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News-Sonderthema:
Der Verlag Springer will PRO7/Sat1 kaufen
Chronologie der Ereignisse, Reaktionen und Hintergründe
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25.02. Kartellamt: Beschwerde ist «gutes Recht» von Springer
Bonn (dpa) - Das Bundeskartellamt hat gelassen auf die Klage von Springer
gegen das Verbot der Übernahme des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 reagiert. Der Schritt sei «das gute Recht» der
Axel Springer AG, sagte eine Kartellamtssprecherin am Freitag in Bonn.
Sie verwies darauf, dass das OLG Düsseldorf die erste Instanz
in dem Beschwerde-Verfahren sei. Die unterlegene Seite könne dann
erneut Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen, der endgültig
entscheiden müsse.
Beim OLG Düsseldorf lag die Beschwerde von Springer gegen die
Untersagungsverfügung der Wettbewerbsbehörde noch nicht vor.
Der Springer Verlag hatte am Donnerstag Beschwerde gegen die Untersagungsverfügung
der Aufsichtsbehörde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt.
Er will trotz Aufgabe der Übernahmepläne für den Fernsehkonzern
ProSiebenSat.1 die kartellrechtliche Situation für mögliche
künftige Zukäufe grundsätzlich klären lassen.
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05.02. Bieterverfahren könnte Bewegung
in ProSiebenSat.1-Verkauf bringen
München (dpa) - Nach dem geplatzten Verkauf des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 an den Axel Springer Verlag könnte ein neues Bieterverfahren
wieder Schwung in die Verhandlungen mit anderen Interessenten bringen.
Es sei durchaus denkbar, dass es zu einem neuen Bieterverfahren komme,
hieß es am Wochenende in Branchenkreisen. Nach Informationen
des Nachrichtenmagazins «Focus» sollen mögliche Interessenten
bis zum 9. Februar ihre Höchstgebote abgeben. Dieses Datum wurde
in Branchenkreisen nicht kommentiert.
Organisiert werde das Verfahren von der Investmentbank J.P. Morgan.
Ein Verkauf um jeden Preis komme für ProSiebenSat.1-Eigentümer
Haim Saban nicht in Frage. Denkbar ist nach Einschätzung von Experten
auch, dass er noch von guten Werbegeschäften während der
Fußball- Weltmeisterschaft profitieren und erst danach verkaufen
will.
Als Käufer für den Fernsehkonzern kommen vor allem ausländische
Konzerne in Betracht. Wunschkandidat der bayerischen Staatsregierung
wäre laut «Focus» der US-Riese General Electric, zu
dem der Unterhaltungskonzern NBC Universal gehört. Mit den Amerikanern
habe man gute Erfahrungen gemacht, sagte Bayerns Wirtschaftsminister
Erwin Huber (CSU) dem Magazin. NBC Universal betreibt in Deutschland
bereits den Fernsehkanal «Das Vierte».
Zu den weiteren Interessenten gehören der französische
TV-Konzern
TF1 sowie der TV-Konzern SBS, der vom früheren Kirch-Manager Markus
Tellenbach geführt wird. Zu Spekulationen über einen unterschriftsreifen
Vertrag mit den Finanzhäusern Apax und Goldman Sachs sagte Saban
dem Magazin: «Es ist zu früh, mehr zu sagen. Wir prüfen
alle unsere Optionen.»
Pläne für einen Umzug des Konzerns mit 2500 Beschäftigten
gibt es aber nicht. In Telefongesprächen mit Huber und Bayerns
Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) habe Saban laut «Focus» zugesagt,
dass der Konzern weder umziehen werde noch zerschlagen wird. «Verlassen
Sie sich auf mein Wort. Sie wissen doch, dass es gilt», wird
der Unternehmer zitiert. Auch der «Münchner Merkur» hatte
berichtet, Saban habe Stoiber gesagt, die Arbeitsplätze seien
aktuell gesichert.
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04.02. Saban versichert: ProSiebenSat.1
bleibt in Bayern
München (dpa) - Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 wird nach der
geplatzten Übernahme durch die Axel Springer AG in Unterföhring
bei München bleiben. Der Besitzer Haim Saban habe zugesagt, dass
der Konzern weder umziehen werde noch zerschlagen wird, berichtete
das Magazin «Focus» unter Berufung auf Telefonate, die
Saban mit Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister
Erwin Huber (beide CSU) geführt habe. «Verlassen Sie sich
auf mein Wort. Sie wissen doch, dass es gilt», wird der Unternehmer
zitiert.
Auch der «Münchner Merkur» hatte berichtet, Saban
habe Stoiber gesagt, die Arbeitsplätze seien aktuell gesichert.
Bei der Sendergruppe sind rund 2500 Menschen beschäftigt. Nach
dem gescheiterten Verkauf der Sendergruppe an Springer wird damit gerechnet,
dass ein ausländischer Investor zum Zuge kommt.
Wunschkandidat der Staatsregierung wäre laut «Focus» der
US-Riese General Electric, zu dem der Unterhaltungskonzern NBC Universal
gehört. Mit den Amerikanern habe man gute Erfahrungen gemacht,
sagte Huber dem Magazin. NBC Universal betreibt in Deutschland bereits
den Fernsehkanal «Das Vierte».
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01.02. Springers Fernsehplan gescheitert - Auf der Suche nach neuen Märkten
Berlin (dpa) - Es war der Traum von Verleger Axel Springer: Sein Haus
müsse sich unbedingt im Fernsehen engagieren. In einer Zukunft
mit Kabel und Satellit würden «Sein oder Nichtsein von Zeitungen» allein
von einer Beteiligung an den neuen Medien abhängen, schrieb der
Verlagsgründer (1912-1985). Mit dem am Mittwoch angekündigten
Rückzug der Axel Springer AG von einer Übernahme der ProSiebenSat.1
Media AG dürften die ehrgeizigen TV-Pläne von Europas größtem
Zeitungshaus («Bild», «Die Welt») wieder in
der Schublade verschwinden. Springer muss sich woanders nach neuen
Erlösquellen umschauen.
Überraschend kam die Absage nicht. Nachdem am 5. August 2005
Vorstandschef Mathias Döpfner und der US-Milliardär Haim
Saban den Kaufvertrag unterschrieben, hatte Springer mit dem Kartellamt
und der Medienfusionskontrolle KEK um eine Zulassung gerungen. Diese
beurteilten die Übernahme von Deutschlands größtem
Fernsehkonzern durch den «Bild»-Verlag sehr kritisch. Die
Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK)
errechnete aus dem Zuschaueranteil von ProSiebenSat.1 von 22 Prozent
und dem Einfluss von Springers Zeitungen eine Quote von 42 Prozent
und untersagte das Geschäft.
Auch das Kartellamt machte nicht mit. Zu stark würde Springer
auf dem Leser- und Anzeigenmarkt sowie beim überregionalen Verkauf
von TV-Werbezeiten, lauteten die Vorbehalte. Kartellamtschef Ulf Böge
warnte vor einem Duopol mit Konkurrent Bertelsmann und seiner RTL-
Gruppe. Zugeständnisse Springers lehnte Böge ab.
Dabei stehen sich mit Springer und Bertelsmann zwei höchst unterschiedliche
Konzerne gegenüber. Während Springer vor allem im Inlandgeschäft
stark ist, spielt Bertelsmann weltweit in der ersten Liga der Medienkonzerne.
Ein TV-Einstieg hätte Springer die Chance geboten, sich mit neuen
Kanälen und Inhalten auf die Medienzukunft vorzubereiten. Immer
wichtiger wird das Zusammenspiel von Internet und Fernsehen, von Printmedien
und Online-Diensten. Die großen Medienkonzerne stehen unter dem
Druck, die gesamte mediale Verwertungskette zu vernetzen.
Nach Ablehnung des Kartellamtes hätte Springer bei Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) eine Ausnahmeerlaubnis beantragen können. Doch
hier sah Döpfner «unkalkulierbare Risiken».
Das auf seine journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit
pochende Verlagshaus wollte sich nicht in die Hände der Politik
begeben. Ein Antrag hätte die große Koalition vor eine Zerreißprobe
gestellt. Immer lauter wurden die SPD-Stimmen gegen einen vermeintlichen
Machtzuwachs Springers. Andere Verlage hatten im Fall einer Ministererlaubnis
mit Klagen gedroht.
Schon seit 1967 hatte Springer versucht, sich mit dem Fernsehen ein
weiteres Standbein zu schaffen. Mit anderen Verlagshäusern hatte
das Haus das «Aktuelle Presse Fernsehen» gegründet,
aus dem 1985
Sat.1 hervorging. Mit 12 Prozent bleibt Springer an der Sendergruppe
beteiligt. Mit der Übernahme des gesamten Konzerns wollte das
Medienhaus groß im TV mitmischen.
«Siege, wenn Du kannst, verliere, wenn Du musst, kapituliere
nie» hatte Döpfner die Marschroute ausgeben. Bei einem Scheitern
werde Springer sein Glück woanders suchen müssen- «in
digitalen Märkten und im Ausland». Auf beiden Gebieten ist
Springer bereits aktiv und erfolgreich.
In Polen gibt Springer «Fakt» heraus, das auflagenstärkste
Boulevardblatt des Landes mit rund einer halben Million verkaufter
Exemplare und mehr als 3,5 Millionen Lesern. Auch in anderen osteuropäischen
Staaten, in Spanien und Frankreich ist Springer mit eigenen Produkten
und Lizenzausgaben präsent. Knapp 16 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet
Springer außerhalb Deutschlands. Auch im Internet sieht sich
Springer gut aufgestellt. Mit «Bild.T.Online» verfügt
das Haus über eine starke Marke, die es für neue Inhalte
wie Sport oder Filme nutzen kann. Bei anderen Online-Angeboten für
Immobilien oder Autos ist Springer führend.
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01.02. Mathias Döpfner - vom Musikkritiker zum mächtigen Verlagsmanager
Berlin (dpa) - Der Aufstieg von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
(43) zu einem der mächtigsten Verlagsmanager in Deutschland ist
auch für die schnellen Verhältnisse der Medienbranche atemlos
verlaufen: Anderthalb Jahre nachdem er 1998 Chefredakteur der Zeitung «Die
Welt« wurde, rückte Döpfner in den Konzernvorstand
auf. Im Januar 2002, noch keine 40 Jahre alt, erreichte er die Vorstandsspitze.
Der Sohn eines Architekturprofessors galt lange als Geistesmensch
- was seiner Karriere eher genutzt als geschadet haben dürfte.
Der studierte Musikwissenschaftler hat es immer wieder geschafft, die Öffentlichkeit
zu überraschen und die Initiative zu behalten. Auch bei der nun
gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 hatte Döpfner
auf den Überraschungseffekt gesetzt. In einem «Zeit»-Interview
beschrieb er sich als «halb Teppichhändler, halb Schöngeist».
Das Scheitern bei der Übernahme des TV-Konzerns am Widerstand
der Behörden wolle er «sportlich nehmen«, verkündete
der knapp zwei Meter große Döpfner am Mittwoch.
Erste Schritte im Journalismus unternahm Döpfner als Schüler,
danach als freier Mitarbeiter der «Offenbach Post«. 1982
wird er Musikkritiker der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ),
später arbeitet er für das gesamte Feuilleton. Nach einem
Abstecher in die PR-Branche kehrt er 1990 als Benelux-Korrespondent
zur «FAZ» zurück.
1992 wechselt Döpfner zum Zeitschriften-Konzern Gruner+Jahr
und wird Assistent des Vorstandsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen. Der
betraut ihn 1994 mit der Leitung der aus den Wendejahren geretteten
einstigen Ost-Berliner «Wochenpost». Unter Döpfner
wird die Auflagenflaute überwunden, das Blatt kurz danach verkauft.
1996 übernimmt Döpfner die Chefredaktion der «Hamburger
Morgenpost», die G+J kurz danach ebenfalls veräußert.
Ende April 1998 wechselt Döpfner zur «Welt». Er
baut das Blatt um, verschafft der Zeitung ein liberal-konservatives
Profil. Ende 1999 wird Döpfner in den Springer-Vorstand berufen,
wo er das Ressort Elektronische Medien/Multimedia und auch den Bereich
Zeitungen übernimmt. Er genießt die volle Unterstützung
von Hauptaktionärin Friede Springer - vor allem bei der Entscheidung,
vom Medienunternehmer Leo Kirch knapp 770 Millionen Euro zu verlangen.
