Logo: Die Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH bietet Informationen für Autoren Logo: Haus der Literatur mit Themen zu Buch, Buchmarkt und Kultur
site search by freefind erweitert

 
Das Autorensiegel für
Ihre Homepage
Autorensiegel für Ihre Homepage

Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche

Der folgende Text ist entnommen aus:Der Ratgeber für neue Autoren 2006/2007
Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche.
Alles, was Sie zum Thema Schreiben und
Veröffentlichen wissen müssen.
Frankfurt a.M. 2007, 490 S.
ISBN 978-3-937909-72-1
€ 14,80

Kapitel 2 - Books on Demand: Wie funktioniert es?

Bücher auf Nachfrage
von Christine Pfeiffer

Was ist "Book on demand " und wie funktioniert es?

Welcher Autor träumt nicht davon, sein eigenes Buch günstig zu produzieren? Mit "Books on demand" verspricht dieser Traum Wirklichkeit zu werden. Aber was versteckt sich hinter diesem aus Amerika stammenden Ausdruck?

Erstmals erschien der Begriff "Book on demand" Mitte der neunziger Jahre, und seitdem erfreut sich dieser Verlagszweig wachsender Beliebtheit. Der Buchgroßhändler Libri in Norderstedt war einer der ersten, der die Idee, Bücher erst bei Bedarf zu drucken und auszuliefern, auf dem deutschen Markt etabliert hat. Zwar ließ er sich die Bezeichnung "BoD" als Marke schützen, doch hält er keineswegs das Monopol, sondern konkurriert mit zahlreichen anderen Dienstleistern aus dem Bereich der digitalen Drucktechnik, die manchmal auch mit dem Kürzel "PoD" (Print bzw. Publishing on Demand) bezeichnet werden. Für den Autor leisten diese Anbieter Folgendes:

Nach dem Vertragsabschluss zwischen Autor und dem "Book on demand" -Anbieter, welcher in der Regel festlegt, dass der Autor für den Inhalt des Werkes selbst verantwortlich zeichnet, er keine pornographischen oder gewaltverherrlichenden Themen behandelt und er die Rechte an Text und Bildmaterial innehat, schickt der Autor ein druckfähiges Manuskript an den Book on demand-Anbieter.

Druckfähig heißt, dass es sich entweder um eine Papierversion oder um eine postscript- beziehungsweise pdf-Datei handelt, in welcher der Text in genau jener Form enthalten ist, wie er im fertigen Buch erscheinen soll. "Book on demand" bietet in allgemeinen nämlich keinerlei Hilfeleistungen in Sachen Layout, Korrektur oder Ähnlichem an. Tatsächlich reicht der Autor sein "fertiges Buch" ein. Dieses wird nur noch gedruckt und mit einem ansprechenden Cover versehen, das ebenfalls vom Autor erstellt werden muss. Ausnahmen bilden jene Textversionen auf Papier, die für einen geringen Aufpreis vom Anbieter gescannt werden. Doch auch hier muss der Text als solcher schon in der Endfassung und entsprechendem Layout vorliegen.

Die Besonderheit bei "Book on demand" besteht nun darin, dass nicht von vornherein eine bestimmte Auflage des Buches zwischen Autor und Anbieter festgelegt wurde. Das bedeutet, das Buch wird erst in dem Moment gedruckt, da es auch tatsächlich von einem Leser bestellt wird. Bis dahin lagern nur die Dateien des Buchs bei dem Anbieter, der normalerweise eine geringe Gebühr, etwa 3 Euro monatlich, für diesen Service verlangt. Gedruckt wird also nur, was tatsächlich nachgefragt wird, so wie es die Bezeichnung "Book on demand" (Buch auf Nachfrage) beschreibt.

Wo liegt der Unterschied zu herkömmlichen Verlagen bzw. Dienstleisterverlagen?

Verlag im herkömmlichen Sinn bedeutet "vorlegen", vorfinanzieren. Sowohl der Autor als auch der Verlag bringen Vorleistungen. Der Autor arbeitet vor, indem er ein Manuskript herstellt und der Verlag, indem er Druck und Vertrieb dieses Manuskriptes finanziert und durch den Verkauf auf dem Buchmarkt refinanziert.

Doch dass diese Vorgehensweise selbst schon zu Zeiten der Klassiker in Deutschland und anderen Ländern nicht die einzige Praxis der Publikation war, zeigt sich schon darin, dass etwa Goethe seinen "Götz von Berlichingen" selbst finanzieren musste.

Besonders wenn der Erfolg eines Buches nicht vorhersehbar ist, fordern viele Verlage eine Beteiligung vom Autor an den entstehenden Kosten. Eine solche Beteiligung ist meist dann notwendig, wenn es sich um Werke handelt, die sich entweder nur an eine kleine Zielgruppe richten, oder im Falle eines Werkes eines Autors, der bislang noch weitestgehend unbekannt ist.

