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News-Sonderthema: 

Literaturnobelpreisträger Solschenizyn gestorben

Porträt, Werkübersicht, Zitate und Reaktionen zum Tod des russischen Schriftstellers
 

 
Unsere Beiträge:


Weltweite Trauer um Nobelpreisträger und Bürgerrechtler Solschenizyn
Solschenizyn wird am Mittwoch auf Donskoi-Friedhof beerdigt
Solschenizyn überwand die Sowjet-Tyrannei mit der Macht des Wortes
Politiker und Kulturschaffende würdigen Solschenizyns Vermächtnis
Die wichtigsten Werke Alexander Solschenizyns
Zitate von Alexander Solschenizyn
Solschenizyns Archipel Gulag: Denkmal für Opfer des Sowjet-Terrors
Zahlreiche Solschenizyn-Materialien lagern im Literaturarchiv
 

 
 
 

Weltweite Trauer um Nobelpreisträger und Bürgerrechtler Solschenizyn

Moskau (dpa) - Der Tod des russischen Literaturnobelpreisträgers und früheren Regimekritikers Alexander Solschenizyn hat weltweit Trauer ausgelöst. Der Schriftsteller, der durch die literarische Aufarbeitung des Stalin-Terrors Weltruhm erlangte, starb am Sonntagabend im Kreis seiner Familie im Alter von 89 Jahren in Moskau. Russlands Präsident Dmitri Medwedew würdigte den früheren Sowjetdissidenten am Montag als «einen der größten Denker, Schriftsteller und Humanisten des 20. Jahrhunderts», dessen Tod ein «Verlust für Russland und die ganze Welt» sei. Solschenizyn war an plötzlichem Herzstillstand gestorben.

«Sein schriftstellerisches Lebenswerk hat Maßstäbe gesetzt», erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Auch Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und US-Präsident George W. Bush lobten das Engagement des Bürgerrechtlers. Nach Einschätzung von Historikern öffnete der konservative Historiker den Menschen weltweit die Augen für den Totalitarismus in der von den Kommunisten unter dem Diktator Josef Stalin regierten Sowjetunion.

Als das Hauptwerk des am 11. Dezember 1918 in Kislowodsk im Nordkaukasus geborenen Solschenizyn gilt «Archipel Gulag» (1973), in dem er mit Tausenden von Beispielen den Stalin-Terror in der Sowjetunion darstellt. Gulag war eine Sammelbezeichnung für die Straflager in der Sowjetunion. Im Westen wandten sich daraufhin viele Linke von der Sowjetunion ab, Kommunisten kehrten ihren Parteien den Rücken. Den Terror hatte Solschenizyn in neun Jahren Straflager und Verbannung selbst zu spüren bekommen und bereits 1962 in seinem ersten Werk «Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch» geschildert.

Als ihm 1970 der Nobelpreis verliehen wurde, verweigerte ihm das Sowjet-Regime die Ausreise zur Preisübergabe. Die für den Literaturnobelpreis zuständige Schwedische Akademie nannte Solschenizyn am Montag einen der wichtigsten Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. «Man wird sich an Solschenizyn vor allem für seine historische Leistung erinnern, als er (...) eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Kommunismus und Marxismus in Gang setzte, die damals die gesamte westliche Welt ergriff», sagte der Sekretär der Akademie, Horace Engdahl, im Rundfunksender SR.

Nach der Veröffentlichung von «Archipel Gulag» wurde Solschenizyn verhaftet und ausgewiesen. Zunächst nahm ihn Heinrich Böll bei sich auf. Der deutsche Literaturnobelpreisträger (1972) habe den Gast in seinem Sommerhaus in der Nordeifel in der Gemeinde Kreuzau untergebracht, sagte Bölls Neffe Viktor in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «In Köln hätte das ja ein Chaos gegeben», meinte Viktor Böll. «Und so war die Weltpresse dann zu Gast in der Eifel.»

