949): Der Debütroman basiert auf einer wahren Begebenheit im Zweiten Weltkrieg und begründet Simmels Ruf als Autor dokumentarisch untermauerter Romane.

«Es muss nicht immer Kaviar sein» (1959): Die Erlebnisse eines Geheimagenten wider Willen im Zweiten Weltkrieg. Der Weltbestseller erschien zuerst als Fortsetzungsroman in 66 Teilen in einer Illustrierten.

«Liebe ist nur ein Wort» (1963): Der Roman beschreibt das menschlich schäbige Verhalten von Personen aus der Oberschicht.

«Und Jimmy ging zum Regenbogen» (1970): Das Buch über skrupellose Geheimagenten thematisiert den Handel mit biologischen Massenvernichtungswaffen.

«Der Stoff, aus dem die Träume sind» (1971): Der frühere Zeitschriftenautor und Journalist Simmel setzt sich hier kritisch mit der Scheinwelt der Skandalpresse auseinander.

«Doch mit den Clowns kamen die Tränen» (1987): Das Buch beschreibt die Gefahren der Genmanipulation.

«Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche» (1990): In dem Roman über die globale Umweltzerstörung bezweifelt der Autor, dass die Klimakatastrophe noch zu stoppen ist.

«Träum den unmöglichen Traum» (1996): Ein autobiografischer Roman über das Thema Alter. Am Schluss wird der lebensmüde Held von einem Neonazi ermordet.

«Die Bienen sind verrückt geworden. Reden und Aufsätze über unsere wahnsinnige Welt» (2001): Die «aus Hass auf die Nazis» verfassten Texte stellte Simmel auf einer Lese-Reise vor, zum Teil begleitet von Neonazi-Protesten.

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02.01. Zitate von Johannes Mario Simmel

Hamburg (dpa) - Der österreichische Schriftsteller Johannes Mario Simmel war ein Moralist und Zeitkritiker. Einige Zitate:

«Wir haben uns die Erde nicht unterworfen. Wir haben ihr nur tiefe Wunden geschlagen.»

«Wenn jeder Mensch auf der Welt nur einen einzigen anderen Menschen glücklich machte, wäre die ganze Welt glücklich.»

«Die Welt kann man als Schriftsteller nicht verändern. Aber gewisse Sauereien kann man abstellen.»

«Es gibt im Leben nur eine Sünde, und die ist: den Mut zu verlieren.»

«Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.»

«Der Sinn des Lebens ist, dass jeder seine Pflicht tut.»

«Es ist immer noch besser, das eigene Nest zu beschmutzen als fremde.»

«Der Nationalsozialismus ist mein Lebenstrauma.»

«Der Nationalsozialismus ist eine Pest, die Generationen überspringt.»

«In diesem Land war man immer auf dem rechten Auge blind.»

«Das Schreiben fasziniert mich so sehr, dass, wenn es mir verboten würde, ich langsam daran sterben würde.»

«Je leichter ein Buch zu lesen ist, desto schwerer wurde es geschrieben.»

«Schreiben war immer Therapie. Sonst hätte ich mir nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs doch gleich das Leben nehmen können.»

«In Deutschland bedeutet Erfolg das Abonnement auf schlechte Kritiken.»

«Das Studieren lehrt uns die Regel - das Leben die Ausnahmen.»

«Ich habe viele getroffen, die klüger waren als Männer - und fast alle sind mutiger.» (über Frauen)

«Ich habe gelegentlich schreckliche Angst davor, dass es nach dem Tod weitergehen könnte. [...] Wenn ich gestorben bin, dann soll verflucht noch mal Schluss sein.»

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