Innerhalb der Verlagslandschaft gibt es die sogenannten Dienstleisterverlage, die einen Großteil ihrer Bücher mit Kostenbeteiligung der Autoren herstellen und vermarkten. Seit gut einem Jahrzehnt konnte sich jedoch auch "Book on demand" einen Platz in diesem Sektor erobern. Beides, Dienstleisterverlage und "Book on demand", sind gute Alternativen zum Selbstverlag, bei dem die Reputation des Autors stets fragwürdig war und bleibt. Nichtsdestotrotz ist die Frage des Prestiges auch bei Dienstleisterverlagen und "Book on demand" stets eine wichtige. Besonders elitäre Kreise von Autoren und Medien bringen selbstfinanzierten oder teilfinanzierten Werken keine Wertschätzung entgegen: So werden Rezensionen von solchen Büchern oft nicht gedruckt oder nicht gespeichert, und einige Autorenverbände verweigern "Book on demand"-Autoren eine Mitgliedschaft.

Was die Finanzierung der zu veröffentlichenden Werke betrifft, gibt es zwischen vielen Verlagen und "Book on demand" zunächst keinen großen Unterschied: in jedem Fall nimmt auch der Autor ein finanzielles Risiko in Kauf, falls sein Buch nicht erfolgreich sein sollte. Doch anders als bei "Book on demand" bieten die sogenannten Dienstleisterverlage ein größeres Spektrum an Dienstleistungen an: von der Unterschrift des Vertrags an betreuen sie das Buchprojekt - durch Lektorat, das heisst Korrektur im Rechtschreibungs- und Grammatikbereich, durch Beratungsgespräche und Diskussionen mit dem Autor, etwa über Buchgestaltungsmöglichkeiten sowie konkrete Verbesserungsvorschläge, bis hin zum Druck und der Auslieferung des fertigen Buches. Vieles, was der Autor bei einem Selbstverlag oder "Book on demand" in Eigenregie erledigen muss, übernimmt für ihn dort der Verlag. Besonders für Autoren, die im Bereich der Datenverarbeitung, besonders die Buchherstellung betreffend, nicht allzu firm sind, bieten solche Verlage eine gute Alternative. Denn diese Hilfestellungen sind bei "Book on demand"-Anbietern nur in den seltensten Fällen zu finden. Teilweise gibt es heute schon Pauschalangebote, die dem Autor den Umgang mit der komplexen Software ersparen oder auch die Möglichkeit bieten, direkt beim Anbieter entsprechende Broschüren zu bestellen, die als Leitfaden den Weg durch die Unwägbarkeiten der Erstellung eines eigenen, druckfähigen Manuskripts bahnen. Dies variiert jedoch von Anbieter zu Anbieter erheblich.

Des Weiteren ist bei "Book in demand" auch ein höheres Maß an Eigeninitiative in Sachen Marketing und Vertrieb vonnöten. Während herkömmliche Verlage auch diese Leistung übernehmen, muss sich der Autor bei "Book on demand"-Anbietern selbst um die Werbung kümmern, d. h. das Buch den Kunden vorstellen. Viele "Book on demand"-Anbieter vergeben zwar, wie andere Verlage auch, eine ISBN-Nummer - teilweise muss diese sogar extra bezahlt werden - und tragen das Buch ins VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher), teilweise auch ins CIP ein. Mehr wird hier aber nicht geleistet, so dass der Autor darüber hinaus durch Lesungen, Plakate und Kontakte mit regionalen Medien, wie Zeitungen oder Radiosendern, selbst aktiv werden muss.

Welche Vorteile bietet Book on demand? Welche ein herkömmlicher Verlag?

"Die zweite Buch-Revolution ist da: Die Digitale Revolution. Erstmals ist es möglich, ein Buch in genau der Auflage zu produzieren, in der Sie es benötigen. Ein Exemplar, 10 oder 100, das Buch wird gedruckt, wenn Nachfrage besteht («Book on demand » ). Und es ist innerhalb von Stunden auf dem Weg zum Kunden. Das spart Kosten, schont die Umwelt und vereinfacht die Verwirklichung Ihres Buches." So oder ähnlich wird im Internet von Anbietern des "Book on demand" geworben. Die Zielgruppe der Anbieter sind meist unbekannte, sogenannte Hobbyautoren, die ihr Buch in kleiner Stückzahl veröffentlichen wollen, jedoch keinen Verlag finden, der das Manuskript befürwortet.