Die sollte Kirch für Springers Anteile an ProSiebenSat.1 bezahlen,
die der Verlag damals noch verkaufen wollte. Die fällige Option,
die Kirch nicht bezahlen kann, beschleunigt die Krise seines Medienimperiums.
Doch Döpfner muss auch Rückschläge verkraften. Im
Bieterverfahren um die britische Tageszeitung «Daily Telegraph» scheidet
Springer
2004 aus. Das Haus ist nicht bereit, bei den Preisforderungen mitzuhalten
und zieht sich zurück. Doch unter Döpfners Führung behauptet
sich Springer in schwierigen Zeiten im deutschsprachigen Kerngeschäft
mit «Bild» und «Hörzu». Döpfner beschleunigt
die Digitalisierung der Printmedien und die Internationalisierung des
Verlags. Auch baut die Verlagsspitze Arbeitsplätze ab, verkauft
oder stellt mehr als 40 Aktivitäten ein und kommt damit 2002 wieder
in die Gewinnzone.
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01.02. Reaktionen auf den Kauf-Verzicht Springers
(dpa) - Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV)
hat das Scheitern der geplanten Übernahme des Fernsehsenders
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag positiv bewertet. «Das
ist eine gute Entscheidung für den Fortbestand der Medienvielfalt
in Deutschland», erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael
Konken.
Offensichtlich habe sich in der Vorstandsetage von Springer die medienpolitische
Vernunft durchgesetzt.
Baden-Württembergs Ministerpräsident
Günther
Oettinger (CDU) hat das Scheitern der Übernahme des TV-Konzerns
ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG bedauert. Dies schwäche
den Medienstandort Deutschland, sagte Oettinger am Mittwoch in Stuttgart
der dpa. Er fügte hinzu: «Ich kann das medienpolitisch akzeptieren.» Allerdings
wies der CDU-Politiker darauf hin, dass führende Köpfe der
ARD sowie ZDF-Intendant Markus Schächter dem Verkauf von
ProSiebenSat.1 an Springer zugestimmt hätten.
Das Scheitern der Übernahme des TV-Konzerns
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag ist in Bayern auf ein geteiltes
Echo gestoßen. Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister
Erwin Huber (beide CSU) bedauerten, dass die Medienfusion wegen der
Kartellbedenken abgesagt wurde. Ähnlich äußerte sich
die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM).
Oppositionsparteien zeigten sich dagegen erleichtert.
Stoiber kritisierte, die bürokratischen Hürden für
eine nationale Lösung seien zu hoch gewesen. «Das zeigt,
dass der Wirtschaftsstandort Deutschland noch nicht in allen Bereichen
für den internationalen Wettbewerb gerüstet ist.» Ziel
der Medienpolitik in Deutschland müsse sein, dass sich deutsche
Unternehmen für den internationalen Wettbewerb aufstellen können.»
Die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser- Schnarrenberger sprach
dagegen von einem «guten Tag für den Fortbestand
der Medienvielfalt in Deutschland». Es sei gut, dass Stoiber
nicht Bundeswirtschaftsminister geworden sei. «Als Wirtschaftsminister
hätte Edmund Stoiber wohl auf Biegen und Brechen die Ministererlaubnis
für eine Fusion von ProSiebenSat.1 und Axel Springer durchgepaukt.» Die ÖDP warf
der CSU vor, sie habe sich von den Grundsätzen Ludwig Erhards
abgewendet, der den Kampf gegen Monopole und Kartelle als eine
Grundlage der sozialen Marktwirtschaft bezeichnet habe.
Mit Enttäuschung hat die nordrhein-
westfälische Medienaufsicht für den Privatfunk auf die Aufgabe
der Fernsehpläne des Springer-Konzerns reagiert. «Wir hätten
gerne versucht, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden und die
publizistischen Probleme mit den wirtschaftlichen Vorteilen in Einklang
zu bringen», sagte der Direktor der Landesmedienanstalt NRW,
Professor Norbert Schneider, am Mittwoch in Düsseldorf.
«Der Vorgang zeigt, dass das deutsche Medienrecht auf solche
Vorgänge nicht genug vorbereitet ist», sagte Schneider.
Die Gesetze sollten angesichts der Globalisierung «auf den Stand
der Realität gebracht werden». Da ein nationaler Käufer
nicht in Sicht sei, drohe die Sendergruppe ProSiebenSat.1 nun von einem
internationalen Interessenten aufgekauft zu werden.
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31.01. Medienwächter setzen Arbeitsgruppe
zu ProSiebenSat.1 ein
Berlin/Erfurt (dpa/bb) - Für eine medienrechtliche Genehmigung
der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer
AG haben die zuständigen Medienwächter am Dienstag mehrere
Vorschläge erörtert. Bei ihrer Tagung in Erfurt diskutierte
die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten unter anderem über
die Möglichkeit, dass «über die Mindestanforderungen
des Rundfunkstaatsvertrages hinaus» Sendezeiten an unabhängige
Dritte vergeben werden und «unabhängige Fensterveranstalter» die
regionale Berichterstattung gewährleisten könnten. Dies seien «erste
Diskussionsansätze für eine Entscheidungsfindung»,
erklärte der Vorsitzende der Konferenz, Reinhold Albert.
Die Medienanstalten können die Ablehnung der geplanten Fusion
durch die Medienkontrollkommission KEK mit einer Dreiviertel-Mehrheit überstimmen.
In diese Richtung zielen Beschlüsse der Medienanstalten von Bayern
und Rheinland-Pfalz. Das Bundeskartellamt hatte den Zusammenschluss
wegen marktbeherrschender Stellungen auf mehreren Teilmärkten
untersagt. Gegen diese Entscheidung ist eine Sondergenehmigung des
Bundeswirtschaftsministers möglich.
In Erfurt wurde sondiert, «welche Maßnahmen zur Sicherung
der Vielfalt und zur Begrenzung cross-medialer Einflussmöglichkeiten
ergriffen werden könnten», wie anschließend mitgeteilt
wurde. Zur Vorbereitung der Entscheidung wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt;
die nächste Sitzung ist am 21. Februar in Hannover.
Nach Worten Alberts sollen unter anderem für das gesamte Unternehmen
Vorgaben entwickelt werden, die eine cross-mediale Zusammenarbeit unterbinden. «Die
Einhaltung dieser Auflagen müsste durch ein unabhängiges
Gremium mit wirksamen Sanktionsmöglichkeiten im Falle der
Nichtbeachtung sichergestellt werden.» Daneben sehe der
Rundfunkstaatsvertrag auch die Trennung von Beteiligungen vor. In diesem
Zusammenhang sollen auch die Vorschläge von Bundeskartellamt und
KEK in die weitere Prüfung einbezogen werden.
Einen Tag vor dem Treffen der Medienwächter hatte der KEK- Vorsitzende
Dieter Dörr noch einmal vor einer Sondergenehmigung gewarnt. «Es
bestehen erhebliche Gefahren für die Meinungsvielfalt»,
hatte Dörr am Montag in Mainz gesagt. Die Öffentlichkeit
müsse sich «große Sorgen» machen, ob die Meinungsvielfalt
im bundesdeutschen Fernsehen den «gebotenen Schutz» erfahre.
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28.01. Übernahme von ProSiebenSat.1
- Gegner und Befürworter rüsten sich
Hamburg/Köln (dpa/lnw) - Gegner und Befürworter einer Übernahme
des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch den Axel-Springer-Verlag bringen
sich in Position. Die Landesmedienanstalten mehrerer Bundesländer
wollen versuchen, das Veto der Medienkontrollkommission KEK gegen die
Fusion zu kippen und so doch noch die medienrechtliche Voraussetzung
für das Geschäft schaffen. Die Zeitungsverlage M. DuMont
Schauberg und Holtzbrinck bereiten nach Presseberichten rechtliche
Schritte gegen eine mögliche Ministererlaubnis für die Übernahme
vor. Mit dieser Sondererlaubnis, die Springer bei Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) beantragen kann, wäre das negative Votum des
Bundeskartellamtes aufgehoben.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD),
Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, geht davon aus,
dass die Axel Springer AG sich vorbehält, «im Februar und
März wieder Vorschläge zu machen, wenn man eine Ministererlaubnis
beantragt». Der «Süddeutschen Zeitung» (SZ/Freitag)
sagte Beck, es müsse abgewartet werden, welche Zugeständnisse
Springer anbiete. Denkbar seien sowohl der Verkauf des Senders ProSieben
als auch die Einrichtung eines Beirats mit «klarem Einfluss aufs
Programm» und Redakteursstatute.
Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten will sich am kommenden
Dienstag (31. Januar) bei ihrer Tagung in Erfurt mit dem ablehnenden
Votum der KEK beschäftigen. Für eine Aufhebung des KEK- Vetos
ist eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich. Sollte die Konferenz die
KEK-Entscheidung aber nicht abändern, bliebe sie wirksam. «Dann
gibt es keine medienrechtlich zulässige Übernahme»,
sagte der Präsident der bayerischen Medienanstalt, Wolf-Dieter
Ring.
Daran könnte auch eine eventuelle Ministererlaubnis nichts ändern.
Springer bliebe dann nur noch der Rechtsweg, der aber äußerst
langwierig sei.
Nach Berichten der «SZ» und der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» wollen der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg
und der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag gegen eine mögliche Ministererlaubnis
klagen. Beide Verlage wollten sich am Freitag auf Anfrage nicht zu
diesen Meldungen äußern.
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28.01. «SZ»: Saban sucht bereits nach neuen Käufern
für ProSiebenSat.1
München (dpa) - Der ProSiebenSat.1-Eigner Haim Saban sucht wegen
des möglichen Scheiterns des Senderverkaufs an den Axel Springer
Verlag nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (SZ)
nach anderen potenziellen Käufern. Wie die Zeitung am Freitag
ohne Nennung von Quellen schreibt, laufen erste Sondierungsgespräche
mit Finanzfirmen und der General Electric-Tochter NBC Universal. «Sie
dürften sogar schon die Bücher («Due Dilligence»)
prüfen», hieß es in der Zeitung.
Springer habe keinen Exklusivvertrag mehr. Finde sich ein neuer Abnehmer,
würde Springer seinen Anteil von knapp zwölf Prozent an der
TV-Gruppe wohl gleich mitverkaufen.
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27.01. FAZ: DuMont will Ministererlaubnis für Springer blockieren
Frankfurt/Berlin (dpa/bb) - Der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont
Schauberg («Express») will eine mögliche Ministererlaubnis
für den Axel Springer Verlag zur Übernahme der Fernsehgruppe
ProSiebenSat.1 nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» mit einer Gerichtsklage blockieren. «Wir würden
dagegen mit aller Konsequenz und auch gerichtlich vorgehen»,
erfuhr die FAZ (Freitagausgabe) aus Unternehmenskreisen. Springer prüft,
nachdem das Bundeskartellamt dem Zeitungshaus die Übernahme der
Fernsehgruppe verboten hat, bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos
(CSU) eine solche Sondergenehmigung einzuholen.
Doch gebe es bei Springer - so schreibt die «Frankfurter Allgemeine
Zeitung» - wegen möglicher Klagen von Wettbewerbern wie
DuMont oder Holtzbrinck erhebliche Bedenken gegen diese Option. Die
Konkurrenten könnten gegen eine Ministererlaubnis beim Oberlandesgericht
Düsseldorf Beschwerde einlegen. Es sei dann damit zu rechnen,
dass die Richter den Vollzug der Übernahme von
ProSiebenSat.1 durch Springer bis zum Urteil untersagten, hieß es.
Damit würde das Milliardengeschäft für mindestens ein
Jahr blockiert.
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26.01. Medienanstalten wollen KEK-Votum zu ProSiebenSat.1- Übernahme
kippen
Ludwigshafen/München (dpa) - Die Medienwächter in Rheinland-Pfalz
und Bayern wollen das Votum der Medienkontrollkommission KEK gegen
die Übernahmepläne Springers für ProSiebenSat.1 kippen.
Am Donnerstag beauftragte der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale
für neue Medien (BLM) den Präsidenten mit großer Mehrheit,
die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten anzurufen. Sie
soll nach dem Willen der BLM die KEK-Entscheidung überprüfen
und gegebenenfalls «durch einen eigenen Beschluss ersetzen».
