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News-Sonderthema:

Der Verlag Springer will PRO7/Sat1 kaufen

Chronologie der Ereignisse, Reaktionen und Hintergründe
 

 

25.02. Kartellamt: Beschwerde ist «gutes Recht» von Springer

Bonn (dpa) - Das Bundeskartellamt hat gelassen auf die Klage von Springer gegen das Verbot der Übernahme des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 reagiert. Der Schritt sei «das gute Recht» der Axel Springer AG, sagte eine Kartellamtssprecherin am Freitag in Bonn. Sie verwies darauf, dass das OLG Düsseldorf die erste Instanz in dem Beschwerde-Verfahren sei. Die unterlegene Seite könne dann erneut Beschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen, der endgültig entscheiden müsse.

Beim OLG Düsseldorf lag die Beschwerde von Springer gegen die Untersagungsverfügung der Wettbewerbsbehörde noch nicht vor.

Der Springer Verlag hatte am Donnerstag Beschwerde gegen die Untersagungsverfügung der Aufsichtsbehörde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt. Er will trotz Aufgabe der Übernahmepläne für den Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 die kartellrechtliche Situation für mögliche künftige Zukäufe grundsätzlich klären lassen.
 

 

05.02. Bieterverfahren könnte Bewegung in ProSiebenSat.1-Verkauf bringen

München (dpa) - Nach dem geplatzten Verkauf des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 an den Axel Springer Verlag könnte ein neues Bieterverfahren wieder Schwung in die Verhandlungen mit anderen Interessenten bringen. Es sei durchaus denkbar, dass es zu einem neuen Bieterverfahren komme, hieß es am Wochenende in Branchenkreisen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Focus» sollen mögliche Interessenten bis zum 9. Februar ihre Höchstgebote abgeben. Dieses Datum wurde in Branchenkreisen nicht kommentiert.
Organisiert werde das Verfahren von der Investmentbank J.P. Morgan.

Ein Verkauf um jeden Preis komme für ProSiebenSat.1-Eigentümer Haim Saban nicht in Frage. Denkbar ist nach Einschätzung von Experten auch, dass er noch von guten Werbegeschäften während der Fußball- Weltmeisterschaft profitieren und erst danach verkaufen will.

Als Käufer für den Fernsehkonzern kommen vor allem ausländische Konzerne in Betracht. Wunschkandidat der bayerischen Staatsregierung wäre laut «Focus» der US-Riese General Electric, zu dem der Unterhaltungskonzern NBC Universal gehört. Mit den Amerikanern habe man gute Erfahrungen gemacht, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) dem Magazin. NBC Universal betreibt in Deutschland bereits den Fernsehkanal «Das Vierte».

Zu den weiteren Interessenten gehören der französische TV-Konzern
TF1 sowie der TV-Konzern SBS, der vom früheren Kirch-Manager Markus Tellenbach geführt wird. Zu Spekulationen über einen unterschriftsreifen Vertrag mit den Finanzhäusern Apax und Goldman Sachs sagte Saban dem Magazin: «Es ist zu früh, mehr zu sagen. Wir prüfen alle unsere Optionen.»

Pläne für einen Umzug des Konzerns mit 2500 Beschäftigten gibt es aber nicht. In Telefongesprächen mit Huber und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) habe Saban laut «Focus» zugesagt, dass der Konzern weder umziehen werde noch zerschlagen wird. «Verlassen Sie sich auf mein Wort. Sie wissen doch, dass es gilt», wird der Unternehmer zitiert. Auch der «Münchner Merkur» hatte berichtet, Saban habe Stoiber gesagt, die Arbeitsplätze seien aktuell gesichert.
 

 

04.02. Saban versichert: ProSiebenSat.1 bleibt in Bayern

München (dpa) - Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 wird nach der geplatzten Übernahme durch die Axel Springer AG in Unterföhring bei München bleiben. Der Besitzer Haim Saban habe zugesagt, dass der Konzern weder umziehen werde noch zerschlagen wird, berichtete das Magazin «Focus» unter Berufung auf Telefonate, die Saban mit Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) geführt habe. «Verlassen Sie sich auf mein Wort. Sie wissen doch, dass es gilt», wird der Unternehmer zitiert.

Auch der «Münchner Merkur» hatte berichtet, Saban habe Stoiber gesagt, die Arbeitsplätze seien aktuell gesichert. Bei der Sendergruppe sind rund 2500 Menschen beschäftigt. Nach dem gescheiterten Verkauf der Sendergruppe an Springer wird damit gerechnet, dass ein ausländischer Investor zum Zuge kommt.
Wunschkandidat der Staatsregierung wäre laut «Focus» der US-Riese General Electric, zu dem der Unterhaltungskonzern NBC Universal gehört. Mit den Amerikanern habe man gute Erfahrungen gemacht, sagte Huber dem Magazin. NBC Universal betreibt in Deutschland bereits den Fernsehkanal «Das Vierte».
 

 

01.02. Springers Fernsehplan gescheitert - Auf der Suche nach neuen Märkten

Berlin (dpa) - Es war der Traum von Verleger Axel Springer: Sein Haus müsse sich unbedingt im Fernsehen engagieren. In einer Zukunft mit Kabel und Satellit würden «Sein oder Nichtsein von Zeitungen» allein von einer Beteiligung an den neuen Medien abhängen, schrieb der Verlagsgründer (1912-1985). Mit dem am Mittwoch angekündigten Rückzug der Axel Springer AG von einer Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG dürften die ehrgeizigen TV-Pläne von Europas größtem Zeitungshaus («Bild», «Die Welt») wieder in der Schublade verschwinden. Springer muss sich woanders nach neuen Erlösquellen umschauen.

Überraschend kam die Absage nicht. Nachdem am 5. August 2005 Vorstandschef Mathias Döpfner und der US-Milliardär Haim Saban den Kaufvertrag unterschrieben, hatte Springer mit dem Kartellamt und der Medienfusionskontrolle KEK um eine Zulassung gerungen. Diese beurteilten die Übernahme von Deutschlands größtem Fernsehkonzern durch den «Bild»-Verlag sehr kritisch. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) errechnete aus dem Zuschaueranteil von ProSiebenSat.1 von 22 Prozent und dem Einfluss von Springers Zeitungen eine Quote von 42 Prozent und untersagte das Geschäft.

Auch das Kartellamt machte nicht mit. Zu stark würde Springer auf dem Leser- und Anzeigenmarkt sowie beim überregionalen Verkauf von TV-Werbezeiten, lauteten die Vorbehalte. Kartellamtschef Ulf Böge warnte vor einem Duopol mit Konkurrent Bertelsmann und seiner RTL- Gruppe. Zugeständnisse Springers lehnte Böge ab.

Dabei stehen sich mit Springer und Bertelsmann zwei höchst unterschiedliche Konzerne gegenüber. Während Springer vor allem im Inlandgeschäft stark ist, spielt Bertelsmann weltweit in der ersten Liga der Medienkonzerne. Ein TV-Einstieg hätte Springer die Chance geboten, sich mit neuen Kanälen und Inhalten auf die Medienzukunft vorzubereiten. Immer wichtiger wird das Zusammenspiel von Internet und Fernsehen, von Printmedien und Online-Diensten. Die großen Medienkonzerne stehen unter dem Druck, die gesamte mediale Verwertungskette zu vernetzen.

Nach Ablehnung des Kartellamtes hätte Springer bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eine Ausnahmeerlaubnis beantragen können. Doch hier sah Döpfner «unkalkulierbare Risiken».
Das auf seine journalistische und wirtschaftliche Unabhängigkeit pochende Verlagshaus wollte sich nicht in die Hände der Politik begeben. Ein Antrag hätte die große Koalition vor eine Zerreißprobe gestellt. Immer lauter wurden die SPD-Stimmen gegen einen vermeintlichen Machtzuwachs Springers. Andere Verlage hatten im Fall einer Ministererlaubnis mit Klagen gedroht.

Schon seit 1967 hatte Springer versucht, sich mit dem Fernsehen ein weiteres Standbein zu schaffen. Mit anderen Verlagshäusern hatte das Haus das «Aktuelle Presse Fernsehen» gegründet, aus dem 1985
Sat.1 hervorging. Mit 12 Prozent bleibt Springer an der Sendergruppe beteiligt. Mit der Übernahme des gesamten Konzerns wollte das Medienhaus groß im TV mitmischen.

«Siege, wenn Du kannst, verliere, wenn Du musst, kapituliere nie» hatte Döpfner die Marschroute ausgeben. Bei einem Scheitern werde Springer sein Glück woanders suchen müssen- «in digitalen Märkten und im Ausland». Auf beiden Gebieten ist Springer bereits aktiv und erfolgreich.

In Polen gibt Springer «Fakt» heraus, das auflagenstärkste Boulevardblatt des Landes mit rund einer halben Million verkaufter Exemplare und mehr als 3,5 Millionen Lesern. Auch in anderen osteuropäischen Staaten, in Spanien und Frankreich ist Springer mit eigenen Produkten und Lizenzausgaben präsent. Knapp 16 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Springer außerhalb Deutschlands. Auch im Internet sieht sich Springer gut aufgestellt. Mit «Bild.T.Online» verfügt das Haus über eine starke Marke, die es für neue Inhalte wie Sport oder Filme nutzen kann. Bei anderen Online-Angeboten für Immobilien oder Autos ist Springer führend.
 

 

01.02. Mathias Döpfner - vom Musikkritiker zum mächtigen Verlagsmanager

Berlin (dpa) - Der Aufstieg von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner (43) zu einem der mächtigsten Verlagsmanager in Deutschland ist auch für die schnellen Verhältnisse der Medienbranche atemlos
verlaufen: Anderthalb Jahre nachdem er 1998 Chefredakteur der Zeitung «Die Welt« wurde, rückte Döpfner in den Konzernvorstand auf. Im Januar 2002, noch keine 40 Jahre alt, erreichte er die Vorstandsspitze.

Der Sohn eines Architekturprofessors galt lange als Geistesmensch - was seiner Karriere eher genutzt als geschadet haben dürfte. Der studierte Musikwissenschaftler hat es immer wieder geschafft, die Öffentlichkeit zu überraschen und die Initiative zu behalten. Auch bei der nun gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 hatte Döpfner auf den Überraschungseffekt gesetzt. In einem «Zeit»-Interview beschrieb er sich als «halb Teppichhändler, halb Schöngeist». Das Scheitern bei der Übernahme des TV-Konzerns am Widerstand der Behörden wolle er «sportlich nehmen«, verkündete der knapp zwei Meter große Döpfner am Mittwoch.

Erste Schritte im Journalismus unternahm Döpfner als Schüler, danach als freier Mitarbeiter der «Offenbach Post«. 1982 wird er Musikkritiker der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), später arbeitet er für das gesamte Feuilleton. Nach einem Abstecher in die PR-Branche kehrt er 1990 als Benelux-Korrespondent zur «FAZ» zurück.

1992 wechselt Döpfner zum Zeitschriften-Konzern Gruner+Jahr und wird Assistent des Vorstandsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen. Der betraut ihn 1994 mit der Leitung der aus den Wendejahren geretteten einstigen Ost-Berliner «Wochenpost». Unter Döpfner wird die Auflagenflaute überwunden, das Blatt kurz danach verkauft.
1996 übernimmt Döpfner die Chefredaktion der «Hamburger Morgenpost», die G+J kurz danach ebenfalls veräußert.