Solschenizyn siedelte schließlich in die USA über und kehrte 1994 nach Russland zurück. Dort kritisierte er fehlgeleitete Reformen und den Mangel an Demokratie unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Als Mahner für ein Russland auf der Grundlage von Gemeinsinn und orthodoxem Glauben fand Solschenizyn aber immer weniger Gehör. Wiederholt forderte der hagere Mann, Russland dürfe die westliche Demokratie «nicht ohne Verstand nachäffen», sondern müsse sich mehr um das «moralische Wohlergehen» des eigenen Volkes kümmern.

Bei der Verleihung des Staatspreises, der höchsten Auszeichnung Russlands, im Juni 2007 war der frühere Bürgerrechtler schwer vom Alter gezeichnet. Zu Sowjetzeiten hatte der Schriftsteller eine Ehrung durch das System stets abgelehnt. Als er die Auszeichnung für humanitäre Verdienste annahm, beschwor der Autor die geistige Einheit seines Landes. Nur so seien die bitteren Erfahrungen vergangener Jahre zu überwinden und neue unheilvolle Schicksalsschläge abzuwenden.

Über die Politik des Präsidenten Wladimir Putin, der inzwischen Regierungschef ist, und das Erstarken der russisch-orthodoxen Kirche in seinem Land hatte sich Solschenizyn immer wieder positiv geäußert. Er unterstützte auch die umstrittene Tschetschenien-Politik seines Landes.

Seit seinen letzten Schriften zur Geschichte des Judentums in Russland und der früheren Sowjetunion ist er allerdings umstritten, weil er russischen Juden auf Grundlage dürftiger Quellen eine Mitschuld an der kommunistischen Diktatur gegeben hatte. Stalin selbst hatte bei «Säuberungsaktionen» in den 1930er Jahren viele Juden töten lassen. Auch während seines Exils in den USA hatten Kritiker Solschenizyn eine antisemitische Haltung vorgeworfen.

Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Russlands, Juri Ossipow, hatte Solschenizyn jedoch im Vorjahr als einen der «größten Historiker und Philologen» des 20. Jahrhunderts gewürdigt. Bis zu seinem Tod habe der Schriftsteller trotz seiner langen Krankheit aktiv gearbeitet, sagte sein Sohn Stepan der Agentur Itar-Tass. Solschenizyn arbeitete unter anderem an der Herausgabe seines Gesamtwerkes in 30 Bänden, die bis 2010 im Moskauer Verlag Wremja erscheinen sollen. Er wird an diesem Mittwoch auf dem Friedhof des Moskauer Donskoi-Klosters beigesetzt.

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Solschenizyn wird am Mittwoch auf Donskoi-Friedhof beerdigt

Moskau (dpa) - Der Literaturnobelpreisträger und frühere Regimekritiker Alexander Solschenizyn wird an diesem Mittwoch auf dem Friedhof des Moskauer Donskoi-Klosters beigesetzt. Diese Begräbnisstätte habe sich der Schriftsteller vor fünf Jahren selbst ausgesucht, teilte ein Sprecher des Moskauer Patriarchats nach Angaben der Agentur Interfax am Montag mit. In der Kathedrale des Klosters werde der Leichnam Solschenizyns für die Totenmesse aufgebahrt. Der am Sonntagabend im Alter von 89 Jahren gestorbene Solschenizyn war ein tief gläubiger orthodoxer Christ.

Auf dem Friedhof des Ende des 16. Jahrhunderts gegründeten Mönchsklosters wurden in der Vergangenheit vor allem Vertreter des russischen Adels begraben. Der Friedhof liegt im Südwesten der Stadt. Dort befindet sich auch das Grab des Architekten Joseph Bove (1784- 1834), der mit Bauwerken wie dem Bolschoi-Theater das Bild der russischen Hauptstadt geprägt hat.

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Solschenizyn überwand die Sowjet-Tyrannei mit der Macht des Wortes

Moskau (dpa) - Der russische Literaturnobelpreisträger und Sowjetdissident Alexander Solschenizyn war eine der herausragenden Figuren des 20. Jahrhunderts. Wie kein anderer setzte er die Macht des literarischen Wortes gegen die sowjetische Tyrannei. «Ein Wort der Wahrheit überwindet die ganze Welt», fasste der Autor des «Archipel Gulag» seine tief religiös geprägte Überzeugung 1974 in der verspäteten Nobelpreisrede zusammen. In den vergangenen Monaten trat er nicht mehr in der Öffentlichkeit auf, meldete sich gelegentlich in Zeitungsinterviews zu Wort. Am späten Sonntagabend starb Solschenizyn nach schwerer Krankheit 89-jährig im Kreis seiner Familie in Moskau.