Der Hauptausschuss der Landeszentrale für Medien und Kommunikation
Rheinland-Pfalz (LMK) beschloss dies ebenfalls. Dafür wäre
mindestens eine Dreiviertel-Mehrheit der Direktorenkonferenz erforderlich,
die am kommenden Dienstag (31. Januar) in Erfurt zusammenkommt.
Die KEK hatte im Falle einer Übernahme von Deutschlands größtem
TV-Konzern durch die Axel Springer AG das Entstehen einer vorherrschenden
Meinungsmacht angenommen und daher ihr Veto gegen das Geschäft
eingelegt. Nach Einschätzung des BLM-Medienrates ist diese Entscheidung
rechtswidrig: Die KEK sei nicht befugt, eine Gesamtwürdigung des
Vorhabens vorzunehmen, wenn die Schwelle von 25 Prozent Zuschaueranteil
nicht erreicht sei, hieß es. «Dies ist nicht der Fall,
da der auch von der KEK zu Grunde gelegte Marktanteil der
ProSiebenSat.1 Media AG lediglich bei 22,06 Prozent liegt», hieß es.
Auch der LMK-Hauptausschuss kam angesichts dieses Wertes zu dem Schluss,
dass kein Tatbestand «für eine vorherrschende Meinungsmacht» gegeben
sei. Er bezeichnete die Bewertung der KEK als «unzutreffend».
In der Diskussion erneuerte BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring seine
Kritik an den Berechnungsmethoden der KEK, die nach einer Übernahme
von ProSiebenSat.1 einen Meinungseinfluss von 42 Prozent für Springer
sehe. Für einzelne Mediengattungen wie Fernsehen, Tageszeitungen,
Publikumszeitschriften oder Online-Angebote operiere die Kommission
dabei mit unterschiedlichen Bezugsgrößen. «Wir können
uns nicht versagen, hier die Feststellung zu treffen, dass da Apfel
mit Birnen verglichen werden», sagte Ring. Auch LMK-Direktor
Manfred Helmes kritisierte die Berechnungsmethoden: «Insbesondere
ist die Festsetzung der jeweiligen Umrechnungsfaktoren nicht hinreichend
abgesichert und erscheinen in ihrem Ergebnis nicht nachvollziehbar»,
sagte er. Eine völlig andere Gewichtung sei ebenso denkbar.
Springer habe weitgehende Angebote zur Eindämmung der Meinungsmacht
gemacht wie die Zusicherung, kein «Bild-TV» zu bringen,
sagte Ring. Andere Mitglieder des BLM-Medienrates sehen bei einer ProSiebenSat.1-Übernahme
durch ein inländisches Unternehmen den Medienstandort Deutschland
gestärkt und warnten vor Auswirkungen auf die Arbeitsplätze,
wenn stattdessen Investoren aus dem Ausland zum Zuge kämen.
Der Beschlussvorlage schlossen sich 28 Mitglieder des Medienrates
an, fünf stimmten dagegen. «Ich bin froh darüber, dass
hier so eine klare Position formuliert worden ist», sagte Ring.
Prognosen zur Entscheidung der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten
wollte er aber nicht abgeben, die Direktoren seien in ihrer Entscheidung
unabhängig. Sollte die Konferenz die KEK-Entscheidung aber nicht
abändern wollen, hätte deren Votum Gültigkeit. «Dann
gibt es keine medienrechtlich zulässige Übernahme»,
sagte Ring; daran könnte auch eine eventuelle Ministererlaubnis
nichts ändern. Springer bliebe dann nur noch der Rechtsweg, der
aber äußerst langwierig sei.
Erst vor wenigen Tagen hatte auch das Kartellamt die Übernahmepläne
gestoppt. Aus Sicht der Wettbewerbshüter würde durch das
Geschäft eine zu große Medien- und Werbemacht Springers
entstehen. Die Entscheidung des Kartellamts könnte durch eine
Sondererlaubnis von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) aufgehoben
werden, die jedoch in der großen Regierungskoalition aus CDU/CSU
und SPD umstritten ist.
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24.01. Springers letzte Chance: Ministererlaubnis für das TV-Geschäft?
Berlin (dpa) - Nun hat es die Axel Springer AG schwarz auf weiß:
Europas größtes Zeitungshaus («Bild», «Die
Welt») darf Deutschlands größten Fernsehkonzern ProSiebenSat.1
nicht übernehmen. Das Kartellamt sieht die Gefahr, dass mit dem
Kauf ein Imperium entsteht, dass den Markt für Boulevardzeitungen
beherrscht und zusammen mit dem Medienkonzern Bertelsmann und seiner
RTL-Gruppe den TV-Werbemarkt dominiert. Nun könnte die Stunde
der Gerichte schlagen - oder auch die von Bundeswirtschafsminister
Michael Glos (CSU). Springer werde alle Rechtsmittel und Optionen prüfen,
hieß es dazu am Montag lapidar aus dem Medienhaus.
Immer lauter werden die Stimmen aus der Union und der Medienwirtschaft,
die eine Ausnahmegenehmigung für die Fusion fordern. Auch SPD-Politiker
stehen einer «Ministererlaubnis» positiv gegenüber,
fordern allerdings gewichtige Zugeständnisse. Dazu gehört
der Verzicht auf den Sender ProSieben. Ein solches Angebot hatte Springer
dem Kartellamt bereits unterbreitet. Doch die Behörde forderte,
der Sender müsse bereits vor einer Übernahme der gesamten
TV-Gruppe abgestoßen werden. Springer lehnte unter Hinweis auf
das Aktienrecht ab - die Untersagung der Bonner Behörde ließ nur
wenige Tage auf sich warten.
Müsste Glos über die Fusion befinden, wäre dies wohl
eine sehr schwierige Entscheidung für den CSU-Minister. «Bild« beherrscht
den dem Boulevardmarkt, ProSiebenSat.1, zu der auch 9Live, Kalen eins
und
N24 gehören, ist zusammen mit der RTL-Gruppe auf dem privaten
TV- Markt führend. Eine Ausnahmegenehmigung, wie sie zuletzt im
Fall von EON/Ruhrgas erteilt wurde, dürfte heftige Spannungen
in der großen Koalition auslösen.
Vor allem industriepolitische Gründe werden für die Fusion
ins Feld geführt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
sprach sich für eine Zusammengehen aus, weil ProSiebenSat.1 nicht
in ausländische Hände fallen dürfe. Auch Länderchefs
wie Kurt Beck (SPD) aus Rheinland-Pflaz, der Bayer Edmund Stoiber (CSU)
sowie die Intendanten Fritz Pleitgen (WDR) und Markus Schächter
(ZDF) plädieren für eine Erlaubnis. In der Medienwelt werden
Stimmen für eine «nationale Lösung» laut. Die
Gruppe gehört derzeit Ausländern - nämlich den Investoren
um den amerikanischen Milliardär Haim Saban.
«Siege, wenn Du kannst, verliere, wenn Du musst, kapituliere
nie» hatte Springer Vorstandschef Mathias Döpfner die Marschroute
im TV- Projekt ausgeben. Ob die Kartellamts-Entscheidung ein Zwischenspiel
ist, bleibt abzuwarten. Allerdings gibt es da noch das Veto der Medienfusionskontrolle
KEK, die bereits eine Übernahme aus Furcht vor einer vorherrschenden
Meinungsmacht verboten hatte. Doch auch hier haben die Landesmedienastalten
signalisiert, dass sie die Kommissions-Entscheidung kippen könnten.
Wenn Springer der zukunftsweisende Weg versperrt wird, Druckerzeugnisse
und Fernsehen unter einem Dach zu vereinen, wolle er das Glück
woanders suchen - «in digitalen Märkten und im Ausland»,
hatte Döpfner erklärt. Auf beiden Gebieten ist Springer bereits
erfolgreich. In Polen besitzt Springer mit «Fakt» das auflagenstärkste
Boulevardblatt. Auch in anderen osteuropäischen Staaten, in Spanien
und Frankreich ist der Verlag mit eigenen Produkten und Lizenzausgaben
präsent. Im Internet sieht sich Springer gut aufgestellt. Mit «Bild.T.Online» verfügt
das Medienhaus über eine starke Marke.
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21.01. Erwin Huber fordert im Tauziehen
um ProSiebenSat.1 Ministererlaubnis
München/Berlin (dpa) - Im Tauziehen um die Übernahme der
Sendergruppe ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG hat Bayerns
Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) von seinem Parteifreund und Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos eine Sondererlaubnis gefordert. «Die Übernahme
durch Springer ist das beste für die Zukunft», sagte Huber
dem Magazin «Focus». Glos müsse «abwegige Konstellationen» von
Kommissionen und Kartellamt in diesem Sinne korrigieren. «Die
SPD kann angesichts der Heuschrecken-Kampagne nichts dagegen haben»,
so der CSU-Politiker in dem Magazin.
Laut «Focus» will auch die Bayerische Landeszentrale
für Neue Medien Springer doch noch zu der umstrittenen Übernahme
verhelfen.
Für diesen Donnerstag (26. Januar) sei kurzfristig eine Sitzung
des Kontrollgremiums einberufen worden. Dabei solle über die Möglichkeit
gesprochen werden, die Ablehnung der Medienkontrollbehörde KEK
zu kippen.
Angesichts eines möglichen Einstiegs anderer ausländischer
Medien- Investoren sieht der Chef der nordrhein-westfälischen
Landesmedienanstalt, Norbert Schneider, den Gesetzgeber in der Pflicht.
Bei der anstehenden Neufassung des Rundfunkstaatsvertrags werde man «über
die Regulierung der Medienkonzentration dringend neu nachdenken müssen»,
sagte Schneider dem «Spiegel».
«Wir befinden uns aktuell doch in der Falle, dass wir eine
kleine Kröte schlucken sollen, um eine größere zu verhindern»,
sagte Schneider. Die naheliegendste Möglichkeit sei eine gesetzliche
Beschränkung des Medienbesitzes für ausländische Investoren
wie etwa in den USA oder Frankreich: Dort dürfen Ausländer
jeweils maximal 49 Prozent der Anteile an TV-Konzernen halten.
Es wird erwartet, dass kommende Woche allerdings auch das Bundeskartellamt
die Übernahme des größten deutschen TV-Konzerns durch
Europas führendes Zeitungshaus ablehnt. Glos kann mit der so genannten «Ministererlaubnis» diese
Ablehnung freilich widerrufen.
Springer hatte im August 2005 die milliardenschwere Übernahme
von
ProSiebenSat.1 angekündigt.
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19.01. Tauziehen um ProSiebenSat.1 - «Konstruktive Gespräche» mit
Saban
Berlin (dpa) - Das Tauziehen um ProSiebenSat.1 geht auch nach den
ersten Gesprächen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner
und dem US- Investor Haim Saban weiter. Die am Dienstag begonnenen
Gespräche verliefen «konstruktiv», sagte Konzernsprecherin
Edda Fels am Mittwoch. «Derzeit gibt es keinerlei Anlass, davon
auszugehen, dass man sich nicht über das weitere Vorgehen wird
verständigen können», sagte Fels ohne weitere Einzelheiten
zu nennen. Laut Branchenkreisen ging es auch um Zinszahlungen von bis
zu 50 Millionen Euro, die Springer an Saban im Verzugsfall leisten
müsste.
Zuvor hatte es aus dem Medienhaus («Bild», «Die
Welt») geheißen, Springer prüfe angesichts der als
sicher geltenden Ablehnung der Übernahme durch das Bundeskartellamt
sowohl eine so genannte Ministererlaubnis als auch den Rechtsweg, um
die Sendergruppe trotzdem übernehmen zu können. Das Bundeskartellamt
befürchtet bei einer Übernahme des größten deutschen
TV-Senders durch Europas führendes Zeitungshaus eine marktbeherrschende
Stellung des Unternehmens im Lesermarkt für Boulevardzeitungen
und dem TV- Werbemarkt. Die Behörde will bis zum 27. Januar über
den Fall entscheiden.
Springer hatte in der vergangenen Woche als Zugeständnis an
das Kartellamt eine Herauslösung des Senders ProSieben aus dem
Verkaufspaket der Investoren um Saban angekündigt, das Angebot
am Montag jedoch wieder zurückgezogen. Begründet wurde dies
mit rechtlichen Gründen, die einen Verkauf des Senders vor einer Übernahme
der gesamten ProSiebenSat.1 Media AG ausschlössen. In Branchenkreisen
gilt weiterhin ein Scheitern des Milliarden-Geschäfts als wahrscheinlich.