Ende April 1998 wechselt Döpfner zur «Welt». Er baut das Blatt um, verschafft der Zeitung ein liberal-konservatives Profil. Ende 1999 wird Döpfner in den Springer-Vorstand berufen, wo er das Ressort Elektronische Medien/Multimedia und auch den Bereich Zeitungen übernimmt. Er genießt die volle Unterstützung von Hauptaktionärin Friede Springer - vor allem bei der Entscheidung, vom Medienunternehmer Leo Kirch knapp 770 Millionen Euro zu verlangen.
Die sollte Kirch für Springers Anteile an ProSiebenSat.1 bezahlen, die der Verlag damals noch verkaufen wollte. Die fällige Option, die Kirch nicht bezahlen kann, beschleunigt die Krise seines Medienimperiums.

Doch Döpfner muss auch Rückschläge verkraften. Im Bieterverfahren um die britische Tageszeitung «Daily Telegraph» scheidet Springer
2004 aus. Das Haus ist nicht bereit, bei den Preisforderungen mitzuhalten und zieht sich zurück. Doch unter Döpfners Führung behauptet sich Springer in schwierigen Zeiten im deutschsprachigen Kerngeschäft mit «Bild» und «Hörzu». Döpfner beschleunigt die Digitalisierung der Printmedien und die Internationalisierung des Verlags. Auch baut die Verlagsspitze Arbeitsplätze ab, verkauft oder stellt mehr als 40 Aktivitäten ein und kommt damit 2002 wieder in die Gewinnzone.
 

 

01.02. Reaktionen auf den Kauf-Verzicht Springers

(dpa) - Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat das Scheitern der geplanten Übernahme des Fernsehsenders ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag positiv bewertet. «Das ist eine gute Entscheidung für den Fortbestand der Medienvielfalt in Deutschland», erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Offensichtlich habe sich in der Vorstandsetage von Springer die medienpolitische Vernunft durchgesetzt.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat das Scheitern der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG bedauert. Dies schwäche den Medienstandort Deutschland, sagte Oettinger am Mittwoch in Stuttgart der dpa. Er fügte hinzu: «Ich kann das medienpolitisch akzeptieren.» Allerdings wies der CDU-Politiker darauf hin, dass führende Köpfe der ARD sowie ZDF-Intendant Markus Schächter dem Verkauf von ProSiebenSat.1 an Springer zugestimmt hätten.

Das Scheitern der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag ist in Bayern auf ein geteiltes Echo gestoßen. Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister Erwin Huber (beide CSU) bedauerten, dass die Medienfusion wegen der Kartellbedenken abgesagt wurde. Ähnlich äußerte sich die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). Oppositionsparteien zeigten sich dagegen erleichtert.

Stoiber kritisierte, die bürokratischen Hürden für eine nationale Lösung seien zu hoch gewesen. «Das zeigt, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland noch nicht in allen Bereichen für den internationalen Wettbewerb gerüstet ist.» Ziel der Medienpolitik in Deutschland müsse sein, dass sich deutsche Unternehmen für den internationalen Wettbewerb aufstellen können.»

Die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser- Schnarrenberger sprach dagegen von einem «guten Tag für den Fortbestand der Medienvielfalt in Deutschland». Es sei gut, dass Stoiber nicht Bundeswirtschaftsminister geworden sei. «Als Wirtschaftsminister hätte Edmund Stoiber wohl auf Biegen und Brechen die Ministererlaubnis für eine Fusion von ProSiebenSat.1 und Axel Springer durchgepaukt.» Die ÖDP warf der CSU vor, sie habe sich von den Grundsätzen Ludwig Erhards abgewendet, der den Kampf gegen Monopole und Kartelle als eine Grundlage der sozialen Marktwirtschaft bezeichnet habe.

Mit Enttäuschung hat die nordrhein- westfälische Medienaufsicht für den Privatfunk auf die Aufgabe der Fernsehpläne des Springer-Konzerns reagiert. «Wir hätten gerne versucht, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden und die publizistischen Probleme mit den wirtschaftlichen Vorteilen in Einklang zu bringen», sagte der Direktor der Landesmedienanstalt NRW, Professor Norbert Schneider, am Mittwoch in Düsseldorf.

«Der Vorgang zeigt, dass das deutsche Medienrecht auf solche Vorgänge nicht genug vorbereitet ist», sagte Schneider. Die Gesetze sollten angesichts der Globalisierung «auf den Stand der Realität gebracht werden». Da ein nationaler Käufer nicht in Sicht sei, drohe die Sendergruppe ProSiebenSat.1 nun von einem internationalen Interessenten aufgekauft zu werden.
 

 

31.01. Medienwächter setzen Arbeitsgruppe zu ProSiebenSat.1 ein

Berlin/Erfurt (dpa/bb) - Für eine medienrechtliche Genehmigung der Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG haben die zuständigen Medienwächter am Dienstag mehrere Vorschläge erörtert. Bei ihrer Tagung in Erfurt diskutierte die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten unter anderem über die Möglichkeit, dass «über die Mindestanforderungen des Rundfunkstaatsvertrages hinaus» Sendezeiten an unabhängige Dritte vergeben werden und «unabhängige Fensterveranstalter» die regionale Berichterstattung gewährleisten könnten. Dies seien «erste Diskussionsansätze für eine Entscheidungsfindung», erklärte der Vorsitzende der Konferenz, Reinhold Albert.

Die Medienanstalten können die Ablehnung der geplanten Fusion durch die Medienkontrollkommission KEK mit einer Dreiviertel-Mehrheit überstimmen. In diese Richtung zielen Beschlüsse der Medienanstalten von Bayern und Rheinland-Pfalz. Das Bundeskartellamt hatte den Zusammenschluss wegen marktbeherrschender Stellungen auf mehreren Teilmärkten untersagt. Gegen diese Entscheidung ist eine Sondergenehmigung des Bundeswirtschaftsministers möglich.

In Erfurt wurde sondiert, «welche Maßnahmen zur Sicherung der Vielfalt und zur Begrenzung cross-medialer Einflussmöglichkeiten ergriffen werden könnten», wie anschließend mitgeteilt wurde. Zur Vorbereitung der Entscheidung wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt; die nächste Sitzung ist am 21. Februar in Hannover.

Nach Worten Alberts sollen unter anderem für das gesamte Unternehmen Vorgaben entwickelt werden, die eine cross-mediale Zusammenarbeit unterbinden. «Die Einhaltung dieser Auflagen müsste durch ein unabhängiges Gremium ­ mit wirksamen Sanktionsmöglichkeiten im Falle der Nichtbeachtung ­ sichergestellt werden.» Daneben sehe der Rundfunkstaatsvertrag auch die Trennung von Beteiligungen vor. In diesem Zusammenhang sollen auch die Vorschläge von Bundeskartellamt und KEK in die weitere Prüfung einbezogen werden.

Einen Tag vor dem Treffen der Medienwächter hatte der KEK- Vorsitzende Dieter Dörr noch einmal vor einer Sondergenehmigung gewarnt. «Es bestehen erhebliche Gefahren für die Meinungsvielfalt», hatte Dörr am Montag in Mainz gesagt. Die Öffentlichkeit müsse sich «große Sorgen» machen, ob die Meinungsvielfalt im bundesdeutschen Fernsehen den «gebotenen Schutz» erfahre.
 

 

28.01. Übernahme von ProSiebenSat.1 - Gegner und Befürworter rüsten sich

Hamburg/Köln (dpa/lnw) - Gegner und Befürworter einer Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 durch den Axel-Springer-Verlag bringen sich in Position. Die Landesmedienanstalten mehrerer Bundesländer wollen versuchen, das Veto der Medienkontrollkommission KEK gegen die Fusion zu kippen und so doch noch die medienrechtliche Voraussetzung für das Geschäft schaffen. Die Zeitungsverlage M. DuMont Schauberg und Holtzbrinck bereiten nach Presseberichten rechtliche Schritte gegen eine mögliche Ministererlaubnis für die Übernahme vor. Mit dieser Sondererlaubnis, die Springer bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) beantragen kann, wäre das negative Votum des Bundeskartellamtes aufgehoben.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, geht davon aus, dass die Axel Springer AG sich vorbehält, «im Februar und März wieder Vorschläge zu machen, wenn man eine Ministererlaubnis beantragt». Der «Süddeutschen Zeitung» (SZ/Freitag) sagte Beck, es müsse abgewartet werden, welche Zugeständnisse Springer anbiete. Denkbar seien sowohl der Verkauf des Senders ProSieben als auch die Einrichtung eines Beirats mit «klarem Einfluss aufs Programm» und Redakteursstatute.

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten will sich am kommenden Dienstag (31. Januar) bei ihrer Tagung in Erfurt mit dem ablehnenden Votum der KEK beschäftigen. Für eine Aufhebung des KEK- Vetos ist eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich. Sollte die Konferenz die KEK-Entscheidung aber nicht abändern, bliebe sie wirksam. «Dann gibt es keine medienrechtlich zulässige Übernahme», sagte der Präsident der bayerischen Medienanstalt, Wolf-Dieter Ring. Daran könnte auch eine eventuelle Ministererlaubnis nichts ändern.
Springer bliebe dann nur noch der Rechtsweg, der aber äußerst langwierig sei.

Nach Berichten der «SZ» und der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» wollen der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg und der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag gegen eine mögliche Ministererlaubnis klagen. Beide Verlage wollten sich am Freitag auf Anfrage nicht zu diesen Meldungen äußern.
 

 

28.01. «SZ»: Saban sucht bereits nach neuen Käufern für ProSiebenSat.1

München (dpa) - Der ProSiebenSat.1-Eigner Haim Saban sucht wegen des möglichen Scheiterns des Senderverkaufs an den Axel Springer Verlag nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) nach anderen potenziellen Käufern. Wie die Zeitung am Freitag ohne Nennung von Quellen schreibt, laufen erste Sondierungsgespräche mit Finanzfirmen und der General Electric-Tochter NBC Universal. «Sie dürften sogar schon die Bücher («Due Dilligence») prüfen», hieß es in der Zeitung.

Springer habe keinen Exklusivvertrag mehr. Finde sich ein neuer Abnehmer, würde Springer seinen Anteil von knapp zwölf Prozent an der TV-Gruppe wohl gleich mitverkaufen.
 

 

27.01. FAZ: DuMont will Ministererlaubnis für Springer blockieren

Frankfurt/Berlin (dpa/bb) - Der Kölner Zeitungsverlag M. DuMont Schauberg («Express») will eine mögliche Ministererlaubnis für den Axel Springer Verlag zur Übernahme der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» mit einer Gerichtsklage blockieren. «Wir würden dagegen mit aller Konsequenz und auch gerichtlich vorgehen», erfuhr die FAZ (Freitagausgabe) aus Unternehmenskreisen. Springer prüft, nachdem das Bundeskartellamt dem Zeitungshaus die Übernahme der Fernsehgruppe verboten hat, bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) eine solche Sondergenehmigung einzuholen.

Doch gebe es bei Springer - so schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» - wegen möglicher Klagen von Wettbewerbern wie DuMont oder Holtzbrinck erhebliche Bedenken gegen diese Option. Die Konkurrenten könnten gegen eine Ministererlaubnis beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einlegen. Es sei dann damit zu rechnen, dass die Richter den Vollzug der Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Springer bis zum Urteil untersagten, hieß es. Damit würde das Milliardengeschäft für mindestens ein Jahr blockiert.
 

 

26.01. Medienanstalten wollen KEK-Votum zu ProSiebenSat.1- Übernahme kippen

Ludwigshafen/München (dpa) - Die Medienwächter in Rheinland-Pfalz und Bayern wollen das Votum der Medienkontrollkommission KEK gegen die Übernahmepläne Springers für ProSiebenSat.1 kippen. Am Donnerstag beauftragte der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) den Präsidenten mit großer Mehrheit, die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten anzurufen. Sie soll nach dem Willen der BLM die KEK-Entscheidung überprüfen und gegebenenfalls «durch einen eigenen Beschluss ersetzen». Der Hauptausschuss der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) beschloss dies ebenfalls. Dafür wäre mindestens eine Dreiviertel-Mehrheit der Direktorenkonferenz erforderlich, die am kommenden Dienstag (31. Januar) in Erfurt zusammenkommt.