Solschenizyns Lebensweg führte ihn von Stalins Straflagern zum Weltruhm als Schriftsteller, in ein 20-jähriges Exil und schließlich zurück in eine veränderte Heimat. Dort wurde es zuletzt einsam um den Prediger eines «Heiligen Russlands». Solschenizyn, der «Geschichte gemacht hat wie vielleicht kein anderer Schriftsteller und Künstler vor ihm» (Gerd Koenen), war zuletzt im Reinen mit der neuen politischen Führung und Entwicklung in Russland.

Geboren wurde der «wohl bedeutendste Prosaiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts» (Wolfgang Kasack) am 11. Dezember 1918 in Kislowodsk im Nordkaukasus. Solschenizyn studierte Mathematik und Physik und zog als Hauptmann der Roten Armee in den Zweiten Weltkrieg. 1945 brachten Briefe mit abfälligen Bemerkungen über den sowjetischen Diktator Josef Stalin ihn für neun Jahre in die Mühlen von Straflagern und Verbannung.

Den Alltag eines Lagerhäftlings, einfach, ohne Anklage, aber unwiderlegbar wahr, schildert Solschenizyn in seinem Debüt. Die Erzählung «Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch» macht den Autor 1962 weltbekannt. Es ist der Höhepunkt des literarischen «Tauwetters» unter Parteichef Nikita Chruschtschow. Doch die Romane «Im ersten Kreis» und «Krebsstation» können nur im Westen erscheinen. 1970 wird Solschenizyn der Nobelpreis zuerkannt «für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat». Moskau lässt ihn jedoch nicht zur Preisverleihung reisen.

1973 fällt Häschern des Geheimdienstes KGB ein Teilmanuskript von Solschenizyns Hauptwerk in die Hände, an dem er jahrelang konspirativ gearbeitet hatte. Der «Archipel Gulag» muss in aller Eile im Westen veröffentlicht werden. In der monumentalen Dokumentation über Stalins Terror und das brutale Lagersystem gibt Solschenizyn den Opfern eine Stimme. Er erkennt in dem millionenfachen Leiden eine tiefe Wahrheit: «Allmählich wurde mir offenbar, dass die Linie, die Gut und Böse trennt, nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz», schreibt er.

Der «Archipel Gulag» erschüttert die Sowjetunion, im Westen wenden sich viele wohlmeinende Linke von Moskau ab. 1974 verhaftet die sowjetische Führung Solschenizyn und weist ihn aus. Ein «Symbol der Freiheit in der Welt» nennt Heinrich Böll den Freund und nimmt ihn in Köln auf. Der Weg des Exils führt über die Schweiz und Norwegen in die USA.

In der Stille des Bundesstaates Vermont, dessen Wälder den russischen ähneln, widmet sich Solschenizyn seinem zweiten Hauptwerk. Das «Rote Rad» soll in 20 Bänden den Untergang Russlands in der Revolution erzählen, doch das strenge philosophische Korsett schnürt nach Meinung vieler Kritiker ein lebendiges Erzählen ab. Nur die Bände «August 1914», «November 1916» und «März 1917» erscheinen. Auch mit Solschenizyns konservativen Warnungen vor einem Abfall von Religion und Moral kann der Westen wenig anfangen.

Drei Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, zu dem er selber so viel beigetragen hat, kehrt der Autor 1994 in die russische Heimat zurück. Auf einer 55-tägigen Zugreise von Wladiwostok nach Moskau lernt er das veränderte Land kennen. In mehreren Schriften - zuletzt «Russland im Absturz» (1998) - verurteilt er die fehlgeleiteten Reformen, die Verarmung, den Mangel an Demokratie. Doch sein eigenes Ideal eines Russlands, das auf dem orthodoxen Glauben und Gemeinsinn gründet, predigt er wie ein alttestamentarischer Prophet vergebens.