Koalitionspolitiker schließen eine Ausnahmegenehmigung des
Bundeswirtschaftsministeriums zu der Übernahme nicht aus. Die
medienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Monika Griefahn,
sagte, für den Fall einer Ministererlaubnis müsse Springer
damit rechnen, dass die Übernahme von ProSiebenSat.1 nur unter
Auflagen genehmigt werde. Die SPD stehe einer Sondererlaubnis nicht
grundsätzlich ablehnend gegenüber, sagte sie der «Financial
Times Deutschland». Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion,
Rainer Wend, sagte, der Konzern müsse im Falle eines Antrags auf
Ministererlaubnis «Vorschläge präsentieren, um das
Ganze zustimmungsfähig zu machen.»
Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Eberhard Sinner, räumte
Springer gute Chancen auf eine Ministererlaubnis ein. «Ich bin
zuversichtlich, dass wir diese Position auch in der Koalition mit der
SPD mehrheitsfähig machen können», sagte Sinner der «Frankfurter
Allgemeinen Zeitung». Bündnis 90/Die Grünen und die
Linkspartei haben sich grundsätzlich für die Abschaffung
der Ministererlaubnis ausgesprochen. Der Deutsche Journalisten-Verband
warnte vor einer Ausnahme. Es würde dadurch «ein Medienriese
entstehen, dessen Einfluss auf die Meinungsbildung bedrohlich wäre».
Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, ein möglicher
Antrag auf eine Ministererlaubnis könne erst nach einer Entscheidung
des Kartellamtes gestellt werden. Das Ministerium wolle sich mit der
Frage erst befassen, wenn ein Antrag vorliege. Mit der Sondergenehmigung
kann eine Unternehmensübernahme trotz Ablehnung der Kartellbehörden
ermöglicht werden.
Der Tübinger Kartellrechtler Wernhard Möschel kritisierte
das Bundeskartellamt. «Wenn man Marktanteilsziffern ohne Sinn
und Verstand addiert, lässt sich leicht eine marktbeherrschende
Stellung konstruieren», sagte Möschel dem «Handelsblatt» (Donnerstag).
Er halte es wegen der langen Verfahrensdauer für unwahrscheinlich,
dass Springer und Saban gegen eine Untersagung vor Gericht zögen.
Springer hatte im August 2005 die milliardenschwere Übernahme
von Deutschlands größtem TV-Konzern angekündigt. Im
Kaufvertrag hatte sich Springer verpflichtet, alles zu unternehmen,
um eine Zustimmung der Behörden zu bekommen. Das Angebot des Verlags,
alle Programm- und Familienzeitschriften zu verkaufen, hatte das Kartellamt
als unzureichend abgelehnt. Auch die Medienkontrollbehörde KEK
hatte gegen die Fusion ein Veto eingelegt.
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18.01. Chancen auf Ministererlaubnis für die Übernahme
Die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch) berichtete,
Springer könne auf die Unterstützung der Politik hoffen.
Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Eberhard Sinner, räume
dem Verlagshaus gute Chancen auf eine Sondergenehmigung (Ministererlaubnis)
durch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (beide CSU) ein. «Ich
bin zuversichtlich, dass wir diese Position auch in der Koalition mit
der SPD mehrheitsfähig machen können», zitiert die
Zeitung den Unionspolitiker.
Sinner warf dem Bundeskartellamt, das die Fernsehpläne von Springer
voraussichtlich verbieten wird, demnach eine zu enge Betrachtung vor
und forderte eine Liberalisierung des deutschen Kartellrechts. Die
Axel Springer AG selbst hat sich bislang nicht festgelegt, ob sie nach
dem erwarteten Veto des Kartellamts eine Sondergenehmigung bei Glos
beantragen wird.
Bündnis 90/Die Grünen und die Linkspartei haben sich unterdessen
für die Abschaffung der so genannten Ministererlaubnis ausgesprochen.
Die Sondergenehmigung müsse gestrichen und durch einen Paragrafen
ersetzt werden, der dem Bundeswirtschaftsminister ermögliche,
vom Kartellamt genehmigte Zusammenschlüsse zu untersagen, sagte
Oskar Lafontaine, einer der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Die
Linke, am Dienstag in Berlin.
Die Grünen argumentierten, der Bundeswirtschaftsminister könne
derzeit zu Gunsten bestimmter Unternehmen und zu Lasten vieler Wettbewerber
entscheiden. Die Unabhängigkeit des Bundeskartellamtes werde durch
die Ministererlaubnis beschränkt. Den von den Entscheidungen des
Kartellamtes betroffenen Unternehmen hätten die Möglichkeit,
dagegen den Rechtsweg zu beschreiten.
Dass sich der Übernahmestreit in Richtung einer Sondergenehmigung
durch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) entwickeln würde,
sei vorhersehbar gewesen, sagte Lafontaine. Es sei daher «folgerichtig
und vorausschauend», dass die Fraktion Die Linke vor Weihnachten
den entsprechenden Gesetzentwurf eingereicht habe. Dieser werde am
kommenden Donnerstag im Bundestag debattiert.
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17.01. ZDF-Intendant Schächter für deutsche Lösung bei
ProSiebenSat.1
Hamburg/Köln (dpa) - Bei dem angestrebten ProSiebenSat.1-Verkauf
sehen die Intendanten von WDR und ZDF, Fritz Pleitgen und Markus Schächter,
einem Engagement ausländischer Investoren skeptisch entgegen.
Schächter sagte am Dienstag in Hamburg: «Die TV- Veranstalter
aus dem eigenen Land sind mir lieber als die ausländischen Investoren,
die ein globales Match spielen.» Er bevorzuge eine nationale
Lösung, auch um Nachteile für den Standort Deutschland abzuwenden.
Nach Ansicht Pleitgens sollte die Axel Springer AG für die Übernahme
von ProSiebenSat.1 eine «faire Chance» bekommen. Zwar könne
Medienkonzentration ein Problem für die Entwicklung einer demokratischen
Gesellschaft werden, sagte Pleitgen am Dienstag in Köln. «Aber
ich sehe nicht das Abendland durch den Springer- Vorstandsvorsitzenden
Mathias Döpfner bedroht.» Die Alternativen zu einer Übernahme
der Sendergruppe durch Springer seien nicht alle wünschenswert
für den deutschen Markt.
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16.01. Im Kampf um ProSieben prüft
Springer nun alle Wege
Berlin (dpa) - Der Einstieg von Springer ins Fernsehgeschäft
ist fraglicher denn je: Mit der Ankündigung, nun doch nicht den
Sender ProSieben verkaufen zu wollen, vollzieht das Medienhaus («Bild», «Die
Welt») eine Rolle rückwärts. Erst vier Tage nachdem
Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner dem Bundeskartellamt den
Verzicht auf ProSieben angeboten hatte, zog die Axel Springer AG am
Montag die Offerte zurück. Ein Verkauf von ProSieben vor Übernahme
der gesamten Gruppe komme nicht in Frage. Springer geht nun von einem
Nein der Wettbewerbsbehörde aus. Danach will Europas größtes
Zeitungshaus alle Rechtsmittel und Optionen prüfen.
Warum Döpfner innerhalb so kurzer Zeit einen Rückzieher
macht, bleibt zunächst offen. Nicht auszuschließen ist,
dass sich Springer nun Rückenwind von den Landesmedienanstalten
erhofft, die das Veto der Medienfusionskontrolle kritisiert haben.
Oder dass die ProSiebenSat.1.-Besitzer um den US-Geschäftsmann
Haim Saban, der nach Medienberichten am Montag in Berlin erwartet wurde,
der Abtrennung eines Senders nicht zugestimmt haben.
Die Zeichen für eine schnelle Lösung stehen so oder so
schlecht.
Noch am Freitag hatte Kartellamtschef Ulf Böge bekräftigt,
eine Zustimmung zum «Mediengeschäft des Jahrhunderts» sei
nur möglich, wenn Springer vor Vollzug der Senderübernahme
ProSieben verkaufe.
Eine andere Möglichkeit komme nicht in Frage - nicht einmal «für
eine juristische Sekunde».
Ein Hoffnungsschimmer dürften für Springer die Äußerungen
aus den Landesmedienanstalten sein. Die Anstaltsdirektoren erklärten
am Freitag, das Veto der Kommission zur Ermittlung der Konzentration
im Medienbereich (KEK) würde bei einer neuen Prüfung keinen
Bestand haben. Es gebe vor allem Zweifel an der von der KEK benutzen
Methode zur Berechnung einer vorherrschenden Meinungsmacht.
Schon bei der Verzichtserklärung auf ProSieben hatte Springer
gewarnt, es seien noch schwere Hürden zu nehmen, ein Erfolg sei
keineswegs sicher. Eine Abtrennung von ProSieben aus Deutschlands größtem
TV-Konzern sei mit erheblichen Problemen verbunden. Jetzt zog Springer
die Bremse. Nun werden sich möglicherweise die Richter mit dem
Geschäft befassen. Denkbar ist aber auch, dass Springer eine Ausnahmegenehmigung
bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) beantragt - die so
genannte Ministererlaubnis.
Zwar hatten bereits mehrere ausländische Investoren Interesse
an ProSieben angemeldet. Und auch der Bezahlsender Premiere spielte
mit dem Gedanken einer Übernahme. Nicht auszuschließen ist,
dass Saban nun seinen Konzern lieber zu einem späteren Zeitpunkt
als Ganzes verkauft, als ihn jetzt auseinander zu reißen.
Dann käme ein ausländischer Investor für den Gesamtkonzern
ProSiebenSat.1 in Frage. An ProSieben allein haben nach dem bisherigen
Stand der französische Konzern TF1 und die türkische Mediengruppe
Dogan Media Group («Hürriyet») Interesse gezeigt.
Daneben hatte es auch mit der Beteiligungsgesellschaft Permira Gespräche
gegeben, die Miteignerin des europäischen Medienkonzerns SBS ist.
Springer hat immer wieder betont, wenn das Fernsehgeschäft doch
nicht gelingen sollte, entstehe für das Unternehmen kein finanzieller
Schaden. Das Kartellrisiko soll bei Saban liegen. Nur wenn sich ein
Abschluss länger hinziehen sollte, müsste Springer Verzugszinsen
in Millionenhöhe zahlen.
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15.01. Beliebter ProSiebenSat.1-Chef de
Posch zwischen den Fronten
München (dpa) - Im Poker um Deutschlands größten TV-Konzern
ProSiebenSat.1 ist Vorstandschef Guillaume de Posch zwischen die Fronten
geraten. Der angesehene Fernsehmanager soll auch nach der Übernahme
der Sendergruppe durch den Springer-Verlag eine führende Rolle
spielen. Nun allerdings soll ProSiebenSat.1 bereits vor der Übernahme
durch Springer den Stammsender ProSieben verkaufen, damit das Kartellamt
der Übernahme zustimmt. Das allerdings kann de Posch guten Gewissens
kaum beschließen - schließlich ist er ja dem Interesse
von ProSiebenSat.1 und seinen übrigen Aktionären verpflichtet. «Auch
Springer ist sich bewusst, dass de Posch in einer sehr schwierigen
Situation ist», heißt es in Branchenkreisen. Dieser sorge
aber immerhin für Ruhe im Unternehmen. Springer sei in jedem
Fall weiterhin von seinen Führungsqualitäten überzeugt.
Im Unternehmen ist de Posch beliebt. Der 47-Jährige ist stark
präsent im Unternehmen und oft bis tief in die Nacht in seinem
Büro.
«Er ist sehr fleißig», heißt es im Umfeld.
Unter de Posch habe
ProSiebenSat.1 - begünstigt vom Ende der Branchenflaute - die
Trendwende geschafft. Unter der Führung des Belgiers sei ein harter
Sparkurs gefahren worden, die Einschaltquoten seien aber dennoch gestiegen,
lobt auch Medienexperte Stefan Weiss von der WestLB.
Trotz des Sparkurses loben auch Arbeitnehmervertreter den Vorstandsvorsitzenden.
Dieser sei ein verlässlicher Verhandlungspartner und habe eine
umgängliche Art. «Manchmal hat er fast etwas Studentisches
an sich», sagt einer. Die ganz eigene Art des Belgiers war denn
auch bei der offiziellen Pressekonferenz zur Übernahme von ProSiebenSat.1
durch Springer zu spüren. Man passe gut zusammen, witzelte der
Belgier: Die Frauen bei ProSieben und
Sat.1 sähen mindestens genauso gut aus wie die in der «Bild»-
Zeitung.