Die KEK hatte im Falle einer Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern durch die Axel Springer AG das Entstehen einer vorherrschenden Meinungsmacht angenommen und daher ihr Veto gegen das Geschäft eingelegt. Nach Einschätzung des BLM-Medienrates ist diese Entscheidung rechtswidrig: Die KEK sei nicht befugt, eine Gesamtwürdigung des Vorhabens vorzunehmen, wenn die Schwelle von 25 Prozent Zuschaueranteil nicht erreicht sei, hieß es. «Dies ist nicht der Fall, da der auch von der KEK zu Grunde gelegte Marktanteil der ProSiebenSat.1 Media AG lediglich bei 22,06 Prozent liegt», hieß es. Auch der LMK-Hauptausschuss kam angesichts dieses Wertes zu dem Schluss, dass kein Tatbestand «für eine vorherrschende Meinungsmacht» gegeben sei. Er bezeichnete die Bewertung der KEK als «unzutreffend».

In der Diskussion erneuerte BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring seine Kritik an den Berechnungsmethoden der KEK, die nach einer Übernahme von ProSiebenSat.1 einen Meinungseinfluss von 42 Prozent für Springer sehe. Für einzelne Mediengattungen wie Fernsehen, Tageszeitungen, Publikumszeitschriften oder Online-Angebote operiere die Kommission dabei mit unterschiedlichen Bezugsgrößen. «Wir können uns nicht versagen, hier die Feststellung zu treffen, dass da Apfel mit Birnen verglichen werden», sagte Ring. Auch LMK-Direktor Manfred Helmes kritisierte die Berechnungsmethoden: «Insbesondere ist die Festsetzung der jeweiligen Umrechnungsfaktoren nicht hinreichend abgesichert und erscheinen in ihrem Ergebnis nicht nachvollziehbar», sagte er. Eine völlig andere Gewichtung sei ebenso denkbar.

Springer habe weitgehende Angebote zur Eindämmung der Meinungsmacht gemacht wie die Zusicherung, kein «Bild-TV» zu bringen, sagte Ring. Andere Mitglieder des BLM-Medienrates sehen bei einer ProSiebenSat.1-Übernahme durch ein inländisches Unternehmen den Medienstandort Deutschland gestärkt und warnten vor Auswirkungen auf die Arbeitsplätze, wenn stattdessen Investoren aus dem Ausland zum Zuge kämen.

Der Beschlussvorlage schlossen sich 28 Mitglieder des Medienrates an, fünf stimmten dagegen. «Ich bin froh darüber, dass hier so eine klare Position formuliert worden ist», sagte Ring. Prognosen zur Entscheidung der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten wollte er aber nicht abgeben, die Direktoren seien in ihrer Entscheidung unabhängig. Sollte die Konferenz die KEK-Entscheidung aber nicht abändern wollen, hätte deren Votum Gültigkeit. «Dann gibt es keine medienrechtlich zulässige Übernahme», sagte Ring; daran könnte auch eine eventuelle Ministererlaubnis nichts ändern. Springer bliebe dann nur noch der Rechtsweg, der aber äußerst langwierig sei.

Erst vor wenigen Tagen hatte auch das Kartellamt die Übernahmepläne gestoppt. Aus Sicht der Wettbewerbshüter würde durch das Geschäft eine zu große Medien- und Werbemacht Springers entstehen. Die Entscheidung des Kartellamts könnte durch eine Sondererlaubnis von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) aufgehoben werden, die jedoch in der großen Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD umstritten ist.
 

 

24.01. Springers letzte Chance: Ministererlaubnis für das TV-Geschäft?

Berlin (dpa) - Nun hat es die Axel Springer AG schwarz auf weiß:
Europas größtes Zeitungshaus («Bild», «Die Welt») darf Deutschlands größten Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 nicht übernehmen. Das Kartellamt sieht die Gefahr, dass mit dem Kauf ein Imperium entsteht, dass den Markt für Boulevardzeitungen beherrscht und zusammen mit dem Medienkonzern Bertelsmann und seiner RTL-Gruppe den TV-Werbemarkt dominiert. Nun könnte die Stunde der Gerichte schlagen - oder auch die von Bundeswirtschafsminister Michael Glos (CSU). Springer werde alle Rechtsmittel und Optionen prüfen, hieß es dazu am Montag lapidar aus dem Medienhaus.

Immer lauter werden die Stimmen aus der Union und der Medienwirtschaft, die eine Ausnahmegenehmigung für die Fusion fordern. Auch SPD-Politiker stehen einer «Ministererlaubnis» positiv gegenüber, fordern allerdings gewichtige Zugeständnisse. Dazu gehört der Verzicht auf den Sender ProSieben. Ein solches Angebot hatte Springer dem Kartellamt bereits unterbreitet. Doch die Behörde forderte, der Sender müsse bereits vor einer Übernahme der gesamten TV-Gruppe abgestoßen werden. Springer lehnte unter Hinweis auf das Aktienrecht ab - die Untersagung der Bonner Behörde ließ nur wenige Tage auf sich warten.

Müsste Glos über die Fusion befinden, wäre dies wohl eine sehr schwierige Entscheidung für den CSU-Minister. «Bild« beherrscht den dem Boulevardmarkt, ProSiebenSat.1, zu der auch 9Live, Kalen eins und
N24 gehören, ist zusammen mit der RTL-Gruppe auf dem privaten TV- Markt führend. Eine Ausnahmegenehmigung, wie sie zuletzt im Fall von EON/Ruhrgas erteilt wurde, dürfte heftige Spannungen in der großen Koalition auslösen.

Vor allem industriepolitische Gründe werden für die Fusion ins Feld geführt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach sich für eine Zusammengehen aus, weil ProSiebenSat.1 nicht in ausländische Hände fallen dürfe. Auch Länderchefs wie Kurt Beck (SPD) aus Rheinland-Pflaz, der Bayer Edmund Stoiber (CSU) sowie die Intendanten Fritz Pleitgen (WDR) und Markus Schächter (ZDF) plädieren für eine Erlaubnis. In der Medienwelt werden Stimmen für eine «nationale Lösung» laut. Die Gruppe gehört derzeit Ausländern - nämlich den Investoren um den amerikanischen Milliardär Haim Saban.

«Siege, wenn Du kannst, verliere, wenn Du musst, kapituliere nie» hatte Springer Vorstandschef Mathias Döpfner die Marschroute im TV- Projekt ausgeben. Ob die Kartellamts-Entscheidung ein Zwischenspiel ist, bleibt abzuwarten. Allerdings gibt es da noch das Veto der Medienfusionskontrolle KEK, die bereits eine Übernahme aus Furcht vor einer vorherrschenden Meinungsmacht verboten hatte. Doch auch hier haben die Landesmedienastalten signalisiert, dass sie die Kommissions-Entscheidung kippen könnten.

Wenn Springer der zukunftsweisende Weg versperrt wird, Druckerzeugnisse und Fernsehen unter einem Dach zu vereinen, wolle er das Glück woanders suchen - «in digitalen Märkten und im Ausland», hatte Döpfner erklärt. Auf beiden Gebieten ist Springer bereits erfolgreich. In Polen besitzt Springer mit «Fakt» das auflagenstärkste Boulevardblatt. Auch in anderen osteuropäischen Staaten, in Spanien und Frankreich ist der Verlag mit eigenen Produkten und Lizenzausgaben präsent. Im Internet sieht sich Springer gut aufgestellt. Mit «Bild.T.Online» verfügt das Medienhaus über eine starke Marke.
 

 

21.01. Erwin Huber fordert im Tauziehen um ProSiebenSat.1 Ministererlaubnis

München/Berlin (dpa) - Im Tauziehen um die Übernahme der Sendergruppe ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG hat Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) von seinem Parteifreund und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos eine Sondererlaubnis gefordert. «Die Übernahme durch Springer ist das beste für die Zukunft», sagte Huber dem Magazin «Focus». Glos müsse «abwegige Konstellationen» von Kommissionen und Kartellamt in diesem Sinne korrigieren. «Die SPD kann angesichts der Heuschrecken-Kampagne nichts dagegen haben», so der CSU-Politiker in dem Magazin.

Laut «Focus» will auch die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien Springer doch noch zu der umstrittenen Übernahme verhelfen.
Für diesen Donnerstag (26. Januar) sei kurzfristig eine Sitzung des Kontrollgremiums einberufen worden. Dabei solle über die Möglichkeit gesprochen werden, die Ablehnung der Medienkontrollbehörde KEK zu kippen.

Angesichts eines möglichen Einstiegs anderer ausländischer Medien- Investoren sieht der Chef der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, Norbert Schneider, den Gesetzgeber in der Pflicht. Bei der anstehenden Neufassung des Rundfunkstaatsvertrags werde man «über die Regulierung der Medienkonzentration dringend neu nachdenken müssen», sagte Schneider dem «Spiegel».

«Wir befinden uns aktuell doch in der Falle, dass wir eine kleine Kröte schlucken sollen, um eine größere zu verhindern», sagte Schneider. Die naheliegendste Möglichkeit sei eine gesetzliche Beschränkung des Medienbesitzes für ausländische Investoren wie etwa in den USA oder Frankreich: Dort dürfen Ausländer jeweils maximal 49 Prozent der Anteile an TV-Konzernen halten.

Es wird erwartet, dass kommende Woche allerdings auch das Bundeskartellamt die Übernahme des größten deutschen TV-Konzerns durch Europas führendes Zeitungshaus ablehnt. Glos kann mit der so genannten «Ministererlaubnis» diese Ablehnung freilich widerrufen.
Springer hatte im August 2005 die milliardenschwere Übernahme von
ProSiebenSat.1 angekündigt.
 

 

19.01. Tauziehen um ProSiebenSat.1 - «Konstruktive Gespräche» mit Saban

Berlin (dpa) - Das Tauziehen um ProSiebenSat.1 geht auch nach den ersten Gesprächen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und dem US- Investor Haim Saban weiter. Die am Dienstag begonnenen Gespräche verliefen «konstruktiv», sagte Konzernsprecherin Edda Fels am Mittwoch. «Derzeit gibt es keinerlei Anlass, davon auszugehen, dass man sich nicht über das weitere Vorgehen wird verständigen können», sagte Fels ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Laut Branchenkreisen ging es auch um Zinszahlungen von bis zu 50 Millionen Euro, die Springer an Saban im Verzugsfall leisten müsste.

Zuvor hatte es aus dem Medienhaus («Bild», «Die Welt») geheißen, Springer prüfe angesichts der als sicher geltenden Ablehnung der Übernahme durch das Bundeskartellamt sowohl eine so genannte Ministererlaubnis als auch den Rechtsweg, um die Sendergruppe trotzdem übernehmen zu können. Das Bundeskartellamt befürchtet bei einer Übernahme des größten deutschen TV-Senders durch Europas führendes Zeitungshaus eine marktbeherrschende Stellung des Unternehmens im Lesermarkt für Boulevardzeitungen und dem TV- Werbemarkt. Die Behörde will bis zum 27. Januar über den Fall entscheiden.

Springer hatte in der vergangenen Woche als Zugeständnis an das Kartellamt eine Herauslösung des Senders ProSieben aus dem Verkaufspaket der Investoren um Saban angekündigt, das Angebot am Montag jedoch wieder zurückgezogen. Begründet wurde dies mit rechtlichen Gründen, die einen Verkauf des Senders vor einer Übernahme der gesamten ProSiebenSat.1 Media AG ausschlössen. In Branchenkreisen gilt weiterhin ein Scheitern des Milliarden-Geschäfts als wahrscheinlich.