Doch auch für Nachdrucke und andere Kleinauflagen verspricht dieses Verfahren profitabel zu sein. Hinter "Book on demand" steckt die Idee, weitestgehend Ressourcen zu schonen und ein Buch erst dann zu drucken, wenn tatsächlich eine Nachfrage besteht. Da dieses Verfahren verspricht, dass jedermann die Möglichkeit bekommt, sein Manuskript zu drucken und zu vermarkten, sprechen einige in der Branche schon von einer "Demokratisierung" des Buchmarktes. Doch gibt es auch Gegenstimmen, die vor einem Niedergang der Literatur warnen, bedingt doch das "Book on demand"-Verfahren womöglich eine Schwemme an Werken, die einem vermeintlichem elitären Anspruch von Literatur nicht mehr genügen können.

Selbstmarketing des Autors

Bei "Book on demand " gibt es eine direkte Wechselwirkung zwischen Marketing und Erfolg. Denn wer als Autor seine Zielgruppe nicht direkt anzusprechen weiß, d. h. die Presse auf sich aufmerksam macht, Lesungen veranstaltet und im kulturellen Leben seiner Region dauerhaft präsent ist, wird auch keine Aussicht auf eine gewinnbringende Vermarktung seines Buches haben. Es kann teilweise sogar sinnvoll sein, sein Buch weniger über Buchhändler zu vertreiben als vielmehr nach alternativen Möglichkeiten des Vertriebs zu suchen, zum Beispiel in Fachgeschäften und Institutionen, die dem Werk thematisch nahe stehen.

Problematisch ist auch, dass die Bücher aus dem "Book on demand"- Verlag häufig nicht gefunden werden. Zwar sind sie im VLB gemeldet und besitzen eine ISBN, aber sie tauchen selten in den Sortimenten der Buchhandlungen auf, die sich vornehmlich am Großhandel orientieren. Mit Ausnahme des Grossisten Libri, der BoD gewissermaßen als Eigenproduktionen listet, finden sich die meisten Titel nur selten in den einschlägigen Barsortimenten. Wenn der Bedarf durch das Angebot bestimmt werden soll, wirkt sich allein diese Tatsache schon negativ auf die Verkaufszahlen aus.

Für alle Autoren, die sich für "Book on demand" interessieren, sei also von vornherein gesagt, dass die Werbung, soll sie erfolgreich sein, sich zunächst regional ausrichten sollte. Am wichtigsten sind erste Erfolge in der eigenen Region, sei es durch Lesungen oder Interviews, auf die es später im überregionalen Bereich aufzubauen gilt.

Technische Besonderheiten

Nicht die herkömmliche Offset-Drucktechnik ist es, mit der bei "Book on demand" gearbeitet wird, sondern es kommt eine Kombination aus Digitalisierung (der Text wird als pdf-Datei o. Ä. eingereicht) und Laserdruck zum Einsatz. Oft wird, da es sich bei "Book on demand" eigentlich um ein bestimmtes Druckverfahren handelt, auch der Begriff "Print on demand" verwendet. Letzteres kann sich aber auch auf allerlei andere Textgattungen beziehen.

So ließ etwa das Land Sachsen von Ausschreibungen zu bestimmten Bereichen - aufgrund der unbekannten Zahl von Anfragen - zunächst nur digitale Vorlagen erstellen, welche anschließend vom Sächsischen Digitaldruckzentrum auf Anfrage in der geforderten Anzahl gedruckt wurden. Durch die Abkehr vom Offsetdruck wird vor allem Material und Zeit gespart. Denn durch den digitalen Druck ist es nicht mehr notwendig, Druckplatten fotomechanisch herzustellen, Druckmaschinen müssen nicht mehr eingerichtet werden, und das Falzen und Zusammentragen der Druckbögen entfällt ebenfalls. Das Verfahren ist somit wesentlich schneller und erinnert eher an das heutige Kopieren als an das herkömmliche Druckverfahren. Für die nahe Zukunft werden in diesem Bereich bereits Maschinen vorausgesagt, in die Daten nur noch eingespeist werden müssen und die innerhalb weniger Minuten ein fertig gebundenes Buch produzieren. Maschinen, die einen ersten Schritt in diese Richtung gehen, werden derweil schon im US-amerikanischen Raum als Prototypen in Buchhandlungen getestet.

Was aber bedeutet dies für die Zukunft der Buchhandlungen? Ist es vorstellbar, dass man in einer Buchhandlung der Zukunft statt Büchern verschiedene Automaten antrifft, in die man nur noch einen Titel eingeben muss, um kurz darauf das frisch gefertigte Buch in den Händen zu halten? Und wäre eine solche Entwicklung wünschenswert?