Als de Posch vor knapp zwei Jahren die Nachfolge von Urs Rohner antrat,
hätten ihn viele im Unternehmen unterschätzt, sagt ein Branchenexperte.
Der Manager hatte allerdings schon viel Erfahrung in der Medienbranche
vorzuweisen. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium und Tätigkeiten
beim Energiekonzern Tractebel und McKinsey war de Posch 1993 zur Compagnie
Luxembourgeoise Telediffusion (heute: RTL
Group) nach Luxemburg gewechselt. Er arbeitete zunächst als Assistent
der Geschäftsführung und übernahm dann die Verantwortung
für die TV- Aktivitäten der CTL in den französischsprachigen
Ländern. Seit 1997 war er stellvertretender Geschäftsführer
und Programmverantwortlicher des Pay-TV-Unternehmens TPS in Frankreich.
Nach der Übernahme von ProSiebenSat.1 holte der US-Milliardär
Haim Saban den Belgier ins Unternehmen. Beide kannten sich von TPS.
Daher galt de Posch - der zunächst für das operative Geschäft
bei
ProSiebenSat.1 verantwortlich war, ehe er offiziell Chef wurde - als
Statthalter Sabans und damit als Übergangskandidat. Da Springer
allerdings kaum über eigene TV-Expertise verfügt, soll er
nun auch in Zukunft eine bedeutende Rolle im fusionierten Konzern spielen. «Das
Management ist hervorragend, die Sendergruppe steht glänzend da»,
heißt es im Umfeld Springers. Nun muss de Posch allerdings all
seinen Charme und sein diplomatisches Geschick einsetzen, um aus der
Zwickmühle herauszukommen, in die er durch den geforderten Verkauf
von ProSieben geraten ist.
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14.01. Springers TV-Projekt weiter ungewiss - Kartellamt bleibt hart
Berlin/Bonn (dpa) - Der Einstieg der Axel Springer AG in das Fernsehgeschäft
bleibt auch nach dem Verzicht auf einen Teil der Senderkette ProSiebenSat.1
ungewiss. Das Bundeskartellamt bekräftigte am Freitag seine Forderung
nach Herauslösung von ProSieben aus dem Gesamtpaket vor Übernahme
der Senderkette. Bei den in den nächsten Tagen beginnenden Neuverhandlungen
zwischen Springer und der Investorengruppe um den Amerikaner Haim Saban
müssten noch schwierige rechtliche und finanzielle Fragen geklärt
werden, hieß es in Branchenkreisen.
Der Bezahlsender «Premiere» erklärte unterdessen
einen Einstieg bei ProSieben für «grundsätzlich interessant». «Premiere» gilt
auch als Wunschkandidat bei den Beschäftigten von ProSieben. Vorstandschef
Georg Kofler sagte: «Bei vernünftigen Konditionen könnte
ich mir das durchaus vorstellen». Ein «Premiere»-Sprecher
erklärte, ein solcher Schritt würde zu den bisherigen Aussagen
von Kofler passen, wonach eine Kombination von Free-TV und Pay-TV Sinn
macht.
Das Veto der Medienfusionskontrolle KEK gegen die Springer- Übernahme
wird nach Angaben der Medienanstalten keinen Bestand haben.
Es gebe Zweifel an der von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration
im Medienbereich (KEK) angewandten Methode zur Berechnung einer vorherrschenden
Meinungsmacht, erklärten die Direktoren in Berlin. Er erwarte
nicht, dass der KEK-Beschluss Bestand habe, sagte der Vorsitzende der
Direktorenkonferenz, Reinhold Albert. Angesichts des Springer-Verzichts
auf ProSieben würden die Medienanstalten (DLM) jedoch zunächst
nicht eingreifen.
Kartellamtspräsident Ulf Böge wies Einwände Springers
zurück, das Medienhaus («Bild», «Die Welt»)
habe vor einer Übernahme gar keine Möglichkeit, ProSieben
aus der Sendergruppe herauszutrennen. «Es gibt einen Verkäufer
und einen Käufer. Die wollen gemeinsam ein Geschäft machen.
Es ist also deren Sache, sich zu verständigen, wie sie das Geschäft
zu Stande bringen. Wir können nur darauf achten, was kartellrechtlich
geht und was nicht», sagte Böge der dpa.
Mehrere ausländische Unternehmen bekundeten Interesse für
einen Kauf von ProSieben. Es hätten sich bereits eine Reihe von
Interessenten bei den Banken gemeldet, erfuhr die dpa aus Branchenkreisen.
Es gebe auch bereits Sondierungsgespräche. Die Verhandlungen seien
aber noch in einer sehr frühen Phase.
Springer hatte am Mittwoch bei seinem Verzicht auf ProSieben erklärt,
das Medienhaus sei bereit, nur Sat.1, 9Live, Kabel eins und den Nachrichtenkanal
N24 zu übernehmen. Damit war Europas größtes Zeitungshaus
den Forderungen des Kartellamtes und der Medienfusionskontrolle entgegen
gekommen.
«Wir haben durch diesen Schritt zunächst einmal Zeit gewonnen»,
hieß es aus Verlagskreisen. Hätte der Verlag dem Bundeskartellamt
am Mittwoch keinen neuen Lösungsvorschlag gemacht, wäre die
Untersagung sicher gewesen. Nun gelte es, die rechtlichen und wirtschaftlichen
Probleme einer Herauslösung von ProSieben sorgfältig zu prüfen.
Erst dann falle eine Entscheidung. Das bedeute allerdings auch, dass
nach wie vor ein Scheitern der Übernahme möglich sei, sollte
sich keine vernünftige Lösung finden lassen.
Nach Branchenkreisen will Springer bei den Gesprächen mit Saban
hohe Zinszahlungen vom Tisch bekommen. Die wären fällig,
wenn das Geschäft nicht vor dem 23. Januar zu Stande kommt. Eine
Rolle dürften auch hohe Steuerzahlungen spielen, die bei einem
Verkauf von ProSieben vor dem Jahr 2007 fällig würden. Beide
Seiten hätten aber Zeit gewonnen, um die Herauslösung von
ProSieben aus dem Kaufpaket zu organisieren.
Analysten hatten den möglichen ProSieben-Verkaufserlös
in den vergangenen Tagen auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro
geschätzt. Dem Vernehmen nach gehen die Beteiligten aber von einem
deutlich höheren Preis aus. Nach gängigen Berechnungen komme
man wegen der Ertragsstärke von ProSieben auf eine Bewertung des
Senders von bis zu 2,4 Milliarden Euro. In jedem Fall würde sich
die finanzielle Belastung für Springer bei einer Aufspaltung von
ProSiebenSat.1 deutlich verringern. Da das Kartellamt aber darauf besteht,
dass ProSieben bereits vor einer Übernahme des Konzerns durch
Springer verkauft wird, ist noch unklar, wie die Aufspaltung realisiert
werden kann.
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14.01. KEK weist Kritik an Veto-Entscheidung zu Springers TV-Plänen
zurück
Berlin (dpa) - Mit Unverständnis hat der Chef der Medienaufsicht
KEK, Dieter Dörr, auf Aussagen der Landesmedienanstalten reagiert,
in der die Ergebnisse der medienrechtlichen Prüfung des Kaufs
von
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern in Zweifel gezogen wurden:
«Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, wie man einen Beschluss
bewerten kann, den man noch gar nicht in der Hand hat und der noch
gar nicht ausgefertigt ist», sagte der Vorsitzende der Kommission
zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) der Netzeitung
(Samstag).
Das Gremium, von den Landesmedienanstalten zur Sicherung der Meinungsvielfalt
berufen, hatte das Geschäft unter Führung des Mainzer Medienrechtlers
wegen der Gefahr einer «vorherrschenden Meinungsmacht» als «nicht
genehmigungsfähig eingestuft». Bislang liegt indes nur eine
längere Presseerklärung Dörrs vor. Die ausführliche
schriftliche Begründung steht noch aus. Dennoch hatte Reinhold
Albert, Chef der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, nach einem
Treffen mit seinen 14 Kollegen in Hannover gesagt, es bestünden «Zweifel
an der von der KEK zu Grunde gelegten Berechnungsmethode der Anteile
der anderen medienrelevanten Märkte».
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14.01. Kartellamt: Bedingung für ProSiebenSat.1-Übernahme nicht
weltfremd
Bonn (dpa) - Die Forderung nach einer Abtrennung von ProSieben vor
einer ProSiebenSat.1-Übernahme durch die Axel Springer AG ist
nach Ansicht von Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge nicht
weltfremd. «Es wird ja nichts anderes erreicht als der angebotene
Verzicht auf ProSieben, die Zeitachse bleibt dieselbe», sagte
Böge am Freitag in einem dpa-Gespräch in Bonn.
Den Einwand, Springer habe ja vor einer Übernahme gar keine
Möglichkeit, ProSieben aus der Sendergruppe herauszutrennen, wies
Böge zurück: «Es gibt einen Verkäufer und einen
Käufer. Die wollen gemeinsam ein Geschäft machen. Es ist
also deren Sache, sich zu verständigen, wie sie das Geschäft
zu Stande bringen. Wir können nur darauf achten, was kartellrechtlich
geht und was nicht.»
Wenn Springer die Genehmigung zur Übernahme unter der Bedingung
erteilt würde, ProSieben vorher herauszulösen, wäre
die Genehmigung nach Böges Aussage nicht befristet, und beide
Seiten könnten sich die nötige Zeit nehmen. Bei einer Übernahme
der gesamten Gruppe mit der Auflage, ProSieben erst danach zu verkaufen,
sähe das anders aus, sagte Böge: «Dann müsste
das Kartellamt in der Tat eine sehr enge zeitliche Befristung vorsehen.»
Ein weiteres Risiko aus Sicht der Wettbewerbshüter wäre,
dass der Vollzug einer kompletten Übernahme aus wirtschaftlichen
und steuerlichen Gründen ein Jahr oder länger dauern könnte. «Und
es kann natürlich keiner sagen, was nach einem Jahr ist. Das wäre
eine Entscheidung mit einem hohen Risiko.»
Beispielsweise sei es denkbar, dass die Aktionärsvertreter sich
im Nachhinein einem Verkauf von ProSieben widersetzen würden.
In diesem Sinn sei die vom Kartellamt erwogene Genehmigung der Übernahme
durch Springer unter der Bedingung, dass ProSieben vorher herausgelöst
wird, «die kartellrechtlich saubere, aber auch einzige Lösung».
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14.01. Kartellgesetz und Rundfunkstaatsvertrag
- Die Grundlagen der Prüfung
Hamburg (dpa) - Zwei Begriffe tauchen immer wieder auf, wenn sich
die Prüfgremien negativ über die geplante Fusion der Medienkonzerne
ProSiebenSat.1 und Axel Springer äußern: «marktbeherrschende
Stellung» und «vorherrschende Meinungsmacht». Anders
als bei der vom Holtzbrinck-Verlag geplanten - und vom Bundeskartellamt
untersagten - Übernahme der «Berliner Zeitung» ist
bei Springers Einstieg ins Fernsehgeschäft neben der Kartellbehörde
ein zweites Gremium
eingeschaltet: die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich
(KEK).
Die Tätigkeit von Kartellamt und KEK fußt auf ganz unterschiedlicher
gesetzlicher Grundlage. Das Bundeskartellamt prüft nach dem 1958
in Kraft getretenen - und seither sieben Mal überarbeiteten -
Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (auch Kartellgesetz genannt),
ob durch eine Firmenfusion eine «marktbeherrschende Stellung» entsteht
oder verstärkt wird. Die erst
1997 eingesetzte KEK untersucht auf der Grundlage des von den Bundesländern
abgeschlossenen Rundfunkstaatsvertrags, ob im Bereich des Privatfernsehens
eine «vorherrschende Meinungsmacht» geschaffen wird.
Beide Begriffe werden im jeweiligen Gesetzestext näher, aber
nicht eindeutig definiert. Daher sind auch während des monatelangen
Prüfverfahrens immer wieder unterschiedliche Rechtsauffassungen
geäußert worden. Das Problem beginnt mit der Abgrenzung
des Marktbereichs, für den Beherrschung oder Meinungsmacht festgestellt
werden. Im Kartellgesetz ist die Rede von «dem sachlich und räumlich
relevanten Markt». In seinem Zwischenbescheid an Springer bezog
sich das Kartellamt ausdrücklich auf den Markt für Fernsehwerbung,
den Lesermarkt für Straßenverkaufzeitungen sowie den bundesweiten
Markt für Zeitungsanzeigen.