Koalitionspolitiker schließen eine Ausnahmegenehmigung des Bundeswirtschaftsministeriums zu der Übernahme nicht aus. Die medienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Monika Griefahn, sagte, für den Fall einer Ministererlaubnis müsse Springer damit rechnen, dass die Übernahme von ProSiebenSat.1 nur unter Auflagen genehmigt werde. Die SPD stehe einer Sondererlaubnis nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sagte sie der «Financial Times Deutschland». Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Wend, sagte, der Konzern müsse im Falle eines Antrags auf Ministererlaubnis «Vorschläge präsentieren, um das Ganze zustimmungsfähig zu machen.»

Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Eberhard Sinner, räumte Springer gute Chancen auf eine Ministererlaubnis ein. «Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Position auch in der Koalition mit der SPD mehrheitsfähig machen können», sagte Sinner der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Bündnis 90/Die Grünen und die Linkspartei haben sich grundsätzlich für die Abschaffung der Ministererlaubnis ausgesprochen. Der Deutsche Journalisten-Verband warnte vor einer Ausnahme. Es würde dadurch «ein Medienriese entstehen, dessen Einfluss auf die Meinungsbildung bedrohlich wäre».

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, ein möglicher Antrag auf eine Ministererlaubnis könne erst nach einer Entscheidung des Kartellamtes gestellt werden. Das Ministerium wolle sich mit der Frage erst befassen, wenn ein Antrag vorliege. Mit der Sondergenehmigung kann eine Unternehmensübernahme trotz Ablehnung der Kartellbehörden ermöglicht werden.

Der Tübinger Kartellrechtler Wernhard Möschel kritisierte das Bundeskartellamt. «Wenn man Marktanteilsziffern ohne Sinn und Verstand addiert, lässt sich leicht eine marktbeherrschende Stellung konstruieren», sagte Möschel dem «Handelsblatt» (Donnerstag). Er halte es wegen der langen Verfahrensdauer für unwahrscheinlich, dass Springer und Saban gegen eine Untersagung vor Gericht zögen.

Springer hatte im August 2005 die milliardenschwere Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern angekündigt. Im Kaufvertrag hatte sich Springer verpflichtet, alles zu unternehmen, um eine Zustimmung der Behörden zu bekommen. Das Angebot des Verlags, alle Programm- und Familienzeitschriften zu verkaufen, hatte das Kartellamt als unzureichend abgelehnt. Auch die Medienkontrollbehörde KEK hatte gegen die Fusion ein Veto eingelegt.
 

 

18.01. Chancen auf Ministererlaubnis für die Übernahme

Die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch) berichtete, Springer könne auf die Unterstützung der Politik hoffen. Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Eberhard Sinner, räume dem Verlagshaus gute Chancen auf eine Sondergenehmigung (Ministererlaubnis) durch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (beide CSU) ein. «Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Position auch in der Koalition mit der SPD mehrheitsfähig machen können», zitiert die Zeitung den Unionspolitiker.

Sinner warf dem Bundeskartellamt, das die Fernsehpläne von Springer voraussichtlich verbieten wird, demnach eine zu enge Betrachtung vor und forderte eine Liberalisierung des deutschen Kartellrechts. Die Axel Springer AG selbst hat sich bislang nicht festgelegt, ob sie nach dem erwarteten Veto des Kartellamts eine Sondergenehmigung bei Glos beantragen wird.

Bündnis 90/Die Grünen und die Linkspartei haben sich unterdessen für die Abschaffung der so genannten Ministererlaubnis ausgesprochen.
Die Sondergenehmigung müsse gestrichen und durch einen Paragrafen ersetzt werden, der dem Bundeswirtschaftsminister ermögliche, vom Kartellamt genehmigte Zusammenschlüsse zu untersagen, sagte Oskar Lafontaine, einer der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Die Linke, am Dienstag in Berlin.

Die Grünen argumentierten, der Bundeswirtschaftsminister könne derzeit zu Gunsten bestimmter Unternehmen und zu Lasten vieler Wettbewerber entscheiden. Die Unabhängigkeit des Bundeskartellamtes werde durch die Ministererlaubnis beschränkt. Den von den Entscheidungen des Kartellamtes betroffenen Unternehmen hätten die Möglichkeit, dagegen den Rechtsweg zu beschreiten.

Dass sich der Übernahmestreit in Richtung einer Sondergenehmigung durch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) entwickeln würde, sei vorhersehbar gewesen, sagte Lafontaine. Es sei daher «folgerichtig und vorausschauend», dass die Fraktion Die Linke vor Weihnachten den entsprechenden Gesetzentwurf eingereicht habe. Dieser werde am kommenden Donnerstag im Bundestag debattiert.
 

 

17.01. ZDF-Intendant Schächter für deutsche Lösung bei ProSiebenSat.1

Hamburg/Köln (dpa) - Bei dem angestrebten ProSiebenSat.1-Verkauf sehen die Intendanten von WDR und ZDF, Fritz Pleitgen und Markus Schächter, einem Engagement ausländischer Investoren skeptisch entgegen. Schächter sagte am Dienstag in Hamburg: «Die TV- Veranstalter aus dem eigenen Land sind mir lieber als die ausländischen Investoren, die ein globales Match spielen.» Er bevorzuge eine nationale Lösung, auch um Nachteile für den Standort Deutschland abzuwenden.

Nach Ansicht Pleitgens sollte die Axel Springer AG für die Übernahme von ProSiebenSat.1 eine «faire Chance» bekommen. Zwar könne Medienkonzentration ein Problem für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft werden, sagte Pleitgen am Dienstag in Köln. «Aber ich sehe nicht das Abendland durch den Springer- Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner bedroht.» Die Alternativen zu einer Übernahme der Sendergruppe durch Springer seien nicht alle wünschenswert für den deutschen Markt.
 

 

16.01. Im Kampf um ProSieben prüft Springer nun alle Wege

Berlin (dpa) - Der Einstieg von Springer ins Fernsehgeschäft ist fraglicher denn je: Mit der Ankündigung, nun doch nicht den Sender ProSieben verkaufen zu wollen, vollzieht das Medienhaus («Bild», «Die
Welt») eine Rolle rückwärts. Erst vier Tage nachdem Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner dem Bundeskartellamt den Verzicht auf ProSieben angeboten hatte, zog die Axel Springer AG am Montag die Offerte zurück. Ein Verkauf von ProSieben vor Übernahme der gesamten Gruppe komme nicht in Frage. Springer geht nun von einem Nein der Wettbewerbsbehörde aus. Danach will Europas größtes Zeitungshaus alle Rechtsmittel und Optionen prüfen.

Warum Döpfner innerhalb so kurzer Zeit einen Rückzieher macht, bleibt zunächst offen. Nicht auszuschließen ist, dass sich Springer nun Rückenwind von den Landesmedienanstalten erhofft, die das Veto der Medienfusionskontrolle kritisiert haben. Oder dass die ProSiebenSat.1.-Besitzer um den US-Geschäftsmann Haim Saban, der nach Medienberichten am Montag in Berlin erwartet wurde, der Abtrennung eines Senders nicht zugestimmt haben.

Die Zeichen für eine schnelle Lösung stehen so oder so schlecht.
Noch am Freitag hatte Kartellamtschef Ulf Böge bekräftigt, eine Zustimmung zum «Mediengeschäft des Jahrhunderts» sei nur möglich, wenn Springer vor Vollzug der Senderübernahme ProSieben verkaufe.
Eine andere Möglichkeit komme nicht in Frage - nicht einmal «für eine juristische Sekunde».

Ein Hoffnungsschimmer dürften für Springer die Äußerungen aus den Landesmedienanstalten sein. Die Anstaltsdirektoren erklärten am Freitag, das Veto der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) würde bei einer neuen Prüfung keinen Bestand haben. Es gebe vor allem Zweifel an der von der KEK benutzen Methode zur Berechnung einer vorherrschenden Meinungsmacht.

Schon bei der Verzichtserklärung auf ProSieben hatte Springer gewarnt, es seien noch schwere Hürden zu nehmen, ein Erfolg sei keineswegs sicher. Eine Abtrennung von ProSieben aus Deutschlands größtem TV-Konzern sei mit erheblichen Problemen verbunden. Jetzt zog Springer die Bremse. Nun werden sich möglicherweise die Richter mit dem Geschäft befassen. Denkbar ist aber auch, dass Springer eine Ausnahmegenehmigung bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) beantragt - die so genannte Ministererlaubnis.

Zwar hatten bereits mehrere ausländische Investoren Interesse an ProSieben angemeldet. Und auch der Bezahlsender Premiere spielte mit dem Gedanken einer Übernahme. Nicht auszuschließen ist, dass Saban nun seinen Konzern lieber zu einem späteren Zeitpunkt als Ganzes verkauft, als ihn jetzt auseinander zu reißen.

Dann käme ein ausländischer Investor für den Gesamtkonzern
ProSiebenSat.1 in Frage. An ProSieben allein haben nach dem bisherigen Stand der französische Konzern TF1 und die türkische Mediengruppe Dogan Media Group («Hürriyet») Interesse gezeigt.
Daneben hatte es auch mit der Beteiligungsgesellschaft Permira Gespräche gegeben, die Miteignerin des europäischen Medienkonzerns SBS ist.

Springer hat immer wieder betont, wenn das Fernsehgeschäft doch nicht gelingen sollte, entstehe für das Unternehmen kein finanzieller Schaden. Das Kartellrisiko soll bei Saban liegen. Nur wenn sich ein Abschluss länger hinziehen sollte, müsste Springer Verzugszinsen in Millionenhöhe zahlen.
 

 

15.01. Beliebter ProSiebenSat.1-Chef de Posch zwischen den Fronten

München (dpa) - Im Poker um Deutschlands größten TV-Konzern
ProSiebenSat.1 ist Vorstandschef Guillaume de Posch zwischen die Fronten geraten. Der angesehene Fernsehmanager soll auch nach der Übernahme der Sendergruppe durch den Springer-Verlag eine führende Rolle spielen. Nun allerdings soll ProSiebenSat.1 bereits vor der Übernahme durch Springer den Stammsender ProSieben verkaufen, damit das Kartellamt der Übernahme zustimmt. Das allerdings kann de Posch guten Gewissens kaum beschließen - schließlich ist er ja dem Interesse von ProSiebenSat.1 und seinen übrigen Aktionären verpflichtet. «Auch Springer ist sich bewusst, dass de Posch in einer sehr schwierigen Situation ist», heißt es in Branchenkreisen. Dieser sorge aber immerhin für Ruhe im Unternehmen. Springer sei in jedem Fall weiterhin von seinen Führungsqualitäten überzeugt.

Im Unternehmen ist de Posch beliebt. Der 47-Jährige ist stark präsent im Unternehmen und oft bis tief in die Nacht in seinem Büro.
«Er ist sehr fleißig», heißt es im Umfeld. Unter de Posch habe
ProSiebenSat.1 - begünstigt vom Ende der Branchenflaute - die Trendwende geschafft. Unter der Führung des Belgiers sei ein harter Sparkurs gefahren worden, die Einschaltquoten seien aber dennoch gestiegen, lobt auch Medienexperte Stefan Weiss von der WestLB.

Trotz des Sparkurses loben auch Arbeitnehmervertreter den Vorstandsvorsitzenden. Dieser sei ein verlässlicher Verhandlungspartner und habe eine umgängliche Art. «Manchmal hat er fast etwas Studentisches an sich», sagt einer. Die ganz eigene Art des Belgiers war denn auch bei der offiziellen Pressekonferenz zur Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Springer zu spüren. Man passe gut zusammen, witzelte der Belgier: Die Frauen bei ProSieben und Sat.1 sähen mindestens genauso gut aus wie die in der «Bild»- Zeitung.