Mit dem letzten Werk «Zweihundert Jahre gemeinsam», einer Dokumentation über das Zusammenleben von Russen und Juden, versuchte Solschenizyn, beiden Gruppen ihren Teil der «Schuld» an der russischen Revolution zuzumessen. Dies führte zwangsläufig zu Missverständnissen und zum Vorwurf des Antisemitismus, so dass Kritiker ihm rieten, nicht «seine unvergängliche historische Leistung als Autor des "Archipel Gulag" zu verdunkeln» (Gerd Koenen). Solschenizyn wird auf eigenen Wunsch an diesem Mittwoch auf dem Friedhof des Moskauer Donskoi-Klosters beerdigt.

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Politiker und Kulturschaffende würdigen Solschenizyns Vermächtnis

Moskau/Berlin (dpa) - Politiker und Kulturschaffende haben Werk und Wirken des verstorbenen russischen Schriftstellers und früheren Dissidenten Alexander Solschenizyn als wegweisend gewürdigt. Solschenizyns Vermächtnis «kämpferischer Wahrheitssuche wird als Maßstab für moralisches Gewissen in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingehen», betonte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Montag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte: «Die weltweite Anerkennung für dieses Werk spricht für sich.» Zugleich wurde aber auch Kritik an dem Literaturnobelpreisträger laut.

Der frühere Dissident werde in die Geschichte eingehen als einer der ersten, die die Brutalität und Unmenschlichkeit des Stalin- Regimes öffentlich und rigoros angeprangert haben, sagte der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow. Der Beitrag Solschenizyns zum Sturz des Totalitarismus' sei «nicht hoch genug zu schätzen», sagte Gorbatschow nach Angaben der Agentur Interfax. «Er hat bis zum Ende seines Lebens dafür gekämpft, dass Russland seine totalitäre Vergangenheit hinter sich lässt, eine würdige Zukunft hat und zu einem freien und demokratischen Land wird. Wir schulden ihm viel», betonte Gorbatschow.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) lobte den Schriftsteller als «eine der stärksten Stimmen für die Menschenrechte». «Sein Vermächtnis ist es, intellektuell den Weg bereitet zu haben zur Befreiung der östlichen Hälfte Europas.» Bundesaußenminister Frank- Walter Steinmeier (SPD) nannte den Autor einen «leidenschaftlichen Streiter für Menschenrechte und Freiheit».

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte, der Literaturnobelpreisträger sei «eine Romanfigur, ein Erbe Dostojewskis, der in den Pantheon der Weltliteratur gehört». Die für den Literaturnobelpreis zuständige Schwedische Akademie würdigte Solschenizyn als einen der wichtigsten Autoren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Dagegen äußerte sich der Publizist und Historiker Wolfgang Leonard mit einem kritischen Unterton über seinen russischen Kollegen. «Solschenizyn war tief verwurzelt in der russischen Geschichte, kritisch zu westlichen Systemen - vor allen Dingen zum westlichen demokratischen Mehrparteiensystem - das war ja für ihn verhasst», sagte der Russland-Experte im Radiosender MDR INFO. «Er war ja kein Demokrat, aber er war ein Gegner des Kreml-Systems, des früheren. Was sich unter (Wladimir) Putin ereignet hatte - eine nicht- kommunistische autoritäre Herrschaftsform - hat seinen eigenen Auffassungen doch sehr entsprochen.»

In seiner Heimat lobte die russisch-orthodoxe Kirche Solschenizyn als großen Vordenker für künftige Generationen. Solschenizyn habe Politik und Gesellschaft nicht nur kritisiert, sondern auch praktische Wege für ihre Entwicklung aufgezeigt, sagte der Sprecher des Moskauer Patriarchats, Wsewolod Tschaplin.

Der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Memorial, Arseni Roginski, würdigte den Regimekritiker als Gründer der Bewegung für die Aufarbeitung der Stalin-Verbrechen in Russland. Ohne die Werke des weltweit geschätzten Schriftstellers sei eine Rehabilitierung der Opfer heute nicht möglich. «Er hatte nie Angst davor, mit seinem Kampf und seiner Meinung alleine dazustehen», sagte Roginski.

