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News-Sonderthema: 

Verleihung des Literaturnobelpreises 2009 an Herta Müller

Berichte, Stimmen und Hintergrundinformationen zur Preisvergabe
 

 
Unsere Beiträge:

Herta Müller mit Literaturnobelpreis ausgezeichnet
Müller nimmt Nobelpreis entgegen: Für «großen Mut»
Nobelpreis-Laudatio für Herta Müller
Lyriker Söllner: «IM wider Willen» für Securitate
Wowereit: «Berliner freuen sich mit Herta Müller»
 

 

11.12. Herta Müller mit Literaturnobelpreis ausgezeichnet

Stockholm (dpa) - Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller (56) hat am Donnerstag den Literaturnobelpreis 2009 in Empfang genommen. Bei der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus überreichte Schwedens König Carl XVI. Gustaf die mit umgerechnet 950 000 Euro (10 Mio. Kronen) dotierte Auszeichnung. Müller hat bis 1987 als Angehörige der deutschen Minderheit in Rumänien gelebt und zog dann nach Berlin, wo sie noch heute wohnt.

Sie erhält den berühmtesten Literaturpreis der Welt für ihre literarische Aufarbeitung von Erfahrungen in der kommunistischen Diktatur. Auch in ihrem jüngsten Roman «Atemschaukel», der in diesem Jahr erschien, widmet sie sich diesem Thema. Gemeinsam mit Müller wurden in Stockholm elf weitere Nobelpreisträger für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft ausgezeichnet. In Oslo nahm US- Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis in Empfang.

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11.12. Müller nimmt Nobelpreis entgegen: Für «großen Mut»

Stockholm (dpa) - Der Literaturnobelpreis für «großen Mut» beim Widerstand gegen die Diktatur mit Wörtern: Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller (56) hat am Donnerstag aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf den begehrtesten Literaturpreis der Welt in Empfang genommen.

Bei der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus hob der Sprecher der Jury, Anders Olsson, die Konsequenz heraus, mit der sich die seit 1987 in Berlin lebende Autorin gegen die Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur ihres Geburtslandes Rumänien gewehrt hat: «Sie haben großen Mut gehabt und provinzieller Unterdrückung und politischem Terror kompromisslos Widerstand geleistet.»

Müller bekomme den Nobelpreis «für den künstlerischen Gehalt dieses Widerstands», sagte der Vertreter der Schwedischen Akademie weiter. «In ihrer Prosa findet sich eine sprachliche Energie, die uns von Beginn an mit einbezieht. Es steht etwas auf dem Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht.» Mit Müller wird der Literaturnobelpreis zum dritten Mal in den vergangenen zehn Jahren für deutschsprachige Werke vergeben. 1999 erhielt ihn der bei Lübeck lebende Günter Grass (82) und 2004 die Wienerin Elfriede Jelinek (63).

Zusammen mit Müller bekamen weitere elf Nobelpreisträger für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft ihre Auszeichnungen. In Oslo hatte US-Präsident Barack Obama wenige Stunden zuvor den Friedensnobelpreis in Empfang genommen. Die Dotierung beträgt jeweils umgerechnet 950 000 Euro (10 Millionen Kronen).

In seiner Laudatio auf die bis 1987 in Rumänien als Angehörige der deutsche Banater-Minderheit lebende Müller sagte der Juror Olsson weiter: «Ihr Werk ist ein Kampf, der weitergeht und weitergehen muss, eine Form des unwiderruflichen Gegen-Exils.»

In ihrer Nobelvorlesung Anfang der Woche hatte die Preisträgerin davon berichtet, wie sie Anwerbungsversuchen des rumänischen Geheimdienstes Securitate widerstanden hatte und danach erbarmungslos isoliert wurde. In ihrem jüngsten Roman «Atemschaukel» verarbeitet Müller die Erfahrungen ihres 2006 gestorbenen Landsmannes und Schriftstellerkollegen Oskar Pastior als hungernder Deportierter im Gulag der Stalin-Ära. Dieses Wek sei geprägt von «unendlicher Einfühlung und dem unsentimentalem Blick» der Preisträgerin, sagte Olsson in seiner Rede.