Eine Marktbeherrschung wird laut Kartellgesetz vermutet, wenn ein
Unternehmen einen Marktanteil von mindestens einem Drittel hat. Das
Kartellamt sieht bei Springer eine marktbeherrschende Stellung auf
dem Lesermarkt für Boulevardzeitungen («Bild») und
im nationalen Anzeigengeschäft, die durch die Fusion noch verstärkt
würde. Dieser Marktabgrenzung widerspricht Springer-Vorstandschef
Mathias Döpfner
energisch: In der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» betonte
er, im Anzeigengeschäft konkurriere «Bild» nicht in
erster Linie mit den überregionalen, sondern mit den Regionalzeitungen,
die 68 Prozent des Marktes ausmachten. Überhaupt vermisst der
Springer-Chef eine klare Linie bei der Marktabgrenzung: «Das
Kartellamt sieht es mal so, mal so.»
Auch die Definition der «vorherrschenden Meinungsmacht» ist
im Rundfunkstaatsvertrag in Prozentzahlen definiert. Sie ist gegeben,
wenn «die einem Unternehmen zurechenbaren Programme» im
Jahresdurchschnitt einen Zuschaueranteil von 30 Prozent haben. Dies
gilt auch, wenn der Anteil nur bei 25 Prozent liegt, das Unternehmen
aber «auf einem medienrelevanten verwandten Markt eine marktbeherrschende
Stellung hat» oder wenn eine Gesamtbeurteilung seiner entsprechenden
Aktivitäten ergibt, dass der Meinungseinfluss dem eines Unternehmens
mit 30 Prozent Zuschaueranteil entspricht. Auf dieser Grundlage errechnete
die KEK, die erstmals mit einem derartigen Fall befasst ist, einen
Einfluss Springers, der einem Zuschaueranteil von 42 Prozent entspricht.
Diese Berechnung ist bei Betroffenen und Fachleuten umstritten, denn
sie beruht auf einer Umrechnung von Medieneinfluss außerhalb
des Fernsehens in TV-Meinungsmacht. Und Springer-Chef Döpfner
moniert zudem, dass die KEK sie überhaupt angestellt hat. Immerhin
liegt
ProSiebenSat.1 mit einem Zuschaueranteil von 22 Prozent klar unter
der 25-Prozent-Grenze, von der an die verwandten Medienmärkte
in die Berechnung einbezogen werden sollen.
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14.01. «FTD»: Krisentreffen
von Saban und Döpfner kommende Woche
Hamburg (dpa) - Der US-Milliardär Haim Saban und der Vorstandschef
der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, wollen sich einem Bericht
der «Financial Times Deutschland» zufolge in der kommenden
Woche treffen, um über einen möglichen Verkauf des Senders
ProSieben zu beraten.
Wenn der Deal nicht bis zum 23. Januar unter Dach und Fach sei, müsse
Springer monatlich 25 Millionen Euro an Verzugszinsen aufbringen, schreibt
die Zeitung (Freitag) unter Berufung auf Verlagskreise.
Saban wolle möglichst schnell Geld sehen, da das Geschäft
nach dem Veto der Aufsichtsbehörden nun aber nicht wie geplant
zustande komme, werde neu verhandelt.
Saban habe zwar großes Interesse daran, dass es bei Springer
bleibe, schreibt die Zeitung weiter. Vorsorglich sehe er sich allerdings
auch nach anderen Interessenten um. Ab dem 5. März könnte
Saban von dem Vertrag mit Springer zurücktreten. Als Interessenten
nennt das Blatt neben dem französischen Fernsehkonzern TF1 auch
die skandinavische SBS mit dem Finanzinvestor Permira im Hintergrund
sowie den TV-Konzern CME des Parfüm-Erben Ronald Lauder. Als denkbar
gelte auch die Variante, dass ein möglicher Käufer sich gleichzeitig
um einen Einstieg beim Bezahlsender Premiere bemühe.
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13.01. Springer ringt seit Monaten um den Kauf von ProSiebenSat.1
Hamburg (dpa) - Seit rund einem halbem Jahr ringt die Axel
Springer AG mit dem Bundeskartellamt um die Erlaubnis für
den Kauf von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1.
Eine
Chronologie:
5. August 2005: Der Zeitungskonzern kündigt die Übernahme
an. Für die Kontrolle über Fernsehsender wie ProSieben,
Sat.1 und N24 will Springer knapp 2,5 Milliarden Euro an die
Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban zahlen.
16. August 2005: Der Verlagskonzern meldet wie vorgeschrieben
die geplante Übernahme beim Bundeskartellamt an.
18. November 2005: Das Kartellamt äußert Bedenken,
dass sich durch den Zusammenschluss die Wettbewerbsbedingungen
auf dem Fernsehwerbemarkt verschlechtern. Zudem würde eine
Fusion die marktbeherrschenden Stellung der Axel Springer AG
verstärken.
19. Dezember 2005: Auf Antrag von Springer verlängert
das Kartellamt die Frist für die Prüfung bis zum 20.
Januar.
6. Januar 2006: Das Bundeskartellamt lehnt die angebotenen
Zugeständnisse von Springer als unzureichend ab. Nur der
Verkauf von «Bild» oder eines großen Senders
könne die Übernahme ermöglichen.
10. Januar 2006: Die für Übernahmen auf dem Fernsehmarkt
zuständige Kommission zur Ermittlung der Konzentration
im Medienbereich (KEK) sieht die Meinungsvielfalt bedroht und
lehnt die geplante Übernahme ab.
11. Januar 2006: Die Axel Springer AG bietet den Verkauf des
Fernsehsenders ProSieben an. Das Bundeskartellamt besteht darauf,
dass der Sender vor einer Übernahme aus dem ProSiebenSat.1-Konzern
herausgelöst wird.
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13.01. Medienexperte: Alte Strukturen belasten moderne Medienwirtschaft
Hamburg (dpa) - Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister
hat angesichts der Diskussionen rund um die geplante Übernahme
der
ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG die deutschen
Medienkontrolleure scharf kritisiert. «Die Pläne,
einen Beirat für
Sat.1 zu schaffen sind weltfremd, dahinter steckt keine Logik,
keine Ordnung», sagte der Leiter des Berliner Instituts
für Medien- und Kommunikationspolitik am Donnerstag in
einem dpa-Gespräch. Dennoch werde es zu einem Deal kommen.
Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich
(KEK) hatte Springer die Auflage erteilt, im Falle der Übernahme
einen Fernsehbeirat für Sat.1 zu schaffen, der aus verschiedenen
gesellschaftlichen Kreisen besteht. «Mit Vertretern der
Versehrten- und Bauernverbände würden alte Strukturen
geschaffen, die der modernen Medienwirtschaft nicht gerecht
werden», sagte Hachmeister.
«
In der KEK will sich doch nur jeder selber profilieren und die
Chance nutzen, in die Medien zu kommen.»
Eine Kontrolle müsse es zwar geben, aber eine sinnvolle.
Nun aber müssten Heerscharen von Juristen aufgeboten werden,
um laue Kompromisse herbeizuführen. Dabei würden Zeitverzögerungen
auftreten, die niemandem nützten. «Trotzdem wird
es zum Deal kommen, weil es sich um ein für Springer zu
prestigeträchtiges Unterfangen handelt, als dass man es
fallen lassen könnte.» Dem Angebot des Verlages,
den Sender ProSieben zum Verkauf zu stellen, werde sich das
Kartellamt nicht entziehen können.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird nach Hachmeisters Einschätzung
ein ausländisches Unternehmen den Zuschlag für ProSieben
bekommen.
Bereits im Gespräch war der französische Privatsender
TF1. «Auch für den US-Konzern General Electric böte
sich die Chance, seinen Einfluss zu erweitern», sagte
Hachmeister. «Denn der hat mit dem Standbein Das Vierte
im deutschen Free-TV-Markt bisher recht wenig.»
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12.01. ProSieben-Verkauf: Springer setzt alles auf eine Karte
Berlin/Frankfurt (dpa) - Im Kampf um die Übernahme von
ProSiebenSat.1 hat die Axel Springer AG das Blatt dramatisch
gewendet: Bisher kämpfte das Medienhaus um den Kauf der
gesamten ProSiebenSat.1-Gruppe. Nun will Springer ausgerechnet
ProSieben, den Stammsender von Deutschlands größtem
TV-Konzern, aus dem Übernahmepaket lösen und damit
doch noch eine Erlaubnis für den Einstieg in das TV-Geschäft
bekommen. Ob dieser Schachzug zum Ziel führt, ist fraglich.
Springer will ProSieben erst nach einer Übernahme der
Gruppe verkaufen. Das Kartellamt fordert dagegen, dass das Medienhaus
vor Vollzug des Geschäfts auf ProSieben verzichtet. Für
diesen Fall müssten die Verhandlungen mit den Investoren
um den Amerikaner Haim Saban neu aufgerollt werden. Die Wettbewerbshüter
ließen durchblicken, dass eine an Bedingungen geknüpfte
Zustimmung denkbar wäre. Demnach könnte die Übernahme
von Sat.1, Kabel eins, Neun Live und N24 wirksam werden, wenn
Springer den Verkauf von ProSieben vollzieht. Es soll bereits
mehrere Interessenten geben.
Der Verzicht auf ProSieben dürfte Springer-Vorstandschef
Mathias Döpfner nicht leicht fallen. Monatelang hatte Springer
mit der Medienfusionskontrolle KEK und dem Kartellamt um ein
Gesamtpaket gestritten. Nun will Springer ausgerechnet den Geldbringer
ProSieben aufgeben. Der Schritt löst bei Analysten Rätselraten
aus.
Zwar dürften die Zweifel der Behörden mit dem Angebot,
theoretisch aus der Welt zu schaffen sein. Doch wie eine Trennung
praktisch aussehen könnte - darüber herrscht Rätselraten.
ProSieben und Sat.1 sind eng verzahnt. N24 ist Nachrichtenlieferant
für alle Sender des Konzerns, die Filmrechte liegen bei
der Holding und in der Vermarktung von Werbezeit ziehen alle
Kanäle an einem Strang.
«Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie das laufen
soll. Der Deal müsste komplett neu aufgedröselt werden»,
sagte Analyst Florian Leinauer von der hessisch-thüringischen
Landesbank Helaba. Mit einem Wegfall von ProSieben als profitabelsten
Sender würde der gesamte Konzern erheblich an Attraktivität
verlieren.
«Siege, wenn Du kannst, verliere, wenn Du musst, kapituliere
nie» hatte Döpfner die Marschroute im TV-Projekt
ausgeben. Falls der zukunftsweisende Weg versperrt bleibe, Druckerzeugnisse
und Fernsehen unter einem Konzerndach zu vereinen, wolle er
das Glück woanders suchen - «in digitalen Märkten
und im Ausland». Auf beiden Gebieten ist Springer bereits
aktiv und erfolgreich.
In Polen besitzt Europas größtes Zeitungshaus «Fakt»,
das auflagenstärkste Boulevardblatt des Landes mit rund
einer halben Million verkaufter Exemplare und mehr als 3,5 Millionen
Lesern. Auch in anderen osteuropäischen Staaten, in Spanien
und Frankreich ist Springer mit eigenen Produkten und Lizenzausgaben
präsent. Knapp 16 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Springer
außerhalb Deutschlands.
Auch im Internet sieht sich Springer gut aufgestellt. Mit «Bild.T.Online» verfügt
das Haus über eine starke Marke, die es für neue Inhalte
wie Sport oder Filme nutzen kann. Bei anderen Online- Angeboten
für Immobilien oder Autos ist Springer führend. Andere
große Zeitungshäuser wie die «New York Times» machen
mit Online- Portalen bereits lukrative Geschäfte.
Nach Ansicht von Experten würde Sat.1 als Springer-Flaggschiff
im frei empfangbaren Fernsehen eine gute Figur machen. Mit den
selbstproduzierten Filmen und Familienshows, den Telenovelas,
Quizsendungen und Boulevardmagazinen passe der Berliner Sender
gut zum Medienhaus und seinen Publikationen. ProSieben hat sich
dagegen als Abspielsender für Serien und Filme profiliert.