Als de Posch vor knapp zwei Jahren die Nachfolge von Urs Rohner antrat, hätten ihn viele im Unternehmen unterschätzt, sagt ein Branchenexperte. Der Manager hatte allerdings schon viel Erfahrung in der Medienbranche vorzuweisen. Nach dem Betriebswirtschaftsstudium und Tätigkeiten beim Energiekonzern Tractebel und McKinsey war de Posch 1993 zur Compagnie Luxembourgeoise Telediffusion (heute: RTL Group) nach Luxemburg gewechselt. Er arbeitete zunächst als Assistent der Geschäftsführung und übernahm dann die Verantwortung für die TV- Aktivitäten der CTL in den französischsprachigen Ländern. Seit 1997 war er stellvertretender Geschäftsführer und Programmverantwortlicher des Pay-TV-Unternehmens TPS in Frankreich.

Nach der Übernahme von ProSiebenSat.1 holte der US-Milliardär Haim Saban den Belgier ins Unternehmen. Beide kannten sich von TPS. Daher galt de Posch - der zunächst für das operative Geschäft bei ProSiebenSat.1 verantwortlich war, ehe er offiziell Chef wurde - als Statthalter Sabans und damit als Übergangskandidat. Da Springer allerdings kaum über eigene TV-Expertise verfügt, soll er nun auch in Zukunft eine bedeutende Rolle im fusionierten Konzern spielen. «Das Management ist hervorragend, die Sendergruppe steht glänzend da», heißt es im Umfeld Springers. Nun muss de Posch allerdings all seinen Charme und sein diplomatisches Geschick einsetzen, um aus der Zwickmühle herauszukommen, in die er durch den geforderten Verkauf von ProSieben geraten ist.
 

 

14.01. Springers TV-Projekt weiter ungewiss - Kartellamt bleibt hart

Berlin/Bonn (dpa) - Der Einstieg der Axel Springer AG in das Fernsehgeschäft bleibt auch nach dem Verzicht auf einen Teil der Senderkette ProSiebenSat.1 ungewiss. Das Bundeskartellamt bekräftigte am Freitag seine Forderung nach Herauslösung von ProSieben aus dem Gesamtpaket vor Übernahme der Senderkette. Bei den in den nächsten Tagen beginnenden Neuverhandlungen zwischen Springer und der Investorengruppe um den Amerikaner Haim Saban müssten noch schwierige rechtliche und finanzielle Fragen geklärt werden, hieß es in Branchenkreisen.

Der Bezahlsender «Premiere» erklärte unterdessen einen Einstieg bei ProSieben für «grundsätzlich interessant». «Premiere» gilt auch als Wunschkandidat bei den Beschäftigten von ProSieben. Vorstandschef Georg Kofler sagte: «Bei vernünftigen Konditionen könnte ich mir das durchaus vorstellen». Ein «Premiere»-Sprecher erklärte, ein solcher Schritt würde zu den bisherigen Aussagen von Kofler passen, wonach eine Kombination von Free-TV und Pay-TV Sinn macht.

Das Veto der Medienfusionskontrolle KEK gegen die Springer- Übernahme wird nach Angaben der Medienanstalten keinen Bestand haben.
Es gebe Zweifel an der von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) angewandten Methode zur Berechnung einer vorherrschenden Meinungsmacht, erklärten die Direktoren in Berlin. Er erwarte nicht, dass der KEK-Beschluss Bestand habe, sagte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz, Reinhold Albert. Angesichts des Springer-Verzichts auf ProSieben würden die Medienanstalten (DLM) jedoch zunächst nicht eingreifen.

Kartellamtspräsident Ulf Böge wies Einwände Springers zurück, das Medienhaus («Bild», «Die Welt») habe vor einer Übernahme gar keine Möglichkeit, ProSieben aus der Sendergruppe herauszutrennen. «Es gibt einen Verkäufer und einen Käufer. Die wollen gemeinsam ein Geschäft machen. Es ist also deren Sache, sich zu verständigen, wie sie das Geschäft zu Stande bringen. Wir können nur darauf achten, was kartellrechtlich geht und was nicht», sagte Böge der dpa.

Mehrere ausländische Unternehmen bekundeten Interesse für einen Kauf von ProSieben. Es hätten sich bereits eine Reihe von Interessenten bei den Banken gemeldet, erfuhr die dpa aus Branchenkreisen. Es gebe auch bereits Sondierungsgespräche. Die Verhandlungen seien aber noch in einer sehr frühen Phase.

Springer hatte am Mittwoch bei seinem Verzicht auf ProSieben erklärt, das Medienhaus sei bereit, nur Sat.1, 9Live, Kabel eins und den Nachrichtenkanal N24 zu übernehmen. Damit war Europas größtes Zeitungshaus den Forderungen des Kartellamtes und der Medienfusionskontrolle entgegen gekommen.

«Wir haben durch diesen Schritt zunächst einmal Zeit gewonnen», hieß es aus Verlagskreisen. Hätte der Verlag dem Bundeskartellamt am Mittwoch keinen neuen Lösungsvorschlag gemacht, wäre die Untersagung sicher gewesen. Nun gelte es, die rechtlichen und wirtschaftlichen Probleme einer Herauslösung von ProSieben sorgfältig zu prüfen. Erst dann falle eine Entscheidung. Das bedeute allerdings auch, dass nach wie vor ein Scheitern der Übernahme möglich sei, sollte sich keine vernünftige Lösung finden lassen.

Nach Branchenkreisen will Springer bei den Gesprächen mit Saban hohe Zinszahlungen vom Tisch bekommen. Die wären fällig, wenn das Geschäft nicht vor dem 23. Januar zu Stande kommt. Eine Rolle dürften auch hohe Steuerzahlungen spielen, die bei einem Verkauf von ProSieben vor dem Jahr 2007 fällig würden. Beide Seiten hätten aber Zeit gewonnen, um die Herauslösung von ProSieben aus dem Kaufpaket zu organisieren.

Analysten hatten den möglichen ProSieben-Verkaufserlös in den vergangenen Tagen auf 800 Millionen bis eine Milliarde Euro geschätzt. Dem Vernehmen nach gehen die Beteiligten aber von einem deutlich höheren Preis aus. Nach gängigen Berechnungen komme man wegen der Ertragsstärke von ProSieben auf eine Bewertung des Senders von bis zu 2,4 Milliarden Euro. In jedem Fall würde sich die finanzielle Belastung für Springer bei einer Aufspaltung von ProSiebenSat.1 deutlich verringern. Da das Kartellamt aber darauf besteht, dass ProSieben bereits vor einer Übernahme des Konzerns durch Springer verkauft wird, ist noch unklar, wie die Aufspaltung realisiert werden kann.
 

 

14.01. KEK weist Kritik an Veto-Entscheidung zu Springers TV-Plänen zurück

Berlin (dpa) - Mit Unverständnis hat der Chef der Medienaufsicht KEK, Dieter Dörr, auf Aussagen der Landesmedienanstalten reagiert, in der die Ergebnisse der medienrechtlichen Prüfung des Kaufs von
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern in Zweifel gezogen wurden:
«Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, wie man einen Beschluss bewerten kann, den man noch gar nicht in der Hand hat und der noch gar nicht ausgefertigt ist», sagte der Vorsitzende der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) der Netzeitung (Samstag).

Das Gremium, von den Landesmedienanstalten zur Sicherung der Meinungsvielfalt berufen, hatte das Geschäft unter Führung des Mainzer Medienrechtlers wegen der Gefahr einer «vorherrschenden Meinungsmacht» als «nicht genehmigungsfähig eingestuft». Bislang liegt indes nur eine längere Presseerklärung Dörrs vor. Die ausführliche schriftliche Begründung steht noch aus. Dennoch hatte Reinhold Albert, Chef der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, nach einem Treffen mit seinen 14 Kollegen in Hannover gesagt, es bestünden «Zweifel an der von der KEK zu Grunde gelegten Berechnungsmethode der Anteile der anderen medienrelevanten Märkte».
 

 

14.01. Kartellamt: Bedingung für ProSiebenSat.1-Übernahme nicht weltfremd

Bonn (dpa) - Die Forderung nach einer Abtrennung von ProSieben vor einer ProSiebenSat.1-Übernahme durch die Axel Springer AG ist nach Ansicht von Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge nicht weltfremd. «Es wird ja nichts anderes erreicht als der angebotene Verzicht auf ProSieben, die Zeitachse bleibt dieselbe», sagte Böge am Freitag in einem dpa-Gespräch in Bonn.

Den Einwand, Springer habe ja vor einer Übernahme gar keine Möglichkeit, ProSieben aus der Sendergruppe herauszutrennen, wies Böge zurück: «Es gibt einen Verkäufer und einen Käufer. Die wollen gemeinsam ein Geschäft machen. Es ist also deren Sache, sich zu verständigen, wie sie das Geschäft zu Stande bringen. Wir können nur darauf achten, was kartellrechtlich geht und was nicht.»

Wenn Springer die Genehmigung zur Übernahme unter der Bedingung erteilt würde, ProSieben vorher herauszulösen, wäre die Genehmigung nach Böges Aussage nicht befristet, und beide Seiten könnten sich die nötige Zeit nehmen. Bei einer Übernahme der gesamten Gruppe mit der Auflage, ProSieben erst danach zu verkaufen, sähe das anders aus, sagte Böge: «Dann müsste das Kartellamt in der Tat eine sehr enge zeitliche Befristung vorsehen.»

Ein weiteres Risiko aus Sicht der Wettbewerbshüter wäre, dass der Vollzug einer kompletten Übernahme aus wirtschaftlichen und steuerlichen Gründen ein Jahr oder länger dauern könnte. «Und es kann natürlich keiner sagen, was nach einem Jahr ist. Das wäre eine Entscheidung mit einem hohen Risiko.»

Beispielsweise sei es denkbar, dass die Aktionärsvertreter sich im Nachhinein einem Verkauf von ProSieben widersetzen würden. In diesem Sinn sei die vom Kartellamt erwogene Genehmigung der Übernahme durch Springer unter der Bedingung, dass ProSieben vorher herausgelöst wird, «die kartellrechtlich saubere, aber auch einzige Lösung».
 

 

14.01. Kartellgesetz und Rundfunkstaatsvertrag - Die Grundlagen der Prüfung

Hamburg (dpa) - Zwei Begriffe tauchen immer wieder auf, wenn sich die Prüfgremien negativ über die geplante Fusion der Medienkonzerne
ProSiebenSat.1 und Axel Springer äußern: «marktbeherrschende Stellung» und «vorherrschende Meinungsmacht». Anders als bei der vom Holtzbrinck-Verlag geplanten - und vom Bundeskartellamt untersagten - Übernahme der «Berliner Zeitung» ist bei Springers Einstieg ins Fernsehgeschäft neben der Kartellbehörde ein zweites Gremium
eingeschaltet: die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK).

Die Tätigkeit von Kartellamt und KEK fußt auf ganz unterschiedlicher gesetzlicher Grundlage. Das Bundeskartellamt prüft nach dem 1958 in Kraft getretenen - und seither sieben Mal überarbeiteten - Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (auch Kartellgesetz genannt), ob durch eine Firmenfusion eine «marktbeherrschende Stellung» entsteht oder verstärkt wird. Die erst
1997 eingesetzte KEK untersucht auf der Grundlage des von den Bundesländern abgeschlossenen Rundfunkstaatsvertrags, ob im Bereich des Privatfernsehens eine «vorherrschende Meinungsmacht» geschaffen wird.

Beide Begriffe werden im jeweiligen Gesetzestext näher, aber nicht eindeutig definiert. Daher sind auch während des monatelangen Prüfverfahrens immer wieder unterschiedliche Rechtsauffassungen geäußert worden. Das Problem beginnt mit der Abgrenzung des Marktbereichs, für den Beherrschung oder Meinungsmacht festgestellt werden. Im Kartellgesetz ist die Rede von «dem sachlich und räumlich relevanten Markt». In seinem Zwischenbescheid an Springer bezog sich das Kartellamt ausdrücklich auf den Markt für Fernsehwerbung, den Lesermarkt für Straßenverkaufzeitungen sowie den bundesweiten Markt für Zeitungsanzeigen.

Eine Marktbeherrschung wird laut Kartellgesetz vermutet, wenn ein Unternehmen einen Marktanteil von mindestens einem Drittel hat. Das Kartellamt sieht bei Springer eine marktbeherrschende Stellung auf dem Lesermarkt für Boulevardzeitungen («Bild») und im nationalen Anzeigengeschäft, die durch die Fusion noch verstärkt würde. Dieser Marktabgrenzung widerspricht Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
energisch: In der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» betonte er, im Anzeigengeschäft konkurriere «Bild» nicht in erster Linie mit den überregionalen, sondern mit den Regionalzeitungen, die 68 Prozent des Marktes ausmachten. Überhaupt vermisst der Springer-Chef eine klare Linie bei der Marktabgrenzung: «Das Kartellamt sieht es mal so, mal so.»

Auch die Definition der «vorherrschenden Meinungsmacht» ist im Rundfunkstaatsvertrag in Prozentzahlen definiert. Sie ist gegeben, wenn «die einem Unternehmen zurechenbaren Programme» im Jahresdurchschnitt einen Zuschaueranteil von 30 Prozent haben. Dies gilt auch, wenn der Anteil nur bei 25 Prozent liegt, das Unternehmen aber «auf einem medienrelevanten verwandten Markt eine marktbeherrschende Stellung hat» oder wenn eine Gesamtbeurteilung seiner entsprechenden Aktivitäten ergibt, dass der Meinungseinfluss dem eines Unternehmens mit 30 Prozent Zuschaueranteil entspricht. Auf dieser Grundlage errechnete die KEK, die erstmals mit einem derartigen Fall befasst ist, einen Einfluss Springers, der einem Zuschaueranteil von 42 Prozent entspricht.

Diese Berechnung ist bei Betroffenen und Fachleuten umstritten, denn sie beruht auf einer Umrechnung von Medieneinfluss außerhalb des Fernsehens in TV-Meinungsmacht. Und Springer-Chef Döpfner moniert zudem, dass die KEK sie überhaupt angestellt hat. Immerhin liegt
ProSiebenSat.1 mit einem Zuschaueranteil von 22 Prozent klar unter der 25-Prozent-Grenze, von der an die verwandten Medienmärkte in die Berechnung einbezogen werden sollen.
 

 

14.01. «FTD»: Krisentreffen von Saban und Döpfner kommende Woche

Hamburg (dpa) - Der US-Milliardär Haim Saban und der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, wollen sich einem Bericht der «Financial Times Deutschland» zufolge in der kommenden Woche treffen, um über einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben zu beraten.
Wenn der Deal nicht bis zum 23. Januar unter Dach und Fach sei, müsse Springer monatlich 25 Millionen Euro an Verzugszinsen aufbringen, schreibt die Zeitung (Freitag) unter Berufung auf Verlagskreise.
Saban wolle möglichst schnell Geld sehen, da das Geschäft nach dem Veto der Aufsichtsbehörden nun aber nicht wie geplant zustande komme, werde neu verhandelt.

Saban habe zwar großes Interesse daran, dass es bei Springer bleibe, schreibt die Zeitung weiter. Vorsorglich sehe er sich allerdings auch nach anderen Interessenten um. Ab dem 5. März könnte Saban von dem Vertrag mit Springer zurücktreten. Als Interessenten nennt das Blatt neben dem französischen Fernsehkonzern TF1 auch die skandinavische SBS mit dem Finanzinvestor Permira im Hintergrund sowie den TV-Konzern CME des Parfüm-Erben Ronald Lauder. Als denkbar gelte auch die Variante, dass ein möglicher Käufer sich gleichzeitig um einen Einstieg beim Bezahlsender Premiere bemühe.
 

 

13.01. Springer ringt seit Monaten um den Kauf von ProSiebenSat.1

Hamburg (dpa) - Seit rund einem halbem Jahr ringt die Axel Springer AG mit dem Bundeskartellamt um die Erlaubnis für den Kauf von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1. Eine
Chronologie:

5. August 2005: Der Zeitungskonzern kündigt die Übernahme an. Für die Kontrolle über Fernsehsender wie ProSieben, Sat.1 und N24 will Springer knapp 2,5 Milliarden Euro an die Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban zahlen.

16. August 2005: Der Verlagskonzern meldet wie vorgeschrieben die geplante Übernahme beim Bundeskartellamt an.

18. November 2005: Das Kartellamt äußert Bedenken, dass sich durch den Zusammenschluss die Wettbewerbsbedingungen auf dem Fernsehwerbemarkt verschlechtern. Zudem würde eine Fusion die marktbeherrschenden Stellung der Axel Springer AG verstärken.

19. Dezember 2005: Auf Antrag von Springer verlängert das Kartellamt die Frist für die Prüfung bis zum 20. Januar.

6. Januar 2006: Das Bundeskartellamt lehnt die angebotenen Zugeständnisse von Springer als unzureichend ab. Nur der Verkauf von «Bild» oder eines großen Senders könne die Übernahme ermöglichen.

10. Januar 2006: Die für Übernahmen auf dem Fernsehmarkt zuständige Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) sieht die Meinungsvielfalt bedroht und lehnt die geplante Übernahme ab.

11. Januar 2006: Die Axel Springer AG bietet den Verkauf des Fernsehsenders ProSieben an. Das Bundeskartellamt besteht darauf, dass der Sender vor einer Übernahme aus dem ProSiebenSat.1-Konzern herausgelöst wird.
 

 

13.01. Medienexperte: Alte Strukturen belasten moderne Medienwirtschaft

Hamburg (dpa) - Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister hat angesichts der Diskussionen rund um die geplante Übernahme der
ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG die deutschen Medienkontrolleure scharf kritisiert. «Die Pläne, einen Beirat für
Sat.1 zu schaffen sind weltfremd, dahinter steckt keine Logik, keine Ordnung», sagte der Leiter des Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik am Donnerstag in einem dpa-Gespräch. Dennoch werde es zu einem Deal kommen.

Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich
(KEK) hatte Springer die Auflage erteilt, im Falle der Übernahme einen Fernsehbeirat für Sat.1 zu schaffen, der aus verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen besteht. «Mit Vertretern der Versehrten- und Bauernverbände würden alte Strukturen geschaffen, die der modernen Medienwirtschaft nicht gerecht werden», sagte Hachmeister.
« In der KEK will sich doch nur jeder selber profilieren und die Chance nutzen, in die Medien zu kommen.»

Eine Kontrolle müsse es zwar geben, aber eine sinnvolle. Nun aber müssten Heerscharen von Juristen aufgeboten werden, um laue Kompromisse herbeizuführen. Dabei würden Zeitverzögerungen auftreten, die niemandem nützten. «Trotzdem wird es zum Deal kommen, weil es sich um ein für Springer zu prestigeträchtiges Unterfangen handelt, als dass man es fallen lassen könnte.» Dem Angebot des Verlages, den Sender ProSieben zum Verkauf zu stellen, werde sich das Kartellamt nicht entziehen können.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird nach Hachmeisters Einschätzung ein ausländisches Unternehmen den Zuschlag für ProSieben bekommen.
Bereits im Gespräch war der französische Privatsender TF1. «Auch für den US-Konzern General Electric böte sich die Chance, seinen Einfluss zu erweitern», sagte Hachmeister. «Denn der hat mit dem Standbein Das Vierte im deutschen Free-TV-Markt bisher recht wenig.»
 

 

12.01. ProSieben-Verkauf: Springer setzt alles auf eine Karte

Berlin/Frankfurt (dpa) - Im Kampf um die Übernahme von
ProSiebenSat.1 hat die Axel Springer AG das Blatt dramatisch
gewendet: Bisher kämpfte das Medienhaus um den Kauf der gesamten ProSiebenSat.1-Gruppe. Nun will Springer ausgerechnet ProSieben, den Stammsender von Deutschlands größtem TV-Konzern, aus dem Übernahmepaket lösen und damit doch noch eine Erlaubnis für den Einstieg in das TV-Geschäft bekommen. Ob dieser Schachzug zum Ziel führt, ist fraglich.

Springer will ProSieben erst nach einer Übernahme der Gruppe verkaufen. Das Kartellamt fordert dagegen, dass das Medienhaus vor Vollzug des Geschäfts auf ProSieben verzichtet. Für diesen Fall müssten die Verhandlungen mit den Investoren um den Amerikaner Haim Saban neu aufgerollt werden. Die Wettbewerbshüter ließen durchblicken, dass eine an Bedingungen geknüpfte Zustimmung denkbar wäre. Demnach könnte die Übernahme von Sat.1, Kabel eins, Neun Live und N24 wirksam werden, wenn Springer den Verkauf von ProSieben vollzieht. Es soll bereits mehrere Interessenten geben.

Der Verzicht auf ProSieben dürfte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner nicht leicht fallen. Monatelang hatte Springer mit der Medienfusionskontrolle KEK und dem Kartellamt um ein Gesamtpaket gestritten. Nun will Springer ausgerechnet den Geldbringer ProSieben aufgeben. Der Schritt löst bei Analysten Rätselraten aus.

Zwar dürften die Zweifel der Behörden mit dem Angebot, theoretisch aus der Welt zu schaffen sein. Doch wie eine Trennung praktisch aussehen könnte - darüber herrscht Rätselraten. ProSieben und Sat.1 sind eng verzahnt. N24 ist Nachrichtenlieferant für alle Sender des Konzerns, die Filmrechte liegen bei der Holding und in der Vermarktung von Werbezeit ziehen alle Kanäle an einem Strang.

«Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie das laufen soll. Der Deal müsste komplett neu aufgedröselt werden», sagte Analyst Florian Leinauer von der hessisch-thüringischen Landesbank Helaba. Mit einem Wegfall von ProSieben als profitabelsten Sender würde der gesamte Konzern erheblich an Attraktivität verlieren.

«Siege, wenn Du kannst, verliere, wenn Du musst, kapituliere nie» hatte Döpfner die Marschroute im TV-Projekt ausgeben. Falls der zukunftsweisende Weg versperrt bleibe, Druckerzeugnisse und Fernsehen unter einem Konzerndach zu vereinen, wolle er das Glück woanders suchen - «in digitalen Märkten und im Ausland». Auf beiden Gebieten ist Springer bereits aktiv und erfolgreich.

In Polen besitzt Europas größtes Zeitungshaus «Fakt», das auflagenstärkste Boulevardblatt des Landes mit rund einer halben Million verkaufter Exemplare und mehr als 3,5 Millionen Lesern. Auch in anderen osteuropäischen Staaten, in Spanien und Frankreich ist Springer mit eigenen Produkten und Lizenzausgaben präsent. Knapp 16 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Springer außerhalb Deutschlands.

Auch im Internet sieht sich Springer gut aufgestellt. Mit «Bild.T.Online» verfügt das Haus über eine starke Marke, die es für neue Inhalte wie Sport oder Filme nutzen kann. Bei anderen Online- Angeboten für Immobilien oder Autos ist Springer führend. Andere große Zeitungshäuser wie die «New York Times» machen mit Online- Portalen bereits lukrative Geschäfte.