Dagegen kritisierte Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, dass die Arbeiten des Autors nicht immer objektiv gewesen seien. «Ich denke, dass seine Bewertung der frühesten sowjetischen Epoche doch tendenziös und einseitig war», sagte Sjuganow nach Angaben der Agentur Interfax. Gleichzeitig nannte er Solschenizyn einen «talentierten Menschen», der für sein Land das Beste gewollt habe. Die Kommunisten sind im russischen Parlament vertreten. Solschenizyn starb am Sonntagabend 89-jährig in Moskau.

Nobelpreis-Juroren: Solschenizyn lenkte Blick auf Lagersystem

Stockholm (dpa) - Die für den Literaturnobelpreis zuständige Schwedische Akademie hat den im Alter von 89 Jahren gestorbenen russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn als einen der wichtigsten Autoren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewürdigt. Solschenizyn hatte den Nobelpreis 1970 zuerkannt bekommen.

Der Sekretär der Akademie, Horace Engdahl, sagte am Montag im Rundfunksender SR weiter: «Man wird sich an Solschenizyn vor allem für seine historische Leistung erinnern, als er die Aufmerksamkeit auf das sowjetische Lagersystem lenkte und eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Kommunismus und Marxismus in Gang setzte, die damals die gesamte westliche Welt ergriff.» Als herausragende literarische Werke nannte Engdahl «Ein Tag im Leben des Iwan Dessinowitsch» und «Der erste Kreis der Hölle».

Zur Verleihung des ihm zuerkannten Nobelpreises am 10. Dezember 1970 reiste Solschenizyn nicht nach Stockholm, weil er die Verweigerung der Wiedereinreise durch die Behörden in der Sowjetunion befürchtete.

Loest: Solschenizyn hatte Vorbildfunktion für kritische DDR-Autoren

Berlin (dpa) - Der Schriftsteller Erich Loest («Nikolaikirche») hat die Vorbildfunktion des gestorbenen russischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn für kritische DDR-Schriftsteller hervorgehoben. Allerdings sei Solschenizyns Werk «so gewaltig, so groß und so umfassend kritisch» gewesen, dass man sich kaum daran habe wirklich messen können, sagte der 82-jährige Loest am Montag im rbb-Kulturradio zum Tod Solschenizyns. «Wir sind alle schon mit viel kleineren Versuchen gescheitert.» Loest, der die Werke Solschenizyns wie die meisten DDR-Bürger nur aus dem West-Radio kannte, lobte vor allem die literarische Qualität der Gulag-Berichte des russischen Nobelpreisträgers.

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Die wichtigsten Werke Alexander Solschenizyns

Moskau (dpa) - Der Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn galt als wichtigster Prosaiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aus seinem umfangreichen Werk ragt der «Archipel Gulag» hervor, eine Dokumentation über das unmenschliche Lagersystem der Sowjetunion.

Die wichtigsten Bücher Solschenizyns:
- «Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch» (1962)
- «Matrjonas Hof» (1963)
- «Der erste Kreis der Hölle» (1968, erw. Fassung: «Im ersten Kreis», 1978)
- «Krebsstation» (1968)
- «Der Archipel Gulag» (3 Bände 1973 - 1976)
- «Das Rote Rad. Erster Knoten. August vierzehn» (1971, erweitert 1987)
- «Das Rote Rad. Zweiter Knoten. November sechzehn» (1986)
- «Das Rote Rad. Dritter Knoten. März siebzehn» (2 Bände 1991)
- «Russland im Absturz» (1998)
- «Zweihundert Jahre gemeinsam» (2 Bände 2001/2002)

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Zitate von Alexander Solschenizyn

Hamburg (dpa) - Der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn (1918-2008) hat zu vielen Themen Stellung genommen.