Angesichts der Entwicklung des Bezahlfernsehens, der Gründung
neuer Film-Kanäle und der rasanten Fortschritte beim Internet-TV
könnte diese Stärke immer unwichtiger werden.
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12.01. Springer kommt Kartellamt
entgegen: Verkauf von ProSieben angeboten
Berlin/Bonn (dpa) - Die Chancen für eine Genehmigung
der Fernsehpläne der Axel Springer AG sind deutlich gestiegen.
Der Medienriese hat dem Bundeskartellamt am Mittwoch den Verkauf
des Fernsehsenders ProSieben angeboten und ist damit Forderungen
der Bonner Wettbewerbshüter entgegen gekommen. Sie hatten
entweder einen Verkauf der «Bild»-Zeitung oder eines
der beiden Sender von
ProSiebenSat.1 zur Bedingung gemacht.
Strittig ist allerdings der Zeitpunkt: Während Springer
sich erst nach einer vollzogenen ProSiebenSat.1-Übernahme
von ProSieben trennen will, besteht das Kartellamt darauf, dass
dieser Sender vor einer Übernahme aus dem ProSiebenSat.1-Konzern
herausgelöst wird. In Branchenkreisen wird deshalb auch
nicht damit gerechnet, dass die Transaktion in der vom Kartellamt
verlangten Weise über die Bühne geht. Die Axel Springer
AG selbst kündigte am Mittwoch in Berlin an, man müsse
prüfen, «ob die (vom Kartellamt) vorgeschlagene Gestaltung
wirtschaftlich und rechtlich überhaupt umgesetzt werden
kann».
Aus Sicht des Bundeskartellamtes kommt «nach vorläufiger
Einschätzung» eine Freigabe des Zusammenschlusses «nur
unter einer aufschiebenden Bedingung in Betracht». Das
bedeute, dass der mittlerweile von Springer angebotene Verkauf «an
einen unabhängigen Erwerber» von ProSieben «vor
dem Zusammenschluss erfolgen müsste».
Auch eine Vermarktung des Senders habe «durch einen Dritten
und nicht durch Seven-OneMedia vor dem Zusammenschluss» zu
erfolgen.
Der Verlag hatte nach dem Veto der Medienfusionskontrolle
KEK vom Dienstag betont, dass er sein Fernsehprojekt nicht aufgeben
wolle.
«
Wir halten an den Plänen so lange fest, wie wir eine Chance
sehen, sie zu realisieren», sagte Konzernsprecherin Edda
Fels am Mittwoch.
Die Wettbewerbsbehörde muss bis zum 20. Januar über
die Fusion entscheiden.
Die KEK hatte die ProSiebenSat.1-Übernahme mit der Begründung
abgelehnt, durch den Kauf würde Springer eine vorherrschende
Meinungsmacht erlangen und die Meinungsvielfalt bedrohen. Bei
einem Verzicht auf einen der beiden großen Sender sieht
der KEK-Vorsitzende Dieter Dörr aber Chancen für eine
nachträgliche Genehmigung der Fernsehpläne. «Springer
müsste dann einen neuen Antrag stellen. Und falls das Unternehmen
auf ProSieben oder Sat.1 verzichtet, würden wir diesem
auch zustimmen», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» (Donnerstagausgabe).
Beim ProSiebenSat.1 ist unterdessen heftiger Widerstand gegen
einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben bei einer Übernahme
durch den Springer- Konzern zu erwarten. Der Vorstand könne
einem Verkauf des Stammsenders nicht zustimmen, weil dieser
Schritt nicht im Interesse des Unternehmens sei, hieß es
am Mittwoch in Branchenkreisen. Die Integration von Sat.1 sei
nicht einfach gewesen, nun gebe es zahlreiche Synergien zwischen
den beiden Hauptsendern der TV-Gruppe. ProSieben hatte jahrelang
den Großteil der Gewinne für den Konzern beigesteuert.
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12.01. Widerstand bei ProSiebenSat.1 gegen Senderverkauf erwartet
München (dpa) - Beim TV-Konzern ProSiebenSat.1 ist heftiger
Widerstand gegen einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben
bei einer Übernahme durch den Springer-Konzern zu erwarten.
Der Vorstand könne einem Verkauf des Stammsenders nicht
zustimmen, weil dieser Schritt nicht im Interesse des Unternehmens
sei, hieß es am Mittwoch in Branchenkreisen. Die Integration
von Sat.1 sei nicht einfach gewesen, nun gebe es zahlreiche
Synergien zwischen den beiden Hauptsendern der TV-Gruppe. ProSieben
hatte jahrelang den Großteil der Gewinne für den
Konzern beigesteuert.
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12.01. ProSieben: Kern des TV-Konzerns und Ertragsperle
München (dpa) - Der Sender ProSieben ist der Kern des
TV-Konzerns
ProSiebenSat.1 und jahrelange Ertragsperle des Unternehmens.
Auf Sendung ging ProSieben am 1. Januar 1989, einige Jahre nach
dem Schwestersender Sat.1. Im Herbst 1990 war der Spielfilmkanal
der erste Sender in Deutschland, der rund um die Uhr sendet.
Die Erfolgsgeschichte des Privatsenders, der zur KirchGruppe
gehörte, wurde im Sommer 1997 gekrönt: ProSieben ging
unter der Führung von Vorstandschef Georg Kofler an die
Börse.
Im Sommer 2000 schlossen sich ProSieben und Sat.1 zum größten
deutschen Fernsehunternehmen zusammen. Die Integration des ertragsschwachen
Senders Sat.1 gestaltete sich schwierig, ProSieben musste lange
Zeit für den Großteil der Gewinne sorgen.
Während Sat.1 breiter aufgestellt ist, hat ProSieben
noch immer seinen Schwerpunkt im Bereich der Spielfilme. Im
Jahr 2005 ging der Marktanteil in der Gruppe der für die
Werbebranche interessanten 14- bis 49-Jährigen leicht auf
11,7 Prozent zurück. Besonders erfolgreich waren Filme
wie «Spiderman» und «Men in Black II».
Im Programm sind auch US-Serien wie «Desperate Housewives» und
TV Total mit Stefan Raab.
Auch wirtschaftlich ist ProSieben für die Gruppe trotz
zeitweilig etwas schwächerer Phasen von großer Bedeutung.
In den ersten neun Monaten 2005 stieg der ProSieben-Umsatz leicht
auf 532 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern ging von gut
115 auf 110,5 Millionen Euro zurück. Damit steuerte ProSieben
mehr als die Hälfte des Konzerngewinns von knapp 203 Millionen
Euro bei.
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12.01. Medienwächter Helmes:
Fusion Springer/ProSiebenSat.1 denkbar
Ludwigshafen (dpa) - Eine Fusion des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 mit dem Verlag Axel Springer kann sich der Direktor
der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK)
Rheinland- Pfalz, Manfred Helmes, «unter substanziellen
Auflagen» vorstellen.
Nach der Ablehnung des Geschäfts durch die Medienkontrollkommission
KEK sagte Helmes der dpa am Mittwoch in Ludwigshafen: «Ich
war von Anfang an dafür, das ist kein Geheimnis. Nur: Ich
bin natürlich dafür, dass entsprechende Regeln der
Vielfalt gesichert werden. Also:
Es gibt kein "Dafür" ohne entsprechende Grundlagen.»
Über diese Bedingungen werde er an diesem Freitag mit
seinen Kollegen der anderen Landesmedienanstalten sprechen,
sagte Helmes.
Die Direktoren der 15 Anstalten können den ablehnenden
Beschluss der KEK mit Dreiviertel-Mehrheit überstimmen.
Am Freitag wird jedoch noch keine Entscheidung erwartet.
Helmes widersprach Vorstellungen der KEK, dass die unternehmerische
Verantwortung für einen der großen Sender des Konzerns
- ProSieben oder Sat.1 - auf einen extern besetzten Fernsehbeirat übertragen
werden solle. «Die unternehmerische Verantwortung muss
beim Unternehmen bleiben», forderte er. «Das ist
keine Bedingung, das ist eine Selbstverständlichkeit.»
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11.01. Hängepartie für
ProSiebenSat.1: TV-Konzern kann nichts erschüttern
München (dpa) - Das mögliche Scheitern der Übernahme
durch den Springer-Verlag kann Führung und Mitarbeiter
von ProSiebenSat.1 nicht erschüttern. «Springer wäre
für uns schon so etwas wie ein Wunschpartner», hieß es
am Mittwoch in Arbeitnehmerkreisen. «Wir haben aber schon
schwierigere Zeiten gehabt.» Deutschlands größter
TV-Konzern hat in den vergangenen Jahren zu viele Kapriolen
erlebt, als dass die Probleme bei der Springer-Übernahme
nun allzu große Verunsicherung hervorrufen würden.
Die Medienkontrollkommission KEK hatte am Dienstag die Übernahme
durch Springer abgelehnt. Zwar gibt es noch einige Hintertüren
für das Verlagshaus, aber da auch das Bundeskartellamt
zu viel Medienmacht für Springer («Bild», «Welt»)
im Falle einer Übernahme sieht, ist es wahrscheinlicher
geworden, dass Springer die Pläne aufgibt. Die Beschäftigten
hatten Hoffnungen auf Springer gesetzt, weil der Verlag als
zuverlässiger Arbeitgeber gilt und es kaum Überschneidungen
zwischen den beiden Unternehmen gibt. Eine ProSiebenSat.1-Sprecherin
betonte am Mittwoch, das operative Geschäft der Senderkette
sei von der unklaren Eigentümerfrage nicht betroffen.
«
Bei uns geht alles seinen Gang.» Das Geschäft
laufe gut.
Ursprünglich hatte ProSiebenSat.1 zum Medienimperium
von Leo Kirch gehört. Als dessen Reich 2002 zusammenbrach,
begann für die Senderkette eine lange Hängepartie.
Zunächst sollte der Konzern an den Bauer-Verlag verkauft
werden, der aber in letzter Minute zurückzog. Schließlich
sicherte sich im Sommer 2003 der US-Milliardär Haim Saban
gemeinsam mit einer Gruppe von Investoren die Mehrheit an der
ProSiebenSat.1 Media AG. Mit dem Verkauf an Springer, der
im August vergangenen Jahres verkündet wurde, sollte der
Konzern jetzt eigentlich in einen sicheren Hafen kommen.
Wenn das Geschäft nun scheitert, fällt das Unternehmen
wieder an Saban zurück, der einen neuen Käufer suchen
muss. «Dann machen wir halt noch einmal zwei Jahre mit
Saban weiter», hieß es in Arbeitnehmer-Kreisen.
Im Umfeld des Unternehmens wird betont, unter Saban und den
anderen neuen Besitzern sei zwar ein harter Sparkurs gefahren
worden, dieser sei aber ohnehin notwendig gewesen. Daher könne
ProSiebenSat.1 gut damit leben, wenn das Saban-Konsortium weiter
engagiert bliebe.
Mitarbeiter und Unternehmen sehen die Eigentümer-Frage
inzwischen auch gelassener, weil die Sendergruppe wirtschaftlich
deutlich besser da steht. Im vergangenen Jahr hat der Konzern
Umsatz und Ergebnis laut letzten Prognosen steigern können.
In den ersten neun Monaten
2005 legte der Vorsteuer-Gewinn um zwei Drittel auf 203 Millionen
Euro zu. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2002 - also dem letzten
vor der Übernahme durch Saban - hatte ProSiebenSat.1 vor
Steuern einen Konzerngewinn von 21 Millionen Euro ausgewiesen.
Noch ist Springer aber nicht aus dem Spiel. Am Freitag könnten
die Direktoren der Landesmedienanstalten die KEK überstimmen.
Möglich ist auch, dass Springer dem Kartellamt noch größere
Zugeständnisse macht.
Theoretisch würde der Weiterverkauf eines der beiden Hauptsender
- also ProSieben oder Sat.1 - die Kartellwächter umstimmen. Dieses
Szenario sorgt im TV-Konzern schon für mehr Unruhe. «Dem
könnte der Vorstand nicht zustimmen, weil es nicht im Interesse
des Unternehmens ist», sagt ein Branchenkenner. Die Integration
von Sat.1 in den ProSieben-Konzern war schwierig genug. Nun
will das Unternehmen auf die Synergien zwischen den Sendern
nicht mehr verzichten.