Kosten

Natürlich ist "Book on demand" für den Autor nicht kostenfrei. Je nach Anbieter muss man mit Kosten von 400 bis 1500 Euro für eine Auflage von 50 bis 100 Stück rechnen. Das zeigt deutlich, dass bei solchen kleinen Auflagen nicht der Autor, sondern hauptsächlich der Anbieter von "Book on demand" als Dienstleister verdient.

Im allgemeinen liegt bei herkömmlichen Verlagen das Autorenhonorar etwa bei 5 bis 10 Prozent. "Book on demand" hingegen verspricht ca. 22 Prozent. Doch ist das höhere Honorar auch an eine höhere Eigenleistung des Autors geknüpft. Denn der Erfolg eines Buches ist bei "Book on demand" sehr viel mehr von der Eigeninitiative des Autors abhängig, als das bei einem Dienstleisterverlag der Fall ist - muss der Autor doch einen großen Teil der Vermarktung selbst tragen.

In beiden Fällen wird bei der Werbung neuer Autoren die Refinanzierung, ja sogar Gewinnmöglichkeit mit dem Buchprojekt in den Vordergrund gerückt, auch wenn, wie die Vergangenheit beweist, eine gewinnbringende Produktion für den Autor nur im seltensten Fall zu erwarten ist. Damit ist die Enttäuschung der Autoren schon von vornherein vorprogrammiert.

So kann man zwar generell feststellen, dass "Book on demand" eine preisgünstige Alternative zu den sogenannten Dienstleisterverlagen ist, muss jedoch auch deutlich machen, dass es nur eine sinnvolle Lösung für all die Autoren ist, die bereit sind ihr Werk von Beginn an selbst auf die Füße zu stellen. Also jene Autoren, die Ihr Manuskript eigenständig in ein druckfähiges Format umwandeln können, die Interesse und Engagement an der Selbstvermarktung ihres Buches haben und die sich zutrauen, sich und ihr Buch im richtigen Rahmen in ein gutes Licht zu rücken.

Tipps für interessierte Autoren

Nun bleibt nur die Frage, nach welchen Kriterien man am besten einen "Book on demand"-Anbieter auswählt. Sinnvoll ist es immer als erstes den Internetauftritt des Anbieters genau zu betrachten: ist die Webpage professionell gestaltet, gibt es die Möglichkeit, den Anbieter direkt von dort per email zu kontaktieren, sind weitere Kontaktmöglichkeiten angegeben?

Wichtig ist weiter auch, wie die Bücher jenes Anbieters auf der Seite dargestellt werden. Gewinnt man den Eindruck, dass sich der Anbieter um seine Ware bemüht, oder ist etwa von den Produkten kaum etwas zu sehen?

Sinnvoll kann es auch sein, einfach mal bei einem Internetbuchvertrieb, wie zum Beispiel Amazon, den Namen des Verlages einzugeben, um zu sehen, ob und in welchem Ausmaß der Verlag dort vertreten ist. Bekommt man dort gar keine Rückmeldung, sollte man sich doch lieber bei einem anderen Anbieter versuchen, denn die hauptsächliche Vertriebsart von "Book on demand"- Bücher ist und bleibt das Internet.

Interessant ist auch, im Voraus zu versuchen, etwas über den Service zu erfahren und sich dabei auf zweierlei zu konzentrieren: Erstens sollte geprüft werden, wie interessiert der Anbieter an neuen Autoren ist. Das ist relativ einfach, indem man eine E-Mail schreibt oder auf anderem Weg den Anbieter kontaktiert und nach Informationsmaterial fragt. Hier erkennt man schon gut, wie, d.h. wie schnell und wie ausführlich dieser Bitte nachgekommen wird. Hat man den Eindruck, dass diese Antwort zufriedenstellend ist, kann man mit großer Wahrscheinlichkeit auch davon ausgehen, dass dies in Zukunft ähnlich funktionieren wird. Vielleicht gibt es aber sogar die Möglichkeit, Leitfäden und Hilfsbroschüren direkt beim Anbieter zu bestellen, auch das kann als gutes Zeichen gewertet werden.

Ein weiteres wichtiges Kriterium sind aber auch die zusätzlich entstehenden Kosten: Der Preis, der als Angebot für den Druck des eigenen Manuskripts oft angegeben wird, ist meist nicht der Komplettpreis. Hierzu kommen oft noch Aufschläge für alle möglichen " Zusatzleistungen". Auch hier lohnt sich auf jeden Fall ein direkter Vergleich mit anderen Anbietern, um herauszufinden, was bei den einzelnen Anbietern im Angebot enthalten ist und was nicht.

     © Frankfurter Taschenbuchverlag
 

Lesen Sie hier weitere Kapitel aus dem Autorenratgeber:

 

Verlag sucht Manuskripte
Logo: August Goethe Verlag

Haus der Literatur wird gefördert von: