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News-Sonderthema: 

Virginia Woolf - ein Porträt zum 125. Geburtstag

Pionierin der Moderne und des Feminismus': Die Autorin Virginia Woolf
 

 
Unsere Beiträge:

Pionierin der Moderne und des Feminismus
Virginia Woolfs Leben
Elfriede Jelinek: «Woolf war für uns Feministinnen sehr wichtig
Virginia Woolfs wichtigste Werke
Briefe, Lesebuch und Biografie zum Virginia Woolf-Jubiläum

 

 

25.01. Pionierin der Moderne und des Feminismus': Die Autorin Virginia Woolf

Hamburg (dpa) - Kaum jemand vor ihr hat den Gedankenstrom unter der menschlichen Schädeldecke so präzise protokolliert, kaum jemand so geistreich die Gleichberechtigung der Frau postuliert. Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf gilt heute als eine der einflussreichsten feministischen Autorinnen des vorigen Jahrhunderts und als Pionierin der literarischen Moderne. Doch sie ist auch eine tragische Figur: Die hoch begabte Gelehrten-Tochter wurde als Mädchen missbraucht, litt zeitlebens unter Depressionen und ertränkte sich schließlich mit 59 Jahren. Am Donnerstag (25. Januar) vor 125 Jahren wurde Virginia Woolf als Adeline Virgina Stephen in London geboren.

Ihre Kindheit war ist so privilegiert wie überschattet. Die Familie ist wohlhabend und pflegt intellektuelle Kontakte, Hauslehrer ersparen Virginia und ihren sieben Geschwistern den Schulbesuch. Doch mit 13 verliert sie ihre Mutter und stürzt in ihre erste psychische Krise. Um dieselbe Zeit wird sie Opfer eines sexuell zudringlichen Halbbruders - fortan habe sie «keine Freude mehr an meinem Körper» empfunden, wie sie sich als Erwachsene erinnert.

Doch Melancholie ist nur eine Seite ihres Charakters: Mit großer Produktivität verfasst sie Essays und Rezensionen für die «Times», schreibt Briefe und Tagebucheinträge voll sarkastischer Skizzen. Gesprächspartner erleben sie als gescheit und ungemein witzig, für Klatsch und Tratsch ebenso aufgeschlossen wie für Diskussionen über Kunst und Politik. Ihre Schwester Vanessa und ihr Bruder Thoby pflegen dieselben Interessen: Ihr Haus im Londoner Bohème-Viertel Bloomsbury wird Treffpunkt eines Künstlerzirkels, zu dem unter anderem der Romancier E.M. Forster, der Philosoph Bertrand Russel und der Ökonom John Maynard Keynes stoßen.

Man pflegt einen elitären Nonkonformismus mit Spaß an der Provokation. 1910 reist Virginia mit falschem Bart und Fantasiekostüm in den Küstenort Weymouth, gibt sich als Kaiser von Abessinien aus und lässt sich durch das königliche Kriegsschiff «Dreadnought» führen. Dem Übermut folgt der seelische Absturz. 1913 unternimmt sie den ersten Selbstmordversuch - nur wenige Monate nach der Heirat mit dem Literaturkritiker Leonard Woolf.

Ihre Kreativität leidet nicht: 1915 erscheint ihr erster Roman «The Voyage Out» («Die Fahrt hinaus»), 1922 folgt «Jacob's Room» («Jakobs Zimmer»), in dem Virginia Woolf nahezu gleichzeitig mit James Joyce die Darstellungsform des inneren Monologs entwickelt. «Mrs. Dalloway» (1925) komponiert sie aus bewussten, halbbewussten und mitunter nur fragmentarischen Gedanken ihrer Figuren, hinter denen die äußere Handlung zurücktritt. In «Orlando» (1928) lässt sie die Titelfigur durch die Jahrhunderte reisen und das Geschlecht wechseln - so verarbeitet sie ihr Verhältnis mit der Schriftsteller- Kollegin Vita Sackville-West.

Zwar gelten Virginia Woolfs Romane bis heute als wichtige Werke der literarischen Moderne, doch ihren Nachruhm verdankt sie vor allem ihren späten Essays. «A Room of One's own» («Ein Zimmer für sich allein») von 1929 klagt die widrigen Arbeitsumständen weiblicher Autoren an: «Fünfhundert Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer», und eine Frau könne so erfolgreich schreiben wie ein Mann, heißt es darin. Der Text wird zu einem viel zitierten Dokument der Frauenbewegung, ebenso wie «Three Guineas» («Drei Guineen»), in dem Woolf kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs über den Zusammenhang zwischen männlicher Dominanz und Militarismus nachdenkt.

Doch schriftstellerischer Erfolg kann ihre Psyche nicht kurieren.
Immer wieder erleidet Woolf depressive Schübe, hört Stimmen, kann tagelang nicht arbeiten. 1940 zerstören deutsche Bomben ihr Londoner Haus. Schließlich mag sie die Angst vor einem neuen Nervenzusammenbruch nicht mehr ertragen. Am 28. März 1941 stürzt sie sich in das Flüsschen Ouse in der idyllischen Grafschaft Sussex - um sicher zu gehen, packt sich die glänzende Schwimmerin zuvor einen schweren Stein in den Mantel.

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25.01. Zwischen Schaffensdrang und Seelenpein - Virginia Woolfs Leben

Hamburg (dpa) - Im Leben der englischen Schriftstellerin Virginia Woolf wechselten sich sehr kreative Phasen mit zermürbenden seelischen Krankheitsschüben ab. Einige wichtige Stationen der vor
125 Jahren geborenen Autorin:

25. Januar 1882: Adeline Virginia Stephen wird als Tochter des Gelehrten Leslie Stephen und seiner zweiten Frau in London geboren.
Sie wächst mit sieben Geschwistern auf und erhält Privatunterricht.

1895: Der Grippetod der Mutter löst den ersten von vier größeren seelischen Zusammenbrüchen des manisch-depressiven Mädchens aus.

1904: Krebstod des Vaters. Virginia erleidet ihren zweiten Krankheitsschub.

1905: Ihr Bruder Thoby legt den Grundstein zur «Bloomsbury-Gruppe», einem intellektuellen Zirkel, dem Virginia angehört. Beginn ihrer journalistischen Arbeit, so für das «Times Literary Supplement».

1912: Virginia heiratet den Literaturkritiker Leonard Woolf, der ihre sexuellen Beziehungen zu Frauen akzeptiert. Im folgenden Jahr unternimmt sie einen Suizidversuch.

1915: Romandebüt mit «Die Fahrt hinaus».

1917: Das Ehepaar Woolf gründet den Verlag «Hogarth Press» und druckt literarische Avantgardisten aus aller Welt.

1922: Fast zeitgleich mit James Joyces «Ulysses» erscheint Virginias experimenteller Roman «Jakobs Zimmer». Ähnlich wie Joyce arbeitet sie mit der Technik des inneren Monologs. Ende des Jahres lernt sie die Schriftstellerin Vita Sackville-West kennen, zu der sie jahrelang eine enge Liebesbeziehung hat.

1925: Zusammenbruch von Virgina. Veröffentlichung des Romans «Mrs.
Dalloway», 1927 «Die Fahrt zum Leuchtturm».

1928: Virginia und Vita reisen durch Frankreich. Virginias Roman «Orlando», der im Oktober erscheint, ist ihrer Geliebten gewidmet.

1929: Veröffentlichung des Essays «Ein Zimmer für sich allein», eines der meistzitierten Texte der Frauenbewegung.

1938: Der Schriftsteller John Lehmann übernimmt Virginias Anteile an der «Hogarth Press».

28. März 1941: Aus Angst vor erneuten Wahnideen ertränkt sie sich im Fluss Ouse in Sussex. Ihre Leiche wird erst am 21. April gefunden.

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25.01. Elfriede Jelinek: «Woolf war für uns Feministinnen sehr wichtig

Wien (dpa) - Die österreichische Schriftstellerin und Literatur- Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek (60) betont die Bedeutung der englischen Autorin Virginia Woolf vor allem aus feministischer Sicht:
«Natürlich war der berühmte Essay "A Room of One's Own" für uns alle als Feministinnen sehr wichtig», sagte Jelinek im dpa-Gespräch. Der Geburtstag Woolfs jährt sich am 25. Januar zum 125. Mal.

«Ich habe jedoch «nicht viel Virginia Woolf gelesen», sagte die Schriftstellerin. «Sie war mir als Autorin immer zu klassizistisch, zu vollendet, wie aus Marmor. Sie ist mir immer sehr fremd geblieben.» Zudem habe sie mit Woolfs Snobismus, den diese in ihren Briefen auch zugebe, Probleme: «Aber diese Mischung aus Snobismus und Labour Party scheint in England, das ich leider nicht kenne, durchaus üblich zu sein, daher kann ich das gar nicht richtig einordnen.»

Begeistert äußerte sich Jelinek über die persönlichen Dokumente der zeitlebens psychisch labilen Schriftstellerin, die sich 1941 das Leben nahm. «Die Briefe sind für mich faszinierend. Wie das Burleske, Übermütige in ihnen immer mehr zurückgeht, je lauter die Stimmen in ihrem Kopf zu sprechen beginnen und wie ihr Schreiben immer sachlicher, "realistischer" wird, geradezu ausdünnt, während der Wahnsinn immer lauter spricht, das ist ergreifend zu sehen.»

