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News-Sonderthema: 

Literarisches Weihnachten 2006
 

 
Unsere Beiträge:

Wie Weihnachten feiern? - Nachdenkenswertes bei Thomas Mann
Politiker suchen zum Fest die Ruhe - Abschalten kann nicht jeder
RAG legt Mitarbeitern «Kohle-Saga» auf den Gabentisch
Do you speak Globish? - Queen redet zu Weihnachten anders als früher

 

 

22.12. Wie Weihnachten feiern? - Nachdenkenswertes bei Thomas Mann

Hamburg (dpa) - So ist immer noch für einen Großteil der Deutschen
Weihnachten: Kerzenflämmchen am geschmückten Tannenbaum - Geschenke auf weißgedecktem Tisch - das Lied «Stille Nacht, heilige Nacht» - Duft angesengter Zweige - üppiges Festmahl. Thomas Mann beschrieb schon vor 105 Jahren in seinem Roman «Buddenbrooks», wie diese Lübecker Patrizierfamilie mit solchem Dekor Weihnachten feiert. Besonders daran ist, dass diese Texte nicht nur den «Verfall einer Familie» - so der Untertitel des Romans - spiegeln, sondern auch den Verfall der christlichen Weltdeutung. Manns Beschreibungen haben sich als ein bleibendes Beispiel erwiesen.

Das neue Buch des an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen lehrenden Professors Karl-Josef Kuschel «Weihnachten bei Thomas Mann» regt gerade in der gegenwärtigen Jahreszeit sehr zum Nachdenken an. Niemals im Jahr wird der Zustand von Familien so deutlich wie beim Weihnachtenfeiern - sowohl was ihre Religiosität angeht als auch ihren Zusammenhalt. Thomas Mann erzählt in den Weihnachtsabschnitten der «Buddenbrooks» nach der Devise: Sage mir, wie du Weihnachten begehst, und ich sage dir, wer du bist.

Kuschel erinnert daran, dass schon in Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» (1894) an drei Stellen von Weihnachten die Rede ist und gezeigt wird, wie die unglücklich verheiratete junge Effi dieses Fest erlebt. Drei Jahre vorher - von Kuschel nicht erwähnt - beeindruckte «Das Friedensfest» des naturalistischen Dramatikers Gerhart Hauptmann das Theaterpublikum mit einem extrem verstörenden Familiengeschehen.

Was «Buddenbrooks» besonders deutlich macht, sind mangelnde Kommunikation unter den Feiernden und ihre Gefühlskälte. Ihre Gesten sind ritualisiert. Weihnachten auch als Narkotikum. Sprachversteinerung, aber Klatsch über Abwesende. Die Lieder sind reduziert auf die Funktion, Stimmung zu erzeugen. Der religiöse Neuaufbruch, auf den in der biblischen Geschichte alles ankommt, ist verdrängt. Jesus ist so zurechtgerückt, dass er kein Störfaktor ist.
Manns Darstellung der Diskrepanz zwischen der Weihnachtsbotschaft und dem Weihnachtsritual ist ein Meisterwerk psychologischer Differenziertheit wie auch sinnlich-ästhetischer Detailfülle - hierunter des Festmahl: Der Puter, gefüllt mit einem Brei von Maronen, Rosinen und Äpfeln, findet allgemeines Lob. Es gibt auch gebratene Kartoffeln, zweierlei Gemüse und zweierlei Kompott dazu. Es wird alter Rotwein getrunken, hinterher öliger griechischer Wein. Dann isst man Eisbaisers mit Waffeln.

In Manns Roman «Der Zauberberg» (1924), der in einem Sanatorium gehobener Klasse im schweizerischen Davos spielt, läuft die Weihnachtsfeier noch unpersönlicher und emotionsloser ab. Geschmückter Tannenbaum und besonderes Menü auch hier. «Man hat Toilette gemacht» - Männer Gesellschaftsanzug, Frauen Salonkleid. Doch es herrschen Seelenlosigkeit und Gleichgültigkeit.