Über Russland:

«Russland ist ein krimineller Staat.»
(Gespräch mit der «Neuen Zürcher Zeitung», Dezember 1998)

«Es kann nicht angehen, dass persönliche Gräueltaten von konkreten Führern oder politische Regimeverbrechen zur Schuld des russischen Volkes und seines Staates erklärt oder auf die angeblich krankhafte Psyche des russischen Volkes zurückgeführt werden, wie es im Westen oft genug getan wird.» (Gespräch mit dem Magazin «Der Spiegel», Juli 2007)

«Unter Gorbatschow und in der ganzen Jelzin-Zeit haben wir weder Reformen noch Demokratie erfahren.» («Spiegel»-Gespräch, März 2000)

«Ich bin ein überzeugter und konsequenter Kritiker des Parteien- Parlamentarismus und Anhänger eines Systems, bei dem wahre Volksvertreter unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit gewählt werden.» («Spiegel»-Gespräch, Juli 2007)

«Wir dürfen nicht zulassen, dass die Russen als Nation aussterben. Unser Abstieg währte mehr als 70 Jahre unter den Kommunisten und auch die 10 Jahre danach. Der Aufstieg ist immer schwieriger, er wird mindestens 100 Jahre in Anspruch nehmen.» («Spiegel»-Gespräch, März 2000)

«Der Weg zur Demokratie braucht Zeit und Geduld - das gilt für Intellektuelle wie Politiker.» («Spiegel»-Gespräch, März 2000)

Über Deutschland:

«Schon als Schulkind war ich von der deutschen Literatur und der deutschen Sprache begeistert, ich habe zwei Sommer lang Goethe, Schiller, Heine, deutsche Volksmärchen auf Deutsch gelesen - was immer mir in die Hände kam. Es war ein Genuss für mich. Der Krieg gegen das faschistische Deutschland hat bei mir keine negativen Gefühle gegenüber dem deutschen Volk ausgelöst.» («Spiegel»-Gespräch, März 2000)

Über seine Arbeit:

«Es ist eine innere Triebfeder, schon seit meiner Geburt. Ich habe mich immer mit Vergnügen der Arbeit hingegeben, der Arbeit und dem Kampf.» («Spiegel»-Gespräch, Juli 2007)

«Ich konnte keine persönliche Ehrenbekundung akzeptieren für ein Buch, das mit dem Blut von Millionen Menschen geschrieben worden war.» («Spiegel»-Gespräch im Juli 2007 über einen Preis für Solschenizyns Buch «Archipel Gulag»)

Über sich und das Leben:

«Man kann alle wirtschaftlichen, staatlichen, physischen Katastrophen überleben, nicht aber geistige. Wenn wir uns aufgeben, wenn wir aufhören an uns, an unsere Zukunft zu glauben, dann sind wir erledigt.» (Gespräch mit der «Neuen Zürcher Zeitung», Dezember 1998)

«Die Verwirklichung der Freiheiten darf nicht so weit gehen, dass sie die Existenz des Gemeinwesens bedroht oder die religiösen und nationalen Gefühle beleidigt.» (Interview der Moskauer Tageszeitung «Moskowskije Nowosti», April
2006)

«Die Lösung ist immer einfach, man muss sie nur finden.»

«Ein Mensch ist tatsächlich in vielfacher Weise einer Pflanze ähnlich. Wenn er von einem Ort entwurzelt und weit weggeworfen wird - dann beeinträchtigt das Hunderte winziger Wurzeln und Nervenzentren. (...) Aber ich halte es nicht für hoffnungslos. Selbst alte Bäume können, wenn man sie versetzt, an einem neuen Ort wieder Wurzeln fassen.» (Interview der Nachrichtenagentur AP, gedruckt in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», Februar 1974)

Ich bin ein Optimist von Geburt an, und ich kann mein Exil nicht als endgültig betrachten. Ich habe das Gefühl, dass ich in einigen Jahren nach Russland zurückkehren werde.» (AP-Interview in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», Februar 1974)

Über den Tod:

«Ich denke nicht nur daran, ich bin absolut für ihn bereit. (...) Ich betrachte ihn als natürlichen Teil unseres Daseins, als Übergang von einem Zustand zum anderen.» (Gespräch mit der «Neuen Zürcher Zeitung», Dezember 1998)

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Solschenizyns Archipel Gulag: Denkmal für Opfer des Sowjet-Terrors

Hamburg (dpa) - In dem Dokumentarroman «Archipel Gulag» hat der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn den Opfern des Stalin-Terrors ein monumentales Denkmal gesetzt. Das dreibändige Werk (1973 -1976) gilt als das wichtigste des sowjetischen Dissidenten und Nobelpreisträgers. Der literarische Angriff auf das Sowjetsystem brachte ihm 1974 die erneute Verhaftung und Ausweisung ein.