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25.01. Mitbegründerin der Moderne: Virginia Woolfs wichtigste Werke

Hamburg (dpa) - Virginia Woolf gilt als Mitbegründerin einer modernen Sprachästhetik und Schöpferin eines «weiblichen Stils» in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Einige ihrer wichtigsten Werke:

- «Die Fahrt hinaus», 1989 (engl. «The Voyage Out», 1915). Woolfs Debütroman, der noch auf einer konventionellen Erzählstruktur beruht.

- «Jakobs Raum», 1981 (engl. «Jacob's Room», 1922). Ihr erster experimenteller Roman, der fast zeitgleich mit James Joyces «Ulysses» erscheint und mit der Technik des inneren Monologs arbeitet.

- «Eine Frau von fünfzig Jahren», 1928 (engl. «Mrs. Dalloway», 1925).
Das polemisch-sarkastische Gesellschaftsporträt einer Londoner Society-Dame bildet die Grundlage für Woolfs späteren Weltruhm als Meisterin des «psychologischen Romans». Kritiker sehen Parallelen zu den Werken des großen französischen Modernisten Marcel Proust.

- «Die Fahrt zum Leuchtturm», 1931 (engl. «To the Lighthouse», 1927).
Literarische Verarbeitung von Woolfs Kindheitserinnerungen an die gemeinsamen Familienreisen nach Cornwall.

- «Orlando: Eine Biografie», 1929 (engl. «Orlando: A Biography», 1928). Bekannter Schlüsselroman, in dem sich Woolf zu ihrer Bisexualität bekennt. Inspiriert von der realen Liebesbeziehung zu der adeligen Schriftstellerin Vita Sackville-West.

- «Ein Zimmer für sich allein», 1978 (engl. «A Room of One's Own», 1929). Stilprägender Essay, in dem Woolf «fünfhundert Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer» als materielle Grundbedingungen für die erfolgreiche Arbeit kreativer Frauen fordert. Das Stück wird in den 70er Jahren zu einem der meistzitierten Texte der Frauenbewegung.

- «Die Wellen», 1959 (engl. «The Waves», 1931). Mit ihrer Verknüpfung von sechs inneren Monologen, die sie als kanonartiges Rezitativ wiedergibt, durchbricht Woolf abermals literarische Genre-Grenzen.

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25.01. Briefe, Lesebuch und Biografie zum Virginia Woolf-Jubiläum

Hamburg (dpa) - Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf hat nicht nur stilistisch kühne Romane und kluge Essays hinterlassen, die Ahnfigur der Frauenbewegung war auch eine fleißige Briefschreiberin.
Begegnungen mit Künstlern, Politikern und Gelehrten, Zeitereignisse, literarische Reflexionen - all das hielt Woolf lebhaft und anschaulich in ihrer Korrespondenz fest. Zum 125. Geburtstag der Autorin hat der S.Fischer-Verlag im Rahmen der deutschen Gesamtausgabe eine zweibändige kommentierte Auswahl der Briefe auf Deutsch veröffentlicht.

Kleinere Kostproben davon enthält auch das ebenfalls zum Jubiläum erschienene Virginia Woolf-Lesebuch. Außerdem bietet es Auszüge aus den wichtigsten Romanen, eine Auswahl kurzer Skizzen und Geschichten, Essays und Tagebucheinträge. So geben die 500 Seiten einen guten Überblick über ihr vier Jahrzehnte umfassendes schriftstellerisches Werk.

Dieses Werk musste Woolf gegen manche Widerstände durchsetzen.
Ohnehin war sie als Frau den Beschränkungen ihrer Zeit unterworfen.
Zudem litt sie unter häufigen Nervenkrisen. Vom frühen sexuellen Missbrauch bis zum späten Selbstmord hat Woolfs reales Leben genug romanhafte Züge. Als führende Biografie gilt das über 1000 Seiten starke Werk von Hermione Lee, das aus Anlass des Jubiläums in einer Taschenbuchausgabe erschienen ist.

Virginia Woolf: Gesammelte Werke. Briefe 1 1888-1927 und Briefe 2
1928-1941, S.Fischer-Verlag, Frankfurt/Main 2006
Deutsch von Brigitte Walitzek, jeweils ca. 590 Seiten
ca. Euro 39,00
ISBN 3-10-092556-4 und 3-10-092654-5

Virginia Woolf: Das Lesebuch. Ausgewählt von Corinna Fiedler
S.Fischer-Verlag, Frankfurt/Main 2006
ca 500 Seiten, Euro ?
ISBN 978-3-10-092588-6

Herminone Lee: Virginia Woolf. Ein Leben
Deutsch von Holger Fliessbach
S.Fischer-Verlag, Frankfurt/Main
ca. 1152 Seiten, Euro 12,95
ISBN 3-596-17374-4

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