Nach Ansicht von Experten würde Sat.1 als Springer-Flaggschiff im frei empfangbaren Fernsehen eine gute Figur machen. Mit den selbstproduzierten Filmen und Familienshows, den Telenovelas, Quizsendungen und Boulevardmagazinen passe der Berliner Sender gut zum Medienhaus und seinen Publikationen. ProSieben hat sich dagegen als Abspielsender für Serien und Filme profiliert. Angesichts der Entwicklung des Bezahlfernsehens, der Gründung neuer Film-Kanäle und der rasanten Fortschritte beim Internet-TV könnte diese Stärke immer unwichtiger werden.
 

 

12.01. Springer kommt Kartellamt entgegen: Verkauf von ProSieben angeboten

Berlin/Bonn (dpa) - Die Chancen für eine Genehmigung der Fernsehpläne der Axel Springer AG sind deutlich gestiegen. Der Medienriese hat dem Bundeskartellamt am Mittwoch den Verkauf des Fernsehsenders ProSieben angeboten und ist damit Forderungen der Bonner Wettbewerbshüter entgegen gekommen. Sie hatten entweder einen Verkauf der «Bild»-Zeitung oder eines der beiden Sender von
ProSiebenSat.1 zur Bedingung gemacht.

Strittig ist allerdings der Zeitpunkt: Während Springer sich erst nach einer vollzogenen ProSiebenSat.1-Übernahme von ProSieben trennen will, besteht das Kartellamt darauf, dass dieser Sender vor einer Übernahme aus dem ProSiebenSat.1-Konzern herausgelöst wird. In Branchenkreisen wird deshalb auch nicht damit gerechnet, dass die Transaktion in der vom Kartellamt verlangten Weise über die Bühne geht. Die Axel Springer AG selbst kündigte am Mittwoch in Berlin an, man müsse prüfen, «ob die (vom Kartellamt) vorgeschlagene Gestaltung wirtschaftlich und rechtlich überhaupt umgesetzt werden kann».

Aus Sicht des Bundeskartellamtes kommt «nach vorläufiger Einschätzung» eine Freigabe des Zusammenschlusses «nur unter einer aufschiebenden Bedingung in Betracht». Das bedeute, dass der mittlerweile von Springer angebotene Verkauf «an einen unabhängigen Erwerber» von ProSieben «vor dem Zusammenschluss erfolgen müsste».
Auch eine Vermarktung des Senders habe «durch einen Dritten und nicht durch Seven-OneMedia vor dem Zusammenschluss» zu erfolgen.

Der Verlag hatte nach dem Veto der Medienfusionskontrolle KEK vom Dienstag betont, dass er sein Fernsehprojekt nicht aufgeben wolle.
« Wir halten an den Plänen so lange fest, wie wir eine Chance sehen, sie zu realisieren», sagte Konzernsprecherin Edda Fels am Mittwoch.
Die Wettbewerbsbehörde muss bis zum 20. Januar über die Fusion entscheiden.

Die KEK hatte die ProSiebenSat.1-Übernahme mit der Begründung abgelehnt, durch den Kauf würde Springer eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen und die Meinungsvielfalt bedrohen. Bei einem Verzicht auf einen der beiden großen Sender sieht der KEK-Vorsitzende Dieter Dörr aber Chancen für eine nachträgliche Genehmigung der Fernsehpläne. «Springer müsste dann einen neuen Antrag stellen. Und falls das Unternehmen auf ProSieben oder Sat.1 verzichtet, würden wir diesem auch zustimmen», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Donnerstagausgabe).

Beim ProSiebenSat.1 ist unterdessen heftiger Widerstand gegen einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben bei einer Übernahme durch den Springer- Konzern zu erwarten. Der Vorstand könne einem Verkauf des Stammsenders nicht zustimmen, weil dieser Schritt nicht im Interesse des Unternehmens sei, hieß es am Mittwoch in Branchenkreisen. Die Integration von Sat.1 sei nicht einfach gewesen, nun gebe es zahlreiche Synergien zwischen den beiden Hauptsendern der TV-Gruppe. ProSieben hatte jahrelang den Großteil der Gewinne für den Konzern beigesteuert.
 

 

12.01. Widerstand bei ProSiebenSat.1 gegen Senderverkauf erwartet

München (dpa) - Beim TV-Konzern ProSiebenSat.1 ist heftiger Widerstand gegen einen möglichen Verkauf des Senders ProSieben bei einer Übernahme durch den Springer-Konzern zu erwarten. Der Vorstand könne einem Verkauf des Stammsenders nicht zustimmen, weil dieser Schritt nicht im Interesse des Unternehmens sei, hieß es am Mittwoch in Branchenkreisen. Die Integration von Sat.1 sei nicht einfach gewesen, nun gebe es zahlreiche Synergien zwischen den beiden Hauptsendern der TV-Gruppe. ProSieben hatte jahrelang den Großteil der Gewinne für den Konzern beigesteuert.
 

 

12.01. ProSieben: Kern des TV-Konzerns und Ertragsperle

München (dpa) - Der Sender ProSieben ist der Kern des TV-Konzerns
ProSiebenSat.1 und jahrelange Ertragsperle des Unternehmens. Auf Sendung ging ProSieben am 1. Januar 1989, einige Jahre nach dem Schwestersender Sat.1. Im Herbst 1990 war der Spielfilmkanal der erste Sender in Deutschland, der rund um die Uhr sendet. Die Erfolgsgeschichte des Privatsenders, der zur KirchGruppe gehörte, wurde im Sommer 1997 gekrönt: ProSieben ging unter der Führung von Vorstandschef Georg Kofler an die Börse.

Im Sommer 2000 schlossen sich ProSieben und Sat.1 zum größten deutschen Fernsehunternehmen zusammen. Die Integration des ertragsschwachen Senders Sat.1 gestaltete sich schwierig, ProSieben musste lange Zeit für den Großteil der Gewinne sorgen.

Während Sat.1 breiter aufgestellt ist, hat ProSieben noch immer seinen Schwerpunkt im Bereich der Spielfilme. Im Jahr 2005 ging der Marktanteil in der Gruppe der für die Werbebranche interessanten 14- bis 49-Jährigen leicht auf 11,7 Prozent zurück. Besonders erfolgreich waren Filme wie «Spiderman» und «Men in Black II». Im Programm sind auch US-Serien wie «Desperate Housewives» und TV Total mit Stefan Raab.

Auch wirtschaftlich ist ProSieben für die Gruppe trotz zeitweilig etwas schwächerer Phasen von großer Bedeutung. In den ersten neun Monaten 2005 stieg der ProSieben-Umsatz leicht auf 532 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern ging von gut 115 auf 110,5 Millionen Euro zurück. Damit steuerte ProSieben mehr als die Hälfte des Konzerngewinns von knapp 203 Millionen Euro bei.
 

 

12.01. Medienwächter Helmes: Fusion Springer/ProSiebenSat.1 denkbar

Ludwigshafen (dpa) - Eine Fusion des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 mit dem Verlag Axel Springer kann sich der Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland- Pfalz, Manfred Helmes, «unter substanziellen Auflagen» vorstellen.
Nach der Ablehnung des Geschäfts durch die Medienkontrollkommission KEK sagte Helmes der dpa am Mittwoch in Ludwigshafen: «Ich war von Anfang an dafür, das ist kein Geheimnis. Nur: Ich bin natürlich dafür, dass entsprechende Regeln der Vielfalt gesichert werden. Also:
Es gibt kein "Dafür" ohne entsprechende Grundlagen.»

Über diese Bedingungen werde er an diesem Freitag mit seinen Kollegen der anderen Landesmedienanstalten sprechen, sagte Helmes.
Die Direktoren der 15 Anstalten können den ablehnenden Beschluss der KEK mit Dreiviertel-Mehrheit überstimmen. Am Freitag wird jedoch noch keine Entscheidung erwartet.

Helmes widersprach Vorstellungen der KEK, dass die unternehmerische Verantwortung für einen der großen Sender des Konzerns - ProSieben oder Sat.1 - auf einen extern besetzten Fernsehbeirat übertragen werden solle. «Die unternehmerische Verantwortung muss beim Unternehmen bleiben», forderte er. «Das ist keine Bedingung, das ist eine Selbstverständlichkeit.»
 

 

11.01. Hängepartie für ProSiebenSat.1: TV-Konzern kann nichts erschüttern

München (dpa) - Das mögliche Scheitern der Übernahme durch den Springer-Verlag kann Führung und Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 nicht erschüttern. «Springer wäre für uns schon so etwas wie ein Wunschpartner», hieß es am Mittwoch in Arbeitnehmerkreisen. «Wir haben aber schon schwierigere Zeiten gehabt.» Deutschlands größter TV-Konzern hat in den vergangenen Jahren zu viele Kapriolen erlebt, als dass die Probleme bei der Springer-Übernahme nun allzu große Verunsicherung hervorrufen würden.

Die Medienkontrollkommission KEK hatte am Dienstag die Übernahme durch Springer abgelehnt. Zwar gibt es noch einige Hintertüren für das Verlagshaus, aber da auch das Bundeskartellamt zu viel Medienmacht für Springer («Bild», «Welt») im Falle einer Übernahme sieht, ist es wahrscheinlicher geworden, dass Springer die Pläne aufgibt. Die Beschäftigten hatten Hoffnungen auf Springer gesetzt, weil der Verlag als zuverlässiger Arbeitgeber gilt und es kaum Überschneidungen zwischen den beiden Unternehmen gibt. Eine ProSiebenSat.1-Sprecherin betonte am Mittwoch, das operative Geschäft der Senderkette sei von der unklaren Eigentümerfrage nicht betroffen.
« Bei uns geht alles seinen Gang.» Das Geschäft laufe gut.

Ursprünglich hatte ProSiebenSat.1 zum Medienimperium von Leo Kirch gehört. Als dessen Reich 2002 zusammenbrach, begann für die Senderkette eine lange Hängepartie. Zunächst sollte der Konzern an den Bauer-Verlag verkauft werden, der aber in letzter Minute zurückzog. Schließlich sicherte sich im Sommer 2003 der US-Milliardär Haim Saban gemeinsam mit einer Gruppe von Investoren die Mehrheit an der ProSiebenSat.1 Media AG. Mit dem Verkauf an Springer, der im August vergangenen Jahres verkündet wurde, sollte der Konzern jetzt eigentlich in einen sicheren Hafen kommen.

Wenn das Geschäft nun scheitert, fällt das Unternehmen wieder an Saban zurück, der einen neuen Käufer suchen muss. «Dann machen wir halt noch einmal zwei Jahre mit Saban weiter», hieß es in Arbeitnehmer-Kreisen. Im Umfeld des Unternehmens wird betont, unter Saban und den anderen neuen Besitzern sei zwar ein harter Sparkurs gefahren worden, dieser sei aber ohnehin notwendig gewesen. Daher könne ProSiebenSat.1 gut damit leben, wenn das Saban-Konsortium weiter engagiert bliebe.

Mitarbeiter und Unternehmen sehen die Eigentümer-Frage inzwischen auch gelassener, weil die Sendergruppe wirtschaftlich deutlich besser da steht. Im vergangenen Jahr hat der Konzern Umsatz und Ergebnis laut letzten Prognosen steigern können. In den ersten neun Monaten
2005 legte der Vorsteuer-Gewinn um zwei Drittel auf 203 Millionen Euro zu. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2002 - also dem letzten vor der Übernahme durch Saban - hatte ProSiebenSat.1 vor Steuern einen Konzerngewinn von 21 Millionen Euro ausgewiesen.

Noch ist Springer aber nicht aus dem Spiel. Am Freitag könnten die Direktoren der Landesmedienanstalten die KEK überstimmen. Möglich ist auch, dass Springer dem Kartellamt noch größere Zugeständnisse macht.
Theoretisch würde der Weiterverkauf eines der beiden Hauptsender - also ProSieben oder Sat.1 - die Kartellwächter umstimmen. Dieses Szenario sorgt im TV-Konzern schon für mehr Unruhe. «Dem könnte der Vorstand nicht zustimmen, weil es nicht im Interesse des Unternehmens ist», sagt ein Branchenkenner. Die Integration von Sat.1 in den ProSieben-Konzern war schwierig genug. Nun will das Unternehmen auf die Synergien zwischen den Sendern nicht mehr verzichten.
 