«All jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten, dies zu erzählen», schrieb Solschenizyn über den «Versuch einer künstlerischen Bewältigung» des Lager-Systems. In Tausenden von Beispielen schildert er minutiös den sowjetischen Terror: Verhaftungen, Verhör- und Foltermethoden, die Zwangsarbeit, das Überleben oder millionenfache Sterben in Stalins Straflagern.

Die Arbeit am «Archipel Gulag» begann 1958 unter konspirativen Umständen. 1973 entdeckte der sowjetische Geheimdienst KGB Teile des Manuskripts, das Solschenizyn daraufhin in aller Eile in den Westen schmuggeln und veröffentlichen ließ. Moskau reagierte mit scharfen Protesten und wies den Autor 1974 aus. Erst zu Zeiten der Perestroika wurde der «Archipel Gulag» 1989 in der Sowjetunion veröffentlicht.

Das Werk ist nicht nur eine historische Dokumentation, es gilt auch als eine der größten literarischen Leistungen Solschenizyns. Er erzählt mit bitterer Ironie für die Henker und tiefer Trauer um die Opfer. Neben die Erfahrungen von Grausamkeit und Niedertracht stellt er Beispiele moralischer Größe der Gefangenen. «Allmählich wurde mir offenbar, dass die Linie, die Gut und Böse trennt, nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz», schreibt Solschenizyn im Kapitel «Seele und Stacheldraht».

Solschenizyns «Archipel Gulag» soll als Taschenbuch neu erscheinen

Frankfurt/Main (dpa) - Das Hauptwerk des verstorbenen russischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn, die monumentale Lagerchronik «Archipel Gulag», soll neu auf Deutsch in Taschenbüchern erscheinen.
Der Fischer Taschenbuch-Verlag in Frankfurt kündigte am Montag eine vierbändige Ausgabe an. In drei Bänden solle das Gesamtwerk gedruckt werden, so wie es von 1974 bis 1976 bei Scherz erschienen sei. Als vierter Band sei die von Solschenizyn autorisierte Kurzfassung von 1986 geplant. Die Bände hätten eigentlich zum bevorstehendem 90. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers am 11. Dezember 2008 erscheinen sollen, nach seinem Tod werde die Veröffentlichung vorgezogen, sagte Martin Spieles, Sprecher der S. Fischer Verlage.

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Zahlreiche Solschenizyn-Materialien lagern im Literaturarchiv

Marbach am Neckar (dpa) - Zahlreiche Korrespondenzen, Materialien und Prozessunterlagen über den gestorbenen russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn lagern im Deutschen Literaturarchiv in Marbach bei Ludwigsburg. Die Übersetzung und Verbreitung seiner Werke in Deutschland sei zum großen Teil ein Verdienst des Luchterhand Verlags, dessen ältere Akten inzwischen in der Schillerstadt am Neckar aufbewahrt würde, berichtete der Leiter der Handschriftenabteilung, Ulrich von Bülow.

Allein sieben Archivkästen stünden für die Forschung bereit. Bülow bezeichnete Solschenizyn als «mutigen Mann» und «großen Schriftsteller». «Seine Erzählungen und Romane haben manchen deutschen Lesern, unter ihnen nicht wenigen Schriftstellern, die Augen geöffnet.» Alexander Solschenizyn war im Alter von 89 Jahren gestorben.

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Ein aktueller Streich des Börsenvereins unter Vorsteher Gottfried Honnefelder
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Günter Grass: Das Waffen-SS Eingeständnis
Reaktionen und das Eingeständnis
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Zum 50. Todestag von Gottfried Benn am 07.07.
Lebenswerk, Hintergründe und Zitate
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Zum Tod von Robert Gernhardt am 30.06.
Reaktionen, Stimmen und ein Kurzporträt
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150. Geburtstag von Sigmund Freud (06.05.)
Lebenswerk und Hintergründe
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100. Geburtstag von Samuel Beckett am 13.04.
Lebenswerk und Hintergründe
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