Er fuhr fort: «Sie haben uns Wörter gegeben, die uns unmittelbar und tief ergreifen.» Die Autorin selbst ergriff entsprechend den Traditionen der Nobelpreis-Verleihungen nicht das Wort. Ungewöhnlich fiel die Zusammensetzung der zwölf gemeinsam im Halbrund platzierten Preisträger aus: Mit fünf Preisträgerinnen war der Frauenanteil so hoch wie nie zuvor seit der ersten Verleihung 1901. Herta Müller erhielt den Literaturnobelpreis als zwölfte Frau.

Für das anschließende Festbankett mit der schwedischen Königsfamilie im Stockholmer Rathaus hatte sich auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz angekündigt. Die Veranstaltung mit Frackzwang für männliche Teilnehmer, Damen in großer Abendrobe und Tanz im Ballsaal gilt als festlicher Höhepunkt der Nobelveranstaltungen in Stockholm.

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11.12. Nobelpreis-Laudatio für Herta Müller

Stockholm (dpa) - Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller (56) hat den Literaturnobelpreis 2009 für die literarische Verarbeitung des Lebens in der kommunistischen Diktatur in Rumänien überreicht bekommen. Für die Schwedische Akademie sagte Jury-Mitglied Anders Olsson am Donnerstag in seiner Laudatio im Beisein der schwedischen Königsfamilie im Stockholmer Konzerthaus (dpa-Übersetzung):

«Es gibt Literatur, die ihre tieferen Qualitäten erst langsam, Schritt für Schritt offenbart. Und dann gibt es Literatur, die den Leser sofort direkt anspricht und fesselt. Herta Müllers Werk gehört zu letzterer. In ihrer Prosa findet sich eine sprachliche Energie, die uns von Beginn an mit einbezieht. Es steht etwas auf dem Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht. Wir spüren das schon an der Temperatur, dem kurzen Atmen, dem markanten Detail, an allem, das angedeutet wird, aber ungesagt bleiben muss.

Diese Energie kommt aus der Weigerung, das zu akzeptieren, was ist. Herta Müller wählt den Widerstand als Methode, dabei dem österreichischen Autor Thomas Bernhard eng verwandt. Aber ihr Werk wurzelt stärker als Bernhards im Selbsterlebten. (...)

In Herta Müllers Prosa gibt es keine epische Linie, keinen Handlungsverlauf von Anfang bis Ende. Wenn die Welt zweideutig und undurchschaubar ist, muss die Literatur dem entsprechen und ein trügerisches Ganzheitsbild von ihr geben. Herta Müller hat gesagt, dass nur die erfundene Überraschung uns der Wirklichkeit nahekommen lässt. (...)

Mit unendlichem Einfühlungsvermögen und unsentimentalem Blick setzt sie ihr Gegen-Exil in dem großen Roman "Atemschaukel" (2009) fort, in dem es um die Deportation der Deutsch-Rumänen ab 1945 mit ihrer Zwangsarbeit in der damaligen Sowjetunion geht. (...) Auch hier gelingt es ihr, in stärkerer Abhängigkeit von dokumentarischem Material als vorher, die Anschaulichkeit der Prosa mit der Schockwirkung des poetischen Bildes zu vereinen.

(Olsson schloss seinen schwedischen Vortrag in deutscher Sprache ab und wandte sich direkt an die Preisträgerin.)

Liebe Herta Müller. Sie haben großen Mut gehabt und provinzieller Unterdrückung und politischem Terror kompromisslos Widerstand geleistet. Es ist der künstlerische Gehalt dieses Widerstands, für den Sie diesen Preis verdienen. Ihr Werk ist ein Kampf, der weitergeht und weitergehen muss, eine Form des unwiderruflichen Gegen-Exils. Und obwohl Sie gesagt haben, dass Sie das Schreiben vom Schweigen und Verschweigen gelernt haben, haben Sie uns Wörter gegeben, die uns unmittelbar und tief ergreifen - mit dem Schweigen, über dem Schweigen. Ich möchte die wärmsten Glückwünsche der Schwedischen Akademie aussprechen, wenn ich Sie jetzt auffordere, den Nobelpreis für Literatur aus der Hand Seiner Majestät des Königs entgegenzunehmen.»

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11.12. Lyriker Söllner: «IM wider Willen» für Securitate

Frankfurt/Main (dpa) - Der Lyriker und Leiter des Hessischen Literaturforums, Werner Söllner, hat nach eigenen Angaben früher mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate zusammengearbeitet. Er sei unter Drohungen des Geheimdienstes von 1971 bis 1974 zum «IM (inoffiziellen Mitarbeiter) wider Willen» geworden, sagte Söllner der Deutschen Presse-Agentur dpa am Donnerstag. Der 58-Jährige wies zugleich einen Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» zurück, wonach er die ebenfalls aus Rumänien stammende Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller bespitzelt habe.

Söllner hatte in München auf einer Tagung über die deutschsprachige Literatur in Rumänien eine öffentliche Erklärung über seine Kooperation mit der Securitate abgegeben. Er habe sich dazu nach langer Überlegung entschlossen, nachdem ihn der Autor Richard Wagner vor einem Jahr angesprochen hatte. Wagner, der frühere Ehemann Herta Müllers, hatte Informationen seiner inzwischen veröffentlichten Securitate-Akte mit Söllner in Verbindung gebracht.

Söllner war 1971 nach eigenen Angaben mit der Exmatrikulation von der Universität bedroht worden. «Ich habe niemanden ans Messer geliefert, niemand ist ins Gefängnis gekommen oder hat seinen Arbeitsplatz verloren. Aber geschadet hat es natürlich», sagte der Lyriker zu den an Securitate gelieferten Informationen. Söllner, der 1982 in die Bundesrepublik kam, hat für seine stark von Paul Celan beeinflussten Gedichte mehrere Preise erhalten. Seit 2003 leitet er das Hessische Literaturforum. Das als Verein organisierte Forum veranstaltet unter anderem Lesungen und wird von der Stadt Frankfurt und vom Land Hessen gefördert.

Seinen Arbeitgeber habe er bereits vor seiner Erklärung in München über seine Arbeit für die Securitate informiert, sagte Söllner. Die Vorsitzende des Literaturforums, die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski, sicherte am Donnerstag dem Lyriker ihre uneingeschränkte Rückendeckung zu. Das Bekenntnis Söllners, der sich wegen der damaligen Vorgänge sehr gequält habe, sei mutig und verdiene Respekt. «Was er getan hat, ist wirklich vergleichsweise marginal, zum Teil absolut lächerlich», sagte Demski der dpa. «Es gibt in diesem ganzen Emigrantenzirkel wahrscheinlich keinen einzigen Engel mit schneeweißen Flügeln.»

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11.12. Wowereit: «Berliner freuen sich mit Herta Müller»

Berlin (dpa/bb) - Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), hat der Schriftstellerin Herta Müller zum Literaturnobelpreis gratuliert. Müller wurde die Auszeichnung am Donnerstag in Stockholm in einem Festakt von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht. «Die Bürgerinnen und Bürger der Literaturstadt Berlin freuen sich mit Herta Müller über den Nobelpreis, und wir beglückwünschen unsere Mitbürgerin zur Entgegennahme der wichtigsten Auszeichnung der literarischen Welt», betonte Wowereit, der in Berlin auch das Kulturressort verantwortet.

Müller habe in ihrem Werk «auf beeindruckende Weise und in einzigartiger poetischer Sprache Einsamkeit und Entwürdigung des Menschen in der Diktatur zur Anschauung gebracht.» Ihre Schilderungen seien «bleibender Appell für uns alle, Freiheit und Menschlichkeit zu wahren und zu verteidigen.»

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