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11.01. Medienkontrollkommission
verteidigt Entscheidung gegen Springer
Berlin (dpa) - Die Medienkontrollkommission KEK hat die Entscheidung
gegen die Übernahme des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1
durch die Axel Springer AG verteidigt. Meinungsvielfalt und
Informationsfreiheit in Deutschland würden durch eine solche Übernahme
gefährdet, sagte der Vorsitzende der Kommission zur Ermittlung
der Konzentration im Medienbereich (KEK), Dieter Dörr,
am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur.
Die KEK dürfe keine politischen oder wirtschaftlichen
Kriterien bei ihrer Beurteilung berücksichtigen und müsse
sich am Rundfunkstaatsvertrag orientieren, betonte Dörr.
Wenn vorherrschende Meinungsmacht einmal entstanden sei, «kann
man sie nicht mehr rückgängig machen oder jedenfalls
nur ganz schwer», sagte Dörr. Dies zeige das Beispiel
Italien sehr plastisch.
Kritik an der KEK-Entscheidung übte der Geschäftsführer
des Adolf- Grimme-Instituts, Uwe Kammann. Die Kommission habe
zu streng geurteilt, sagte Kammann demselben Sender. Die Kommission
sehe eine vorherrschende Meinungsmacht schnell erfüllt,
doch bleibe die Frage, ob sich das Gremium mit seiner Entscheidung
einen Gefallen erwiesen habe. Die Ablehnung sei eine Einladung
für ausländische Investoren, den deutschen Konzern
ProSiebenSat.1 zu übernehmen. «Ich glaube, das könnte
ein klassisches Eigentor sein», sagte Kammann.
Die KEK hatte am Dienstag die ProSieben-Übernahme mit
der Begründung abgelehnt, durch den Kauf würde Spriger
eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen. Bis zum 20. Januar
will auch das Bundeskartell über die wirtschaftlichen Folgen
einer Fusion entscheiden. Das Kartellamt hatte bereits in zwei
Zwischenbescheiden die Übernahme kritisiert.
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11.01. Grimme-Geschäftsführer:
KEK urteilte zu streng
amburg (dpa) - Kritik an der Entscheidung der Medienkontrollkommission
KEK gegen die Übernahme des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag hat der Geschäftsführer
des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann, geübt. Die KEK
habe zu streng geurteilt, sagte Kammann am Mittwochmorgen im
Deutschlandradio Kultur. Die Kommission sehe eine vorherrschende
Meinungsmacht schnell erfüllt, doch bleibe die Frage, ob
sich das Gremium mit seiner Entscheidung einen Gefallen erwiesen
habe.
Die Ablehnung sei eine Einladung für ausländische
Investoren, den deutschen Konzern ProSiebenSat.1 zu übernehmen.
Damit könnten publizitätsfremde Überlegungen
im Vordergrund stehen. Kammann: «Ich glaube, das könnte
ein klassisches Eigentor sein.»
Nach Ansicht Kammanns ist der jetzige Genehmigungsprozess
für eine Übernahme wie die von ProSiebenSat.1 noch
in der alten nationalen Ordnung verhaftet. Mit der zunehmenden
Digitalisierung würden sich aber klassische Konstellationen
von monopolisierter Meinungsmacht auflösen. In Zukunft
werde wichtiger, wer beispielsweise die Inhalte bei den Kabelgesellschaften
kontrolliere. Kammann: «Es wird sich etwas ganz Neues
entwickeln, und das wird sich mit diesen bisherigen Rechtsmitteln
gar nicht steuern lassen.»
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11.01. NRW-Landesregierung kritisiert Nein zu Springers Fernsehplänen
Düsseldorf (dpa) - Die nordrhein-westfälische Landesregierung
hat das Nein der Medienkontrollkommission KEK zur Übernahme
von
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern kritisiert. Der KEK sei
bei einer wichtigen wirtschaftlichen und publizistischen Fragestellung
das Augenmaß abhanden gekommen, sagte am Dienstag NRW- Medien-Staatssekretär
Thomas Kemper. Die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten
habe jetzt die Chance, «den Weg für eine wirtschaftlich
und publizistisch vertretbare Lösung zu ebnen». Die Medienwächter
hatten die Fernsehpläne von Springer mit der Begründung
abgelehnt, der Verlag würde eine vorherrschende Meinungsmacht
erlangen.
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11.01. KEK-Entscheidung von SPD- und Grünenpolitikern
begrüßt
Berlin (dpa) - Medienpolitiker von SPD und Grünen haben
die ablehnende Entscheidung der Medienkontrollkommission KEK
zur Übernahme von ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel
Springer AG begrüßt. Sie sei folgerichtig und konsequent,
teilte der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion,
Jörg Tauss, am Dienstag mit. Er forderte die Landesmedienanstalten
auf, sich nicht über das Votum der KEK hinwegzusetzen. Ähnlich äußerten
sich der Fraktionschef der Grünen, Fritz Kuhn, und Grietje
Bettin, medienpolitische Sprecherin der Partei. Die KEK habe
Standhaftigkeit bewiesen. «Diese Entscheidung ist wichtig
für mehr Medienvielfalt.»
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11.01. Springer-Chef Döpfner verteidigt geplanten Kauf
von ProSiebenSat.1
Berlin (dpa) - Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias
Döpfner, hat die geplante Übernahme des TV-Konzerns
ProSiebenSat.1 verteidigt und die Auflagen dafür scharf
kritisiert. «Ich habe den Eindruck, wenn wir jetzt vorschlagen
würden, den gesamten Springer- Verlag zu verkaufen, würde
man uns trotzdem nicht erlauben, die Fernsehgesellschaft zu übernehmen»,
sagte er am Dienstag bei einem Neujahrsempfang in Berlin. Am
selben Tag wollte die Potsdamer Medienkontrollkommission KEK über
das geplante Milliardengeschäft beraten und möglicherweise
entscheiden. Bis Donnerstag kann Springer zudem zu einem negativen
Zwischenbescheid des Bundeskartellamts Stellung beziehen. Die
Hürden für die Fusion gelten als so hoch, dass sie
scheitern könnte.
Döpfner hielt bei dem Empfang eine teilweise launige
Rede rund um das Thema «Optimismus». Er scherzte,
die Lage sei «zwar fast hoffnungslos, aber auf keinen
Fall ernst». Mit Humor müsse man auch so manche Nachricht
nehmen, die sein Haus von den Kartell- und Medienregulationsbehörden
zu hören bekam. Zu dem von der KEK vorgeschlagenen Kontrollgremium
sagte Döpfner beispielsweise, dies lasse die DDR «wie
ein liberales Wirtschaftsparadies erscheinen».
Bei dem Widerstand gegen die Fusion werden laut Döpfner «die
globalen Verschiebungen des Medienwettbewerbs in die digitalen
Vertriebsmärkte» übersehen. Man tue so, als
sei dies eine «Art Fieberwahn wild gewordener New-Economy-Fantasten.» Diese
Einschätzung sei nicht nur falsch, sie sei fahrlässig.
Der Verlagsgründer Axel Springer habe seit den 60er Jahren
versucht, sich im TV zu engagieren, weil er die Verbindung von
Print und elektronischen Medien zu Recht als zukunftsweisend
angesehen habe. «Aber wenn uns trotzdem am Ende dieser
Schritt verwehrt bleiben sollte, dann werden wir auch das sportlich
nehmen - und unser Glück in digitalen Märkten und
im Ausland suchen», sagte Döpfner.
Den im August 2005 geschlossenen Vertrag zwischen Springer
und der Gruppe um den US-Investor Haim Saban lobte er als «runden
Deal».
Döpfner erwähnte nicht, ob bei einem endgültigen
Veto von KEK und Kartellamt eine Ausnahmegenehmigung von Bundeswirtschaftsminister
Michael Glos (CSU) in Betracht komme. Nach Medienberichten ist
dies aber unwahrscheinlich.
Die Wettbewerbshüter fordern, dass sich Springer entweder
von der «Bild»-Zeitung trennt oder auf einen der
beiden großen Sender der Gruppe - ProSieben oder Sat.1
- verzichtet. Nach einem Bericht der «Süddeutschen
Zeitung» (Dienstag) ist Springer offenbar auf der Suche
nach einem Partner für den geplanten Kauf der Sendergruppe,
um die Bedenken auszuräumen. Am Wochenende habe der Verlag
mit der Fernsehgruppe SBS verhandelt. Dazu wurde am Dienstag
bei Springer offiziell nichts bekannt.
Bei dem Neujahrsempfang waren rund 350 Vertreter aus Wirtschaft,
Politik, Kultur und Medien zu Gast, darunter Bundestagspräsident
Norbert Lammert, Altbundespräsident Walter Scheel, CDU-
Generalsekretär Ronald Pofalla, Fernsehmoderatorin Sabine
Christiansen und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.
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11.01. Poker um ProSiebenSat.1: «Saban
hat immer noch ein Ass im Ärmel»
München (dpa) - Im Poker um Deutschlands größten
TV-Konzern
ProSiebenSat.1 läuft es für US-Milliardär Haim
Saban derzeit nicht gut. Die Medienkontrollkommission KEK lehnte
den geplanten Verkauf der Senderkette an den Springer-Konzern
am Dienstag ab. Nun muss sich die Investorengruppe um Saban
möglicherweise nach einem neuen Käufer umsehen. «Ein Saban
hat immer noch ein Ass im Ärmel», sagt ein Branchenkenner.
Ob ein anderes Unternehmen aber wie Springer insgesamt mehr
als vier Milliarden Euro für ProSiebenSat.1 hinlegen würde,
gilt in der Branche als zweifelhaft.
Zwar ist mit dem KEK-Veto noch nichts endgültig entschieden.
Doch Springer-Chef Mathias Döpfner baute am Dienstag schon
einmal vor.
Wenn die Übernahme scheitere, liege die Zukunft des Medienhauses
eben in den digitalen Märkten und im Ausland, sagte er
beim Neujahrsempfang seines Verlags. Für Saban allerdings
wäre dies ein herber Rückschlag. Bei einem Verkauf
an Springer kann er seinen Einsatz in etwa verdreifachen.
Diesen satten Gewinn hat sich Saban nach eigener Einschätzung
durchaus verdient. «Ich war der letzte Aufrechte, als
alle anderen davon liefen», sagte der US-Unternehmer einmal.
Als Saban und seine Finanzinvestoren im Sommer 2003 den TV-Konzern übernahmen,
war die Fernsehwerbe-Branche auf dem Tiefpunkt. Der Bauer-Verlag
hatte die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 in
letzter Minute doch lieber abgesagt, auch Springer wagte die
Großakquisition damals nicht. Mit dem Kauf bewies Saban
wieder einmal ein gutes Gespür für das richtige Timing.
Die Werbebranche hat sich inzwischen erholt, der ProSiebenSat.1-Aktienkurs
hat sich verdreifacht.
Ob ein anderer Käufer den Springer-Preis zahlen wird,
bleibt dennoch abzuwarten. «Mit mehr als vier Milliarden Euro
hatte damals niemand gerechnet», sagte ein ProSiebenSat.1-Manager.
In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Saban den Markt
bereits sondiert. «Er redet mit den Großen in Frankreich
und den USA», sagt ein Experte. In erster Linie wird dabei
der französische Sender TF1 genannt, bei dem Saban im Aufsichtsrat
sitzt. Die Franzosen wollten schon im Juni 2003 zehn Prozent
an der deutschen Senderkette übernehmen. Damals wollte
TF1 angeblich 100 bis 150 Millionen Euro dafür bezahlen. Mit
einer solchen Bewertung würde sich Saban heute keinesfalls
mehr zufrieden geben.
Noch aber hat Springer nicht zurückgezogen. Am Freitag
treffen sich die Direktoren der Landesmedienanstalten, die das
KEK-Veto mit Drei-Viertel-Mehrheit überstimmen können.
Am 20. Januar will dann das Bundeskartellamt entscheiden, das
bereits schwere Bedenken signalisiert hat. Wenn Springer nicht
noch tief greifende Zugeständnisse macht, einen Partner
findet oder eine Ministererlaubnis bekommt, würde ProSiebenSat.1
bei einem Kartell- Veto an die US-Investoren zurückfallen.
Dann wäre Saban wieder am Zug. «Ich bin gespannt,
welches weiße Kaninchen er dann aus dem Hut zaubert»,
meint ein Branchenexperte.
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