 

11.01. Medienkontrollkommission verteidigt Entscheidung gegen Springer

Berlin (dpa) - Die Medienkontrollkommission KEK hat die Entscheidung gegen die Übernahme des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 durch die Axel Springer AG verteidigt. Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit in Deutschland würden durch eine solche Übernahme gefährdet, sagte der Vorsitzende der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), Dieter Dörr, am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur.

Die KEK dürfe keine politischen oder wirtschaftlichen Kriterien bei ihrer Beurteilung berücksichtigen und müsse sich am Rundfunkstaatsvertrag orientieren, betonte Dörr. Wenn vorherrschende Meinungsmacht einmal entstanden sei, «kann man sie nicht mehr rückgängig machen oder jedenfalls nur ganz schwer», sagte Dörr. Dies zeige das Beispiel Italien sehr plastisch.

Kritik an der KEK-Entscheidung übte der Geschäftsführer des Adolf- Grimme-Instituts, Uwe Kammann. Die Kommission habe zu streng geurteilt, sagte Kammann demselben Sender. Die Kommission sehe eine vorherrschende Meinungsmacht schnell erfüllt, doch bleibe die Frage, ob sich das Gremium mit seiner Entscheidung einen Gefallen erwiesen habe. Die Ablehnung sei eine Einladung für ausländische Investoren, den deutschen Konzern ProSiebenSat.1 zu übernehmen. «Ich glaube, das könnte ein klassisches Eigentor sein», sagte Kammann.

Die KEK hatte am Dienstag die ProSieben-Übernahme mit der Begründung abgelehnt, durch den Kauf würde Spriger eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen. Bis zum 20. Januar will auch das Bundeskartell über die wirtschaftlichen Folgen einer Fusion entscheiden. Das Kartellamt hatte bereits in zwei Zwischenbescheiden die Übernahme kritisiert.
 

 

11.01. Grimme-Geschäftsführer: KEK urteilte zu streng

amburg (dpa) - Kritik an der Entscheidung der Medienkontrollkommission KEK gegen die Übernahme des Fernsehkonzerns
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag hat der Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann, geübt. Die KEK habe zu streng geurteilt, sagte Kammann am Mittwochmorgen im Deutschlandradio Kultur. Die Kommission sehe eine vorherrschende Meinungsmacht schnell erfüllt, doch bleibe die Frage, ob sich das Gremium mit seiner Entscheidung einen Gefallen erwiesen habe.

Die Ablehnung sei eine Einladung für ausländische Investoren, den deutschen Konzern ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Damit könnten publizitätsfremde Überlegungen im Vordergrund stehen. Kammann: «Ich glaube, das könnte ein klassisches Eigentor sein.»

Nach Ansicht Kammanns ist der jetzige Genehmigungsprozess für eine Übernahme wie die von ProSiebenSat.1 noch in der alten nationalen Ordnung verhaftet. Mit der zunehmenden Digitalisierung würden sich aber klassische Konstellationen von monopolisierter Meinungsmacht auflösen. In Zukunft werde wichtiger, wer beispielsweise die Inhalte bei den Kabelgesellschaften kontrolliere. Kammann: «Es wird sich etwas ganz Neues entwickeln, und das wird sich mit diesen bisherigen Rechtsmitteln gar nicht steuern lassen.»
 

 

11.01. NRW-Landesregierung kritisiert Nein zu Springers Fernsehplänen

Düsseldorf (dpa) - Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat das Nein der Medienkontrollkommission KEK zur Übernahme von
ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern kritisiert. Der KEK sei bei einer wichtigen wirtschaftlichen und publizistischen Fragestellung das Augenmaß abhanden gekommen, sagte am Dienstag NRW- Medien-Staatssekretär Thomas Kemper. Die Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten habe jetzt die Chance, «den Weg für eine wirtschaftlich und publizistisch vertretbare Lösung zu ebnen». Die Medienwächter hatten die Fernsehpläne von Springer mit der Begründung abgelehnt, der Verlag würde eine vorherrschende Meinungsmacht erlangen.
 

 

11.01. KEK-Entscheidung von SPD- und Grünenpolitikern begrüßt

Berlin (dpa) - Medienpolitiker von SPD und Grünen haben die ablehnende Entscheidung der Medienkontrollkommission KEK zur Übernahme von ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG begrüßt. Sie sei folgerichtig und konsequent, teilte der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, am Dienstag mit. Er forderte die Landesmedienanstalten auf, sich nicht über das Votum der KEK hinwegzusetzen. Ähnlich äußerten sich der Fraktionschef der Grünen, Fritz Kuhn, und Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin der Partei. Die KEK habe Standhaftigkeit bewiesen. «Diese Entscheidung ist wichtig für mehr Medienvielfalt.»
 

 

11.01. Springer-Chef Döpfner verteidigt geplanten Kauf von ProSiebenSat.1

Berlin (dpa) - Der Vorstandschef der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, hat die geplante Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 verteidigt und die Auflagen dafür scharf kritisiert. «Ich habe den Eindruck, wenn wir jetzt vorschlagen würden, den gesamten Springer- Verlag zu verkaufen, würde man uns trotzdem nicht erlauben, die Fernsehgesellschaft zu übernehmen», sagte er am Dienstag bei einem Neujahrsempfang in Berlin. Am selben Tag wollte die Potsdamer Medienkontrollkommission KEK über das geplante Milliardengeschäft beraten und möglicherweise entscheiden. Bis Donnerstag kann Springer zudem zu einem negativen Zwischenbescheid des Bundeskartellamts Stellung beziehen. Die Hürden für die Fusion gelten als so hoch, dass sie scheitern könnte.

Döpfner hielt bei dem Empfang eine teilweise launige Rede rund um das Thema «Optimismus». Er scherzte, die Lage sei «zwar fast hoffnungslos, aber auf keinen Fall ernst». Mit Humor müsse man auch so manche Nachricht nehmen, die sein Haus von den Kartell- und Medienregulationsbehörden zu hören bekam. Zu dem von der KEK vorgeschlagenen Kontrollgremium sagte Döpfner beispielsweise, dies lasse die DDR «wie ein liberales Wirtschaftsparadies erscheinen».

Bei dem Widerstand gegen die Fusion werden laut Döpfner «die globalen Verschiebungen des Medienwettbewerbs in die digitalen Vertriebsmärkte» übersehen. Man tue so, als sei dies eine «Art Fieberwahn wild gewordener New-Economy-Fantasten.» Diese Einschätzung sei nicht nur falsch, sie sei fahrlässig. Der Verlagsgründer Axel Springer habe seit den 60er Jahren versucht, sich im TV zu engagieren, weil er die Verbindung von Print und elektronischen Medien zu Recht als zukunftsweisend angesehen habe. «Aber wenn uns trotzdem am Ende dieser Schritt verwehrt bleiben sollte, dann werden wir auch das sportlich nehmen - und unser Glück in digitalen Märkten und im Ausland suchen», sagte Döpfner.

Den im August 2005 geschlossenen Vertrag zwischen Springer und der Gruppe um den US-Investor Haim Saban lobte er als «runden Deal».
Döpfner erwähnte nicht, ob bei einem endgültigen Veto von KEK und Kartellamt eine Ausnahmegenehmigung von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Betracht komme. Nach Medienberichten ist dies aber unwahrscheinlich.

Die Wettbewerbshüter fordern, dass sich Springer entweder von der «Bild»-Zeitung trennt oder auf einen der beiden großen Sender der Gruppe - ProSieben oder Sat.1 - verzichtet. Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstag) ist Springer offenbar auf der Suche nach einem Partner für den geplanten Kauf der Sendergruppe, um die Bedenken auszuräumen. Am Wochenende habe der Verlag mit der Fernsehgruppe SBS verhandelt. Dazu wurde am Dienstag bei Springer offiziell nichts bekannt.

Bei dem Neujahrsempfang waren rund 350 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien zu Gast, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert, Altbundespräsident Walter Scheel, CDU- Generalsekretär Ronald Pofalla, Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.
 

 

11.01. Poker um ProSiebenSat.1: «Saban hat immer noch ein Ass im Ärmel»

München (dpa) - Im Poker um Deutschlands größten TV-Konzern
ProSiebenSat.1 läuft es für US-Milliardär Haim Saban derzeit nicht gut. Die Medienkontrollkommission KEK lehnte den geplanten Verkauf der Senderkette an den Springer-Konzern am Dienstag ab. Nun muss sich die Investorengruppe um Saban möglicherweise nach einem neuen Käufer umsehen. «Ein Saban hat immer noch ein Ass im Ärmel», sagt ein Branchenkenner. Ob ein anderes Unternehmen aber wie Springer insgesamt mehr als vier Milliarden Euro für ProSiebenSat.1 hinlegen würde, gilt in der Branche als zweifelhaft.

Zwar ist mit dem KEK-Veto noch nichts endgültig entschieden. Doch Springer-Chef Mathias Döpfner baute am Dienstag schon einmal vor.
Wenn die Übernahme scheitere, liege die Zukunft des Medienhauses eben in den digitalen Märkten und im Ausland, sagte er beim Neujahrsempfang seines Verlags. Für Saban allerdings wäre dies ein herber Rückschlag. Bei einem Verkauf an Springer kann er seinen Einsatz in etwa verdreifachen.

Diesen satten Gewinn hat sich Saban nach eigener Einschätzung durchaus verdient. «Ich war der letzte Aufrechte, als alle anderen davon liefen», sagte der US-Unternehmer einmal. Als Saban und seine Finanzinvestoren im Sommer 2003 den TV-Konzern übernahmen, war die Fernsehwerbe-Branche auf dem Tiefpunkt. Der Bauer-Verlag hatte die geplante Übernahme von ProSiebenSat.1 in letzter Minute doch lieber abgesagt, auch Springer wagte die Großakquisition damals nicht. Mit dem Kauf bewies Saban wieder einmal ein gutes Gespür für das richtige Timing. Die Werbebranche hat sich inzwischen erholt, der ProSiebenSat.1-Aktienkurs hat sich verdreifacht.

Ob ein anderer Käufer den Springer-Preis zahlen wird, bleibt dennoch abzuwarten. «Mit mehr als vier Milliarden Euro hatte damals niemand gerechnet», sagte ein ProSiebenSat.1-Manager. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Saban den Markt bereits sondiert. «Er redet mit den Großen in Frankreich und den USA», sagt ein Experte. In erster Linie wird dabei der französische Sender TF1 genannt, bei dem Saban im Aufsichtsrat sitzt. Die Franzosen wollten schon im Juni 2003 zehn Prozent an der deutschen Senderkette übernehmen. Damals wollte TF1 angeblich 100 bis 150 Millionen Euro dafür bezahlen. Mit einer solchen Bewertung würde sich Saban heute keinesfalls mehr zufrieden geben.

Noch aber hat Springer nicht zurückgezogen. Am Freitag treffen sich die Direktoren der Landesmedienanstalten, die das KEK-Veto mit Drei-Viertel-Mehrheit überstimmen können. Am 20. Januar will dann das Bundeskartellamt entscheiden, das bereits schwere Bedenken signalisiert hat. Wenn Springer nicht noch tief greifende Zugeständnisse macht, einen Partner findet oder eine Ministererlaubnis bekommt, würde ProSiebenSat.1 bei einem Kartell- Veto an die US-Investoren zurückfallen. Dann wäre Saban wieder am Zug. «Ich bin gespannt, welches weiße Kaninchen er dann aus dem Hut zaubert», meint ein Branchenexperte.

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