Der humanistisch orientierte Italiener Lodovico Settembrini, gekleidet wie immer, kommt nach dem Festessen auf den «Tischlerssohn und Menschheits-Rabbi» zu sprechen, dessen Geburtstag man heute fingiere. Ob er wirklich gelebt habe, sei ungewiss. Was aber damals geboren worden sei, seinen Siegeslauf begonnen habe, sei «die Idee des Wertes der Einzelseele, zusammen mit der der Gleichheit gewesen» - die «individualistische Demokratie». Bald ist man wieder an den Spieltischen.

Auch in Manns vierbändigem Roman «Joseph und seine Brüder» (1933-
1943) ist Weihnachten ein Thema. Am Ursprung des Werks stand die Idee, die Joseph-Geschichte der Bibel in Form einer historischen Novelle noch einmal zu erzählen. Doch dann gehen in dem Projekt Religionsgeschichte und Tiefenpsychologie eine sinnreiche Synthese ein. Manns intensive Studien hierzu haben auch Konsequenzen für das Thema Weihnachten. Er sieht in diesem Fest jetzt Tieferes als vorher - die Geburt eines himmlischen Erlösers, die uralten Sehnsüchten nach Neuanfang, Heilwerden, Erneuerung im Geist entspricht. Der Roman, in dem auch Joseph eine «Erlösergestalt» ist, versucht Weihnachten universalgeschichtlich aufzuwerten, stellt das Christentum in die Kette der Religionen. Manchem Leser mag es zweifelhaft erscheinen, ob auf dieser Basis in unserer Zeit eine spiritelle Wiederbelebung des Weihnachtenfeierns möglich ist.

Der Tübinger Professor präsentiert in Zitaten auch Thomas Manns persönliches Weihnachtserleben. Tagebucheintragungen mögen manchen Leser enttäuschen. So etwa, wenn 1941, nach dem Umzug der Manns an die Küste Kaliforniens, eine typisch banal-großbürgerliche Realität notiert wurde: «... Weihnachtslieder. Die erste Bescherung in diesem Land. Erfreuliche Dinge, elektrische Schreibtisch-Uhr und hübsche Bücherstützen. Zu Tische Eva Hermann, die chilenischen Rotwein brachte. Rote Kerzen und Blumen. Champagner. Aufführung empfangener Platten, Rachmaninow und italienische Lieder von Pinza gesungen.»

Karl-Josef Kuschel: Weihnachten bei Thomas Mann
Patmos Verlag, Düsseldorf
190 S., 16,90 Euro
ISBN 3-491-72505-4

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22.12. Politiker suchen zum Fest die Ruhe - aber Abschalten kann nicht jeder

Hannover (dpa/lni) - Wenn der Weihnachtsbaum fertig geschmückt ist, beschleicht Philipp Rösler immer ein mulmiges Gefühl. Statt auf Elektronik setzt der 33-Jährige auf den Schein echter Kerzen. «Aber ich habe immer ein bisschen Angst, dass der Baum umkippt und es zu brennen anfängt», sagt der niedersächsische FDP-Fraktionschef, der in seiner Altbauwohnung in Hannover mit seiner Frau Wiebke und seinem Vater Heiligabend feiern wird. Zum Fest suchen die meisten Minister und Fraktionsspitzen mit der Familie ein wenig Ruhe vom hektischen Alltagsgeschäft - Abschalten können aber nicht alle. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) erzählt, er lasse sich auch im Weihnachtsurlaub weiter mit den wichtigsten Politik-Nachrichten versorgen.

Hoch im Kurs stehen bei den Ministern an den freien Tagen aber Entspannung, Schmökern und Spaziergänge in der Natur. Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) verzichtet im Urlaub aber prinzipiell auf Zeitungen - CDU-Fraktionsvorsitzender David McAllister dagegen schwört darauf. «Am besten kann ich in aller Ruhe beim Zeitung lesen entspannen», sagt der 35-jährige Deutsch-Schotte. Er will die Weihnachtstage mit seiner Frau Dunja und seinen kleinen Töchtern zu Hause in Bad Bederkesa (Kreis Cuxhaven) verbringen.

In der freien Zeit zwischen den Jahren will McAllister alte Schulfreunde besuchen und einen langen Spaziergang auf dem Deich in Otterndorf machen. Auch Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), - der, wie er sagt, die Politik leider nur ganz schwer vergessen kann - zieht es hinaus in die Natur des Weserberglandes. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte Heiligabend 2005 mit Tochter Annalena und Ehefrau Christiane in Osnabrück verbracht. In diesem Jahr äußerte sich der Regierungschef, der inzwischen mit seiner Lebensgefährtin Bettina Körner in Hannover zusammenlebt, nicht zum Weihnachtsfest.

Auf Sport setzen nur wenige im Kabinett: Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) zieht es mit Ehemann und ihren drei Kindern zum Skifahren in die Berge nach Österreich. «Bewegung im Schnee ist mir dabei wichtiger als Après-Ski», sagt die Ministerin. Kulturminister Lutz Stratmann (CDU), der Weihnachten zu Hause in Oldenburg und auf seiner Lieblingsinsel Spiekeroog verbringt, will aufs Rad steigen. Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) hilft während der Feiertage auf dem Bauernhof seines Sohnes. «Beim Schweine füttern und Ställe säubern kann ich die Politik fast vergessen.»

Ein Festmahl darf bei den Landespolitikern auch nicht fehlen - viele lieben es traditionell und lassen sich den klassischen Gänsebraten schmecken. Auf dem Speiseplan steht aber auch Forelle wie bei Philipp Rösler, Fondue gibt es bei Finanzminister Möllring, Raclette bei Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel, der mit seiner Frau und drei Kindern bei Göttingen lebt. Innenminister Schünemann steht selbst am Herd und bereitet auch in diesem Jahr wieder ein Wildgericht zu.

An Weihnachten kommt es vielen nicht auf luxuriöse Gaben an. Zu Hause bei SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner glitzert zwar schon seit dem 1. Advent ein Weihnachtsbaum, Geschenke gibt es aber nicht. Auch bei dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Wenzel, der Lichterketten «hasst», fehlt ein großer Gabentisch. Sein FDP-Kollege Rösler hat ebenfalls keine großen Ansprüche. «Ich liebe Lakritz über alles», erzählt der Liberale, der an Heiligabend die katholische Mitternachtsmesse besucht. Im Hause Möllring ist zumindest eines klar: Schlips, Socken und Hemd sind als Geschenke für den Finanzminister tabu.

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22.12. RAG legt Mitarbeitern «Kohle-Saga» auf den Gabentisch

Essen (dpa/lnw) - Den Roman «Die Kohle-Saga» haben Vorstand und Betriebsrat der RAG AG in Essen den rund 80 000 Mitarbeitern zu Weihnachten auf den Gabentisch gelegt. Das gerade erschienene Werk schrieb Autor Rafael Seligmann als Auftragsarbeit für die RAG und den Verlag, sagte eine Sprecherin der RAG am Montag. Es handelt von einer polnischstämmigen Familie, die ihr Glück im Ruhrgebietsbergbau sucht. RAG-Chef Werner Müller und der Autor stellten das Buch am Dienstag im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum vor. Zur RAG gehört unter anderem die Deutsche Steinkohle AG, welche die letzten acht deutschen Steinkohle-Bergwerke mit rund 34 000 Mitarbeitern betreibt.

(Internet: www.kohle-saga.de)

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22.12. Do you speak Globish? - Queen redet zu Weihnachten anders als früher

London (dpa) - Es gibt nicht viele Leute auf der Welt, die mehr Weihnachtsansprachen gehalten haben als die Queen. Einige Pfarrer vielleicht, und womöglich auch das eine oder andere Familienoberhaupt. Aber sonst? Seit 54 Jahren wendet sich Königin Elizabeth II. nun schon zu Weihnachten an ihre Nation, in diesem Jahr aus der Southwark-Kathedrale in London. Der erste Feiertag ohne die «Queen's Speech» um 15.00 Uhr - das wäre für die Briten, als ob sie zum Fest auf Truthahn oder Christmas Pudding verzichten müssten.

Die gute alte Tradition der Festansprachen hat sich jetzt die Wissenschaft zu Nutze gemacht. Der Münchner Professor Jonathan Harrington besorgte sich bei der BBC alle Weihnachtsreden seit 1952 und verglich die Bänder miteinander. Ergebnis: Die Queen spricht längst nicht mehr so etepetete wie früher. In ihr «Queen's English» hat sich ein anderer Ton eingeschlichen - das «Estuary English» («Mündungsenglisch»), das auch in der britischen Mittelklasse weit verbreitet ist.

«Die Queen betont Vokale heute ganz anders», sagt der 48-jährige Engländer, der eine Phonetik-Professur an der Münchner Ludwig- Maximilians-Universität innehat. In der ersten Ansprache 1952 beendete sie ihre Rede zum Beispiel noch mit «Happay Christmas». Heute sagt sie «happee». Die «dutay» («duty», die Pflicht) ist nun die «dutee». Und auch das «home», das Heim, spricht sie heutzutage aus wie die meisten anderen Engländer - und nicht mehr «hame» wie früher.

Der Name «Mündungsenglisch» kommt daher, dass im Mündungsgebiet der Themse schon lange so gesprochen wird. Inzwischen reden viele so, zum Beispiel die meisten Sprecher der BBC und auch Premier Tony Blair, der eigentlich aus Schottland kommt. «Und auch die Queen hat sich einiges davon zu Eigen gemacht», sagt Harrington. «Früher wäre das undenkbar gewesen. Aber das hat damit zu tun, dass die Unterschiede zwischen den sozialen Klassen heute nicht mehr so ausgeprägt sind.»

Und vielleicht auch mit dem Fernsehen: Bekannt ist, dass die Königin ganz gern die eine oder andere Vorabend-Serie einschaltet, wo nicht unbedingt so gesprochen wird wie in Adelskreisen üblich. Auch dies, so fand der Professor heraus, färbt auf die eigene Klangfarbe ab. Aber letztlich vollzieht die Queen - in minderem Umfang - nur nach, was viele ihrer Untertanen schon hinter sich haben.

Vor allem in London wird heutzutage ein ganz anderes Englisch gesprochen als vor einigen Jahren. Angst wegen fehlender Vokabeln muss hier kaum noch jemand haben. Auf den Straßen der 7,5-Millionen- Einwohner-Stadt mit ihren vielen Einwanderern hat sich ein Einfach- Englisch eingebürgert, mit dem die Putzfrau aus Polen ebenso zurecht kommt wie der U-Bahn-Fahrer aus Pakistan und der deutsche Tourist.

Die Sprachforscher haben dafür auch schon einen Namen: «Globish» - eine Art Global-Englisch für alle, deren Muttersprache eine andere ist - mit schlichtem Satzbau und um die 1500 Vokabeln. In der Vermutung, dass einem solchen Englisch die Zukunft gehört, hat auch der British Council ein «World English Project» gestartet. Viele Briten klagen darüber, dass ihre Sprache verkommt. Aber daran werden sie sich wohl gewöhnen müssen.

Sogar bei der diesjährigen Weihnachtsansprache werden die Briten einen anderen Klang zu hören bekommen. Zwar nicht bei der Queen-Rede um 15.00 Uhr in der BBC, die erstmals auch im Internet herunterzuladen ist, aber bei der Alternativ-Ansprache, die der große Privatsender Channel 4 zeitgleich ausstrahlen wird. Die wird in diesem Jahr von der muslimischen Einwanderin Khadija Ravat gehalten, die aus Simbabwe stammt. Was auch immer die 33 Jahre alte Lehrerin sagen wird: «Queen's English» wird es nicht sein.

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